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Die Abelsberger Chronik

Peter Rosegger: Die Abelsberger Chronik - Kapitel 18
Quellenangabe
typenarrative
authorPeter Rosegger
titleDie Abelsberger Chronik
publisherL. Staackmann Verlag
seriesPeter Roseggers Werke - Gedenkausgabe - Auswahl in sechs Bänden
printrun21.?30. Tausend
editorHans Ludwig Rosegger
year1929
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080926
projectid758593ff
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Zu Abelsberg wieder wer geworden.

Eine junge Witwe aus Schlesien war eingewandert, hatte sich in der Nähe von Abelsberg einen schönen Bauernhof gekauft und war Großhofbauerin.

Zu dieser Großhofbäuerin kam eines Tages ein Kleinhäusler aus der Gegend, ein junger, hübscher Mann. Der setzte sich in der Vorlauben auf eine Bank und wartete, bis ihn wer ansprach.

Wartete nicht lange, so kam die Großhofbäuerin aus der Stube und fragte ihn, ob er auf jemanden warte.

»Ach na,« sagte der junge Mann, »Großhofbäuerin, ich bin wieder wer geworden.«

»Was bist?« fragte die Bäuerin.

»Wieder wer geworden bin ich,« antwortete er.

»Ich weiß ja gar nicht, wer du sonst warst oder bist,« sagte die Bäuerin.

»Ich bin nicht gar viel,« sagte er, »ich bin sonst der Teichgräber Franzl, und heut' nacht bin ich wieder wer geworden. Jetzt weiß ich mir halt nicht zu helfen und weiß nicht, wo ich hingehen soll.«

Da entgegnete sie: »Wenn du – wie du sagst – wieder wer geworden bist und du weißt sonst nirgends hinzugehen, so kannst ja bei mir bleiben. In so einem Hof hat man fortweg Leute vonnöten, die wer sind.«

»Es ist wohl recht hart,« meinte hierauf der Franz, »wenn man wieder wer geworden ist und hat keine Seel', an die man sich halten könnt'.«

»So halte dich an mich,« sagte die junge Bäuerin, »bist wer und stellst deinen Mann, so werden wir uns leicht verstehen. Nur nicht so verzagt sein!«

»Wär' schon recht das –«

»Kannst gleich in Dienst treten, wenn du willst. Ich brauche just einen kernigen Knecht – bis ein Bauer im Hause ist.«

»Wär' schon recht,« meinte der Franzl, »aber halt leid tut's mir. Mein Weib –«

»Ja, bist denn verheiratet?« rief sie.

»Na,« sagt er, »heut' nacht bin ich wieder wer geworden.«

»Da bin ich mir zu dumm,« rief die Bäuerin ärgerlich, »das verstehe ich nicht. Traudel, geh her zu dem, vielleicht bringst du's heraus, was es mit dem ist.«

Die Küchenmagd kam herbei und sagte: »Mit dem da? Das weiß ich schon, was es mit dem ist. Mit dem ist es eine harte Sach'.«

»Wesweg?«

»Aber er hat's ja gesagt, Bäurin, und er sagt's ja.«

»Daß er wieder wer geworden ist, sagt er alleweil.«

»Nun also. Die Bäuerin sollt's wissen, wie hart es sein kann, wenn einer Witwer geworden ist?«

»Witewer? Wer ist Witewer?«

»Aber jetzt muß ich schon lachen, Bäurin,« lief die Küchenmagd, »da steht er, der Witewer. Heut' nacht ist ihm sein Weib verstorben.«

»O weh!« sagte die Großhofbäuerin; »ja, Franzl, warum hast du das nicht gleich gesagt? Warum denn nicht gleich, Franzel?«

»Er hat's ja schon zehnmal gesagt!« rief die Magd.

Die Großhofbäuerin hat nämlich nicht Abelsbergerisch verstanden. Aber der Häusler Franz hat nachher besser sprechen gelernt. Er ist nun wirklich wieder wer geworden – er ist Großhofbauer geworden.

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