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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 46
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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G. aus Hans Vintlers blume der tugend gedichtet im j. 1411. (nach der gothaischen hs.)den augsburger druck von 1486 (Panzer 1. 164. 2, 58) konnte ich zur berichtigung des oft verderbten textes nicht gebrauchen. vgl. Adelungs Püterich p. 34–38.

        Die zaubry die ist got fast vnwerd,
auch sprechend sy ›mich hautz gelert
ain münch, wie möchtz pösz gesin?‹
daz sprich ich py den trewen mein,
5   das man ain sollichen munch oder pfaffert
also soltt straffen,
das sich zechen stiessend daran;
wann sey sind alle samt jm pan,
die den glauben also fast krenken. –
10   wann es ist wider dich, du höchstes gůt
alles das man mit zaubry tůt,
vnd wie fast es wider dich ist
dannocht findt man zů disser frist
die zaubry dannocht pflegen,
15   ettlich wellent pfeyl auss segnen,
do wellent si dem tewffel bannen,
das sy jn bringent gůt zů samen;
so wellent ettlich war sagen
und vil wellent den tewffel fragen
20   wa gut lig vnd edel gestain.
Do habent denn ettlich gemain
mit der pössen Erodiana,
do wellent gelauben ettlich an Diana,es steht: an die dyadema.
die da ain falsche göttin ist,
25   und auch ettlich mainent haben den list
als sey die lewtt kundent schiessen
vnd durch alles gemüre giessen
wechssinew pild
mangerlay,
so wissen dissew das vogel geschray
30   und auch darzů die trem auslegen,
ettlich kunnent den schwert segen
das sy nicht auf diser erden
van kainem dorf erstochen werden;fehlt eine zeile, oder mehr als ein wort hinter werden.
ettlich kunnent an fewr erkennen
35   wie sich die sach hie sol enden, 421
so kunnend ettlich jn der hand
schouwen eyttel laster vnd schand.
vil allte weib kunnend den handel
zu lieb oder findtschafft,
40   ettlich gebent loszbücher krafft,
vnd ettlich kundent patonicken graben,
vnd vil wellent den eysvogel haben,
so nutzend ettlich den allrawn,
und ettlich glaubent an die frawn
45   die haisset Precht mit der langen nas.
so send ir vil, die yehen, das
die handgifft[hantgift. Troj. 12334. Oberl. s. v. (strena).] sy alz wol getan,
das sie sy von ainem man
pesser, denn von dem andern;
50   und vil die wellend nit wandern
an den verworffen tagen;
so send denn vil, die hie haben
glauben, es pring grossen frum
ob jn des morgens ain wolf kum
55   vnd ein has pring ungelücke;
vnd ettlich lütt hand die dücke,
das sy den tewffel petten an,
stern, sunnen vnd auch den maun.
vil wellent auf oblaut schriben,
60   vnd das fiepper damit vertryben;
ettlich segnent für daz zene we
so hand ettlich den fierde kle
das sy dauon gauglen sechen;
ist auch vil, die da yechen,
65   sy kunnend vngewitter machen;
und ettlich zaubrer die wachen
dem stern Venus vmb die mynne; –
so send auch ettlich, die schlinden
drey palmen an dem palmtag,
70   vnd ettlich segnent den schlag
mit ainer hacken auf ainem trischublen
vnd ettlich stellen auss den kublen
das schmalz, die weil mans rürt,
ettlich der lewt fürt
75   das sey send jnvisibilis,
und ettlich habent den piffys.
so sprichet menger tumer lib,:
die teutte [trute?] sey ain altes weib
vnd kunne die lütt sugen,
80   und ettlich lütt die gelauben
der albe mynne die lutte; 422
so sagt manger die tewtte,
er hab den orken gar eben gesechen,
vnd ettlich die yechen,
85   das schrättlin sy ain klaines kind
vnd sy alz ring alz der wind,
vnd sy ain verzwifflotter gaist.
so glaubent ettlich aller maist,
das der sigelstein hab die kraft
90   das er mach sygehafft,
vnd vil wissen der erkennen sitt (?)
so nutzend auch vil die erdschnitt
zu mangerlay zaubry,
vnd ettlich schribent auf daz ply
95   under der cristmessz fur den wurm
so nemen ettlich fur den sturm
den elsenpaum hör ich sagen;
und ettlich wellent kol graben
wann sy den ersten schwalm sechen.
100   vill kunden jn jr gwand spechen
ob es glucklich sull gaun,
so habent vil lütt den waun,
das verbene daz selb krutt
mach die lewt ain ander trut,
105   wann man sy grab ze abend;
und auch vil pösz lütt die gend
des nachtes durch verschlossen tür,
und ettlich lütt tragen herfür
silber vnd gold alz ich hör yechen
110   wenn sy newen mon sechen,
so tragent ettlich lutt auss
das wasser alles auss dem husz,
wenn man totten traitt
fur das hus, als man saitt;
115   so send ettlich alz besint
wenn man jn junge honer bringt,
so sprechend sy ›plib herhaim
als die fud pey meinem pain!‹
vnd vil die yechen, die wegwart
120   sey gewesen ein fraw zart
und wart jrs půllen noch mit schmertzen.
ettlich legent des widhoffen hertze
des nachtes auf die schlauffende lütt,
das es in haimlich ding betütt
125   vnd vil zaubry vnrain;
die sechend an dem schulterpain
das menschen sol beschechen;
vnd ettlich die yechen
das sy nicht gůt, daz man 423
130   den tenggen schůch leg an
uor dem gerechten des morgens frů;
und vil die yechen, man stel der
die milch aus der wammen.
do send ettlich der ammen
135   die selben nement die jungen kind
do sy erst geporen synd
und stossends durch ain hole
do ist denn nichtsz wole,
oder es werd ain horenplässel darusz.
140   auch treibt man mit der fledermuss
menig tewschlich spil,
vnd ist des vngelaubes so vil
das ich es nit gar sagen kan.
do habent ettlich lütt den waun,
145   das sy mainent, vnser lebendas unsz daz die (. . . .)[die Insbruck. h. ergänzt: die gachschepfen.] geben
vnd daz sy vns hie regieren.
so sprechend ettlich diernen
sey ertailen dem menschen hie auf erden;
150   vnd ettlich sendent die pferde
fur elenpug und auch für rencken;
vnd auch vil lütt die gedencken
vnd habent sein auch gantzen syn,
sy mugent nicht haben gwin
155   des tages, und sy fechten (? unz sy sehen)
ain pfeyfflin, als sy yechen.
es spricht manger ›ich bin gogel,
ich haun gesechen sant Martis vogel
hewt an dem morgen frů,
160   mir stosset kain vngelück nit zů‹.
do wellent ettlich dapey,
wenn es vngewitter sey,
das sy alles von der münch wegen,
die da gand affter der wege;
165   vnd auch ettlich mainent sicherlich,
wenn der rapp koppsi corvus ructet., daz tütt ain lich.
ettlich habent denn ainen newen fund,
sy behaltend den pisz jn dem mund
wenn man aue maria lütt.
170   do send denn ettlich prwtt,
die legent jr hemmet an jrs mans ort.
so kan auch manger drew wort
das er nymmer tewrer wirt;
so ist ettlicher hirt
175   der sein vich segnen kan
das jm kain hase tret dar von (? daran),
vnd ettlich nement jrew kind
wenn sy ain wenig kranck sind
und legends ouf ain dryschuffel;
180   uil kunnen salben den kubel,
das sy obnan ausz faren.
ettlich spynnen am sampstag garen
und machend darusz sant Iorgen hemd;
vnd send ettlich so behend
185   das sy varent hundert meyl
dar in ainer kurtzen weil.
ettlich prechend den lutten ab
die pain als ich gehört hab
vnd legent dar ein porst und kol.
190   mangew maint, sy kund auch wol
segen hyn vnd her wenden;
ettlich die lütt plendent
mit ainer hand von dem galgen,
vill wend den taig talgentalgen, kneten, talken.
195   an der hailigen sampstag nacht.
manger auch karacteres macht
avsz pirmit virgineum
ettlich puctieren den linium
jn der kunst geometria
200   so nympt der denn oben praw
uon den gerechten augen
vnd daz plůt von den krawen
vnd macht darusz zaubery;
manger nympt ain järiges zwy
205   von ainem wilden hasselpawm;
so send denn ettlich frawen,
die erschlingen vmb die kirchenes steht in der hs. kuechen, das unpassend scheint, aber auch in dem fahrenden schüler vorkommt, aus dem ich die ganze hierher einschlagende stelle mittheile (Aw. 2, 55. 56):

mit wunderlichen sachen
lêr ich sie denne machen
von wahs einen kobolt,
wil sie, daz er ir werde holt,
und töufen in dem brunnen,
und legen an die sunnen,
und widersins umb die küchen gân.
.   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
so beginn ich sie dan lêren
den ars des nahtes kêren
gên des liehtes mânen schîn;
die ler ich dâ ze velde sîn,
die lêr ich koln waschen,
die brunzen in die aschen,
die lêr ich brant betrechen,
die lêr ich morchen brechen,
die lêr ich batônien graben,
die ungesprochen traben,
die lêr ich nahtes nacket stên,
die erslingen gên dem fiwre gên.

gen 425
vnd haissent die totten auf sten,
vnd niement den ring von der kirchen tür
210   jn die hand, vnd ruffend ›her für‹
und sprechend ›ich rür disen rink,
stett auf, ir alten pärttling!‹
do send auch ettlich man
sie nement von dem galgen ain span
215   vnd legent den vnder die kirchtür,
so solt kain pfennig gaun hin für;
vnd ettlich nützend den strangen
da ain dieb an ist erhangen
und an der ravchnacht wirffet man
220   die schůch, alz ich gehort han,
uber daz haubt erschlingen,
vnd wa sich der spitz kert hyn
da sol der mensch beliben.
vnd vil lutt die tribent
225   wunder mit dem hůffnagel,
vnd ettlich steckend nadel
den lutten jn die magen;
vnd sämlich laund nicht jagen
die hund auf der rechten fert.
230   ettlich send so wol gelert,
das sy an sich mit gewalt
nemen ainer katzen gestalt.
so findt man den zaubrinin vnrain,
die den lütten den wein
235   trinckend auss den kelern verstolen,
die selben haisset man vnuerholen.
so send denn ettliche,
wenn sy sechend ain liche
so raunent sy dem totten zů
240   und sprechend ›kum morgen frů
und sag mir, wie es dir dort gee‹.
so faret man vber see
die lewt mit gůttem winde,
und ettlich nement jre kinde
245   wenn es nit geschlauffen mag,
und treitz herfür an die hayttren tag,
und legtz für sich ain aichin prandt
und nympt ain scheitt jn sein hand 426
und schlecht den prand mer denn zwir.
250   so gett ain andrew denn py jr
und spricht ›waz newestu?‹
›da nae ich hie nu
meins kindes masslaid vnd nachtgeschrey
und alle main zunge enzway‹.
255   so send denn ettlich also getan,
wenn sy den ormutzel han,
so nemend sy ain küssy in die hand
und schlachends an den schlauf zehand
und spricht ›flewch, flewch ormützel,
260   dich jagt ain küssi zypffel!‹
manig zaubrerin die sein
die nement ain hacken vnd schlachend wein
auss einer dur aichin saul,
und ettlich machend mit dem knul
265   vaden mangerlay traufferey,
so nempt manger gersten pry
vur dryaffel, hör ich sagen,
mangew wil den dieb laben
der an dem galgen erhangen ist,
270   auch habent vil lütt den list
das sy nützen daz totten tůch
und ettlich stelen aus der průch
dem man sein geschirr gar,
so farent ettlich mit der far
275   auff kelbern vnd auch pecken
durch stain vnd stecke.
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