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Die Abentheuer des Don Sylvio

Christoph Martin Wieland: Die Abentheuer des Don Sylvio - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva
authorChristoph Martin Wieland
year1997
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20201-4
titleDie Abentheuer des Don Sylvio
pages3-8
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1764
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Drittes Capitel.

Worinn Pedrillo auf eine sehr unangenehme Art aus dem Schlaf geweckt wird.

Der gute Pedrillo schnarchte noch, als Don Sylvio plötzlich aus einem Traum auffuhr, der seinen Schlummer auf eine sehr unangenehme Art unterbrochen hatte. Verdammter Zwerg, rief er, indem er den Pedrillo bey der Gurgel faßte, gib mir mein Bildniß wieder, oder du bist des Todes!

He! Hülfe, Hülfe, Mörder, Feuer, Hülfe, schrie Pedrillo, und schlug mit Händen und Füssen um sich, indem er ohne zu wissen wie ihm geschah, so unfreundlich aus dem Schlaf erweckt wurde.

Meine Princeßin her, rief Don Sylvio nochmals oder – – – –

Je, zum Henker, schrie Pedrillo, indem er sich von ihm loßriß, seyd ihrs, Herr? Reitet euch dann der Teufel, daß ihr mich mit aller Gewalt erdrosseln wollt? Pestilenz! Man ist ja seines Lebens nicht bey euch sicher?

Wie? was ist das? rief Don Sylvio ganz bestürtzt, bist du es Pedrillo?

Je, zum Teufel, antwortete dieser, ich meyne wohl, daß ichs bin, wenn mich meine Mutter nicht mit einem andern verwechselt hat. Ist denn das auch Manier, einen so im Schlaf zu überfallen? Sackerlot! wenns so gilt, so bedank ich mich für die Commißion, Euer Gnaden Schmetterlinge und Princeßinnen suchen zu helfen.

Ich weiß nicht wo ich bin oder was ich sagen soll, erwiederte Don Sylvio, das seh ich nun mit meinen Augen, daß du Pedrillo bist, aber – – – –

O grossen Dank, Herr Ritter, Don Sylvio von Rosalva, euer Diener! beym Element! ihr seyd sehr gnädig, daß ihr mir es endlich ganz laßt, daß ich meiner Mutter Sohn bin; aber meynt ihr, es sey damit gleich ausgerichtet? Meiner Seel, ihr hättet mir den Halß umgedreht haben können, ehe ich gewußt hätte, wie es zugegangen wäre. Da, seht nun her, wie ihr mit mir umgegangen seyd; Potz Herrich! wenn ihrs euren guten Freunden nicht besser macht – – Aber ich will gleich wetten, da wird wieder ein Zwerg oder Salamander, dahinter stecken.

Gib dich nur zufrieden, mein lieber Pedrillo, antwortete Don Sylvio, du kanst ja selbst denken, daß meine Absicht nicht war, dir was zu Leyde zu thun, und, ich schwöre dirs bey dem Leben meiner Princeßin, ich begreiffe noch nicht, wie es zugegangen, daß der verwünschte grüne Zwerg, den ich schon in meiner Gewalt hatte, mir wieder entwischt ist, und dich an seine Stelle geschoben hat.

Dacht ichs nicht, rief Pedrillo, da haben wirs; der grüne Zwerg; Sagt ich es nicht vorher, wir würden kaum den Fuß zum Hause hinaus gesetzt haben, so würde der Diebshenker uns alle Drachen, Riesen, Zwerge und Rohrdommel der ganzen Welt auf den Halß hetzen? Ich hin euch gut dafür; bey Tag wird uns nichts dergleichen begegnen. Aber hab ich euch recht verstanden, gnädiger Herr, sagtet ihr nicht was vom grünen Zwerg? Ich dachte, der sey in einen Zahnstocher verwandelt worden. Es scheint mit Erlaubniß der Frau Salamander-Königin daß sie eben keine Sclavin ihrer Worte ist. GOtt verzeyh mirs, man soll nicht Böses von seinem Nächsten denken, aber, beym Velten! Herr, wenn sie euch nicht für einen Narren hat, so will ich gelogen haben.

Rede nicht so ungebührlich von einer so grossen Fee, sagte Don Sylvio sehr ernsthaft, es wird dich noch gereuen; ich sage es dir zum letztenmal, daß ich die ungezogene Frechheit deines Mauls nicht mehr leiden werde. Höre nur erst, was mir begegnet ist, und dann rede. Must du dann immer urtheilen, eh du einmal weist, wovon die Rede ist?

Ich glaubte nicht, daß ich mich so sehr verfehlt hätte, antwortete Pedrillo ganz kaltsinnig; ich habe doch so viel Vernunft, daß ich weiß, daß Holzäpfel keine Quitten sind. Ich lasse mir eben auch nicht alles weiß machen, und ich bin, mit eurer Erlaubniß, nicht so dumm als ich aussehe. Es sind noch nicht fünf Minuten, so wolltet ihr mich erwürgen, weil ihr mich, wie ihr sagt, für den grünen Zwerg ansahet. Nun sag ich so: entweder ist der grüne Zwerg ein Zahnstocher, oder er ist keiner; ist er keiner, so hat die Fee – – ihr wißt schon was; ist er aber einer, zum Henker, seit wenn seh ich dann einem Zahnstocher gleich? das ist ein Schluß, hoffe ich, woran nichts auszusetzen ist; ich möchte wohl sehen, was Euer Gnaden darauf antworten könnte.

Zum Henker, sagte Don Sylvio lächelnd, gibst du dich auch damit ab, Dilemmata zu machen? Wenn du so fortfährst, so wird ja zuletzt nicht mehr mit dir auszukommen seyn. Aber höre nur erst, sag ich dir, und laß mich allein reden, biß ich fertig bin, hernach wollen wir sehen, was für Schlüsse wir darüber zu machen haben.

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