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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 3
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. III. Gottesdienst.

Die einfachsten handlungen, wodurch der mensch den göttern seine verehrungahd. êra, goth. wol áiza? das ahd. êrôn ist nicht bloß unser ehren, sondern auch verehren, revereri (wie reverentia anbetung, cultus) ags. veorđian, alts. giwerthôn. heilig ist alles was von den göttern kommt und sie angeht, das älteste wort unsrer sprache dafür lautet goth. veihs, ahd. wîh, dessen sich aber nur einige ahd. denkmäler bedienen, während die übrigen heilac vorziehen, alts. nur hêlag, ags. hâlig, altn. heilagr; von den beziehungen des wortes wîh zu dem subst. wih im verfolg. frôn bedeutet heilig im sinne von dominicus.Nachtrag: Die verehrung, der cultus der götter heißt ags. veorđscipe reverentia, dignitas, auch veorđung, engl. worship, für ags. veorđian tritt engl. worship ein. den alten gottesdienst stellten die bekehrer dar als diobules gelp inti zierida (pompa). aerlôs heißt impius bei Isid. 21, 21. 55, 5. neben gottes ehre ist auch von des meien êre. Ms. 2, 22b und duvels êre. Rose 11200 die rede. GDS. 71. gote dienen wird Nib. 787, 1, er vorchte den heilant. Roth 4415. gebraucht. die andacht, innigkeit des herzens gibt Barl. 187, 16 mit inneclîchem muote, 187. 36. 14 durch andaehtlîche wieder und Diemer 24, 16 mit dem inneren gebete. Wolkenst. s. 24 sagt schon: die andâht fuor zum gibel aus. kund that, und fortwährende verbindung mit ihnen unterhielt, waren gebet und opfer. das opfer ist ein mit gaben dargebrachtes gebet. wo aber zum gebet fand sich auch anlaß zum opferNachtrag: Die gottesverehrung thut sich bei den meisten völkern, von denen aber die Chinesen ausgenommen sind, in gebet und opfer kund, (kl. schr. 2, 460–462) in feierlichen handlungen, die zu festen und hochzeiten anlaß gaben, welche weiter unten näher erörtert werden müssten. Nicht immer sind im gottesdienst gebet und opfer verbunden. betra er ôbedit enn se ofblôtit (al. ôblôtit) Sæm. 28b. die Chinesen beten nicht (kl. schr. 2, 461) und allerdings darf man gott, da er keine sprache, keinen leib hat, auch nicht ohr und gehör beilegen, folglich kein hören des gebets. ein allmächtig gedachter gott muß auch die gedanken so gut wie die worte vernehmen. die gebete, ausdrücke der bitte, des danks und der freude, sind im heidenthum entsprungen und setzen ein hörendes götterbild voraus. Odysseus betet zu Athene: κλυ̃δί μευ, νυ̃ν δή πέρ μευ άκουσον, επεὶ πάρος ούποτ' άκουσας ραιομένου. Od. 6, 325. 13, 356. vgl. Od. 2, 262: κλυ̃θι άναξ. Od. 5, 445. Il. 16, 514. zu Apollon, Poseidon wird mit derselben formel gebetet. götter läßt man durch andere grüßen: Veneri dicito multam meis verbis salutem. Plautus Poenul. I. 2, 195. doch neben lautem gebet kommt oft leises reden, murmeln vor wie bei beschwörungen. Lasicz. 48. θρησκεύειν soll ein halblautes beten sein. Creuzer 2, 285. das lat. precari (vgl. procus), umbr. persnî (Aufrecht und Kirchhoff 2, 28. 167) entspricht dem ahd. fergôn poscere, precari N. Cap. 153, dem skr. prach, zend. pereç. tases persnimu tacitus precare, bete still für dich hin, und kutef persnimu caute precare. a. o. 168. 169. 170. das skr. dschap heißt submissa voce dicere, praesertim preces Bopp 135a. vgl. dschalp loqui, litth. kalbu. faveas mihi, murmure dixit. Ov. metam. 6, 327. (s. 1023. 1024). gebete käuen kommt in Bronners leben 1, 475 vor. ›stille gebete thauen‹ Gessners schriften. Zürich 1770. 2, 133. gebet vrumen. Gudr. 1133, 1. beten und himelspreken Gefken. beil. 116. daz gebet ist ein süezer bote ze himele. Ernst 20. andrerseits aber erschallt das gebet. daz dîn bete erklinge. Walth. 7, 35. precibus deum pulsare opimis. Ermold. Nigell. 2, 273. das gebet ergeht, wird ergossen: alse daz gebet irgie. Ksrchr. 2172. gebed utstorten Soester fehde. s. 597. nnl. bede storten preces fundere wie tranen storten lacrimas fundere. gepet ausgießen. MB. 27, 353..

Erwägen wir das Wort, dessen sich Ulfilas für den begrif des anbetens bedient, so ergibt sich gleich wieder eine übereinstimmung mit dem nord. sprachgebrauch. προσκυνέω wird durch das goth. inveita, inváit, invitum verdeutscht Matth. 8, 2. 9, 18. Marc. 5, 6. 15, 19. Luc. 4, 7, 8. Joh. 9, 38. 12, 20. 1 Cor. 14, 25; einmal auch ασπάζομαι Marc. 9, 15.Nachtrag: Unbesprochen sind geblieben außer den griech. ausdrücken δέομαι ich habe nöthig, bitte, ικετεύω flehe, λίσσομαι flehen, das altn. heita â einn vovere sub conditione contingenti: hêt â þôr er flehte zu Thor, gelobte ihm. oldn. läseb. 7. (vgl. einem bestimmten gott, namentlich dem Ođin, gegeben werden vgl. s. 851), dann auch vom ahd. harên clamare anaharên invocare. N. Boeth. 146. (Graff 4, 980). alts. grôtian god. Hel. 144, 24. 145, 5. das goth. inveita verdeutscht προσκυνέω und einmal απάζομαι. es fragt sich ob προσκυνέω von κυνέω küsse, wie adoro von os, oris, woraus osculum entspringt, herstammt und an den handkuss erinnern darf, mit welchem die Griechen die sonne anbeteten: τὴν χει̃ρα κύσαντες . Lucian 5, 133, oder ob von κύων vgl. πρόσκυνες hündische schmeichler bei Athen. 6, 259 (vgl. Pott zählmeth. 255). ασπάζεσθαι gilt auch von hunden, die dem herrn wedeln. ob damit die προσκύνησις genau erfaßt wurde, steht zu bezweifeln, schon weil der Gothe überall den acc., statt des gr. dat., hinzufügt. προσκυνει̃ν gilt in neugriech. volksliedern vom niederfallen des besiegten, für sich ergeben, gefangen geben. wir wissen nicht, von welcher gebärde das inveitan begleitet war, ob das haupt geneigt oder die hand bewegt, das knie gebogen wurde? wenn es 1 Cor. 14, 25 heißt: driusands ana andavleizn inveitiþ guþ, so widerstreitet jenes flehende niederfallen nicht dem begrif des worts. da ein alts. ags. giwîtan, gevîtan abire bedeutet, könnte inveitan auch nur annäherung, hinzugehen ausdrücken? und Paul. Diac. 1, 8 hat zweimal accedere. fraveitan ist vindicare. zu vergleichen scheint das altn. vîta inclinare, das Biörn unter veit anführt, und wie ich glaube unrichtig vita schreibt. davon abgeleitet ist veita (goth. váitjan?), veita heiđr, honorem peragere, veita tîđir, sacra peragere, veitsla (epulum, goth. váitislô?Bopp vergl. gramm. s. 128 stellt inveita zu dem zend. nivaêdhayêmi invoco.).

bida ist goth. preces, bidjan, precari, rogare, orare, beide im weltlichen wie im geistlichen verstand. nicht anders ahd. pëta und pittan, aber von pëta wird nun ein pëtôn (adorare) geleitet und mit dem acc. der person construiert: O. I. 17, 62. II. 14, 63. 25 nidarfallan joh mih bëtôn. O. II. 4, 86. 89. 97. III. 11, 25. T. 46, 2. 60, 1. pëtôta inan. Diut. 1. 513b. doch bëtôn kann auch geistliches orare ausdrücken. T. 34, 1, 2. 3. bëtoman cultores O. II. 14, 68. mhd. finde ich bëten im sinn von adorare stets mit der praep. an verbundenNachtrag: Der beter, anbeter heißt nicht nur ahd. bëtoman, sondern auch noch mhd. beteman. Hartm. 1. büchl. 263. das gebet heißt bete. mine flehe und mine bete, die wil ich erste senden mit herzen und mit henden. Trist. 123, 22 (also flehen mit händen, händefalten?). mhd. bëten adorare ist stets mit an verbunden: betent an in Parz. 107, 19. an welchen got er baete. Servat. 1347. beten an des gelückes got. pass. 358, 63. ein kreftige stat, dô man diu apgot anebat. Karl 10a. ist dies beten an nur auf falsche götter bezüglich? vgl. Pfeiffers Barl. s. 446. bëten an diu abgot. Barl. 72, 4. an ein bilde bëten. das. 98, 15; sô muoz si iemer mê nâch gote sîn mîn anebët (gegenstand meiner verehrung) Ben. 146. nhd. unterscheidet sich bitten, beten und anbeten, so wie bitte von gebet. das alts. bëdôn (adorare) hat nicht den acc. bei sich, sondern die praep. te: bëdôn te mînun barma. Hel. 33, 7. 8. und schon daraus mag folgen was gramm. 2, 25 vermutet wurde, daß bidjan ursprünglich den sinnlichen begrif von jacere, prosterni enthielt, aus welchem allein auch sich badi κλινίδιον und das alte badu, ags. beado caedes, strages erklärtwelche war die sinnliche bedeutung des slav. moliti rogare, molitise orare, böhm. modliti se, poln. modlić się? das sloven. moliti ist noch porrigere, vgl. litth. meldziu rogo, inf. melsti, malda oratio. preuß. madla vgl. g. maþljan loqui, maþleins loquela, was an oratio rührt.. In dem ags. N. T. wird adorare übersetzt geeáđmêdan, d. i. sich demütigen, humiliare. Das mhd. flêhen, wenn es supplicare ausdrückt, regiert den dativ: gote flehen. Aegid. 30. den goten vlêhen. Parz. 21, 6. Wh. 126, 30. Türl. Wh. 71a. wenn aber demulcere, solari, den acc. Parz. 119, 23. 421, 25. Nib. 499, 8Iw. 3315 vlêgete got, in der ältesten hs. aber vlêhete gote.Nachtrag: Mhd. flêhen supplicare hat den dativ. deme heiligin geiste vlên. Wernh. v. Niederrh. 37, 17. vlêhet mîneme trechtîn. Ksrchr. 2167. dir vlêhen 6730. gote flêhen. Freid. 128, 25. Kschr. 6564 v. d. glouben 3170. vlêget got. Warnung 874. 1067. 1425. 1519. 2591. dagegen mit acc. den tôren flêhen. Freid. 83, 3. alle hêrren flêhen. Walther 28, 33. fleha ze himele frumen N. Boeth. 271. vgl. oben: gebet vrumen. wie flehen hat εύχεσθαι den dat. z. b. Διί Od. 20, 97. 24, 518. ’Αθήνη Od. 2, 261. Ποσειδάωνι Od. 3, 43. 54. επεύχεσθαι ’Αρτέμιδι Od. 20, 60. vgl. ευχη̃ πρεσβεύειν Aesch. Eumen. 1. εν ευχαι̃ς φροιμιάζομαι a. o. 20. εν λόγοις πρεσβεύειν. a. o. 21. es ist das goth. þláihan, fovere, consolari. ahd. kenne ich flêhôn (vovere) nur aus N. Cap. 8, Bth. 178 und er schreibt fléhôn, ten (quem) wir flehoton. nhd. zu gott flehen, oder gott anflehen. das goth. aíhtrôn προσεύχεσθαι, προσαιτει̃ν drückt mehr betteln als bitten, beten aus, das ahd. diccan, alts. thiggian precari, impetrare, wie ags. þicgan, altn. þiggja überall bloß impetrare, accipere, so daß bitten schon in erbitten, erlangen übergegangen istNachtrag: Stammt das goth. aíhtrôn wie ahd. eiscôn von aigan und bedeutet so viel wie haben wollen? das ahd. diccan kommt auch noch mhd. vor. digete gein gote. altd. bl. 2, 149. an in gediget = zu ihm betet. kindh. Jesu 91, 4. underdige supplicatio. Servat. 3445..

Eigenthümlich der nord. und ags. mundart, fremd allen übrigen, ist noch ein ausdruck für gebet. altn. bôn oder bœn, schwed. dän. bön, ags. bên, gen. bêne (fem.) Cædm. 152, 26., bei Chaucer bone, engl. boon. davon bêna supplex, bênsian supplicare. Endlich das isl. schwed. dyrka, dän. dyrke, welches ganz wie das lat. colere von der gottesverehrung, wie von dem landbau gilt, scheint erst ein später aufgekommner, der altn. sprache fremder ausdruck.

Ueber die art und weise des heidnischen gebets entbehren wir nachrichten; ich vermute bloß, daß damit blicken gen himmel, neigen des leibs (worauf schon bidjan führte), händefalten, kniebeugen, hauptentblößen verbunden war. diese gebärden erwachsen aus kindlich roher vorstellung des alterthums, wonach der flehende mensch dem mächtigen gott, seinem sieger, sich als wehrloses opfer darbietet und unterwirftNachtrag: Blicken gen himmel, neigen des leibes, kniebeugen geschieht beim gebet. precatus deos coelumque suspiciens. Tac. Germ. 10 (kl. schr. 2, 459). zuweilen wird stehend gebetet: diu stêt an ir gebete in der kapellen hie bî. Jw. 5886. an daz gebet stân. Zappert s. 23. man neigt sich: te bedu hnîgan. Hel. 48, 16. diofo ginigen O. III. 3, 28 (vgl. tiefe nîgen. Walth. 18, 20.) sîn nîgen er gein himel gap. Parz. 392, 30. Hagen neigt den meerfrauen. Nib. 1479, 1. wie man dem wege freundlich neigt, so heißt es umgekehrt: ich wil dem wege iemer mêre sîn vîent swâ dû hin gâst. Amur 2347. das finn. kumarran flecto me, veneror wird dem wege (tielle), mond (kuulle), der sonne (päiwällä) zu theil. Kalew. 8, 103. 123. 145. diu bein biegen = beten cod. vind. 159 no. 35. vgl. über knien und niederbeugen. Zappert s. 39. ze gebete gevie. Ksrchr. 6051. ze gote er sîn gebete lac. Pantal. 1582. er viel an sîn gebet. troj. kr. 27224. Parz. 122, 27. viel in die bede. Maerl. 2, 209. vielen int gebede. Maerl. 3, 247. dô hup er ane zu veniende: wo ime daz houbit lac, dô satzte her di fuze hine. myst. 1, 218. legde hleor on eorđan. Caedm. 140, 32. schwed. bönfalla heißt betend knien. beim opfer fiel man zur erde ρίπτοντες ες ωδὰς nach Athenaeus s. 511. die Esten knien und kriechen barhaupt zur opferstätte. estn. verh. 2, 40. andere bräuche sind folgende: die Inder tanzen vor der sonne. Lucian. (ed. Lehmann) 5, 130. in matronengewand, mit nackten füßen und gelösten haaren baten römische frauen Jupiter um regen. kl. schrift. 2, 446. man küßt den göttern die hände. vgl. προσκυνει̃ν. im gegensatz zum άνω βλέψας. epigr. von Moschos, zum aufschauen zu den göttern oben im himmel, wendet man von göttlichen, heiligen dingen den blick ab. Odysseus soll das ihm von Ino geliehene κρήδεμνον nach der landung mit abgewandtem antlitz ins meer zurückwerfen απονόσφι τραπέσδαι. Od. 5, 350. ταρβήσας δ' ετέρωσε βάλ' όμματα, μὴ θεὸς είη. Od. 16. 179. precari deos, coelumque suspicere bezeugt schon Tac. Germ. 10. genuflectere ist goth. knussjan, supplicare den Römern flexo corpore adorare. niederfallen und

26 neigen war auch gewohnheit der Christen, daher heißt es Hel. 47, 6. 48, 16. 144, 24 te bedu hnîgan, 58, 12. te drohtine hnîgan 176, 8. te bedu fallan, 145, 3 gihnêg an kniobeda. im Sôlarliođ der merkwürdige ausdruck: henni (der sonne) ec laut. Sæm. 126a, ihr neigte ich mich, von lûta, inclinare. falla â knê ok lûta. Vilk. saga cap. 6. nu strauk kongsdôttir sinn legg ok mælti ok sêr î loptid upp. Vilk saga cap. 61. ebenso wird in Oiaf des heil. saga erzählt, daß sich die männer vor Thors bildseule neigten (lutu þvî skrimsli). fornm. sög. 4, 247. fell til iardar fyrir lîkneski. fornm. sög. 2, 108. von den Langobarden erzählen die dial. Gregorii M. 3, 28, daß sie ein göttlich verehrtes ziegenhaupt submissis cervicibus angebetet hätten. Man pflegte noch im mittelalter sich vor leblosen gegenständen zu neigen, d. i. sie zu segnen und benedeien: einem geliebten lande, dem wege, den jemand gewandelt war, dem tagedem stîge nîgen. Iw. 5837. dem wege nîgen. Parz. 375, 26. dem lande nîgen. Trist. 11532. nîgen in daz lant. Wigal. 4018. nîgen in elliu lant. Iw. 7755. in die werlt nîgen. Frauend. 163,10. den stîgen und wegen segen tuon. Iw. 357.. Lat. schriftsteller des mittelalters, z. b. Lambert setzen pedibus provolvi für inständig bitten, die gebärde fand, wie vor gott, vor allen statt, die man ehren wollte: neig im ûf den fuoz. Morolt 41b hie viel sie ûf sînen vuoz. Iw. 8130. ouch nîge ich ir unz ûf den fuoz. Ms. 1, 155a valle für si und nîge ûf ir fuoz. Ms. 1, 54a. buten sich weinende ûf sinen vuoz. Greg. 355. neig im nider ûf die hant. Dietr. 55b. Die stellen lehren, daß man vor den fuß, zu den füßen dessen, der zu verehren war, niederfiel, ihm zu füßen fiel: wilt fallan te mînun fôtun, bedôs te mînun barma. Hei. 33, 7. sich bôt ze tal gein sînen füezen nieder. Wh. 463, 2fial in sine fuazi. O. III. 10, 27. an sîne füeze. Karl 14b. Die Christen im mittelalter nannten es venie fallen. Parz. 460, 10. Karl 104a Berth. 173. Ksrchr. 2958. 3055. knien und die erde küssen, um sündenerlaß (venia) zu erlangen: dâ er ûf siner venie lac. Barl. 366, 21. den anger maz mit der langen venie. Frib. Trist. 2095. venien suochen. Ms. 1, 23b. Morolt. 28a. Troj. 9300. terrae osculationibus, quas venias appellant. Pez bibl. ascet. 8, 440. gie ze kirchen und banekte ze gote sîniu glider mit venien und gebet. cod. kolocz. 180.. Ein altböhm. lied hat: sie klanieti bohu, sich vor gott neigen, ihn anbeten. königinh. hs. 72. ebendaselbst aber auch das undeutsche: se biti w čelo přede bohy, sich an die stirne schlagendas stirnschlagen, die tschelobitnaja, verbot in Russland Catharina II. vgl. pronis vultibus adorare. Helmold 1, 38.. Entblößung des hauptsNachtrag: Man entblößt das haupt vor got, königen und vornehmen. huic capite velato, illi sacrificandum est nudo. Arnob. 3, 43. pilleis capitibus inclinarent detractis. Eckehardus a. 890 (Pertz 2, 84). pilleis detractis regratiare a. c. (Pertz 2, 85). tuot ûwere kugelen abe und bitit got. myst. 1. 83, 25. man lupft den hut. Docen misc. 2, 252. son chapel oste. Ren. 9873. vgl. 's chäppli lüpfe. Hebel 213. helme und ouch diu hüetelîn diu wurden schiere ab genomen. Lanz. 6838. sînen helm er abe gebant. Wigal. 15, 29. sinen helm er abe bant und sturztin ûf des schildes rant. des hüetels wart sîn houbet blôz, wan sîn zuht wart vil grôz. Er. 8963. von dem houpt den huot liez vliegen. G. Ab. 2, 92. nach 1. Cor. 11, 4. 5 soll der mann mit unbedecktem, die frau mit bedecktem haupte beten und weissagen. vgl. Vaters note. ganz nackend wird im wasser gebüßt. G. Ab. 1, 7 vgl. vorr. LXX. der klosterbruder geht frühmorgens zur Donau, wasser zu schöpfen, sich zu waschen und zu beten. Vuk II. 7 naod Simeun im eingang. an die see gehen auch die Griechen gern zum gebet. Τηλέμαχος δ' απάνευθε κιὼν επὶ θι̃να θαλάσσης. Od. 2, 260. βη̃ δ'ακέων παρὰ θι̃να πολυφλοίσβοιο θαλάσσης. πολλὰ δ'επειτ' απάνευθε κίων ηρα̃θ' ο γεραιός ’Απόλλωνι άνακτι. Il. 1, 34. war gewis von frühe her unsern vorfahren eine ehrbezeugung, die, gleich dem neigen, der gottheit wie königen und vornehmen erwiesen wurde. vielleicht machten die priester, wenigstens die gothischen, hiervon eine ausnahme, deren namen pileati Jornandes daher erklärt, quia opertis capitibus tiaris litabant, während das übrige volk unbedeckt stand. in einem überrest heidnischer erntegebräuche werden wir cap. VII noch ein solches hauptentblößen bestätigt finden. in des Nicolaus Magni de Göw registrum superstitionum (von 1415) heißt es: insuper hodie inveniuntur homines, 27 qui cum novilunium primo viderint flexis genibus adorant vel deposito caputio vel pileo, inclinato capite honorant alloquendo et suscipiendowas ich sonst über diesen gebrauch gesammelt habe, mag hier platz finden: elevato a capite pileo alloquitur seniorem. Dietm. merseb. p. 824 (a. 1012). sublata cydare surgens inclinat honeste. Ruodlieb 2, 93. Odofredus in I. secundo loco digest. de postulando: or signori, hic colligimus argumentum, quod aliquis quando venit coram magistratu debet ei revereri, quod est contra Ferrarienses, qui, si essent coram deo, non extraherent sibi capellum vel birretum de capite, nec flexis genibus postularent. pilleus in capite est. Isengrimus 1139. oster la chape (beim gruß) Méon 4, 261. gelüpfet den huot. MsH. 3, 330. sinen huot er abenam, hiemit êret er in alsô. Wigal. 1436. er zôch durch sîn hübscheit den huot gezogenlîchen abe. Troj. 1775. dô stuont er ûf geswinde gnuoc, ein schapel daz er ûf truoc von gimmen und von golde fîn daz nam er ab dem houpte sîn. Troj. 18635. er zucket im sîn keppalî. Ls. 3, 35. er was gereit, daz er von dem houbt den huot liez vliegen und sprach. Kolocz. 101. Festus erklärt: lucem facere dicuntur Saturno sacrificantes, id est capita detegere, und Saturno fit sacrificium capite aperto, vgl. Macrob. Sat. 1, 8. Serv. in Virg. 3, 407.. Eine ags. legende von Cuđberht erzählt, daß dieser heilige nachts zur see ging, bis an den hals in die flut stieg und auf den kieseln kniend, mit gen himmel ausgestreckten händen, beteteväs gevunod þät he volde gân on niht tô sæ, and standan on þam sealtum brimme, ođ his svuran, singende his gebedu, and siđđan his cneovu on þam ceosle gebygde, âstrehtum handbredum tô heofenlîcum rodere. Thorpes analecta p. 76. 77. homil. 2, 138. im altfranz. jeu de saint Nicolas soll man sich dem Tervagant mit entblösten elnbogen und knien nahen (Legrand fabl. 1, 343).. Emporheben und falten der händeNachtrag: Arsenius betet von sonnabends sonnenuntergang bis sonntags sonnenaufgang mit emporgehobenen händen. Maerl. 3, 197. dies emporstrecken der arme liegt auch wol in Parz. 392, 30: sîn nîgen er gein himel gap. in crucis modum coram altari se sternere. Pertz 8, 258 vgl. kreuzurteil. beten mit zertânen armen heißt es auch Zellw. urk. no. 1029, mit zertrenten armen no. 775. die hände sind vor dem gebete zu waschen. χει̃ρας νιψάμενος ηρώμην πάντεσσι θεοι̃ς. Od. 12, 336. χει̃ρας νιψάμενος πολιη̃ς αλός εύχετ' ’Αθήνη. Od. 2, 261. Helgafell, þângat skyldi engi mađr ôþveginn lîta. Landn. 2, 12. galt auch gegenüber dem herrn, namentlich lehnsherrn. ›bat mit zertânen armen‹ heißt es Ls. 3, 78; bei dem altbairischen stapfsakên kam ein solches emporrichten der hände vor (RA. 927)Nachtrag: Gott ist gnädig.χάρις gratia wird auch verdeutscht durch anst. goth. anstái audahafta gratia plena. ahd. fol gotes ensti. O. I. 5, 18. enstio fol. Hel. 8, 8 vgl. gebôno fullu bei Tat. und ags. mid gife gefylled. Otfried braucht für ginâda auch das ihm eigne wort êragrehti (Graff 2, 412). in der keilschrift heißt es immer: Auramazdâ mija upastám abara, Oromasdes mihi opem ferebat, und: vashná Auramazdaha, gratiâ Oromasdis.. Es ist nicht unmöglich, daß die bekehrten Christen einige heidnische gebräuche bei ihrem gebet bewahrten. auffallend sind die gebärden, die in einer handschrift vermuthlich des 12 jh. den gebeten hinzugefügt werden: sô miz den ubir dîn herza in modum crucis, unde von demo brustleffile zuo demo nabile, unde miz denne von eime rippe unz an daz andire unde sprich alsus. und wiederum: sô miz denne die rehtun hant von deme lengistin vingire unz an daz resti, unde miz denne von deme dûmin zuo deme minnisten vingire. ein gebet hieß ›der vane des almehtigin gotis‹, den sollen neun (frauen) neun sonntage, ›sô ez morginet‹ lesen; die neunte hat den psalm domini est terra zu lesen: daz ir lîb niet ruore die erde, wan die ellebogin unde diu chnie. die andern sollen alle stehen, bis das angezündete licht verbrennt ist. Diut. 2, 292. 293.

Wir fassen das goth. aviliudôn ευχαριστει̃ν nicht mehr deutlich, es ist von aviliud χάρις gebildet, dem ein alts. alat, olat gratiae gleicht; liegt darin liuþ cantus und war schon etwas heidnisches dabei? Die alten gebetformeln verdienen genauere samlung, in den nordischen, welche den beistand der götter anrufen, findet sich meist das verbum duga mit dem sinn von propitium esse: biđ ec Ottari öll gođ duga. Sæm. 120b. biđja þâ 28 dîsir duga. Sæm. 195a. duga ist helfen vgl. gramm. 4, 687. schön ist das altn. gebet: biđjom herjaföđr i hugom sitja (rogemus deum in animis sedere nostris) Sæm. 113a, wie die Christen den heiligen geist flehen herab zu kommenNachtrag: Zu den altnischen gebetformeln können noch einige hinzugefügt werden. biđ ec barna sifjar duga. Saem. 61b. blôtađi Ođinn ok biđr hann lîta â sitt mâl. Hervar. sag. c. 15. (vgl. unten cap. XIV). ôreiđom augom lîtiđ ockr þinnig ok gefit sitjondom sigr! Saem. 194a. vgl. anm. 59. mâl ok mannvit gefit ockr maerom tveim ok laeknishendur međan lifom! Saem. 194a. vgl. s. 1033 und das gebet zu Freyr. Vigagl. sag. c. 9. 26. dem nord. biđjom herjaföđr î hugom sitja entspricht O. IV. 5, 30: in herzen unsên sâzi. dazu die griechische formel: κλυ̃θι μευ s. anm. 93. der zweck des gebets, wie des opfers, ist entweder bloße ehrenbezeigung oder erbitten der gnade und hilfe. die gnade erscheint wieder doppelt, entweder als bloße huld, ohne daß der betende ungnade verdient hätte, oder als verzeihung begangner sünde, als aufgeben der rache. merkwürdig ist Hel. 3, 18: thiggean herron is huldi, that sie hevancuning lêdes âlêti (ut deus malum averteret, remitteret), da doch Luc. 1,10 bloß orare steht, auch O. I. 4, 14 nur ginâda beitôta. schonung und erbarmen wird von ihm erfleht (s. 22) ίληθι Od. 16,184. άνασσ' ίληθι Od. 3, 380. φείδεο δ'ημέων Od. 16, 185. σὺ δὲ ίλεως γενου̃. Lucian 5, 292. taivu ainomen Tapio! laß dich beugen, erbitten! Kalev. 7, 243. vgl. τόδε μοι κρήηνον εέλδωρ Il. 1, 41. τόδε κρηήνατ' εέλδωρ . Od. 17, 242. (kl. schr. 2, 458.)

Gen osten schaut beim gebet auch der Inder am frühen morgen, daher ihm der süden daxa, daxima, die rechte seite heißt. beim anrufen Odins blickt man nach osten, bei Ulfs nach westen sv. forns. 1, 69. solem respiciens heißt es vom Bojocalus. Tac. ann. 13, 55. gegen die sonne wird das gebet gerichtet. n. pr. pr. bl. 1, 300, wie auch nicht nach sonnenuntergang geopfert werden darf. Geo. 2281. dagegen norđr horfa dyr kommt auch Saem. 7b vor. Jötunheimr liegt nördlich. Rask afh. 1, 83. 94. GDS. 981. 982.

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Betende und beichtende Christen schauten gen osten, mit aufgehobnen armen (Bingham lib. XI. cap. 7. ed. hal. 3, 273) und so heißt es auch in dem Kristinbalkr des alten Gulathinggesetzes ver skulum lûta austr, oc biđja til ens helga Krists ârs ok friđar (vgl. syntagma de baptismo p. 65). contra orientalem prostratus corpore partem precatur. Waltharius 1159, in ags. formeln: eástveard ic stande; kêret iuch gên ôrient Troj. 9298. 9642. Betende und opfernde Heiden schauten aber gen norden (horfa î norđr. fornm. sög. 11, 134. leit î norđr. Sæm. 94a); beten gegen mitternacht (Keisersperg omeiss 49b); und der Norden wurde unter den Christen als die unselige heidnische gegend angesehen, welches ich RA. 808 näher ausgeführt habe; gegen mitternacht soll kein wurf geschehn (RA. 57), in langobard. grenzurkunden heißt der nördliche strich: nulla ora (RA. 544). Dieser gegensatz muß zur erklärung einer stelle im roman de Renart angewendet werden, wo der fuchs christlich, der wolf heidnisch betet (Reinhart fuchs s. xli)bei der abrenuntiatio muste man gegen sonnenuntergang mit gerunzelter stirne (fronte caperata), zorn und haß ausdrückender gebärde, beim glaubensbekenntnis aber gegen sonnenaufgang mit gen himmel erhobnen augen und händen schauen. Bingham lib. XI. cap. 7. § 13. 14. vgl. Joh. Olavii synt. de baptismo p. 64. 65..

Wie jene ausdrücke des betens und erlangens zusammenfallen (s. 25), hielt man ein gebet für desto wirksamer, von je mehrern es ausgesprochen wurde:

got enwolde so manegem munde
sîn genâde niht versagen.   Wigal. 4458.
die juncvrouwen bâten alle got,
nu ist er sô gnædec unt sô guot
unt sô reine gemuot,
daz er niemer kunde
sô manegem süezen munde
betelîchiu dinc versagen.   Iw. 5351.
in (den nonnen) wâren de můnde sô royt,
so wes si god bâden,
of syt mit vlîze dâden,
he id in nummer inkůnde
dem rôsenrôten můnde
bedelicher dinge versagen.

ged. von der vrouwen sperwere (cod. berol. 184, 54d). daher: helfen singen. Ms. 1, 57a. 2, 42b. vgl. cento novelle 61scheinfrömmigkeit und andächtelei bezeichnete schon das MA. durch die kräftige redensart: ›er wil gote die füeze abezzen‹. Ls. 3, 421. fragm. 28a. Mones anz. 3, 22. ›unserm herrgott die füeß abbeißen wollen‹. Schmeller 2, 231; ›den heiligen die füß abbeten wollen‹. Simplic. 4, 17; herrgottbeißer. Höfer 2, 48; herrgottfisler (füßler) Schmid 193; heiligenfresserin. 10 ehen s. 62; ital. mangiaparadiso, franz. mangeur de crucefix; böhm. hryzipáter, poln. gryzipacierz (heiligenfresser); böhm. poln. liciobrazek (heiligenlecker). eine betschwester heißt gleichbezeichnend kapeltrete, tempeltrete, tempelrinne (Mones schausp. s. 123. 137)Nachtrag: Die frömmelei wird noch durch folgende redensarten ausgedrückt: wollt ir den heiligen die zehen abbeißen? Bronner 1, 295. allen heiligen die zehen abbeißen. Ettn. maulaffe 522. allen heiligen die füße ahbeißen wollen. Felsenburg 2, 328. alle heiligen fressen wollen. Elis. v. Orl. 251. götzeschlecker Stald. 1, 467. den gaunern heißt ein katholik tolefresser, bilderfresser. Thiele 317a. magliavutts, götzenfresser. Carisch 182b. woher das ital. bachettone? vgl. bigot, sp. beato. eine betschwester heißt die alte tempeltrete, spil v. d. 10 jungfr. b. Steph. 175. du rechte renne umme id olter (renn um den altar) Mone schausp. 2, 99. ein frömmler wird schon von Er. Alberus praec. vitae ac mor. 1562 s. 90a frömmchen genannt... Das wort opfer wurde in unsere 29 sprache erst durch das christenthum eingeführt, und stammt aus dem lat. offero, offerrenicht aus operari, das in solchem sinn der kirche fremd war, auch verwenden die Romanen offerire, ofrecer, offrir, kein operare, obrar, ouvrer; die technische bedeutung dauert in offerta, ofrenda, offrande. aus oblata rührt das span. oblea, franz. oublie her, vielleicht das mhd. oblei, falls dieses nicht aus eulogia, oblagia. nach offre und offerta wurde das welsche offryd, irische oifrion, aifrion, offrail gebildet. offerre bestätigt endlich die verdeutschung bringen, darbringen.. mit recht haben die Angelsachsen nur das verbum offrian und ein daraus gebildetes offrung (oblatio). ahd. hat sich aus opfarôn, opforôn auch ein subst. opfar erzeugt, mhd. ophern, opher, opferkaum läßt sich bei ophar, opfer ans goth. áibr δω̃ρον denken, dessen vocal und consonant nicht genau stimmen. das welsche abert, galische iobairt, irische iodbairt (sacrificium) gehören wol auch zu offerta., und von Deutschland aus mag dieser ausdruck weiter vorgedrungen sein, altn. offr, schwed. dän. offer, lith. appiera, lett. uppuris, ehstn. ohwer, finn. uhri, böhm. ofěra, poln. ofiara, sloven. ofer. Überall wichen die älteren, heidnischen benennungenNachtrag: Über opfer vgl. Creuzer symb. 1, 171. opphir vota gl. sletst. 6, 672. geschenke, gaben = opfer (s. 47. 48). si brâhten ir obfer und antheiz. Diemer 179, 25. der allgemeinste lateinische ausdruck ist rem divinam facere = sacrificare. es wird auch commovere, obmovere = darbringen, darreichen gebraucht. Aufr. und Kirchh. 2, 165. unterschieden wird victima das größere opfer von hostia, dem kleineren. Fronto s. 286. den oblationes ›für allen gebilden‹ (d. h. vor allen bildseulen, altären in der kirche), ut tenor est fundationis, cedens pastori (stiftung zu Rüden in Westfalen. a. 1421. Seibertz quellen der westf. gesch. 1, 232). entspricht der deutsche ausdruck wîsunga visitatio, oblatio. Graff 1, 1068 von wîsôn visitare. wîsod = oblei, visitatio. Schmeller 4, 180. das schweiz. wîsen heißt jetzt an den gräbern verstorbener beten. Stalder 2, 455..

Die älteste, allgemein verbreitete für den begrif ›gott durch opfer verehren‹ war blôtan (wir wissen nicht, ob im goth. prät. báiblôt oder blôtáida?), ich möchte damit ganz die bedeutung des gr. θύειν verbindenwenn Sozomenus hist. eccl. 6, 37 in einer erzählung von Athanarich προσκυνει̃ν καὶ θύειν gebraucht, so wäre das gothisch inveitan jah blôtan.Nachtrag: Über blôt, blôstr s. Bopp vgl. gr. 1146. für blôtan fráujan kommt 1 Tim. 2, 10 guþ blôtan deum colere vor. im altn. erhalten nicht nur die götter blôt vgl. âlfa blôt s. 370. dîsa blôt s. 333. blôthaug und stôrblôt werden fornm. s. 5, 164. 165 erwähnt. sleikja blôtbolla Fagrsk. s. 63 (kl. schr. 2, 215. 5, 305). der altn. eigenname Blôtmâr acc. Blôtmâ. Landn. 3, 11. scheint larus sacrificator, also soviel wie der merkwürdige beiname blotevogel a. 1465. Osnabr. ver. 2, 223. oder ist es wahrscheinlicher, daß er bloßer, nackter vogel bedeutete? vgl. spottvogel, speivogel, wehvogel. altn. blôtvargr ist pronus ad exsecrandum, denn blôta ist nicht nur consecrare, sondern auch exsecrare, maledicere.. Ulfilas fand es noch unanstößig, dadurch σέβεσθαι und κατρεύειν Marc. 7, 7. Luc. 2, 37 zu übersetzen, er construiert dazu den acc. der person, blôtan fráujan heißt ihm deum colere, schwerlich denkt er dabei an grausame opfer. blôtinassus Rom. 12, 1 ist ihm λατρεία, guþblôstreis Joh. 9, 31 θεοσεβής. letzteres setzt ein subst. blôstr (cultus, oblatio) voraus, dessen S gramm. 2, 208 erklärt worden ist. usblôteins (παράκλησις) 2 Cor. 8, 4 verlangt ein verbum usblôtjan (flehen, obsecrare). Cædmon braucht das ags. blôtan, blêot, onblôtan, onblêot von dem jüdischen opfer, und verbindet damit acc. der sache, dat. der person, blôtan sunu (filium sacrificare) 173, 5. onblêot thät lâc gode (obtulit hostiam deo) 177, 21. in Älfreds Orosius steht auch blôtan, blôtte. ich leite davon her blêtsian, später blessian, engl. bless, benedicere. Das ahd. pluozan (pliez und pluozta) erscheint nur in glossen und für libare, litare, victimare, immolare. gl. Hrab. 959a 960a 966b 968b Diut. 1, 245. 258a, casusconstruction ist nicht zu ersehen, doch acc. der sache aus kaplôzaniu immolata zu folgern. das subst. pluostar (sacrificium) bluostar Is. 382. gl. emm. 411. gl. jun. 209. T. 56, 4. 95, 30 102die gl. Hrab. 954a bacha plôstar ist unvollständig und lautet gl. Ker. 45. Diut. 1, 166a bacha sacrificat ploastar ploazit oder zëpar plôzit, soll also nur das lat. verbum, nicht das subst. bacha (d. i. βάκχη) übersetzen. noch richtiger vielleicht ist die lesart bachat f. bacchatur, synonym non sacrificat.. pluostarhûs (idolium) gl. enim. 402. ploashûs fanum, pluostrari (sacrificator) das. 405; offenbar hat das wort hier ein mehr heidnisches ansehn, und wurde um diese zeit nicht vorn christlichen dienst gebraucht; bald sterben mit der sache die ausdrücke ganz aus. Ihre allgemeine anwendung im nord. heidenthum läßt aber keinen zweifel übrig, daß sie unter Gothen, Alamannen, Sachsen, vor dem übertritt zum christlichen glauben, ebenso galten. Gleich dem goth. verbum hat das altn. blôta (blêt und blôtađi) den acc. der person oder sache, die man göttlich verehrt, bei sich, Grâgâs 2, 170 in der formel des trygdamâl heißt es: svâ viđa sem kristnir menn kirkior sœkia, heiđnir menn hof blôta (fana colunt) und in der edda: Thôr blôta, mik blôta, blôtađi Ođin (Sæm. 111a 113b 141a 165a)blôtađi hrafna þria. Landn. 1, 2. verehrte drei raben, die ihm den weg weisen wollten; so fordert ein vogel (Sæm. 141a) daß ihm kühe geopfert werden. das opfer selbst heißt altn. blôt und nicht selten wird gesagt: feck at blôti, ak blôti miklu, brachte ein opfer, ein großes opfer. Landn. 2, 29.; der sinn ist immer sacrificio venerari, also das goth. altn. verbum heben mehr den persönlichen begrif, das ahd. ags. mehr den sächlichen heraus. noch die altdän. übersetzung des A. T. gebraucht blothe (immolare) blodhmadh (libamina) blotelsä (holocaustum) Molbechs ausg. s. 171. 182. 215. 249. auch das altschwed. Uplandslag, gleich zu anfang des kirchenbalkens, hat: ængin skal affguþum blotæ, schon mit persönlichem dat., der einen acc. der sache voraussetzt. Die rechte abstammung des wortes kenne ich nichtbuchstäblich verwandt wäre φλοιδόω entzünde, verbrenne, was θίω und das lat. suffio ausdrückt; aber wenn ursprünglich in blôtan idee des brandopfers lag, müste sie frühe verdunkelt worden sein.. auf keinen fall ist sie in blôþ (sanguis) zu suchen, wie die abweichenden consonanten beider goth. wörter lehren; gerade so stehen ahd. pluozan und pluot von einander. auch war die dadurch bezeichnete götterverehrung nicht nothwendig blutig. Eine merkwürdige stelle in der livländ. reimchronik 4683 erzählt von den Sameiten (Schamaiten, Samogiten)

ir bluotekirl der warf zuo hant
sîn lôz nâch ir alden site,
zuo hant er bluotete alles mite
ein quek.

hier freilich wird ein thier geopfert, ich glaube der dichter behielt den aus Scandinavien nach Litthauen gedrungnen ausdruck bei, ohne ihn selbst zu verstehen, bluotkirl ist ein altschwed. blôtkarl, heidnischer priester, der litthauischen sprache war die benennung fremdauch mhd. scheint das wort erloschen, in örtlichen benennungen dauert es vielleicht noch heute fort, so gibt es in Hessen blotzgraben, blotzgarten, vgl. die redensart blotzen (geld geben, aufopfern) müssen. auch heißt blotz ein altes messer, schwertNachtrag: Mit der blotzen haun. H. Sachs III. 3, 58c. eine breite blötze. Chr. Weise. drei erzn. 194. der weidplotz das waidmesser. plötzer. Vilmar in der hess. zeitschr. 4, 86. die bluote altes messer. Woeste..

31 Einige andere allgemeine ausdrücke sind folgendeNachtrag: Antheiz gelübde, votum heißt auch opfer, aber das noch nicht dargebrachte, aber künftig gelobte opfer. so verhießen die Deutschen nach dem siege zu opfern. Tac. ann. 13, 57. so gelobten die Römer ein ver sacrum, alle frühlingsgeburten, das vieh ward nach 20 jahren geopfert, die jugend ausgesandt. Niebuhr 1, 102. si brâhten ir obfer unde antheiz. Diemer 179, 25. gehetôn vîgveorđunga Beov. 350 promiserunt, voverunt sacrificia. zum ähnlichen worte onsecgan die stelle: aerþon hine deáđ onsägde priusquam mors eum sacrificaret. cod. exon. 171, 32. vgl. das mhd. iuwer lîp ist ungeseit άφατος Neidh. 47, 17. Was heißt ahd. frêhtan? N. Boeth. 226 sagt von Iphigenia: dia Chalchas in friskinges wîs frêhta (Graff 3, 818). vgl. altn. frêtt vaticinium, divinatio (s.77) und ags. on blôte ođđe on fyrhte. Schmid 272. 368, wo man an furcht nicht denken darf. (anm. 273).. ahd. antheiz (hostia, victima). Diut. 1, 240a 246. 258. 278b und im verbo sowol antheizôn als inheizan (immolare). Diut. 1, 246. 258. ahd. insakên (litare) gl. Hrab. 968b insagêt pim (delibor) das. 959a 960a, wozu man das bairische stapfsakên (RA. 927) nehme; ebenso ags. onsecgan cod. exon. 171, 32. 257, 23. onsecgan tô tibre. Cædm. 172, 30. tiber onsägde 90, 29. 108, 17. tifer onsecge ps. 65, 12. lâc onsecge cod. exon. 254, 19. 257, 29. lâc onsägde Cædm. 107, 21. 113, 15. cod. exon. 168, 28. gild onsägde Cædm. 172, 11 und onsägdnes (oblatio). wie inheizan und onsecgan mit der partikel and gebildet scheint auch das ahd. ineihan pim (delibor) Hrab. 960a, was ein goth. andáikan ergeben würde; aus diesem ahd. ineihhan, wofür Graff 1, 128 wol irrig ireihan liest, scheint mir aber hernach neihhan immolare, libare (Graff 2, 1015) durch aphaeresis entsprungen (gramm. 2, 810) wie nëben aus inëben, vgl. eichôn (dicare, vindicare) Graff 1, 127. hierher gehört ebenwol das ahd. pifëlahan (libare, immolare) Diut. 1, 245. 248. Alles dies bezeichnet eigentlich nur die ansagung, widmung, weihung, dedication des opfers, und es geht aus dem sprachgebrauche wenigstens hervor, daß einzelne gegenstände vorher zum opfer auserlesen wurdenauch das altböhm. obiecati obiet (königinh. hs. 72) ist eigentlich: opfer verheißen, widmen.. antheiz ist sonst auch gelübde, votum, feierliche zusage, intheizan vovere; daher werden dem ags. onsecgan bestimrnende subst. hinzugefügt.

Ähnlich mag sehr frühe schon biudan (olferre) gebraucht worden sein, ags. lâc bebeodan. Cædm. 173, 9. altn. bodn (oblatio). von diesem biudan leite ich her biuds (mensa) altn. biođr (discus) ags. beod (mensa, lanx) ahd. piot, insofern es ursprünglich den heiligen opfertisch oder altar bedeutete.

fullafahjan (mit dat. der pers.) ist ein goth. wort für λατρεύειν Luc. 4, 8, eigentlich genüge thunNachtrag: Dem goth. fullafahjan mit dat. der pers. kommt das ags. cveman nahe. onsecgan and godum cveman diis satisfacere. cod. exon. 257, 25. Criste cveman leofran lâce. a. o. 120, 25. zum ags. bring oblatio stellt sich das ahd. antfangida victima. Diut. 1, 240. das dargebrachte, empfangene liegt. Theocr. epigr. 1, 2 gebraucht κει̃σθαι von weihgeschenken.. atbairan προσφέρειν, darbringen Marc. 1, 44. Luc. 5, 15 wie ags. bring oblatio ausdrückt und schon Wolfram Parz. 45, 1 sagt: si brâhten opfer vil ir goten; fundgr. II, 25: ein lam zopphere brâhte. Merkwürdig steht goth. saljan, das sonst intransitiv divertere, manere ausdrückt, Luc. 1, 9. Marc. 14, 12. 1 Cor. 10, 20. 28 transitiv für θυμια̃ν und θύειν, hunsla saljan ist Joh. 16, 2 λατρείαν προσφέρειν, was sich der bedeutung des ahd. ags. sellan, altn. selja tradere, darreichen anschließt, vielleicht weil feierliche übergabe mit einem hingehen verbunden war. das ahd. pigangan (obire) wird verschiedentlich auf gottesdienst bezogen: piganc (ritus) Diut. 1, 272a afgoda begangan. Lacomblet 1, 11. Auch das vieldeutige gildan, këltan hängt mit cultus und opferdienst zusammen, von den alten opferschmäusen führen die gilden ihren namen. alts. waldandes gëld. Hel. 3, 11. 6, 1. that gëld lêstian. Hel. 16, 5. brynegield (holocaustum) Cædm. 175, 6. 177, 18. gild onsecgan. 32 172, 11. Abels opfer heißt gield. Cædm. 60, 5. deofolgield (idololatria) Beda 3, 30. cod. exon. 245, 29. 251, 24. hæđengield cod. exon. 243, 23, ahd. heidankëlt sacrilegium. gote ir gelt bringent warn. 2906. ahd. offeruncghëlstar (sacrificium) Is. 395. dhiu blôstar iro ghëlstro (libamina et sacrificia) Is. 382. eigenthümlich der ags. mundart ist die allgemeine benennung lâc (neutr.), oft durch verba, die den begrif opfer hervorheben, verdeutlicht: onbleot thät lâc gode. Cædm. 177, 26. dryhtne lâc brohton. 60, 2. lâc bebeodan. 173, 9. lâc onsägde. 107, 21. 113, 15. ongan lâc. 90, 19Nachtrag: Zum ags. lâc kann man noch anführen lâcan offerre vgl. placare. lâc onsecgan. cod. exon. 257, 30. lâc xenium, donum, lâcdaed munificentia. Haupts zeitschr. 9, 496a.. das wort scheint einer wurzel mit dem goth. masc. láiks (saltatio) ahd. leih (ludus, modus) altn. leikr, ursprünglich also tanz und spiel, die das opfer begleiteten, allmählich die gabeserb. prilog opfer, d. h. dargebrachtes, prilozhiti darbringen, sloven. dar, darina, daritva gabe. das sloven. aldov (unblutiges opfer) scheint unslavisch und gemahnt. ans ungr. aldozat. θυσία wird altslav. zhrtva (Kopitars Glagol. 72c), russ. zhertva ausgedrücktNachtrag: Altslav. trjeba heißt libatio, res immolata, templum. trjebischtsche βωμός. qui idolothyta, quod trebo dicitur, vel obtulerit aut manducaverit. Amann cod. mss. friburg. fasc. 2. s. 64: altböhm. třeba, russ. tréba opfer. altslav. trjebiti, poln. trsebić, serb. trjebiti reinigen. vgl. den ortsnamen Trebbin. Jungmann 4, 625b. poln. trzeba, potrzeba oportet, es ist noth. poln. potrzeba, serb. potreba, böhm. potřeba noth, bedarf vgl. litth. Potrimpus und Antrimp, Atrimp. Hanusch 216. 217. GDS. 328. im lettischen heißt opfer sobars. Bergmann 142, im ungr. aldomás. Ipolyi 341.. selbst zu bezeichnen. daß spiel und gesang bei den opfern war, lehren die weiter unten aus Gregors dialogen und Adam von Bremen ausgehobnen stellen.

Für bestimmtere ausdrücke halte ich die folgendenNachtrag: Über die erstlingsopfer απαρχαί vgl. Pausan. 1, 31. Callimach. hymn. in Del. 279. ein bestimmterer ausdruck für opfer scheint auch das dunkle goth. wort daigs massa Rom. 11, 16. wizôt kommt auch noch mhd. vor: frône wizôt. Servat. 3337. hunsl leitet Massmann von hinþan, Kuhn berl. jahrb. 10, 192–195. 285 von hu gießen ab, das nach Bopp 401 θύειν ist. hunsljada σπένδομαι II Tim. 4, 6. unhunslags άσπονδος II Tim. 3, 3. das goth. ufsneiþan θύειν schlachten Luc. 15 , 23. 27. 30, ufsniþans immolatus I. Cor. 5, 7 bezieht sich deutlich auf zerlegen des opferthiers. Hunsaloa in der ecbasis kann als hunsalaha (opferwasser) und hunsalah (opfertempel) gedeutet werden. lat. ged. s. 289. 290.. απαρχή, das darbringen der erstlinge beim opfer, delibatio, gibt Ulf. Rom. 11, 16 ufarskafts, was ich nicht von skapan, sondern von skaban radere herleite, insofern απαρχαί die zuerst abgeschabten, abgeschnittnen stirnhaare des opferthiers Odyss. 14, 422. 3, 446 waren; erklärt man es aus skapan, so müste dies aus der bedeutung von creare in die von facere, immolare übergehn. vitôd ist goth. lex, das ahd. wizôt Graff 1, 1112. fundgr. 1, 398b sowol lex als eucharistia, das fries, vitat überall nur letzteres, das serb. zakon wiederum beides. θυσία wird durch das goth. hunsl verdeutscht Matth. 9, 13. Marc. 9, 49. Luc. 2, 24 und λατρείαν προσφέρειν Joh. 16, 2. wiederum hunsla saljan, wo gerade gemeint ist durch tödtung. θυσιαστήριον heißt hunslastaths Matth. 5, 23. 24. Luc. 1, 11. das entsprechende ags. hûsel, engl. housel verträgt aber anwendung auf das christliche sacrament und bedeutet die eucharistie, hûselgong den genuß derselben, hûselfät das heilige opfergefäß, vgl. Cædm. 260, 5 hûslfatu hâlegu von den jüdischen gefäßen zu Jerusalem. ebenso findet sich altn. hûsl in den norweg. und schwed. gesetzen christlich gebraucht, niemals heidnisch; ein ahd. hunsal mangelt, die wurzel errathe ich nicht. Zweimal übersetzt aber Ulf. θυσία durch sauþs, pl. sáudeis Marc. 12, 33. Rom. 12, 1. ich glaube, er hat sich dabei das opfer eines geschlachteten und gekochten thiers gedacht; die wurzel scheint siuþan, sieden, altn. ist sauđr ein widder, vermuthlich weil sein fleisch gesotten wird. Eph. 5, 2 stehn hunsl jah sáuþ, προσφορὰν καὶ θυσίαν neben einander, und Skeir. 37, 8 gasaljands sik hunsl jah sauþ. Auch das ahd. zëpar ist sacrificium im sinn von hostia, victima hymn. 10, 2. 12, 2. 21, 5. gl. Hrab. 965b Diut. 240a 272aNachtrag: Das recht, das goth. áibr in tibr zu verwandeln, wird von Weigand 1997 bestritten vgl. Diefenbach goth. wb. 1, 12. über τέφρα vgl. kl. schr. 2, 223. umbrisch tefro n. ist ein unbekannter theil des opferthiers. Aufrecht und Kirchh. 2, 294. 373. darf man an das lett. śohbars pestopfer denken? andere vergleichen das ndrd. zefer f. käfer s. Campe s. v. ziefer. Schmeller, 4, 228. vgl. ahd. arzibôr. Graff 5, 578. ceepurhuc n. propr. bei Karajan. Keisersb. brös. 80b spricht von ungesuber, es kommt auch unzuter ungeziefer vor vgl. unâz ungeziefer, quod non editur. Mone 8, 409. der Gral duldet kein ungezibere im wald. Tit. 5198. den wolf nennt man euphemistisch ungeziefer. rockenphil. 2, 28. das geziefer sind auf der Tiroler weide schafe und geißen. Hammerle s. 4.

Zu ahd. wîhan opfern vgl. oben das ags. vîgveorđung opfer und litt. weikiu ago, facio. finn. waikutan.

; ein goth. tibr wäre nachgewiesen, dürfte man jenes seltsame áibr 33 (δω̃ρον) Matth. 5, 23 emendieren (vgl. gramm. 1, 63). meine vermutung, daß noch unser nhd. ungeziefer, früher ungeziberTitur. 5198 ist ungezibere soviel als ungeheuer; aber was heißt im Lanz. 5028. vor grôzem ungezibele: nibele?, und das altfranz. atoivre dahin gehöre (Reinh. liv), hat gute gründe für sich. ziefer, geziefer heißt in Franken und Thüringen noch jetzt nicht nur das hausfedervieh, sondern begreift auch zuweilen ziegen und schweine (Reinwald henneb. id. 1, 49. 2, 52. vgl. Schm. 4, 228). dagegen schiene zwar, daß das ags. tiber Cædm. 90, 29. 108, 5. 172, 31. 175, 3. 204, 6. 301, 1. sigetiber 203, 12. sigortifer cod. exon. 257, 30. nicht einmal auf thiere beschränkt werden darf, vielmehr Cains getraideopfer, im gegensatz zu Abels gield, gerade tiber heißt 60, 9. und Älfr. gl. 62b vîntifer (libatio) haben. darin könnte spätere verwirrung liegen, oder ungeziefer auch das unkraut mitbegreifen, folglich zëpar alles opfermäßige von pflanzen und bäumen bezeichnen?die auch von Thorpe nicht recht gefaßte stelle Cædm. 9, 2 þâ seo tîd gevât ofer tiber sceacan middangeardes verstehe ich: da die zeit fortschritt über die (von gott verliehene) gabe der erde. der inf. sceacan (elabi) gehört zu gevât; ebenso steht Judith (anal. 140, 5) geviton on fleám sceacan, begannen zu fliehen, und öfter geviton gangan. indessen ist auch das altn. tafn victima und esca ferarum zu erwägen. Zuletzt will ich eine der altn. sprache eigne, sicher heidnische benennung angeben: fôrn (victima, hostia) fem., fôrna (immolare) wofür auch fôrnfæra gesagt wurde, vgl. fornm. sög. 1, 97. 2, 76, nach Biörn soll dieses fôrna zugleich elevare, tollere bedeuten. ags. fôrn porcus, porcaster (?). hinderte nicht ô, so ließe sich das adj. forn (vetus) forn (zau-berer) fornæskia (zauberei) und das ahd. furnic antiquus, priscus, canus (Graff 3, 628) hinzuhalten, zumal dieselben glossen zur erklärung von baccha pluostar verwenden. forn wäre dann der von den Christen gewählte ausdruck für das heidenopfer der alten vorzeit, was leicht überschlug in zauberei, ja es wäre buchstäbliche verwandtschaft zwischen zëpar und zoupar denkbar, und dann ein weiterer zusammenhang der begriffe opfern und zaubern, wie die verba garawan, wîhan, vielleicht zouwan auf beide bezogen werden mögen, unser ahd. karo, karawi (victima) Graff 4, 241 drückt nichts anders aus als das zubereitete, heilig gemachte, geweihtesanskr. kratu sacrificium, nach Benfey 2, 307 hergang, gehört zu kri (facere) und im latein gelten facere (agnis, vitula, Virg. ecl. 3, 77) und operari von der heiligen opferhandlung; ebenso griech. ρέζειν = έρδειν, böot. δέδδειν vom bringen der hekatombe, und έρδειν ist έργειν, unser wirken. επιρρέζειν Od. 17, 211. θύειν, ρέζειν, δρα̃ν Athenaeus 5, 403. δρα̃ν f. θύειν, δρα̃σις = θυσία. auch dem catholischen priester gilt conficere, perficere für consecrare. (Caesar. heisterbac. 9, 27); man vergleiche das aliquid plus novi facere bei Burcard von Worms 10, 16 und p. 193c. das lat. agere bedeutete schlachten des opferthiers.. Man wird außerdem die vorstellungen gelübde und opfer, mittellat. votum und census genauer zu sondern haben, so nahe sie aneinander reichen: das gelübde ist gleichsam ein privatopfer.

34 Unserer alten sprache standen also hier mehrfache wörter zu gebot, es läßt sich erwarten, daß davon unterschiede abhiengenNachtrag: Die verschiedenheit der opfer wird bezeugt durch Pertz 2 , 243: diversos sacrificandi ritus incoluerunt und schon durch Tac. Germ. 9: deorum maxime Mercurium colunt, cui certis diebus humanis quoque hostiis litare fas habent. Herculem ac Martem concessis animalibus placant. pars Suevorum et Isidi sacrificat., aber es ist schwer, diese nun selbst in der sache zu entwickeln.

Das opfer beruhte auf dem gedanken, daß den göttern menschliche speise angenehm sei, gemeinschaft zwischen göttern und menschen stattfinde. man läßt den gott beim opfer mit essen und die speise behagt ihm auch. erst später setzt man ihm besondere götterspeise vorNachtrag: Zum opfer ladet man den gott ein, ruft ihn herbei. καλέει τὸν θεόν. Herod. 1, 132. επικαλέει τὸν θεόν. 4, 60. επικαλέσαντες τὸν θεὸν σφάζουσι. 2, 39. die götter sind beim opfer gegenwärtig. Athen. 3 , 340. 341. warum den göttern knochen geopfert werden? Hes. theog. 557. primitiae ciborum deo offerenda. Athen. 2, 213. den göttern ist der aufsteigende rauch und dampf angenehm. Lucians Prometh. 19. εκ δὲ θυμάτων ‛Ήφαιστος ουκ έλαμπε. Soph. Antig. 1007. die menschen stärken die götter durch opfer. Haupts zeitschr. 6, 125. dem Wêda (Wodan) bringt man opfer mit dem rufe: Wedki taeri lieber Weda, zehre! nimm unser opfer an! schlesw.-hlst. landeskunde 4, 246. auch gibt der gott ein zeichen, daß er es annimmt. þâ kômu þar hrafnar fljugandi ok gullu hâtt, zum zeichen: at Ođinn mundi pegit hafa blôtit. fornm. sög. 1, 131.. Beweggründe der opfer waren überall, entweder den göttern dank für ihre wohlthaten abzustatten oder ihren zorn zu versöhnen, die götter sollten gnädig erhalten oder wieder gnädig gemacht werden, also zwei hauptarten, dankende und sühnende opfer. wenn das mahl begangen, ein wild erlegt, der feind besiegtNachtrag: Von der kriegsbeute wird dem Christengott ein theil gegeben, wie den Heidengöttern Livl. reimchr. 2670–73. 3398–3401. 6089. 4696. 11785. 11915. brünien, pfert und rische man soll man brennen im fall des siegs. Livl. reimchr. 4700 ff. 4711. ein siegesopfer war wol ursprünglich lat. victima von vinco, altn. sigurgiöf victima. der ehrengang in Müllenhoffs schlsw.-holst. s. s. 108 scheint ein altes siegesopfer., ein erstling vom vieh geboren, getraide geerntet wurde, gebührte dem verleihenden gott voraus ein theil der speise, des tranks und des ertrags, der beute, des fangs bei der jagd (auf welche vorstellung sich auch hernach der zehnte an die kirche gründete); dagegen sobald hungersnoth, miswachs, seuche über das volk hereinbrach, säumte es wiederum nicht abwendende gaben darzubringenNachtrag: Bei den sühnopfern herscht die vorstellung, daß auf das opfer der zorn gottes falle, besonders deutlich beim hebr. sündenbock 3. Mos. 16. Grieshaber pred. 2, 119. vgl. Grimm zum a. Heinr. s. 160. in Massilia wird ein pestopfer gebracht. Petron. c. 141.. solche sühnopfer haben ihrer natur nach etwas unständiges, während die dem gnädigen gott zu leistenden gern in regelmäßig wiederkehrende feste übergehen. Eine dritte art von opfern ist, wodurch der ausgang eines unternehmens erforscht, und die hilfe des gottes, dem es gebracht wird, herbeigeführt werden sollNachtrag: Durch das opfer soll die zukunft erforscht werden. ante pugnam miserabiliter idolis immolavit (Decius). Jornand. c. 18.. doch war weissagung auch ohne opfer thunlich. Außerdem gab es besondere opfer für einzelne gelegenheiten, z. b. bei königswahlen, geburten, hochzeiten und leichbestattungen, die meistens auch mit feierlichen mahlzeiten verbunden wurden.

Weil die götter mehr huld als zorn erweisen, die menschen eher froh gestimmt, als von ihren sünden und fehlern gedrückt sind, waren dankopfer die frühsten und häufigsten, sühnopfer die seltneren, ergreifenderen. Was den göttern aus dem pflanzenreich dargebracht werden kann, ist heiter, unschuldig, aber auch minder bedeutsam und kräftig als ein thieropfer. das hinströmende blut, das vergossene leben scheint stärker bindende und sühnende gewalt auszuüben. thieropfer sind dem krieger, jäger und hirten natürlich, getraide und blumen wird der ackerbauer hingeben.

Die großen jahrsfeste der Heiden berühren sich mit volksversamlungen und ungebotnen gerichtenRA. 245. 745. 821–825.. in der Ynglînga saga cap. 8 werden sie so angegeben: þâ skyldi blôta î môti vetri til ârs, enn at miđjum vetri blôta til grôđrar, it þriđja at sumri, þat var sigrblôt. in der Olafs helga saga cap. 104 (fornm. sög. 4, 237): en þat er siđr þeirra at hafa blôt â haustum ok fagna þa vetri, annat blôt hafa þeir at miđjum vetri, en hit þriđja at sumri, þa fagna þeir sumari; vgl. ed. holm. cap. 115Nachtrag: Til ârs wird auch fornm. 10, 212 geopfert: siđan gerđi uaran mikit ok hallaeri, var þâ þat râd tekit at þeir blôtuđu Olaf konung til ârs ser. wie Hâlfdan der alte ein großes mitwinteropfer für langes leben und reich brachte (Sn. 190), so wurden in Griechenland εκατομφόνια von dem gebracht, der 100 feinde erlegt hatte. Pausan. IV. 19, 2.. das herbstopfer geschah zum empfang des winters und til ârs (pro annonae ubertate), das mitwinteropfer til grôđrar (pro feracitate), 35 das sommeropfer zum empfang des sommers und til sigrs (pro victoria). Hâlfdan der alte brachte ein großes mitwinteropfer für die lange dauer seines lebens und reichs (Sn. 190). Bei dem großen hauptblôt zu Upsal im winter wurde aber zugleich geopfert til ârs ok friđar ok sigrs (fornm. sög. 4, 154). die formel lautet auch: til ârbôtar, oder til friđar ok vetrarfars gôđs. In einer merkwürdigen stelle des Gutalagh s. 108 werden die großen volksopfer von den kleineren vieh, speise und trankopfern unterschieden: firi þann tima oc lengi eptir siþan troþu menn â hult oc â hauga, vi ok stafgarþa, oc â haiþin guþ blôtaþu þair synum oc dydrum sinum, oc fileþi miþ mati oc mundgati, þat gierþu þair eptir vantro sinni. land alt hafþi sir hoystu blôtan miþ fulki, ellar hafþi huer þriþiungr sir. en smêri þing hafþu mindri blôtan med, fileþi mati oc mungati, sum haita suþnautar: þi et þair suþu allir saman.

Die osterfeuer, maifeuer, sonnwendfeuer mit ihren mannigfachen gebräuchen, leiten auf heidnische opfer zurück, zumal ist das reiben der heiligen flamme, laufen durch die brände, werfen von blumen in das feuer, backen und austheilen großer brote oder kuchen, und der reihentanz zu erwähnen. tänze gingen in spiel und dramatische vorstellung über (vgl. cap. XIII das schiff ziehen, cap. XXIII und die hexentänze cap. XXXIV). Afzelius 1, 3 schildert ein noch jetzt an gothländischen orten aufgeführtes opferspiel, das von verkleideten burschen, die sich ihr gesicht schwärzen und schminken (vgl. cap. XVII gegen schluß), dargestellt wird. einer als opferthier in pelz gehüllt sitzt auf einem stul und hält im munde einen büschel scharf abgeschnittner halme, die ihm bis zu den ohren reichen und ein ansehn von schweinsborsten haben: das bedeutet den dargebrachten juleber, den in England lorbeer und rosmarin schmücken (s. cap. X.), wie das teufelsopfer raute, rosmarin und pomeranze (s. cap. XXXIII). Der alten Sachsen großes opferfest war den 1. oct., und wird auf einen 534 über die Thüringer davongetragnen sieg (s. cap. VI.) bezogen; noch in urk. des MA. führt diese hehre zeit den namen der gemeinwoche (vgl. cap. XIII. Zisa) (Würdtwein dipl. magunt. 1 praef. III–V. Scheffers Haltaus s. 142. vgl. Höfers östr. wb. 1, 306), eine andere chronik gibt den 25. sept. an (Ecc. fr. or. 1, 59), und Zisa wurde am 29., Michael am 28. sept. gefeiert, so daß überall begang eines herbstopfers gemeint sein muß. Außer den großen festen opferte man bei besondern gelegenheiten, zumal hungersnoth und verheerenden krankheiten; auch für langes leben: blôta til lânglifi (Landn. 3, 4) und für beliebtheit (thockasaeld) beim volk: Grîmr, er blôtinn var dauđr für thokkasaeld ok kallađr kamban (Landn. 1, 14. 3, 16) dieser beiname kamban muß auf das opfer des todten leichnams gehn und ich nehme dazu das ahd. pichimpida funus, mnl. kimben (comere) Diut. 2, 207a. vgl. anm. zu Andr. 4.

Menschenopfer sind ihrem wesen und ursprung nach sühnend, ein großes unheil, ein schweres verbrechen kann nur durch 36 menschliches blut beschworen und getilgt werden; bei allen völkern des alterthums waren sie hergebrachtLasaulx die sühnopfer der Griechen und Römer. Würzburg 1841 s. 8–13., die folgenden zeugnisse setzen es für Deutschland außer zweifelNachtrag: Menschenopfer scheinen bei den meisten völkern hergebracht, wie auch menschen bei leichen mitverbrannt wurden. dafür war bei diesen alten völkern die todesstrafe selten oder unerhört. Hercules, ad quem Poeni omnibus annis humana sacrificaverunt victima. Plin. 36, 5. der Artemis wurden menschen geopfert. Pausan. 7, 19. unter flötenspiel wurden sie geschlachtet s. Aufrecht und Kirchhoff umbr. sprachdenkm. 2, 377. statt des früheren menschenopfers wurde jünglingen die stirn mit blutigem messer berührt. O. Jahn über Lycoreus s. 427. vgl. den rothen faden am hals in der sage von Amicus und Amelius. gott als Tod, als alter blutvergießer (s. 18) verlangt menschenopfer. darum gelobt man solches in schwerer krankheit und gefahr, weil den göttern für das leben nur andres leben geboten werden könne. gesta Trevir. cap. 17 aus Caesar b. gall. 6, 16. einen auf dem pferd sitzend den göttern opfern. Lindenblatt s. 68. Adam von Bremen (Pertz 9, 374) sagt von den Esten: dracones adorant cum volucribus, quibus etiam vivos litant homines, quos a mercatoribus emunt, diligenter omnino probatos, ne maculam in corpore habeant, pro qua refutari dicuntur a draconibus. die Abissinier bringen ähnlich den Franken beim flußübergang einer sclavencaravane den göttern ein dank- und sühnopfer mit dem schönsten mädchen. Klöden beitr. z. geogr. v. Abissinien s. 49. frühlings wird ein lebendiges kind im scheiterhaufen geopfert. Dybeck runa. 1844, 5: î þann tîma kom hallaeri mikit â Reiđgotaland. enn svâ gêck frêttin, at aldri mundi âr fyrri koma, enn þeim sveini vaeri blôtat, er aeđstr vaeri þar î landi. Hervar. saga s. 452 vgl. 454. auf beiden Gallehuser hörnern ist ein mann abgebildet, der ein opferkind hält. Saxo ed. Müller 121 sagt von Frö zu Upsala: humani generis hostias mactare aggressus foeda superis libamenta persolvit. er habe den ›veterem libationis morem‹ geändert. dem sacrare aciem in Tac. ann. 13, 57 (s. 874) entspricht das altn. val fela Hervar. s. s. 454. spuren von kinderopfern sind besonders in den hexensagen zu finden (s. 904. 905), wie das herzausreißen und essen. knochen und beine werden gesammelt und dargebracht vgl. die sage vom guten Lubbe s. 435 und die villa Opferbein, j. Opferbaum bei Würzburg s. Lang reg. 3, 101 (a. 1257). 4, 291 (a. 1285).. Tac. Germ. 9: deotum maxime Mercurium colunt, cui certis diebus humanis quoque hostiis litare fas habent. Germ. 39: stato tempore in silvam coeunt, caesoque publice (für das volk) homine celebrant barbari ritus horrenda primordia. Tac. ann. 1, 61: lucis propinquis barbarae arae, apud quas tribunos ac primorum ordinum centuriones mactaverant. Tac. ann. 13, 57: sed bellum Hermunduris prosperum, Cattis exitiosius fuit, quia victores diversam aciem Marti ac Mercurio sacravere, quo voto equi, viri, cuncta victa occidioni dantur. Isidori chron. Gothorum, aera 446: quorum (regum gothicorum) unus Radagaisus . . . Italiam belli feritale aggreditur, promittens sanguinem Christianorum diis suis litare, si vinceret. Jornandes cap. 5: quem Martem Gothi semper asperrima placavere cultura. nam victimae ejus mortes fuere captorum, opinantes bellorum praesulem aptius humani sanguinis effusione placandumvgl. Jul. Caesar de bello gall. 6, 17 von verehrung des Mars bei den Galliern, und Procop de bello goth. 3, 14 von den Slavenen und Anten: θεὸν μὲν γὰρ ένα τὸν τη̃ς αστραπη̃ς δημιουργὸν απάντων κύριον μόνον αυτὸν νομίζουσιν ει̃ναι, καὶ θύουσιν αυτω βόας τε καὶ ιερει̃α άπαντα. . . . αλλ' επειδὰν αυτοι̃ς εν ποσὶν ήδη ο θάνατος είη, ὴ νόσω αλου̃σιν ὴ ες πόλεμον καθισταμένοις, επαγγέλλονται μὲν, ὴν διαφύγωσι, θυσίαν τω̃ θεω̃ αντὶ τη̃ς ψυχη̃ς αυτίκα ποιήσειν, διαφυγόντες δὲ θύουσιν όπερ υπέσχοντο, καὶ οίονται τὴν σωτηρίαν ταύτης δὴ τη̃ς θυσίας αυτοι̃ς εωνη̃σθαι.. Orosius 7, 37 von Radagaisus, den er einen Scythen nennt, aber Gothen nach Italien führen läßt: qui (ut mos est barbaris hujusmodi generis) sanguinem diis suis propinare devoveratvon ihm sagt Augustinus im sermo 105. cap. 10: Rhadagaysus rex Gothorum . . . . Romae . . . Jovi sacrificabat quotidie, nuntiabaturque ubique, quod a sacrificiis non desisteret.. Procop de bello goth. 2, 15 von den Thuliten, d. i. Scandinaviern: θύουσι δὲ ενδελεχέστατα ιεραι̃α πάντα καὶ εναγιζουσι. τω̃ν δὲ ιερείων σφίσι τὸ κάλλιστον άνθρωπός εστιν, όνπερ άν δοριάλωτον ποιήσαιντο πρω̃τον. του̃τον γὰρ τω̃ ’Άρει θύουσιν, επεὶ θεὸν αυτὸν νομίζουσι μέγιστον ει̃ναι. das 2, 14 von den Herulern: πολύν τινα νομίζοντες θεω̃ν όμιλον, οὺς δὴ καὶ ανθρώπων θυσίαις ιλάσκεσθαι όσιον αυτοι̃ς εδόκει ει̃ναι. das. 2, 25 von den schon bekehrten Franken beim Poübergang: επιλαβόμενοι δὲ τη̃ς γεφύρας οι Φράγγοι, παι̃δάς τε καὶ γυναι̃κας τω̃ν Γότθων, ούσπερ ενταυ̃θα ευ̃ρον ιέρευόν τε καὶ αυτω̃ν τὰ σώματα ες τὸν ποταμὸν ακροθόνια του̃ πολέμου ερρίπτουν. οι βάρβαροι γὰρ ου̃τοι, Χριστιανοὶ γεγονότες, τὰ πολλὰ τη̃ς παλαια̃ς δόξης φυλάσσοισι, θυσίαις τε χρώμενοι ανθρώπων καὶ άλλα ουχ όσια ιερεύοντες, ταύτη τε τὰς μαντείας ποιούμενοι. Sidonius Apollinaris 8, 6 von den Sachsen: mos est remeaturis decimum quemque captorum per aequales et cruciarias poenas, plus ob hoc tristi quod superstitioso ritu necare. Capitul. de partib. Saxon. 9: 37 si quis hominem diabolo sacrificaverit, et in hostiam, more paganorum, daemonibus obtulerit. Lex Frisionum, additio sap. tit. 42. qui fanum effregerit – immolatur diis, quorum templa violavit, das gesetz galt nur noch für die trans Laubachi wohnenden, länger heidnischen Friesen. Was Strabo von den Cimbern, Dietmar von den Nordmännern erzählt, wird nachher angezogen werden. Epist. Bonif. 25 (ed. Würdtw.): hoc quoque inter alia crimina agi in partibus illis dixisti, quod quidam ex fidelibus ad immolandum paganis sua venundent mancipia; es war den herrn erlaubt knechte zu verkaufen, und Christen verkauften sie den Heiden zum opfer. Der kriegsgefangne Graecus Avar de (a) Suevis pecudis more litatus (vgl. cap. XIII. bei der göttin Zisa)Adamus brem. de situ Daniae cap. 24 von den Litthauern: dracones adorant cum volucribus, quibus etiam vivos litant homines, quos a mercatoribus emunt, diligenter omnino probatos, ne maculam in corpore habeant.. Zeugnisse über nordische menschenopfer hat Müllers sagabibl. 2, 560. 3, 93. In der regel waren die schlachtopfer gefangene feinde, erkaufte knechte oder schwere verbrecher; das frauen und kinderopfer bei den Franken beim flußübergang gemahnt an die griech. διαβατήριαdaher noch in unsern volkssagen der zuerst über die brücke gehende, zuerst in den neuen bau oder ins land tretende mit dem leben büßt, d. i. als opfer fällt. Jornandes cap. 25 von den Hunen: ad Scythiam properant et quantoscunque prius in ingressu Scytharum habuere, litavere victoriae., die erstlinge des kriegs, der erste gefangne sollten heil bringen; in volkssagen sind noch spuren von opferung der kinder, sie wurden zur heilung des aussatzes getödtet, in grundwälle eingemauert (s. cap. XXXV. XXXVI. schluß.), und der zug deutet eigens auf uralten opferbrauch, daß dem kinde spielzeug und eßwaaren hingestellt sind, während die wölbung vollbracht wird. auch bei den Griechen und Römern fielen die opfer unter lärm und flötenspiel, damit das schreien überhört würde und die thränen der kinder wurden durch liebkosungen erstickt, ›ne flebilis hostia immoletur‹. Seltne fälle konnten den tod der königssöhne und töchter, ja der könige selbst verlangen. Thoro opfert seinen sohn den göttern. Worm mon. dan. 285. könig Ön der alte brachte hinter einander dem Ođin neun söhne für sein langes leben dar (Yngl. saga cap. 29) und die Schweden in großer hungersnoth, nachdem andere große opfer vergeblich waren, opferten ihren eignen könig Dômaldi (das. cap. 18).

Thieropfer waren hauptsächlich dankende, aber auch sühnende, und als solche traten sie nicht selten zur milderung an die stelle älterer menschenopfer. ich will auch erst die zeugnisse anführenNachtrag: Das thieropfer war sühnend, wenn ein viehstück der einbrechenden seuche dargebracht wurde s. 506. 956. nur thiere mit eßbarem fleisch werden den göttern geopfert. cur non eis et canes, ursos et vulpes mactatis? quia rebus ex his deos par est honorare coelestes, quibus ipsi alimur, sustentamur et vivimus, et quas nobis ad victum sui numinis benignitate dignati sunt. Arnobius 7, 16. über hundeopfer s. 43. auch kam es auf farbe und geschlecht der opferthiere an (s. 44). vgl. Arnobius 7, 18–20; ob sie trächtig waren oder nicht. a. o. 7, 22. ob mit haar oder borsten versehen (s. 60) vgl. ›dem junker, der sich auf dem fronhof lagert, soll man geben als off der hube gewassen ist mit federn, mit borsten‹. weisth. 3, 478. beim kauf der opferthiere darf man nicht handeln. Athen. 3, 102 (vgl. zu s. 410). die opferfelle wurden aufgehängt und darnach geschossen s. 541.. Herculem et Martem concessis animalibus placant. Tac. Germ. 9, d. h. mit dazu geeigneten (hist. 5, 4), das concessum steht als sacrum dem profanum entgegen, und nur solche thiere eigneten sich, deren fleisch von den menschen gegessen werden konnte. es wäre unschicklich gewesen, dem gott eine speise zu bieten, die der opfernde selbst verschmäht hätte; 38 zugleich scheinen diese opfer auch schmäuse, ein bestimmtes stück des geschlachteten thiers wird dem gotte dargebracht, das übrige zerlegt, ausgetheilt und in der versamlung verzehrt. das volk trat dadurch in gemeinschaft mit dem heiligen opfer, so wie die götter für mitschmausende an seinem mahl geltenNachtrag: Das volk trat durch den schmaus in gemeinschaft mit dem heiligen opfer. vgl. 1. Cor. 10, 18 βλέπετε τὸν ’Ισραὴλ κατὰ σάρκα, ουχὶ οι εσθίοντες τὰς θυσίας κοινωνοὶ του̃ θυσιαστηρίου εισί: (s. 34).. den königen bei großen opfern war es geboten von allen speisen zu kosten, und das abergläubische volk stellt noch spät den hausgeistern und zwergen ihren theil beiseits. Quadraginta rustici a Langobardis capti carnes immolatitias comedere compellebantur. Greg. M. dial. 3, 27, das heißt weiter nichts, als daß die heidnischen Langobarden den gefangnen Christen gestatteten oder zumuteten, an ihrem opfermahl theil zu nehmen. dieser immolatitiae carnes und hostiae immolatitiae, quas stulti homines juxta ecclesias ritu pagano faciunt, geschieht auch in Bonifacii epist. 25 und 55 (ed. Würdtw.) meldung.

In der ältesten zeit scheinen vornemlich pferde geopfert worden zu sein, ohne zweifel aß man ihr fleisch allgemein vor einführung des christenthums.Nachtrag: Über pferdeopfer s. 553 und dessen ursprung s. Bopp gl. 24a. asvamêdha. vgl. Feifalik über die Königinh. handschr. s. 103. der Helena freier läßt Tyndareus am geopferten pferde schwören und es hernach vergraben. Paus. III. 20, 9. dem Helios werden pferde geopfert von Griechen Paus. III. 20, 5. Ovid. fast. 1, 385, wie die Massageten der sonne pferde schlachteten. Herod. 1, 216. in den Strymon werden weiße pferde geschlachtet. Herod. 7, 113. illi (Moesi) statim ante aciem immolato equo concepere votum, ut caesorum extis ducum et litarent et vescerentur. Florus 116, 21. könnte sich aíhvatundi βάτος auf pferdeopfer beziehen und wurde das pferd mit dörnern verbrannt oder wurde mit diesem strauch feuer zum opfer gerieben? neubekehrten blieb nichts anstößiger an den Heiden, als daß diese dem pferdeschlachten (hrossaslâtr) und dem genuß des pferdefleisches nicht entsagten. vgl. Nialss. cap. 106. christliche Normänner schimpften die Schweden hrossæturnar (fornm. sög. 2, 309. Fagrsk. s. 63). könig Hâkon, den seine unterthanen des christenthums verdächtigten, wurde aufgefordert, at hann skyldi eta hrossaslâtr. saga Hâk. gôda cap. 18. Schon Tac. ann. 13, 57 meldet, daß die Hermunduren die pferde der besiegten Catten opferten. Den Thüringern wurde noch zur zeit des Bonifacius verbot des pferdefleisches eingeschärft (epist Bonif. ed. Würdtw. 25. 87. Serr. 121. 142)inter cetera agrestem caballum aliquantos comedere adjunxisti, plerosque et domesticum. hoc nequaquam fieri deinceps sinas. und: inprimis de volatilibus, id est graculis et corniculis atque ciconiis, quae omnino cavendae sunt ab esu Christianorum. etiam et fibri et lepores et equi silvatici multo amplius vitandi. Hieronymus adv. Jov. lib. 2. (ed. basil. 1553. 2, 75): Sarmatae, Quadi, Vandali et innumerabiles aliae gentes equorum et vulpium carnibus delectantur. Otto frising. 6, 10: audiat, quod Pecenati (die wilden Peschenære. Nib. 1280, 2) et hi qui Falones vocantur (die Valwen. Nib. 1279, 2. Tit. 4097), crudis et immundis carnibus, utpote equinis et catinis usque hodie vescuntur. Rol. 98, 20 von den Heiden: sie ezzent diu ros. Auch den hexen wird pferdefleisch essen zur last gelegtNachtrag: Pferdefleisch essen hexen (s. 877) und riesen. Müllenh. s. 444. pferdefüllen essen. Ettner unw. doctor. 338–40. der wilde jäger wirft pferdekeulen herab. Schwartz s. 11. aus dem genuß des pferdefleisches leitet man den ursprung des weichselzopfs. Cichocki s. 7... den alamannischen brauch bezeugt Agathias: ίππους τε καὶ βόας, καὶ άλλα άττα μυρία καρατομου̃ντες απιθειάζουσι (ed. bonn. 28, 5). nicht übersehen werden darf hier das abschneiden des haupts, das nicht mit verzehrt, sondern vorzugsweise dem gott geheiligt wird. Wenn Caecina, als er sich dem schauplatz der varischen niederlage nahte, auf baumstämmen pferdehäupter befestigt erblickte (equorum artus, simul truncis arborum antefixa ora. Tac. ann. 1, 61), so waren diese keine andere als die römischen pferde, welche die Deutschen in der schlacht erbeutet und ihren göttern dargebracht hattenauch in jener stelle vom Mars bei Jornandes: huic truncis suspendebantur exuviae.Nachtrag: Man kann die ora der (s. 38) angeführten stelle aus Tac. ann. auch auf menschenhäupter beziehen, jedoch vgl. 549. überhaupt bleibt zu untersuchen, in wie fern den göttern die leiber, rosse und waffen der besiegten feinde dargebracht wurden. das erbeutete wîcgeserwe darbringen (Diemer 179, 27) scheint biblisch. dem Mars werden schilde und schwerter geopfert. Ksrchr. 3730. die Serben weihten ihnen waffen der erschlagenen feinde. Vuk Kralodw. 88.. 39 ein solches immolati diis equi abscissum caput kommt bei Saxo gr. p. 75 vor; im Norden errichtete man damit die zauberkraft wirkende neidstange (Egilss. p. 389). in einem hessischen kindermärchen (n° 89) lebt unverstandene erinnerung an die wunderbare bedeutung eines aufgehängten pferdehauptesGregor M. (epist. 7, 5.) ermahnt Brunichilden, bei den Franken zu verhindern: ut de animalium capitibus sacrificia sacrilega non exhibeant.. Über die nordischheidnischen pferdeopfer sind aber noch besonders wichtige nachrichten vorhanden. In Olafs des heiligen sage cap. 113. (ed. holm. 2, 181) heißt es: þat fylgđi ok þeirri sögn, at þar væri drepit naut ok hross til ârbôtar. eines andern gedenkt ganz am schluß der Hervararsaga ein zusatz, das die vom christenthum abtrünnigen Schweden bei der wahl könig Sveins (zweite hälfte des 11 jh.) brachten: var þâ framleidt hross eitt â þîngit ok höggvit î sundr, ok skipt til âts, en rioþuđu blôđinu blôttrê; köstuđu þâ allir Svîar kristni ok hôfust blôt (fornald. sög. 1, 512). Dietmars von Merseburg beschreibung des großen nordischen, eigentlich dänischen opferbrauchs, der aber schon hundert jahre vor ihm erloschen war, enthält offenbar sagenhaft übertriebene und entstellte umstände; er erzählt 1, 9: sed quia ego de hostiis (Northmannorum) mira audivi, haec indiscussa praeterire nolo. est unus in his partibus locus, caput istius regni, Lederun nomine in pago qui SelonSêlon für Sêlond, altn. Sælundr, woraus nachher Sioland, Seeland wurde; Lêderûn der sächs. dat. von Lêdera, altn. Hleiđra, später Lethra, Leire, vgl. goth. hleiþra (tabernaculum). dicitur, ubi post novem annos mense Januario, post hoc tempus, quo nos theophaniam domini celebramus, omnes convenerunt, et ibi diis suismet LXXXX et IX homines, et totidem equos, cum canibus et gallis pro accipitribus oblatis, immolant, pro certo, ut praedixi, putantes, hos eisdem erga inferos servituros, et commissa crimina apud eosdem placaturos. quam bene rex noster (Heinrich I. a. 931) fecit, qui eos a tam execrando ritu prohibuit. Neunjährig wiederkehrende große festopfer, die eine beträchtliche zahl von thieren kosteten, haben nichts unglaubliches. so gut der name hekatombe blieb, wenn viel weniger thiere dargebracht wurden, darf auch hier die sage sich an die feierliche zahl halten; den greuel des menschenopfers fügte sie vielleicht ganz hinzu. offenbar stimmt aber nicht der angegebene grund des thieropfers: er vermischt was bei leichbestattungenmit Sigurđr werden dienstleute und hahichte verbrannt Sæm. 225b; sonst auch pferde und hunde, vgl. RA. 344. Asvitus morbo consumptus cum cane et equo terreno mandatur antro. Saxo gramm. p. 91, mit der falschen deutung, als zehre der todte davon: nec contentus equi vel canis esu. p. 92. und zur sühne geschah. nur den leichen edler, reicher männer, damit sie sich ihrer jenseits bedienen könnten, folgten unfreie, und haus und jagdthiere in den tod. wären 99 menschen, wir wollen annehmen kriegsgefangene, den göttern geopfert worden, so können die angegebnen thiere weder den feinden zum 40 geleit, noch den göttern selbst bestimmt gewesen sein, denen man niemals pferde oder jagdthiere in der meinung weihte oder schlachtete, daß sie davon gebrauch machen sollten. beziehe sich also das zweideutige eisdem auf homines oder diis (wie hernach eosdem nur auf letztere geht), immer scheint etwas unpassendes behauptet. ich glaube daß an den neujahrfesten von allen genannten opfern nur die der rosse fielen; menschen, hunde, hähne hat die sage hinzugethanpro accipitribus heißt: in ermanglung der habichte wurden hähne genommen. einige haben es so angesehen, als seien hunde und hähne vergötterten raubvögeln dargebracht worden. aber das pro läßt sich nicht misverstehen.. wie sich zu Dietmars die erzählung Adams von dem upsalischen opfer verhalte, soll s. 43 erwogen werden.

Unter allen thieropfern war das des pferds das vornehmste und feierlichste. Unsere vorfahren haben es mit mehreren slavischen und finnischen völkern gemein, mit Persern und Indern. ihnen sämmtlich galt das pferd für ein besonders heiliges thiervgl. Bopps Nalas und Damajanti s. 42. 268. Dem Apollo brachten die Hyperboreer eselopfer (Pindar Pyth. 10. Callimach. fr. 187. Anton. Liberal. metam. 20) und auch in Delphi geschah es (Böckh corp. inscr. I, 807. 809). noch ein neugriech. gedicht (γαδάρου, λύκου καὶ αλουπου̃ς διήγησις v. 429–434) mag ein solches opfer meinen; Hageks böhm. chron. p. 62 enthält ein slavisches beispiel. ich ziehe darauf daß die Schlesier eselfresser genannt werden (zeitvertreiber 1668 p. 153) und wenn den Göttingern derselbe beiname zusteht, so dürfen auch in Deutschland diese volksscherze sehr alt seinNachtrag: Die Slaven brachten eselopfer. Büsching 101. 102. Cosmas redet von der zerstückelung eines esels. s. Vuks vorr. zu Kralodw. s. 9. eselfresser. Rochholz 2, 267. 271. die von Oudenaerde in Flandern heißen kickefreters (küchlein, hünerfresser). belg. mus. 5, 440...

Rinder geopfertNachtrag: Bei den Griechen und Römern war das rinderopfer sehr beliebt. τοὶ δ'επὶ θινὶ θαλάσσης ιερὰ ρέζον ταύρους παμμέλανας ενοσίχθονι κυανοχαίτη. Od. 3, 5 und zwar je neun stiere vor jedem der neun sitze. a. o. 3, 7. dem Poseidon werden zwölf stiere geopfert. Od. 13, 182. (der Athene) ρέζω βου̃ν η̃νιν ευρυμέτωπον αδμήτην, ὴν ούπω υπὸ ζυγὸν ήγαγεν ανήρ. τὴν τοι εγὼ ρέζω, χρυσὸν κέρασιν περιχεύας. Od. 3, 382 vgl. 426. 437. auratis cornibus hostiae immolatae. Plin. 33. 3, 12. Perseus opfert auf drei altären ochsen, kuh, kalb. Ovid. met. 4 , 755. bovem album Marti immolare et centum fulvos. Plin. 22, 5. niveos tauros immolare. Arnob. 2, 68. Beim holmgang tödtet der sieger den opferstier. Egilss. 506. 508. rauđ hann î nŷju nauta blôđi. Saem. 114«. der weise vogel verlangt hof, hörga marga ok gullhyrndar kŷr. Sæm. 141b. gotteskühe kennt man noch jetzt in Schweden. heißt das soviel wie opferkühe oder priesterabgabe? julkuse ist ein brot in kalbsgestalt. Cavallius voc. verl. 28b. 37b. ein opferkalb wird erwähnt in Kellers altd. erz. s. 547. auf stieropfer scheint auch der name farrenberg, bublemons zurückzuweisen. Mones anz. 6, 236. 237. kalb und kuh werden der seuche dargebracht (s. 506). ein schwarzes rind mit weißen füßen und weißer blässe wird geopfert. Sommer s. 150, vgl. das kuhhaupt. Wolfs märch. no. 222. auch eine rothe kuh (kravicu buinu). Königsh. hs. s. 100. vgl. rôte kalbela âne mâl. Griesh. 2, 118 (nach 4 Mos. 19, 2). diu rôten rinder. fundgr. 2, 152. Mone anz. 6, 237 bemerkt nicht uneben, daß ackerbauende völker mehr zu stieropfern, kriegerische zu pferdeopfern geneigten. über nachklänge alter stieropfer s. GDS. 128. 129. 32.. jene stelle des Agathias bezeugt den alamannischen brauch, die aus der Olafssaga den nordischen. ein brief an Bonifacius (ep. 82. Würdtw.) erwähnt gottloser priester: qui tauros et hircos diis paganorum immolabant. Von den Angeln versichert ein brief des Gregorius M. ad Mellitum (epist. 10, 76 und in Bedas hist. eccl. 1, 30): boves solent in sacrificio daemonum multos occidere. Der schwarze ochs, die schwarze kuh, die nicht ins haus geschlachtet werden sollen (abergl. 887), sind es heilige opferthiere? Val. Suplit, ein freibauer an der samländischen küste, opferte einen schwarzen bullen mit seltsamen gebräuchenBerlin. monatschr. 1802. 8, 225 vgl. Lucas David 1, 118-122.. Ich setze noch einige nordische beispiele her. als in Schweden unter könig Dômaldi hungersnoth entsprungen war, þâ eflđo Sviar blôt stôr at Uppsölum, it fyrsta haust blôtuđu þeir yxnum, bei der unzulänglichkeit des opfers wurde stufenweise zu höheren arten aufgestiegen. Yngl. saga c. 18. þâ gekk hann til hofs Freyss, ok leiddi þagat uxa gamlan ok mælti svâ ›Freyr nù gef ek þer uxa þenna‹. en uxanum brâ sva viđ, at hann qvađ vid ok fêll niđr dauđr. Islend. sög. 2, 348. vgl. Vigaglumssaga cap. 9. Bei feierlichem zweikampf opferte der sieger einen stier mit den waffen, die eben den gegner erlegt hatten: þâ var leiddr fram grâdûngr mikill ok gamall, var þat kallat blôtnaut, þat skyldi sâ höggva er sigr hefđi. Egilssaga p. 506. vgl. Kormakss. p. 214. 218. Kühe geopfert. Sæm. 141. fornm. sög. 2, 138. 41 Die griech. εκατόμβη (wie der name zeigt, stierhundert) bestand ursprünglich aus einer grossen zahl rinder, bald auch anderer thiere. auch indische hundertopfer gab es. Holzmann 3, 193.in mehreren gegenden Deutschlands und Frankreichs pflegen zu bestimmter jahrszeit die schlächter einen mit blumen und bändern geschmückten mastochsen, unter dem geleite von trommeln und pfeifen durch die straßen zu führen und trinkgeld einzusammeln. in Holland nennen sie die ochsen belder und hängen ihm vergoldete äpfel an die hörner, voraus geht ein schlächter mit dem beil. das alles scheint überbleibsel einer alten opferfeier.

Eber, ferkelNachtrag: Dem majalis sacrivus entspricht in den welschen gesetzen die sus coenalis, quae servatur ad coenam regis. Leo malb. gl. 1, 83 ff. Varro meint: ab suillo genere pecoris immolandi initium primum sumtum videtur. r. rust. 2, 4. porci duo menses a mamma non dijunguntur. porci sacres, puri ad sacrificium ut immolentur. porci lactentes, sacres, delici, nefrendes. a. o. 2, 4. (Claudius) cum regibus foedus in foro icit, porca caesa, ac vetere fecialium praefatione adhibita. Sueton. cap. 25. Duo victimae porcinae. Seibertz no. 30 (1074). ein frischling für fünf schilling soll an einer seule gebunden stehen. Krotzenb. w. a. 1415 (weisth. 3, 513). der grasfrischling im urbar. august. a. 1316 scheint ein schaf zu bedeuten. MB. 34b 365 ff. frischig, frischling verschnittener widder. Stald. 1, 399. opferen als einen friskinc. Mos. 19, 8. ein friskinc (widder) dâ bî gie. Diemer 19, 19. mit friscing als recens natus vgl. σφαγαὶ νεοθήλου βοτου̃ in Aesch. Eumen. 428. Der könig Heiđrekr läßt einen göltr aufziehen, den zwölf richter hüten sollen. Hervar. saga c. 14. (fornald. sög. 1, 463). vgl. den giafgoltr. norweg. ges. 2, 127.. im salischen gesetz tit. 2 wird auf den majalis sacrivus oder votivus höhere composition als auf jeden andern gelegt, das scheint überbleibsel von alten opfern der heidnischen Franken; warum hieße es sonst sacrivus? zwar 700 von 600 den. (17 von 15 sol.) stehen nicht bedeutend ab, allein solcher zu heiligem gebrauch ersehnen thiere muß es im heidenthum eine menge gegeben haben, so daß das einzelne in keinem hohen werth zu sein brauchte. vermuthlich wurden sie gleich nach der geburt ausgesucht, gezeichnet und bis zur opferzeit mit den übrigen auferzogen. In fränkischen und alamannischen urkunden erscheint oft der ausdruck friscing, meist für porcellus, doch auch für agnus, einigemal mit der näheren bestimmung porcinus und agninus; das wort selbst mag ursprünglich aussagen recens natus (frisch geboren)Ducange s. v. Eccard Fr. or. 2, 677. Dorows denkm. I, 2, 55. Lacomblet 1, 327. Graff 3, 833. Schmeller wb. 1, 619., heute lebt es nur im sinn von porcellus fort (frischling). Wie wäre nun erklärbar, daß dieses ahd. friscing geradezu bei einigen schriftstellern das lat. hostia, victima, holocaustum übersetzt (N. Cap. 8. ps. 15, 4. 26, 6. 33, 1. 39, 8. 41, 10. 43, 12. 22. 50, 21. 115, 17; ôsterfriscing. ps. 20, 3. lamp unkawemmit kakepan erdu friscing. hymn. 7, 10) als aus der erinnerung des heidenthums? das jüdische pascha kann es nicht verursacht haben, schon weil der begrif von porcellus vorherrschte. Im Norden war der dem Freyr gebrachte sühneber, sônargöltr, ein feierliches opfer, und bis auf jüngere zeiten hat Schweden den gebrauch forterhalten, alle julabende brot oder kuchen in ebergestalt zu verbacken. dieser güldenborstige eber läßt sich auch im innern Deutschland aufspüren. Wer am Christabend bis zum abendessen sich der speise ganz enthält, bekommt nach dem thüringischen volksglaubenGutgesells beitr. zur gesch. des deutschen alterth. Meiningen 1834 s. 138. ein goldnes junges ferkel zu gesicht (d. h. es wurde vor alters zuletzt beim abendschmaus aufgetragen). Ein Lauterbacher weisthum von 1589 (3, 369) verordnete, daß zu einem auf dreikönigstag, also in der julzeit, gehaltnen gericht die hübner ein reines, schon bei der milch vergelztes (noch säugend verschnittnes) goldferch liefern sollten: es wurde rund durch die bänke geführt, und ohne zweifel hernach geschlachtetder stelle aus dem Lauterbacher w. kann ich jetzt noch eine andere aus dem Vinkbucher, in alamannischer gegend, zur seite setzen. es heißt 1, 436, der schultheiß solle in dem kloster ein schwein 7 schilling pfennig werth auslesen und sobald die ernte angeht auf den klosterhof lassen, wo man ihm gütlich kost und freien zutritt zum korn gewähren müsse. da bleibe es bis zum donnerstag nach sanct Adolf, wo es geschlachtet, und halb dem meier, halb der gemeinde ausgetheilt werde. auf denselben tag empfängt die gemeinde auch herrenbrot und käse. der preis von sieben schillingen entspricht den im Lauterbacher w. bestimmten achthalben und ist ein sehr hoher, den gewöhnlichen werth übersteigender (vgl. Gött. anz. 1827 s. 336. 337.); es war ein in den weisthümern lange fortgeführter und oft gebrauchter ansatz, der sich für ein ausgewähltes opferthier ziemte. das Lauterbacher goldferch wird gleich dem Vinkbucher ausgetheilt und in feierlichem mahl verzehrt; das ganze gericht führt davon seinen namen (3, 370). zu Vinkbuch hat man bloß den heidnischen ausdruck vergessen oder verschwiegen: sicher gab es noch in andern deutschen gegenden solche gerichtsmahle. der heil. Adolf war bischof zu Straßburg und sein tag fällt auf den 29. oder 30. august (Conr. v. Dankr. namenb. s. 117), das gericht also in den anfang sept. In den haushalt pflegt man schweine bei eingehendem winter, im nov. oder dec. zu schlachten, und wenn diese beiden wechselweise schlachtmonat heißen, durfte auch darin bezug auf heidnische opfer fortdauern, zumal ein ags. name des nov. blôtmônađ lautet. der gemeine mann stellt bei diesem schlachten ein gastmahl an und sendet fleisch und würste seinen nachbarn (vgl. mäuchli Stalder 2, 525), was von der alten opfergemeinschaft und fleischvertheilung übrig sein mag. Merkwürdig ist, daß auch in Serbien an dem feierlich brennenden badnjak, der völlig dem weihnachtsklotz oder julklotz (s. cap. XX. feuer) gleicht, ein ganzes schwein, oft daneben noch ein spanferkel gebraten wird. Vuks Montenegro s. 103. 104.. so wurde aus dem opferschwein bei den 42 Welschen ein zum königsschmaus bestimmtes. Es ist das svîn ealgylden, eofor îrenheard der Angelsachsen und von seinen genauen bezügen auf den Frôhocultus wird im verfolg näher zu handeln sein. Die Griechen pflegten schweine der Demeter zu opfern, welche als Nerthus dem Niörđr, Freyr und der Freyja sehr nahe steht.

WidderopferNachtrag: ’Άρνα μέλαιναν εξενέγκατε. Aristoph. ran. 847. man opferte einen widder und schlief auf dessen haut. Paus. III. 34, 3. der Juno brachte man ziegenopfer: αιγοφάγος ‛Ήρη . Paus. III. 15, 7. nunc et in umbrosis Fauno decet immolare lucis seu poscet agno sive malit haedo. Hor. I. 4, 12 vgl. bidental zu s. 145. einen schwarzen bock mit weißen füßen und weißer blässe schlachtet ein neunjähriger knabe über dem schatz und besprengt sich mit dessen blute. Sommer sagen s. 140. ein bock mit goldnen hörnern wird geopfert a. o. s. 150. 151. 179. ›diu ôsterwîche get über dehein geiz‹ sagt Helbl. 8, 299. heißt es, daß bloß lämmer, nicht geiße ostern gegessen werden? dem teufel wird ein schwarzes schaf gebracht. Firmenich 1, 206b. dem zwerg der Baumannshöle wird ein schaf geopfert. Gödeke 2, 240. die bocksheiligung bei den alten Preußen beschreibt Simon Grunau (im j. 1526) bei Nesselmann s. X und Lasicz s. 54. vgl. Tettau und Temme s. 261. auf Thomastag wird unter sonderbaren gebräuchen in Estland ein ziegenbock geschlachtet s. Possart s. 172.. wie aus friscing die bedeutung victima hervorgieng, scheint umgekehrt ein name des thieropfers, goth. sáuþs, den altn. des thiers sauđr (hammel) veranlaßt zu haben. diese art von opfer war also nicht selten, so wenig ihrer im einzelnen gedacht wird, vermutlich als eines geringen opfers. Nur die saga Hâkonar gôda cap. 16 berichtet: þar var oc drepinn allskonar smali ok sva hross. smali bedeutet hauptsächlich schafe (μη̃λα), auch allgemeiner das kleine vieh der heerde, gegenüber den rindern und pferden, und weil hier allskonar (omnis generis) beigefügt wird, scheinen böcke mitbegriffen. Geopferter böcke gedenkt die vorhin angeführte epist. Bonif. 82. Nach schwedischem aberglauben muß dem wassergeist, wer harfenspiel von ihm erlernen will, ein schwarzes lamm opfern (svenska folkv. 2, 128). Von ziegenopfern redet einmal Gregor der große, die Langobarden sollen, seiner ansicht nach dem teufel, d. i. einem ihrer götter caput caprae darbringen, hoc ei, per circuitum currentes, carmine nefando dedicantes. dial. 3, 28. vor diesem (aufgerichteten) haupt der ziege oder des bocks? neigte sich das volk. Bekannt ist unter den alten Preußen die bocksheiligung (Luc. David 1, 87. 98.) der slav. gott Triglav wird mit drei ziegenhäuptern vorgestellt 43 (Hankas zbjrka 23). hätte sich jenes langob. carmen nefandum aufbewahrt, es würde genauer von dem gebrauch zu urtheilen sein, als aus dem bericht des kirchenvaters, der ihn mit feindseligem auge betrachtete.

Anderer opferthiere werden wir nicht versichert, denn von Dietmars hunden, habichten, hähnen möchten fast nur die letzten zulässig seinNachtrag: Hundeopfer in Griechenland erwähnt Paus. III. 14, 9, über umbrische vgl. Aufr. und Kirchh. 2, 379. dem nickelmann wird alljährlich ein schwarzer hahn in die Bode geworfen. Haupt 5, 378. Samogiten opfern dem Kirnos hähne. Lasicz 47. das blut des von Esten geopferten hahns wird ins feuer gesprützt, federn, kopf, füße, eingeweide werden in die flamme geworfen, den übrigen hahn kochen und verzehren sie. estn. verh. 2, 39. σκύμνους παμμέλανας σκυλάκων τρισσους ιερεύσας. Orph. argon. 962. die leiber oder häute der opferthiere werden an bäumen aufgehängt s. 61. 62. 63. 541. in alta pinu votivi cornua cervi Ov. met. 12, 266. incipiam captare feras et reddere pinu cornua. Prop. III. 12, 19.. vielleicht auch sonst noch eßbares hausgevögel, gänse, hüner, tauben? die taube war ein jüdisches und christliches opferthier, hähne brachten die Griechen dem Aesculap, auch dem heil. Christoph pflegte man in Touraine für ein übel am finger einen weißen hahn zu opfern (Henri Estienne cap. 38, 6). Vom wild waren ohne zweifel nur eßbare thiere auch opferbar, hirsche, rehe, wildschweine, niemals bären, wölfe, füchse, denen selbst ein geisterhaftes wesen und gewisser cultus zukommt. Doch ließe sich annehmen, daß zur sühne, gleich menschen, uneßbare thiere dargebracht werden durften, so wie knechte, auch hunde und falken dem verbrannten leichnam des herrn folgten. Hier muß vor allem Adams von Bremen beschreibung 4, 27 des großen opfers zu Upsala zur seite gestellt werden jener nachricht von dem zu Hlethra (s. oben s. 39): solet quoque post novem annos communis omnium Sveoniae provinciarum solennitas celebrari, ad quam nulli praestatur immunitas; reges et populi, omnes et singuli sua dona ad Vbsolam transmittunt, et quod omni poena crudelius est, illi, qui jam induerunt christianitatem, ab illis ceremoniis se redimunt. sacrificium itaque tale est: ex omni animante quod masculinum est, novem capita offeruntur, quorum sanguine deos tales placari mos est. corpora autem suspenduntur in lucum, qui proximus est templo. is enim lucus tam sacer est gentilibus, ut singulae arbores ejus ex morte vel tabo immolatorum divinae credantur. ibi etiam canes, qui pendent cum hominibus, quorum corpora mixtim suspensa narravit mihi quidam Christianorum se septuaginta duo vidisse. ceterum naeniae, quae in eiusmodi ritibus libatoriis fieri solent, multiplices sunt et inhonestae, ideoque melius reticendae. Neunzahl herscht in diesem schwedischen opferfest gerade wie in dem dänischen, aber auch hier ist alles sagenmässig aufgefaßt. wiederum scheinen die opferhäupter das wesentliche, nicht anders als bei Franken und Langobarden, die hunde aber bestätigen jene hlethrischen hunde und habichte, auch die alte rechtssitte, neben missethätern wölfe oder hunde aufzuhängen (RA. 685. 686) kann dabei in betracht kommen. Daß hier von jedwedem lebendigen geschöpfe nur das männliche geschlecht opferbar ist, stimmt auffallend zu einer episode des Reinardus, der kein volles jahrhundert nach Adam gedichtet wurde, in seiner grundlage ihm gleichzeitig sein konnte. zur hochzeitsfeier eines königs sollten die männchen aller vierfüßigen thiere und vögel geschlachtet werden, hahn und gansert waren entflohen (Reinh. fuchs lxxiv). es scheint mir eine uralte opfersage, die noch im 11, 12 jh. verbreitet war, und wovon selbst ein kindermärchen 44 (n°. 27 die stadtmusikanten) etwas weißoder will man die stelle im Reinardus aus den worten der vulgata Matth. 22, 4: tauri mei et altilia occisa sunt, venite ad nuptias (was bloß die vorkehrung zum hochzeitsmahl schildert) ableiten? dabei fehlt gerade der bezug auf die mares.. Wenigstens scheinen im heidenthum vorzugsweise männliche thiere zum opfer gefordert zu werdenbei den Griechen wurden den göttern männliche, den göttinnen weibliche thiere dargebracht (Il. 3, 103 dem Helios ein weißes männliches, der Erde ein schwarzes weibliches lamm). Die Litthauer opferten dem Zemiennik, ihrem erdengott, utriusque sexus domestica animalia. Haupts zeitschr. 1, 141.. Die tödtung eines von jeder gattung (das liegt nicht einmal in des Agathias καὶ άλλα άττα μυρία) würde ein so ungeheures opfer bilden, daß an keine wirkliche ausführung je zu denken gewesen wäre, es beruhte also nur in der volksüberlieferung. Nicht unähnlich ist übrigens, wenn nach dem Sachsen und Schwabenspiegel alle lebenden wesen, die bei einer notnunft waren, namentlich rinder, rosse, katzen, hunde, hüner, gänse, schweine und leute, außer dem eigentlichen missethäter (d. i. ursprünglich ihrem hausherrn) enthauptet werden solltenReyscher und Wilda zeitschr. für deutsches recht 5, 17, 18., oder wenn in der edda die eide aller thiere und pflanzen, und alle wesen zum weinen erfordert werden. Die von einem menschen abhängigen geschöpfe, seine hausthiere, haben bei leichenverbrennung, bei opfer und strafe mitzuleiden.

Nächst dem geschlecht war gewis auch an der farbe des thiers gelegen, und unter allen die weiße die günstigste. Von weißen rossen ist vielfach die rede (Tac. Germ. 10. weisth. 3, 301. 311. 831), schon bei den Persern (Herod. 1, 189). auch der opferfriscing war vermutlich fleckenlos weiß; noch in spätern rechtsdenkmälern ist unverletzbarkeit schneeweißer ferkel ausgesprochenRA. 261. 594. weisth. 3, 41. 46. 69. vgl. Virg. Aen. 8, 82 candida cum foetu concolor albo sus. trif apruf rufru ute peiu (tres apros rubros aut piceos) Aufrecht und Kirchh. umbr. sprachd. 2, 278. 279.. Die Votjaken opferten einen rothen, die Tscheremissen einen weißen hengst. Da bei alten viehbußen und zehnten des deutschen rechts oft fahle oder bunte farbe begehrt wurdeRA. 587. 667. weisth. 1, 498. 3, 430. weiße thiere sind den heidnischen göttern verhaßt. Tettau und Temme preuß. sag. 42., so könnte darin zusammenhang mit den opfern statt finden; auch zur zauberei waren thiere bestimmter färbung erforderlich. der wassergeist heischte ein schwarzes lamm und den huldren wird ein schwarzes lamm, eine schwarze katze gebracht. Asb. 1, 159. Saxo gr. p. 16 sagt: rem divinam facere furvis hostiis; heißt das schwarzes vieh opfern? Man kann sich denken, daß das vieh zum opfer bekränzt und geschmückt wurde. goldhörnige kühe verlangt eine stelle der edda Sæm. 141a und im mansfeldischen dorfe Fienstädt war ein kohlschwarzes rind mit weißer bläße und weißen füßen und ein 45 ziegenbock mit vergoldeten hörnern zur entrichtung auferlegtneue mitth. des thür. sächs. vereins V. 2, 131. vgl. Il. 10 , 292. Od. 3, 382

σοὶ δ'αυ̃ εγὼ ρέξω βου̃ν η̃νιν, ευρυμέτωπον,
αδμήτην, ὴν ούπω υπὸ ζυγὸν ήγαγεν ανήρ·
τήν τοι εγὼ ρέξω, χρυσὸν κέρασιν περιχεύας.

. Einiges deutet an, daß vor der opferung die thiere erst im kreise der volksversamlung herumgeleitet wurden, darauf beziehe ich jenes durch die bänke führen und per circuitum currere (s. 41, 42), vielleicht um ihnen, wie bei Griechen und Römern, den schein zu geben, daß sie freiwillig zu tode giengenoc eingu skyldi tortŷna hvarki fê ne mönnum, nema siâlft gengi î burt. Eyrb. saga p. 10.Nachtrag: Das herumführen der victima war bei allen arten des lustrationsopfers wesentlich. Aufr. u. Kirchh. umbr. spr. 2, 263. κήρυκες δ'ανὰ άστυ θεω̃ν ιερὴν εκατόμβην η̃γον. Od. 20, 276.. Wahrscheinlich war auch darauf zu achten, daß das opferthier vorher nicht zu menschlichem gebrauch gedient, z. b. das rind noch nicht im pflug oder wagen gezogen hatte. denn solche fohlen und rinder fordern unsere alten rechtsdenkmale zu feierlichem landerwerb oder todpflügen der marksteinfrevler.

Vom eigentlichen hergang des opfers enthalten fast nur die nordischen quellen nachricht. während das thier auf dem opferstein sein leben ließ, wurde alles herab rinnende blut (altn. hlaut) entweder in einer angebrachten grube, oder in gefäßen aufgefangen. mit dem opferblut bestrich man die heiligen tische und geräthe und besprengte die theilnehmersaga Hâkonar gođa cap. 16. Eyrbyggiasaga p. 10. rauđ hörgin. fornald. sög. 1, 413. stalla lâta riođa blôđi. das. 454. 527. Sæm. 114b . riođuđu blôđinu blôttrê. fornald. sög. 1, 512. das griech. αι̃μα τω̃ βωμω̃ περιχέειν, vgl. Moses 2, 24, 8.. Wahrscheinlich geschahen auch weissagungen aus dem blut, vielleicht wurde ein theil davon unter bier oder meth gemischt und getrunken. Im Norden scheinen die blutgefäße (hlautbollar, blôtbollar) nicht groß zu sein; anderswo gab es eigne, große kesselNachtrag: Auf kleine opfergefäße, die von den festtheilnehmern mitgebracht werden, deutet die Hak. goda saga c. 16. vgl. ›ask ne eski‹. ebendas. ein opferaltar mit großem kessel ist in einem meklenburgischen grabhügel bei Peccatel gefunden. Lisch 11, 369. 370. über den cimbrischen opferkessel bei Strabo vgl. Lisch 25, 218. aus der höhle bei Velmede wurde auf wunsch ein braukessel geliehen. Firmenich 1, 334b und der riesen alte kupferkessel wurden aufbewahrt. Faye. 9.. den Schweden machte Olafr Tryggvason den vorwurf, sie säßen daheim und leckten ihre opfernäpfe (at sitia heima ok sleikja blôtbolla sîna) fornm. sög. 2, 309. Eines opferkessels der Cimbern gedenkt Strabo 7, 2. έθος δέ τι τω̃ν Κίμβρων διηγου̃νται τοιου̃τον, ότι ται̃ς γυναιξὶν αυτω̃ν συστρατευούσαις, παρηκολούθουν προμάντεις ιερείαι πολιότριχες, λευχείμονες, καρπασίνας εφαπτίδας επιπεπορπημέναι, ζω̃σμα χαλκου̃ν έχουσαι, γυμνόποδες· τοι̃ς ου̃ν αιχμαλώτοις διὰ του̃ στρατοπέδου συνήντων ξιφύρεις· καταστέψασαι δ'αυτοὺς η̃γον επὶ κρατη̃ρα χαλκου̃ν, όσον αμφορέων είκοσι· ει̃χον δὲ αναβάθραν, ὴν αναβα̃σα (η μάντις) υμερπετὴς του̃ λέβητος ελαιμοτόμει έκαστον μετεωρισθέντα· εκ δὲ του̃ προχεομένου αίματος εις τὸν κρατη̃ρα,μαντείαν τινὰ εποιου̃ντο. Eines der Sueven die vita S. Columbani: sunt etenim inibi vicinae nationes Suevorum; quo cum moraretur et inter habitatores illius loci progrederetur, reperit eos sacrificium profanum litare velle, vasque magnum, quod vulgo cupam vocant, quod viginti et sex modios amplius minusve capiebat, cerevisia plenum in medio habebant positum. ad quod vir 46 dei accessit et sciscitatur, quid de illo tieri vellent? illi ajunt: deo suo Wodano, quem Mercurium vocant alii, se velle litare. Jonas bobbiensis vita Columb. (aus der ersten hälfte des 7 jh. Mabillon ann. Bened. 2, 26). hier wird ausdrücklich gesagt, daß der opferkessel mit bier gefüllt, nicht aber, daß blut eines geschlachteten thiers darunter gemengt war; es könnte, wenn die erzählung nicht unvollständig ist, ein bloßes trankopfer gemeint sein.

Gewöhnlich dienten die kessel zum kochen (d. h. sieden) des opferfleisches; nie wurde es gebraten. ebenso beschreibt Herodot 4, 61 ein kochen (έψειν) des opfers in dem großen kessel der Scythen. von diesem sieden, wie ich vermutet habe, hieß der widder sáuþs, und die theilnehmer am opfer suđnautar (sudgenossen) Gutalag s. 108; das kochen, die kessel und töpfe der späteren hexen mögen damit zusammenhängenauch den trolden legt die norwegische sage bei Faye 11 einen kupferkessel bei, die Christen erzählten lange von einem Saturni dolium und von einem grossen kessel in der hölle (chaudiere. Méon 3, 284, 285).. Die austheilung der stücke unter das volk besorgte wahrscheinlich ein priester; an großen festtagen wurde die mahlzeitman speiste auch die kraftbrühe von dem gesottenen und das obenschwimmende fett. die Heiden bieten ihrem könig, der das fleisch ausschlägt, an, drecka sođit und eta flotit, saga Hâkonar gôđa cap. 18. vgl. fornm. sög. 10, 381. gleich in der versamlung gehalten, bei andern gelegenheiten durfte sich wol jeder sein theil mit nach haus nehmen. Daß priester und volk die speise genossen geht aus vielen stellen hervor vgl. oben s. 38. in die capitularien 7, 405 ist aufgenommen was in den epist. Bonifacii cap. 25 (a. 732) von dem presbyter Jovi mactans et immolatitias carnes vescens gesagt wird, nur heißt es dort: diis mactanti et immolatitiis carnibus vescenti. Vermutlich war es einzelnen gestattet, den göttern bei besonderem anlaß kleine gaben darzubringen, und einen theil davon zu verzehren; das nannten die Christen: more gentilium offerre et ad honorem daemonum comedere. capit. de part. Sax. 20. Wahrscheinlich auch wurden den göttern gewisse edlere stücke des thiers überwiesen, haupt, leber, herz, zungeγλω̃σσα καὶ κοιλία ιερείου διαπεπραγμένου. Plutarch im Phocion 1; γλώσσας τάμνειν und εν πυρὶ βάλλειν. Od. 3, 332. 341. vgl. de linguae usu in sacrificiis Nitzsch ad Hom. Odyss. 1, 207. in den volkssagen allenthalben, daß von einem zu tödtenden menschen oder thier zunge oder herz zum wahrzeichen überbracht werden sollen, gleichsam als vornehmste theile.. haupt und fell des erlegten wilds pflegten ihnen an bäume aufgehängt zu werdenNachtrag: Auf alte opfer weisen zurück die trinkgelage bei öffentlichen gerichten und nach dem grenzumritt. das opferfleisch wurde gesotten, nicht gebraten, doch ist beim Bacchusfeste von braten und sieden die rede. troj. kr. 16201. 16299. für die austheilung unter das volk fand eine zerstückelung des opferthieres statt, des esels (s. 39), der gädda in 8 theile. sv. folks. 1, 90. 94, des Osiris in 14 theile. Bunsen 1, 508. dem Thorbild im Guđbrandsdalr werden täglich vier laibe brot und slâtr (schlachtfleisch) vorgelegt. fornm. sög. 4, 245. 246. vgl. Olafsaga ed. Christ. s. 26. brei und fische opfert man der Percht an ihrem feste (s. 220) und den seelen speis und trank (s. 761). auf dem brownies stone wird jeden sonntag die milch einer kuh geopfert. Hones yearb. 1532..

Reine brennopfer, wobei das thier auf dem holzstoß in asche verwandelt wurde, scheinen ungebräuchlich. das goth. allbrunsts übersetzt Marc. 12, 33 nur das gr. ολοκαύτωμα, ebenso steht albrandopher N. ps. 64, 2, und das ags. brynegield onhreáđ rommes blôde soll Cædm. 175, 6. 177, 18 ganz ein brandopfer im jüdischen sinn ausdrückenpaliti obiet, opfer anzünden. königinh. hs. 98..

47 Auch keine rauchopfer galten; der Christen süßer weihrauch war den Heiden etwas neues. Ulphilas behält das gr. thymiama bei Luc. 1, 10. 11; unser weihrauch, alts. wîrôc Hel. 3, 22, das altn. reykelsi, dän. rögelse sind nach christlichem begrif gebildetNachtrag: Das rauchopfer ist schon den Heiden bekannt. den göttern brachte man weihrauch und knochen. Athen. 2, 73. thus et merum. Arnobius 7, 26 ff. ir. tusga, usga ags. stôr thus, stêran thurificare. Haupts zeitschr. 9, 513b. an jedem altar opfert man ›eine risten flahses, ein wahskerzelîn und wîrouches korn‹. Diut. 1, 384. auch bloße lichtopfer mag es gegeben haben. dem teufel und den flußgeistern werden lichter angezündet (s. 484. 844). christlichen heiligen gelobt man in der noth eine kerze so groß wie der leib, dann wie der schenkel, zuletzt wie der finger. walach. märch. s. 288. vgl. Helena (in templo) sacravit calicem ex electro mammae suae mensura. Plin. 33. 4, 23. schifbrüchige geloben ihnen eine kerze von der grösse des mastes. hist. d. l. bastille 4, 315. ähnlich schimpf und ernst cap. 403. statt dessen wird auch eine navicula cerea oder eine argentea anchora dargebracht. Pertz 6, 783. 784 oder ein wechsin haus gegen den brand. h. Ludwig 84, 19 oder der bau einer kapelle gelobt. auch schiffe und pflüge von silber werden geopfert (anm. 191. s. 219). GDS. 59. der zehnt der seebeute wird dargebracht (s. 191). Vgl. ενταυ̃θα τω̃ ναω̃ τριήρους ανάκειται χαλκου̃ν έμβολον. Paus. I. 40, 4. steine werden aufs grab getragen oder geworfen (oder auch baumzweige Klemm. 3, 294), so von pilgern auf Bremunds grab. Karlm. s. 138. und mit steinwurf wird geopfert. Wolf zeitschr. 2, 61, auch ein stein auf die herme gelegt. Preller 1, 250. um die herme liegt ein steinhaufe. Babr. 48. O. Müller archäol. § 66 meint, zugleich um den weg zu reinigen, seien solche ερμαι̃α haufen errichtet. Darius läßt auf seinem Skythenzuge am flusse Atiskus einen steinhaufen, von jedem soldaten einen stein, zusammentragen. Herod. 4, 92. jeder pilger muß einen stein zum bau der kirche herbeibringen. Matth. Koch reise s. 422. J. Barrington personal sketches of his own times. Lond. 1827. 1, 17. 18 erzählt von einem irischen brauch: By an ancient custom of every body throwing a stone on the spot, where any celebrated murder had been committed, upon a certain day, every year, it is wonderful, what mounds were raised in numerous places, which no person, but such as were familiar with the customs of the poor creatures would ever be able to account for. lappen werden an den heiligen baum gehängt. Fel. Faber 2, 410. 422. reis oder lappen wirft der vorbeigehende auf den stein. Dybeck 1845. s. 6. 4, 31. auch nålar das. 4, 35. der gemeine mann opfert noch pfenninge in den stein das. 3, 29 und wirft in quellen brot, geld, eierschalen das. 1844. 22. si het ir opfergoldes noch wol tûsent marc, si teilt ez sîner sêle, ir vil lieben man. Nib. 1221, 2 (s. 761)..

Das blutige thieropfer ist gesellschaftlicher, allgemeiner, die gesamtheit des volks oder die gemeinde pflegt es zu bringen, frucht oder blumen, milch oder honig darf jeder haushalt und selbst der einzelne mensch opfern. diese fruchtopfer sind daher einsamer, ärmlicher; die geschichte gedenkt ihrer kaum, aber in der volkssitte haben sie desto fester und länger gehaftetNachtrag: Die hirten bringen blutige opfer, die ackerleute ihre früchte dar. GDS. 20. 21. dem Wuotan bleiben ähren stehen (s. 128 ff). man läßt ein bündel flachs auf dem acker. Wolfs ndrl. sag. s. 269, dem holzfräulein flachshalme oder hüttchen von flachsstengeln stehen. Schönwerth 2, 360. 369. man macht den göttern garben von stro. Garg. 129b. halme und ähren brachten auch die Griechen dar. Callimachus 4, 283. hic placatus erat, seu quis libaverat uvam, seu dederat sanctae spicea serta comae. Tib. 1. 10, 21. in ermangelung von gerste wurde zartes eichenlaub geopfert. Od. 12, 357. die Inder hatten grasopfer. Kuhn rec. d. Rigv. s. 102, wie die pixies bündel gras oder nadel als opfergabe erhielten. der Artemis wurden erstlinge der früchte θαλύσια dargebracht. Il. 9, 534. alt ist auch das blumenopfer, das zu den 5 indischen opfern gehört: vedalesen, wassersprengen, butterverbrennen, reis und blumenstreuen, gastfreundschaft. Holtzmann 3, 123. skr. sêsa bedeutet reliquiae, flores qui deo vel idolo oblati sunt, deinde alicui traduntur. vgl. das blumenopfer der Sarasvati. Somadeva 1, 120. 121 und ›zum opfer weiht er dem gewölk vom kutadscha die schönsten blüten‹. Meghadûta 4. den göttern wurden auch in Griechenland blumen dargebracht. Theokr. epigr. 1. der Venus opfer besteht aus bluomen und vingerlîn. Ksrchr. 3746. in Deutschland umtanzte man das erste veilchen (s. 636). opferstein heißt unterm volk ein stein im wald eine stunde von Marburg, auf den die leute noch blumen und getreide legen. ein fels wird am ersten mai mit blumen umkränzt. Pröhle Unterharz no. 347. 263. wie man am ostertage in die höle unter dem Meisner mit blumen zieht, geht das landvolk auch in der Lippegegend an diesem tage in den holen stein. Firm. 1, 334 und denkt an Veleda, wie in Hessen an Holda. am ersten ostertage ziehen ferner die einwohner der dörfer Waake, landolfshausen und Mackenrode nach den Schweckhäuserbergen, wo ehmals ein götze stand. Harrys 1. no. 4..

Der ackermann läßt, wenn er sein korn schneidet, dem gott der es segnete einen haufen ähren stehen und schmückt sie mit bändern. noch jetzt bei der obsternte bleiben in Holstein auf jedem baum fünf oder sechs äpfel unberührt hängen, dann gedeiht die nächste ernte. merkwürdigere beispiele dieser gewohnheit werde ich erst im verfolg bei abhandlung der einzelnen gottheiten mittheilen. Wie aber hauptsächlich zahme und eßbare thiere, taugen auch fruchtbäume (frugiferae arbores. Tac. Germ. 10) und getraide zum opfer, und bei feierlicher übergabe von grundstücken dienen zweige mit blättern, äpfeln oder nüssen als wahrzeichen des geschäfts. Cains opfer umschreibt der mhd. dichter (fundgr. II, 25) in den worten: eine garb er nam, er wolte sie oppheren mit eheren joch mit agenen, diese formel drückt sowol den oberen theil, die spitze (arista), als die ganze ähre (spica) insgemein aus. Hierher gehört auch das bekränzen des götterbildes, eines heiligen baums, oder eines geopferten thiers mit laub oder blumen; in den nordischen sagen zeigt sich nicht die geringste spur davon, ebenso wenig in unsern ältesten überlieferungen. Aus der späteren zeit und fortlebenden volkssage kann ich einiges anführen. am himmelfahrtstage winden in mehr als einer gegend Deutschlands die mädchen kränze aus weißen und rothen blumen, und hängen sie in der stube oder im stall über dem vieh so lange auf, bis sie das nächste jahr durch frische ersetzt werdenBragur VI. 1, 126.. Im dorfe Questenberg am Harz bringen am dritten pfingsttage die bursche eine eiche auf den die ganze gegend beherschenden burgberg, und befestigen, sobald sie aufgerichtet steht einen großen kranz daran, der von baumzweigen geflochten ist und einem wagenrad gleicht. alles ruft: die queste (d. i. der kranz) hängt! und dann wird oben auf dem berge um den baum getanzt, baum und kranz aber jährlich erneuertOtmars volkssagen p. 128. 129. was über den ursprung der sitte erzählt wird scheint erdichtung.. Unweit dem hessischen berge Meisner steht eine hohe felsenwand, unter der sich eine höle öffnet, die den namen des holen steins führt. in diese höle tragen am zweiten ostertage jünglinge und mädchen der benachbarten dörfer blumensträuße 48 und schöpfen sich dann kühlendes wasser. ohne blumen mitzubringen wagt es niemand hinabzusteigenWigands archiv 6, 317.. Grundstücke einzelner hessischen dorfschaften haben jährlich einen strauß maiblumen zu zinsenWigands archiv 6, 318. Casselsches wochenbl. 1815 s. 928b.. In allen diesen beispielen, die sich durch manche ähnliche vermehren lassen werden, scheint heidniche gewohnheit auf christliche feste und abgaben überführtes wurden außer vieh und getraide einzelnen göttern und in besondern fällen andere kostbarkeiten dargebracht, wie noch in christlicher zeit z. b. seefahrer den kirchen ein silbernes schif als weihgeschenk gelobten, in schwed. volksl. offra en gryta af malm (gefäß aus metall) Arvidss. 2, 116; en gryta af blankaste malm (von silber) Ahlqvists Öland II 1, 214. auch kleidungsstücke, z. b. rothe schuhe..

Wie es uralter und verbreiteter brauch war, den hausgöttern bei festlicher mahlzeit einen theil der speise zurückzustellen und namentlich der Berhta und Hulda eine schüssel mit brei hingesetzt wurde, ließ man die götter auch den feierlichen trank mitgenießen. Aus dem gefäß pflegte der trinkende, eh er selbst genoß, etwas für den gott oder hausgeist hinzugießen, wie die Litthauer, wenn sie bier tranken, auch davon für Zemynele, ihre erdgöttin, auf den boden schüttetenin der deutschen sprache kenne ich keine technischen ausdrücke, wie das griech. σπένδω, λείβω, lat. libo für trankopferNachtrag: Λει̃βον δ'αθανάτοισι θεοι̃ς. Od. 2, 432. andere beispiele hat Passow s. v. λείβω. statt dessen οι̃νον έκχεον, ηδ' εύχοντο θεοι̃ς. Il. 3, 296. den göttern wird vor dem weintrinken auf die erde gegossen. Il. 7, 480. Skythen dagegen gießen den göttern keinen wein nach Lucians Toxar. 45, wie die germanischen helden minne tranken, ohne dabei auszugießen. GDS. 236. 237. poculis aureis memoriae defunctorum commilitonum vino mero libant. Apulejus metam libr. 4. p. m. 131... Hierher gehören norwegische sagen von Thor, der auf hochzeiten eingeladen erscheint und ungeheure biertonnen ansetzt und leert. Ich will nochmals auf jene erzählung des Jonas von der suevischen bierkufe zurückkommen und sie zur erklärung der heidnischen, im christenthum lange unausgerotteten gewohnheit des minnetrinkens verwenden. auch hier scheinen name und sitte allen deutschen volksstämmen gemein.

Den Gothen hieß man (pl. munum, præt. munda) ich denke, gaman (pl. gamunum, præt. gamunda) ich gedenke, erinnere mich. davon leitet sich das ahd. minna = minia amor, minnôn = miniôn amare, des geliebten gedenken. in altn. sprache giebt es sowol jenes man, munum, als auch minni memoria, minna recordari, die nebenbedeutung amor hat sich gar nicht entwickelt.

Einen abwesenden oder verstorbenen pflegte man zu ehren, indem man seiner bei versamlung und mahlzeit erwähnte, und auf sein andenken einen becher leerte, dieser becher, dieser trunk wurde altn. erfi dryckja, und wiederum minni genannt.

Bei festlichen opfern und gelagen ward des gottes, oder der götter gedacht und minni getrunken. minnis öl. Sæm. 119b (gegensatz zum ôminnisöl) minnis horn, minnis full. fôro minni mörg ok skyldi horn dreckia î minni hvert. um gôlf gânga at minnom öllum. Egilss. 206. 253. minniöl signođ âsom. Olafs helg. saga (ed. holm.) 113. signa ist segnen, weihen. signa full Odni, Thôr. Ođins full, Niarđar full, Freys full drecka. saga Hâkonar gôda cap. 16. 18. in der Herrauđssaga cap. 11 wird Thors, Odins und 49 Freyas minne getrunken. bei dem begräbnis eines königs wurde ein becher dargebracht, welcher Bragafull hieß, vor ihm erhob sich jeder, that ein feierliches gelübde und leerte ihn. Yngl. saga cap. 40; andere stellen lesen bragarfull Sæm. 146a fornald. sög. 1, 345. 417. 515. der becher hieß auch minnisveig. Sæm. 193b. Dieser sitte entsagte man nach der bekehrung nicht, sondern trank nun Christus, Marien und der heiligen minne, z. b. Krists minni, Michaêls minni. fornm. sög. 1, 162. 7, 148. Nach fornm. sög. 10, 178 verlangt der heil. Martinus von Olaf, daß statt Thors, Odins und der übrigen âsen sein minni angeführt werde.

Die andern stämme hatten ebensowenig davon abgelassen, und da wo unterdessen die bedeutung des ausdrucks minne verändert war, übersetzt man ihn auch in das lat. amor statt memoriain dem gedicht des 12. jh. von dem gelouben heißt es 1001 von der einsetzung des abendmals, dessen kelch den Christen auch ein gedächtnistrank sein sollte: den cof nam er mit dem wîne unde segente darinne ein vil guote minne. vgl. loving cup. Thoms anecd. 82.. merkwürdig schon bei Liutprand hist. 6, 7 (Muratori II. 1, 473). u. Liutpr. hist. Ott. 12. diaboli in amorem vinum bibere. Liutpr. antapod. 2, 70. amoris salutisque mei causa bibito. Liutpr. leg. 65. potas in amore beati Johannis praecursoris. hier ist also der täufer gemeint, nicht der evangelist; in des Fel. Faber evagat. 1, 148 aber bestimmt der letztere. bei Eckehard (casus s. Galli, Pertz 2, 84) amoreque, ut moris est, osculato et epoto, laetabundi discedunt; im Rudlieb 2, 162.

post poscit vinum, Gerdrudis amore, quod haustum
participat nos tres, postremo basia fingens,
quando vale dixit post nos gemit et benedixit;

im sogenannten liber occultus heißt es, nach der Münchner hs., bei darstellung eines raufhandels:

hujus ad edictum nullus plus percutit ictum,
sed per clamorem poscunt Gertrudis amorem;

im Peregrinus (einem lat. gedicht des 13 jh.) v. 335 (Leyser 2114):

et rogat, ut potent sanctae Gertrudis amore,
ut possent omni prosperitate frui.

Bei Ereks abschied: der wirt neig im an den fuoz, ze hand truog er im dô ze heiles gewinne sânt Gêrtrûde minne. Er. 4015; (der gewafnete kämpfer) trânc sant Johannes segen. Er. 8651; Hagene sagt, indem er Etzels kind erschlägt Nib. 1897, 3:

nu trinken wir die minne unde gelten sküneges wîn,
iz mac anders niht gesîn
wan trinkt und geltet Ezeln wîn.   Helbl. 6, 160. 14, 86.

wo auch gelten an die beim opfer entwickelte bedeutung gemahnt (vgl. Schm. 2, 40). si dô zucten di suert unde scancten eine minne. herz. Ernst in Hoffm. fundgr. 1, 230, 35. minne schenken. Berthold 276. 277; sant Johannis minne geben. Oswald 611. 1127. 1225Nachtrag: S. Johannes und s. Gertruden minne kommt noch viel häufiger vor. vgl. spätere beispiele bei Gödecke weim. jb. 6, 28. 29 und Scheller 2, 593. postea dominis amor sancti Johannis ministretur. MB. 35a, 138. dafür potum caritatis propinare. Lacombl. 487 (a. 1183). dar truoc man im sand Johanns minne. Ottoc. 838b. Johannes liebe, Johannes minnetrinken. weisth. 1, 562. 564. trag uns her sant Johans min! Keller erz. 32. si trinkent alsamt sant Hans min. Keller erz. 34. in Belgien sagte man: sinct Jans gelei ende sinct Gertrous minne sy met u! zu S. Gerdrut fleht man um gute herberge. Eschenburg denkm. s. 240. über die herberge der seele bei Gertrud vgl. s. 699. bei Wolkenstein s. 114 bedeutet minne sanct Johans den abschiedskuss. vgl. Johannes minne. Uhland s. 814 ff. Pauli schimpf und ernst 1550 cap. 456. beim scheiden sagt die frau: setz sant Johans ze bürgen mir, daz wir froelich und schier zuo einander komen. Ls. 3, 313. vgl. die scheidelkanne trinken. Lüntzel Hildsh. stiftsfehde s. 80. altn. heißt es: bad þâ drecka velfarar minni sitt. Egilss. s. 213. den leuten wird weihnachten Johans segen gegeben. weisth. 1, 241. 243. nicht nur von Liutpr. (Pertz 3, 363) wird der täufer (Johannes praecursor) gemeint, sondern auch im liede von Heriger: Johannes baptista pincerna. lat. ged. d. Ma. s. 336.. was später wol hieß: einen ehrenwein schenken, denn schon in der älteren sprache bezeichnete êra, êre höheren und geliebten wesen erwiesene verehrung. Im 50 mittelalter waren es also vorzugsweise zwei heilige, denen zu ehre minne getrunken wurde, Johannes (der evangelist) und Gerdrut. Johannes soll vergifteten wein ohne schaden getrunken haben, der ihm geheiligte trunk wiederum alle gefahr der vergiftung abwenden; Gerdrut verehrte den Johannes über alle heiligen und darum scheint ihr andenken dem seinigen hinzugefügt. Sie galt aber auch für eine friedensstifterin und im Latinarius metricus eines Andreas rector scholarum wird sie angerufen:

o pia Gerdrudis, quae pacis commoda cudis
bellaque concludis, nos caeli mergito ludis!

ein schreiber betete täglich zu ihr: daß sie ihm schueffe herberg guot, und in einer hs. des 15 jh. wird angeführt: aliqui dicunt quod quando anima egressa est tunc prima nocte pernoctabit cum beata Gerdrude, secunda nocte cum archangelis, sed tertia nocte vadit sicut diffinitum est de ea; diese merkwürdige äußerung wird sich im verfolg auf Freyja beziehen lassen, an welche, wie an Hulda und Berhta Gerdrut auch darin erinnert, daß sie spinnend vorgestellt wurde. Beider (Johannes und Gerdrutens) minne pflegten besonders scheidende, reisende und friedliebende zu trinken, wie die angeführten stellen lehren. ein älteres zeugnis über Gertruden minne (welche Johannes minne voraussetzt) kenne ich nicht, als das aus Rudlieb; in späteren jahrhunderten steht ihrer noch eine menge zu gebot. der brâhte mir sant Johans segen. Ls. 3, 336; sant Johans segen trinken. Ls. 2, 262; ich dâht an sant Johans minne. Ls. 2, 264; varn mit sant Gêrtrûde minne. Amgb. 33b; setz sant Johans ze bürgen mir, daz du komest gesunt herwider schier. Hätzl. 191b; sant Johannes namen trinken. altd. bl. 413; sant Gêrtrûde minne. cod. kolocz. 72; trinken sant Johannes segen und scheiden von dem lande. Morolt. 3103. diz ist sancte Johans minne. cod. pal. 364, 158; s. Johans segen trinken. Anshelm 3, 416; Johans segen. Fischart gesch. kl. 99b; Simpliciss. 2, 262Thomasius de poculo s. Johannis vulgo Johannistrunk. Lips. 1675. Scheffers Haltaus p. 165. Oberlin s. v. Johannis minn und trunk. Schmeller 2, 593. hannov. mag. 1830, 171–176. Ledeburs archiv 2, 189. über Gerdrut zumal Huyd. op. St. 2, 343–45. Clignetts bidr. 392–411. Hoffm. horae belg. 2, 41–48. antiqvariske annaler 1, 313. Hankas böhm. glossen geben 79b 132a Johannis amor durch swatá mina. Auch in dem slovenischen denkmal der Freisinger hs. (Kopitars Glagolita xxxvii, vgl. xliii) wird zusammengestellt: da klanjamse i modlim se im i tschesti ich pijem i objeti nasche im nesem (ut genuflectamus et precemur eis et honores eorum bibamus et obligationes nostras illis feramus). tschest ist honor, τιμή, cultus, unser altes êra, ich finde aber auch slava (ruhm, andenken) im sinn von minne gebraucht, und in einem serb. lied (Vuk. 1 n° 94) wird wein ›za slave bozhje‹ zu gottes ehre getrunken. In der finnischen mythologie ist eine schale des Ukko (Ukkon malja) erwähnt. malja = schwed. skål, eigentlich scutella, potatio in memoriam vel sanitatem..

Die Sueven, denen sich Columban näherte, tranken vermutlich Wuotans minne; Jonas erzählt, wie der heilige das ganze gefäß entzwei geblasen, ihnen die freude verdorben habe; manifesto datur intelligi, diabolum in eo vase fuisse occultatum, qui per 51 proanum litatorem caperet animas sacrificantium. so dürfte man sich bei Liutprands teufel, dessen minne getrunken wird, einen heidnischen gott denken. gefa priggja sâlda öl Ođni. fornm. sög. 2, 16; gefa Thôr ok Ođni öl, ok eigna full Asum. das. 1,280. drecka minni Thörs ok Ođins. das. 3, 191. Wie im Norden Thors hammerzeichen wandte man unter den Christen das kreuz zur segnung des bechers an, vgl. poculum signare. Walthar. 225, ganz jenes signa full.

Wahrscheinlich dauert das minnetrinken selbst als kirchlicher gebrauch noch heute in einigen gegenden Deutschlands. jährlich am 27 dec. wird zu Otbergen, einem hildesheimischen dorfe, ein kelch mit wein vom priester geweiht und als Johannis segen dem in der kirche versammelten volk zu trinken gereicht; in keinem der benachbarten orte geschieht es. In Schweden und Norwegen kommt auf lichtmesse ein dricka eldborgs skal vor (schwed. abergl. 122).

Jene biergefüllte suevische cupa (s. 45) war aber ein geheiligter opferkessel, dergleichen die Cimbern einen dem römischen kaiser August sandtenέπεμψαν τω̃ Σεβαστω̃ δω̃ρον τὸν ιερώτατον παρ' αυτοι̃ς λέβητα. Strabo VII, 2.. An den skythischen kessel wurde schon s. 46 gedacht, und man weiß, welche rolle der kessel in der Hŷmisqviđa spielt und beim gottesurtheil des kesselfangs. Auch sind die altn. eigennamen Asketill und Thorketill (verkürzt Thorkel) ags. Oscytel (Kembles urk. 2, 302) nicht zu übersehen, sie führen auf kessel, die dem gott und dem Thor geweiht waren.

Wie aus beachtung dieser bis in die spätere zeit fortgepflanzten trinkgebräuche wird die kunde der heidnischen alterthümer vortheil ziehen aus der gestalt des backwerks, das entweder noch die alte götzenform nachahmte oder die vorschriften der opfer beibehielt. eine geschichte der deutschen kuchen und semmeln ließe sich nicht ohne unerwartete aufschlüsse zusammenstellen. schon der indic. superstit. 26 nennt simulacra de consparsa farina. gebackne thiergestalten scheinen verehrte thiere oder attribute eines gottesebergebäck muß viel weiter als im Norden (s. unten Frôs eber) üblich gewesen sein, auch in Frankreich buk man cochelins auf neujahr. mém. de l'ac. celt. 4, 429.. Aus einer merkwürdigen stelle der Fridthiofssaga (fornald. sög. 2, 86) geht hervor, daß die Heiden beim dîsa blôt götterbilder buken und mit öl schmierten: sâtu konur viđ eldinn ok bökuđu gođin, en sumar smurđu ok þerđu međ dûkum. durch Friđþiofs schuld fällt ein gebackner Baldr ins feuer, daß fett in die flamme schlägt und das haus vom feuer verzehrt wird. Nach Voetius de superstitione 3, 122 pflegte man am tage Pauls bekehrung ein ströhern bild vor den herd zu stellen, auf dem man buk, und wenn es einen hellen lieblichen tag brachte, mit butter zu schmieren, sonst aber vom herd zu stoßen, mit unrath zu bestreichen und ins wasser zu werfen.

Manches also was in den abgaben und bräuchen des volks nicht recht erklärlich wäre, die farbe der thiere (s. 44), das 52 umführen des ebers (s. 41), die blumen (s. 47), das minnetrinken (s. 49), selbst die form der kuchen, gemahnt noch an die opfer des heidenthumsNachtrag: Über die gestalt des backwerks vgl. s. 414. form oder namen des osterflade, des pfadelat, palellata, und der ôsterstuopha (s. 651) des furiwiz (Graff 1, 1104) verdient beachtung. an das nach Voetius vor den herd gestellte ströhern bild erinnert Günther 647: bei diesen opferherd wird nun dein bild gebracht.

Das feierliche umtragen der götterbilder kannte auch das alterthum. Syriam deam per vicos agrosque circumferre. Lucian de dea Syria 49, und im Lucius cap. 36. circumgestare deam. Apulejus p. m. 194–196. die Nordmänner von Guđbrandsdalr tragen die bildseule Thors aus seinem hause in das þing, stellen sie dort auf und neigen sich ihr. Olaf h. s. ed. Christ. s. 23. 26. die Delbrücker trugen früher auf langer stange einen abgott hilgerio umher. weisth. 3, 101 anm. darf des Ulrich von Lichtenstein umzug als frau Venus, die man empfängt und willkommen heißt, aus einer sitte erklärt werden die noch auf heidnische umzüge zurückzuführen ist? es geschah auch zur pfingstzeit, vom 25. april 1227 – 26. mai. pfingsten fiel auf den 30. mai.

Hier wäre der heiligen feste zu gedenken, über deren namen die GDS. s. 71. 72 handelt, über die jahres-, monats- und tageszeit, in die sie fielen. festa ea Germanis nox (sideribus inlustris d. h. illunis) et solemnibus epulis ludicra. Tac. anm. 1, 50. vgl. Germ. 24, wo ludicrum der schwerttanz heißt. zum fest gehören nicht nur schmäuse und spiele, sondern auch die waschungen der (weiblichen) götterbilder (s. 210. 211).

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Außer den gebeten und opfern muß noch ein wesentlicher bestandtheil des heidnischen cultus hervorgehoben werden: das feierliche umtragen, umführen der götterbilder; nicht bloß an einer stätte sollte die gottheit weilen, sondern sich von zeit zu zeit dem ganzen umkreis des landes vergegenwärtigen (s. cap. XIV.). so fuhr Nerthus einher (invehebatur populis) und Berecynthia (s. cap. XIII.), so zog Frô im frühling aus, so wurde das heilige schif, der heilige pflug umgeführt (s. Isis cap. XIII.). des ungenannten gothischen gottes bild zog auf dem wagen (cap. VI.). einholen des Sommers oder Mais, austragen des Winters oder Todes beruhen auf gleicher vorstellung. Holda, Berhta und alle ähnlichen wesen halten zu bestimmter jahrszeit ihren umgang, den Heiden zur freude, den Christen zum schrecken; selbst Wuotans heerszug kann so aufgefaßt werden (vgl. frau Gauden cap. XXXI.). Seit Fro nicht mehr erschien, zeigte sich noch Dietrich mit dem ber (aper) und Dietrich Bern (cap. X. XXXI.) oder man führte den sônargöltr zum heldengelag (cap. X.), den eber durch die bänke (s.41). In den öffentlichen rechtsgebräuchen ist der umritt neugewählter könige durch die landesstraßen, die feierliche lustration der wege, der grenzbegang, wobei vor alters götterbilder und priester kaum gefehlt haben, ganz zu vergleichen. Nach der bekehrung gestattete auch die kirche solche umzüge fortwährend, nur daß ein Marienbild oder heiligenbilder getragen wurden, namentlich wann dürre, miswachs, seuche, oder krieg ausgebrochen war, um regen (cap. XX.), fruchtbarkeit der äcker, genesung und sieg zurückzuführen; selbst einer feuersbrunst trug man heilige bilder entgegen. Der indicul. paganiar. meldet XXVIII ›de simulacro quod per campos portant‹, wozu Eccard 1, 437 aus noch ungedruckter vita Marcsvidis (nicht Maresvidis) eine wichtige stelle mittheilt: statuimus ut annuatim secunda feria pentecostes patronum ecclesiae in parochiis vestris longo ambitu circumferentes et domos vestras lustrantes, et pro gentilitio ambarvali in lacrymis et varia devotione vos ipsos mactetis et ad refectionem pauperum eleemosynam comportetis, et in hac curti pernoctantes super reliquias vigiliis et cantibus solennisetis, ut praedicto mane determinatum a vobis ambitum pia lustratione complentes ad monasterium cum honore debito reportetis. confido autem de patroni hujus misericordia, quod sic ab eo gyrade terrae semina uberius proveniant et variae aëris inclementiae cessent. Die römischen ambarvalia waren entsündigungen der felder und es wurde bei dem terminus publicus geopfert; maigänge und beritte der grenzen und wege zur zeit des deutschen heidenthums müssen ihnen sehr ähnlich gewesen sein. Auf der Gabelheide in Meklenburg zogen noch im 15 jh. die Wenden mit lautem geschrei um die grünende saat (Giesebrecht 1, 87). 53

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