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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 27
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. XXVII. Tod.

Dem alterthum war der tod kein tödtendes wesen, bloß ein in die unterwelt abholendes, geleitendes. seuche, schwert tödteten, der Tod trat als bote einer gottheit auf, ihr die abgeschiedne seele zuzuführen. sterben wird durch seine erscheinung angekündigt, nicht verursacht. so hat in jenem märchen der todesengel dem kind die blumenknospe gegeben: wenn sie erblüht sei, wolle er wiederkommen.

Hierzu stimmt die jüdische, vom christenthum beibehaltne vorstellung. des armen mannes seele wird von engeln gottes abgeholt und in Abrahams schoß getragen, Luc. 16, 22; wie sich der dichter des Hel. 103, 5 ausdrückt: godes engilôs andfengon is ferh, endi lêddon ine an Abrahâmes barmes ist eine schöne vorstellung, daß die sterbenden auf gottes, kinder auf des vaters schoß zurückkehren, von dem sie bei der geburt ausgegangen waren. das wuste aber schon unser heidenthum, dem neugeborne und angenommne kinder schoßkinder, wunschkinder heißen (RA. 455. 464) und sterben hingehen zu Wuotan, zu Wunsch bedeutete (vgl. oben s. 119. 120). sterben war also den Heiden wie den Christen: zu gott fahren, in gottes ruhe und frieden eingehn, metod seon Beov. 2360, fêran on freán være (in des herrn ruhe) Beov. 52. ebenso ist begraben werden: in den schoß der mutter fallen (s. 534), mutter und vater nehmen ihre kinder wieder auf.. als gegensatz malt er das schicksal des reichen mannes weiter aus 103, 9: lêtha wihti bisenkidun is sêola an thene suarton hel, teufel versenkten seine seele in die schwarze hölle. in einer predigt bei Leyser 126 heißt es: ›wane ir ne wizzit niht, zu welicher zît der bote unsers herren gotis zu ture clopfe. welich ist der bote? daz ist der Tôt‹; 161: ›nu quam ouch der gemeine bote, der nieman ledic lât, wie lange im maniger vorgât, daz ist der gewisse tôt‹. ›dô der Tôt im sîn zuokunft enbôt, sô daz er in geleite‹. Greg. 20.

Nicht wesentlich wich davon die ältere heidnische ansicht ab. Halja, Hel, die todesgöttin, bringt nicht um, sie empfängt den todten menschen in ihrem haus und hält ihn darin unerbittlich fest. tödten heißt ihr einen zusenden. weder erscheint Hel die ihr verfallnen seelen abzuholennur im traumgesicht tritt sie auf: postera nocte eidem Proserpina per quietem adstare aspecta postridie ejus complexu usuram denunciat. nec inane somnii praesagium fuit. Saxo gramm. p. 43., noch entsendet sie boten nach ihnen. die lange, dunkle reise anzutreten bleibt den todten selbst 701 überlassen: schuh, schif, fährgeld, diener, pferde und kleider nehmen sie aus ihrer heimath mit auf den helweg. einige reiten, andere fahren, ganze haufen seelen rotten sich zusammen, kein geleitsmann kommt ihnen entgegen.

Es waren noch andere götter, die sich der seelen bemächtigten. Rân, die meeresgöttin, zieht alle in ihrem gebiet ertrunknen leichen mit einem netz an sich (s. 259). überhaupt scheinen wassergeister gern seelen festzuhalten, selbst frau Holle, zu deren wohnung ertrinkende gelangen (s. 222. 686), hat mit Hel gewisse ähnlichkeitNachtrag: Der tod als bote der gottheit heißt der heilig tod. H. Sachs I. 5, 528d. 1, 447b. der tod empfängt, holt ab, geleitet. sân in der tôt entphienc Uolr. 1253. er hât den tôt an der hant s. 707. her moste haven den tôt. Haupts zeitschr. 2, 183. du kannst dir den tod davon holen. ›mit dem tode abgehen‹ wird noch gebraucht, doch häufiger ohne den artikel. mit tode abgegangen ist. Mohr reg. II. no. 234 (a. 1365). MB. 25, 392. 453 (a. 1480). vgl. mit tod verscheiden. H. Sachs (Göz 2, 16. 19). mit tôde vallen. Nib. 2219, 3. aber wieder: si beliben mit dem grimmen tôde. das. 1555, 3. er brâht ir vil manegen dahin, dâ er iemer wesen solde. Gudr. 889, 4. vgl. sine kumt niht herwidere. Gudr. 928, 2. der tôt der hât die unzuht, daz er nieman deheine fluht zuo sînen friunden haben lât. klage 1581. Das sterben ist ein fortgehen. der gestorbne heißt alts. gifaran Hel. 169, 27. altn. framgenginn (dahingegangen). Sæm. 83a. he gevât = er starb. homil. 1, 330. häfde forđsîđod, wäre fortgegangen. Beov. 3105. than im that lîf scriđi. Hel. 169, 20. gr. οίχεσθαι, von hinnen gehn. οιχόμενος = θανών. moriebatur towita vel hinazôh. gl. sletst. 8, 35. skr. prêta mortuus, qui abiit, exiit. Bopp 37b. das sterben heißt ûz varn. w. gast 5436. (er is daust, drauzen d. h. todt. Stelzhamer 166. 175). vervarn. Walth. 23, 23. MS. 2, 138b. forđfêrde obiit. ags. chronologie. er ist an die vart, diu uns nâch in allen ist vil unverspart. Walth. 108, 6. hinavart, discessus e vita, entgegen dem hierwist, hierbleiben im Ludwigsliede. ich red daz ûf mîn hinvart. MSH. 3, 298b. er swuor ûf sîn hinvart. das. 301a. bis auf mein hinefart. bergreien 127. die leste fart farn. Suchenw. XXXIV, 105. zuo der langen vart. Lanz. 1949. up mine langhe vaert. Reinh. 2213. altn. löng gânga. Sæm. 222b. on longne veg. cod. exon. 173, 24. longum et irrevocabile iter, longinquum iter. Pertz 2, 733. zuo der langen hervart. Ksrchr. 6304. des tôdes hervart. Mar. leg. 54, 14. ins große heer fahren, zur großen armee abgehen s. s. 706. vgl. οι πλείονες, plures = mortui, quia ii majore numero sunt quam vivi. qui nunc abierunt in communem locum. Pl. Casina. prol. 19. verscheiden. Renn. 21093. nhd. drauf gehen. freude lân. Parz. 119, 15. swenn er dise freude lât. w. gast 4908. lâtaz. Islend. sög. 2, 166. 174. afgeben gadulingo gimang. Hel. 17, 17. manno drôm ageben. 103, 4. forlêt manno drôm. 23, 7. vgl. sôhte im erlo gimang endi manno drôm. 23, 33. die werlt er begab. Diut. 3, 89. 67. daz leben begibt den lîp. Maria 23. de hac umbratili vita discedere. trad. fuld. 2, 65. von zîte gân. Staufenb. 661. aer he on veg hvurfe gamol of geardum. Beov. 526. hvearf mondreámum from. das. 3433. geendode eorđan dreámas. ags. chronol. lîfvynna brecan. Beov. 157. migrare de corpore. Pertz 1, 355. sterben heißt auch bleiben. blivet doot. Maerl. 3, 325. biliban mortuus. T. 135, 24. O. III. 23, 55. Graff 2, 47. nhd. geblieben. ferner wird es durch untergehn bezeichnet: οι ολωλότες und zum staube fahren, χθόνα δυ̃ναι. Il. 6, 411. varen onder moude. Maerl. 3, 61. voer ter moude. das. 3, 152. til iarđar hnîga. Alfskongs s. cap. 13. vgl. bêt ter moude! Lanc. 44032. manger la terre, mordre la poussière. die Griechen nannten die todten δημητρείους, gleichsam die zur erde heimgekehrten. Plutarch 4, 1154. heimvarn. w. gast 5440. nhd. zu seinen vätern gehn, versammelt werden. visit at antiquos avos. Erm. Nigell. 2, 86. fara til heljar = mori (s. 669). gen Tôtenheim faren. Braut 55, 6. fara î dîsar sal. fornald. sög. 1, 527. vgl. heingja sik î dîsar sal. ebendas. 1, 454. fara î lios annat. Sæm. 262a. sokien lioht ôdar. Hel. 17, 17. de hac luce transire. l. Burg. 14, 3. estn. ilma minnema, in die andre welt gehn. vgl. μηκέτι όντα εν φάει. Soph. Philoct. 415. an fridu faran, thar êr mîna fordron dêdun. Hel. 14, 22. vgl. unser ruhen in frieden. sterben ist nun auch ein entschlafen und die augen schließen. den langen slâf slâfen. Kolocz 285. daz in der lange slâf gevie. ring. 246. vgl. ûf einem strô ligen. MS. 1, 25a. Die verstorbnen gehn zu gott. dryhten sêcean. Beov. 373. nhd. er ist bei gott, er steht vor gott = er ist gestorben. si sîn vor gotes ougen. Trist. 18668. fore meotudes cneovum. cod. exon. 164, 19. gottes mund und bart schauen. Kalev. s. 34. gote hete geboten über in. Ges. Abent. 1, 298. wenn der grim tôt über in gebiut. Ls. 3, 124. gott kam mit seinen gnaden. Schweinichen 2, 167. 184. 252. Andere eigenthümliche verschiedenartige bezeichnungen sind: er hât im den namen (das leben) benomen. Nib. 1507, 4. virwandelen disen lîp. Ksrchr. 6318. des lebenes ferwandelen. Diut. 2, 290. den lîp, daz leben verwandeln. cod. vind. 428. no. 154. 'tgelach moeten betalen. Maerl. 2, 238. er ist verschlissen. Vict. Jacobi 88. estn. den athem niederlegen. leben heißt: der sêle walden. Ben. beitr. 86. dagegen sterben: he is tor selen gedegen. Michelsen Lub. oberh. 42. seeltagen. Haupts zeitschr. 3, 91. nhd. todes verbleichen. Häufig ist beim tod der ausdruck spalten. sîn houbet ime endriu spielt, enniuniu sich sîn zunge vielt. Reinh. 2243. sîn houbet gar zespielt. Lampr. Alex. 6922. daz herze ir in dem lîbe spielt. herzmaere 520. hans hoved brâst udi ni stykker. Dv. 1, 157. nhd. das herz bricht im tode, springt vor harm..

Schon anders steht es um die nach Valhöll bestimmten seelen. Ođinn entsendet die valkyrien, alle im kampf gefallnen helden zu empfangen und in seinen himmel zu geleiten (s. 346): wunschjungfrauen holen seine wunschsöhne, ›þœr kiosa feigđ â menn‹. Sn. 39. herrlich wird im Hâkonarmal ihr geleit und der empfang der helden dargestellt. aber diese botinnen nehmen sich schon der lebenden helden an und beschirmen sie bis zum tod: sie sind schutzengel, todesengel. wie schön, daß der gütige gott, bevor er sie ruft, seinen auserwählten einen geleitenden geist zur verherlichung ihrer irdischen bahn verliehen hat.

Ich erkenne berührung zwischen valkyrien und Hermes, der den stab des wunsches trägt (s. 347) und seelen zur unterwelt geleitet (ψυχαγωγός, ψυχοπομπός, νεκροπομπός). jene jungfrauen sind Ođins boten, wie Hermes götterbote, ja Hermes ist Ođinn selbst, dem die seelen gehören. also auch aus dem verhältnis des gottes zu den todten erhellt die identität zwischen Wuotan und Mercur. ein unterschied zeigt sich darin, daß Hermes, wie der etrusc. Charun (O. Müller 2, 100), zum Hades geleitet, so viel ich weiß nicht ins elysium; umgekehrt holen die valkyrien ab nach Valhöll, nicht zur Hel. auch die eigenschaft des schutzgeistes mangelt dem Hermes.

Diese idee schützender geister äußert sich mehr in dem personificierten Thanatos des griechischen volksglaubens. er wird dargestellt als genius, der nachdenksam hand an wange hält, oder den fuß auf die psyche stellt, gleich als habe er sie in besitz genommen. oft kreuzt er seine hände über der ausgelöschten fackel. zuweilen erscheint er schwarz (wie Hel s. 260) oder schwarzgeflügelt (atris alis): τὸν δὲ περόντα ει̃λε μέλας θάνατος, ψυχὴ δ' εκ σώματος έπτη (batrach. 207)nach dieser stelle sollte man glauben, der Tod habe nur den leichnam des gefallnen an sich genommen, die seele sei in unterwelt entflogen, denn es heißt von ihr 235 αϊδός δε βεβήκει. und αλεύατο κη̃ρα μέλαιναν (das. 85). Gewöhnlich aber wird der scheidende, abschiednehmende todte zu pferd dargestellt, das ein genius führt: die offenstehende thür bezeichnet die ausreise, wie wir noch jetzt, wenn einer stirbt, thür oder fenster aufmachen (abergl. 664). symbolisch kann die bloße thür, der bloße pferdekopf das 702 abführen der seele ausdrückenO. Müllers archäol. 2 ausg. p. 604. 696. wegen des pferdekopfs vgl. Boeckh corp. inscr. no. 800, marm. oxon. p. 2. no. 63. 67. R. Rochette monum. inéd. I, 126. Pausanias VII. 25, 7. Gerhard antike bildw. s. 407.. Der römische todesgenius scheint durch thüranklopfen sein nahen oder die stunde des abschieds zu verkündigenHorat. carm. I. 4, 13: pallida mors aequo pulsat pede pauperum tabernas regumque turres.; nächtliches klopfen und pochen ist geisterhaft und vorbedeutung des sterbensNachtrag: Der ind. Jama ist nach Bopp Nalas s. 201. 264 gott der gerechtigkeit, des todes und der unterwelt und heißt in der letzten eigenschaft Kâla, der schwarze. Bopps gloss. 74b. ihm ist gleichzustellen der pers. Dschemschit, zend. Jimô. Jama sendet seine boten, die in seine öde wohnung führen. Kuruinge 1296. 1360. 1643. Holtzmann ind. sag. 2, 101. vgl. die todesengel. rosenöl 1, 56. 57, die todesengel und würgengel s. 989. wie die Tartaren den todesengel abwehren, erzählt Kurd Schlözer s. 32. 33. Hermes treibt mit seiner rute die seelen der freier auf die asphodeloswiese. Od. 24, 1–14. 99–101. wie Hermes zu den männern, wird Iris zu den frauen gesendet. der tod führt die menschen aus ihren häusern und gebäuden. so hinterläßt der sterbende Protesilaos der witwe ein halbfertiges haus, δόμος ημιτελής. Il. 2, 701. Apollon und Artemis kommen und tödten die alten leute mit lindem geschoss, αγανοι̃ς βελέεσσι. Od. 15, 410. 411. Φοι̃βος ’Απόλλων οις αγανοι̃ς βελέεσσιν εποιχόμενος κατέπεφνε. Od. 3, 280. τὴν βάλ' ’Άρτεμις ιοχέαιρα. Od. 15, 478. αίδε μοι ὼς μαλακὸν θάνατον πόροι ’Άρτεμις αγνή. Od. 18, 202. 20, 60. 61. 80. Charon fährt übers wasser, wie auch der teufel mit einem ruder in der hand dargestellt wird. Woeste s. 49. vallen in des Tôdes wâge. warn. 1650. ûf des Tôdes wâge sweben. das. 3318. Der tod wird von gott gesendet. got der sende an mînen leiden man den Tôt! MS. 1, 81a. sîn wîp diu schrîet wâfen ûf den Tôt, er sî entslâfen, daz ern niht welle bestân. Teichner 75. dô ergreif in der Tôt, dô er im sîn zuokunft enbôt, sô daz er in geleite. Greg. 20. er klopft an. bereite, ze ûftuonne deme klopphaere. Uolr. 1329. auch bei Berno: ut pulsanti posset aperire. er erscheint jung. der jüngelinc, der geheizen ist Tôt. Ls. 2, 373. Die lappische Jabmen akka, uxor, vel avia mortis, sitzt in unterirdischer höle und wurde als göttliches wesen geehrt. Lindahl lex. 82b. ich selbe sol hin in daz hol. Frauenl. 114, 8. des todes höle (s. 711 höle des gevatter tod)..

Weiblich, gleich der Halja, wie man aus dem genus von mors folgern sollte, bilden römische kunstwerke den Tod nie, sicher dachte ihn sich das volk ursprünglich nicht anders; die slavische smrt (dasselbe wort) ist überall weiblich, das litth. smertis wird männlich und weiblich gebraucht, das lett. nahwe nur weiblich. die slav. Morena, Marana (Mořena, Marzana), welche s. 643. 644 geschildert wurde, scheint nahe an smrt und mors zu reichen.

Diese benennungen klingen an deutsche. schmerz haben wir in dem gemilderten sinne von pein, ursprünglich war es wol nur todespein, wie qual zu quellan, ags. cvellan, engl. kill gehörtbedeutung der herbsten ausdrücke mindert langer gebrauch; ein beispiel war s. 667 das franz. gêne.; nur der ahd. mhd. und ags. dialect kennen das starke verbum smërzan, smërzen, smeortan (dolere). das ahd smerza ist weiblich, das mhd. smerze männlich, stets unpersönlich. nahwe stimmt zum goth. masc. náus, pl. naveis, funus (vgl. altn. nâr, nâinn, s. 375), wie auch θάνατος leiche bedeuten kanngoth. leik (corpus, caro), leiche, leichnam (cadaver); ahd. hrêo, ags. hræv, mhd. (cadaver, funus), goth. hráiv (wovon hraívadubô, klagtaube) = lat. corpus.. das gr. wort hat aber gleiche wurzel mit dem goth. dáuþus, ahd. tôd (früher tôdu) masc., alts. dôd, dôđ, ags. deáđ, altn. dauđr, überall männlich, nur im mnl. dôt hat sich das weibliche genus erhalten, das die goth. form gleichfalls vertrüge. die goth. wurzel lautet diva, dáu (morior), was sich zu θνήσκω, έθανον, θάνατος wie das goth. Tiv zum slav. dan verhält (s. 162). das altn. dauđi finde ich nur für den zustand (z. b. Sæm. 231b), nie für die person, letztere aber drückt schon das goth. dáuþus 1 Cor. 15, 55 ausNachtrag: Mit mors vgl. zend. merethyu. Bopp vgl. gr. 46. schmerz erklärt Benfey 2, 39 anders. ein nord. ausdruck für todt ist dâinn (s. 375). vgl. finn. Tuoni mors, Pluto. Tuonen koira, libellula. Tuonela orcus. preuß. gallas mors (? litth. galas finis). est. surm mors, finn. surma. ungr. halál, finn. kuolema, wotjak. kulem, lapp. jabmen. Der Tod ist der bruder des Schlafs, der auch personificiert wird, die todten schlafen. von der todten vala heißt es: sefrattu fyrri. Sæm. 95b. κοιμήσατο χάλκεον ύπνος. Il. 11, 241. wie der schlaf sandmann, heißt der tod estnisch erdmann, sandmann, liwa annus Sandhannes, liwa peter Sandpeter. vgl. Alfred Maury du personnage de la mort. rev. archéolog. 4e année s. 305–339..

Der verwandtschaft der wörter entsprechen auch ähnliche vorstellungen. die hauptsächlichsten unserer alten dichter scheinen folgende.

Wie alle geister urplötzlich nahenoben s. 270. Reinhart s. liii. cxxx; gleich der Nacht, dem Winter und jüngsten Tag bricht der Tod ein., so der Tod; kaum genannt oder gerufen ist er da. ›hie nâhet der Tôt manigem manne‹. Roth. 277b; ›daz in nâhent der Tôt‹. Nib. 2106, 4; ›do nâhte im der Tôt‹. Nib. 2002, 3; ›Mors praesens‹ Walthar. 191; ›der Tôt gêt dir vaste zuo‹. Karl. 69b. er steht gleichsam im hintergrund und harrt des rufes oder winkes (Freidank 177, 17. ›dem Tôde winken‹ Renn. 9540). er ist wie das fatum, die wurt nah und 703 zur hand (s. 336). ähnlich dem verfolgenden kobold oder irwisch hockt er den leuten auf dem hals: ›der Tôt mir sitzet ûf dem kragen‹, Kolocz. 174. ›stêt vor der tür‹, Diut. 2, 153. eine sage bei Reusch (no. 36) läßt den Tod vor der thür sitzen und warten daß sie aufgehe, er nimmt also die ausgehende seele in empfang.

Lebensmüde, unglückliche rufen ihn herbei, sein ausbleiben beklagend: ›Tôt, nu nim dîn teil an mir‹! Wh. 61, 2. ›Tôt, daz du mich nu kanst sparn!‹ Wh. 61, 12. ›wâ nô Tôt, du nim mich hin!‹ Ecke 145wie Er. 5832 die raubthiere herangerufen werden: ›wâ nû hungerigiu tier, bêde wolf und ber, iwer einez kume her und ezze uns beide!‹; ›Mort, qar me pren, si me delivre!‹ Ren. 9995; ›Mors, cur tam sera venis?‹ Rudl. 7, 58; ›ô wê Tôt dazt ie sô lange mîn verbære!‹ MsH. 1, 89a; ›por ce requier à dieu la mort‹. Méon nouv. rec. 2, 241. bekannt ist die aesopische fabel γέρων καὶ θάνατος. sterben wollen heißt auch den Tod suchenStraparola 4, 5 erzählt von einem jüngling, der neugierig auszog um den Tod aufzufinden. und nach dem Tod senden, ihn holen lassen: ›jâ wænet des der degen, ich habe gesant nâch Tôde: ich wils noch lenger pflegen‹. Nib. 486, 5. von einem trägen diener wird gesagt, er sei gut nach dem Tod zu schicken, d. i. er gehe so langsam, daß man noch aussicht auf längeres leben behalte. dies sprichwort muß weit verbreitet gewesen sein: ›en lui avon bon mesagier por querre la Mort et cerchier, que il revendroit moult à tart‹. Ren. 5885; ›du werst ein bot gar guot zuo schicken nach dem Todt, du kommst nit bald‹. H. Sachs 1, 478c; ›werst gut nach dem Tod zu schicken‹. H. Sachs IV. 3, 43d. Fischart geschichtkl. 84a; ›du är god att skicka efter Döden‹ Hallman p. 94; ›bon à aller chercher la mort‹ Pluquet contes p. 2; böhm. ›to dobré gest pro Smrt posjlati‹ Jungmann 4, 193a. Sollte dieser träge diener zusammenhängen mit Gânglati und Gânglöt dem knecht und der magd der alten Hel? Sn. 33.

Der Tod nimmt die seele und führt sie weg. ›hina fuartanan Tôd‹. O. 1. 21, 1. ›do quam der Tôt und nam in hin‹. Lohengr. 186. ›er begrîfet‹ Gregor. 413. Diut. 3, 53. ergreif Greg. 19, ein ausdruck, der auch von dem überfallenden, bewältigenden Schlaf, des Todes bruder, gebraucht wird: ›der Slâf in begreif‹ pf. Chuonr. 7076. er dringt in sein haus, dessen thür geöfnet steht: ›gegen im het der Tôt sînes hûses tür entlochen‹. Bit. 12053. ›der Tôt weiz manige sâze, swâ er wil dem menschen schaden und in heim ze hûs laden‹. Türh. Wh. 2281. ›dô in der Tôt heim nam in sîn gezimmer‹, ›brâht heim in sîn gemiure‹. Lohengr. 143. 150. das sind schon abweichungen von der ursprünglichen idee, die ihm keine eigne wohnung zuschreibt, oder steht er hier der Hel gleich?

Wahrscheinlich trägt er wie alle boten (RA. 135) und wie Hermes, der seelengeleitende, einen stab, zum zeichen einer reise 704 oder der ihm verliehnen gewalt. mit diesem stab, mit dieser ruthe (des wunsches) berührt er, was ihm verfallen ist: ›la Mort de sa verge le toucha‹. Méon 4, 107danse Macabre p. m. 55 führt der Tod trois verges..

Dem Tod wird eine wol geebnete und im bau erhaltne straße zugeschrieben, auf der die todten mit ihm wandern. ›des Tôdes pfat wart gebenet‹, Turl. Wh. 22a 23b. ›dâ moht erbouwen der Tôt sîn strâze‹. Bit. 10654. ›nu seht, wie der Tôt umbe sich mit kreften hât gebouwen‹. kl. 829. Wie ein behilflicher, geschäftiger diener schmiert er dem menschen, welchen er abholt, zu der großen reise, vorher die schuhe; in Burgund drückt man die ankunft des Todes aus durch die phrase: ›quan la Mor venré graisse no bote‹, quand la Mort viendra graisser nos bottes (noei borguignon p. 249)Nachtrag: Der Tod schleicht heran. mors obrepit. Pl. pseud. II. 3, 20. mors imminet et tacito clam venit illa pede. Tib. I. 10, 34. da kam der Tôt als ein diep und stal dem reinen wîbe daz leben ûz ir lîbe. Wigal. 8032. der Tôt kumt geslichen als ein diep. Cato 397. (mutspelli also thiof ferit. Hel. 133, 4). der Tôt erslîchet. warn. 3109. der tôt hât mich erslichen. Hugdietr. Fromm. 5. er ist mir na geslichen, der mich kan machen bla. Muskatbl. 18, 36. der Tôt slîcht vaste herein. Stephans stofl. 174. daz euch nicht ubersleiche der Tôt mit seim gereusch. Wolkenst. 31. mnl. êrt die Dôt belope. Maerl. 3, 191. dir ist vil nâhe der Tôt. Ksrchr. 5084. 11298. vgl. ags. nealaecan anm. 2200. swie mir der Tôt ûf dem rücken waere. MS. 2, 46b. Der Tod wird von lebensmüden herbeigewünscht: er rief nâch dem tôde. Ksrchr. 1724. Tôt kum und toete mich! Dioclet. 4732. nun kum Tôt! Hartm. 1. büchl. 292. kum dot! Mar. kl. hinter Arnold 28. dot kum! das. 440. vgl. ελθέτω μόρος. Aesch. suppl. 804. o Jama komm, erlöse mich. Holtzm. Kur. 723. kom Tôt, brich mir daz herz enzwei. Hagen Ges. Abent. 1, 301. wê dir Tôt, kum her und nim uns alle hin! Mai 150, 12. 155, 4. 162, 4. 164, 13. 178, 27. recipe me ad te, mors, amicum et benevolum. Plaut. Cistellaria III. 9. nu kum, vil grimmeclîcher tôt und rihte gote von uns beiden! MS. 1, 17b. kum ein kleines tödelein und für mich balde von hinnen! bergreien 84. wo bist so lang du grimmer tod, komb! H. Sachs III. 1, 227c. o mors, cur mihi sera venis? Prop. III. 4, 34. vgl. Sophocles Philoct. 796. riep om die dôt, dat si quame. Lanc. 35711. dat se den dôd beide schulden unde baden, dat he niht ensûmede, wen dat he quême, unde ön dat levend to hand neme. Everh. gandersh. 487a. weiz got her Tôt, ir müezet her! Apollon. 235. nim mich Tôt, brich Tôt mîn herze! altd. bl. 1, 288. 289. ôwê Tôt, wes mîdest du? Ls. 1,99. wê Tôt, zwiu sparst du mich? Mai 43, 10. wê Tôt, waz sparst du mich? W. v. Rheinau 190a. eia Tôt, mohtes du mich getoeten! Stephans stofl. 181. wallan daeđ, wela daeđ, þat þu me nelt fordemen. king Leir 160, 20. he dex, la mort m'envoie! Guitecl. 2, 148. Tôt, nu öuge dich! Hagen Ges. Abent. 300. Man kieset, holt den Tod. gramm. 4, 608. Nib. 1362, 4. Der Tod erscheint und warnt, er läßt sich wol die erstenmale abfinden und wegweisen, aber nicht beim drittenmal. ähnliche sage wie bei Straparola 4, 5 ist die von Pikollos. Hanusch s. 218. der Tod ›siht an‹, wendet den blick auf einen. warn. 28. er winkt oder deutet. Ruß Adam 1421.

Der Tod nimmt den menschen hinweg, wie Hild und Gund (s. 349. 350). diu (kint) füeret hin des Tôdes wint. warn. 1648. daz in der Tôt hât hin genomen. Ulr. Trist. 20. daz in genomen hât der Tôt. Frib. Trist. 32. Secundillen het der Tôt genomen. Parz. 822, 20. der tôt hât mich begriffen. Hugdietr. Öchsle 10. ê iz der Tôt begrîfe. Diemer 348, 9. do ergreif den vater ouch der Tôt. Gregor. 19. begrîft iuch dâ der Tôt. das. 413. Den hât der Tôt verzimmert. Suchenw. 16, 167. des Tôdes zimmer. das. 19, 17. vgl. diap dôdes dalu (anm. 2078). tôdes muor. Türl. Wh. 16a. Der Tod verschlingt wie der teufel in seinen rachen. daher: vallen in des Tôdes giel. Karl 72a. si liefen dem Tôd in den rachen. theiln. der Serben (?) s. 23 (a. 1685) vgl. ir welt in gewissen tôt. Wigal. 6061. in den tôt rîten. das. 6153. nhd. den in den tod gehn.

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Ganz heidnischer zug, dünkt mich, ist, daß er zu pferd erscheint, wie die valkyrien reiten; er holt zu pferd ab, setzt die todten auf sein pferd. in einem weitverbreiteten volkslied naht der ferngestorbne und begrabne bräutigam mitternachts und führt seine geliebte mit sich›der mond scheint hell, die todten reiten schnell‹. Bürgers leben p. 37. WH. 2, 20. ›t maantje schijnt zo hel, mijn paardtjes lope zo snel‹. KM. 3, 77. ›månan skiner, dödman rider‹. sv. vis. 1, liii. u. schon ›rîda menn dauđir‹. Sæm. 166b. 167a. norweg. ›manen skjine, döman grine, värte du ikkje räd?‹ man vgl. das neugr. lied bei Wh. Müller 2, 64 und Vuk 1 no. 404.. vielleicht soll jener pferdekopf (s. 701) mehr des Todes als des todten pferd bezeichnen? Der Hel und ihrem boten wird gleich andern göttern ein pferd zugestanden haben; das bestätigen noch redensarten und meinungen, die hin und wieder bei dem volk haften. Wer von schwerer krankheit genesen ist pflegt zu sagen: ›jeg gav Döden en skiäppe havre‹ (Thiele 1, 138), er hat dem Tod für sein ros einen scheffel haber geopfert und ihn damit besänftigt. wie die Heiden dem Wuotan (s. 128), der frau Gaue (s.209), die Slaven ihrem Svantevit und Radegast (s.552) die rosse futterten. Von einem schwer und polternd auftretenden heißt es gleichfalls in Dänemark: ›han gaaer som en helhest‹ (dansk ordb. 2, 545a). von diesem helhest erzählt man noch andere dinge, es soll dreibeinig auf dem kirchhof umgehn und den Tod herbeiführen. nach einer volkssage wird auf jedem kirchhof, ehe er menschliche leichen empfängt, ein lebendes pferd begraben: dies sei das umwandelnde todtenpferd (Thiele 1, 137); ursprünglich war es nichts anders als die umreitende todesgöttin. Arnkiel 1, 55 führt den schleswigischen aberglauben an, daß in pestzeiten die Heler schreibt ›der Hell‹; wie Plattdeutsche, wenn sie hochdeutsch reden wollen, den artikel verwirren, sie sagen auch der Pest f. die Pest. auf dreibeinigem pferde umreite und menschen würge; wenn dann bei nächtlicher weile hunde bellen und heulen (weil hunde geistersichtig sind) heiße es: ›die Hell ist bei den hunden‹, wenn die seuche aufhöre: ›die Hell ist verjagt‹, wenn ein todkranker genese: ›er hat sich mit der Hell abgefunden‹. 705 hier ist, wie in andern fällen, der begrif des Todes mit der personificierten seuche zusammengeflossen. In gedichten unsers MA. wird niemals dieses umreiten des Todes geschildert, wol aber daß er die seelen auf sein ros lädt. Bei beschreibung einer schlacht heißt es: ›seht, ob der Tôt dâ iht sîn soumer lüede? jâ er was unmüezec gar‹, Lohengr. 71. ›daz ich des Tôdes vuoder mit in lüed und vazzet‹. Ottocar 448a. Die Neugriechen haben den alten fergen Χάρων in einen todesboten Χάρος umgewandelt, den man mit seiner schwarzen schaar über das gebirge ziehen sieht, er selbst reitet, vor ihm her gehen die jünglinge, hinter ihm folgen die greise, die zarten kinder sind an seinen sattel gereihtτὰ τρυφερὰ παιδόπουλα 'σ τὴν σελλ' αρραδιασμένα. Fauriel 2, 228. Wh. Müller 2, 8. vgl. Kind 1849. s. 14.. Der Lübecker todtentanz (Bruns 334. 352) läßt den Tod auf einem löwen reiten, und so stellt ihn auch ein bild dar (Douce p. 160). Mortis habenae. Abbo de bellis paris. 1, 187. 322Nachtrag: Der Tod reitet, wie der verstorbne bräutigam zu pferd seine geliebte mit sich führt. Haupt altd. bl. 1, 177. Müllenhoff no. 224. schon Sæm. 168b heißt es: mâl er mer at rîđa rođnar brautir, âđr salgofnir sigrþiođ veki (ehe der hahn kräht). vgl. des Tôdes wîp. Engelh. 3402 anm. ich gezime dir wol ze wîbe. Er. 5896. wie die schleswigische Hel (Müllenhoff no. 335) reitet auch Wode und der wilde jäger auf dreibeinigem pferde. Wode fängt die unterirdischen, knüpft sie mit den haaren zusammen und läßt sie von jeder seite des pferdes herabhängen. Müllenhoff s. 373. Auf böotischen grabsteinen steht der verstorbne neben dem pferde, mit dem beisatz: ήρως χαιρε. K. Fr. Hermanns gottesd. alterth. § 16, 20. Charon reiht die kinder an seinen sattel. vgl. GDS. 140. 141..

Die todten gehn, wie gefangne, in Todes banden; auch nach der indischen vorstellung führt er sie gebunden fortBopps sündflut p. 37. 50. buhez santez Nonn p. 205 sagt der Tod: ›j'attire tout dans mes liens à mon gîte‹.. ›ei, waz nû dem Tôde geschicket wart an sîn seil‹. Lohengr. 115. ›maneger quam an des Tôdes seil‹. das. 123. ›in Tôdes sil stigen‹. Ls. 3, 440. ›zuo dem Tôde wart geseilet‹. Geo. 2585. ›wê dir Tôt! dîn slôz und dîn gebende bindet und besliuzet!‹ Wigal. 7793. ›der Tôt hât mich gevangen‹. Karl 81b. Greg. 50.

Jemehr die alte gottheit der unterwelt zurück und der Tod eigenmächtig auf trat, muste sich eine herbere auffassung seines wesens oder mischung mit andern göttern ergeben. aus dem stillen boten, der nur strenge seines amtes wartet, wird er ein gewinnsüchtiger, gieriger feind, der für seine rechnung handelt, den sterblichen fallen stellt. Schon O. V. 23, 260 legt ihm listiges besuîchan (decipere) bei, Conrad strik und netzegarn Troj. 12178, was an jenes netz der Rân (s. 259. 701) gemahnt. Noch heutzutage ist für ihn das bild eines voglers oder fischers hergebracht, der dem menschen schlingen legt oder nach ihm angelt. ›do kam der Tôt als ein diep und stal dem reinen wîbe daz leben ûz ir lîbe‹. Wigal 8033lebensdieb, leuteschlächter, namen des Todes.. Er übt aber auch ofne gewalt, er suochet, roubet Nib. 2161, 3, 2163, 1; fällt nieder: ›bifalta sie‹ O. III. 18, 34; ›mich hât der Tôt gevangen‹. Greg. 50. jaget Roth. 2750; bekrellet (faßt mit krallen?) fundgr. 196, 20, das ist auch biblisch, ps. 91, 3–6 erscheint er als jäger mit stricken und pfeilen; sein botenstab hat sich in einen speer verkehrt, den er wirft, in einen pfeil, den er vom bogen entsendet. bemerkenswerth Renn. 24508: ›wirt dem des Tôdes sper gesandt‹; Freid. 177, 24: ›der Tôt gât her, der widerseit uns an dem sper‹, diese lesart ziehe ich der aufgenommnen ›âne sper‹ vor. Ođinn hat einen speer Gûngnir (s. 121) dessen schwung oder wurf tödtete. der litth. Smertis 706 erscheint als krieger mit schwert und spieß auf einem wagen fahrend, d. h. in göttlicher gestalt. Es ergibt sich demnach für den Tod die idee seines förmlichen kampfes und ringens mit dem menschen, den er überwältigt und erlegt. ›mit dem Tôde vehten‹ MS. 2, 82b; ›der Tôt wil mit mir ringen‹, Stoufenb. 1126; ›do ranc er mit dem Tôde‹ Nib. 939, 2; ›alsô der Tôt hie mit ime rank‹. Ecke 184; wir benennen noch jetzt so die agonie des sterbenden, ohne etwas persönliches dabei zu denken. In einem neugr. lied ringt, auf glattem marmor, ein kecker jüngling mit Charos, von morgen bis zu mittag: zur abendstunde wirft ihn der Tod nieder. ein andermal wandelt sich Charos in eine schwarze schwalbe und schießt einer jungfrau den pfeil ins herzWh. Müller 2, 4. 6. vgl. Tommaseo canti popolari 3, 301 ff.. vielleicht darf eine zweifelhafte stelle Beov. 3484 auf den Tod gezogen werden, er heißt da ein tödter, der mit feurigem pfeilbogen schießt: ›bona, se þe of flânbogan fŷrenum sceoteđ‹; vgl. das serb. krvnik (blutvergießer) oben s. 18. Brun von Schonebeke läßt den Tod eine viersträngige geisel schwingen. Auch unsere mhd. dichter verleihen dem Tod pfeil und streitaxt; ›des Tôdes strâle het si gar versniten‹. Tit. 3770. ›wâ snîdet des Tôdes barte‹ Wh. 3, 220 (cod. cass.) die isernporte eines meistergesangs aus dem 14 jh.Hagens mus. 2, 188. ist wol îsernbarte? hier verheißt der Tod, wenn ihm sein gegner obsiege, tausendjährige fristunsern dichtern ist auch der gedanke nicht fremd, daß der Tod seinen anspruch auf den menschen gerichtlich verfolge, ›do begunde der Tôt einen grâven beclagen und mit gewalte twingen ze nôtigen dingen‹. Iw. 5625 ff. der graf heißt ›der verlorne, wander muose im ze suone geben beide sîn gesunt u. sîn leben‹. Ebenso ist Iw. 7161 die rede von dem ›gelten vür des Tôdes schelten‹. vielleicht gehört hierher Nib. 2017, 5 ›der Tôt hât ûf si gesworn‹. Im ackermann aus Böhmen ist hingegen der Tod ein beklagter und der ehemann, dem er seine frau geraubt hat, kläger. ähnliche rechtshändel fängt der Teufel an. ›nu kume vil grimmeclicher Tôt und rihte gote von uns beiden!‹ Ms. 1, 17. bemerkenswerth ist auch ›mit des Tôdes hantveste übersigelet‹. Wh. 391, 27. der indische gott des todes heißt Jama und ist ein herr des rechts.Nachtrag: Der Tod nimmt gefangen. Jama erscheint mit einem strick und führt den aus des sterbenden leib gezognen däumling daran gebunden weg. Holtzmann ind. sag. 1, 64, 65. Rochholz 1, 89. ob mich der Tôt enbindet. Wh. 68, 22. der Tod schlägt sein netz über uns. Steph. stofl. 174. in des Tôdes vallen beklemmet. Mart. 11b. kâmen zuo des Tôdes valle. Livl. 1808. in des Tôdes lâge. Kl. 1356. der Tôt im daz leben stal. Ottoc. 86a. die in het der Tôt verstolen. Wigal. 9213. in het vil nâch der bitter Tôt mit sîner kraft gezücket hin. Wigal. 5956. sîn leben het gezücket der Tôt. das. 5129. der Tôt zücket: niderbücket. Wolkenst. 31. unz si der Tôt ersnellet. Haupts zeitschr. 7, 331. der Tôt hât mich ergangen. Ecke 58. do nu der Tôt her drang. h. Ludw. 60, 17. thaz tôd uns sus giangti, sus nâher uns gifiangi. O. III. 24. 14 d. h. so in die enge triebe und nah käme. der Tod rauscht her behend. B. Waldis 149a, der Tod rauscht durch die hecken her. das. 163a. der tod als sieger steht über den sterbenden, niederliegenden: des Tôt gestêt uber in selben. pfaffenleben 33. vgl. Dietr. 1669 (daz er nider seic ûf daz gras) die sîne stuonden über in. die sterbenden sind dem Tode verfallen, werden seine leute. daher nhd: ein mann des Todes, ein kind des Todes. sonst war er ein mann des Todes. 10 ehen s. 226. vgl. Dôdis vuoter werden. fundgr. 2, 108. des Tôdes spil. Wigal. 10743. den Tôt laben (mit festungswerken). Wigal. 10743. Der sterbende ringt mit dem Tode. Sanders s. 44. mit dem grimmen Tôde ranc. Servat. 1771. mit dem Tôde hât sînen geranc. warnung 174. auch der teufel ringt: mit wem die tievel haben gerungen. Renn. 10727. überwunden sich dem Tôde ergeben. Wigal. 7662. Der Tod ist bewaffnet. er heißt ags. vîga välgîfre. cod. exon. 231, 8. vîga nealaeceđ. cod. exon. 164, 4. deađ nealaecte, stôp stalgongum strong and hređe. das. 170, 17. wir ligend auf des Todes spiez. ring 253. er schießt pfeile gleich dem neugr. Charos. Kindt 1849 s. 17. vgl. ags. välpîlum todespfeilen. cod. exon. 171, 15. välstraelum. das. 179, 11. ûf in sleif des Tôdes hagel. g. schm. 158. in hât benomen des Tôdes schûr. Wh. 256, 6. der Tod tritt als ein jäger auf. MSH. 3, 177a. endlich wird der Tod einem dorn verglichen: darinne der tôt als ein dorn in dem meien blüete. Wigal. 7628. Der Tod erhebt rechtlichen anspruch auf den menschen. galt der dôt haer scout (solvit morti debitum) Maerl. 1, 430. nhd. die schuld der natur abtragen..

In solchem krieg und streit muß der tod aber als anführer eines großen, sich ohne unterlaß stärkenden heers erscheinen. es wird ihm gefolge und gesinde beigelegt: ›der Tôt der suochte sêre dâ sîn gesinde was‹. Nib. 2161, 3. schon den Griechen heißen die todten οι πλέονες und ες πλεόνων ικέσθαι bedeutete was ες ‛Άιδου in die wohnung des großen haufens, zur großen schaar gelangen. im ackermann von Böhmen wird der Tod genannt ›hauptmann vom berge‹, etwa weil er, wie im griech. liede (s. 705) mit seinem heerzug das gebirge deckt? ›in des Tôdes schar varn‹. Wh. v. Orl. 2113. ›ist an die vart‹ (obiit) Walth. 108, 6; noch heute: ›er ist zum großen heer gegangen‹. Wiewol nicht mitkämpfend, scheinen die todten ein heerzeichen (fahne oder speer) zu tragen, das er den sterbenden gleichsam anheftet, womit er 707 sie berührt, seinem heer einverleibtvgl. einem des Todes muoder (mieder) sniden. Titur.. so verstehe ich ›des Tôdes zeichen tragen‹ Nib. 928, 3. 2006, 1: es kann aber auch den nebenbegrif enthalten, todeswunde empfangen haben, die dann für sein zeichen und wapen gilt. darum heißt es Nib. 939, 3 ›des Tôdes zeichen ie ze sêre sneit‹, wo eine hs. wâfen darbietet, wie auch sonst gesagt wird ›eines wâfen tragen‹. Parz. 130, 4, Freidank 74, 18. Wigal. 7797, ja, ›des tôdes wâpen tragen‹ Wh. 17, 16. ›Tristandes zeichen vüeren‹ Heinr. Trist. 2972 bedeutet: gleich ihm verwundet sein. Schon Alfred Boeth. p. 16 (Rawl.) gebraucht ›Deáđes tâcnung‹ und man darf sogar des Zio zeichen (tâcen) s. 166, Ođins speer s. 121 erwägenmerkwürdig spricht in jenem meistergesang (mus. 2, 187) der Tod: ›und sîst hereit, wenn ich dir mîne boten (die krankheiten) send, die dir die zeichen geben‹, die dich als den meinigen stempeln. der Tod, ursprünglich selbst bote, entsendet geringere boten. hierher auch das KM. no. 177. Schon in der altfranz. chanson des Saxons 2, 134. ›la Morz le semont sovent et menu‹, durch ohnmachten.Nachtrag: Der Tod hat ein heer: der Tôt fuort in die gemeinen vart. Ottoc. 86a. der Tôt gebiutet sîne hervart. Barl. 397, 32. sein zeichen ist die bleiche varwe: des Tôdes zeichen in liehter varwe. Nib. 928, 3. 2006, 1. des Tôdes zeichen wirt schîn in swarzgelber varwe. warn. 128 (anm. 518). des Tôdes gilwe. MS. 2, 166b. die veigen sind zu erkennen. belg. mus. 5, 113. dagegen heißt es Wigal. 6151:

an ein sper man im dô bant
einen samet der was rôt;
daz bezeichent daz er in den tôt
des tages riten solde.

Sterbenden schneidet Proserpina haar ab und weiht dadurch zum orcus:

nondum illi flavum Proserpina vertice crinem
abstulerat stygioque caput damnaverat orco.   Aen. 4, 698.

Iris wird zur Dido geschickt:

devolat et supra caput astitit: hunc (crinem) ego Diti
sacrum
jussa fero, teque isto corpore solvo.
sic ait, et dextra crinem secat, omnis et una
dilapsus calor atque in ventos vita recessit.   das. 4, 702 ff.

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An die idee der botschaft und des großen haufens schlossen sich nun noch andere, wahrscheinlich weit hinauf reichende. boten zu sein pflegten im alterthum fiedler und spielleute: es lag nahe, den Tod mit seinem gesinde einen reihen aufführen zu lassen, er wirbt sich, durch pfeifen und geigen, nachfolger. eigentlich eine heitere, die härte des sterbens mildernde vorstellung: abgeschiedne seelen treten alsbald ein in tanz und fest. Schon die Römer behaupteten gesang und tanz im elysischen gefildeVirg. Aen. 6, 644 pars pedibus plaudunt choreas et carmina dicunt. Tibull I. 3, 59. hic choreae cantusque vigent. und es stimmt zu der ähnlichkeit seliger geister mit musik und tanzliebenden elben (s. 389). unsere dichter des 13 jh. reden indessen noch nie vom todtentanz, der seit dem 15. 16 zu den populärsten vorstellungen gehört. in der häufigen redensart ›er hât den Tôt an der hant‹. Nib. 1480, 4, 1920, 4. 1958, 4. Wigal. 2453. 4700. Alph. 286. 345. 359 scheint nicht anfassen zum tanz gemeint, bloß zum wegführen: dôd is at hendi (s. 336).

Da des lebens vergänglichkeit schon in der h. schrift dem gras und heu verglichen wird, konnte man leicht in dem Tod einen mäder oder schnitter sehn, der menschen wie blumen und halme niederhaut. messer, sichel, sense sind ihm in dieser beziehung beigelegt. ›ist ein schnitter, heißt der Tod, hat gewalt vom höchsten gott, heut wetzt er das messer, es schneidt schon viel besser; hüte dich schönes blümelein!‹ worte eines kirchenlieds. ältere dichter geben ihm nie diese werkzeuge; wol aber wird das bild des ausgetragnen Todes zuweilen mit einer sense ausgestattet (s. 644). es könnte auch späterhin die harpe des griech. KronosO. Müllers archäol. p. 599. eingewirkt haben, vgl. falcitenens bei Radevicus 2, 11. ›einen den blumen gesellen, ins gras beißen lassen‹ Lohengr. 138 gilt auch von andern siegern als dem Tod. er jätet die pflanzen aus: ›in 708 lebens garten der Tôt nu jat‹. Turl. Wh. 23b. Umgekehrt heißt der Tod, gleich dem teufel, ein sämann, der seinen namen als unkraut unter die leute ausstreut: ›dô der Tôt sînen sâmen under si gesæte‹. Wh. 361, 16. ›er ier durch in des Tôdes furch‹ Ulr. Trist. 3270 will bloß sagen: er versetzte ihm tödliche wundeNachtrag: Der Tod mäht, lett. nahwe płavj. Bergm. 69. des Todes sichel. Wolkenst. 278. er ist ein sensenmann. Schahnameh v. Görres 1, 105. 106. vgl. die drei jungfrauen, die mit ihren sensen die leute niedermaehen. Kulda b. d'Elv. 110..

Eh ich einige andere vorstellungen erläutere muß ich die beinamen und benennungen des Todes in unserer alten poesie aufzählen.

Gewöhnlich heißt er der grimme, Roth. 2750. Nib. 1360, 4. 1555, 3. Mar. 218. Flore 1931. Troj. 2317. 2325. 10885. Ls. 3, 124der grimme tôt, name eines messers, Wolfd. 1313, merkwürdig, da der Hel messer sultr hieß (s. 260), von svelta (esurire), das im goth. sviltan den begrif hat von mori.; der ferchgrimme, Morolt 4059, eine glücklich verwandte zusammensetzung, da es der Tod auf ferch und leben abgesehn hat; der grimmige, Roth. 517. Reinh. 360. 1248. Berthold 303; der bittere (πικρὸς θάνατος), amaranach Isidor sogar ›mors dicta quod sit amara‹. Mors, Rudl. 1, 110. Unibos 117, 4. Diut. 3, 89. Mar. 206. Alex. (Lampr.) 820. 1097. 3999. 4782. gr. Ruod. Cb, 15, Wh. 253, 28. Wigal. 1113; der bitterlîche, Troj. 3521. 22637; der sûre, Parz. 643, 24; der scharfe, ›ein scharpher bote‹ Freid. 21, 6; der irre, Amgb. 29a bei Wizlau, also wol ërre, mit dem sinn der zornige?; der gemeine (qui omnes manet) En. 2081. Lauter epitheta entnommen von seiner unvermeidlichkeit, grausamkeit, herbheit, nichts persönliches über seine gestalt verrathend. niemals findet sich der schwarze, der bleiche, nach dem lat. mors atra, mors pallida, Otto II hieß ›pallida mors Saracenorum‹ (cod. lauresh. 1, 132). Renner 23978. 80 lese ich ›der gelwe tôt‹, in beiden fällen ist nicht das aussehn des Todes, sondern des getödteten gemeint; auch Walth. 124, 38 wenn er von der welt sagt, sie sei ›innân swarzer varwe vinster sam der tôt‹, versteht darunter den aufenthalt der todten, die hölle, nicht die gestalt des Todes. ›lieber Tôt‹ wird er in einem liede angeredet (Hagens mus. 2, 187); ›der heilig Tod‹ nennt ihn H. Sachs I. 5, 528d, ›her Tôt!‹ auch bloß in der anrede, Apollonius 295 und oft im ackermann aus BöhmenNachtrag: Gewöhnlich heißt der Tod der grimme. Diemer 87, 9. 14. Servat. 1771. 1792. Hahns Stricker 11. der Tôt in mit grimme suochte. Diut. 1, 407. der grimme tôt war der name eines schwertes. MSH. 3, 236a. der grimmige tôt. Diemer 73, 24. 173, 27. warnung 2750. vil grimmeclîcher tôt. Hagen Ges. Abent. 1, 300. der arge tôt. Ernst 1954. der übel tod, der bitter. ring 6d, 12. 54b, 26. franz. male mort. ez ist niht wirsers danne der tôt. Er. 7935. der leide dôt. Haupts zeitschr. 2, 197 (wie der teufel). die felle Dôt. Maerl. 2, 133. der gewisse Tôt. Helbl. 1, 109. Wigal. 6061. 6132. er was des gewissen Tôdes. Diemer 218, 14. gewis sam der Tôt. Lanz. 5881. jâ weistu rehte alsam den Tôt. Flore 3756. ich weiz ez wârez als den Tôt. Trist. 119. 17751. 19147. Ulr. Trist. 1964. der gemeine Tôt. Hahn 78, 20. 91, 48. Greg. 3769. Schwabensp. s. 179. der gemeinlîche tôt, Kl. 534, θάνατος ομοι̃ος. Od. 3, 236. qui omnes manet vgl. etr. Mantus, von manere. Gerhard s. 17. 56..

Wichtiger für die untersuchung wird, daß im Reinardus 3, 2162 eine knöcherne geige ›ossea ut dominus Blicero‹ heißt, worunter nichts anders als der Tod kann gemeint sein, bezeichne das den bleichen oder den bleckenden, oder, was ich vorziehe, sei es der eigenname Blîdger, Blicker mit bloßer andeutung jener begriffe. ein knöcherner pferdekopf wird hier dem wolf, als spielerfahrnem (joculandi gnarus) spöttisch zur geige gereicht, beinern wie ein todtengerippe. Nun ließe sich jenes s. 551 unerklärte caput caballinum in der that als symbol des Todes (s. 704) und des todtenrosses (s. 701) deuten. wie die klostergeistlichen zur 709 erinnerung an das sterben menschliche todtenköpfe im gemach aufstellten, mochten sie auch pferdeschädel innerhalb der mauern aufhängen? einem ältern heidnischen brauch war wiederum christliche betrachtung untergelegt? Hat dies grund, so begreift sich, warum den flandrischen dichter das pferdehaupt auf den Tod leitete, ja es könnte sein, daß fanatische bildner den Tod auf ihm statt einer geige oder pfeife spielen ließenin Niederhessen ein ort Todenpfeife. Rommel 5, 375. Remigius dämonol. 145 läßt in hexenversammlungen auf einem todten roskopf statt der cither spielen und diese analogie entscheidet fast. auch bei Philand. von Sittew. (p. m. 174) ein Tod mit der leier.?

Auf alle fälle lehrt dominus Blicero, daß in der mitte des 12 jh. die vorstellung des Todes durch ein gerippe gäng und gäbe war. eine frühere spur kenne ich nicht, halte es aber für sehr möglich sie aufzufinden. man weiß, daß bereits den Römern fleischlose, verschrumpfte larven oder skelette zur bezeichnung des Todes dientenO. Müllers archäol. 696. 697. Lessing 8, 251. 252.. Auf grabsteinen des MA. werden schon frühe leichen als ganze oder halbe gerippe dargestellt seinNachtrag: Dominus Blicero heißt bei Coremans 109 Bleker. daß euch der blickars reut! Garg. 134b. der blaße menschenfraß. Fleming s. 142. nhd. der knöchler, der knochenmann. der Tod wurde grausig dargestellt. an sînem schilde was der Tôt gemâlt vil grûsenlîche. Wigal. 2998. vgl. des Tôdes schildgemaele. Tit. 2689. und die Harii (s. 792) und die todtenkopfhusaren. auf dem grab bei Kumae erscheinen die skelette in tanzender stellung. Olfers in den abh. der acad. 1830. s. 15. 19–22.. dichter des 13 jh. schildern die Welt (oben s. 661) als ein vornen schöngebildetes weib; dessen rücken von schlangen und nattern erfüllt wirddas gedicht ist vor dem Wigalois abgedruckt.. auch dieser gedanke mag ein höheres alter haben; nahe verwandt ist ihm die dichtung von drei lebenden und drei todten königenStaphorst I. 4, 263. Bragur 1, 369. altfranz. les trois mors et les trois vis. Roquefort 2, 780. catal. de la Vallière p. 285. 286. vgl. Douce p. 31 ff. und catalogue of manuscripts in the british museum vol. 1. Lond. 1834 p. 22. (cod. arundel. no. 83 sec. xiv) samt der abbildung auf pl. 7..

Diese bald allgemein herschende vorstellungsweise des Todes steht den antiken abbildungen wie der altheidnischen ansicht schrof entgegen. den lieblich gestalteten, dem schlafe gleichen genius, den kindlichen todesengel hat ein gräßliches, der wirklichkeit im grabe verwesener leichname abgesehenes bild verdrängt; und doch zeigt sich hier die wirkung der alles ergreifenden, alles besänftigenden poesie. die älteren vorstellungen des wegführenden, anfallenden, tanzenden Todes auf solche larven angewandt haben eine fülle echt volksmäßiger, naiver und humoristischer bildwerke hervorgebracht; ja ihr reichthum ist von den künstlern noch lange nicht erschöpft. ohne den rippenhaften Tod, welcher tracht und gebärde der lebenden nachäfftwie in der fabel die thiere der menschen. und gegen das blühende leben grell absticht, gienge der reiz und die eigenthümlichkeit dieser erfindungen verloren. Weniger ergötzend müssen processionen, schauspiele gewesen sein, welche zur zeit des 15 jh., und vielleicht früher, in Frankreich für solche darstellungen üblich waren: damals entsprang dort eine besondere benennung des todtentanzes: chorea Machabaeorum, franz. la danse Macabreneuste schriften über den todtentanz: Peignot recherches sur les danses des morts. Dijon et Paris 1826. Francis Douce the dance of death. Lond. 1833. der letztere leitet Macabre von dem heil. Macarius, dem in einer vision drei todtengerippe erscheinen. ich begreife nicht, wie daraus chorea Machabaeorum, was in den ältesten zeugnissen geschrieben steht, geworden wäre, vgl. Carpentier s. v. (a. 1424. 1453). es müste sich aus den alten gemälden ergeben, daß man die sieben, zugleich gemarterten helden des A. T. als hauptpersonen einflocht. vielleicht ist es noch richtiger macabre aus dem arab. magabir, magabaragh (todtenhof, cimeterium) zu deuten. vgl. über diese darstellungen Michel. hist. de France 4, 409–412 (Paris 1840)..

710 Eine andere weit jünger als Blicker scheinende, jetzt aber allgemein bekannte benennung des Todes ist freund Hein oder Hain; ich kann sie nicht einmal bis zur mitte des vorigen jahrhunderts hinaufführenMusaeus (volksm. I, 16), Claudius, Gotter bedienen sich ihrer. nach der vorrede J. R. Schellenbergs zu freund Heins erscheinungen, Winterthur 1785 wäre Claudius' Asmus seit 1775 erfinder des namens, was ich sehr bezweifle; verbreitet hat er ihn.. an sich sieht sie alt und passend genug aus, wäre auch mancher deutung fähig. nach vielfacher berührung zwischen Tod, riese und andern geistern könnte einmal der name Heine (s. 417) vom kobold hergenommen sein und der beisatz freund entspräche dem gesell, nachbar, holde jener elbischen wesen, die unter der benennung Heimchen, Heinchen vorkommen (s. 228. 380) und an den begrif abgeschiedner seelen streifen. man erwäge den niederd. ausdruck heinenkleed für todtenkleid (oben s. 369). weil aber auch hünenkleed geschrieben wird, so ist man auf heun, hüne, riese (s. 433) geleitet und selbst Hein ließe sich aus Heimo (s. 321) oder Hagano (s. 344) erklären. Eine voigtländische sage vom gotte Hain (Jul. Schmidt s. 150) oder die thüringische von einem alten haingott (Rosenkranz neue zeitschr. I. 3, 27), weil beide völlig unsicher sind, mag ich nicht auf den ungewissen freund Hein anwenden. noch geringere rücksicht verdient eine benennung des mortuariums hainrechtMittermaiers privatrecht § 77 no. 27., die wahrscheinlich aus heimrecht, heimfall entspringt.

Kaisersberg nennt den Tod holzmeier. er schrieb ein buoch de arbore humana (Straßb. 1521 fol.) ›darin geschicklich und in gottes lob zu lernen ist, des holtzmeyers, des dotz, frölich zu warten‹. 118b ferner: ›also heißet der tod ein dorffmeyer oder ein holtzmeyer, vnd billich hat der tod den namen, wan der tod des holtzmeyers eigenschaft an im hat, als ir horen werden, wil got. die erst eigenschaft des dorfmeiers ist communitas, er ist ein gemeine person allen denen die in dem dorf sein, er sol sich inen allen gleich erzögen. also der holzmeyer ist auch gemein allen baumen, er ubersicht keinem baum, er hawet sie alle ab‹die frühern lat. ausg. 1514, 115b. c und 1519, 105b. c haben in klammern ›der dorfmeyger und der holzmeyger‹.. Der Tod wird hier als förster, forstmeister aufgefasst, dem es zusteht alle bäume des waldes zu fällen. An einigen orten soll der todtengräber holzmeier genannt werden.

Im deutschen schlemmer, einem drama des 16 jh., heißt der Tod der bleiche Streckefuß oder Streckebein, auch Gryphius 711 (kirchhofsged. 36) nennt ihn Streckfuß, weil er sterbenden die glieder streckt, löst (λυσιμελής), schon in dem mehrangeführten meistergesang des 14 jh. ›er hat kein ru, er hab gestrecket mir das fell‹ (mus. 2, 188). Christ. Weise (drei erzn. 314) hat Bleckezahn und Streckebein; anderwärts finde ich Dürrbein, Klapperbein, namen des skeletts. die beziehung von kupferbickel (ackermann p. 34) bleibt unklarNachtrag: Freund Hain läßt sich nicht so leicht breit schlagen. Hans Wurst doktor nolens volens. Frankf. und Leipz. 1779 s. 39. und hier erwies Freund Hayn dem küster diesen liebesdienst (des küsters frau stirbt im wochenbett). Kindleben, Wilibald Schluterius. Halle 1779 s. 114. J. Paul gebraucht den ausdruck im Q. Fixlein s. 170 und Lessing 12, 505 im J. 1778. aber schon in Egenolfs sprichw. bl. 321b (sawr sehen) steht: er sieht saur, er sieht wie Henn der teufel. die übrigen redensarten sind aus Seb. Frank entlehnt; diese ist der egenolfschen samlung eigenthümlich. vgl. Heintze Pik, de dood. v. d. Bergh 155. Der Tod streckt die glieder. als sie der Tôt gestracte. Ernst 3011. θάνατος τανηλεγής, langausstreckend. Od. 3, 238. 11, 171 ff. an deme streckefoisze (ort). Arnsb. urk. no. 493 a. 1319. Bleckezahn kommt auch bei Fleming s. 425 vor..

Es ist übrig einiger ausgebildeteren mythen zu gedenken, die sich von dem Tod erhalten haben, und gewis hohes alters sind.

H. Sachs (1, 102b) bedient sich vom nahenden Tode des ausdrucks, er zucke dem menschen das stüllein, er stoße ihm den stul um, daß er zu boden stürzen muß. er nimmt ihm sitz und stelle unter den lebenden; ich vermute davon eine ausführlichere erzählung. Noch gewöhnlicher heißt es in gleichem sinn; der Tod hat ihm das licht ausgeblasen (wie Berhta augenlichter ausbläst, s. 229), weil die begriffe licht, leben, aufenthalt unter lebenden übereintreffenWh. 416, 14 bî liehter stumen dâ verlasch manegem Sarrazin sîn licht, Lohengr. 133 er sluoc in, daz im muose daz licht erlischen.. Die lebenskraft war gebunden an ein licht, an eine kerze, an ein scheit, mit deren verzehren der tod erfolgt (s. 339. 344). Hier hängt nun die idee des Todes tief zusammen mit der von dem fatum. der genius senkt die fackel, dreht sie um, und das licht des lebens ist erloschen. schon dem neugebornen kind hat die norn ein licht gezündet, woran sein lebensfaden gebunden ist; vielleicht bezieht sich darauf noch das kerzenentzünden bei geburtstagsbescherungenim kinderspiel ›stirbt der fuchs so gilt der balg‹ (KM. 2, xviii) wird ein brennendes holz herumgereicht, dessen erlöschen entscheidet.? Wir besitzen ein treflich ausgedachtes märchen von dem gevatter Tod (KM. no. 44), dessen schluß eine unterirdische höle darstellt, worin tausend und tausend lichter in unübersehbarer reihe brennen. das sind die leben der menschen, einige noch in großen kerzen leuchtend, andere schon zu kleinen endchen heruntergebrannt; aber auch eine lange kerze kann umfallen oder umgestülpt werden. Vorher geht, daß der Tod einem armen mann zu gevatter gestanden und seinen pathen mit der gabe beschenkt hat, ihn wenn er sich kranken nahe leiblich zu erblicken, und aus seiner stellung zu entnehmen, ob der sieche genese oder nichtwie der sich zu oder abwendende blick des vogels charadrius über leben oder tod entscheidet. Freidank einl. lxxxvi, wo eine strophe des Titurel 5154. 5155 und der altfranz. bestiaire (Roquef. s. v. caladrio) unangeführt sind.. Der pathe wird arzt und gelangt zu ehren und reichthum: wenn der Tod an des kranken haupt steht, so ist er ihm verfallen, steht er zu seinen füßen, so kommt der kranke davon. einigemal dreht der arzt den kranken um, und überlistet den Tod, zuletzt aber rächt sich der Tod und läßt seines pathen licht unversehens umfallenvielleicht stieß jener umgeworfne stuhl zugleich das licht um?. In dieser ganzen 712 fabel erscheint der Tod freundlich, vertraulich und schonend, erst wenn äußerste noth da ist, vollstreckt er sein amt, daher auch seine gevatterschaftheißt der Tod auch bruder des menschen, wie sonst des schlafs? ›bruoder tôt‹ Ben. 262 ist fratris mors. zu dem menschen, die sichtbar der alterthümlichen einkehr der nornen im hause des neugebornen und deren begabung (s. 338. 341) entspricht, wie in andern kindermärchen feen zu pathen gebeten werdendie halbgöttlichen nornen und feen schützen und beschenken wie christliche pathen.. das erlöschende licht gleicht der kerze und dem scheit, an welche Nornagests und Meleagers leben geknüpft ist (s. 339. 344). Also ein uralter, heidnisch-deutscher mythus, bei dem man sich bis in spätere zeit den Tod nicht als geripp dachte, sondern als einen menschlich oder göttlich gebildeten. Es darf nicht verwundern, daß die sage mit vielfachen abweichungen vorkommt, welch KM. 3, 72 noch unvollständig angeführt sind: nach einigen stellt der Tod seinem pathen einen ring zu, mit dem er krankheiten beurtheiltEttners unwürd. doctor p. 190.. Schon Hugo von Trimberg erzählt am schluß seines werks ›von dem Tôde wie er ein kint huop‹, hat aber dürftige auffassung (ed. bamb. 23665–722): der Tod verspricht seinem gevatter, ehe er ihn abhole, seine boten zu senden (wie in dem meistergesang s. 706), diese sind ohrenklingen, augenfließen, zahnschmerz, hautschrumpfen, bartergrauen. die gevatterschaft allein verbürgt den zusammenhang mit dem späteren märchen. auffallend ist der anklang des ahd. toto (gevatter, pathe) mhd. tote (Parz. 461, 10. Wh. 7, 21) an tôt (mors), wiewol die quantität der vocale beide wörter genau scheidet und erst ein ablautsverhältnis sie wieder vereinigen müste; aus dem wortspiel erwuchs die sage nichtvgl. oben s. 80 über die verwandtschaft zwischen got und gode.Nachtrag: Dem ausdruck des H. Sachs ähnlich, doch nicht so bildlich, ist die wendung: der tôt uns zucke daz leben. Renner 20389. Hagen Ges. Abent. 1, 299. Über das lebenslicht s. Wackernagel in Haupts zeitschr. 6, 280–284. das leben ist unstaete, wan ez erleschet der Tôt als ein lieht. altd. bl. 2, 122. der teufel (d. h. hier der tod) soll holen, sobald ein wachslicht niederbrennt. Müllenhoff s. 180. über die fackel des Eros, dessen anderes attribut, gleich dem des todes, der bogen ist, und sein verhältniss zu Psyche s. Gerhards Eros s. 5. 15. 32. KM.3 3, 70. Der Tod ist gevatter. vgl. auch Phil. von Sittew. 2, 673. 674. so wird der hobergsgubbe, der bergmann zu gevatter geladen. s. 157. Müllenhoff s. 289. bei der gevatterschaft wird auf das stehen zu kopf oder zu füßen geachtet: koppvadder, stertvadder. Schütze 4, 194. 195. die slav. sage von der gevatterin Smrt in Wolfs zeitschr. 1, 262. 263 vgl. mit dem deutschen märchen von dem gevatter Tod. KM. no. 44 und anm. Über den tod oder leben bringenden blick des vogels charadrius s. Plutarch. sympos. V. 7, 2. physiol. b. Karajan s. 104..

Gleich ausgezeichnet, aber heiterer, ist das märchen vom Tod und dem Spielhansel (no. 82. vgl. 3, 135–148), der jenen auf einen baum festbannt, so daß sieben jahre lang niemand in der welt stirbt. hierzu hat Welcker aus Pherekydes nachgewiesenanhang zu Schwenck p. 323. 324., wie Zeus dem Sisyphos den Tod auf den hals schickt, der ihn mit starken banden fesselt, und wie nun niemand sterben kann; Hades kommt selbst, macht den Tod frei und überliefert ihm den Sisyphos. Die deutsche fabel verwebt den Teufel in die geschichte. Seit der Teufel in den besitz der hölle gesetzt war, muste er neben den Tod treten, wie die alliteration ›tod und teufel!‹ beide zusammenstellt. auch den Litthauern und Letten wandelte sich Welnas, Wels, ihr ursprünglicher todesgott, in den Teufel. Der christlichen ansicht gemäß empfiengen engel die seelen der frommen, teufel die der gottlosen (s. 698), der abholende Tod spaltete sich also in eine doppelte gewalt, je nachdem er dem engel oder dem teufel glich. als englischer bote steht er dem christlichen Michael 713 zunächst, dessen amt es war, seelen zu empfangen (Morolt 2660. 2715), vgl. s. 698. Von uralten leuten, die noch fortleben, pflegt man zu sagen ›der Tod hat vergessen sie abzuholen‹. klage 122 heißt es: ›der Tôt het ir minne, die dâ sterben solden‹, wuste sich ihrer wol zu erinnern, oder, wie Lachm. auslegt, begehrte ihrer zu seinem gesinde (vgl. oben s. 706).

Meine ausführungen werden nicht zweifelhaft lassen, daß der heidnische Tod in eine zweite ordnung der götter gehört; weshalb er sich auch vorzüglich berührt mit den halbgöttlichen valkyrien und nornen: er hängt ab von Ođinn und Hel; unter den griech. göttern stehn ihm zunächst Hermes und Hades, Persephone samt Charon dem fährmann. sein wesen ist aber auch dem der elbe, hausgeister und genien nicht unverwandt.

Wie er sich mit einer zeitgottheit des jahres, dem Winter, mengte, erörtert cap. xxiv; darum mag er einigemal an Kronos gemahnen.

In unserm heldenbuch kommt der Tod als ein abgott vor, dem der Heide Belligan vor andern göttern dient, und dessen bild Wolfdietrich zerbricht. ich weiß dies sonst nicht bestimmt anzuknüpfen: es wird ein teuflisches wesen verstanden sein.

In den finnischen liedern werden häufig Manala und Tuonela neben einander genannt und doch geschieden. jenes ist die unterwelt (von maa erde), dieses das todtenreich, Tuon (= θάνατος) der Tod, die Halja. nach Kalewala rune 6–9 scheint Tuonela fluß der unterwelt, auf dem heilige schwäne schwimmenNachtrag: Über das märchen von dem Tod und dem Spielhansel s. vorr. XXXI. der litth. Welnas heißt bei Lasicz 48 vielona deus animarum. neben dem finn. Tuoni wird noch ein todtengott Kalma genannt. Schotts Kullervo s. 218. 235.. 714

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