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Die Abenteuer des kleinen Walther

Multatuli: Die Abenteuer des kleinen Walther - Kapitel 14
Quellenangabe
pfad/multatul/klwalthe/klwalthe.xml
typefiction
authorMultatuli
titleDie Abenteuer des kleinen Walther
publisherVerlag von Otto Hendel
seriesBibliothek der Gesamt-Litteratur
year
firstpub
translatorKarl Mischke
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100516
projectid8fb3ce4f
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Ein kurzes Kapitel mit viel Handlung. Der Vorteil des Rauchens. Der punische Krieg.

Ich sehe wohl, daß meine Kraft als Geschichtschreiber nicht ausreicht, um die Krisis zu schildern, die diesem schrecklichen Wort folgte.

Jüffrau Laps, die mehr und direkter angegriffen war als die anderen, und die außerdem, als angehende Betstundenabhalterin, etwas kriegerisches in ihrem Charakter hatte, ließ ihr Antlitz alle Farben annehmen, die man gewöhnlich braucht, um den Zorn zu schildern.

Die vorletzte französische Romanschule ging bis ins Grüne, aber weil sie kein Französisch las, beschränkte sie sich auf ein erschreckliches Violett und rief ... nein, sie rief nichts, denn sie hatte keine Luft. Aber sie zerdrückte ihren Pfefferkuchen zu Grus und sah abwechselnd Stoffel und seine Mutter an, auf eine Weise, die für sie sehr belastend gewesen wäre, wenn diese beiden Personen an jenem Abend gestorben wären.

Stoffel entging diesem Blick, indem er, etwa nach Art der Tintenfische, wenn sie Unannehmlichkeiten befürchten, sich in eine dicke Rauchwolke hüllte. Aber die arme Jüffrau Pieterse, die nicht rauchte, war waffenlos. Sie stammelte demütig: »'s steht im Buch ... 's steht wahrhaftig im Buch ... Menschen, seid friedlich ... 's steht im Buch ...«

Es kam Luft in Jüffrau Laps' Kehle, genug Luft, um sie vor dem Ersticken zu bewahren. Sie wartete noch einen Augenblick, hustete, warf den mißhandelten Überbleibsel von dem Pfefferkuchen auf den Tisch und begann:

»Jüffrau Pieterse. Sie sind ein Rabenaas! Sie mögen selbst ein Säugetier sein, Sie und Ihr Sohn, das sage ich Ihnen! Ich bin so anständig, als Sie nur zu denken wagen, denn mein Vater war im Kornhandel, und nie hat jemand auch nur so viel auf mich sagen können! Fragen Sie alle Menschen nach mir, und ob ich mich je mit Mannsleuten eingelassen habe oder so was ... und ob ich jedem das Seine gebe ... und er war Faktor, wissen Sie ... und wir wohnten überm Stiftshaus ... denn er war im Kornhandel, und da können Sie nach mir fragen, hören Sie! Sie können, Gott sei Dank, überall nach mir fragen ... aber nie und nie, niiiie ist mir so etwas passiert, was Sie mir anthun ... und wenn ich nicht an mir hielte, wollte ich Sie säugetieren, bis Sie gesäugetiert wären ... ja, das thät' ich! Und ich sage Ihnen nochmal, daß Sie ein Rabenaas sind, Sie und Ihr Sohn und Ihre ganze Familie, weg, Trude! Mein Vater war im Korn, wissen Sie ... und ich bin zu anständig, um durch Sie ...«

»Aber ... 's steht im Buche ... um der Liebe willen, glauben Sie mir ... 's steht im Buche!«

»Halten Sie Ihren Mund mit Ihrem Buche! Sie dürfen wohl schweigen von Ihrem Buche, Sie, die Gottes Wort verschachert haben und verthan auf der Ouwebrüg ...«

Das war nun nicht ganz richtig. Das hatte Walther gethan und nicht seine Mutter. Aber in der Aufregung nimmt man es wohl nicht so genau.

»Stoffel, hol doch dein Buch.« rief die Mutter, »und zeig's der Jüffrau ... ach, lieber Gott, was hab' ich angerichtet!«

»Geht in die Hölle mit eurem Buch und euren Säugetieren! Ihr habt mir nichts zu zeigen in eurem Buch, das sage ich! Und ich sage nochmal, daß ihr Rabenäsers seid, Sie und Ihr Lümmel von Sohn und Ihre Dirnen von Töchtern, die aufwachsen wie ...«

Truitje, Myntje und Pietje, die daraus entnahmen, daß an ihrer Art aufzuwachsen etwas haperte, kreischten nun auch mit. Die übrige Gesellschaft heulte von Zeit zu Zeit ein Wort dazwischen. Es kam wieder eine Botschaft von der Jüffrau unten, die mit der Polizei drohte. Die Kinder machten Gebrauch von der Aufregung, um den Bann zu brechen, unter dem sie bisher gesteckt hatten. Sie hatten das Bett verlassen und lauerten durch das Schlüsselloch. Jüffrau Pieterse rief nach ihrem Riechfläschchen und sagte, daß sie sterben wollte. Frau Stotter verlangte ihr »Altes«, und Stoffel spielte den Tintenfisch, so gut es ging.

Alle waren aufgestanden und wollten fort. Man konnte viel vertragen, aber das nicht! Jüffrau Krümmel wollte es ihrem Mann sagen. Jüffrau Zipperman dem Kataster oder der Assekuranz. Frau Stotter wollte es dem Mann auf der Prinzengracht erzählen, bei dem sie gewesen war, und Jüffrau Mabbel, ich weiß nicht wem. Kurz, jeder wollte diesen oder jenen zum Genossen der Sache machen, und der Himmel mag wissen, ob es bei der Drohung geblieben wäre, wenn nicht zu guter Stunde der Hausgenius der Pieterses diesen Augenblick den würdigen Mann hätte an der Hausglocke ziehen lassen, den wir so verzweifelt tugendhaft in einem früheren Kapitel verlassen haben.

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