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Die Abenteuer des kleinen Walther

Multatuli: Die Abenteuer des kleinen Walther - Kapitel 5
Quellenangabe
pfad/multatul/klwalthe/klwalthe.xml
typefiction
authorMultatuli
titleDie Abenteuer des kleinen Walther
publisherVerlag von Otto Hendel
seriesBibliothek der Gesamt-Litteratur
year
firstpub
translatorKarl Mischke
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100516
projectid8fb3ce4f
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Der Einfluß Fränzchen Hallemans auf Walthers Heldenstele, und die Beziehungen dieses Einflusses zum Propheten Habakuk. Große und kleine Mensche, der Zopf des Chinesen, und der Kragen der Menschheit.

Walther rannte, rannte... und wußte nicht, wohin. Nach Hause konnte er nicht; dazu wurde ihm da zu sehr aufgepaßt. Was nicht sehr schwer war, denn die Räumlichkeit war beschränkt.

Er wählte einsame Straßen und kam schließlich an ein Thor, das er sich erinnerte öfter gesehen zu haben. Den Namen wußte er nicht, und ich weiß ihn auch nicht. Es war ein flacher, niedriger Bogen, wo es immer so nach Asche roch, und wo er einmal jenen Sprung gethan hatte, als er die Predigerstunde schwänzte, mit Fränzchen Halleman, der gemeint hatte, daß Walther es nicht wagen würde zu schwänzen und von dem Thor zu springen. Aber Walther wagte es, gerade weil Fränzchen Halleman an seinem Mute gezweifelt hatte.

Diesem Schwänzen hatte er es zu verdanken, daß er so besonders gut im Propheten Habakuk zu Hause war, dessen Prophezeiungen er dann zwölfmal hatte abschreiben müssen, zur Strafe. Der Sprung verschaffte ihm ferner ein Barometer in seiner verstauchten großen Zehe, der, aus edler Rache, ihn später immer warnte, wenn Regen zu erwarten war.

In gewissem Sinne war Habakuk als Walthers Übergang zu betrachten, nämlich von der Kinderlektüre zu den Büchern in denen von »großen Menschen« erzählt wird. Seit einiger Zeit fühlte er, daß seine Bewunderung der »braven Heinriche« einen Stoß bekommen hatte, und es ekelte ihn vor den papierenen Pfirsichen, die in den schönen Erzählungen als Lohn des Fleißes ausgeteilt wurden. Andere Pfirsiche kannte er nicht, weil die in bürgerlichen Häusern nicht so vorkamen.

Nichts war natürlicher, als daß er feurig danach verlangte, mit seinen älteren Schulkameraden mitreden zu können über die Wunder, die in der wirklichen Welt vorkommen, wo man in der Kutsche fährt, Städte verwüstet, Prinzessinnen heiratet und des Abends nach Zehn noch aufbleibt, auch wenn kein Geburtstag ist. Auch legt man sich in der Welt bei Tisch selber vor, und man braucht nur zu wählen, was man genießen will. So denken die Kinder.

Jeder Knabe hat sein Heldenalter, und das ganze Menschentum hat ein Schößchen getragen mit einem Halskragen dazu.

Aber wie weit geht die Übereinstimmung? Wo hört sie auf? Wird das Menschengeschlecht reif werden? und mehr als reif: alt? und gebrechlich, kindisch?

Wie alt sind wir jetzt? Sind wir Knabe, Jüngling, Mann? oder gar schon ...? Nein, das wäre zu unangenehm.

Wollen wir annehmen, daß wir in den »Flegeljahren« stecken! Wir sind denn doch nicht mehr ganz Kind, und wir dürfen noch etwas hoffen von der Zukunft.

Ja, von der Zukunft, wenn die dumpfe Schulluft von uns weggeweht ist. Wenn wir Freude haben werden an dem kurzen Jäckchen des Jungen, der nach uns kommt. Wenn man die Freiheit haben wird, ungeschmäht geboren zu werden, ohne gesetzliche Erlaubnis. Wenn die Menschheit eine Sprache sprechen wird. Wenn Metaphysik und Religion werden vergessen sein und Kenntnis der Natur als Adel gelten wird. Wenn man mit den Ammenmärchen gebrochen haben wird.

Siehe da etwas Seide in dem Zöpfchen meines Chinesen. Manche werden sagen, daß es nur Flachs ist.

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