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Die Abenteuer des kleinen Walther

Multatuli: Die Abenteuer des kleinen Walther - Kapitel 39
Quellenangabe
pfad/multatul/klwalthe/klwalthe.xml
typefiction
authorMultatuli
titleDie Abenteuer des kleinen Walther
publisherVerlag von Otto Hendel
seriesBibliothek der Gesamt-Litteratur
year
firstpub
translatorKarl Mischke
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100516
projectid8fb3ce4f
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Warum wir diesmal Femke nicht zu sehen bekommen, und wie weltlich ein Diener der Kirche sein kann. Wir erführen beinahe, wieso Pater Jausen auf der einen Seite taub ist. Ankündigung großer Dinge.

Die eigentümlichen Verhältnisse unseres Helden, die verschiedenartigen Autoritäten, die sich in seiner Seele stritten, und das aufkeimende eigene Denken, das dazu kam, brachten eine sehr niedergeschlagene Gemütsstimmung zustande. Der Gegensatz zwischen seiner hochfliegenden Phantasterei und den niedrigen Erdenklumpen, die ihm anhingen, kam ihm nicht zum klaren Bewußtsein, und die ruhige teilnehmende Pflege, die ihm nach seiner schweren Krankheit nötig gewesen wäre, wurde ihm leider nicht zu teil, dank der Beschränktheit seiner Angehörigen.

Er fühlte sich sehr niedergeschlagen.

Femke! dachte er, und er sehnte sich nach ihrem frischen gesunden Gesicht, ihrem reinen, natürlichen Blick, ihrem freundlichen Lächeln. Die Phantasie, die ihn zu den Sternen geführt hatte, auf der Suche nach seinem duftigen Schwesterchen, blieb an dem Mädchen der Amsterdamer Niederung hängen, an Femke mit ihrer unpoetischen Länge, Breite, Höhe und Schwere.

»Ich will sie sehen.« rief er, »ich will! Und wenn Frau Claus mich zehnmal nach Würmern fragt, mir ist's gleich: ich will sie sehen!«

Er trat in das Grundstück und klopfte an. Es wurde »Herein« gerufen. Das war ein bißchen schnell, denn es gehört etwas dazu, um eine Klinke zu ergreifen. Aber Walther that es. Vielleicht dachte er an Missolunghi.

Die Türken, die er diesmal vor sich sah, hatten kein erschreckliches Aussehen. Sie waren ungewappnet und ermordeten keinen einzigen Säugling.

Aber ... Femke war nicht dabei.

Frau Claus stand eifrig am Waschfaß, die Seife roch, und Pater Jansen rauchte ganz friedlich eine Goudasche Pfeife.

»So, junger Mann, bist du da? Das ist nett! Das ist der Junge, der unserer Femke das Bild gab, wissen Sie, Pater?«

Der Pater nickte ihm freundlich zu und rauchte behaglich weiter, ohne ein Zeichen besonderer Gottseligkeit von sich zu geben.

»Ja, Jüffrau, ich wollte mal...«

»Sehr nett von dir! Willst 'ne Butterstulle? Und wie geht's deiner Mutter? Ist sie wieder besser? Sie ist ja wohl krank gewesen? Es ist ein guter Junge, Pater. Femke hat's gesagt. Ist deine Mutter wieder besser? Fieber war's ja wohl oder 'n Schlaganfall... oder, was war's doch?«

»Ach nein, Jüffrau...«

»Du mußt zu mir nicht Jüffrau sagen, ich bin bloß 'ne Waschfrau. Jeder muß in seinem Stand bleiben, nicht, Pater? So, deine Mutter ist nicht krank gewesen? Na, desto besser. Ich dachte, sie war krank gewesen, 's wird 'ne andere gewesen sein. Man hat so viel im Kopfe. Ißt du gern Käse? 's ist Leydscher.«

Die gute Frau machte ein Butterbrot zurecht. Trude wäre in Ohnmacht gefallen, wenn sie es gesehen hätte. In dem Bürgerstand, soundsovielte Klasse nach Pennewip, herrscht eine anstandsvolle Knappheit, die bei dem arbeitenden Stande nicht besteht. Arbeiter, die ihr Geld nicht in Genever anlegen, sind nicht so ängstlich in der Ernährung ihrer Familie, wie Leute, die ihren Kindern französische Namen geben.

Walther hatte nie so ein Butterbrot gesehen. Er wußte wahrhaftig nicht, ob er das Ding in der Breite oder in der Dicke angreifen sollte, aber der Käse gab ihm die richtige Weisung.

Frau Claus gefiel ihm diesmal viel besser.

Und Pater Jansen auch, wenn er ihn sich auch ganz anders gedacht hatte.

Er hatte sich einen Geistlichen nie anders gedacht, als voll von lauter überirdischen Sachen. So einer schien nun Pater Jansen gar nicht zu sein.

Er besuchte die Schafe seiner Herde, besonders gern die einfachen Leute – nicht aus großthuerischer Wohlthätigkeit, denn er hatte selber nichts – sondern weil er sich bei ihnen am gemütlichsten fühlte. Auch hielt er viel von Butterbroten von Frau Claus' Sorte. Im übrigen las er seine Messe, predigte über der Welt Sünden, katechisierte, konfirmierte, absolvierte und was so vorkam. Er übte sein Amt aus, und machte keinen großen Unterschied daraus, daß er zur Kirche gegangen war und daß sein Bruder in Nordbrabant das Geschäft seines Vaters fortführte, der Hufschmied und Gastwirt gewesen war.

»Und was willst du werden?« fragte er Walther. »Denn jeder muß in der Welt etwas werden. Hast du keine Lust zur Buchbinderei? Das ist ein gutes Fach.«

»Ich bin ... im Handel gewesen, M'neer ... und ich gehe wieder hinein.«

»Das ist gut. Junge! Da kannst du reich dabei werden. Vor allem hier in Amsterdam, denn ... Amsterdam ist 'ne Handelsstadt.«

Walther hatte Lust, hinzuzufügen: die größte Handelsstadt von Europa. Aber er war doch verblüfft über das ... Irdische in Pater Jansens Sprache. Es war ihm nicht unangenehm, aber es fiel ihm auf.

Es sollte noch ärger kommen.

»Ein Jungchen wie du muß tüchtig essen ... du siehst recht blaß aus. Mein Bruder biegt ein Hufeisen krumm. Was sagst du dazu? Hast du mal unser brabantsches Brot gegessen? Schinken ist auch nicht schlecht, 'n Mensch, der nicht gut ißt, wird schlapp. Ich esse immer zwei Butterstullen, wenn ich bei Frau Claus bin, aber ich bin lange nicht so stark wie mein Bruder. Die Büchter Kirmeß müßtest du mal sehen! Da ist was los!«

Man darf sich nicht vorstellen, daß dies Gespräch Walther unangenehm war. Absolut nicht. Aber verwundert war er. Leichter und gemütlicher hatte er nie Botschaften aus dem Himmel erhalten. Und aus dem Himmel kamen sie doch, die Worte im freundlichen brabantischen Zungenschlag, die Pater Jansen zwischen den Rauchwolken seiner Pfeife von sich gab. Dieser Mann mit dem Priesterrock schwatzte drauf los, als ob kein Gott, keine Gnade und vor allem keine Hölle in der Welt wäre. Er freute sich wie ein Kind über die Muskelkraft seines Bruders, des Schmiedes! Der Mann war von Beruf Seligmacher, und er liebte dicke Butterbrote mit Käse!

Noch nie hatte etwas Religiöses sich so lieblich offenbart. Walther fuhr heraus:

»M'neer, ich möchte so gern wissen, wer Gott ist!«

Pater Jansen sah ihn erstaunt an, als ob er nicht recht verstanden hätte.

»Schön, das ist brav von dir. Da mußt du...«

»Aber, Pater,« rief Frau Claus, »das Kind ist ja nicht von der Kirche. Nicht wahr?«

»Ja, Jüffrau, ich bin schon eingesegnet.«

»Gewiß, gewiß, aber ...«

»Auf dem Noordermarkt!«

»Na also, siehst du, in der Kirche!«

Die gute Frau hatte das Herz nicht oder zu viel Herz, um ihm zu sagen, daß es nicht die rechte wäre.

»Wer Gott kennen lernen will,« sagte Pater Jansen, »muß brav lernen.«

»Gewiß,« sagte Frau Claus, »die Artikel des Glaubens. Die mußt du unsere Femke mal hören aufsagen. Das ist 'ne Lust, nicht, Pater? Sie ist mein eigen Kind, aber ... das ist mir ein Mädchen!«

»Ja, Femke ist ein braves Mädchen, und ich habe nie Ärger mit ihr.«

Das klang sehr geschäftsmäßig. So meinte es der Pater auch. Die Fleckchen von ihrer Seele ließen sich leicht abputzen. Er sprach ungefähr, wie eine Köchin ihren Kochtopf lobt.

Und der Pater hatte noch mehr Lob für Femke. Sie hatte seine Unterhosen so nett geflickt.

O! Fancy!

Walthers Schönheitsgefühl wurde dadurch nicht getroffen, wenigstens nicht in erster Linie. Es kam etwas anderes ins Spiel. Die Hoheit Fancys konnte nicht dadurch berührt werden, sie sah ja alles nackt, Paters und Menschheit!

Walther war sechzehn Jahre alt, also schon ein kleiner Mann – was hatte Femke sich mit den Unterhosen dieses Paters abzugeben!

»Ja,« sagte die Mutter, »geschickt ist sie! Ist nicht wieder was bei Ihnen kaput, Pater? Schicken Sie's nur ruhig her!«

Walther glühte. Mochten es denn in Gottes Namen Halskragen, Strümpfe, Westen, oder – na, wenn's denn durchaus etwas von der ärgerlichen Sorte sein sollte – wären es denn immerhin Oberhosen gewesen!

»Schicken Sie's nur her. Wenn Femke nicht hier ist...«

Wo soll sie sein?

»Dann werde ich Ihnen das schon zurecht machen. Ich kann's noch ganz gut!«

Gott sei Dank! Liebe, beste, herrliche Frau Claus! Thun Sie's, thun Sie's. und lassen Sie Femke, wo sie ist.

Aber ... wo war sie?

So dachte Walther. Aber was sagte er, der Heuchler, das angehende Menschlein?

»Ach so, 's ist ja wahr, Frau Claus, beinahe hätte ich vergessen zu fragen, wo Ihre Tochter Femke ist?«

»Femke? Die ist bei 'ner Nichte von uns, bei der das Mädchen krank ist ... wir sind nämlich von guter Familie, junger Herr! Femke ist bei den Kindern von unserer Nichte.«

Aber zu fragen, wo diese Nichte wohnte, hatte Walther den Mut nicht. Er machte ein Gesicht, als wäre er ganz zufriedengestellt.

Nach einigem Warten und Drehen und Hinundherrücken auf dem Stuhl – Walther wußte noch nicht, wie man einen Besuch beendigt: mancher lernt es nie! verließ er schließlich mit Pater Jansen das Häuschen.

»Willst du mir einen Gefallen thun?« sagte der gute Mann, »dann gehe auf meiner rechten Seite. Ich bin hier taub.«

Und er zeigte auf sein linkes Ohr.

»Ich will dir erklären, wie es kommt. Wie ich 'n kleiner Junge war ... kannst du gut klettern?«

»Nein, M'neer!«

»So? Nun, ich wohl! In ganz Bücht war kein Junge, der so gut klettern konnte wie ich. Weißt du, was ich gethan hab'? Ich hab' mal 'n Blumentopf aus dem Fenster im dritten Stock geholt. Und ... unser Pastor war nicht gemütlich, ganz und gar nicht! Er wollte mich nicht annehmen, ehe ich das Töpfchen wieder hingebracht hatte, und dann mußte ich die alte Jüffrau um Entschuldigung bitten. Der Topf war nämlich von 'ner alten Jüffrau. Und dann ist sie selbst zum Pastor gegangen, um für mich zu bitten. Und dann hat er mich angenommen. Aber an zwanzig Konfiteors saß ich fest wie 'n Blei am Haken. Ich mach' mir nichts aus 'm Blei, 's ist 'n gemeiner Fisch. Na, 's macht nichts. Ach, der Mann war strenge! Aber ich will dir erzählen, warum ich auf dem linken Ohr taub hin.

Auf'm Seminar war 'n Student ... er ist nun Kanonikus in den Rheinlanden, und er wird wohl auch noch Bischof werden, vielleicht auch Papst, denn ... schlau war er! Ich will mal sagen, er hieß... Fink... aber, verstehst du, eigentlich hieß er anders. Dieser Fink war ein böser Bursche. Aber niemals bekam er Strafe, denn er sah sich vor! Paß auf, ob er nicht Bischof wird oder Papst! Du müßtest ihn hören, wenn er ein Stück aus der Vulgata aufsagte. Drei Stunden konnte er hintereinander weg reden, und er irrte sich nie im Text.

Es war bloß einer unter den jungen Leuten, die es mit ihm aufnehmen konnten ... im Lernen, verstehst du, und in Kenntnissen und im Latein und so was. Aber im Betragen – nein, nein, dieser andere war im Betragen sehr gut, so gut, wie Fink nur wünschen konnte – aber er stand sich nicht so gut mit den Professoren. Ich kann seinen Namen wohl sagen, weil er tot ist, und ich habe auch nur Gutes von ihm zu erzählen ... er hieß Krüger. Ein sehr guter Junge, das kann ich versichern.

Ja, 'n guter Junge war Krüger, und beinahe so klug wie Fink ... vielleicht noch klüger. Manchmal wußte der Rektor nicht, wer Erster sein sollte, und wir Studenten wetteten drauf. Ich verlor immer, denn ich wettete auf Krüger, weil ich ihn so gern hatte.

Einmal nun, als die Zeit des Examens herankam, war Krügers Vaters krank geworden – ich kannte den Mann sehr gut, er war Bäcker in Tilburg – und Krüger mußte plötzlich heim. Das war schade, denn er war Fink ein paar Punkte vor, und er wäre gewiß der Erste geblieben, wenn er nur hätte weiter arbeiten können. Wir hatten alle Tage die gewöhnlichen Stunden, und dafür bekam er nun keine Punkte. Aber das hätte noch nichts gemacht, wenn er nur hätte in den schriftlichen Arbeiten mitmachen können, Klasse Rhetorik eins und Theologie drei. Dafür giebt's hohe Punkte, und wer darin gewinnt, der kann die Punkte aus den Lektionen schon entbehren.

Wir hatten in Rhetorik dies Jahr: de eloquentia, und in Theologie: de substantia archangelorum ... sehr schwere Stücke, begreifst du.

Krüger schickte sein De eloquentia von Hause ein – und es war sehr gut – ja! – aber er schrieb an unseren Pater Theologie drei, daß er De substantia archangelorumschon früher geschrieben hatte ... stell' dir vor, aus Liebhaberei! Du siehst, daß er sehr klug war und Lust zur Sache hatte. Denn wer so etwas zum Vergnügen thut – – –«

»Bist du denn ganz verrückt, Junge, oder was fehlt dir? Läufst du mit 'n Pastor! Wie kommst du nur um Himmels willen wieder auf so was! Ins Haus ... sofort! Jesses. was hab' ich für Ärger mit dem Kinde!«

Mit diesen Worten brach Jüffrau Pieterse für diesmal die Bekanntschaft mit Pater Jansen ab.

Der Weg, den die beiden Leutchen eingeschlagen hatten, führte an Walthers Wohnung vorbei, und seine Mutter, die gerade mit einem Grünkramjuden über ein paar Körbe Kartoffeln verhandelte, meinte den Schlag zu bekommen.

»Mit'm Pastor! Stoffel, komm mal schnell 'runter ... der Junge läuft mit 'm Pastor!«

Walther schossen die Thränen in die Augen. Er fand, daß Pater Jansen ein guter Mann war, der solche Begegnung nicht verdiente.

Der gutherzige Leser hofft mit mir, daß die Ungezogenheit den armen Tauben nur an der linken Seite traf.

Es scheint so. Denn als Walther nun sagte, daß er zu Hause wäre und daß seine Mutter ihn riefe, antwortete er sehr freundlich:

»So? Da wohnst du? Na, dann will ich dir's nächste Mal erzählen, warum ich links so taub bin ... ganz und gar taub, weißt du!«

Gott sei Dank! dachte Walther und wischte die Thränen ab. Es war ihm, als ob seine Mutter eine schwere Sünde begangen hätte, und daß etwa fünfzig Konfiteors oder wie die Dinger heißen, nötig sein würden ...

»Ach ja, das wollt' ich noch sagen,« mit diesen Worten wandte sich Pater Jansen noch einmal um, »der Blumentopf von der alten Jüffrau Düngelaar ... 's war nicht um die Blumen, verstehst du, und auch nicht um den Topf, bloß weil ich so gut klettern konnte. Sonst ... man muß niemand was wegnehmen, wenn's auch noch so hoch steht. Adieu, junger Herr!«

Und nach einem unverdient freundlichen Gruß an Jüffrau Pieterse ging der Mann seines Weges.

Stoffel meinte, es wäre sehr verkehrt, mit Pastors zu gehen.

»Als ob er verdreht wäre!« sagte Jüffrau Pieterse.

»Ja, Mutter. Aber die Hauptsache ist, daß er nichts zu thun hat und so herumschlendert. Auf die Art wird nie was aus ihm.«

Unser Denker hatte wohl schon größere Dummheiten gesagt, wenn er auch in diesem Falle unrecht hatte. Walther ging nicht müßig. Freilich, er brachte nichts Greifbares zuwege. Was in seinem Inneren vorging, davon hatte freilich Stoffel keine Ahnung.

»Natürlich,« sagte die Mutter. »Er muß Arbeit bekommen. Wenn er doch Schriftsetzer werden wollte! Oder im Schuhhandel arbeiten. Selber Schuhe machen soll er nicht.«

»Dies Laufen mit Pastors kommt nur aus Müßiggang, Mutter. Lauf' ich mit Pastors? Niemals. Warum nicht? Weil ich alle Tage in meine Schule gehe!«

»Ja, Stoffel, du gehst alle Tage in deine Schule.«

»Uebrigens ... 's giebt wohl auch gute Pastors. Da war zum Beispiel Luther, das war auch 'ne Art Pastor. Was that er?«

»Na, gewiß. Er hat die Menschen reformiert gemacht.«

»Lutherisch, Mutter. Na, 's ist beinahe ebensoviel. Man muß nicht engherzig sein.«

»Nein, der Mensch muß nie engherzig sein. Wie ich immer sage! Denn, Stoffel, was kommt's auf 'n Menschen seinen Glauben an, wenn er nur rechtschaffen ist und nicht katholisch!«

Walther sprach mehr Wahrheit als er selbst wußte, als er sich bei Frau Claus den Rang eines Menschen anmaßte, der im Handel gewesen war und wieder hinein sollte. Er kam wirklich wieder hinein.

Durch gütige Vermittlung eines Lederhändlers, der – kommerziell gesprochen – mit den Schuhen, die angeblich aus Paris waren, nahe verwandt war, kam unser kleiner Held bei einer Firma an, deren Gediegenheit etwas weniger apokryph war als die der Herren Motto, Handel und Co.

Walther sollte seine neue Lehrzeit antreten auf dem weltberühmten Comptoir der Herren Ouwetyd und Kopperlith.

Die Sache erlangte ihre Erledigung an einem Mittwoch, und die neue Stelle sollte ohne weiteren Aufschub kommenden Montag angetreten werden.

Bevor es aber so weit war, ereigneten sich noch allerlei sonderbare Dinge, die wirklich einigermaßen Walther zu einem Romanhelden zu machen schienen, was er doch gar nicht war.

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