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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 8
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. VIII. Donar.

Nachtrag: Vgl. kl. schr. 2. 402–438.

Den über wolken und regen gebietenden, sich durch wetterstrahl und rollende donner ankündigenden gott, dessen keil durch die lüfte fährt und auf der erde einschlägt, bezeichnete die sprache des alterthums mit dem worte Donar selbst, alts. Thunar, ags. Thunor, altn. Thôrrso auch in hochd. dialekten durstag f. donrstag. engl. thursday, und bair. doren, daren f. donnern (Schm. 1, 390). in Thôrr darf nicht RR, bloß das erste R (da das zweite flexivisch ist) aus NR gedeutet werden; es ist also syncope des N vor R, etwa wie im mnl. ere, mire f. ênre, mînre.. die naturerscheinung heißt altn. þruma oder duna, beide sind weiblich, gleich dem goth. þeihvô, das vielleicht aus finnischer sprache übernommen wurde. dem gott legten die Gothen wol den namen Thunrs bei? das schwed. tordön, dän. torden (tonitru), bei Harpestreng noch thordyn, thordun, ist aus der benennung des gottes und jenem duna zusammengesetzt, altn. Thôrduna?Nachtrag: Donar verhält sich zu donen, extendere, auspannen der luft (Haupts zeitschr. 5, 182), wie τόνος zu τεßινω, doch heißt tonare skr. stan, was an στέντωρ und stöhnen klingt (kl. schr. 2, 412). neben dem ags. Thunor, von dem es eine sage gibt (s. 678), kommt auch Dôr vor. Sal. and Sat. 51. ebenso gewährt die rubrik der ags. version Joh. 5, 17 đunresdäg, dagegen Joh. 5, 30 đursdäg. auch der normännische Dudo nennt ihn Thur. Wormius mon. s. 24. die abren. hat Thuner, dat. Thunare. mhd. noch der dunre. pass. 227, 81. Dietr. drach. 110b. des dunres sun (Johannes). pass. 227, 59. s. kl. schr. 2, 427. Für das zusammengesetzte schwed. tordön, dän. torden hat der Norweger thordaan. Faye 5, jemtländ. torn. Almqv. 297, westgötl. thorn und tånn. im dänischen märchen kommt Tordenvejr für Thor vor, wie in deutschen flüchen Donnerwetter für Donar. Den schwed. Lappen heißt der donnergott Tiermes. Klemm 3, 86. 87, ostiakisch Toruim. Klemm 3, 117, tschuwasch. Tóra, Tór, jakut. Tanara, wogul. Tórom. Rask afh. 1, 44. 33. ganz auf ähnliche weise entspringt der schwed. ausdruck åska (tonitru, fulmen), im westgoth. gesetz åsikkiavgl. Onsike (Odins fahrt?) oben s. 132. aus âsaka, der wagen oder das fahren des gottes, von âs, deus, divus und aka vehere, vehi, schwed. âka. auf Gotland sagt man Thorsåkan, Thors fahren für donner, und das altn. reiđ bezeichnet nicht nur vehiculum, sondern auch tonitru, reiđarslag, reiđarþruma donnerschlag und blitz. denn das fahren eines wagens über ein gewölbe kommt dem gerassel und krach des donners am allernächsten. diese vorstellung ist so natürlich, daß sie sich bei mehrern völkern ausgebreitet findet: δοκει̃ όχημα του̃ Διὸς η βροντὴ ει̃ναι. Hesychius s. v. ελασίβροντα. auch dem heutigen Krainer ist des donners rollen gottes fahren. Thôrr wird in der edda, außer der benennung Asaþôrr, durch Ökuþôrr, d. h. wagen-thôrr (Sn. 25) näher bezeichnet, seinem wagen sind zwei böcke vorgespannt (Sn. 26). zwar haben auch andere götter ihren wagen, namentlich Ođinn und Freyr (vgl. s. 86. 125), allein Thôrr ist in eigentlichem sinn der fahrend gedachte; niemals kommt er, gleich Ođinn reitend vor, noch wird ihm ein pferd beigelegt: er fährt entweder oder geht zu fuß. es heißt ausdrücklich, daß er zu gericht gehe (Thôrr gengr til dômsins, ok veđr âr, und watet durch die flüsse) Sn. 18sein dunkler beiname Hlôrriđi widerspricht dem schwerlich: dieses riđi bezieht sich wol auf reiđ (wagen), Hlôrriđi scheint mir assimiliert aus hlôđriđi, vgl. cap. XIII bei der göttin Hlôđyn.. Noch heute pflegt das volk in 139 Schweden, wenn es donnert, zu sagen: godgubben åker (der gute alte fährt) Ihre 696. 740. 926, gofar åkar, goffar kör (der gute vater fährt)Nachtrag: Altn. reiđ bezeichnet nicht nur vehiculum, sondern auch tonitru. lystir reiđ (al. þruma). Gulaþ. ed. hafn. s. 498. norw. Thorsreia tonitru. Faye 5. Dänische kritiker fassen Asaþôrr und Ökuþôrr als zwei ganz verschiedne wesen auf, Ökuþôrr soll aus früherer, Asaþôrr aus späterer zeit sein. aber Sn. 25 stellt beide neben einander und betrachtet den Thor auch als Ökuþôrr. vgl. Sn. 78. er fährt zu wagen. vgl. den schonischen volksglauben von Thor bei Nilsson 4, 40. 44ebenso wenig wie Hlôrriđi Sæm. 211a braucht ein anderer beiname Eindriđi der annahme zu widersprechen, daß Thor entweder gehend oder fahrend gedacht ward (anm. 415). Sn. 101 heißt Thor fôstri Vingnis ok Hlôru (s. 156). Sn. Formâli 12 heißt Loride Thors sohn und Loricus Thors fôstri und dessen frau Glora.. östgötl. heißt der åska goa und man sagt beim gewitter: goa går. Kalen 11a, goffar kör. Almqv. 347, aber auch gomor går 384 und kornbonden går 385. in Holland: onze lieve heer reed (d. h. fuhr) door de lucht. gott vater rollt dbrenta (milchgefäße) über die kellerstiege. Wolfs zeitschr. 2, 54. sollte die alte kittelkar (kesselwagen?) des riesen mit zwei böcken sich auf Donars wagen beziehen? Müllenhoff s. 447. vgl. kl. schr. 2, 422. Thôrr trägt einen korb auf dem rücken: meis, iarnmeis. Sæm. 75a. Sn. 111. ahd. meisa (Graff 2, 874).. aus scheu wurde des gottes eigentlicher name nicht mehr ausgesprochen, oder seine väterliche güte sollte hervorgehoben werden (der alte gott, dän. vor gamle fader, oben s. 17. 18). Den blitz nennt der Norwege Thors varme (Th. wärme) Faye p. 6.

Donner, blitz und regen gehen unter allen naturerscheinungen vorzugsweise von gott aus, sie werden als seine handlung, sein geschäft angesehenein bauer, bei der procession ermahnt niederzufallen, sagte: ich glaube nicht, daß unser herrgott dabei sei, ich hörte ihn noch gestern oben im himmel donnern. Weidners apophthegmata. Amst. 1643 p. 277.Nachtrag: Gott donnert. die blikzen und die donrelege sint mit gewalte in sîner pflege. MS. 2, 166b. Zeus erregt sturm und wetter. ότε τε Ζεὺς λαίλαπα τείνη. Il. 16, 365. ›was macht Zeus‹? heißt ›was ist für wetter‹? O. Müller gr. gesch. 1, 24. Jupiter, alles weters gewalt het er. Ksrchr. 1152. (s. 524.) in Frankreich: ni oistau nes damledeu tonant. Aspremont 22b. nes deu tonant ni poistau oir. mort de Gar. 145. 149. noissiez deu tonant. Garins 3, 205. vgl. si gran romore facevano, che i tuoni non si sarieno potuti udire. Decam. 2, 1. bei aufsteigendem gewitter sagt man: schmeckste paar öchsel? merkste a scheindl? Weinh. schles. wb. 82. ecce ubi iterum diabolus ascendit! Caesar. heist. 4, 21. die Russen rufen dem gewitter, wenn es abzieht, schimpfwörter nach. Asbjörnsen hjemmet s. 193.. Bei großem lärm und gepolter ist die redensart gewöhnlich: man könnte unsern herrgott vor dem tosen nicht donnern hören; in Frankreich: le bruit est si fort, qu'on n'entend pas dieu tonner. schon im roman de Renart 11898:

font une noise si grant
quen ni oist pas dieu tonant.

29143:

et commença un duel si grant,
que len ni oist dieu tonant

Ogier 10915:

lor poins deterdent, lor paumes vont batant,
ni oissiez nis ame dieu tonant.

Garin 2, 38:

nes dieu tonnant ni possiez oir

auch im roman de Maugis (Lyon 1599 p. 64): de la noyse quils faisoyent neust lon pas ouy dieu tonner.

Besonders aber wird der donner dem zürnenden und strafenden gott zugeschrieben, Donar gleicht in dieser eigenschaft des zorns und der strafe wiederum dem Wuotan (s. 15. 118). bei gewitter pflegt das volk den kindern zu sagen: der liebe gott zürnt; in Westfalen: use hergot kift (Strodtm. osnabr. 104); in Franken: draußen ist gott, der zankt; in Baiern: der himmeltatl greint (Schm. 1, 462). in Eckstroms gedicht zu ehren der grafschaft Honstein. 1592. CIIb heißt es:

gott der herr muß warlich from sein
daß er nicht mit donner schlegt dreinin einem aus liederanfängen zusammengesetzten gedicht: ach gott vom himmel sieh darein und werfe einen donnerstein, es ist gewislich an der zeit, daß schwelgerei und üppigkeit zerschmettert werden mausetodt! sonst schrein wir bald aus tiefer noth..

die nemliche vorstellungsweise bei den lettischen und finnischen völkern. Lettisch: wezzajs kahjâs, wezzajs tehws barrahs (der alte vater hat sich auf die füße gemacht, er keift). Stender lett. gramm. 150. unter diewas (gott), diewaitis (lieber gott, göttlein) denken sich die Litthauer vorzugsweise den donnernden: diewaitis grauja! diewaitis ji numuße. Ehstnisch: wanna issa hüab, wanna essä wäljan, mürrisep (der alte vater brummt). Rosenplänters 140 beitr. 8, 116. ›unser herr gott zankt‹; ›der himmel führt krieg‹. Joh. Christ. Petris Ehstland 2, 108Nachtrag: Das donnern wird als kegelspiel gottes aufgefaßt. uns herr speelt kegeln. Schütze 4, 164 oder: die engel kegeln. Müllenhoff s. 358. vgl. das kegeln im Odenberg s. 796, oder auch als zorn, daher der donnerstein poln. boźy praten, gottes rute heißt..

An diesen Donar der Germanen fügt sich nun bedeutsam der gallische Taranis, dessen namen uns Lucan 1, 440 überliefert hat, in allen celtischen sprachen lebt noch das wort taran für donner, irisch toran, womit man die altn. form Thôrr, wenn die assimilation aus RN leichter scheint, unmittelbar zusammenhalten mag. doch gewährt eine alte inschrift auch Tanarus (Forcellini s. v.) = Taranis. die ir. benennung des donnerstags dia Tordain (dia ordain, diardaoin) wurde vielleicht aus einer germanischen entlehntNachtrag: Der gallische name Taranis ist auch in den veden ein beiname des donnergottes Indra, der durchfahrende von taran = trans, und so ist vielleicht Perun zu πέρα zu stellen (doch s. s. 142. kl. schr. 2, 420). welsch heißt taran donner, gal. tairneach, tairneanach und torrunn. Taranucnus überliefert Mone bad. urgesch. 2, 184. in Bourgogne lag ein Tarnodurum, dessen späterer name Tonnerre und le Tonnerrois (Jos. Garnier s. 51. 77) beweist, daß man in jener ortsbezeichnung den begrif donner verstand. vgl. kl. schr. 2, 412..

Ebenso herscht in dem lateinischen Jupiter (wörtlich: gott vater, diespiter) die idee des donnerers vor; den dichtern gilt Tonans für Jupiter (z. b. Martial. VI. 10. 9. 13, 7. Ovid. heroid. 9, 7. fast. 2, 69. metam. 1, 170. Claudian. Stilich. 2, 439) und lat. dichter des mittelalters bedienen sich gern dieses namens (z. b. Dracontius de deo 1, 1. satisfact. 149. Ven. Fortunat. p. 212. 219. 258) für den christlichen gott. dem begegnen ausdrücke der vulgarsprache: celui qui fait toner, qui fait courre la nue (s. 19). eine inschrift Jovi tonanti hat Gruter 21, 6. der griechische, donner und blitz (κεραυνός) sendende Zeus heißt κεραύνειος. Ζεὺς έκτυπε Il. 8, 75. 170. 17, 595. Διὸς κτύπος Il. 15, 379man wäre versucht, das tuskische Tina = Jupiter zu Tonans und Donar zu stellen; richtiger fügt es sich zu Ζήν (s. unten Zio)..

Weil er sie aber von der höhe des himmels herab entsendet, führt er zugleich den namen άκριος, und wird auf dem berggipfel (άκρις) wohnend gedacht. Zeus thront auf dem Olymp, dem Athos, Lycaeus, Casius und auf andern bergen Griechenlands und Kleinasiens.

Ich muß aber hierbei gewicht legen darauf, daß der donnernde gott vorzugsweise als ein väterlicher aufgefaßt erscheint, als Jupiter und Diespiter, als far und tatl. denn es hängt damit zusammen, daß auch die ihm geheiligten berge die benennungen Etzel, Altvater, Großvater in mehrern gegenden empfiengenzeitschrift des hess. vereins 2, 139–142. Altd. blätt. 1, 288. Haupts zeitschr. 1, 26. finnisch: isäinen panee (Renval. 118a) der vater donnert. den Finnen bedeutet ukko proavus, senex und ist beiname der götter Wäinäsnöinen u. Ilmarinen. Ukko bezeichnet aber auch für sich den donnergott (s. unten) den schwedischen Lappen ist aija sowohl avus als tonitrusNachtrag: Thôrr heitir Atli oc âsabragr. Sn. 211a. vgl. Atli Sn. 208a, der lappische donnergott Tiermes wird aijeke genannt und sein statthalter junkare, storjunkare. Klemm 3, 86. den Esten heißt Pikker wana essa, alter vater. verh. 2, 36. 37, auch den americanischen Indianern das höchste wesen: der großvater. Klemm 2, 153. zu den bergen Etzel, Altvater darf vielleicht auch Oetschan ein hoher berg, Helbl. 7, 1087, gestellt werden, heute Öftscher, von otez, vater. vgl. kl. schr. 2, 421... Thôrr selbst hieß zugleich Atli d. i. großvater.

Ein hoher berg, über den von ältester zeit die hauptstraße nach Italien zieht, in der kette zwischen den grajischen und penninischen alpen, der heutige sanct Bernhard, hieß im frühen mittelalter mons Jovis. so häufig in den fränkischen annalen (Pertz 1, 150. 295. 453. 498. 512. 570. 606. 2, 82), bei Otto fris. de gest. Frid. 2, 24, bei Radevicus 1, 25, der ihn als via Julii Caesaris, modo mons Jovis bezeichnet; bei ags. schriftstellern munt 141 Jofes (Lye s. v.), in Älfr. Boet. p. 150 muntgiov, in unserer kaiserchronik 88d monte job. Benennung und cultus führen schon auf die zeit der Römer zurück; die alpenbewohner verehrten einen Peninus deus, oder eine Penina dea: neque montibus his ab transitu Poenorum ullo Veragri, incolae jugi ejus, norunt nomen inditum, sed ab eo (al. deo), quem in summo sacratum vertice peninum montani adpellant. Liv. 31, 38. quamvis legatur a poenina dea, quae ibi colitur, alpes ipsas vocari. Servius zu Virg. Aen. 10, 13. eine auf dem s. Bernhard gefundne inschrift (Jac. Spon miscellanea antiq. Lugd. 1685. p. 85) sagt ausdrücklich: Lucius Lucilius deo Penino, opt. max. donum dedit, und hieraus folgt, daß man unter diesem gott sich den Jupiter dachte. vgl. Jupiter apenninus. Micali storia 131. 135. Ζεὺς καραιός bei Hesych. den namen mons Jovis gebrauchen die classiker nie, auch die tabula Antonini benennt bloß den summus Penninus und den Penni lucus; zwischen dem 4 und 7 jh. scheint dafür Jovis mons aufgekommen, vielleicht mit rücksicht auf den gallischen oder gar deutschen sinn, in dem dieser gott damals aufgefaßt wurde. man erinnere sich jenes deutschen îsarnodori auf dem nicht weit abgelegnen Juragebirge (s. 65)zu unterscheiden von dem mons Jovis ist der mons gaudii, unter welchem das mittelalter eine höhe bei Rom verstand: Otto frising l. c. 2, 22; in der kaiserchronik a. a. o. heißt es wörtlich verdeutscht mendelberc. in romanischen gedichten des 12. 13 jh. ist monjoie das französ. feldgeschrei, gewöhnlich aber mit beigefügtem s. Denis, z. b. monjoya, monjoya sant Denis. Ferabras 365; monjoie enseigne s. Denis. Garin 108. Ducange in der eilften dissertation zu Joinville erklärt monjoie unstatthaft für eine diminutivform von mont, da es in andern stellen (Roquefort 2, 207) allgemein ort der wonne und freude, paradies bezeichnet, so darf man bei der wörtlichen bedeutung stehen bleiben; es müste aber in mehrern gegenden berge dieses namens gegeben haben. möglich wäre, daß auch dieses monjoie aus einem alten monjove (mons Jovis) hervorgieng: mit dem götterberg verband sich zugleich die idee eines wonneaufenthaltesNachtrag: Der s. Bernhard oder große Bernhard wird im jahre 1132 Montjoux genannt. über das jugum Penninum, deus Penninus vgl. Zeuss s. 34. 99. Dieffenbach celt. 1, 170. mehrere inschriften, dem Jovi Poenino, Penino bestimmt, bei de Wal no. 211–227. ein Freudenberg auch Meghaduta 61 und in Mähren der Radost. finn. ilo-kivi, freudenstein. Kalev. 3, 471...

Mit völliger sicherheit dürfen wir solche bergnamen in Deutschland selbst auf die verehrung des einheimischen gottes beziehen. allbekannt ist der Donnersberg (mont tonnerre) in der Rheinpfalz an der grenze der alten grafschaft Falkenstein, zwischen Worms, Kaiserslautern und Kreuznach, ihn nennt eine urk. von 869 (Schannat hist. wormat. probat. p. 9) Thoneresberg. ein andrer Thuneresberg liegt in Westfalen an der Diemel unweit Warburg in mitten der dörfer Wormeln, Germete und Welda; die älteste seiner meldung thuende urkunde ist vom j. 1100 (Schaten mon paderb. 1, 649). im mittelalter dauerte da noch ein großes volksgericht fort, das ursprünglich sicher an die heiligkeit des ortes geknüpft wurde: comes ad Thuneresberhc (a. 1123) Wigands feme (222); comitia de Dunrisberg (a. 1105) Wigands arch. 1. 1, 56; a judicio nostro Thonresberch (a. 1239) das. 58. gerade in der nähe dieses berges steht die heilige eiche, deren s. 59 gedacht wurde, wie das robur Jovis bei dem hessischen Geismar (s. 58) unfern von einem 142 Wuotansberg (s.126). allem anschein nach konnte beider götter cultus dicht neben einander gepflogen werden. auf dem hessischen Knüllgebirge findet sich eine Donnerkaute; im Bernerland ein Donnerbühel (urk. a. 1303. Joh. Müller 1, 619), Tonrbül genannt in Justingers Berner chron. s. 50. Wahrscheinlich sind noch in andern gegenden Deutschlands Donnersberge aufzufinden. eines im Regensburger gebiet gedenkt eine urk. von 882 unter dem namen Tuniesberg. Ried cod. dipl. num. 60. eine urk. von 1300 MB. 33 pars 1 p. 289 nennt einen Sifridus marschalcus de Donnersperch, MB. 4, 94 a. 1194 Otto de Donersperg, 4, 528 a. 1153 steht Duonesberc, 11, 432 Tunniesberg. auf dem Thüringer walde zwischen Steinbach und Oberhof am rennsteig ein DonershaukNachtrag: Comes ad Thuneresberhc (a. 1123). Erhard. s. 150. apud Thuneresberg s. 133. Sifrit de Tonresberc (a. 1173). MB. 33a, 44. Sifridus de Donresberch (a. 1241. 1258). MB. 33a, 68. 90. vom giel eines drachen heißt es: er hete wol drî kiele verslunden und den Dunresberc. Dietr. drachenk. 262b (str. 834). vom Donresberge. Haupts zeitschr. 1, 438. außer dem Thuneresberg bei Warburg noch ein Donnersberg bei Etteln, südwärts von Paderborn. ags. Dunresleá. Kemble 3, 443. 4, 105. 5, 84. Dunresfeld 3, 394. 5, 131. vgl. 6, 342. Doneresbruno. zeitschr. f. hess. gesch. 1, 244.. Die Donares eih, das robur Jovis, war der dem blitzesendenden gott vorzüglich heilige baum, dessen in den deutschen wäldern eine unendliche fülle wuchs.

Auch in Scandinavien mangelt es nicht an Thôrs namen tragenden bergen und felsen: Thors klint in Ostgotland (vgl. Wildegrens Östergötland 1, 17), Thorsborg in Gotland; Molbech tidskr. 4, 189. aus Norwegen, wo dieser gott vorzugsweise verehrt wurde, sind mir jedoch keine bekannt. In Vermland pflegt der gemeine mann die südwestliche himmelsgegend, aus der im sommer die meisten gewitter aufsteigen, Thorshåla, des Donners höle, zu nennen. (Geijer Svearikes häfder 1, 268).

Aber die slavischen Donnersberge sind nicht zu übersehen. bei Milleschau in Böhmen ein Hromolan, von hrom, donner, nach andern dialecten grom; in Steiermark ein Grimming, d. h. slav. germnik, altsl. gr’’mnik (donnersberg, vgl. sloven. gr’mi, es donnert, serb. grmi) einer der steilsten berge der steirischen alpeNachtrag: Zum slav. hrom, grom, donner (kl. schr. 2, 418) stellt sich ndrd. grummeln, in der ferne donnern, ir. crom, cruim, donner, franz. grommeler, brummen. das litth. grauja, es donnert, growimmas, donner klingt an (s. 148)., nicht weit davon ein flüßchen genannt der DonnersbachKindermann abriß von Steiermark p. 66. 67. 70. 81.. Mit einem andern wort also drücken die Slaven gott und naturerscheinung aus, jenen altslav. durch Perun, poln. Piorun, böhm. Peraundie Slowaken sagen Parom und paromova strela f. perunova. redensarten von Parom nach Kollar bei Hanusch 259. 260.; bei den Südslaven scheint es früher ausgestorben, lebt aber noch in ableitungen und ortsnamen fort, Dobrowsky (inst. 289) führt es auf die wurzel peru, ferio, quatio zurück, und vielleicht hat dieser passende sinn eben zur entstellung der echteren wortform beigetragenwie wenn man perun mit κεραυνός = περαυνός vergleichen dürfte? noch näher dem Perun schiene das sanscr. Parjanyas, welchen namen Indras als Jupiter pluvius führt, wörtlich: befruchtender regen, donnerwolke, donner. einen hymnus auf diesen regengott theilt Rosens Vedae specimen p. 23 mit. vgl. Hitzig Philist. 296. Holtzmann 1, 112. 118.. ich möchte ihr ein ausgefallnes k zutrauen: der litthauische, lettische, altpreußische donnergott heißt Perkunas, Pehrkons, Perkunos, und eine menge von ortsnamen sind damit zusammengesetzt. lith. Perkunas grauja (P. donnert), Perkunas musza (P. schlägt, ferit); lett. Pehrkons sperr (der 143 donner schlägt ein)Nachtrag: Zu litth. Perkunas musza. Nesselm. 411b und Perkunas grauja, grumena. Nesselm. 286a kommen die formeln Perkuns twyksterejo (P. hat gekracht), P. uźdege (P. hat gezündet), Perkúno szowimmas, P. schlag, P. growimmas, P. donner, P. źaibas, P. blitz. perkunija ist ungewitter, donnerwetter. die livl. reimchr. 1435 sagt von ihm: als ez Perkune ir abgot gap, daz nimmer sô harte gevrôs. ein Perkunstein liegt bei Battenhof in Kurland, von dem sage geht. Kruses urgesch. 187. 49. Perkuhnen ort bei Libau. pehrkones hederich. die Lappen kennen den bösen gott oder teufel perkel, pergalak, die Finnen perkelc, Kalev. 10, 118. 141. 207. 327. (s. 824).. das slav. perun wird heutzutage weniger persönlich verwendet, und mehr vom blitzstrahl gebraucht. Schon Procop (de bello goth. 3, 14) sagt von den Sclavenen und Anten: θεὸν μὲν γὰρ ένα τὸν τη̃ς αστραπη̃ς δημιουγὸν απάντων κύριον μόνον αυτὸν νομίζουσιν ει̃ναι, καὶ θύουσιν αυτω̃ βόας τε καὶ ιεραι̃α απάντα. Wiederum war dem Perun die eiche geweiht und alte urkunden bestimmen nach ihr die grenzen (do perunova duba), und die eichel hieß den Römern juglans d. i. joviglans, Jovis glans, des väterlichen gottes frucht; der blitz soll gern in eichen einschlagenNachtrag: Finn. heißt die eiche (tammi) gottes baum, puu jumalan. Kalev. 24, 98. 105. 107. 115. 117. vgl. des Zeus eiche s. 153 und robur Jovis s. 142. juglans ist Διὸς βάλανος, castanea. Theophrast. 3, 8. 10. Dioscor. 1, 145. weil die eiche dem Thor heilig war, erschlägt er die darunter flüchtenden riesen; aber unter der buche hat er keine macht über sie. man hat bemerkt, daß der blitz verhältnißmäßig 20 grade in die eiche niederschlägt und nur einen grad in die buche. Fries bot. udfl. 1, 110..

Perkun gemahnt nun an jenen morduinischen donnergott Porguini (oben s. 22), noch merkwürdiger an einen goth. ausdruck, der freilich wie er bei Ulfilas erscheint, alle personification eingebüßt hatte. das goth. neutrum faírguni (gramm. 2, 175. 453) bedeutet berg, όροςgMatth. 8, 1. Marc. 5, 5. 11. 9, 2. 11, 1. Luc. 3, 5. 4, 29. 9, 37. 19, 29. 37. I. Cor. 13, 2. baírgahei (η ορεινή) steht Luc. 1, 39. 65. nie das einfache baírgs.. wie wenn es vorzugsweise der Donnersberg gewesen und ein verlornes Faírguns des gottes name wäre?Nachtrag: Nach einem schwed. volkslied (Arvidss. 3, 504) wohnt Thor im berge: locka till Thor î fjäll. neben Ođins frau Frigg, Fiörgvins tochter, wird eine andere frau und zugleich tochter desselben Jorđ genannt, die mutter Thors. wenn Thorr aber = Faírguni ist, so erscheint er bald als Ođins vater, bald als Ođins sohn, und er ist erdensohn wie Frigg erdentochter. vgl. kl. schr. 2, 415. GDS. 119. man dürfte die bedeutung von faírguni = mons unverändert behalten, und in das masc. Faírguns oder Faírguneis, folglich in Perkunas, den sinn jenes άκριος legen? ein schicklicher nebenname für den donnergott. Fergunna, dessen endung an Patunna (s. 57) anklingt, bezeichnet im chron. moissiac. a. 805 (Pertz 1, 308) keinen einzelnen ort, sondern das erzgebirge, und Virgunnia (Virgundia, Virgunda, vgl. Zeuß p. 10) den waldgebirgstrich zwischen Ansbach und Ellwangen. Wolfram Wh. 390, 2 sagt von seinem waltswenden: der Swarzwalt und Virgunt müesen dâ von œde ligen. in zusammensetzungen, ohne welche es völlig untergegangen wäre, kann das ahd. virgun, ags. firgen entweder bloß den begrif des bergigen, waldigen enthalten oder auf einen verdunkelten gottesnamen bezogen werden. wie es darum stehe, daß mit faírguni, virgun, firgen göttlichverehrte wesen zusammenhängen, ergibt sich offenbar aus dem altn. Fiörgyn, gen. Fiörgynjar, worunter in der edda Thôrs mutter, die göttin Erde verstanden wird (Th. Jarđur burr Sæm. 70a. 68a. Ođins son Sæm. 73a. 746); und außer ihr tritt noch ein männlicher Fiörgynn, gen. Fiörgvins, Fiörgyns (Sn. 10. 118. Sæm. 63a) auf, als vater der Frigg, Ođins gemahlin. in allen diesen wörtern muß man faírg, firg, fiörg, als wurzel annehmen, und nicht abtheilen faír-guni, fir-gun, fiör-gyn. Nun sind zwar alle Anzeis, alle Aesir, auf bergen thronend (s. 21) und auch Firgun dürfte für mehrere gelten, vorzugsweise wird aber dieser name von Donar und seiner mutter in anspruch genommen werden können, wie Perun, Perkun lehren und hernach noch die bedeutung berg und fels für hamar bestätigen soll. Wie Zeus ενάκριος so hieß Pallas, seine tochter, ακρία, ορεστέρα Γα̃, μα̃τερ αυτου̃ Διός (Sophocl. Philoct. 389); 144 der mythus überträgt von dem vater auf mutter und tochter. Von des Donners mutter wissen noch die märchen (pentam. 5, 4) und unbedenklich sind die sagen von dem teufel, seinem bad und seiner großmutter vergröberung heidnischer vorstellungen des donnergottes. Lasicz 47 meldet: Percuna tete mater est fulminis atque tonitrui, quae solem fessum ac pulverolentum balneo excipit, deinde lotum et nitidum postera die emittit. teta drückt sonst eben matertera, nicht mater aus.

Die christliche mythologie hat unter slavischen und einzelnen asiatischen völkern das geschäft des donnerers auf den propheten Elias übertragen, der im wetter gen himmel fährt, den ein wagen mit feuerrossen in empfang nimmt, II. buch der könige 2, 11. in den serbischen liedern 2, 1. 2, 2 heißt er ausdrücklich gromovnik Ilija1, 77: udri gromom, gromovit Ilija! schlag mit donner, donnerer Elias!, blitz und donner (munja und grom) sind in seine hand gegeben, und er verschließt sündhaften menschen die wolken des himmels, daß sie keinen regen zur erde fallen lassenNachtrag: Von Elias und Enoch, die auch in der anm. 416 angeführten altn. wurfformel nebeneinander genannt werden, heißt es in den fundgr. 2, 112:

sie hânt och die wal,
daz sie den regin behabin betalle.
swenne in gevalle
unt in abir lâzin vliezen,
ir zungin megin den himel besliezen
unt widir ûftuon,
sô si sich wellint muon.

die Litthauer nennen den tag Mariae verkündigung, serb. blagovjest (25. merz), Elyjôs diena, Ilyjos diena, an welchem es anfange oder aufhöre zu regnen. man deutet es aus ilyja: es regnet ein. sollte aber dies nicht eher aus Eliastag entsprungen sein? Eliassagen der Walachei und der Bukowina stehen bei Schott. 375. Wolfs zeitschr. 1, 180. zum kampf des Elias mit dem Antichrist vgl. Grieshaber 2, 149.

. auch dies letzte ist dem AT. gemäß (I. buch d. kön. 17, 1. 18, 41. 45, vgl. Luc. 4, 25. brief Jac. 5, 17) und ebenso in der altdeutschen dichtung aufgefaßt worden, O. III. 12, 13:

quedent sum giwâro, Helias sîs ther mâro,
ther thiz lant sô tharta, then himilbisparta,
ther iu ni lias in nôtin regonon then liutin,
thuangta si giwâro harto filu suâroGreg. tur. vorrede zum zweiten buch: meminerit (lector) sub Heliae tempore, qui pluvias cum voluit abstulit, et cum libuit arentibus terris infudit etc..

was aber besonders beachtet werden muß, in der durch das ganze mittelalter verbreiteten sage von erscheinung des Antichrists kurz vor dem weltende (deren auffallende berührung mit dem altn. mythus von Surtr und Muspellsheim noch im verfolg besprochen werden soll) nimmt Helias wiederum des nordischen donnergotts stelle ein. Thôrr siegt über die große schlange, hat sich aber kaum neun schritte von ihr entfernt, als er durch ihren giftanhauch getroffen todt zu boden sinkt. Sn. 73. Nach dem ahd. gedicht Muspilli 48–54 erliegen zwar der Antichrist und der teufel, allein auch Elias empfängt im kampf schwere wunden:

doh wânit des vilu gotmannogotman priester, theolog? vgl. oben s. 72. 73.
daz Elias in demo wîge arwartit:
sâr sô daz Eliases pluot
in erda kitriufit,
sô inprinnant die perga,

von seinem auf den boden triefenden blut gerathen die berge in brand und der jüngste tag wird noch durch andere zeichen verkündet. wir müsten die vorstellung von dem teufel, dem Antichrist, Elias und Enoch in ihrer ganzen vollständigkeit, wie sie 145 etwa im 7 und 8 jh. umgiengauch die rabbinische sage nimmt an, daß Elias wiederkehren und den bösen Sammael tödten werde. Eisenmenger 2, 696. 851., kennen, um diese analogie zwischen Elias und dem Donar der Heiden sicher auffassen zu können. in der christlichen überlieferung ist nichts, was eine verwundung, und gar tödtliche, des Elias anzunehmen berechtigte. Noch merkwürdiger aber wird die vergleichung dadurch, daß auch halbchristliche kaukasische völker den Elias als donnergott verehren. einen blitzerschlagnen preisen die Osseten glücklich und glauben, Elias (Ilia) habe ihn zu sich genommen; die hinterbliebenen erheben freudengeschrei, singen und tanzen um den leichnam, alles strömt herzu, schließt sich dem reihen an und singt: ›o Ellai, Ellai eldaer tschoppei!‹ (o Elias, Elias herr der felsengipfel). neben dem steinhaufen des grabhügels wird eine große stange mit dem fell eines schwarzen ziegenbocks aufgerichtet, denn auf diese weise opfern sie dem Elias überhauptNachtrag: Hominem fulgure ictum cremari nefas; terra condi religio tradidit. Plin. 2, 54. die stellen, wo der blitz einschlug, waren auch den Griechen heilig und hießen ηλύσια, ενηλύσια, weil die gottheit, der herabsteigende Zeus dahin gekommen war. der ort war heilig und durfte nicht betreten werden: hoc modo contacta loca nec intueri nec calcari debere fulgurales pronuntiant libri. Amm. Marc. 23, 5. echt tuskisch war aber ein besonderer ritus. der ort hieß bidental, weil ein zweijähriges schaf daselbst geopfert wurde. Festus s. v. bidental. ambidens. O. Müller Etrusker 2, 171. die schranke um den ort hieß puteal und vergleicht sich der ossetischen fellstange. bidental locus fulmine tactus et expiatus ove. Fronto s. 277. blitzerschlagnes vieh darf man nicht essen. Westendorp. 525.. Sie flehen den Elias an ihre felder fruchtbar zu machen und den hagel davon abzuhaltenKlaproths reise in den Kaukasus 2, 606. 601.. Schon Olearius berichtet, daß die caspischen Circassier auf Eliastag ziegen opfern und das fell an einer stange unter gebeten aufspannenErmans archiv für Rußland 1841, 429.. Ja selbst die Muhamedaner nennen in ihren gebeten zu abwendung eines gewitters den namen IljasAd. Olearius reiseschr. 1647. p. 522. 523..

Wie nun in jenen serbischen liedern die jungfrau Maria neben Elias auftritt, ist sie es vorzüglich, die im mittelalter um regen angefleht wurde. Die chronisten gedenken einer regenprocession im Lüttichschen um das j. 1240 oder 1244Aegidius aureae vallis cap. 135 (Chapeaville 2, 267. 268). chron. belg. magn. ad. a. 1244 (Pistorius 3, 263).; dreimaliger umgang des clerus und volks (nudis pedibus et in laneis) blieb ohne erfolg, weil man bei anrufung aller heiligen der mutter gottes vergessen hatte. als nun der chor der heiligen sich bei gott um regen verwendete, widersprach Maria; in neuer procession wurde ein feierliches salve regina gesungen: et cum serenum tempus ante fuisset, tanta inundatio pluviae facta est, ut fere omnes, qui in processione aderant, hac illacque dispergerentur. den Litthauern ist die heilige göttin (diewaite szwenta) regengöttin. Das heidenthum richtete vermutlich die bitte um regen, statt an Elias und Mariaauch andere heilige bewirken ersehnten regen, so der h. Mansuetus Pertz 6, 512b. 513b und das umtragen des leichnams des heil. Lupus im j. 1097 zu Sens Pertz 1, 106. 107. vgl. unten den regenzauber., an den donnergott. ich entsinne mich gleichwol auch aus der altn. sage keiner stelle, worin von verleihung des erflehten regens durch Thôrr die rede wäre; bloß daß er unwetter sendet, wenn er zürnt, wird Olafs Tr. saga 1, 302–306 erzähltNachtrag: υέτος ist umbr. savitu. Aufr. und Kirchh. 2, 268. νὺξ δ'άρ' επη̃λθε κακὴ σκοτομήνιος, υ̃ε δ'άρα Ζεὺς πάννυχος. Od. 14, 457. ύει ο Ζεύς. Athenaeus 4, 73. τὸν Δί' αληθω̃ς ώμην διὰ κοσκίνου ουρει̃ν. Aristoph. wolken. 373. vgl. imbrem in cribrum gerere. Plaut. Ps. I. 1, 100. Διὸς όμβρος. Od. 9, 111. 358. ούτε Πελοποννησίοις υ̃σεν ο θεός. Paus. II. 29, 6. ein ägyptischer magier beschwört den luftgott Hermes (‛Ερμη̃ν τὸν αέριον) um regen. Cass. Dio 71, 8. ind. ist Indra, der den donnerkeil hat, auch gott des regens. als er verschwunden war, fiel kein regen mehr. Holtzmann 3, 140. 1, 15. dalekarl. ist der skaurman, der schauermann, gott des regens und skaurman åk heißt: es donnert. Almqvist s. 258. vgl. goth. skura vindis, λαι̃λαψ. ahd. scûr, tempestas, grando. ags. scûr, procella, nimbus. altn. skûr, nimbus. vgl. kl. schr. 2, 425.. wir dürfen aber seine allgemeine ähnlichkeit mit Zeus und Jupiter (dem υέτιος, 146 pluvius, vgl. Il. 12, 25 υ̃ε Ζεὺς συνεχές) und die verbreitung des votis imbrem vocare unter benachbarten völkern in anschlag bringenNachtrag: Einer regenprocession im j. 1415 gedenkt auch Lindenblatt s. 301. das petronische uvidi tanquam mures erinnert an Eracl. s. 142b: sô sît ir naz als eine mûs (aus Enenkel). nhd. wie eine gebadete maus. ein gebet der legio tonans, gerade auch bei Mark Antonin, schaft regengüsse. Cass. Dio 71, 8. ein ungr. regengebet s. Ungarn in parab. s. 90, andere bei Klemm 2, 160. vgl. kl. schr. 2, 439–458..

Eine beschreibung, die Petron cap. 44 von der römischen regenprocession macht, trifft nahe mit der vorhin aus dem mittelalter gegebnen zusammen: antea stolatae ibant nudis pedibus in clivum, passis capillis, mentibus puris, et Jovem aquam exorabant; itaque statim urceatim (als gösse man mit mulden) pluebat, aut tunc aut nunquam, et omnes ridebant, uvidi tanquam mures. Das einfach schöne regengebet der Athener hat Mark Antonin (εις ευατόν 5, 1) aufbewahrt: ευχὴ ’Αθηναίων, υ̃σον, υ̃σον, ω̃ φίλε Ζευ̃, κατὰ τη̃ς αρούρας τη̃ς ’Αθηναίων καὶ τω̃ν πεδίων. Das litthauische gebet lautete nach Lasicz 47: Percune devaite niemuski und mana dirwu (so bessere ich f. diewu), melsu tawi, palti miessu, cohibe te Percune, neve in meum agrum calamitatem immittas (einfacher: schlage nicht ein in meinen acker), ego vero tibi hanc succidiam dabo. die altpreußische formel soll gelautet haben: diewas Perkunos absolo mus! (schone unser), litth. apsaugok mus! Ich setze allem diesem das ausführlichere ehstnische gebet an die seite, wie es noch im 17 jh. GutslaffJoh. Gutslaff kurzer bericht und unterricht von der falsch heilig genandten bäche in Liefland Wöhhanda. Dorpt. 1644 p. 362–364. die ehstnischen ausdrücke des gebets waren ihm damals schon schwierig, verbessert geben sie Peterson finn. mythol. p. 17 und Rosenplänters beitr. heft 5. p. 157. einen alten bauer sprechen hörte: ›lieber Donner (woda Picker), wir opfern dir einen ochsen, der zwei hörner und vier klauen hat, und wollen dich bitten um unser pflügen und säen, daß unser stroh kupferroth, unser getraide goldgelb werde. stoß anderswohin alle schwarzen, dicken wolken über große sümpfe, hohe wälder und breite wüsten. uns pflügern und säern gib aber fruchtbare zeit und süßen regen. heiliger Donner (pöha Picken), bewahre unsern acker, daß er trage gut stroh unterwärts, gute ähren überwärts und gut korn innenwärts‹. Picker oder Picken würde im heutigen ehstnisch lauten Pitkne, was dem finnischen pitkäinen donner, vielleicht auch Donner, näher kommt, in Hüpels ehstn. wörterb. steht indessen pikkenne donner, und pikne donner. gewöhnlich nennen die Finnen ihren donnergott Ukko, die Ehsten aber auch Turris, offenbar nach dem nordischen ThôrrUkko ist nach Jumala (den ich Wuotan vergleiche) der höchste finnische gott. pitkäinen heißt eigentlich der lange, hohe.Nachtrag: Pikker. Kalewipoeg, 3, 16. 23. 358. 16, 855. pikkertaati. 20, 730. über pikker und pikne s. estn. verh. 2, 36. 37. er ist der im blitz erscheinende, strafende, dreimalneunige gott, der mit seiner glühenden eisenrute (raudwits) züchtigt, auch als höchster gott die niederen götzen, welche vor ihm gleich den riesen vor Thor zum heerd der menschen flüchten. verh. 2, 36–38. pikne scheint kürzung aus pitkäinen, tonitru, das in der finnischen form des estnischen regengebets vorkommt. Suomi 9, 91, und von pitkä langus stammt. pitkäikäinen ist longaevus, also der alte = Ukko, nach Castrén myth. 39 vielleicht der lange strahl des blitzes. über Toro, Toor, Torropel s. estn. verh. 2, 92..

Da vom regen und gewitter fruchtbarkeit der fluren abhängt, so erscheinen Pitkäinen und Zeus als die älteste gottheit ackerbauender völker, von deren güte sie das gedeihen ihrer saatfelder und früchte erwartenNachtrag: Ukko segnet das korn. Peterson s. 106. der h. Sezny wirft an der küste von Bretagne seinen hammer auf ein ödes feld, um welchen das getreide in einer nacht zu vollen reifen ähren heranwächst. bretagn. volkss. mitgeth. von Aug. Stöber, wahrscheinlich nach Souvestre.. ausdrücklich legt auch Adam von Bremen dem Thor donner und blitz verbunden mit der herschaft über wetter und früchte bei: Thor, inquiunt, praesidet in aere, qui tonitrua et fulmina, ventos imbresque, serena et fruges gubernat. hier berührt sich also seine verehrung mit der des 147 Wuotan, welchem gleichfalls die ernter huldigten (s. 128–130), wie auf der andern seite Thor neben Ođinn kriegsthaten verrichtet, und seinen theil der beute empfängt (s. 111). In der altn. auffassung haben sogar Thors siege und kämpfe mit den riesen sein friedliches amt in schatten gesetzt. Doch Wuotans kraftvollstem sohn, dessen mutter die Erde selbst ist, der auch Perkunos heißt, muß schon dieser abkunft wegen unmittelbarer bezug auf den feldbau gegeben werdenUhland, in seiner schrift über Thôrr den altnordischen mythen auf den grund dringend, hat sinnig durchgeführt, daß eben der streit des sommergottes mit den winterriesen das geschäft der urbarmachung auszudrücken scheine, die felsenspaltende, zermalmende gewalt des wetterstrals bereite den harten steinboden. für die sagen von Hrüngnir und Örvandill wird dies treffend ausgelegt, in einigen der übrigen scheint es minder zu gelingen.. er reinigt das wetter, entsendet fruchtbaren regen und sein heiliger baum gewährt die nährende eichel. Thôrs minni wurde für das gedeihen der äcker getrunken.

Gleich Zeus und Jupiter wurde ohne zweifel auch der deutsche donnergott mit langem barte vorgestellt. noch ein dänischer reim nennt ihn: Thor med sit lange skiäg (F. Magnusens lex. 957). in den altn. sagen erscheint er aber mit näherer bestimmung überall rothbärtig, was auf die feurige lufterscheinung des blitzes bezogen werden muß: wenn der gott zürnt, bläst er in seinen rothen bart und donner schallt durch die wolken. fornm. sög. 2, 182. 10, 329 heißt er ein schlanker, schöner, rothbärtiger jüngling: mikill vexti ok ûngligr, friđr sŷnum ok rauđskeggjađr; 5, 249 mađr rauđskeggjađr. hilfsbedürftige menschen riefen seinen rothen bart an: landsmenn tôko þat râđ at heita â þetta hit rauđa skegg (2, 183). beim zürnen schüttelt er den bart: reiđr var þâ, scegg nam at hrîsta, scör nam at dŷja. Sæm. 70a; allgemeiner ist der ausdruck: lêt sîga brŷnnar ofan fyrir augun. Sn. 50, von seinem göttlichen zorn (âsmôđr) ist öfter die rede: Thôrr varđ reiđr. Sn. 52. Zumal merkwürdig ist die erzählung von Thôrs begegnung mit könig Olaf 1, 303, seine macht erscheint da schon halb gebrochen und vor der neuen lehre weichend; als die Christen nahten, ermahnt den Thôrr ein anhänger zu tapferm widerstand: þeyt þû î môt þeim skeggrödd þîna (blas ihnen deinen bartruf, die stimme deines bartes, entgegen). þô gengu þeir ût, ok blês Thôrr fast î kampana ok þeytti skeggraustina (da giengen sie aus, Th. blies stark in den bart, und erregte die sprache seines barts), kom þâ þegar andviđri môti konûngi svâ styrkt, at ekki mâtti viđ halda (alsbald kam ein unwetter gegen den könig, daß er sich nicht in der see halten konnte). Dieser rothe bart des donnerers ist in flüchen der späteren zeit unvergessen, und zwar unter dem friesischen volk, ohne allen äußeren zusammenhang mit der nordischen vorstellung: ›diis ruadhiiret donner regiir!‹ (deß walte der rothhaarige donner) rufen noch heute die Nordfriesen ausder geizhalz auf Silt. Flensburg 1809 p. 123. 2. ausg. Sonderburg 1833 p. 113.. wenn 148 in der isländ. sprache der fuchs holtaþôrr (waldthôrr) genannt wirdnucleus lat. in usum scholae schalholtinae. Hafniae 1738 p. 2088., bezieht sich das vermutlich auf sein rothes haarNachtrag: Vom Donnergott handelt sicher die sage vom rothbärtigen riesen und vom wagen mit dem goldnen bock. Wolfs zeitschr. 2, 185. 186. den nordamerikanischen Indianern ist Pahmioniqua und ebenso Jhätschintschiä d. h. der rothe donner ein mannsname. Catlin übers. v. Berghaus 136. 190. 191..

Die alten sprachen unterscheiden drei acte der naturerscheinung: das leuchten, fulgur, αστραπή, den schall, tonitrus, βροντή, und das einschlagen, fulmen, κεραυνόςNachtrag: Die drei erscheinungen des gewitters als gleichzeitige schildert Hesiod. theog. 691: κεραυνοὶ ίκταρ (im nu) άμα βροντη̃ τε καὶ αστεροπη̃ ποτέοντο. vom fulgur kann man noch trennen den begrif fulguratio (sine ictu)..

Den leuchtenden schein nennen wir blitz, die ältere sprache gebraucht sowol das einfache plih (Graff 3, 244), mhd. blic Iw. 649. Wigal. 7284, als plechazunga (coruscatio) aus plechazanich schreibe plechazan, und denke an pleckan, plahta (patere, nudari) mhd. blecken, blacte Wigal. 4890, so daß es vom himmel gebraucht bedeutet: die wolken thun sich auf, der himmel öfnet sich, wie man noch jetzt von blitzen und wetterleuchten sagt. vgl. Lohengr. p. 125: reht alsam des himmels bliz vor doner sich erblecket. Soll dies plechan mit plih (fulgur) verwandt sein, so hat man zwei verba plîhhan, pleih und plëhhan, plah, letzteres aus ersterem entsprungen anzunehmen. slav. blesk, blisk, doch böhm. boźj posel gottes bote, blitzstral. russ. molnija, serb. munja fem.Nachtrag: Beim blecken, plechazan, dem sich öfnen des himmels gedenkt man der Bastarner, welche glaubten, beim donnerwetter falle der himmel auf sie herab. Liv. 40, 58. vgl. Duncker s. 84. in den serb. liedern ist munja tochter der vila, grom ihr bruder. mjesetz, mond, heiratet die Munja. Vuk. 1, 154 no. 229–231.., dem frequentativ von plechên (fulgere) Diut. 1, 222. 224 abgeleitet; man sagte auch plechunga Diut. 1, 222. Pleccateshêm, ein ort (Pertz 2, 383), heute Blexen; mhd. blikze (fulgur) Ms. 2, 166b; die blikzen und die donerslege sint mit gewalte in sîner pflege. Ms. 2, 166b. So setzt lôhazan (micare, coruscare) goth. láuhatjan ein lôhên, goth. láuhan voraus. der Gothe bildete von derselben wurzel sein láuhmuni (αστραπή), der Sachse aus blic ein blicsmo (fulgur). ags. leoma (jubar, fulgur), altn. liomi, schwed. ljungeld, dän. lyn. Bezeichnend schildert eine preußische volkssage (bei Reusch 29) das gewitter so: der mit der blauen peitsche verfolgt den teufel (d. i. die riesen). denn zumal die blaue flamme schien göttlich, bei ihr wird geflucht; nordfries. ›donners blöskên (blauer schein) help!‹ (Hansens geizhals p. 123) und Schärtlins fluch war: blau feuer!Nachtrag: Fulgur nennt Justinger noch bliks für blitz. Blixberg, heute das verfallne schloß Plixburg, urkundl. Plickhsperckh, liegt im Münsterthal bei Colmar gegenüber einem zwerchberg. Schöpflin als. dipl. no. 1336. des snellen blickes tuc. Freid. s. 375. himelblicke. Servat. 397. 1651. Roth. 3536. in Steier himlatzen blitzen. weterbliche, fulgura. Haupts zeitschr. 8, 137. wetterleich. Stalder 2, 447. hab dir das plab feuer! H. Sachs II. 4, 19a. blaues licht bei donnerwettern. Schwabs Alb. s. 229. der blitz trift oder rührt. vom blitz gerührt. felsenb. 1, 7. er entsteht, wenn mit der feurigen axt (s. 150. 678) funken geschlagen werden. altn. af þeim liomom leiptrir qvômo. Sæm. 151a. Κρονίδης αφίει ψολόεντα κεραυνόν. Od. 24, 539. αργη̃τι κεραυνω̃ 5, 128. 131. trisulcum fulgur. Festus. Varro ap. Non. 6, 2. Sen. Thyest. 1089. ignes trisulci. Ovid. met. 2, 848. Ibis 471. tela trisulca. Claudian. III. cons. Hon. praef. 14. genera fulminum tria esse ait Caecina, consiliarium, auctoritatis et status. vgl. Amm. Marc. 23, 5. vgl. O. Müllers Etrusker 2, 170. neun blitzwerfende götter nahmen die Etrusker an. O. Müller Etr. 2, 84. Romanisch heißt der blitz camêg, früher auch calaverna, chalávera, heute straglüsch, sagietta, saetta, der einfahrende blitz, auch lütscherna (? lucerna). litth. źaibas, blitz, Perkuno źaibas, blitzstrahl, von źibeti, leuchten. Nesselmann 345. Die fulguratio, den schwachen, fernen, nicht einschlagenden blitz oder das wetterleuchten nennt der Finne Kalevan tulet, Kalevan valkiat d. h. Calevae ignes, bruta fulmina autumnalia, auch kapeen tulet, genii ignes. πυ̃ρ Διὸς, hebr. gottes feuer wird der blitz genannt.

Außer donar hätte der ahd. sprache zu gebot gestanden caprëh (fragor) von prëhhan (frangere) gl. hrab. 963b. mhd. dafür öfter klac (Troj. 12231. 14693) und krach, von krachen (crepare): mit krache gap der doner duz. Parz. 104, 5; und da krachen synonym ist mit rîzen (eigentlich krachend bersten), steht auch wolkenrîz (fem.) für donner, Parz. 378, 11. Wh. 389, 18; gegenrîz, wartb. kr. jen. 57; reht als der wilde dunrslac von himel kam gerizzen. Ecke 105. der chlafondo doner. N. Cap. 114, der chlafleih heizet toner; der doner stet gespannen. Apollon. 879. das goth. fem. þeihvô vergleiche ich dem finnischen teuhaan (strepo), teuhaus (strepitus, tumultus), es bedeutet also die lärmende, tosende. einige niederd. mundarten haben die benennung grummel für donner (Strodtm. osnabr. 77), nach dem slav. grom, hromNachtrag: Tonitrus ist toniris chlaccha. Hattem. 3, 598b. tonnerklapf. Justinger 383. donnerklöpfige wort. franz. Simpl. 1, 231. dôzes klac. Parz. 379, 11. Troj. 12231. 14693. donrescal. fundgr. 2, 116. tonnerbotz. Garg. 270b. 219b von donerbôz. altn. skrugga, tonitru vgl. skröggr, fulminans. dän. tordenskrald, tordenbrag. ndrd. grummelwier, grummelschuur, grummeltaaren (donnerwolke) Lyra s. 103. 117. s. anm. 429. nhd. der donner rollt, grollt. Wie der blitz als blick eines vogels, wird der donner als flügelschlag eines solchen aufgefaßt. Klemm 2, 155. Zeus adler hält die blitze, und ein adler erregt den sturmwind (s. 527. 528) vgl. den vogel bei tagesanbruch..

Für den begrif von fulmen besitzen wir nur zusammensetzungen, wo nicht das bloße donner in dieser bedeutung steht: 149 sluoc alse ein doner. Roth. 1747; hiure hât der schûr (das wetter) erslagen heißt es MS. 3, 223a; gewöhnlich donnerschlag, blitzschlag. ahd. bligscuz, fulgurum jactus, N. cap. 13; mhd. blickeschoz Barl. 2, 26. 253, 27 blicschoz Martina 205a; fiurin donerstrâle Parz. 104, 1; donreslac Iw. 651; ter scuz tero fiurentûn donerstrâlo (ardentis fulminis), erscozen mit tien donerstrâlôn. N. Bth. 18. 175; mhd. wetterstrahl, blitzstrahl, donnerstrahl. mhd. wilder donerslac Geo. 751, wie der blitz das wilde feuer genannt wird, Rab. 412. Schm. 1, 553, altn. villieldr. Sn. 60Nachtrag: Fulmen ist ahd. donarstrâla. Graff 6, 752 und laucmedili. gloss. jun. 191. Graff 2, 707. blicschôz mit dunrslegen. pass. 89, 49. blicschôz an dunrslegen 336, 9. des donres schuz Freid. 128, 8. donrestrâl der niht enschiuzet. Turl. Wh. 11a. dornstrâl Grieshaber 151. die donerblicke fundgr. 1, 73. donresblicke Freid. 123, 26. des donrisslac fundgr. 2, 125. ob der doner zaller frist slüege, swann ez blekzend ist. w. gast 203. swaz er der der heiden ane quam, die sluoc er alse ein doner sân. Rother 2734. dô sluog er alsô der thoner, for dem sich nieman mac bewarn. Diemer 218, 8. schûrslac Helbl. 8, 888. wolkenschôz Lanz. 1483. weterwegen pass. 336, 10. 2. ahd. drôa, drewa heißt minae, oraculum und fulmen, ictus. Graff 5, 246. ist der blitz hier eine drohende, weissagende erscheinung? altfranz. es foldres (foudre) du ciel. Ogier 1, 146. foudre qi art. Guiteclin 2, 137. Le tonnerre a sept différentes formes pour se manifester aux Polognots. il tombe en fer, alors il brise tout; en feu, il brûle; en soufre, il empoisonne; en genuille, il étouffe; en poudre, il étourdit; en pierre, il balaye ce qui l'environne; en bois, il senfonce où il tombe. mem. celtiq. 2, 211..

Wie also dem blitzenden gott rothes haar, dem donnernden der wagen, so wird dem einschlagenden geschoß und waffe beigelegt. hier scheint mir aber die vorstellung von geschoßnen pfeilen: wilder pfîl der ûz dem donre snellet. Troj. 7673, doners pfîle. turnei von Nantheiz 35. 150, erst den κήλιος Διός, telis Jovis nachgeahmt; der deutsche Donar wirft eigentlich keilförmige steine vom himmel herab. ez wart nie stein geworfen dar (in die hohe burg), er enkæme von der schûre. Ecke 203. ein vlins von donrestrâlen. Wolfram 9, 32. ›ein herze daz von vlinse ime donre gewahsen wære‹. Wh. 12, 16; schûrestein Bit. 10332; schawerstein Suchenw. 33, 83; ›sô slahe mich ein donerstein!‹ MsH. 3, 202a. in der heutigen sprache donnerkeil, schwed. åskvigg, und nach dem volksglauben fährt mit dem zündenden blitz aus der wolke zugleich ein schwarzer keil tief wie der höchste kirchthurmdiese tiefe wird in andern flüchen mannigfaltig ausgedrückt, z. b. der donner schlage dich so tief in die erde als ein hase in hundert jahren laufen kann! in den erdboden nieder. so oft es aber von neuem donnert, beginnt er der oberfläche näher zu steigen, nach sieben jahren ist er wieder oben auf der erde zu finden. jedes haus, in dem er aufbewahrt wird, ist vor gewitterschaden sicher, und sobald ein gewitter naht, fängt er an zu schwitzenWeddigens westfäl. mag. 3, 713. Wigands archiv 2, 320, wo neun jahre statt sieben.. solche steine heißen auch donneräxte, donnersteine, donnerhämmer, albschoße, strahlsteine, teufelsfinger, engl. thunderbolt, schwed. Thors vigge, dän. torđenkile, tordenstraale (s. unten cap. XXXVII.)die gr. benennung des steins ist βελεμνίτης, geschoß.; in heidengräbern gefundne steinhämmer und steinmesser führen denselben namen. Saxo gramm. p. 236: ›inusitati ponderis malleos, quos joviales vocabant, . . . prisca virorum religione cultos . . . . cupiens enim antiquitas tonitruorum causas usitata rerum similitudine comprehendere, malleos, quibus coeli fragores cieri credebat, ingenti aere complexa fuerat‹Nachtrag: Über donnerkeile s. den 9. Bamberger bericht s. 111. außer donnerstein kommt auch wetterstein, krottenstein vor. auch heißt es: herre got, und liezt du vallen her ze tal ein stein, der mir derslüege. Suchenw. 78, 175. man läßt sich ein stückchen donnerkeil in die hand heilen, um ihr ungeheure kraft zu verleihen. Haupts zeitschr. 3, 366. donnerstral dritthalb centner schwer hängt zu Ensheim in der kirche. Garg. 216a. vestgötl. Thorskäjl, Donnerskeil, schwed. Thorviggar, donnerkeile. Sjöborg nomenclat. f. nordiska fornlemningar s. 100 ff. Indras donnerkeil und blitz heißt svarus von svar, coelum, sonne. Benfey 1, 457. vgl. die ηλύσια (anm. 442). an den albschoß erinnert das skr.: vitulum veluti mater, ita fulmen Marutes sequitur. Bopps gloss. 364a vgl. mugientis instar vaccae fulmen sonat. 262a. Athene weiß allein die schlüssel zum gemach des donnerkeils. Aesch. Eum. 727. 728, was an die verbotne kammer des Marienmärchens gemahnt. litth. Perkuno kulka, Perkuns kugel = donnerkeil. serb. strjelitza, der donnerkeil.. Auch dem Jupiter war der silex (flins) heilig und schwörende faßten ihn. Aus jener benennung elbischer geschoße möchte ich zusammenhang der elbgeister mit dem donnergott, in dessen dienst sie zu stehn scheinen, folgern.

Die nord. mythologie legt dem Thôrr ausdrücklich einen wunderbaren hammer zu, Miölnir (tudes, contundens) genannt, den er 150 gegen die riesen schleudert. Sæm. 57b 67b 68b; er heißt auch pruđhamar (starker hammer) Sæm. 67b 68a, und hat die eigenschaft nach dem wurf von selbst in die hand des gottes zurückzukehren. Sn. 132. diesen hammer, wenn er durch die luft fährt (er hann kemr â lopt. Sn. 16), kennen die riesen, seinem wurf gehen blitz und donner voraus: þvî næst sâ hann (der riese Hrûngnir) eldîngar oc heyrđi þrumur stôrar, sâ hann þâ Thôr î âsmôđi, fôr hann âkaflega oc reiddi hamarin oc kastađi. Sn. 109. augenscheinlich ist es der nach blitz und donner niederfahrende, schmetternde keil, den man sich aber als dem gott immer verbleibende waffe dachte; daher vielleicht jenes emporsteigen des keils aus der erde. Saxo p. 41 stellt ihn als eine keule (clava) ohne grif dar, aber meldet, daß Hother dem Thor das manubium clavae in der schlacht abgeschlagen habe, was zu der eddischen erzählung von der verfertigung des hammers stimmt, wo ihm als gebrechen angerechnet wird, daß sein schaft zu kurz sei (at forskeptit var heldr skamt). Sn. 131. kunstfertige zwergewie Cureten oder Cyclopen des Zeus blitz. haben ihn geschmiedet, und er war, jenes fehlers unerachtet, ihr meisterstück. Saxo p. 163 wird dem Thôr eine torrida chalybs beigelegtdaß bei des donnergotts bildseulen der hammer unvergessen war, scheint sich noch aus spätem zeugnis, der bei den riesen erwähnten bildseule eines dorpers, zu ergeben (s. cap. XVIII) und im ags. Salomon und Saturn führt der Donner eine feurige axt (s. cap. XXV Muspilli).. Bemerkenswerth drückt sich Frauenlob Ms. 2, 214b von gott vater aus: ›der smit ûz Oberlande warf sînen hamer in mîne schôz‹. Der göttliche hammer galt für ein heiliges geräth, mit dem bräute und leichen geweiht werden (Sæm. 74b Sn. 49. 66); das hammerzeichen segnetim altdeutschen recht heiligt hammerwurf den erwerb., wie bei den Christen das zeichen des kreuzes, und der einschlagende blitz galt im mittelalter noch lange für die glückliche, einweihende vorbedeutung eines unternehmens. mit dem hammer weiht Thôrr knochen und belebt sie von neuem (Sn. 49)Nachtrag: Miölnir kann an sl. ml'nija, ατραπή erinnern, das nach Miklos. 50 von mljeti, conterere stammt. der hammer ist das einfache, uralte, fast allen handwerken unentbehrliche geräth, das bei vielen geschäften symbolisch zugezogen wird. bei grenzen wurde die hamarsmark eingehauen, ein mit haken versehenes kreuz, später wurden oft bekreuzte eichen zur grenze verwendet. kl. schr. 2, 43. 55. beim bechersegnen (signa full) machte man das hammerzeichen: hann gerđi hamarsmark yfir. Hâkonar gôđa s. cap. 18. Thor med tungum hamrum auch bei Landstad 14. Thors bild hat einen großen hammer in der hand. Ol. helga s. ed. Christ. s. 26. fornm. sög. 4, 245. daß man den hammer bildlich darstellte und heilig hielt, zeigt die schon theilweise angeführte stelle bei Saxo ed. Müller s. 630: Magnus inter cetera trophaeorum suorum insignia inusitati ponderis malleos, quos joviales vocabant, apud insularum quandam prisca virorum religione cultos, in patriam deportandos curavit. die begebenheit fällt zwischen 1104–1134. In Deutschland waren vielleicht früher hämmer und keulen als symbole Donars an der kirchenmauer oder ins stadtthor eingemauert, an die sich ein barbarischer volksglaube und eine sage vom slegel knüpfte. Haupts zeitschr. 5, 72. auch die sagen vom teufelshammer, der auch donnerkuhl, hammerkuhl heißt (Müllenhoff s. 268. 601), gehören in diesen kreis. vgl. s. 835. Pikne führt den blitz als eiserne rute. s. anm. 452.. Vorzüglich wichtig und die verbreitung des altheidnischen glaubens bestätigend scheint mir aber das schöne gedicht der edda hamars heimt (mallei recuperatio)kein andrer gesang der edda zeigt sich so fest in die nordische volkspoesie verwachsen; die dichtung lebt in schwedischen, norwegischen, dänischen liedern fort, welche sich zu jenem eddischen verhalten, wie das volkslied von Hildebrand und Alebrand zu der alten dichtung. Thor tritt nicht mehr als ein gott auf, sondern als Thorkar (Thorkarl) oder Thord af Hafsgaard, dem sein goldhammer gestolen ist, vgl. Iduna 8, 122. Nyerups udvalg 2, 188. Arvidsson 1, 3. Schade beskrivelse over öen Mors. Aalborg 1811. p. 93. Vgl. die merkwürdige sage von Thor med tungum hamri bei Faye norske sagn. Arendal 1833. p. 5, auch hier verliert und sucht er den hammer., dessen inhalt darauf beruht, daß Thôrs hammer von einem riesen entwendet und acht meilen tief in die erde verborgen wird: ›ek hefi Hlôrriđa hamar umfôlginn âtta röstom for iörđ neđan‹. Sæm. 71a, das hängt unverkennbar zusammen mit dem angeführten volksglauben, der 151 donnerkeil fahre tief in die erde und brauche sieben (neun) jahre um wieder auf die oberfläche zu rücken, er steigt gleichsam jedes jahr eine meile aufwärts. Aber Thrymr, der durse gott, þursa drôttinn, der den hammer wieder zu sich geholt hatte, scheint selbst mit Thôrr identisch, und ein älterer naturgott, in dessen händen vor ankunft der âsen der donner gewesen war; das zeigt sein name, der von þruma tonitru abzuleiten ist. das zusammengesetzte wort þrumketill (nach Biörn: aes tinniens) verhält sich wie das bekanntere þôrketillNachtrag: Thor ist riesenfeind. s. 439. wie Wodan die unterirdischen, verfolgt jener die riesen. diese wollen nicht zum gelag, wobei Tordenveier erscheint. s. 157. 444. wenn es blitzt, sagt man in Schonen, daß Thor die trolle schlägt. Nilsson 4, 40. der (tievel) wider unsih vihtet mit viuren (viurînen) strâlen. Diemer 337, 9..

Ein anderes zeugnis für die gemeinschaft des mythus vom donnergott zwischen Scandinavien und dem übrigen Deutschland kann das wort hammer selbst ablegen. hamar bedeutet ursprünglich einen harten steinslav. kamen (stein), litth. akmå, gen. akmens. kam = ham., felsen, und dann erst das daraus verfertigte geräth; das altn. hamarr hat noch beiderlei sinn rupes und malleus, sahs wiederum ist steinmesser, folglich das lat. saxum. dieser name schickt sich ganz besonders für ein werkzeug, womit der berggott Donar, jener Faírguneis, alle seine thaten vollbringt. weil nun des gottes hammer einschlägt und die flüche ›der donner schlage dich‹ oder ›der hammer schlage dich!‹ gleichviel aussagten, so entsprang in einigen, zumal niederdeutschen gegenden, nach dem untergang des gottes Donar, eine personification des wortes Hamar mit dem begriffe Tod oder Teufel. ›dat die de Hamer!‹ ›i vor den Hamer!‹ ›de Hamer sla!‹ sind noch jetzt unter dem volk gangbare redensarten, in welchen man Hamer mit Düvel vertauschen kann, die aber sämtlich auf den mit dem hammer einschlagenden gott zurückgeführt werden müssen. ebenso heißt es ›dat is en Hamer, en hamersken kerl‹, ein verteufelter, verwegener, listiger menschbrem. wb. 2, 575. dat di de hamer sla! Strodtm. s. 80. vgl. Schm. 2, 192; daß dich der hammer schlag, ein großer hammer schlag! Abeles künstl. unordn. 4, 3. gerichtsh. 1, 673. 2, 79. 299. 382. verhamert dür, kolt, Schütze 2, 96 ist gleichviel mit verdonnert, verteufelt, verflucht. Wie tief der cultus des gottes unter dem volk wurzel gefaßt, beweisen alle solche, fast unausrottbaren flüche, d. h. frühere betheuerungen: donner! donnerwetter! heiliges gewitter! und mit beifügung des christlichen symbols: kreuz donnerwetter! euphemistisch entstellt: bim dummer, potz dummer! dummer auch! Stutz. 1, 123. 2, 161. 162. 3, 56. bim dummer hammer 3, 51. oder bim dumstig, bim dunnstig! wie in Hessen: donnerstag! bim hamer! in Flandern: bi Vids morkel hamer! (Willems vloeken s. 12).. de Hamer kennt se all! (der teufel kenne sie alle) Schütze 2, 96. Hemmerlein, meister Hämmerlein bedeutete den bösen geist. hierbei zu erwägen ist auch die in flüchen übliche verbindung der namen: donner und teufel! welche beide den alten gott meinen. in Dänemark versteht das volk unter gammel Thor den teufel, in Schweden betheuerte man lange mit Thore gud. Die Litthauer verehrten einen übergroßen hammer (Seb. Frankes weltbuch 55b)Nachtrag: Hamer sla bamer, sla busseman dot! Müllenhoff s. 603. vgl. Hermen sla dermen s. 294. bim hammer! Corrodi professer 16. 58. vikari 11. tummer und hammer. professer 96. daß dich des himmels kreuzdonnerwetter zehntausend klafter tief in die erde schlage! du widertuo ez balde, oder dir nimet der donner in drin tagen den lîp! Wolfd. 331, 3. 4. (Haupts zeitschr. 4.) eine dän. betheurung ist: ney Thore gud! Wormii mon. dan. s. 13. ähnlich: daß dich der donnerstag! Phil. v. Sittew. 2, 680. donnstig! (donner!). du donnstigs bub! Gotthelfs erz. 2, 196. 195. Die Litthauer legen nach Aen. Sylvius dem Percunnos einen großen hammer bei, mit welchem die sonne aus der gefangenschaft befreit wird. Aen. Sylvius in den kurländ. send. 2, 6. n. preuß. prov. bl. 2, 99. vgl. Tettau und Temme s. 28. litth. kad Perkuns pakiles deszimt klafterin tave i zeme itrenktu! d. h. daß sich Perkunas erhebe und dich zehn klafter tief in die erde hineinschlage! Schleicher ber. der Wiener acad. 11, 108. 110. Bei den Etruskern führt Mantus den hammer. Gerhard. s. 17.

Außer dem hammer hatte Thor auch die megingiarđar, fortitudinis, roboris cingula und die iarngreipr, chirotecas ferreas. Sn. 112. 113. er hann spennir þeim (megingiörđum) um sik, þâ vex honum âsmegn hâlfu. Sn. 26. þâ spenti hann megingiörđum Sn. 114. die megingiarđar mahnen an Laurîn 906. 890. 1928: zebrechent sîn gürtelîn, do hât er von zwelf man kraft. ein gürtel verleiht sterke und wisheit. Wigal. 332 und weist den rechten weg. Wigal. 22. 23. ein gürtel der den hunger stillt. Fierabras 209. vgl. schmachtrieme. eine victoriae zona kennt Saxo ed. Müller 124. den stärkegürtel Thors gleicht das blaue band in norske folkev. no. 60 s. 365. 374. 376. Müllenhoffs schl.-holst. märchen no. 11. Moes einl. XLVI.

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Alterthümlicher war die übertragung einzelner eigenschaften und namen des heilands, oder jüdischchristlicher sagen auf den 152 heidnischen gott; namentlich der mythus von Leviathan auf Iörmungandr. wie Christus durch seinen tod die ungeheure schlange überwältigte (Barl. 78, 39–79, 14), besiegte Thôrr den miđgarđsorm, und beiden kommen ähnliche epitheta zuFinn Magnusen lex. 484. 485.. die ähnlichkeit der zeichen des kreuzes und hammers dazu genommen, würde es nicht befremden, wenn die neubekehrten Deutschen unter Christus sich auch noch den herrn des donners und verleiher des regens vorgestellt hätten. desto leichter konnte die anwendung auf Maria., gottes mutter, gemacht werden (s. 145); wirklich nennt der älteste troubadour (Diez p. 15. Raynouard 4, 83) Christus noch den herrn des donners (Ihesus del tro).

Ein neapolitanisches märchen im pentamerone 5, 4 personificiert donner und blitz (truone e lampe) als einen schönen jüngling, den bruder sieben spinnender jungfrauen und den sohn einer alten bösen mutter, die keinen höheren schwur hat, als ›pe truone e lampe‹. auch in dieser überlieferung, ohne daß ich sie äußerlich mit der deutschen in verbindung setzen möchtewoher hat die ital. sprache das wort trono (neapol. truono, span. trueno) neben tuono? die provenzalische in gleicher bedeutung trons? ist das R aus unserm donar oder vielmehr dem goth. drunjus (sonus) Rom. 10, 18 eingemischt? (vgl. dröhnen), oder gieng der begrif des lat. thronus über in den von himmel und donner? förchst nicht, wanns tonnert, ein tron werd vom himmel fallen? Garg. 181b. jenes Ihesus del tro könnte auch bloß bedeuten: herr des firmaments., erhält sich die idee eines gütigen, wohlthätigen donnergottes, keines feindlichen und teuflischen.

Der große käfer, den wir hirschschröter, feuerschröter nennen, lucanus cervus, taurus (s. cap. XXI käfer) heißt in einigen süddeutschen strichen donnergueg, donnerguge, donnerpuppe, von gueg, guegi (käfer), vielleicht weil er sich gern auf eichen, dem donner heiligen bäumen, findet? denn er führt auch den namen eichochs, schwed. ekoxe, außerdem aber feuerschröter, fürböter (feueranzünder), börner (brenner), hausbrenner, was seinen bezug auf donner und blitz andeutet. das volk sagt, er trage auf seinen hörnern glühende kohlen in die dächer und stecke sie an; bestimmter ist die aberglaube p. xcvi angeführte meinung, daß das wetter in die häuser schlage, worin man den schröter getragen hat. schwed. wird der käfer noch genannt horntrollNachtrag: Nach Schotts Deutschen in Piemont. s. 300. 340 heißt der molch, dessen erscheinen in den alpen sturm verkünden soll, wettergiogo. das hirschkäferweibchen trägt glühende kohlen in die häuser. Odenwald..

Unter kräutern und pflanzen sind hervorzuheben der donnerbart, die hauswurz, sempervivum tectorum, welche aufs dach gepflanzt vor dem einschlagen des blitzes sichertein provenzalischer troubadour, den Raynouard s. v. barbajol anführt, sagt: e daquel erba tenon pro li vilan sobre lur maiso. gleich dieser hauswurz (hauswurzel, abergl. 60) ist der hagedorn (albaspina) schutzmittel wider den blitz (mém. de l'acad. celt. 2, 212), bei den alten Römern der lorbeer oder die um das haus gepflanzte weiße rebe; vgl. brennnessel (abergl. 336). ›palmzweige auf kohlen gelegt, lichter angezündet, feuer auf den heerd gemacht, ist gut für gewitter‹. (braunschw. anz. 1760. p. 1392). auch der kreuzvogel (weil sein schnabel ein kreuz oder hammerzeichen bildet?) schützt (abergl. 335), aber das nistende rothkehlchen oder rothschwänzchen scheint den blitz herbeizulocken (s. cap. XXI rothkehlchen und abergl. 629. 704); war es, des rothen gefieders wegen, dem rothbärtigen gott heilig?Nachtrag: Die barba Jovis gilt für heilkräftig. Caes. heisterb. 7, 15. Jovis herba, husloek. Mone quellen. 289a. hûslouch Mone 8, 403. donderloek, crassula major. Mone qu. 283b dundarlök. Dybeck 1845 s. 61. Jovis caulis, sempervivum magnum. Diosc. 4, 88. ags. þunorvyrt, barba Jovis. it is still common in many parts of England, to plant the herb houseleek upon the tops of cottage houses. Hones yearb. 1552. vgl. s. 1010. der donnerbesen heißt schweiz. hexenbesen Stald. 2, 42. Nemnich nennt glecoma hederacea donnerrebe, gundrebe. die donnernessel, urtica dioica, widersteht dem donner. finn. ukon tuhnio, fungus, fomes. ukon nauris, rapa. ukon lummet, caltha palustris. ukkon lehti, folium (lappa). Jovis colus, Διὸς ηλακάτη, clinopodium, verbena. Diosc. 3, 99. 4, 61. Jovis madius, catanance, herba filicula. Diosc. 4, 132. ιερὰ του̃ θεου̃ φηγός zu Dodona. Pausan. 1, 17. Jovis arbor Ovid. met. 1, 104. einen donnerbaum gibt es in Tirol. Wolfs zeitschr. 2, 61. Während rothkehlchen und schröter den blitz locken, wendet der wannenweihe ihn ab s. 562. Allgemein verbreitet ist die sitte beim gewitter zu läuten, weil das den donner vertreibe, offenbar das christliche läuten den heidnischen gott. ähnlich ist das thrakische schießen gegen blitz und donner. (s. 16), wie sonst gegen die finsternis (s. 589).: barba Jovis 153 vulgari more vocatur (Macer Floridus 741), franz. Joubarbe (vgl. anhang p. lviii); der donnerbesen, ein struppiges, verwirrtes, nestartiges gewächs auf baumästen, dessen erzeugung der aberglaube dem blitz zuschreibt, es führt auch den namen alpruthe; das donnerkraut (sedum); der donnerflug (fumaria bulbosa); die donnerdistel (eryngium campestre); dän. tordenskreppe (klette). den Südslaven heißt die iris perunika, Peruns blume, den Letten der hederich pehrkones; jenes Perunika ist zugleich frauenname, wie Iris. Vor allen bäumen war die eiche dem Donnerer geweiht (s. 55. 58). quercus Jovi placuit. Phaedr. 3, 17; magna Jovis antiquo robore quercus. Virg. Georg. 3, 332. zu Dodona stand die δρυ̃ς υψίκομος Διός. Od. 14, 327. 19, 297, bei Troja aber seine in der Ilias oft genannte buche: φηγὸς υψηλὴ Διὸς αιγιόχοιο 5, 693. 7, 60. den Serben heißt eine bestimmte art eichen grm, und grmik (quercetum), ohne zweifel in naher verwandtschaft mit grom (tonitrus) grmiti oder grmljeti (tonare). der eichel wurde schon s. 147 gedacht.

Wahrscheinlich gehört eine benennung der schnepfe (scolopax gallinago) hierher: donnerziege, donnerstagspferd, himmelsziege, capella coelestis, weil sie in der luft meckern oder wiehern soll? sie wird aber auch wettervogel, gewittervogel, regenvogel genannt, man behauptet, daß ihr flug nahendes gewitter verkünde. dän. myrehest, schwed. horsgjök, isl. hrossagaukr (pferdeguguk) vom gewieher, wenn er zum ersten mal im jahr sich hören läßt, zeigt er den menschen ihr schicksal an (Biörn s. v.); offenbar haften abergläubische vorstellungen auf diesem vogel. sein lettischer name pehrkona kasa (donnerziege), pehrkona ahsis (donnerbock) stimmt völlig zu jenem deutschen. auch litth. gibt Mielcke 1, 294. 2, 271. Perkuno oźys für himmelsziege an, der auch die benennung tikkuttis zusteht. Kannes pantheum s. 439 will donnerstagspferd für die ziege selbst, nicht für den vogel in anspruch nehmen, was beglaubigung fordert, aber willkommen wäre. Zur weitern bestätigung gereicht aber das ags. firgengæt (ibex, rupicapra, gemse) und firginbucca (capricornus), denen ein ahd. virgungeiz, virgunpocch entsprechen würde, worin also die analogie von faírguni zu Donar obwaltet. das über felsen springende thier steht dem felsengott noch besser an, als der zahme bock. Nach der edda hat Thôrr ein gespann böcke vor seinem donnerwagen: zwischen ihnen und dem mythischen wettervogel, der als bock oder pferd (immer als ein wagenziehendes thier) vorgestellt wird, könnte irgend eine halbverdunkelte beziehung waltenNachtrag: Bemerkenswert ist der henneberg. volksglaube von der habergeiß oder himmelsziege, worunter man phalangium opilio, eine spinne (Maler Müller), bezeichnet. s. Brückner henneb. s. 11. unter horsgök ward ehemals ein pferd verstanden. runa 3, 14. 15. finn. heißt die himmelsziege taivaan vuohi. sie schwebt zwischen himmel und hölle, meckernd in der luft. Schiefner finn. wrtrb. 612. lith. kommt auch dangaus oźys. Nesselm. 31 und lett. Pehrkon ohsols. Possarts Kurland s. 228 dafür vor.

Thor heißt hafra drôttinn im Hymislied. seine böcke heißen tanngniostr und tanngrisnir, dente frendens, was an lat. nefrendes = arietes oder porci nondum frendentes erinnert, die noch keine zähne haben. tanngniostr ist auch beiname für einen mann. Kormaks. s. 54. 134. 136.

. Es ist wichtig, daß dem teufel, d. h. des donnergottes jüngeren stellvertreter auch die 154 erschaffung der geiße und böcke beigelegt wird, und wie Thôrr die abgegessnen knochen der böcke bei seite legen und aufheben läßt, damit er sie neu beleben könne (Sn. 49. 50)der mythus von den geschlachteten, durch hammerweihe wiederbelebten böcken, von dem täglich gesottnen und aufgezehrten, jeden abend aber wieder ganz werdenden eber Sæhrîmnir (Sn. 42) scheint in mehr als einer gestalt wiederzukehren. Wolfs Wodana s. XXVIII bringt aus Barthol. de Spina († 1546) quaestio de strigibus folgende stelle von hexen in Ferrara bei: dicunt etiam, quod postquam comederunt aliquem pinguem bovem vel aliquam vegetem vino vel arcam seu cophinum panibus evacuarunt et consumpserunt ea vorantes, domina illa percutit aurea virga, quam manu gestat, ea vasa vel loca, et statim ut prius plena sunt vini vel panis ac si nihil inde fuisset assumptum. similiter congeri jubet ossa omnia mortui bovis super corium ejus extensum ipsumque per quatuor partes super ossa revolvens virgaque percutiens, vivum bovem reddit, ut prius, ac reducendum jubet ad locum suum. Das teuflische hexenmahl läßt sich gut zu dem des donnergotts halten. Es wird aber auch in legenden erzählt, daß der heilige den aufgezehrten hahn nach der mahlzeit aus den knochen wieder belebte, und schon pfaffe Amis nutzt diesen glauben um einen betrug zu spielen (z. 969 ff.). volkssagen lassen einen zauberer, wenn der fisch gegessen ist, die gräte ins wasser werfen, und den fisch von neuem lebendig werden. Wie bei diesen speisen erfolgt in andern sagen die erweckung zerstückter menschen im märchen vom Machandelbom; im mythus von Zeus und Tantalus, wo die von Demeter verzehrte schulter des Pelops (Ovid 6, 406) an des bocks zerspaltnen schenkel, der nun lahm bleiben muß, gemahnt; im mythus von Osiris und dem heil. Adalbert (Temme s. 33) vgl. DS. no. 62 und Ezechiel 37. auch in der finnischen achten rune sammelt Lemminkäimens mutter alle glieder seines zerstückten leibs und belebt sie von neuem. Das legen der abgehaunen häupter zu den rümpfen im Waltharius 1157 (vgl. s. 93) scheint künftige wiederbelebung anzudeuten und stimmt zu einem zug in den norske eventyr s. 199. 201.; so hat nach dem glauben der Schweizerhirten die ziege etwas teuflisches, sie ist vom teufel erschaffen, namentlich gelten ihre füße für teuflisch und werden nicht gegessen. Tobler 214a. Ob dem deutschen donnergott vorzugsweise böcke und ziegen (oben s. 42) geopfert wurden? das altrömische, etruskische bidental (von bidens, lamm) bezeichnet die stelle, wo der blitz eingeschlagen und einen menschen getödtet hatte: ein lamm muste da dem Jupiter geopfert werden; den menschen verbrannte man nicht, sondern begrub ihn (Plin. 2, 54). Wenn die Osseten und Circassier ihrem donnerer gerade so bei der vom blitz getroffenen leiche eine ziege opfern und das fell an einer stange aufrichten (vorhin s. 145), so wird dadurch noch um viel wahrscheinlicher, daß das langobardische ziegenopfer keinem andern als dem Donar gegolten habe. denn der gebrauch des fellaufhängens war langobardisch und galt auch bei anderm anlaß, wie demnächst dargethan werden soll. In Kärnten gilt blitzerschlagnes vieh für gottgeweiht, niemand, selbst die ärmsten nicht, wagt davon zu essen (Sartoris reise 2, 158).

Ortsnamen, deren zusammensetzung den des gottes an sich trüge, bieten sich, außer dem vorhin angeführten Donnersberg, in Deutschland noch einige andere dar. unweit Oldenburg liegt ein dorf geheißen Donnerschwee, früher Donersweto Donerswe, daT heft de herscup den tegenden. lagerbuch von 1428., Donnerswehe, 155 Donnerswede (Köhli handb. von Oldenb. 2, 55), das an Odinsve, Wodeneswege (s. 131) gemahnt und gleich unsicher aufzufassen ist, als tempel oder weg? die norwegische volkssage kennt wirklich einen Thors vej (Faye s. 5). ein dorf Donnersreut ist in Franken, gegen Böhmen hin, anzutreffen, ein Donnersted im braunschw. amt Thedinghausen, Thunresfeld in ags. urkunden bei Kemble 2, 115. 193. 272. u. s. w. Viele in Scandinavien, z. b. in Dänmark Torslunde (Thôrs lundr) Tosinge (Tôrs engi)andere verzeichnet Suhm krit. hist. 2, 651., mehrere in Schweden, Tors måse (gurges) in einer grenzurkunde zwischen Östergötland (Broocman 1, 15), Thorsborg auf Gotland im Gutalag s. 107. 260. Thôrsbiörg und Thôrshöfn in Norwegen (fornm. sög. 4, 12, 343); Thôrsmörk (ein heiliger wald?) Nialssaga cap. 149. 150die ansiedler auf Island, als sie einen bezirk dem Thôrr heiligten, nannten ihn Thôrsmörk. Landn. 5, 2. ed. nova s. 343. aus Donnersmark (Zschötör tökely) im ungrischen Zipser gespan stammen die schlesischen Henkel von Donnersmark. walach. manura die Donnersmarkt.. Thôrs nes Sæm. 155a und Eyrbygg. saga cap. 4Nachtrag: Donerswe. Ehrentraut fries. arch. 1, 435. Haupts zeitschr. 11, 378. de Donrspah. notizenbl. 6, 306. Thurislô in den trad. corb. scheint nicht Thonareslô, sondern riesenwald s. 488. ags. aber Thunres leá. Kemble 3, 443. 4, 105. 5, 84. 243. Im Norden Thörsleff. Molbechs dipl. 1, 173 (warum nicht Thors?). in Schweden liegen Thorsby, Thorshälla, Thorslunda, Thorstuna, Thorsvi, Thorsåker, Thorsång, Thorsås, Thorsö. über Thôrstuna, Thorsåker vgl. Schlyter Sv. indeln. 32. Thorseng auf Fühnen, Thorshöi in Schleswig. Müllenhoff s. 584. in Norwegen: Thôrsey, Thôrsnes, Thôrshof. Munch om Sk. s. 107. Thorsnes. Landn. 2, 12 hat seinen namen, weil eine seule mit Thors bild dahin getrieben war. Thorsharg = Thorshälla. Hildebr. tom. 3. Thorsborg in Gutalag 94, nach 317 ein kalkberg. Thorshafn liegt auf Färöe.. Thors bro (Thôrs brû) in Schonen, wie jener norwegische Thors weg führt auf die verbreitete vorstellung von teufelsbrücken und bauten, wodurch das volk die gestalt eigenthümlicher felsen, abhänge und jäher bergpfade sich erklärt. nur der gott oder teufel vermochte sie zu sprengen.

Donar, in der einfachen form, als mannsname kommt selten vor; ein edles geschlecht am Rhein hieß Donner von Lorheim (Siebmacher 5, 144). auch ableitungen und composita damit sind in hochd. sprache ungewöhnlich; eine kerlingische urk. im cod. lauresh. num. 464 hat Donarad, was ich für das altn. Thôrđr halte; die tradit. fuld. 2, 23 Albthonar, dem altn. umgesetzten Thôrâlfr vergleichbar. Desto häufiger erscheinen solche namenbildungen im Norden, wo sich der dienst des gottes lange ausbreitete: Thôrarr (ahd. Donarari?), Thôrir, Thôrđr, Thôrhallr, Thôrôlfr, (alts. Thunerulf, im calend. merseburg. septemb.), Thôroddr und die weiblichen Thôra, Thôrun, Thôrarna (gebildet wie diorna, gramm. 2, 336), Thôrkatla, Thôrhildr, Thôrdîs u. s. w. ich sehe den grund nicht ein, weshalb die herausgeber der formanna sögur den eigennamen Thôrgeirr, Thôrbiörn, Thôrsteinn, Thôrketill, Thôrvaldr, Thôrfinnr, Thôrgerđr u. a. m. den langen vocal entziehen; mit dem abstracten þor (audacia) sind sie nicht zusammengesetzt, auch wird in der Nialssaga z. b. cap. 65 Thôrgeirr, Thôrkatla geschrieben. Der häufige name Thôrketill (verkürzt in Thôrkell, dän. Torkild, ags. Turketulus, Thurkytel, Kemble 2, 286. 349, vgl. oben s. 51), wenn er kessel, gefäß des donnergotts ausdrückt, gemahnt an jenen opferkessel Wuotans (s. 46). in Hymisqviđa wird besungen, wie Thôrr einen großen kessel herbeiholt und auf seinem haupt trägt (Sæm. 57), was an den starken Hans (?ans) im 156 kindermärchen gemahnt, der sich die glocke als mütze auf das haupt stürzt. Beachtenswerth scheint die verbindung von Alp und Donar in Albdonar und Thôrâlfr, weil auch der donnerkeil alpgeschoß, das donnerkraut alpruthe heißt; es muß ein nahes verhältnis zwischen dem gott und den elben bestehen (s. 149), wenn auch von seiten der letztern ein untergeordnetesNachtrag: Zu den seltenen deutschen mit Donar zusammengesetzten eigennamen tritt Donarpreht. Haupts zeitschr. 7, 529. Albdonar bezieht sich auf den pflanzennamen albdona. für Thoneulf bei Kemble no. 337 ist Thonerulf zu lesen. Durcytel chron. sax. a. 920. merkwürdig ist der altir. eigenname Tordealbhach, was nach Obrien s. v. dealbhach Thoro similis bedeutet. Thorhalli in der Heidarvigasaga. der könig Toril, dessen blitz das meer versengt, die wälder aufbrennt, die stadt verzehrt (Haupts zeitschr. 4, 507. 508) scheint Thor selbst. ist es vielleicht Torkil? denn Thorild ist weiblich. vgl. Thorkarl anm. 472..

Es ist wahrzunehmen, daß Thôrr in einzelnen eddischen liedern mit besondern namen erscheint. zwar in Lokaglepsa und Harbardsliođ heißt er Thôrr, Asaþôrr, in Hamarsheimt aber Vingþôrr, Hlôrriđi (daneben auch Thôrr), in Alvismâl immer Vingþôrr, in Hymisquiđa Veorr und Hlôrriđi; von den umschreibungen vagna verr (curruum dominus), Sifjar verr, Ođins sonr abgesehn. Hlôrriđi ist s. 138 besprochen. Vîngþôrr wird von vængr ala geleitet, gleichsam Schwingdonner, der beschwingte, geflügelte, aera quatiens? das scheint noch sehr ungewis, er heißt sonst auch fôstri Vîngnis Sn. 101 und in den stammtafeln tritt dieser Vîngnir neben ihm auf. Zumal wichtig ist aber Veorr, das außer Hymisqv. nur noch Sæm. 9a und nicht anders als im nom. sg. vorkommt; es gehört wol zu jenem ve und wih, kündigt also ein heiliges, geweihtes wesen an und ist verschieden von Ve, gen. Vea (s. 135), die ahd. form wäre Wihor, Wihar?Nachtrag: Thors beiname Vîngþôrr steht Sæm. 70a. Eindriđi s. anm. 417. Thôrr heißt harđhugađr. Sæm. 74b wie der iötunn hardrâđr (s. 437). ferner wird er genannt fôstri Hlôru, Vîngnis = fôstri Hlôrriđa (anm. 417). Jarđar burr Sæm. 70a. 68a. 157, Fiörgynjar burr, Hlôđynjar burr, Yggs barn. Sæm. 52a. ist sein beiname Veor eins mit verr vir? vgl. ags. veor. doch die altnord. brechung wäre viörr.

So wie Ođinn in die fremde, nach Morgenland gewandert dargestellt wurde (s. 135), ist auch Thôrr auf ostfahrten begriffen: Thôrr var î austrvegi Sæm. 59: â austrvega 68a; fôr or austrvegi Sæm. 75: ec var austr. Sæm. 78a. b; austrförom þinom scaltu ald-regi segja seggjom frâ. Sæm. 68a. auf diesen reisen bekämpfte und erschlug er die riesen: var hann farinn î austerveg at berja tröll. Sn. 46. Dies deutet wiederum auf den alten, damals noch unverschollenen zusammenhang germanischer völker mit Asien; das fara î austrveg wird noch von andern helden berichtet (Sn. 190. 363), z. b. der stamm der Skilfîngar ausdrücklich in jene ostgegend gesetzt (sû kynslôđ er î austrvegum) Sn. 193; Iötunheim, die riesenwelt war da gelegen.

Thôrr galt nach Ođinn für den mächtigsten und stärksten aller götter, die edda stellt ihn als Ođins sohn dar (Sn. 101), was ganz von der römischen auffassung abweicht, die den Jupiter als Mercurs vater annimmt (oben s. 106); stammtafeln lassen freilich den Thôrr als ahnen Ođins erscheinen (anhang xx. xxi). Gewöhnlich wird Thôrr gleich neben Ođinn, zuweilen vor ihm genannt (s. 133. 134), vielleicht war er noch mehr als Ođinn gefürchtetNachtrag: Thor als sohn gedacht (und in der edda erscheint er, wo nicht als jüngling, in manneskraft) stimmt nicht recht zum alten urgroßvater. Saem. 54b heißt er sveinn, 85b dagegen Asabragr. ist also ein zwiefacher Donar anzunehmen? daß er im norden vielleicht noch mehr als Ođinn gefürchtet wurde, könnte man daraus schließen, daß zahllose eigennamen der männer und frauen mit Thor, sehr seltene mit Odin zusammengesetzt sind (anm. 395).. Regner, bei Saxo gr. 23, bekennt: se, Thor deo excepto, nullam monstrigenae virtutis potentiam expavere, cujus (sc. Thor) virium magnitudini nihil humanarum divinarumque rerum digna possit aequalitate conferri. Er ist der eigentliche landesgott, landâs (patrium numen) der Norweger, Egilss. p. 365. 366 und âss alleinstehend gilt vorzugsweise von ihm, z. b. Sæm. 70a, wie auch der begrif ans (jugum montis) gerade an Faírguneis 157 gemahnt: seine tempel und bildseulen sind in Norwegen und Schweden die häufigsten, âsmegin, göttliche stärke, wird besonders von ihm verstanden. daher so häufig der ausdruck: Thôr blôta Sæm. 113b. hêt â Thôr (Landn. 1, 12), trûđi â Thôr (Landn. 2, 12), wenn der heidnische glaube überhaupt bezeichnet werden soll; auswandernden weist er die neue wohnstelle an: Thôrr vîsađi honum (Landn. 3, 7. 3, 12). aus Landnâmabôk wäre noch manches über Thors cultus anzuführen: þar stendr enn Thôrs steinn. 2, 12; gânga til frêtta viđ Thôr. 3, 12; Thôrr wird zumeist verehrt, dann Freyr 4, 7 und dem entsprechen die eigennamen Thôrviđr and Freyviđr in einem geschlecht, 2, 6; bedeutet dieses viđr arbor? und etwas priesterliches? nie begegnet Ođinviđr, aber ein Tŷviđr ist cap. XXXVII als pflanzenname beigebracht. Thôrs hammer hatte die mark, die ehe, die runen (wie auf den steinen ausdrücklich gesagt wird) zu weihen. Ich habe cap. XXXIII gewiesen, wie vielfach Thôrr in den teufel der Christen übergieng, und es kann nicht befremden, daß er zugleich etwas plumpes und riesisches annahm, denn auch der riese ward zum teufel. der feind und verfolger aller riesen zur zeit der Asen erschien den Christen selbst als tölpel und wirft mit den riesen steine um die wette (vgl. cap. XVIII). Aber schon in der eddischen Thrymsqviđa ißt und trinkt Thôrr unmäßig wie ein riese, und die norweg. volkssage läßt ihn auf der hochzeit tonnen biers ansetzen (Faye s. 4). vgl. das sprichwort: mundi enginn Asathôr afdrecka. Umgedreht ist Thrymr, der alte gute riese schon dem namen nach ein Donar (vgl. cap. XVIII). Sehr ausgebreitet im Norden war die anmutige sage vom hobergsgubbe (bergmann, riesen), den ein armer mann zu gevatter bittet, der sich aber zu kommen weigert, als er hört, daß auch Thor oder Tordenveir eingeladen sei (vgl. cap. XVIII), doch sendet er reiches geschenk (vgl. Afzelius 2, 158. Molbechs eventyr no. 62, F. Magn. s. 935). bei aller abweichung erscheint in der anlage dieser fabel gewisse ähnlichkeit mit der vom gevatter tod (cap. XXVII), da auch der tod ein teufel, folglich riese ist. vgl. Müllenhoff schl. holst. s. 289. Eben darum suchen überlieferungen, die noch zur christlichen zeit hafteten, alles gehässige auf ihn zu werfen und ihn als teuflisches wesen darzustellen von schlimmerer art als Ođinn, vgl. Gautrekssaga p. 13. Finnr schleppt Thôrs bildseule zu Olaf, spaltet und verbrennt sie, die asche mengt er in brei und gibt ihn den hunden zu fressen: ›es ist billig daß hunde den Thôr essen, wie er selbst seine söhne aß‹. fornm. sög. 2, 163. das ist schmähung, die edda weiß nicht das mindeste davon; sie erzählt vielmehr, daß Môđi und Magni ihren vater überlebenNachtrag: Magni (robustus) und Môđi (animosus) heißen seine mit Jarnsaxa erzeugten söhne. Sn. 110 (vgl. s. 687), wie ihm selbst âsmegin und âsmôđr zusteht. Jarnsaxa ist sonst name einer riesin. þôr nennt sich Magna fadir, Sæm. 76a. þôrs tochter wird braut des Alvis. Sæm. 48a b. ist dies þrûđr, robur, die er mit Sif erzeugt hatte? Sn. 101. 109. er selber heißt prûđugr âss. Sæm. 72b. prûđvaldr gođa. 76a. sein hammer prûđhamarr. 67b.. Einzelne wiedergeborne sagen, z. b. die von erschaffung der wölfe und geiße machen aus Wuotan den guten gott, aus Donar den teufel.

Seit der bekanntschaft mit römischer götterlehre setzen die schriftsteller den deutschen donnergott und Jupiter gleich. nicht nur dies Jovis heißt ags. Thunresdäg, sondern auch Latona, Jovis 158 mater Thunres môdur; capitolium wird von den Isländern Thôrshof übertragen. Umgekehrt versteht Saxo gr. p. 236 unter Jupiter den einheimischen Thor, den Jupiter ardens (oben s. 91), meinte er Donar? Jener kinderfressende Thôrr scheint baare verwechselung mit Saturn, Jupiters vater? wie jener nord. genealogie Thôrr Ođins ahne ist. des presbyter Jovi mactans, der sacra und feriae Jovis (im indicul. pagan.) ist s. 100 erwähnung geschehen.

Letzner (hist. Caroli magni. Hildesh. 1603 cap. 18 am schluß) erzählt: alle jahr, sonnabends nach laetare kommt auf den kleinen Hildesheimer domhof ein bauersmann sonderlich dazu bestellt, und bringt mit sich zwei hölzer, jegliches einer klafter lang, daneben zwei andere kleinere kegelförmig gespitzte. die beiden großen setzt er gegeneinander in die erde, die kegel oben darauf. bald und in der eile versammeln sich dahin allerlei buben und jung gesindlein und werfen mit steinen oder stöcken die kegel von den klötzen herab; andere setzen sie wieder auf und das abwerfen geht von neuem an. unter diesen kegeln sind die heidnischen, teuflischen götzen zu verstehen, welche die christlich gewordnen Sachsen niedergeworfen haben.

Des namens der götzen wird hier geschwiegenin der corbeischen chronik, Hamb. 1590. cap. 18. meint Letzner, es sei der gott der Irmenseule. Letzner bezieht sich auf hss. nachrichten des Con. Fontanus, eines helmershäuser benedictiners im 13 jh., einer davon muß aber damals schon, wie noch später, Jupiter geheißen habenein zu ende des 14 oder anfang des 15 jh. aufgesetztes Hildesheimer register hat: ›de abgotter so sunnabendes vor laetare von einem hausmann von Algermissen gesetzet, davor ihm eine hofe landes gehört zur sankmeisterie, und wie solches von dem hausmann nicht gesetzt worden, gehort cantori de hove landes‹. hannoversche landesblätter 1833 p. 30.. unter den bäuerlichen abgaben zu Hildesheim kommt bis auf unsere zeit ein Jupitergeld vor. das dorf Großenalgermissen hatte jährlich 19 ggr. 4 pf. unter dieser benennung an den todtengräber der domkirche zu entrichten: ein Algermisser bauer muste jedes jahr einen vier fuß hohen, fußdicken, achteckigen klotz in einen sack gesteckt auf den domhof bringen. die schüler bekleideten diesen klotz mit mantel und krone, griffen den nun so genannten Jupiter erst von der einen, dann von der andern seite mit steinwürfen an und verbrannten ihn endlich. Dies nicht selten von unordnungen begleitete volksfest wurde mehrmals untersagt, ausgestellte wachen sollten das verbot wirksam machen; zuletzt erließ die königliche kammer das Jupitersgeld. Jenes dorf Algermissen hatte sich vielleicht bei einführung des christenthums durch seine anhänglichkeit an den alten glauben die strafe der abgabe zugezogenLüntzel die bäuerl. lasten in Hildesheim. 1830 p. 905. hannov. mag. 1833 p. 693. protocolle von 1742. 1743 in einem aufsatze ›über das steinigen des Jupiter‹ (hannov. landesbl. a. a. o.).. Das werfen nach den klötzen soll verachtung ausdrücken? in der Schweiz heißt das bekannte steinwerfen auf dem wasser 159 auch Heiden werfen (sonst: den herrgott lösen, vater und mutter lösen. Tobler 174a)Nachtrag: Ebensowenig wie das klotzwerfen in Hildesheim, womit man das zersägen der alten frau s. 652 vergleiche, lässt sich das radschleudern bei Trier (Hockers moselland. 1852. s. 415) auf Jupiter beziehen. die zuerst 1550, zuletzt 1779 erwähnte feier verlief so. am donnerstag der fastenwoche wurde auf dem Marxberg (Donnersberg, Dummersberg) eine eiche gesetzt und dazu ein rad. am sonntag invocavit wurde jene umgehauen, dieses angezündet und in die Mosel gerollt. das rad, zumal das flammende, ist sinnbild des donners, Donars. deshalb führen es die herren von Donnersberg, burgmannen zu Gochheim, im wappen. Hontheim 2, 5. tab. V., ebenso die von Roll (donner), so wie die von Hammerstein 3 hämmer darin haben. germanische legionen, die 14. und 22., führten die rota als signum. ein ziegel ist bezeichnet mit Leg. XXII. und sechsspeichigem radstempel. auch Mainz und Osnabrück führen ein sechsspeichiges rad im wappen, Mainz als wappen der legionen (Fuchs Mainz 2, 94. 106). ein rad trägt Krodo in Bothes Sassenchronik (s. 171). steht mit diesem wappenrade der ausdruck rädelsführer in zusammenhang?.

Ich betrachte freilich als ganz unausgemacht, ob dieser Jupiter bis auf den Thunar der alten Sachsen zurückgeführt werden dürfe. der gebrauch wird nur durch protocolle der letzten jahrhunderte bewährt, und frühere bestimmte zeugen treten dafür nicht auf; aber selbst der abweichende letznerische bericht läßt eine uralte volkssitte vermuten, die, wenn auch Jupiter nichts damit zu schaffen hat, der aufzeichnung werth scheint. die zeitbestimmung laetare erinnert an das allgemein in Deutschland verbreitete todaustreiben, wovon ich im verfolg handeln werde, und auch dabei kommt ein werfen nach dem aufgesteckten tod vor. Soll der kegel den heiligen hammer vorstellen?

Unverkennbarer überrest der verehrung des gottes ist die noch bis auf die neuste zeit unausgerottete besondere heilighaltung des donnerstags unter dem volk, wie sie schon in frühen denkmälern des mittelalters angegeben ist: ›nullus diem Jovis in otio observet‹ (abergl. p. xxx); ›de feriis quae faciunt Jovi vel Mercurio‹ (p. xxxii); ›quintam feriam in honorem Jovis honorasti‹ (p. xxxvii); donnerstags abends darf nicht gesponnen und nicht gehauen werden (schwed. abergl. 55. 110, vgl. deutsch. abergl. 517. 703). die Ehsten legen dem donnerstag höhere heiligkeit als dem sonntag beietwas über die Ehsten p. 13. 14.. Welche strafe den frevler traf, läßt sich aus folgendem aberglauben entnehmen, der freilich schon den geheiligten christlichen tag an die stelle des heidnischen setzt: wer am sonntag trinitatis (dem nächsten nach pfingsten) arbeitet oder etwas (an diesem tag) geflicktes und gestricktes an sich trägt, wird vom donner erschlagen. Scheffers Haltaus p. 255Nachtrag: Von der heilighaltung des donnerstags handelt besonders Nilsson 4, 44. 45. tre Thorsdagsqvällar. Dybeck runa 4, 37. 43. Gavallius 1, 404. thorsdagsnatt erscheinen in den schwedischen märchen die geister und verzauberten. Wer am trinitatis sonntag arbeitet, darein schlägt der blitz. daher sticken und nähen die frauen ungern an diesem tage. Haupts zeitschr. 3, 360. ähnliche feiertagsentweihungen durch weben, spinnen, stricken werden oft erwähnt. Servat. 2880:

wir sâzen unde wâben
dô die lantliute êrten disen tac. . . .
schiere runnen diu weppe von bluote,
daz ez uns des werkes erwante.

ein armes mädchen spinnt auf unser frauentag, der faden klebt ihr an zunge und lippe. Maerl. 2, 219. über die frauen, die sonnabends spinnen s. Müllenhoff s. 168. die während der sonntagskirche flachs wickeln, werden versteinert. Reusch no. 30. auch am Gertrudstag und Berhtentag war spinnen verboten. s. 224. 227. 238, ebenso bei den Griechen am Bacchustage s. 759. das an solchen heiligen tagen gesponnene garn hat gleichwol besondere kraft. s. 920. vgl. das teigtalken an der heil. samstag nacht. abergl. G v. 194. dagegen wieder: si quis die dominico boves junxerit et cum carro ambulaverit, dexterum bovem perdat. lex Bajuv. VI. 2, 1.

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Wenn Jupiter auf diese weise im achten jh. gefeiert war, wenn das capitulare von 743 für nöthig fand, ein ›ec forsacho Thunare‹ ausdrücklich zu gebieten, und vieles, was sich auf seinen dienst bezieht, noch später unausgetilgt fortdauerte; so läßt sich nicht bezweifeln, daß er auch schon früher von unsern vorfahren für einen wirklichen gott, und einen ihrer größten, gehalten wurde.

Vergleichen wir ihn mit Wuotan, so ist dieser geistiger und erhabner, Donar hat eine derbe, sinnliche kraft voraus, die ihn gerade der besondern verehrung einzelner stämme empfehlen muste; gebete, schwüre, flüche erhielten sein andenken öfter und länger als irgend eines andern gottes; aber nur ein theil des griechischen Zeus ist in ihm begriffen. 160

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