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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 21
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. XXI. Bäume und Thiere.

Da nach der ansicht des heidenthums die ganze natur für lebendig galtam beziehungsvollsten drückt es der eddische mythus von Baldr aus: dem geliebten gott alle drohende gefahr abzuwenden, nahm Frigg eide von wasser, feuer, erde, steinen, gewächsen, thieren, vögeln, gewürmen, ja von den persönlich gedachten seuchen, daß sie seiner schonen wollten; einem einzigen strauch erließ sie den schwur, weil er zu jung war. Sn. 64. Um den todten Baldr weinen hernach alle geschöpfe, menschen, thiere, pflanzen, steine. Sn. 68. Der alts. dichter des Hel. nennt die stumme natur das ›unquethandi‹ und er drückt sich 168, 32 so aus: that thar waldandes dôd unquethandes sô filo antkennian scolda, that is endagon ertha bivôda, hrisidun thia bôhun bergos, harda stênos clubun, felisos after them felde. zwar sind diese naturereignisse biblisch (Matth. 27, 51. 52), doch möglicherweise schwebte dem verfasser (wie s. 122. 255) eine heidnische vorstellung in gedanken, hier die klage um Balder der um den heiland ähnlich. Herbort läßt alles den Hector bejammern: hätten, sagt er 68a, steine, zinnen, kalk und sand witz und sinn, würden sie auch geklagt haben. Ebenso tief in der menschlichen natur gegründet ist, daß der unglückselige sein leid den felsen, bäumen und wäldern klage; das ist schön ausgesprochen in dem lied Ms. 1, 3b und alle, denen hier geklagt worden war, erbieten sich zu hilfe., den thieren sprache und verständnis menschlicher rede, den pflanzen empfindung zugegebenNachtrag: Wie nach Freidank 10, 7 engel unsterblich sind, von menschen nur die seele unsterblich, der leib aber sterblich ist, von thieren leib und geist sterblich sind, so legt Berthold s. 364 dem steine wesen, der pflanze wesen und leben, dem thier empfindung bei. nach Schelling schläft das leben im stein, schlummert in der pflanze, träumt im thier, wacht im menschen. baum und stein gehen nicht, wie das thier, daher skr. aga und naga (non iens) = baum und berg. Bopps glossar 2a. 189a. ähnlich wird im Ma. ›ligendez und lebendez‹ unterschieden. Diemer 89, 24. N. Boeth. 164 nennt boume und chriuter, diu fone saffe lebent, dagegen unlebende: lapides, metalla. estn. heißen die thiere ellajat lebende, die pflanze kaswjas das lebende. Nicht nur die wilden vögel betrübt die menschliche klage. Walther 124, 30 und fische und thiere helfen klagen Ges. Abent. 1, 8, sondern ›elliu geschefede‹, mai, sommerwonne, heide, klee, wald, sonne, Venus. MS. 1, 3b. gi bom, gras, lof unde krût, helpet mi skrigen over lût! Marienklage 386. blumen und gras grämen sich über die unthat und trauern. Petersb. ausz. von Kalevala s. 25 und verdorren, in volksliedern. bluomen brehent und smierent. MS. 1, 44b. dô daz spil ergangen was, dô lachten bluomen und gras. Ges. Abent. 1, 464. die boum begunden krachen, die rôsen sêre lachen. Hagen Ges. Abent. 1, 464. die blumen streiten auf der heide. dô sach ich bluomen strîten wider den grüenen klê, weder ir lenger waere. Walth. 114, 28. dû bist kurzer, ich bin langer, alsô strîtens ûf dem anger bluomen unde klê. 51, 35. vil maniger hande bluomen kîp. MS. 1, 35b. bluomen kriegent umb ir schîn. Lohengr. s. 154. bluomen lachent durch daz gras, der kurzer, dirre lenger was. Dietr. drachenk. 1067. vgl. kl. schr. 2, 157. sie haben ihre regel (altd. w. 1), ihre vorzüge, bedeutung und sprache. vgl. die blumenspiele (anm. 2331). Bei den Indern und Hellenen war der baumcultus sehr ausgebildet. die Hindus vermählen bäume, besonders mango, tamarindenbäume, sträuche wie rosen und jasmin, teiche, steine unter großer feierlichkeit mit einander. Sleemann rambles and recollections. Woycicki, deutsche übers. s. 144. 145. von der griech. baumverehrung handelt Bötticher. die Deutschen wecken die bäume wie das korn. Zingerle 691. bäumchen schlaf nicht, frau Holle kommt. bäumchen wach auf, neujahr ist da! Sommer 162. 182. der wald schläft neujahrs. Ph. Dieffenbachs wetterauer s. s. 274. vgl. P. Gerhardts lied: nun ruhen alle wälder. baumwipfel bewegen sich und tragen botschaft. Wolfs zeitschr. 2, 161. die birken wissens noch. Gellert 3, 388. bäume blühen bei frohem ereignis, dorren bei bevorstehendem todesfall. Sueton. Galba 1. wie die römischen kaiser, hatten auch die Griechen familienbäume. Völsungs baum, barnstockr, stand in der halle Völs. cap. 2. vgl. unser wort: stammbaum., unter allen geschöpfen aber vielfacher wechsel und übergang der gestalten geglaubt wurde; so folgt von selbst, daß einzelnen ein höherer werth beigelegt, ja dieser bis zur göttlichen verehrung gesteigert werden konnte. götter und menschen wandelten sich in bäume, pflanzen oder thiere, geister und elemente nahmen thierformen an; es lag nahe den cultus, dessen sie theilhaft waren, der abgeänderten besonderheit ihrer erscheinung nicht zu entziehen. unter diesen gesichtspunct gebracht hat eine verehrung der bäume oder thiere nichts befremdliches. roh geworden ist sie nur dann, wenn im bewustsein der menschen das höhere wesen hinter der angenommenen form schwand und diese nun allein es zu vertreten hatte.

Von göttlich verehrten gewächsen und geschöpfen zu unterscheiden sind aber solche, die heilig und hoch gehalten wurden, weil sie in näherem bezug zu göttern oder geistern standen. dahin gehören zum opfer dienende pflanzen oder thiere, bäume, unter denen höhere wesen wohnen, thiere, welche sie begleiten.

Beiderlei arten lassen sich kaum trennen, weil ungenaue, unvollständige nachrichten nicht zu erkennen geben, welche gemeint sei.

540 In wie hohem ansehn Wälder und Bäume bei den heidnischen Deutschen standen hat schon das vierte cap. gezeigt. einzelnen gottheiten, vielleicht allen, waren haine, in dem hain vermutlich noch besondere bäume geweiht. ein solcher hain durfte nicht von profanen betreten, ein solcher baum nicht seines laubes, seiner zweige beraubt und nie umgehauen werdensacrum nemus, nemus castum bei Tacitus. Ovid. amor. III. 1, 1:

stat vetus et multos incaedua silva per annos,
    credibile est illi numen inesse loco:
fons sacer in medio, speluncaque pumice pendens,
    et latere ex omni dulce queruntur aves.

Lucan. phars. 3, 399: lucus erat longo nunquam violatus ab aevo. So der semnonische wald, das nemus der Nerthus, das slavische lucus Zutibure, der preussische hain Romowe. Bei den Ehsten gilt für ruchlos, im heiligen hain auch nur ein blatt abzubrechen: so weit sein schatten reicht (ut umbra pertingit. RA 57. 105) nehmen sie nicht einmal eine erdbeere weg; manche begraben heimlich ihre todten dahin (Petri Ehstland 2, 120). solche wälder nennen sie hio und davon heißt die insel Dagö ehstn. Hiomah, weil neben dem hof Hiohof nahe ein geweihter wald liegt. (Thom. Hiärn.)

. Auch einzelnen dämonen, elben, wald und hausgeistern sind bäume geheiligt (s. 421).

Nähere schilderungen, wenn sie auf uns gekommen wären, würden manches wissenswerthe von der hegung und unterhaltung heiliger wälder, von den darin begangnen opfern und festen mittheilen. Im indiculus paganiarum heißt es ›de sacris silvarum, quae nimidas vocant‹. der deutsche ausdruck scheint mir unverderbt, darum nicht leichter verständlich: es ist ein plur. masc. vom sg. nimidwie helid (heros) gimeinid (communio) frumid pl. frumidas (ags. frymdas, primitiae), barid (clamor, das ich aus Tac. baritus folgere)., wir müsten von sämtlichen bedeutungen unterrichtet sein, deren das einfache verbum neman vor alters fähig war, um den sinn des wortes zu treffen. ist das deutsche nimu, wie es allen anschein hat, einerlei mit νέμω, so mag sich auch nimid dem gr. νέμος und lat. nemus vergleichen: weidetrift, wald mark, sacrum silvaekönnte nimid heidnischer ausdruck sein für opfer? abnemen heißt im 13 jh. mactare, schlachten (vom vieh gebraucht) Berthold p. 46 wie wir noch beute abthun, abschneiden sagen, Ulf. ufsneiþan; Schmids schwäb. wb. 405 abnehmen, geflügel abschlachten. diese bedeutung wird nicht in der partikel liegen, nur im worte selbst beruhen: niman, neman wäre also schneiden, schlachten, theilen. nimidas wären im heil. hain, unter bäumen geschlachtete opfer? vgl. was im text über den langobard. opferbaum gesagt wird. Celtische etymologien scheinen für diesen offenbar sächsischen indiculus weniger gerecht. schon Adelung (Mithrid. 2, 65. 77) verglich Nemetes und nemet (templum), naomh ist ir. sanctus, neamh (gen. nimhe) coelum, neimheadh geweihtes, der kirche gehöriges land. (s. 55). urkunden von 1086 und 1150 geben einen ortsnamen Nimodon, Nimeden (Mösers osnabr. gesch. urk. no. 34. 56. 8, 57 84), diese analogie kann weiter leitenNachtrag: Zu nimid stellt sich vernemet fanum ingens. Venant. Fort. 1, 9. Diefenb. celt. 1, 83. 84. vernemet; silva quae vocatur nemet. Glück s. 17. δρυνέμετος. Strabo 567. GDS. 497. Zeuß d. Deutschen s. 220 leitet nemet von neamch coelum und sieht darin ein sub divo, also einen gegensatz von wald. ein vocab. optim. s 47a übersetzt silva wilder walt, nemus schoener walt, lucus dicker walt, saltus hoher walt..

Unter einzelnen heiligen bäumen hat gewis eine zeitlang nach der bekehrung das volk fortgefahren lichter anzuzünden und kleine opfer darzubringen, wie es sie noch heute bekränzt, und reigen darunter 541 führt (s. 47). das hieß in den kirchlichen verboten: ›vota ad arbores facere aut ibi candelam seu quodlibet munus deferre, arborem colere, votum ad arborem persolvere, arbores daemonibus consecratas colere, et in tanta veneratione habere, ut vulgus nec ramum nec surculum audeat amputare‹. das ist das ags. treovveorđung (cultus arborum), das altn. blôta lundinn. Landn. 3, 17. Die acta Bened. sec. 2. p. 841 berichten: ›adest quoque ibi (zu Lutosas, heute Leuze) non ignoti miraculi fagus, subter quam luminaria saepe cum accensa absque hominum accessu videmus, divini aliquid fore suspicamur‹. so nutzte die kirche den aberglauben für ihre wunder: an der stelle des baums wurde ein kloster gestiftet. Von den heutigen Ehsten wird in Rosenplänters beitr. 9, 12 erzählt: noch vor einigen jahren opferten sie im kirchspiel Harjel in der Georg, Johannis und Michaelisnacht unter einigen bäumen, d. h. sie schlachteten ein schwarzes huhnnach dem aberglauben der lausitzischen Wenden gibt es wälder, die jährlich ein menschenopfer fordern (gleich den flüssen, oben s. 409): es muß ein mensch darin sein leben lassen, hohla dyrbi kojz'de ljeto jeneho cz'loweka mjecz'. (lausitz mon. schr. 1797 p. 748.). Von der heiligen eiche des donnergottes wurde s. 58. 59. 142. 153 berichtet, und gramm. 2, 997 der ahd. ausdruck scaldeih (ilex) den ags. pflanzennamen scaldhyfel, scaldþyfel und dem auch oben s. 77 angeführten scaldo verglichen. das alles ist noch unsicher und bedarf näheren aufschlusses.

Bei den Langobarden kommt die verehrung des sogenannten blutbaums oder heiligen baums vor (oben s. 90). genaueres davon meldet die vita sancti Barbati in den actis sanctor. vom 19 febr. p. 139. Der heilige (geb. um 602, † um 683) lebte zu Benevent, unter den königen Grimoald und Romuald, das langobardische volk war getauft, hieng aber noch an abergläubischen gebräuchen: quin etiam non longe a Beneventi moenibus devotissime sacrilegam colebant arborem, in qua suspenso corio cuncti qui aderant terga vertentes arbori celerius equitabant, calcaribus cruentantes equos, ut unus alterum posset praeire, atque in eodem cursu retroversis manibus in corium jaculabantur. sicque particulam modicam ex eo comedendam superstitiose accipiebant. et quia stulta illic persolvebant vota, ab actione illa nomen loco illi, sicut hactenus dicitur, votum imposuerunt. Barbatus predigt vergebens dawider: illi ferina coecati dementia nil aliud nisi sessorum meditantes usus, optimum esse fatebantur cultum legis majorum suorum, quos nominatim bellicosissimos asserebant. Als Romuald nach Neapel zieht, repente beatissimus Barbatus securim accipiens et ad votum pergens suis manibus nefandam arborem, in qua per tot temporis spatia Langobardi exiliaie sacrilegium perficiebant, defossa humo a radicibus incidit ac desuper terrae congeriem fecit, ut nec indicium ex ea quis postea valuerit reperireeine andere vita Barbati (das. p. 112) erzählt folgendergestalt: nam quid despicabilius credendum est, quam ex mortuis animalibus non carnem sed corium accipere ad esum comestionis, ut pravo errori subjecti Longobardi fecerunt? qui suarum festa solennitatum equis praecurrentibus unus altero praecedente, sicut mos erat gentilium, arbori ludificae procul non satis Benevento vota sua solvebant. Suspensa itaque putredo corii in hanc arborem divam equorum sessores versis post tergum brachiis ignominiam corii certabant lanceolis vibrare. cumque lanceolis esse vibrata pellis mortua cerneretur, veluti pro remedio animae ex hac illusionc corii partis mediae factam recisionem gustabant. ecce quali ridiculo vanae mentis homines errori subjacebant pestifero.. Diese nachricht vom 542 niederhauen des baums klingt prahlerisch und unwahrscheinlich, die beschreibung des heidnischen gebrauchs mag aber getreu sein. ich habe s. 145 gewiesen, daß von Osseten und Circassiern stangen mit thierhäuten zu ehren göttlicher wesen aufgerichtet wurden, nach Jornandes bei den Gothen dem Mars ›exuviae truncis suspensae‹ (oben s. 62), daß überhaupt thiere an opferbäumen hiengen (s. 61. 63); vermutlich war auch dieser baum einem gotte durch opfer heilig d. h. durch votivopfer einzelneroben s. 299; votum nicht bloß das gelübde, auch die oblatio rei votivae. votare puerum bei Pertz 2, 93 was sonst offere., der ganze ort hieß davon ›ad votum‹. Welche bedeutung der speerwurf durch die hängende haut hatte, ist noch nicht klar; auch im Norden pflegte man durch aufgehängte rohe ochsenhäute zu schießen (fornm. sög. 3, 18. 4, 61), es war zeichen von kunst oder stärke. daß es rückwärts geschah, erhöhte die schwierigkeit, und ist alterthümlichso muste das beste haupt hinterrücks angerührt werden, RA. 396; so wird abgewandtes haupts geopfert (s. 408), rückwärts über das haupt geworfen (s. 523).. warum das herausgeworfene stückchen haut genossen wurde? ist schwer zu sagen; sollte dadurch verstattete theilnahme an dem opfer (s. 38) zu erkennen gegeben werden?Nachtrag: Die Lappen schießen mit verbundnen augen nach der aufgehängten bärenhaut. Klemm 3, 14. Dybecks runa 4, 92. die Indianer hängen dem herrn des lebens eine bisonhaut an einer hohen stange auf und zerschneiden sie darnach in kleine stücke. Klemm 2, 164. ebenso wird eine hirschhaut aufgehangen. Klemm 2, 179. solche opferfelle hängen auch auf die Tungusen, Ostiaken, Buräten, Tscherkessen. Klemm 3, 106. 125. 114. 4, 91. das goldene vlies des widders wird aufgehangen. Preller 2, 211.

Nicht bloß bäume unter welchen geopfert, an welchen haupt oder haut des geschlachteten thiers aufgehangen wurde, galten für heilige; auch stämme, die auf opferthieren erwuchsen. die satzweide auf dem todten füllen oder kalb soll nicht versehrt werden (abergl. 838); sind das nicht völlig des Adam von Bremen ›arbores ex morte vel tabo immolatorum divinae?‹ (oben s. 61)eine scholie zu Adams von Bremen hist. eccl. (Pertz scr. 7, 379) ist der anführung werth: prope illud templum (upsaliense) est arbor maxima, late ramos extendens, aestate et hieme semper virens: cuius illa generis sit, nemo scit, ibi etiam est fons, ubi sacrificia Faganorum solent exerceri et homo vivus immergi, qui dum immergitur (al. invenitur), ratum erit votum populi. sinken im wasser war gutes zeichen, wie beim gottesurtheil (BA. 924 vgl. cap. XXXIV. hexenbad)..

Unter den geheiligten bäumen (im späteren mittelalter sind sie gewöhnlich frau angeredet) steht oben an die eiche (s. 58–62), eine eiche oder buche ist die arbor frugifera beim loosen (Tac. Germ. 10). Nächst der eiche war die esche heilig, wie schon der mythus von erschaffung des menschen lehrt; von der esche Yggdrasill wird in cap. XXV zu handeln sein. der wolf, dessen begegnung sieg verheißt, steht unter eschästen. ›the common people believe, that tis very dangerous to break a bough from the ask, 543 to this very day‹. Rob. Plots Staffordshire s. 207. eine abart der esche ist rountree, rowantree, den man für zauberhaft hält. (Brockett p. 177)esculus Jovi sacra. Plin. l6, 4.. (vgl. cap. XXXVII rönn.) Auch mit frau Hasel führen unsre volkslieder gespräche, und das alte gericht wie noch heute saatfelder zu hegen dienten haseln. RA. 810. nach Östgötalag (bygdab. 30) soll in gemeinem wald jeder hauen dürfen, ohne buße, außer eichen und haseln, die haben friede, d. h. können nicht gefällt werden. abergl. 972 wird gesagt, daß eiche und hasel widerwillen gegeneinander haben und sich nicht vertragen, sowenig als hagen und schlehe (weißdorn und schwarzdorn). Auch der hollunder (sambucus) ahd. holantar genoß ausgezeichneter verehrung, holan für sich bedeutet schon einen baum oder eine staude (ags. cneovholen, ruscus). in Niedersachsen heißt die sambucus nigra ellorn, ellhornags. ellen. die canones editi sub Eadgaro rege reden cap. 16 (Thorpe p. 390) von der zauberei die getrieben werde ›on ellenum and eác on ođrum mislîcum treovum‹ (in sambucis et in aliis variis arboribus).: Arnkiel erzählt 1, 179 unverdächtig: ›also haben unsere vorfahren den ellhorn auch heilig gehalten, wo sie aber denselben unterhauen (die äste stutzen) musten, haben sie vorher pflegen dis gebet zu thun: »frau Ellhorn, gib mir was von deinem holz, dann will ich dir von meinem auch was geben, wann es wächst im walde«. welches theils mit gebeugten knieen, entblößtem haupte und gefaltenen händen zu thun gewohnt, so ich in meinen jungen jahren zum öftern beides gehört und gesehen‹. Dazu halte man, was von den hollunderstangen (abergl. 866), vom pflanzen des hollunders vor ställen (das. 169), vom gießen des wassers unter den hollunder (das. 864) und der hollundermutter (dän. abergl. 162) geradeso gemeldet wirdPuschkait, der gott, wohnt unter dem hollunder, die Letten legten ihm brod und bier neben den baum. Thom. Hiärn p. 43.. Der wacholder spielt in dem märchen von machandelboom eine große rolle; im gedicht von des spiegels abenteuer bl. 38 folgende dunkle äußerung:

fraw Weckolter ich sich,
daz du irmeiner untreuen geliebten swester bist,
du kund ouch falsche list,
dô du daz kind verstalt.

in Südermannland war ein knecht eben im begrif einen schönen, schattenreichen wacholder abzuhauen, als eine stimme erscholl: ›hau den wacholder nicht!‹ er kehrte sich nicht an die warnung und wollte von neuem hauen, da rief es noch einmal: ›ich sage dir hau den baum nicht ab!‹ erschrocken entfernte sich jetzt der knechtLoccenius antiq. sueog. 1, 3 soll dies erzählen; in der ausg. von 1647 steht es nicht, vielleicht in einer späteren. Afzelius 2, 147 hat die sage mit dem zusatz, daß auf den zweiten hieb blut aus der wurzel floß und nun der hauende mann heimkehrte und bald zu siechen begann.. Etwas ähnliches liegt dem kindermärchen no. 128 zum 544 grund, nur daß er eine scherzhafte wendung empfangen hat; dem holzhauenden ruft eine stimme aus dem baum entgegen: ›wer haspelholz haut, der stirbt‹. Unter solch einem baum, der Klinta tall (Klinta fichte) in Westmanland, hauste eine hafsfru und zwar der fichte rå (s. 411); man sah schneeweißes vieh aus dem see über die wiesen zu dem baum treiben, niemand wagte seine äste anzurühren. Einzelnen eiben, waldgeistern und hausgeistern sind dergleichen bäume heilig, man nennt sie schwed. boträd, dän. boeträ (oben s. 421). unter der linde im heldenbuch haben die zwerge gern ihr wesen und fallen die helden in zauberschlaf. ihrer blüte süßer duft betäubt. D. Heldenb. 1871. 3, 14. 15. 135.Nachtrag: Eine schöne sage erzählt von einem heiligen eichbaum, dessen abfallende blätter die leute nicht anrührten. als er abgehauen und in asche verbrannt wird, erscheint in der asche ein hund und nöthigt die leute alle asche zu sammeln und auf den platz zu tragen, wo der baum stand. Firmenich 1, 358. die eiche kommt als klagbaum vor bei Megenberg. Haupts zeitschr. 4, 255. der heiligen eiche sagte man botschaft. Livius 3, 25. ihr alter flößte ehrfurcht ein: so lange eich und erde steht. weisth. 2, 225. so lang der baum im grund steht und die eichel darauf. 3, 799. j'ai vu le gland et la gaule. barzas breiz 1, 28. 32. über eiche und buche s. Dybeck 1845, 78. 79. vgl. τὴν παλαιὰν φηγόν. Sophocl. Trachin. 171. af fornum þolli, ex antiqua pinu. Sn. 1848. 1, 308, aber af eikirotu 310. Heilig war auch die esche. fraxinus quem imperiti sacrum vocant. Kemble 5, 103. a. 854. sie ist den schlangen feindlich. Panzer beitr. 1, 251. 252. Plin. 16, 14. vgl. askr Yggdrasill und anm. zu 664. Es gab einen spruch, der einer abgeschnittenen haselrute die kraft verlieh, abwesende zu prügeln. im atharvaveda hat ein açvatthazweig kraft zur vernichtung der feinde. vgl. den haselstab als wünschelrute (s. 814). Hasalwara ist n. pr. cod. lauresh. 809. lett. lasda, lagsda, litth. lazda ist corylus, baculus. Lazdona avellanarum deus. Gefährlich ist es da zu bauen, wo ein hollunder gestanden hat. Praetor. weltb. 1, 16. im Herpin wird die böse Weckholterin erwähnt. Hagen Ges. Abent. 3, XI. vom rönn, der heilig ist heißt es bei Dybeck 1844, 9: rönnen sade till mannen: ›hugg mig ej, då blöder jag.‹ Wieselgren 378. vgl. die preußische sage. Tettau und Temme s. 259. und die finn. clopua, lebensbaum, arbor non caedenda in pratis. wacholder heißt serb. borovitza von bor föhre, lett. paëgle, weil unter der tanne wachsend. auch die tall darf man nicht hauen; wer es thut, sieht beim umdrehen sein haus brennen. Dybeck 4, 26. 44. ebenso nicht den hagedorn. Nilsson 6, 4. Hat man deutsche sagen von geistern, die in der erle hausen? Göthes erlkönig scheint nach dem franz. aulne, aune, erle und daemon gebildet zu sein. Kalis fährt aus Nala in den Vibhitaka, der hernach für unheimlich gilt. Bopps Nalus s. 153. Holtzm. ind. sag. 3, 72. die Inder bringen dem feigenbaum opfer dar, die von krähen, sperlingen, kranichen verzehrt werden. darum heißen diese opferfresser.. Zumal aber werden den elben nicht bloß einzelne bäume beigelegt, sondern ganze baumgärten und haine, an deren pflege sie freude haben, wie Laurins durch einen seidenfaden gehegter rosengarten zeigt. in Schweden heißen diese gärten elfträdgårdar.

Das leben der griech. dryadenwird ags. glossiert: vuduelfenne, waldelbinnen. und hamadryaden ist an bäume gebunden, mit dem verwelken und absterben der bäume nehmen sie ab und hören sie selbst auf; jede verletzung der äste und zweige empfinden sie als wunden, und gewaltsames umhauen macht ihnen plötzlich ein ende›non sine hamadryadis fato cadit arborea trabs‹. Auson.. naht sich das frevelnde beil, so ertönt ihr wehvoller ruf. Eine schöne sage erzählt Ovid (met. 8, 742 ff.) von Erisichthon:

ille etiam cereale nemus violasse securi
dicitur et lucos ferro ternerasse vetustos.
stabat in his ingens annoso robore quercus,
saepe sub hac dryades festas duxere choreas. –
contremuit, gemitumque dedit deoia quercus
et pariter frondes pariter pallescere glandes
coepere, ac longi pallorem ducere rami.

Haut einer die erle, so blutet und weint sie, und hebt zu reden an (Meinerts kuhländch. 122). ein östr. märchen (Ziska 38–42) erzählt von der stolzen föhre, worin eine fee sitzt, welcher zwerge dienen, die unschuldige begabt, schuldige neckt. ein serbisches lied (Vuk no. 296) vom mädchen in der fichte, deren rinde der knabe mit goldnem und silbernem horn spaltet. zaubersprüche bannen in frau Fichte das kalte fieberNachtrag: Wie das mädchen in der fichte, sollen nach Lasicz 46 die götter zwischen baum und rinde wohnen. vgl. zwischen holz und rinde kriechen (s. 908). Iw. 1208 sam daz holz under der rinden alsam sît ir verborgen. altengl. Iw. 741 als the bark hilles the tre. altfranz. Iw. s. 146 li fuz qui est coverz de lescorce qui sor lui nest (nait). eine heilige eiche wächst aus dem mund eines erschlagenen königs. Harrys 1 no. 55..

Dieser glaube an geisterbewohnte bäume war nicht weniger unter Celten einheimisch. Sulpicius Severus (aus dem beginn des 5 jh.) meldet im leben des heil. Martinus ed. Amsterd. 1665 p. 457: dum in vico quodam templum antiquissimum diruisset, et arborem pinum, quae fano erat proxima, esset aggressus excidere, tum vero antistes illius luci ceteraque gentilium turba coepit obsistere. et cum iidem illi, dum templum evertitur, imperante domino quievissent, succidi arborem non patiebantur. ille eos sedulo commonere, nihil esse religionis in stipite, deum potius cui 545 serviret ipse, sequerentur. arborem illam exscindi oportere, quia esset daemoni dedicata u. s. w.Nachtrag: Beim gebrauch von zweigen ist gelegen erstens an dem neuen schoß, dem sommerlatte (s. 814), zweitens daran daß sie gegen osten stehn: â bađmi viđar þeim er lûta austr limar. Sæm. 195a. Blumen wurden angerufen: es sten dri rosen in jenem dal, die růfent, jungfrau, an. Uhland volksl. 87. o sanctas gentes, quibus haec nascuntur in hortis numina! Juvenal. sat. 15, 10..

Von der heiligkeit einzelner pflanzen oder blumen wäre viel zu schreiben. entweder sind sie bestimmten göttern geweiht und nach ihnen benannt (vgl. Donners bart s. 152. Baldrs brâ s. 184. Forneotes folme s. 199. Lokkes havre s. 200. Freyju hâr, Friggjar gras s. 251) oder aus der verwandlung bedrängter, sterbender menschen entsprungen. fast alle solche gewächse haben kraft zu heilen oder zu schaden, sie müssen aber freilich gebrochen und gesammelt werden; das capitel von der zauberei wird beispiele liefern. gleich schützenden, heiligen thieren werden sie als zeichen in das wappen der länder, städte und helden gesetzt. So scheint den nordwestlichen Deutschen, namentlich Friesen und Seeländern von uralter zeit her das seeblatt (die nymphaea, nenuphar) gegenstand der verehrung. die Holländer nennen es plompe, die Friesen pompe, genau gesprochen heißen die breiten, auf der see schwimmenden blätter pompebledden, die weißen, inwendig goldgelben, duftenden blumen swanneblommen (flores cygnei), was an den s. 404 beigebrachten namen nixblume, näckblad, muhme und mummel (d. i. schwanjungfrau) erinnert. Die Friesen setzen sieben seeblätter (zeven plompenbladen) in ihren schild und glaubten unter diesem zeichen zu siegenJ. H. Halbertsma liet buddhisme en zijn stichter. Deventer 1843 s. 3. 10, der hinzufügt, daß das volk noch heute im brechen und tragen der plompen sehr vorsichtig ist: wer diese blume in der hand haltend fällt, bekommt die fallende sucht. plomben, nhd. plumpfen, altn. pompa bedeutet hinfallen, hinstürzen. butterpumps = ovary of the yellow waterlily nach W. Barnes vgl. litt. pumpa, slav. pupa kropf. nach Mart. Hamconii Frisia, Franekarâe 1620 p. 7 soll Friso das zeichen der sieben seeblätter eingeführt haben: insigne Frisonis, ut Gappidus refert, septem fuerunt rubra nympheae herbae folia, in tribus argenteis constitutae trabibus per scutum caeruleum oblique ductis. Gappidus war angeblich ein geistlicher zu Stavorn im anfang des 10 jh., ist aber sonst völlig unbekannt. vgl. v. d. Bergh volksoverlev. s. 33. 41. 110. Andere beziehen die eintheilung Frieslands in sieben seelande auf die sieben blätter des wappens; man weiß nicht genau, wann diese siebentheilung des landes zuerst entsprang. s. de vrije Vries 4, 137.; das weiß schon unser Gudrunlied 1373, worin dem Herwîc von Sewen oder Sêlanden eine wolkenblaue fahne beigelegt wird: ›sêbleter swebent dar inne‹. diese seeblume ist der heilige lotus des alten Aegyptens, der auch in Indien verehrt wird und vor dem sich Tibetaner und Nepaleser neigen, er wird in tempeln aufgestellt, Brahma und Vischnu schwimmen auf seinem blatt, und gerade ein mnl. gedicht erwähnt noch des auf dem blatt schwimmenden däumlings (oben s. 373).

Noch reichlicher wird von heiligen Thieren, die sich inniger an menschliche verhältnisse schließen, als die stumme natur, zu melden sein, ihr cultus aber auf zwei oder drei hauptursachen zurückgebracht werden dürfen. entweder standen sie in bezug zu einzelnen göttern, gewissermaßen in deren dienst, und so gehört der eber zu Fro, der wolf und rabe zu Wuotan; oder es liegen 546 verwandlungen göttlicher wesen in thiergestalt zum grunde, derentwegen nun die ganze gattung in höherer ehre bleibt. so können einigemal bär, stier, kuh, schlange zu nehmen und uralte incarnationen vorauszusetzen sein, bis zu deren vollständiger kunde unsere mythologie längst nicht mehr aufsteigt. Nah an solche niederlassung des gottes in das thier grenzt die zur strafe erfolgende herabsetzung des menschen in ein thier, die alte lehre von der seelenwandrung, worin man eine dritte ursache der thierheiligung erblicken kann, obwol sie keinen eigentlichen cultus begründet. diese mythen, z. b. von dem kukuk, specht, der nachtigall u. s. w. gewähren eine fülle von schönen sagen, die oft in den heldencultus eingreiftNachtrag: Die thiere gelten gewöhnlich für sprachlos. stumbez tier. Iw. 7767. stomme bêste. Lanc. 18849. 32919. daz unsprechende vihe. warnung 2704. vgl. muta animalia, dän. umälende beest, altn. ômâla. der lewe zeict im unsprechenden gruoz. Iw. 3870. sie sind unwissend: tier vil ungewizzen. Er. 5843. aber sie bezeigen nicht nur theilnahme wie die pflanzen und steine (anm. 1654), im drange der noth reden sie auch, gleich stummen kindern. so Bileams esel vgl. armentaque vulgo ausa loqui. Claudian. in Eutrop. 2, 43. attonito pecudes pastore locutos. ebend. 1, 3. auch ochsen reden. Panzer beitr. 1. no. 255. Nork 12, 377. rind und esel unterreden sich im bretagn. volksm. 87. 88 jährlich nur eine stunde, zu weihnachten zwischen 11 und 12 uhr. n. pr. prov. bl. 5, 468. Bosquet s. 221. thiere sind geistersichtig, so sieht Bileams eselin den engel mit dem schwert. 4 Mos. 22, 23–33. die hunde sehn die göttin, pferde und hunde sind geistersichtig s. 555. Panzer beitr. 1, 118. ja nach Athen. 3, 454 waren alle vögel früher menschen..

Unter allen thieren nenne ich zuerst die pferde, das edelste, klügste, vertrauteste hausthier, mit dem der held freundliche gespräche führt (s. 325), das seinen kummer mitfühlt und sich seiner siege miterfreut. Wie helden nach dem pferd heißen (Hengest, Hors), so erhält es auch vielfache eigennamen; in der nord. mythologie ist beinahe jedem gott sein besonderes, mit wunderkräften ausgestattetes pferd zugewiesen. Ođins ros hieß Sleipnir (s. 128), es war gleich riesen und helden achtfüßigaltes räthsel in Hervararsaga von Ođinn und Sleipnir: wer sind die zwei zusammen zu ding gehen den? sie haben drei augen, zehn füße und einen schweif. Das ist ganz die ausdrucksweise unsers alterthums, wenn es z. b. in den weisthümern heißt, die amtleute sollen siebenthalb mund zu gericht kommen, so bedeutet das drei männer zu pferde mit einem hund.. Sæm 44a Sn. 18 werden die übrigen pferde der asen aufgezählt, ohne angabe, welchen sie zustanden. mehrere benennungen sind mit faxi (jubatus, comatus, ahd. vahso) gebildet, z. b. Skinfaxi (Sæm. 32. Sn. 11) Gullfaxi (Sn. 107. 110) Hrîmfaxi (Sæm. 32. 91. Sn. 11) Freyfaxi (Vatnsd. 140. 141). Gullfaxi (das goldmähnige) gehörte dem riesen Hrûngnir, Skinfaxi (das glanzmähnige) war das ros des Tags, Hrîmfaxi (das thaumähnige vgl. oben s. 533) der Nacht. Faxi ist aber auch für sich schon name von pferden, z. b. fornald. sög. 2, 168. 508. Arvakr (der frühwache) Alsviđr (der allkluge) rosse des sonnenwagens (Sæm. 45. Sn. 12); auf Arvakrs ohr, auf Alsvinns huf standen runen geschrieben. runen ›â Sleipnis tönnom‹ Sæm. 196a, wie auf des bären tatze und des wolfs klauenerinnert an die deutsche thierfabel (Reinh. cclxiii). mit unrecht, glaube ich, zieht Rafn fornalu. sög. 1, 169 die lesart höfđi vor.. Svađilfari hieß das pferd des bauenden riesen (Sn. 46). Auch die heldensage überliefert uns viele namen berühmter rosse (s. 325). Bajart wird klug geschildert (wie Alsviđr), er soll noch im Ardennerwald leben, wo man ihn alljährlich auf Johannistag wiehern hört (quatre fils Aimon, 180c). die spur von Schimmings hufeisen steht im fels eingedrückt. Vilk. saga cap. 37Nachtrag: Vgl. Ferd. Wachters art. pferde in der hall. encycl. und das schöne serb. hochzeitslied (Vuk ed. nov. 1, 15 no. 23. Wesely s. 55). Sleipnir wird von Loki, also von einem gotte, mit Svađilfari erzeugt, und von ihm stammt Sigurđs Grani ab s. Völs. c. 13 und Grani hat ›mans vid‹. fär. qväd. 156. ein kluges, treues pferd kennt das walach. märch. no. 17, ein rathendes pferd sv. sag. 1, 164. auch in deutschen, noch mehr in ungarischen märchen begegnen helfende, redende, kluge pferde. ungr. tatos s. Ispolyi. vgl. s. 325. Skinfaxe ist in einer norweg. sage name einer kuh. Asb. Huldr. 1, 202..

Jenes Freyfaxi der Vatnsdælasaga war im besitz eines mannes namens Brandr, von dem man sagte, daß er es göttlich 547 verehrte (at hann hefđi âtrûnađ â Faxa) und der darum Faxabrandr hieß. Hrafnkell, dessen ungedruckte saga mir nur aus Müllers bibl. 1, 103 bekannt ist, hatte auch ein solches pferd Freyfaxi (Freirfara druckf.), und es zum halben theil an Freyr geschenkt, zugleich das gelübde gethan, den mann umzubringen, der es gegen seinen willen reiten würde. ich kann die stelle aus Joh. Erici de philippia apud priscos borcales, Lips. 1755 p. 122 mittheilen: Hrafnkell âtti þann grip î eigo sinni, er hânom þôtti betri enn annar, þat var hestr bleikalôttr at lit, er kann kalladi Freyfaxa, hann gaf Frey vin sînom (oben s. 76. 175) þenna hest hâlfann. â þessom hesti hafđi hann svâ mikla elsko, at hann strengdi þess heit, a hann skyldi þeim manni at bana verđa, er þeim hesti riđi ân hans vilja. Brands âtrûnađr bezog sich ohne zweifel eben darauf, daß das ros dem gott geheiligt und gelobt war. Ein merkwürdiges zeugnis dafür bietet Olafs Tr. sonar sagaed. skalh. 1698. 1690. 2, 190 cap. 49; fornm. sög. 2, 189 ist dies cap. weggeblieben, steht aber fornm. sög. 10, 312.: dem könig war verkündet worden, daß die Trændir (Drontheimer) sich wieder zu der verehrung Freys, dessen bildseule noch bei ihnen stehe, gewendet hätten. auf des königs geheiß dieses bild zu zerbrechen versetzten sie: ›ei munum ver briota lîkneski Freys, þvîat ver höfum leingi hönum þionat, ok hefr oss vel dûgat‹. Olafr berief sie zu einer versamlung und entschloß sich den götzen selbst zu zerstören, er schifte zu der küste hin, wo der tempel (hof) errichtet war; als er landete, weideten da des gottes pferde (þâ sâu hans menn stôđhross nokr viđ vegin, er þeir sögđu at hann Freyr ætti). der könig bestieg den hengst und ließ seine hofleute die stuten nehmen, so ritten sie zu dem tempel, Olaf trat vom pferd, gieng hinein, warf die götzen (gođin) umes standen also noch andere bilder außer Freys., nahm aber Freys bild mit sich weg. Als die Trændir ihre götzen geschändet, Freys bild fortgeführt fanden, merkten sie wol, daß es der könig gethan hätte, und giengen zur versamlung. der könig ließ das bild im þing aufstellen und fragte das volk: kennt ihr diesen mann? es ist Freyr unser gott, antworteten sie. wie hat er euch seine macht erwiesen? er hat oft mit uns geredet, das zukünftige geweissagt, frieden und fruchtbarkeit verliehen (veitti oss âr oc friđ). der teufel redete mit euch, sagte der könig, nahm eine axt und rief dem bild zu: hilf dir jetzt und wehre dich, wenn du kannst. Da Freyr fortwährend schwieg, hieb ihm Olafr beide hände ab, und predigte darauf dem volk, wie diese abgötterei aufgekommen sei. Die ganze erzählung trägt späteres gepräge an sich, ist aber doch aus der nord. tradition hervorgegangen und bestätigt uns, daß dem Freyr pferde geheiligt wurden, die man in dem geweihten umkreis seiner tempel unterhielt. Vermutlich hatten auch die tempel andrer götter solche pferde? die thiere, welche Wilibrort in Fosetes heiligthum weidend antraf (s. 190), waren 548 schwerlich pferde, weil er sie sonst nicht zur speise hätte schlachten lassen; aber sitte, den göttern geweihtes vieh aufzuziehen, wird dadurch nichtsdestoweniger bezeugt. Einzelne thiere, scheint es, wurden außerdem von besonderen verehrern des gottes unterhalten.

Diese zucht reiner und geweihter rosse diente zu heiligen gebräuchen, namentlich zu opfern, weissagungen und für den umzug der götterwagen. Ihre mähnen wurden sorgsam genährt, gepflegt und geschmückt, wie die benennung Faxi anzeigt; vermutlich wand oder flocht man gold, silber und bänder in die locken (Gullfaxi, Skinfaxi); mön glôar (juba splendet) Sæm. 92a, lŷsir mön af mari (lucet juba ex equo) Sæm. 32b, wie das lat. jubar an juba erinnert, weil die mähne strahlt, das licht haarartige strahlen wirfteinzelne haare aus der mähne oder dem schweif heiliger pferde wurden aufbewahrt. Franz Wessel s. 14 erzählt, daß die Johanniter in städten und dörfern, wo sie predigten, einen schönen hengst umreiten ließen, dem opferte das volk ›afgehowen woppen‹ (haferrispen); konnte einer aus des pferdes schwanze ein haar bekommen, so pries er sich glücklich und nähte es mitten in das seihetuch, dann war die milch gegen zauber gesichert.. Gulltopr, Silfrintoppr hießen rosse, deren schweif (toppr) mit gold oder silber bewunden war. Sn. 44. Gyllir und Gler (golden, glänzend) Sn. 44 können sie davon oder auch von dem goldnen beschlag ihrer hufe, von vergoldung des zaums und sattels genannt sein. Unter allen farben galt die weiße für die edelste, auch könige zogen auf weißen rossen ein und belehnten auf weißen rossen sitzend. des weißen pferdes gedenken die weisthümer oft (z. b. 3, 342. 857); wenn eine erbschaft ledig liegt, so soll der vogt auf einem weißen fohlen sitzen, einen mann vor, den andern hinter sich setzen und einen davon auf das erbe herablassen (3, 831 vgl. 2, 541). das fohlen galt für noch edler und reiner, als ein rosder zahn eines fohlen, scheint es, wurde umgehängt und als schutzmittel getragen. ein mhd. dichter sagt: ›gevater unde fülizant an grôzen nœten sint ze swach‹, MS. 2, 160b helfen nur für kleine schmerzen. kinder, die man auf schwarzem fohlen reiten läßt, zahnen leicht. abergl. 428. nach Eracl. 1320. 1485 scheinen fülzene die geschobnen ersten zähne des fohlen, die das pferd später durch andre ersetztNachtrag: Helbl. 15, 293 sagt: ein hengest der noch nie gras an fulzande enbeiz. Fülizan kommt vor. ring 49b, 38. 49d 31. fülizant heißt serb. xdrebetjak i. e. zub. die fohlzähne behält das pferd bis ins dritte jahr, dann schiebt es die pferdezähne, dentes equini, quos nonnisi trimis caballis natura concedit. Pertz 8, 214. jouenes polains, quatre dens ot jetés. Ogier 2412. dentes equi qui primi cadunt, alligati, facilem dentionem praestant. Forcellini s. v. dentio.

collo igitur molli dentes nectentur equini,
qui primi fuerint pullo crescente caduci.   Serenus sam. 1040.

auch vom knabenzahn meint man: pueri qui primus ceciderit dens, ut terram non attingat, inclusus in armillam et assidue in brachio habitus. Plin. 28, 4. GDS. 154.

.Nachtrag: Die Nôtt reitet auf Hrîmfaxi, Dagr auf Skinfaxi. krauses haar am pferd galt den Indern für ein glückszeichen. Bopps gl. 34a. Das ros, welches könige im asvamêdha darbringen, muß weiß sein. weiße rosse zu reiten ist ein vorzug der götter, könige und helden. Pindar. Pyth. 4, 117: λευκίππων πατέρων. ein hengst mit drei weißen füßen und zwei gläsernen augen kennt ein weisthum 2, 618..

Tacitus (Germ. 9. 10), nachdem er gesagt hat ›lucos ac nemora consecrant‹, fügt hinzu: ›proprium gentis, equorum quoque praesagia ac monitus experiri. publice aluntur, iisdem nemoribus ac lucis, candidi et nullo mortali opere contacti, quos pressos sacro curru sacerdos ac rex vel princeps civitatis comitantur, hinnitusque ac fremitus observant. nec ulli auspicio major fides non solum apud plebem, sed apud proceres, apud sacerdotes: se enim ministros deorum, illos conscios putant‹, diese heiligen thiere sind mitwisser der götter und können deren rathschläge offenbaren. Noch der indiculus paganiarum cap. xiii redet de auguriis equorum, ohne sie näher zu schildern; pferdegewieher ist heilbringendes 549 zeichen (abergl. no. 239)was der athem des schweins verunreinigt hat, stellt der des pferds wieder her (abergl. 820. schwed. 92), das pferd ist ein reines thier einer gebährenden hilft, daß das pferd aus ihrer schürze fresse (abergl. 337).. kriegern galt das wiehern (ahd. hueiôn, mhd. weien, mnl. neien, altn. hneggja, schwed. gnägga) ein vorzeichen des siegs, und wenn sich die rosse ihrer freudigen, mutweckenden stimme enthielten, der niederlage; ein beispiel gewährt die flandr. reimchronik ed. Kausler 7152. bekannt ist die persische königswahl nach dem gewieher des hengsts. Herod. 3, 84. In dem norweg. märchen Grimsborken (Asb. og Moe no. 38) wird ein fohlen von zwölf stuten aufgesäugt und kluger rede theilhaftigNachtrag: Dem schwed. gnägga wiehern entspricht Sæm. 144a gneggja, ags. hnägan, engl. neigh. das dän. vrindske ist unser brenschen, wrenschen, frenschen. vgl. wrene hengst l. sal. s. XXVIII. skr. vrinh barrire. Bopp 32b. norweg. dän. humra bedeutet leise wiehern vgl. hummel, summen. Lanz. 474 ez begunde sîn ros weien, trâsen unde schreien. Garg. 240b rihelen und hinnewihelen. 77b: hinnewiheln. ob mit wihelen das prov. evelhier. Ferabr. 3613 und der pferdename Valentin it. Vegliantino zusammenhängt? Gudr. 1395, 2 heißt es: ›man hôrte ein ros ergrînen‹, als der kampf beginnt. Bellona spumantium ad bella equorum hinnitu aures arrigens. Pertz 2, 169..

Und wie in Mîmirs abgehauenem haupte seine klugheit fortdauerte (s. 314), scheint das heidenthum mit abgeschnittenen, aufgerichteten pferdehäuptern vielfachen zauber getrieben zu haben. in einem kindermärchen (no. 89) wird des treuen Falada haupt über das thor genagelt und die königstochter führt mit ihm gespräch. dieses abschneidens und aufstellens der pferdehäupter habe ich schon s. 38 erwähnt als einer uralten deutschen sitte. Plin. 19, 10 gedenkt als eines mittels gegen die raupen: si palo imponantur in hortis ossa capitis ex equino genere. In Scandinavien steckte man pferdehäupter auf stangen und richtete den mit hölzern aufgesperrten, gähnenden rachenauch wolfshäupter wurden so mit haselstäben gesperrt und aufgehangen. Isengrim 645. 647. 648. Reinardus 3, 293. 312. Reinhart einleitung s. lxix. nach der gegend, woher der angefeindete mann, dem man schaden wollte, kommen muste. das hieß neidstange. Saxo gramm. p. 75: immolati diis equi abscissum caput conto excipiens subjectis stipitibus distentos faucium rictus aperuit, sperans se primos Erici conatus atrocis spectaculi formidine frustraturum. arbitrabatur enim ineptas barbarorum mentes oblatae cervicis terriculamento cessuras; et jam Ericus obvium illis iter agebat. qui prospecto eminus capite obscoenitatis apparatum intelligens, silere socios cautiusque se gerere jubet, nec quemquam temere praecipitare sermonem, ne incauto effamine ullum maleficiis instruerent locum, adjiciens si sermone opus incideret verba se pro omnibus habiturum. jamque medius illos amnis secreverat, cum magi, ut Ericum pontis aditu deturbarent, contum, quo equi caput refixerant, fluvio citimum locant. ille nihilominus pontem intrepide aggressus ›in latorem‹ inquit ›gestaminis sui fortuna recidat, nos melior consequatur eventus. male maleficis cedat, infaustae molis gerulum onus obruat, nobis potiora tribuant omina sospitatem!‹ Nec secus quam optabatur evenit: continuo namque excussa cervice ruens ferentem stipes oppressit. Egilssaga p. 389: Egill tôk î hönd ser heslis staung, ok geck â bergsnaus nockura, þâ er vissi til lands inn. þâ tôk hann hrosshöfuđ ok setti up â staungina. siđan veitti hann formâla ok mælti sva: 550 ›her set ek upp niđstaung ok snŷ ek þessu nîđi â hönd Eirîki konûngi ok Gunnhildi drôttnîngu‹. hann sneri hrosshöfđinu inn â land. Andere mal wurde ein menschenhaupt (aus holz) geschnitzt, auf eine stange befestigt, diese aber in die brust eines geschlachteten pferdes gestecktvgl. abergl. 838 das setzen der weide in das maul des todten füllens.. Vatnsd. p. 142: Iökul skar karls höfut â sûlu endann ok risti â rûnar med öllum þeim formâla sem fyrr var sagdr, sîđan drap Iökull mer eina, ok opunđu hana hia briostinu, færđu â sûluna, ok lêtu horfa heim â BorgNachtrag: Vedrebbe un teschio d'asino in su un palo, il quale quando col muso volto vedesse verso Firenze u. s. w. decam. 7, 1. auch ist zu erinnern an die drehung der adler auf dem dach (s. 527) und die drehung der taube auf dem grab (s. 950).. Es ist aller beachtung werth, daß bis auf den heutigen tag in einem theile Niedersachsens (Lüneburg, Holstein, Meklenburg) die bauernhäuser auf dem giebel geschnitzte pferdeköpfe haben: man sieht es als bloße auszierung des dachgebälks an, die sitte mag aber weit hinauf reichen und mit dem heidnischen glauben zusammenhängen, daß durch die auswärts schauenden häupter von den häusern unheil abgehalten werdeetwa, wie man den kopf des adlers auf dem hause drehte und damit den wind zu richten wähnte (s. 527). aus der heidnischen sitte des thierhauptaufsteckens deuten sich uralte ortsnamen in Deutschland und Frankreich, z. b. Berhaupten, Tierhaupten, Roshaupten (Schm. 2, 223). ad locum qui nuncupatur caput caballinum (Pertz 2, 278). ad locum qui vocatur caput equi (vita s. Magni, bei Canisius lect. ant. 1, 667), bei Goldast (scr. rer. alem. I. 2, 198) mit dem zusatz: et idcirco vocatus est ille locus caput equi, quia omnes venatores reliquerant ibi suos caballos ed pedestres ibant ad venandum. offenbar eine falsche, spätere deutung, wie denn überhaupt dieses leben des heil. Magnus (Magnoald, Mangold) mehrfach interpoliert ist, vgl. Mabillon acta Bened. sec. 2. p. 505.. nach den jb. des mekl. vereins 2, 118 sind die pferdeköpfe an jedem giebel (kühlende) des dachs kreuzweise angenagelt, eine erinnerung an die heiligen rosse der alten. Heinr. Schreiber (taschenb. f. 1840 s. 240 ff.) hat diese gegen einander springenden pferde auch auf den giebeln der älteren häuser im romanischen Rhätien (nicht in der deutschen Schweiz, aber in Tirol. Zingerle sitten s. 55) wahrgenommen; offenbar zu voreilig erklärt er sie für ein celtisches symbol, denn wollte man sagen in Niedersachsen sei dieser brauch von früheren Celten her übrig, so verlöre die critik allen halt. mir scheint die sitte und der pferdecultus überhaupt auf gleiche weise Celten, Deutschen und Slaven eigen, welche einzelnen stämme unter diesen völkern ihm zumeist ergeben waren, wird sich künftigen forschungen allmälich enthüllenNachtrag: Über die pferdeköpfe am giebel s. Müllenhoff s. 239. Panzer beitr. 2, 180. 448. 449. sie schützen die balken des dachs gegen wind und wetter. litt. heißen sie žirges dachreiter von źirgas ros, pferd. Nesselm. 549, auch ragai geweih, hörner. 426. vgl. lat. capreoli, tigna ad firmandum und ags. Heort, Heorot, name des hauses im Beovulf.. Praetorius (weltbeschr. 2, 162. 163) erzählt, die undeutschen leute (Wenden) pflegten zur abwehrung und tilgung der viehseuchen um ihre ställe herum häupter von tollen pferden und kühen auf zaunstaken zu stecken; auch ihren pferden, welche nachts vom mahr oder leeton matt und müde geritten würden, einen pferdekopf unter das futter in die krippe zu legen, das hemme die macht des geistes über das thier. Wahrscheinlich meint das abergläubische vergraben des todtenkopfs im stall (no. 815) den eines pferdesvgl. fornald. sög. 2, 168. 300 was von dem hrosshaus des Faxi erzählt wird. (vgl. cap. XXXVIII 551 nachtmar). in Holland hängt man einen pferdekopf über schweinställe (Westendorp p. 518), in Meklenburg wird er dem siechen unters kopfkissen gelegt (jb. 2, 128). Auch das werfen des pferdehaupts in die Johannisflamme (s. 514) sollte zauberhaft wirkenwozu haben die mönche im kloster ein caput caballinum? Reinardus 3, 2032. 2153. bei Burcard Waldis 4, 2 die redensart ›aus einem todten roskopf gespunnen‹, heißt das gezaubert?.

Schon des Praetorius nachricht zeigt, daß die Slaven im pferdecultus mit den Deutschen übereinstimmten. es fehlt aber nicht an merkwürdigeren älteren zeugnissen. Dietmar von Merseburg (6, 17 p. 812) meldet von den Luitizern d. h. Wilzen: terram cum tremore infodiunt, quo sortibus emissis rerum certitudinem dubiarum perquirant. quibus finitis cespite viridi eas operientes, equum, qui maximus inter alios habetur, et ut sacer ab his veneratur, super fixas in terram duorum cuspides hastilium inter se transmissorum supplici obsequio ducunt, et praemissis sortibus, quibus id explicavere prius, per hunc quasi divinum denuo augurantur; et si in duabus his rebus par omen apparel, factis completur; sin autem, a tristibus populis hoc prorsus omittitur. Die vita beati Ottonis episcopi bambergensis, verfaßt von einem gleichzeitigen ungenannten (bei Canisius III. 2, 70) erzählt lib. 2 cap. 22 umständlicher von den Pommern, welche Otto im j. 1124 bekehrte: habebant caballum mirae magnitudinis, et pinguem, nigri coloris, et acrem valde. iste toto anni tempore vacabat, tantaeque fuit sanctitatis, ut nullum dignaretur sessorem; habuitque unum de quatuor sacerdotibus templorum custodem diligentissimum. Quando ergo itinere terrestri contra hostes aut praedatum ire cogitabant, eventum rei hoc modo solebant praediscere. hastae novem disponebantur humo, spatio unius cubiti ab invicem separatae. strato ergo caballo atque frenato sacerdos, ad quem pertinebat custodia illius, tentum freno per jacentes hastas transversum ducebat ter atque reducebat. quod si pedibus inoffensis hastisque indisturbatis equus transibat, signum habuere prosperitatis, et securi pergebant, sin autem, quiescebant. Hiernach wurde durch neun ellenweit von einander liegende speere, nach Dietmars älterer meldung über die spitzen zweier verschränkter speere das heilige ros geleitet; es kann aber bei den Lutizern damit verschieden gehalten worden sein als bei den Pommern. Saxo gramm. p. 321 erzählt die sache von den rügischen Slaven wieder anders; praeterea peculiarem albi coloris equum titulo possidebat (numen), cujus jubae aut caudae pilos convellere nefarium ducebatur. hunc soli sacerdoti pascendi insidendique jus erat, ne divini animalis usus quo frequentior hoc vilior haberetur. In hoc equo, opinione Rugiae, Svantovitus (id simulacro vocabulum erat) adversum sacrorum suorum hostes bella gerere credebatur. cujus rei praecipuum argumentum exstabat, quod is nocturno tempore stabulo insistens adeo plerumque mane sudore ac luto respersus 552 videbaturwie das vom nachtgeist gerittene pferd frühmorgens staubig und schweißig dasteht (s. 550 u. anm. 1692)., tanquam ab exercitatione veniendo magnorum itinerum spacia percurrisset. Auspicia quoque per eundem equum hujusmodi sumebantur. cum bellum adversum atiquam provinciam suscipi placuisset, ante fanum triplex hastarum ordo ministrorum opera disponi solebat, in quorum quolibet binae e traverso junctae, conversis in terram cuspidibus figebantur, aequali spaciorum magnitudine ordines disparante. ad quos equus ductandae expeditionis tempore solenni precatione praemissa a sacerdote e vestibulo cum loramentis productus, si propositos ordines ante dextro quam laevo pede transcenderet, faustum gerendi belli omen accipiebatur. sin laevum vel semel dextro praetulisset, petendae provinciae propositum mutabatur. Diese schilderung ist noch genauer, das heilige hier der gottheit selbst, die es zu nacht besteigt, beigelegte ros wird dreimal über zwei gekreuzt eingesteckte, also über sechs speere geführt, und muß jedesmal, wenn die bedeutung glücklich sein soll, mit dem rechten fuß zuerst vorschreiten: hat es nur in einer reihe den linken vor dem rechten erhoben, so steht unheil bevor. die farbe des rosses wird weiß, wie bei Tacitus, nicht schwarz, wie bei dem lebensbeschreiber Ottos angegeben.

Nach der chronica augustensis ad a. 1068 (bei Freher 1, 349) hatte der Halberstädter bischof Burcard (der Buko, welchen noch das heutige kinderspiel kennt) den Lutizern ihr heiliges pferd weggenommen und war selbst darauf nach Sachsen heim geritten: Burcardus halberstatensis episcopus Luiticiorum provinciam ingressus incendit, vastavit, avectoque equo, quem pro deo in Rhedanicht ›in rheda‹ (Wedekinds noten 1, 173). Rhetra, ein hauptort des slav. heidenthums, nach Adam von Bremen im lande der Retharier, wo des Redigost tempel steht; Dietmar gibt der Lutizerstadt, im grau Riedera selbst den namen Riedegost. colebant, super eum sedens in Saxoniam rediit.

Darf man nun folgende vorstellung fassen: Dietmar und der Augsburger annalist meinen des Radigast zu Rhetra, Saxo und der autor der vita Ottonis des Svatovit zu Arkona heiliges pferd? jedem dieser götterSvjatovit oder Svantevit hat man vermengt mit dem heil. Vitus, sanctus Vitus, vgl. acta sanctor. 15 jun. p. 1018; unmöglich aber kann man aus Vitus den gott Svantevit entspringen lassen. waren rosse geweiht und vielleicht noch andern. So mögen auch in Deutschland mehrern gottheiten rosse geheiligt und weissagungen unter ähnlichen gebräuchen damit gepflogen worden sein, namentlich dem Frouwo (s. 546. 547) und Wuotan (s. 128. 129).

Einige nachrichten von der verehrung heiliger pferde in Ditmarsen scheinen bedenklich. Der Rieswold oder Riesumwold an der grenze zwischen Norder und Süderditmarsen soll, der sage nach, ein heiliger wald gewesen sein, worin menschenopfer statt fanden, und weiße, den göttern geweihte pferde genährt wurdenFalks samlung von abhandlungen. 5, 103. Tondern 1828.. 553 das ist nichts als unbefugte anwendung der tacitischen stelle auf eine bestimmte gegend. Eigenthümlicher klingt was Bolten 1, 262 dem verdächtigen Carsten nacherzählt, bei Windbergen habe ein dem Hesus (!) geheiligter hain gestanden, noch heute genannt Hese oder Heseholtbei diesem Hesewald entsinnt man sich übrigens der silva Heisi, Hese an der Ruhr in Westfalen (Lacombl. no. 6. 17. 64. 260) und der silva caesia des Tacitus.. in dem hain seien dem gott zwei weiße pferde, ein junges und ein altes, gefüttert worden, welche niemand besteigen durfte, aus deren gewieher und springen gute oder böse zeichen entnommen wurden. einige reden von zehn oder zwanzig rossen. ein priester des gottes steckte stäbe in die erde, führte das gezäumte ros heran, und ließ es durch gewisse gänge langsam über die stäbe springen. Joh. Aldolfi d. i. Neocorus, auf den sich dabei bezogen wird, hat nichts von allem dem. auch das verbot des besteigens stimmt zu jenen rossen der Slaven.

Für die heidnischen Liven aber läßt sich die slavische gewohnheit beglaubigen. das chronicon livonicum vetus meldet ad a. 1192 (bei Gruber p. 7): colligitur populus, voluntas deorum de immolatione (fratris Theoderici, cisterciensis) sorte inquiritur. ponitur lancea, calcat equus; pedem vitae deputatum (d. i. den rechten) nutu dei praeponit. orat frater ore, manu benedicit. ariolus deum Christianorum equi dorso insidere et pedem equi ad praeponendum movere asserit, et ob hoc equi dorsum tergendum, quo deus elabatur. quo facto, dum equus vitae pedem praeponit, ut prius, frater Theodoricus vitae reservatur. Hier traf heidnisches und christliches wunder zusammen.

Auch altpreußisch war dieser cultus: Prussorum aliqui equos nigros, quidam albi coloris, propter deos suos non audebant aliqualiter equitare. (Dusburg. 3, 5)daß die Ehsten dem pferd weissagende kraft zuschreiben lehrt abergl. no. 35.Nachtrag: Die Buräten weihen dem hirtengott Sulbundu ein pferd, auf dem er nachts reitet und das man morgens im schweiße sieht. Klemm 3, 115. die von geistern oder nachtfrauen gerittenen pferde haben stegreif, strick, wolle in der seite und sind mit wachs beträuft. Kaisersb. om 42d. 43a. Kalmücken weihen ebenfalls dem gott ein pferd und lassen es frei laufen. Ledebour 2, 49. Das pferd scharrt das gold, so des Rammelsbergs, und die quelle, wie Pegasus. vgl. Panzer beitr. 1, 38. 39. 163. 186. 201. hufschlag göttlicher pferde in stein nahmen auch die Römer an. ergo et illud in silice, quod hodie apparet apud Regillum, tanquam vestigium ungulae Castoris equi esse credis. Cic. d. Nat. Deor. 3, 5. ein weißes heiliges pferd wandelt über das wasser, ohne sich die füße zu benetzen. Polier 2, 618..

Der pferdeopfer und des davon unzertrennlichen pferdefleischessens geschah schon s. 38–40 erwähnung; Strabo berichtet, daß die Veneter dem Diomed ein weißes pferd opferten (V. 1, 9. Siebenk. 2, 111. Casaub. 215. Kramer 1, 339). Die Inder bringen mit feierlicher zurüstung große pferdeopfer. Merkwürdig scheint, was von den Kalmüken erzählt wird. bei ihnen sieht man eine menge aufgestellter gerüste mit pferdehäuten und köpfen, überbleibsel gebrachter opfer. die richtung des pferdekopfs nach osten oder westen bestimmt, ob das opfer einem guten oder bösen geist gebracht wurdeLedebour reise nach dem Altai. Berlin 1830. 2. 54. 55.. es gemahnt einmal an jenes opfermäßige aufstecken der pferdehäupter in Deutschland in bestimmter richtung, das nach einführung des christenthums für boshaften zauber galt, dann an die pira equinis sellis constructa bei Jornandes und das ση̃μα der scythischen könige bei Herodot (RA. 676)sanskr. heißt das pferd Srîbhâtri, bruder der Srî (Lakschmi), weil es gleich ihr (u. Afrodite) aus den meereswellen kam. Pott 2, 407. um so nachhaltiger ist die gleichstellung des rosses und schiffes.Nachtrag: Ašva ist das vornehmste opferthier, ašvamêdha ist pferdeopfer. Böhtling 1, 520. 524. des pferdekopfes bedeutung geht noch aus manchen gebräuchen hervor. so wird auf dem pferdekopf gespielt s. 708. 877. 896, ein pferdehaupt ins Johannisfeuer geworfen s. 514, beim maifest gebraucht s. Hones dayb. 2, 595, zu weihnachten auf eine stange gesteckt und vorgebunden. Haupts zeitschr. 5, 472. 474. ein abgeschlagener pferdekopf wirkt im märchen wunder s. Müllenhoff s. 422, dient öfter zur brücke. ebenda s. 34. 146. 544. dazu das angenagelte pferdehaupt im märchen von Falada und die hölzernen pferdeköpfe auf dem dachgiebel s. 549. 550. GDS. 151..

554 Von heilighaltung der rinder weiß ich weniger mitzutheilen, wiewol sie schon darum nicht zu bezweifeln ist, weil rinder geopfert wurden, stiere den fränkischen königswagen zogen (RA. 262). noch im spätern mittelalter behielten die kriegswagen rinder bei: capto ducis (lovaniensis) vexillo, dicto gallice standart, opere plumario a regina Angliae ei misso, quod fastu superbiae quadriga boum ferebat Chapeaville 2, 69 (a. 1129). eines mit vier weißen ochsen bespannten wagens in Lothringen gedenkt Scheffers Haltaus s. 251. Nach Plutarchs bekannter meldung im Marius (cap. 23) schwuren die Cimbern über einem ehernen stier, woraus man das stierhaupt im meklenburgischen wappen herleitet. (Mascov 1, 13). Zu Hvîtabær verehrten die leute ein rind (fornald. sög. 1, 253), zu Upsal eine kuh (das. 1, 254. 260. 266. 270. 272)Nachtrag: Heiliger rinder der Artemis erwähnt Plutarchs Lucullus p. m. 606. Hârekr hält im wald ein blôtnaut. fornm. sög. 3, 132. über das stierhaupt im meklenburgischen wappen vgl. Lisch mekl. jahrb. 10, 15 ff..

Während von den pferden der hengst mehr als die stute verehrt wird, scheint unter den rindern die kuh den vorzug zu haben. kühe waren vor der Nerthus wagen. die edda gedenkt einer kuh namens Auđhumla, welche bei dem ersten menschengeschlecht eine große rolle spielt (s. 464), sicher für ein heiliges thier galt. Jenem glauben an pferde (s. 547) steht ein ›âtrûnađr â kû‹ zur seite. könig Eysteinn von Schweden glaubte an eine kuh, die Sîbilja hieß: ›hun var svâ miök blôtin, at menn mâttu eigi standast lât hennar‹, sie wurde mit in die schlacht geführt (fornald. sög. 1, 254. 260). könig Ögvaldr führte eine solche heilige kuh überall mit sich, zu wasser und zu land, und trank beständig ihre milch (fornm. sög. 2, 138. 10, 302)was bedeutet die schwarze kuh in folgenden redensarten? ›die schwarze kuh drückt ihn‹ (Hüpels livländ. idiot. 131), ›die schwarze kuh hat ihn getreten‹ (Etners apoth. 514). ›van onser goeden blaren coe, van miere blaren coe‹ ist hor. belg. 6, 97. 101 (vgl. 223) die rede, von der blauen kuh ir. elfenm. cxx. schlachten der schwarzen kuh bringt gefahr (abergl. 887). unter den benennungen des regenbogens findet sich das sloven. mavra, schwarze kuh..

Wie die mähnen der pferde schmückte man die hörner der kühe mit gold: gullhyrndar kŷr (Sæm. 73a 141a) noch heute ziert der alpenhirt die hörner des rinds mit bändern und blumen. den opferrindern wird diese ausstattung nicht gemangelt haben.

Das sanskr. gaus (bos und vacca), thema gô, acc. gâm, pers. ghau, gho, entspricht dem lett. gohw, ahd. chuo, ags. , altn. kŷr. noch wichtiger ist, daß gô zugleich terra und plaga bedeutet (Bopp gramm. § 123 gloss. p. 108b), wodurch es sich an das gr. γα̃, γη̃ schließt. hierzu das auftreten jener Auđhumla in der nord. schöpfungsgeschichte genommen, läßt sich vielleicht rinta (die erde) und Rindr (s. 208) zu rind armentum halten, welches freilich in der alten form HR fordert (Graff 4, 1171) und nl. rund, ags. hryđer, hrođer lautet; wer weiß ob nicht auch rinde (cortex) ursprünglich aspiriert war? Ευρώπη, der name eines theils der 555 erde wird zugleich erde (die weite ευρει̃α) ausdrücken, und s. 281 vermutete ich, daß Europa, mit der Zeus als stier buhlte, selbst als kuh, gleich der Io, gedacht worden sein mag; nicht die erde hat von ihr, vielmehr sie nach der erde den namen. Über die verehrung der kühe und rinder bei Indern, Aegyptern und Römern verweise ich auf A. W. Schlegels gelehrte abhandlungind. bibl. 2, 288–295.. auch die Israeliten brachten das brandopfer einer rothen kuh (goth. kalbô), auf welche noch kein joch gekommen war. Mos. IV, 19.Nachtrag: Stiere wühlen sturmwind auf. ein stierkalb wird auferzogen, um den drachen zu bekämpfen. DS. 142. Müllenhoff s. 238. Thiele 1, 125. Nandini ist aller kühe beste. ein mensch, der ihre milch getrunken hat, bleibt 10000 jahre jung. Holtzmann ind. sag. 3, 99. 100. ›Die schwarze kuh drückt ihn, hat ihn getreten‹ bedeutet: ›er fühlt mangel, schwere sorge‹. so trat ihn auch die schwarze kuh. ambraser lieder 147. stor blaa stud. norske event. 1, 111. vgl. ungr. er ist noch nicht auf die ferse der schwarzen kuh getreten. Wolfs zeitschr. 1, 271. 272. Neben dem kuhnamen Auđhumla kommen auch bezeichnungen des ochsen vor, wie freyr, iörmunrekr, reginn. Sn. 221a. (ed. hafn. 587).

Eber und bock waren heilige opferthiere (s. 41. 42), der eberdoppelt benannt heißt er abd. epur, ags. eofor und ahd. pêr, ags. bâr, (goth. báis?). dem Freyr (s. 176), böcke und ziegen dem Thôrr (s. 153) gewidmet, wie noch jetzt bock und ziege für teufelsgethier geltenwie gott (Wuotan) den wolf schuf (s. 122), brachte der teufel (Donar?) die geiß hervor. an einigen orten ißt man die geißfüße nicht (Tobler s. 214).. Auf jenen göttlichen eber glaube ich noch das alte lied beziehen zu dürfen, aus dem uns Notker (der so selten vor fremder gelehrsamkeit dazu kommt was er vaterländisches wuste aufzuzeichnen) eine stelle behalten hat:

imo sint fuoze fuodermâze,
imo sint burste ebenhô forste,
unde zene sîne zuelifelnîge,

seine borsten ragen hoch wie der wald, seine hauer sind zwölf ellen lang. Einen grund der heilighaltung des ebers findet man darin, daß er die erde aufwühlt, und die menschen von ihm das pflügen gelernt haben. Auch die Slaven scheinen solche eber verehrt zu haben: ›testatur idem antiquitas, errore delusa vario, si quando his saeva, longae rebellionis asperitas immineat, ut e mari praedicto (nahe bei Riedergost) aper magnus et candido dente e spumis lucescente exeat, seque in volutabro delectatum terribili quassatione multis ostendat‹. Ditm. merseb. p. 812Nachtrag: Ein uralter böser göltr, den das volk verehrte. fornm. sög. 4, 57. 58. vgl. eburdrung s. 606. Wackernagel deutet in Haupts zeitschr. 6, 280 die von Notker bewahrten verse anders, doch vgl. den in der schwedischen volkssage umgehenden grunzenden eber mit dem messer im rücken (Haupts zeitschr. 4, 506. 507) und die dän. volkssage von Lîmfiorden (Thiele 1, 131): eine zauberin brachte ein schwein zur welt, das wuchs so hoch, daß seine borsten über die wälder reichten, (Notk. burste ebenhô forste) und wühlte so tief in die erde, daß das meer sich in den graben goß vgl. schweingraben s. 855. ein wühlendes schwarzes schwein kündet den untergang der stadt an. Müllenhoff s. 105. eine malb. glosse nennt den eber diramni erdwühler. Leo 1, 75. GDS. s. 57. mit der eberschilderung in Ovid met. 8, 284 ff. vgl. Albr. von Halberstadt s. 269, wo die zähne einer eln lanc sind (Notk. zene sîne zuelifelnîge), was bei Ovid nicht vorkommt. dente minax heißt er Rudl. 16, 90. Vischnu in einer incarnation erscheint als eber auf dem meer. Ein weißer bock gilt im pferdestall für heilsam. Leoprechting 226..

Nur hausthiere waren opferbar, obgleich nicht alle, namentlich der hund nicht, der sich sonst oft zu dem herrn wie das pferd verhält; er ist treu und klug, daneben aber liegt etwas unedles, unreines in ihm, weshalb mit seinem namen gescholten wird. bemerkenswerth scheint, daß hunde geistersichtig sind (abergl. 1111) und den nahenden gott, wenn er noch menschlichem auge verborgen bleibt, erkennen. als Grîmnir bei Geirröđr eintrat, war ›eingi hundr svâ ôlmr, at â hann mundi hlaupa‹, der könig ließ den schwarzgemantelten fangen, ›er eigi vildo hundar ârâđa‹. Sæm. 39. 40. auch wenn Hel umgeht, merken sie die hunde. dazu stimmt genau der griech. glaube, niemand erschaut die nahende Athene, selbst nicht Telemachos, nur Odysseus und die hunde, Od. 16, 160:

ουδ' άρα Τηλέμαχος ίδεν αντίον, ουδ' ενόησεν,
ου γάρ πω πάντεσσι θεοὶ φαίνονται εναργει̃ς, 556
αλλ' Οδυσεύς τε κύνες τε ίδονκαί ρ' ουχ υλάοντοin einem dän. volkslied 1, 207. 209 bellen sie das gespenst an. bellen oder nichtbellen ist hier einerlei.
κνυζηθμω̃ δ' ετέρωσε διὰ σταθμοι̃ο φόβηθεν.

geheul der hunde ist vorbedeutsam (abergl. 493) und zeigt feuer an. dem Ođinn werden hunde beigelegt, Viđris grey Sæm. 151a, auch den nornen (s. 339): norna grey. Sæm. 273a. worauf gründet sich aber die sage des frühen mittelalters von dem h. Petrus und dem hund? der ags. Saturn und Salomon (bei Kemble s. 186) fragen: ›saga me hvilc man êrost være viđ hund sprecende?‹ und die antwort ist: ›ic þe secge, sanctus Petrus‹. Nialssaga cap. 158 p. 275 wird eine formel mitgetheilt, die aus der gewalt der wassergeister rette: ›runnit hefr hundr þinn, Petr postoli, til Rôms tysvar, ok mundi renna it þriđja sinn, ef þu leyfdir‹Nachtrag: Der hund kommt als opferthier vor s. 39. 43. Kuhns westf. s. 2, 138. er ist das thier der Hekate. Klausens Aen. 1137. der hund erkennt den Odysseus in der verkleidung. hündinnen wittern den Faunus: ab ea cane quae femina sit ex primipara genita Faunos cerni. Plin. 8, 40, 62. ein hund mit vier augen (nellisilm) d. h. flecken über den augen, ist allein teufelssichtig. estn. verh. 2, 90. der hund bellt vor dem unheimlichen stein. Dybeck 4, 25. hunde werden unsinnig, wenn man ihnen die knochen des osterlamms gibt. Keisersb. omeiß. 52a. Der hund des Petrus kommt in der sage von Simon und Petrus vor. ags. homil. s. 372. 374. pass. H. 175..

Unter den wilden waldthieren gab es einige, die der mensch mit scheu betrachtete, denen er ehrerbietung bezeigte: vor allen bär, wolf und fuchs. ich habe dargethan, daß diesen dreien, nach weit und frühe in Europa verbreiteter sitte, ehrende namen beigelegt wurdenReinh. p. lv. ccvii. 446; überraschend ist die in Victor Hugos notre dame de Paris 2, 272, nach einem buch, oder mündlicher überlieferung mitgetheilte nachricht, daß die zigeuner den fuchs piedbleu, courcur des bois, den wolf piedgris, pieddoré, den bären vieux oder grandpère nennen., und daß unsern ahnen der bär für den könig der thiere galtdas. s. xlviii ff. ccxcv.. Eine urk. von 1290 (Langs reg. 4, 467) liefert den beinamen ›Chuonrat der heiligbär‹, wozu man den eigennamen Ha lecbern (trad. corb. Wig. § 268) und altn. Hallbiörn, den älteren manns und frauennamen altn. Asbiörn, ags. Osbeorn, ahd. Anspero und altn. Asbirna, ahd. Anspirin (im Walth. Ospirn) und Ospirinberg MB. 28. 2, 123 halte; damals scheint noch unter dem volk sage von der heiligkeit des thiers im gang gewesen. Biörn war ein beiname des Thôrr, und nach der welschen sage wurde könig Artus als bär und gott dargestellt, was man nicht erst aus einer ähnlichkeit des namens mit άρκτος zu leiten hat: der bär am himmel spielt eine große rolle. ein eddischer beiname des bären war Vetrliđi (Sn. 179. 222) hiemem sustinens, weil er über winter schläft und der winter biarnarnôtt hieß, der eigenname gieng auf menschen über, fornm. sög. 2, 202 ein Vetrliđi skâld und 3, 107 ein Vetrliđi, in welchem sich der name seines vaters Asbiörn erneuerteauch das necrolog. augiense verzeichnel, ilcu namen Weturlit (bei Mone 98b)., den mythus von dem weißen bär und dem wichtel habe ich s. 396 nachgewiesen. Es ist nicht zu übersehen, daß einzelne thierfabeln in menschliche mythen verwandelt werden oder umgekehrt, z. b. die rolle des bären oder fuchses auf einen riesen oder den teufel übergeht. so findet sich die ehstnische erzählung von dem mann der mit dem bären rüben und 557 haber auf dem acker baut (Reinhart cclxxxviii) anderwärts von dem teufel. dies in einanderstreifen des thiermärchens und der übrigen traditionen ist neue gewähr für die epische natur jenes. Zwei wölfe, Geri und Freki, waren dem Ođinn heilig, ihnen gab er zu fressen was ihm von speise vorgesetzt wurde (Sn. 4), sie waren gleichsam des gottes hunde (Viđris grey). ich möchte wissen, woher H. Sachs den bedeutenden zug entnommen hat, daß gott der herr der wölfe, als seiner jagdhunde sich bediene1, 499a ed. 1558: ›die wolf er im erwelen gund und het sie bei ihm für jagdhund‹.? Ein sohn des Loki, Fenrisûlfr, tritt in wolfgestalt unter den göttern auf; überhaupt kennt unser alterthum keine häufigere verwandlung als die der menschen in werwölfe. Bär und wolf sind sehr oft in wappen aufgenommen, mit ihnen ist eine menge von menschlichen eigennamen zusammengesetzt; keins von beiden findet statt bei dem fuchs. Daher sich auch kaum mit dem fuchs mythische vorstellungen verknüpfen; einige spuren sind Reinh. ccxcvi gewiesenKlaproth hat aus japanischen büchern, daß man in Japan den fuchs (inari) als schutzgott verehrt: in vielen häusern, zumal geringerer leute, sind ihm kleine tempel gewidmet. sie fragen ihn in schwierigen dingen um rath, und stellen ihm abends reis oder bohnen hin. fehlt morgens etwas daran, so glauben sie, der fuchs habe es verzehrt und ziehen gute vorbedeutung daraus; das gegentheil ist ein übles zeichen. (nouv. annales des voyages. décembre 1833 p. 398.) Sie halten ihn für einen kami, d. h. für die seele eines verstorbnen guten menschen (das.)., im kindermärchen (no. 38) werden ihm neun schwänze beigelegt, wie dem Sleipnir acht füße, oder helden und göttern vier arme.

Der Freyja wagen war mit zwei katzen (tveimr köttum) bespannt (s. 254); da altn. fres nicht bloß kater sondern auch bär bedeutet, hat man neulich gar nicht uneben behauptet, köttum könne aus fressum entsprungen, und ein bärengespann der göttin gemeint sein, wie Cybeles wagen löwen zogen (s. 211). vom stiefelkater s. 416. 421, das norweg. märchen in den folkeeventyr no. 29. katze und wiesel gelten für kluge zauberkundige thiere, die man zu schonen ursach hat (abergl. 292)Nachtrag: Ein ähnlicher name wie Vetrliđi ist Sumarlidi. fornm. sög. 3, 205. vgl. gramm. 2, 505. andere poetische bärennamen hat Sn. 175. 221. z. b. iorekr equos fugans. den Samojeden und Ostjaken ist der bär ein gott. Castréns reise 235. 342, auch der finnische ohto wird im himmel geboren, in goldner wiege zur erde gebracht. ›auf des bären schultern steigen‹ heißt gen himmel fahren. sein schaum ist kräftig und soll gesammelt werden. Kalevala 13, 236. 254. wie Ođin zwei wölfe, hat der finnische Pahonew große spürhunde im dienst. Salmel. 1, 193. Hirsche sind nach schottischem glauben geistersichtig. Arvids. Ossian 1, 238. Felis aurea pro deo colitur. Plin. 4. 29, 35. die katze ist giftig nach Berthold von Regensb. 303. Unander nimmt zu fres unser vielfraß. der biber, der sich häuser baut, war nach einer sage bei Klemm 2, 159 ehemals mensch..

Mit den vögeln lebte das alterthum noch vertrauter, und wegen ihrer größeren behendigkeit schienen sie geisterhafter als vierfüßige thiere. ich führe hier mehrere beispiele an, daß man die wilden vögel fütterte. Dietmar von Merseb. erzählt von Mahtildis, Otto I mutter (Pertz 5, 740): ›non solum pauperibus verum etiam avibus victum subministrabat‹, und ebenso heißt es in der vita Mahtild. (Pertz 6, 294): ›nec etiam oblita est volucrum aestivo tempore in arboribus resonantium, praecipiens ministris sub arbores proicere micas panis‹. In Norwegen setzte man julabends den sperlingen kornbüschel aus: juleaften at sette trende kornbaand paa stöer under aaben himmel ved laden og fäehuset til spurrens föde, at de näste aar ikke skal giöre skade paa ageren Hiorthöi Gulbrands dalen. Kb. 1785. 1, 130, es war ein den vögeln 558 gebrachtes opfer, damit sie den fluren nicht schadeten. man entsinnt sich dabei des vermächtnisses für die vögel auf Walthers von der vogelweide grabstein, dessen namen schon pascua avium ausdrückt.

Götter und göttinnen pflegen sich in vögel zu verwandeln, aber auch den riesen war diese gabe eigen. Tarapita, der ehstnische gott, fliegt von einer stätte zu der andern (s. 62), die griechische vorstellung hat geflügelte götter, die jüdische geflügelte engel, die altdeutsche jungfrau mit schwanflügeln. Nordische götter und riesen legen ein adlerkleid, arnarham an (s. 526), göttinnen ein falkenkleid, valsham (s. 251). Der wind wird als riese und adler dargestellt (s. 527), und heilige adler schreien auf den bergen: örn gôl arla, arar gullo. Sæm. 142a 149a. Wolfram denkt sich die erde als einen vogel, wenn er sagt Wh. 308, 27:

sô diu erde ir gevidere rêrt
unde si der meie lêrt
ir mûze alsus volreckenNachtrag: Ein vogel verlangt, daß man ihm opfere s. 560. vgl. den lettischen vögelcultus. anm. 231. Giesebrecht balt. stud. 12, 128. 139. das servitium consuetum in blado et volatilibus, ch. a. 1311. MB. 30b, 61 braucht nicht auf ein opfer bezogen zu werden, sondern läßt sich als bloße abgabe in getraide und hünern deuten. Ein engel wird als vogel gesandt. Gudrun und sv. vis. 1, 232. 234. 235. wie der wind als adler dargestellt wird, so macht der aar luft und schatten s. 948, vielleicht auch der hahn das wetter vgl. den wetterhahn..

Von opferdiensamen hausvögeln, namentlich dem hahn und der gans, sind mir wenig mythische bezüge bekannt. Das feuer wird als rother hahn geschildert (s. 500), H. Sachs sagt: ›den roten han aufs stadel setzen‹. ein dänisches sprichwort: ›den röde hane galer over taget‹ (der rothe hahn kräht auf dem dach, d. h. die flamme prasselt). rothe hähne musten vorzugsweise gezinst (vielleicht, früher geopfert) werden (RA. 376). Völuspâ 54 wird Fialarr aufgeführt, ›fagurrauđr hani‹, im walde singend, goldkammiger hahn erweckt die helden, dunkelfarbiger kräht in der unterwelt. bedeutsam krähen im dän. lied (1, 212) der rothe hahn und der schwarze hahn hintereinander; ein anderes lied (1, 208) fügt noch einen weißen dritten hinzu. Vîđofnir, ein andrer eddischer hahn sitzt auf Mîmameiđr (Sæm. 109a); Finn Magnusen (lex. myth. 824. 1090) vergleicht ihm den hahn, der auf maibäume gesteckt zu werden pflegt. Die Wenden errichteten kreuzbäume, brachten aber, heimlich noch heidnisch gesinnt, zu oberst auf der stange einen wetterhahn anannalen der churbr. hannöv. lande 8 jahrg. p. 284. einige beziehen den hahn auf Petrus verleugnung.. In einem märchen (no. 108) sitzt Hansmeinigels hahn auf einem baum des waldes. Ich weiß nicht, wann die goldnen hähne auf kirchthürmen eingeführt wurden, bloße wetterfahnen sollten sie ursprünglich kaum sein. Guibertus in vita sua, lib. 1, cap. 22, gedenkt eines gallus super turri; im beginn des 12 jh. herschte also die sitte in Frankreich, aber schon zwei jahrhunderte vorher im südlichen Deutschland. Eckehard erzählt vom einbruch der Ungern: duo ex illis accendunt campanarium, cujus cacuminis gallum aureum putantes, deumque loci sic vocatum, non esse nisi carioris metalli materia fusum, lancea dum unus, ut eum revellat, se validus protendit, in atrium de alto cecidit et periit (Pertz 2, 105). den Ungern erscheint 559 dieser hahn als gottheit des orts, worin vielleicht noch das zusammentreffen der namen des heiligen Gallus mit dem des vogels bestärkte; sie verlassen sogar aus scheu vor ihm hernach das kloster: monasterio, eo quod Gallus, deus ejus, ignipotens sit, tandem omisso (ibid. 106)alles sagenhaft; denn vom einbruch der Ungern ins kloster Herzfeld (Hirutfeld) an der Lippe wird in der vita s. Idae ähnlich erzählt, sie seien auf den nolarius gestiegen, aber die glocken loszumachen unvermögend gewesen und nun plötzlich geflohen, aliquid ibi esse divalis numinis suspicali sunt (Pertz 2, 573). hier kommt der hahn nicht in betracht, die glocken thun es allein.. Tit. 407: ›ûz golde ein ar gerœtet, gefiuret unde gefunkelt ûf ieglich kriuze gelœtet‹. Zwar ist der hahn symbol der wachsamkeit, und dem wächter, damit er alles überschaue, gebührt der höchste standpunktMünsters sinnbilder der alten Christen p. 55. Da Gregor der große gallus durch praedicator auslegt (opp. Paris 1705. 1, 959. 061) und auch den speculator auf den praedicator bezieht, so könnte er in folgender stelle an den hahn gedacht haben, obgleich er ihn nicht nennt: speculator semper in altitudine stat, ut quidquid venturum sit longe prospiciat (ibid. 1, 1283).; möglich aber wäre, daß die bekehrer einen heidnischen brauch, hähne auf gipfeln heiliger bäume zu befestigen, schonend ihnen auch eine stelle auf kirchthürmen einräumten, und dem zeichen hernach nur allgemeinere deutung unterlegtenNachtrag: Dem angeführten dänischen sprichwort entspricht das niederdeutsche: de raude han kreide ut den dack. Firm. 1, 292b. hankrat kündet den tag. επεὶ δ'αλέκτωρ ημέραν εσάλπισε. Luciani Ocypus. 114. eine märchenformel lautet: lou gal canté, e foughé jhour. dict. languedoc. 224. cokkes crewe ande hit was daie. sevin sages 2536. thaz huan gikundit dages kunftî. O. IV. 18, 34. dô krât der han, ez was tac. Altsw. 67, 3. skal ek fyrivestan vindhialms brûar âđr salgofnir sigrþiođ veki. Sæm. 166. hankrat scheucht die geister:

ferunt vagantes daemonas
laetos tenebris noctium
gallo canente exterritos
sparsim timere et cedere.   Prudentii hymnus ad galli cantum. 10.

rother und grauer hahn krähen dem geist. minstrelsy 3, 48, auch weißer und grauer. ebenda 2, 468. Eine schwarze henne wird den bergmännlein geopfert s. 843. 844. ein schwarzer, hinkend geborner hahn erlöst ein bezaubertes schloß. Müllenhoff s. 351. aus dem hahnenei wird ein lindwurm. Leoprechting 78. wer dem hahn von den längsten schwanzfedern die rechte auszieht, kann jedes schloß öfnen, das er damit berührt, unsichtbar hineingehn und alles gewahren. Luciani sonmium 28. 29. ein hahn mit weißen federn wird zertheilt und um den weinberg getragen, gegen den wind. Paus. II. 34, 3. heilige hähne erwähnt Athen. 3, 445. Der hahn auf dem thurm wird schon von den mystikern 1, 199 auf den heiligen geist gedeutet. arabisch heißt er abul-jak-sân, vater der wachsamkeit. Fel. Faber evagat. 2, 219 meint: Christiani crucem cum gallo ex institutione prima habent in culminibus suarum ecclesiarum. dagegen haben die Sarazenen: lunam cornutam vel supinam, quia gallus erecto collo et cauda stans speciem habet supinae lunae.

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An der spitze des wilden gevögels steht der adler als könig, und ist des Zeus bote. In unsern thierfabeln scheint der rabe die rolle beider, des wolfs und fuchses zu übernehmen, er besitzt die freßgier jenes neben der klugheit dieses. Gleich den zwei wölfen sind auch zwei raben, Huginn und Muninn, Ođins beständige begleiter (s. 122); ihre namen drücken denkkraft und erinnerung aus: sie tragen ihm nachricht von allen ereignissen zuin einem slovenischen märchen besitzt jemand einen raben (vrána), der allwissend (védesh) war und ihm, wenn er heimkehrte, alles erzählte. Murkos sloven. deutsches wb. Grätz 1833. p. 696.. man vergleiche den klugen sperling (spörr) des nord. königs Dag. (Yngl. saga 21), der ihm aus allen ländern nachricht zuträgt und dessen tod er durch heerzug rächt. verschiedentlich scheinen diese odinischen vögel in den sagen erwähnt, z. b. Olaf Tryggv. cap. 28 bezeugen schreiende raben, daß Ođinn das dargebrachte opfer annimmt. zwei raben fliegen mit einem mann den ganzen tag. Nialss. 119. ebenso geleiten den heil. Gregor drei fliegende raben (Paul. Diac. 1, 26). In den schönen mythus von könig Oswald greift der rabe, dem sein gefieder mit gold bewunden wird (vgl. den falken Ms. 1, 38b) wesentlich ein; er hat nichts von der bösen teuflischen natur, die hernach diesem vogel beigelegt wird. Characteristisch ist auch, daß der von Noah aus der arche gesandte rabe, von welchem es gen. 8, 7 bloß heißt καὶ εξελθὼν ουκ ανέστρεψεx, in der deutschen wiedererzählung sich auf einem as niederläßt. Cædm. 87, 11. Diut. 3, 60. König Artus, den wir vorhin als bären fanden, soll in einen raben verwandelt 560 worden sein: ›que anda hasta ahora convertido en cuervo, y le esperan en su reyno por momentos‹. don Quixote 1, 49. In volksliedern versehen vögel gewöhnlich botendienst, sie bringen kunde von dem was vorgegangen ist und werden mit meldungen entsendet. böhm. sagt man: etwas vom vogel erfahren (dowěděti se po ptačku)Nachtrag: Der adler ist bei den Ostjaken heilig. Klemm 3, 122. den Indern ist Garuda könig der vögel. Holtzmann ind. sag. 3, 137. aquila, angla = Jovis ministra. Grotefend inscr. umbr. 6, 8. der habicht war dem Apoll heilig. Schwartz s. 16. 17. Od. 15, 526, wo er κίκρος heißt, sonst ιέραξ, der auch den Aegyptern als heiliger vogel galt. GDS. 51. über die sperber und wanneweher anm. 1735. Wie Huginn und Muninn stehen im ags. hyge und myne formelhaft zusammen. vorr. zu Andr. XXXIX. raben folgen dem helden: Haraldi ver fylgđum sîz or eggi komun. läsebog 112a. zwei raben sind schutzgeister. Gesser Chan 278. gleich dem adler kommt auch der rabe in der fahne vor s. 931, dieser verhält sich zu jenem etwa wie der wolf zum bären (oder löwen). über den raben vgl. noch Schwartz s. 42. 43..

In den sagen reden vögel untereinander von dem geschick der menschen und weissagen. raben verkündigen dem blinden das mittel, wodurch er wieder zu seinen augen gelangt (KM. no. 107), hausvögel besprechen sich von dem bevorstehenden untergang der burg (deutsche sag. 1, 202). Ein weiser vogel (fugl frôđhugađr) wird in der Helgaqviđa (Sæm. 140. 141) redend und weissagend eingeführt und er fordert, wenn er mehr aussagen solle, von dem menschen opfer und tempel. nach einer deutschen sage erwirbt sich der mensch das verständnis der vögelsprache durch den genuß einer weißen schlange (KM. no. 17). Sigurđr versteht sie, sobald des drachen Fafnir herzblut von den fingerspitzen auf seine zunge kommt: es sind schwalben (igđor), die ihm rathschlag ertheilen (Sæm. 190. 191). Schwalben zu tödten bringt unheil, nach abergl. 378 verursacht es vierwochenlangen regen; ihre nester an den häusern wagt niemand auszustoßen. aus Saxos (p. 327) bericht von der eichnen bildseule des Rugivit darf man schließen, daß die Slaven ruhig daran die schwalben nisten ließenNachtrag: Die schwalbe heißt ahd. sualawâ, ags. svealeve. altn. svala, engl. swallow, schwed. svala, dän. svale, lapp. svalfo. ob goth. svalvo oder hruzda? dakisch crusta, lith. kregźde, gr. χελιδών, lat. hirundo, für χεριδών χριδών. lett. besdeliga. slav. lastovice, vlastovice, serb. lasta und lastavitza. finn. pääsky, est. päästlenne, ungr. fetske. alban. delenduse, walach. rendurea. die schwalbe reißt, wV }Aqhnaía, dem κολοιός die erste gestohlne feder aus. Babr. 72, 16. in der prosa (Cor. 188) ist es aber die eule (γλαύξ). die nätherin der Maria, die den zwirnkläuel stahl, wurde in eine schwalbe verwandelt, der weiße flecken an der schwalbe bezeichnet den kläuel. Wieselgren 478. Iđunn wird, wie Procne, nach einer lesart in eine schwalbe verwandelt, doch ist die gewöhnliche lesart hnot (nufs). die schwalbenjungen werden blind geboren. Dybeck 1845, 67; erblindet ihnen ein junges, so holen sie ein kraut, legen es auf und stellen das auge her. davon rührt der name chelidonium. Dioscor. 2, 211. so auch Megenberg bei schellwurz (anm. 2918)..

Die mythische eigenheit des schwans bekundet die sage von den schwanfrauen (s. 354) und von des sterbenden thiers gesangNachtrag: Der schwan heißt ahd. alpiz, mhd. elbez, ags. ylfet, sl. labud. gal. eala, ealadh, ir. ala und eala, welsch alarch, eleirch. ulfa þytr mer þôtti illr vera hiâ söngvi svana. Sn. 27. ylfete song. cod. exon. 307, 6. über den schwan und seinen gesang vgl. s. 362. Schwartz s. 43. 44. 46. finn. heißt der schwan (joutsen) heiliger vogel, pyhä linu. Kalev. 8, 73.. Auch der storch galt für unverletzbar, gleich den schwalben ist er frühlingsbote; sein dichterischer name muß ins heidenthum zurückreichen, widerstrebt aber noch den deutungen. die ahd. glossen geben odebero (Graff 3, 155) udebero (sumerl. 12, 16) otivaro, odebore (fundgr. 1, 386) odeboro (gl. Troß); mhd. adebar (nur Diut. 3, 453); mnd. edebere (Bruns beitr. 47) adebar (Reinke 1777. 2207); mnl. odevare, hodevare (Rein. 2316. Clignett 191); nnl. ôyevâr; nnd. êber, äbêr, atjebar; im ags. und nord. nichts ähnliches. bero oder boro ist träger, aber das erste wort, solange man der quantität des vocals unsicher bleibt, läßt sich schwer erklären, zwischen glückbringer (von ôt opes) und kindbringer wäre die wahl, doch das letzte stimmt zu dem noch allgemein herschenden volksglauben, daß der storch die neugebornen kinder zutrage. neben dem alts. partic. ôdan genitus, ags. eáden, altn. auđinn müste sich ein subst. ôd, eád (proles) erweisen und alles wäre in ordnung. der prosaische ausdruck ahd. storah, ags. storc, altn. storkr mag gleich alt sein. nach fries. volksglauben treten wandlungen des storchs in mensch und des menschen in storch ein. ein lied Wolframs 5, 21 versichert, der storch schade den saaten nichtNachtrag: Der storch heißt in den schlettst. gl. 36, 33 odoboro. Altswert 71 hat otfer, ötdifer. in Niederdeutschland wird er genannt: ådebar langbên, hålebåt langbên, knepper (klapperer) langbên, in Groningen aiber, eiber, in Geldern heiluiver, uiver, sonst auch heilebaot, albaor. Simrock no. 335. 336, heilebate. hor. belg. 7, 27a. den storch heilbott und otterwehr nennen. froschmeus. Ji VIIb. ist es vielleicht auf addjabaira eiträger oder auf addjêbaura eigeborner zu deuten? kl. schr. 3, 147. 164. Outzen s. 1. 2 macht aus adebar frühlingsbote. Estn. name des storchs ist tone kurg, finn. nälkäkurki, hungerreiher? litth. gandras. lett. swehts putns, heiliger vogel und melnsprahklis, schwarzarsch. poln. bocian, böhm. bočan der schwarze storch, poln. czapla, böhm. čáp der weiße storch. dieser letzte heißt auch böhm. bohdal, gottgegeben, dieudonné, in Mähren bogdal, bokdal. vgl. ευσεβέστατον ζω̃ον. Aesop. Fur. 76. Babr. 13, 7. Jorn. c. 42 nennt die störche candidae aves. slav. kommt auch dem deutschen wort entsprechend str‘k’. Mikl. s. 87, russ. sterch’, serb. šhtrk vor. ein storch weissagt den untergang der stadt. Jornand. c. 42. Procop 1, 330, rettet seinen vater. Babr. 13. 8. störche sind menschen nach dem spinrockenevang. samst. 16. in auffallender übereinstimmung mit dem angeführten liede Wolframs 5, 21 sagt der storch bei Babr. 13, 5: ου σπόρον καταφθείρω..

Altlat. völkern war der specht heilig, er galt für den vogel des Mars, ’Άρεος όρνις; den Sabinern weissagte ein auf hölzerner seule (επὶ κιόνος ξυλίνου) stehender specht im hain bei Matiena 561 (oder Matiera Dion. hal. 1, 14. Reiske p. 40), einst hatte er sie den weg geführt, ώρμηνται οι Πικεντι̃νοι δρυοκολάπτου τὴν οδὸν ηγεσαμένου (Strabo V p. 240). für Romulus und Remus, als der wölfin milch nicht genügte, trug er andere nahrung herbei (Ovid. fast. 3, 37. 54 vgl. Niebuhr 1, 245). Nach Virg. Aen. 7, 189. Ovid. metam. 14, 321 war Picus sohn des Saturn, vater des Faunuswenn in der Schweiz der schwarzspecht merzafülli (merzfohlen) heißt (Stald. 2, 199. Tobler 316a), erklärt sich das am einfachsten aus dem picus martius; fülli könnte aber auch vögeli sein, also merzvogel oder Martinsvogel, worüber mehr im cap. von dem angang., und wurde in den vogel verwandelt. Wie unsere dichtung von Beovulf (bienenwolf, d. i. specht) diesem Picus verwandt scheine ist s. 306 angedeutet. In Norwegen heißt der rothhaubichte schwarzspecht Gertrudsvogel und ein märchen bei Asbiörnsen und Moe (no. 2) erläutert seinen ursprung: als unser herrgott mit Petrus auf der erde wandelte, kamen sie zu einer frau, welche saß und buk, sie hieß Gertrud und trug eine rothe haube auf dem kopf. müde und hungrig von dem langen weg bat sie unser herr um ein stück kuchen. sie nahm ein wenig teig und setzte ihn auf, er wuchs so hoch, daß er die ganze pfanne füllte. da meinte sie, der kuchen sei für ein almosen zu groß, nahm weniger teig und begann zu backen, doch auch dieser kuchen erlangte dieselbe größe und sie weigerte ihn wiederum zu geben, nahm zum drittenmal noch weniger teig und da der kuchen dennoch ebenso groß aufschoß, sagte Gertrud, ›ihr müßt ohne almosen gehn, all mein gebäck wird zu groß für euch.‹ Da zürnte unser herr und sprach: ›weil du mir nichts gönnst, sollst du zur strafe ein kleiner vogel werden, dein dürres futter zwischen holz und rinde suchen und nicht öfter trinken, als wann es regnet‹. kaum waren diese worte ausgesprochen, so wandelte die frau sich in den Gertrudsvogel und flog den küchenschornstein hinaus, und noch heute sieht man sie mit ihrer rothen haube, ganz schwarz am übrigen leib, weil die ofenröhre sie schwärzte; beständig hackt sie in die baumrinde nach futter und pfeift gegen das regenwetter, denn sie dürstet immer und hoft zu trinkenGertrud wurde s. 50. 253 mit Freyja verglichen, und dieser könnte der vogel, wenn schon hier als verwandelter mensch dargestellt, heilig gewesen sein.. Der grünspecht heißt auch gießvogel, östr. gißvogel (Stelzhamers lieder s. 19. 177), goißvogel (Höfer 1, 306), niederd. gütvogel, gietvogel, gütfugel (Ehrentr. 1, 345.) engl. rainbird, rainfowl, weil sein geuß! gieß! giet! lautender ruf regenguß verkünden soll. von ihm ist eine merkwürdige sage verbreitet. als gott der herr, bei erschaffung der welt, durch die thiere einen großen brunnen (teich) graben ließ, enthielt sich dieser vogel aller arbeit, aus furcht sein schönes gefieder (seine gelben füße) zu besudeln. da bestimmte gott, er solle nun auch bis in ewigkeit aus keinem brunnen (teiche) saufen: deshalb sieht man ihn immer nur aus holen steinen oder wagenspuren, in denen sich regenwasser gesammelt hat, mühsam picken. wenn 562 aber lange kein regen fiel und trockne zeit ist, dürstet ihn heftig und ununterbrochen hört man ihn sein ängstliches giet! schreien, und der liebe gott erbarmt sich und gießt regen. (Reusch in den preuß. provinz. bl. 26, 536 aus dem Samland.) Fählmann theilt in den Dorpater verhandl. 1, 42 einen esthnischen mythus mit: gott ließ den Embach graben (oben s. 498) und stellte alle thiere ans werk; der pfingstvogel aber flog unthätig von ast zu ast und pfif sein lied. da fragte ihn der herr: hast du sonst nichts zu thun, als dich zu zieren? ›die arbeit‹, antwortete der vogel, ›ist schmutzig, ich kann meinen goldgelben rock, meine silbernen hosen nicht preisgeben‹. ›du kleidernarr‹, rief der herr, ›von nun an sollst du schwarze hosen tragen und deinen durst nie aus dem bach löschen, sondern die tropfen von den blättern trinken und sollst dein lied nur anstimmen, wenn alle andern geschöpfe vor dem nahenden sich verkriechen.‹ Offenbar ist der norweg. Gertrudsvogel, der durstig den regen anpfeift, identisch, und andere erzählungen werden den gießvogel aus der verwandlung eines eiteln, trägen menschen deuten. Zuweilen wird unter gießvogel, gießer, wasservogel, pfingstvogel, regenpfeifer nicht der specht verstanden, sondern eine schnepfe (Höfer 1, 306. 341), deren ruf wiederum auf gewitter deutet (s. 153) oder der brachvogel (numenius arquata), franz. pluvier (pluviarius), böhm. koliha, poln. kulig, kullik, niederd. regenwolp, waterwolp (brem. wb. 5, 286). In unsern thierfabeln bleibt sonst der specht ohne rolle, nur in einer alles zusammenhangs entbehrenden erzählung (Reinh. 419) wird er mit dem wolf sich unterredend aufgeführt. Die Wotjaken erzeigen dem baumhackenden specht göttliche ehre, damit er ihren wäldern nicht schadeRytschkows reise durch das russ. reich, übers. v. Hase. Riga 1774 p. 124.. den Serben heißt das geschrei des baumhackenden spechts (zhunja)krain. zuna, poln. böhm. zluwa. böhm. auch wlha, sonst wolga. klitschi, kliknuti, kliktati, gleich dem der vila (oben s. 362). baumklopfende spechte zeigen den weg zum fluß (Igorlied 79); die alte sage vom specht und der springwurzel wird in cap. XXXII erörterung findenNachtrag: Auch Ovid. met. 14, 314 kennt eine bildseule ›gerens in vertice Picum‹. über Picus Klausen s. 844. 845. 1141. picus und pica gehören wol zu ποικίλος, buntspecht, oder hängen picus und s-pecht zusammen? gr. πελεκα̃ς, specht, eigentlich baumhackel von πελεκάω hacke, πέλεκυς beil. so hat Stald. 1, 263 tannbicker picus martius und litth. wolungē holzhacker heißt der grünspecht. auch litth. genys und serb. shunja sind bezeichnungen des spechtes. der bienenspecht heißt lett. dsennis. dsilna. russ. djatel, poln dzięcioł, böhm. datel specht scheint zu dziécię djtĕ kind gehörig, vielleicht weil er als kindhüter gedacht wurde, wie Picus für Romulus sorgte. für das schweiz. merzafülli kommt im henneberg. auch kurzweg merz vor: der merz hackt dich. Haupts zeitschr. 3, 360. für kliktati, das geschrei des baumhackenden spechts, das auch vom ruf der vila gebraucht wird s. 362, gilt auch totrkati, pulsare in arbore, ut picus facit. litth. ulbauja wolungē, der specht winselt, klagt. Ukko erschuf den konkelo grünspecht. Peterson 12. Renvall s. v. die spechte sind schatzvögel s. 812. 813. nach Kuhn hängt der specht mit dem feuer zusammen. was heißt: hân ich iu den speht erschozzen? Haupts zeitschr. 6, 501.. Die elster (pica) ist ein dem specht (picus) nahstehender vogel. ihr altn. name lautet skađi, nach Biörn masc., schwed. skata, dän. skade was mit der abstracten bedeutung damnum zusammengenommen werden darf, ahd. scado; zu eingang der Völsunga saga begegnet ein mann namens Skađi, welchen F. Magnusen (lex. 699) für die göttin Skađi erklärt. In der flandrischen thiersage hieß die elster ›ver Ave‹, frau Ave. In Poitou dauert noch eine spur des elstercultus fort, auf den gipfel eines hohen baums wird ein strauß von heide und lorbeer der elster zu ehren angebunden, weil sie den einwohnern durch ihr geschrei den nahenden wolf anzeigt: porter la crêpe à la pie. (mém. des antiq. 8, 451.)

In altböhmischen liedern ist der sperber (krahui, krahug) ein heiliger vogel und wird im götterhain gehegt (königinh. hs. 72. 563 80. 160). auf den ästen der eiche, die aus dem grabe des erschlagenen sprießt, sitzen heilige sperber, und verkünden geschehnen mordNachtrag: Der sperber heißt böhm. krahug, krahulec, krahuljk falco nisus, poln. krogulec. Linde 1134b. ungr. karoly, karvoly. ahd. wannoweho, wannunwuchel loaficus Graff 1, 643, bei Ziemann wannewechel lautet auffallend überein mit lett. wehja wannags sperber, heiliger habicht, denn lith. ist wanagas habicht, wanagelis kleiner habicht. Garg. 279b hat den ausruf: ir wannenwäher! ein kleiner raubvogel heißt in Schwaben wannenwäher. man läßt ihn gern in häusern nisten und hängt kleine wannen aus, in die er baue, woher der name. man glaubt das haus vor dem einschlagenden blitz sicher, an welchem diese vögel nisten. Mone 7, 429. Frisch 2, 422 hat wanneweihe accipiter tinnunculus und andere formen. liegt in weihe, wîo, wîho milvus der heilige vogel? vgl. wîvo. milvos laedere capitale est nach Leo von Rozmital 40 in England. GDS. 50.

Die eule weissagt s. 950. sie war den Griechen heilig, als nächtlicher siegesvogel der Athene vogel. auch die Indianer verehrten sie. Klemm 2, 164. vgl. auch das esth. tharapila s. 62 ohreule. runen zeichnete man: â nefi uglo Sæm. 196a wie â arnar nefi. ebenda. über strix στρίγξ s. 873.

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Keinem andern vogel wird aber allgemeiner die gabe der weissagung beigelegt als dem kukukgoths. gáuks? ahd. gouh (Hoffm. 5. 6) ags. geác, altn. gaukr, mhd. gouch MS. 2, 132b, daneben reduplicierend (wie cuculus) gucgouch MS. 1, 132a, guggouch MS. 1, 166a, nhd. gukuk, kukuk, oberdeutsch guggauch, gutzgouch., dessen laute, gemessene stimme im neubelaubten hain erschallt. Den beginn des lenzes drückt im altdeutschen recht die formel aus ›wann der gauch guket‹ (RA. 36), wie nach Hesiods hauslehren der rufende kukuk die zeit des fallenden saatregens verkündet. Zwei alte lieder schildern des frühlings und winters wettstreit über den kukuk, und der hirten klage um ihn: der frühling preist, die tarda hiems schilt den vogel, hirten stellen ihn als geraubt oder ersäuft dar, merkwürdig ist die zeile:

tempus adest veris, cuculus modo rumpe soporembeide eclogen in Dornavii amphitheatrum 456. 457, wo sie dem Beda zugelegt sind, ein gleiches geschieht bei Leyser p. 207, nach welchem sie zuerst in der frankf. ausg. der ovidischen amatorien von 1610 p. 190 gedruckt worden sein sollen. indessen theilt Oudin (de scrip. eccles. 2, 327. 328. ed. lips. 1722) den conflictus veris et hiemis mit unter dem namen des Milo sancti Amandi elnonensis monachus (aus der ersten hälfte des 9 jh.) und das zweite gedicht de morte cuculi findet sich in Mabillons anal. 1, 369 als Alcuini versus de cuculo. Immerhin fallen beide in das 8 oder 9 jh.; in corruption der penultima von cuculus stimmen sie zu Reinardus 3, 528. den conflictus haben auch Hoffm. horae belg. 6, 236 wieder aufgenommen..

Er kündigt durch seinen ruf die lieblichste zeit des jahres an, daß er den menschen weissage wird hier nicht gesagt. das jahr verkünden (jahr bieten) schreibt auch der ags. cod. exon 146, 27 diesem vogel zu: ›geácas gear budon‹, cuculi annum nuntiavere. Noch jetzt aber dauert der volksglaube, wer im frühling zum erstenmal das schreien des kukuks vernehme, könne von ihm die zahl seiner übrigen lebensjahre erfragen (abergl. 197. schwed. 119. dän. 128. 146). in der schweiz rufen die kinder ›gugger, wie lang lebi no?‹ in Niedersachsen:

kukuk vam häven,
wo lange sall ik leven?

und dann gibt man acht und zählt: wie vielmal der vogel nach der anfrage ruft, soviel jahre sind dem fragenden übrig zu leben (Schütze holst. idiot. 2, 363). In andern gegendenAegid. Albertini narrenhatz, Augsb. 1617 p. 95: inmassen jencm allen weib beschehen, welche einen guguck fragte, wie vil jar sie noch zu leben hette? der guguck fieng an fünfmal guguck zu singen, da vermainte sie daß sie noch fünf jar zu leben hette u. s. w. aus schimpf und ernst c. 391. lautet der spruch:

kukuk, beckenknecht,
sag mir recht,
wie viel jahr ich leben soll?auch neugriechisch: κου̃κο μου, κου̃κάκι μου, κι αργυροκουκάκι μου, πόσους χρόνους θὲ νὰ ζήσω;

564 der vogel, wird erzählt, sei ein verwünschter becker oder müllerknecht, und trage darum fahles, mehlbestaubtes gefieder. in theurer zeit habe er armen leuten von ihrem teig gestolen, und wenn gott den teig im ofen segnete, ihn herausgezogen, bezupft und jedesmal dabei gerufen ›gukuk!‹ (ei sieh!), darum strafte ihn gott der herr und verwandelte ihn in einen raubvogel, der unaufhörlich dieses geschrei wiederholtvgl. Praetorius weltbeschr. 1, 656. 2, 491.. Gewis wurde die sage, die uralt sein mag und der vom specht (s. 561) gleicht, früher ganz anders erzählt. vgl. cap. XXII Plejaden. mit jener theuerung kann zusammenhängen, daß des kukuks ruf, wenn er noch nach Johannis vernommen wird, theuerung bedeute (abergl. 228).

In Schweden weissagt er ledigen mädchen, wie viel jahre sie unverheiratet bleiben sollen:

gök, gök, sitt på quist
säg mig vist,
hur många år
jag ogift går?

ruft er öfter als zehnmal, so sprechen sie, er sitze ›på galen quist‹, auf einem närrischen (verzauberten) zweige, und achten seiner prophezeiungen nicht. Auch soll auf die himmelsgegend viel ankommen, aus welcher man den kukuk zuerst hört. man muß im frühling genau acht geben: hört man ihn von norden (d. h. der unglücklichen seite), so wird man des jahrs trauer haben, von osten und westen bedeutet sein ruf glück, von süden her ist er der butterausrufer: ›östergök är tröstegök, vestergök är bästagök, norrgök är sorggök, sörgök är smörgök‹Arndts reise durch Schweden 4, 5–7. die schnepfe heißt schwed. horsgjök, altn. hrossagoukr (rossekukuk) und auch sie hat die gabe des weissagens (oben s. 153)..

In Goethes frühlingsorakel verkündet der prophetische vogel einem verliebten paar nahende hochzeit und zahl der kinder.

Auffallend genug, daß unsere liederdichter des 13 jh. den kukuk nicht wahrsagend einführen, die sache war ohne zweifel damals allgemein bekannt, denn auch im Renner heißt es 11340

daz weiz der gouch, der im für wâr
hât gegutzet hundert jâr.

Caesarius heisterbac. 5, 17: narravit nobis anno praeterito (? 1221) Theobaldus abbas eberbacensis, quod quidam conversus, cum nescio quo tenderet et avem, quae cuculus dicitur a voce nomen habens, crebrius cantantem audiret, vices interruptionis numeravit, et viginti duas inveniens, easque quasi pro omine accipiens pro annis totidem vices easdem sibi computavit: ›eia‹ inquit ›certe viginti duobus annis adhuc vivam, ut quid tanto tempore mortificem me in ordine? redibo ad seculum, et seculo deditus viginti annis fruar deliciis ejus, duobus annis, qui supersunt, poenitebo‹. Im couronnemens Renart vernimmt der fuchs des vogels stimme und legt ihm die frage vor: 565

a cest mot Renart le cucu
entent, si jeta un faus ris,
›jou te conjur‹, fait il ›de cris,
215  cucus, que me dies le voir,
quans ans jai à vivre? savoir
le veil‹hier scheint eine zeile zu mangeln, worin gesagt ist, daß der vogel seinen schrei beginne, en preu cucu, als kluger kukuk, fugl frôđhugađr., cucu, en preu cucu,
et deus cucu, et trois cucu,
quatre cucu, et cinc cucu,
220  et sis cucu, et set cucu,
et uit cucu, et nuef cucu,
et dis cucu, onze cucu,
duze cucu, treize cucu.
atant se taist, que plus ne fu
225  li oisiaus illuec, ains s'envolle;

erfreut bringt Renart seiner frau die nachricht, daß ihm der vogel noch ›treize ans d'aé‹ zugesprochen habeNachtrag: Der kukuk weckt, wenn er seinen eignen namen ausruft, freude. darum heißt er finn. ilokäki freudenkukuk. Kalev. 14, 226, munaiset käkeni. ebenda 5, 196. 197 (wie im schwed. tröstegök), jedoch auch kummerkukuk. Castréns reise 292. sechs goldkukuke, kuus on kullaista käkeä. Kalev. 14, 31. die sonne steigt auf wie ein goldner kukuk 27, 265. finn. käki, lapp. jäkä, syrjän. kök. skr. kôkila. Pott zählmeth. 229. bemerkenswerth ist noch der ausruf heidaguguk! schulmeisterswahl 50. 51. 83. unerklärt ist die ahd. bezeichnung fols für kukuk. Graff 3, 517. über den kukuk s. Reusch n. preuß. prov. bl. 5, 321–343, über den gucker s. Leoprechting s. 79. Ein lied des frühlings mit dem kukuk und des winters mit der eule führt Shakespeare am schluß von Loves labour's lost an. er ist der hüter des sommers: svylce geác mônađ geomran reorde singeđ sumers veard, sorge beodeđ. Er weissagt ledigen mädchen vgl. Runa 1844 s. 10. waz der kukuk hiure sanc. Mones schausp. 131..

Vielleicht ist der kukuk unter dem zîtvogel gemeint, von dem es Ms. 1, 88a heißt: ›diu vröide vlogzet gelîch dem zîtvogel in dein neste‹. wenigstens führt mich darauf eine stelle des Plinius, die überhaupt hieher gehört, im aequinoctium vernum soll der landmann alle verspäteten arbeiten schnell vornehmen: ›dum sciat inde natam exprobrationem foedam putantium vites per imitationem cantus alitis temporarii, quem cuculum vocant. dedecus enim habetur opprobriumque meritum, falcem ab illa volucre in vite deprehendi, ut ob id petulantiae sales etiam cum primo vere ludantur‹.

Die freude über des kukuks ersten ruf drückt ein schweizerischer spruch (Tobler 245b) so aus:

wenn der gugger chond gegugga ond s merzaföli lacht,
denn wötti gad goh lo, 'swit î koh möcht,

man wähnt, daß er nie vor dem dritten april und nie nach Johannis rufe:

am dretta abarella
moß der gugger grüena haer sbhcnella;

er könne aber nicht rufen, eh er ein vogelei gefressen habe. hat man, wenn sein ruf zuerst erschallt, geld im sack, so reicht man das ganze jahr gut aus, hat man aber keins im sack, so mangelt es das ganze jahr (abergl. 374), und war man nüchtern, muß man das ganze jahr hungern. wenn der kukuk dreimal satt kirschen gegessen hat, hört er auf zu singen. weil des kukuks ruf um Johannis verstummt, nimmt der volksglaube an, daß er sich nach dieser zeit in einen habicht wandle. Reusch n. pr. prov. bl. 5, 338. 339.

Den Polen heißt der vogel 'ze'zula, den Böhmen žežhule (beidemal fem.). in der altpoln. chronik des Prokoszkronika polska przez Prokosza. Warsz. 1825 und lateinisch chronicon slavosarmaticum Procosii. Varsav. 1827; angeblich aus dem 10 jh. Ein so hohes alter kommt ihr nicht zu, aber Dobrowsky (wien. jb. 32, 77–80) geht zu weit, wenn er sie ganz für erdichtung ausgiebt; es liegen ihr auf jeden fall alte überlieferungen zum grunde., p. 113 der lat. 566 ausg., findet sich folgende merkwürdige erzählung von dem cultus des slav. gottes Zywie: divinitati Zywie fanum exstructum erat in monte ab ejusdem nomine Zywiec dicto, ubi primis diebus mensis maji innumerus populus pie conveniens precabatur ab ea, quae vitaezywy lebendig, zywie das leben erhalten, nähren. auctor habebatur, longam et prosperam valetudinem. Praecipue tamen ei litabatur ab iis, qui primum cantum cuculi audivissent, ominantes superstitiose, tot annos se victuros, quoties vocem repetiisset. Opinabantur enim supremum hunc universi moderatorem transfigurari in cuculum, ut ipsis annuntiaret vitae tempora: unde crimini ducebatur, capitalique poena a magistratibus afficiebatur qui cuculum occidisset. Hier ist der weissagende vogel ein verwandelter gott, wie er in jenem sächsischen reim kukuk ›vam häven‹ hieß.

Den serbischen haiduken bedeutet es unheil, wenn die kukavitza früh erscheint und aus dem schwarzen walde ruft; aber glück, wenn sie aus grünem walde schreit (Vuk s. v.).

Im eddischen Grottasang wird den malmägden nicht länger ruhe und schlaf gestattet, als während der kukuk schweigt (enn gaukrinn þagđi).

Er kann glück und unglück weissagen; man soll sich gegen ihn (wie gegen andere zaubervögel, eule und elster) mit worten und fragen hüten, daß man sich nicht verstrickeArndt a. a. o. 3, 18.. Ihn ohne ursach zu tödten bringt gefahr, sein anhang könnte es rächen. Er vermag die menschen zu necken, zu bethören, das nennt der schwedische aberglaube dåra, der dänische gante. In einem mhd. gedicht (fragm. 38b):

peterlîn und louch
hât begucket mit der gouch.

Sein erscheinen ist oft böser vorbedeutung. Paulus Diac. 6, 55 meldet von dem langobardischen könig Hildeprand: cui dum contum, sicut moris est, traderent, in ejus conti summitate cuculus avis volitando veniens insedit. tunc aliquibus prudentibus hoc portento visum est significari ejus principatum inutilem fore.Nachtrag: Zitefogel ist n. propr. Mones anz. 3, 13. der bauern zeitvogel ist der rabe. Kalenberger p. m. 284. 287. vom kukuk singt das volk in Wiltshire:

The cuckoo's a fine bird,
she sings as she flies,
she brings us good tidings
and tells us no lies.
She sucks the small bird's eggs
to make her voice clear;

and the more she sings: ›Cuckoo!‹
the summer draws near.
The cuckoo comes in april,
stays the month of may,
sings a song at midsummer,
and then a goes away.

ein ukrain. lied vom kukuk bei Bodenstedt 57. nach einem deutschen liede des 16. jahrh. hat sich der kukuk zu tod gefallen von einer hohen weide. wie den Polen, war der kukuk auch den Neuseeländern ein gott (catua). Klemm 4, 371.

Wie jene slavische allernährende lebensgottheit gestalt des kukuks an sich nimmt, hat sich auch der griech. Zeus in ihn verwandelt, als er zuerst der Here naht. Der göttin sitzendes bild zeigt einen kukuk auf dem stab, ein die hochzeitsprocession des Zeus und der Here vorstellendes basrelief läßt auf des Zeus (wie auf jenes langobardischen königs) zepter einen kukuk sitzenWelcker zu Schwenk 269. 270; sonst sitzt da ein adler. Kann die gestalt des kukuks und adlers nicht deutlich geschieden werden, so nennt auch noch heute das volk in Baiern den preußischen adler scherzweise gukezer (Schm. 2, 27).; 567 dieser vogel ist also in die vorstellung der heiligsten ehefeier verflochten, man begreift, warum er verheiratung und ehesegen weissagt. Der berg aber, auf welchem Zeus und Here zusammenkamen, früher Θρόναξ (von θρόνος, sitz des donnerers? vgl. oben s. 152) oder Θόρναξ geheißen, erhielt nachher den namen όρος κοκκύγιονPausanias II. 36, 2.. Kukuksberge haben wir nun auch in Deutschland, z. b. unweit Kreuznach liegt ein Gauchsberg (Widders Pfalz 4, 36), ebenso bei Durlach und Weinsberg (Mones anz. 6, 350), in der Schweiz ein Guggisberg (Joh. Müller, 1, 347. 2, 82 Tschachtlan p. 2), Göckerliberg (Km. no. 95); die benennung würde sich ganz natürlich aus dem rufen des vogels, das vom berg her vernommen wird, erklären, wenn nicht auch noch andere überlieferungen damit zusammenhiengen. Freidank 82, 8 und fast ebenso Bonerius 65, 55

wîsiu wort unt tumbiu werc
diu habent die von Gouchesberc;

hier werden die leute vom Gauchsberg als weise redend aber einfältig handelnd dargestellt, Gauchsberg ist gleichviel mit Narrenbergdaher auch ein andermal dafür gesetzt wird Affenberc (Docens misc. 2, 187), Affenberc und Narrental MsH. 3. 200b; Affental das. 213a, Winsbeke 45, 7. und Renner 16469. Apenberg und Narrenberg in der plattd. Narragonia 77b, 137b; Eselsberc Diut. 2, 77. Thiere, welchen schon die alte sprache dummheit beimißt, sind ochs, esel, affe, bock, gans, gauch und heher. viđ ôsvinna apa Sæm. 25b. âttrunnr apa Sæm. 55b. N. ps. 57, 11 hat ruoh (stultus) d. i. hruoh, ags. hrôc (graculus, gramm. 3, 361).. schon im zehnten jh. hat gouh die nebenbedeutung von narr (N. ps. 48, 11. 93, 8. urheizkouh N. Bth. 175, kriegsnarr), und so überall im dreizehnten (Walth. 22, 31. Trist. 8631. 18215), obgleich gewöhnlich noch ein adj. oder ein gen. pl. beigefügt steht: ich tumber gouch MS. 1, 65a tumber denn ein gouch Troj. 8126 tumber gouch Barl. 319, 25 gouch unwîse Barl. 228, 32 sinnelôser gouch 319, 38. der treit gouches houbet MsH. 3, 468g, rehter witze ein gouch MS. 2, 124b, der mære ein göichelîn Ben. 209, wo auch das augmentativ gouchgouolt. Altn. gaukr zugleich arrogans morio. H. Sachs verwendet einigemal Gauchbergweit häufiger Schalksberg, in der redensart ›in den schalksperg hawen‹ I. 5, 524a. III. 3, 28d. 54b. IV. 3, 20d. 31c. 40a, deren ursprung ich nicht kenne. in Franken wächst Schalksberger wein. Henricus dictus de Scalkesbergh. Spilker 2, 148 (a. 1268). in gleichem sinn, II. 4, 110d (Kempten II. 4, 220a) ausz. von Göz 1, 52. Dennoch mag bei Gauchsberg ursprünglich an den vogel selbst in einer uns jetzt verdunkelten ominosen bedeutung gedacht worden seinwen nach anderer auslegung verlangt, der findet sie reichlich in Mones anz. 6, 350 ff.: Gouchsberg ist Kaukasus, wie Elberich geist des Albordsch, diabolus der pers. div.Nachtrag: Auf den zeptern der ägyptischen götter sitzt der kukuphakopf. Bunsen 1, 435. vgl. das bild 315. 591 mit dem kukuphazepter, Pindar. Pyth. 1, 10 ανὰ σκάπτω Διός und die var. der Edda hafn. 2, 202 Gûngnis ugla. die tafeln zu Pertz scr. 8 zeigen auf dem zepter der deutschen könige Heinrich IV. und V. einen vogel sitzend. nach Lanc. 30791 ist ein adler auf Arturs zepter. er ist der vogel der ehe und der fruchtbarkeit, deshalb werden ihm zehn weiber zugeschrieben. Firmenich 2, 243a. für Notkers ruoh ps. 57, 11 hat Graff 4, 1150, wie auch Hattemer kouh. ein Gauchsperk in Tirol. urbar. august. a. 1316. MB. 34b 360. Gögeleberg. Panzer beitr. 1, 28. Gogglesberg. Steub Rhätien. 47. der Schweizername Guggenbühler setzt Guggenbühel voraus. Giegenberg in der hohen Rhön und bei Hersfeld. hess. zeitschr. 1, 245. vgl. Tumbo saz in berge = Stupidus in monte sedebat = riese. Henn von Narrenberg. Seb. Brant p. m. 131. ein Affenberg unweit Nürnberg. Ettn. unw. doct. 698. Affenberg heißt ein hügel auf afrikanischem boden Gibraltar gegenüber. ausland 1857, 1191a. über affenberg, schalksberg s. kl. schr. 2, 147. gen dem affental ûzwaten. Hadamar 444, 4. der affen zît. fragm. 14a..

Der kukuk steht auch sonst in üblem ruf, er gilt für einen ehbrecher, der seine eier in fremde nester lege, weshalb den Römern cuculus gleichviel mit moechus war (Plautus, schlußscene 568 der Asinaria, zweimal) und in unserer sprache vor alters gouch, göuchelîn unechtes kind, bastard ausdrückt (Nib. 810, 1. Aw. 1, 46). in der schweiz heißt gugsch ein ungebetener nebenbuhler bei der liebsten. Ja er erscheint als teuflisches thier oder als teufel selbst in den allgemein hergebrachten redensarten: daß weiß der kukuk! des kukuks werden, der kukuk hat ihn hergebracht, und ähnlichen, wo überall, mit gleicher bedeutung, teufel gesetzt werden könnte. Dies scheint mir auf alte, heidnische traditionen hinzuweisen, denen allmälich erst der teuflische anstrich gegeben wurde; dahin zähle ich auch die in Niedersachsen verbreitete formel ›der kukuk und sein küster‹. unter diesem küster wird, nach brem. wb. 2, 858, der wiedhopf gemeint, ein vogel, der gleichfalls durch verwandlung seine gestalt erhalten haben soll. näher vermag ich die fabel vom kukuk und wiedhopf nicht anzugeben, singt dieser jenem vor? nach Döbel I 1, 68 ist der wiedehopf des kukuks lakai, weil er im frühjahr mit ihm kommt und im herbst mit ihm gehtNachtrag: Der kukuk gilt für einen geizhals, der im frühling, wenn das laub ausbricht, sich daran nicht satt zu essen getraut, weil er fürchtet, daß ihm nicht genug bleibe.

sô der gouch daz êrste loup gesiht,
sô getar er sichs gesaten niht,
er vürht es im zerinne.   Freid. 88, 3.

ausführlicher im welschen gast 114a. vgl. Freid. LXXXVII. Skr. heißt der kukuk: ab alio nutritus. Bopps gl. 209b. gothl. gaukpigä, en fågel som tros ligga ut gökens ägg. Almqv. 425b. er frißt der graßmücke eier und legt ihr seine ins nest. Freidanc 143, 21. 144, 1–10. diese annahme ist in der naturgeschichte begründet. Döbel 1, 60. Schuberts lehrb. p. m. 315. Eckermanns gespr. mit Göthe 3, 211–215. wenn er ausgewachsen ist, soll er seine (pfleg)eltern verschlucken; ebenda 208, und winters wird er ein raubvogel. schon in älteren redensarten erscheint er als teufel: kukuk hiure unde vert! Helbl. 4, 800. des wirt guot rât, kukuk! 8, 1234. die dienende stellung beim kukuk nimmt statt des wiedehopfs der drehhals ein, finn. käen piika, cuculi ancilla, nach Renvall jynx torquilla, nach Juslen curruca. der drehhals soll nach Nemnich s. v. jynx dem kukuk 14 tage voraus gehn. schwed. göktyta, welsch gwas y gog, diener des kukuks. Rohrdommel und wiedehopf waren vormals kuhhirten. Lisch meklenb. j. 5, 77. der kibitz, kivit, der im märchen vom machandelboom vorkommt, heißt bei Stalder 1, 448 giritz. im giritzeried fliegen verwandelte jungfrauen. sagen vom lapwing in Nares glossary s. v. Polytrichum comm. heißt finn. käen petkel (cuculi securis), gauchheil, das nicht bei Graff steht und sonst auch hünerdarm, morsus gallinae genannt wird, heißt mnl. guychelhoyl. Mone 6, 448.

. Von dem kibitz gehen ähnliche sagen und redensarten.

Der schaum auf weiden, den die cicada spumaria hervorbringt, heißt kukuksspeichel, schweiz. guggerspeu, engl. cuckowspit, cuckoospittle, dän. giögespyt, anderwärts hexenspeichel, norweg. troldkiäringspyesommersprossen, bairisch gugkerschegken, kukuksflecken. Schm. 2, 27, vgl. Höfer 1, 337., also auch hier berührung des vogels mit zauberischem wesen, man entsinnt sich dabei des vogelspeichels (fugls hrâki), der nach Sn. 34 mit zum band Gleipnir gebraucht wurde. Einige pflanzennamen versichern uns seiner mythischen natur. acetosa: ahd. gouchesampfera, schweiz. guggersauer, ags. geâcessûre, dän. giögemad, giögesyre, man glaubte, daß er sie gern fresse; nhd. kukuksbrot, gauchlauch, franz. pain de coucou, panis cuculi. wiesenkresse: kukuksblume, gauchblume, flos cuculi. anagallis: gauchheil u. s. w. guckgauchdorn Fischart geschichtskl. 269a.

Den Slaven hat der vogel, den sie stets weiblich vorstellen, nichts böses, nichts teuflisches. zezhulice klagt auf der eiche über des frühlings vergänglichkeit (königinh. hs. 174). Die serbische kukavitza war eine jungfrau, welche ihres bruders tod so lange beweinte, bis sie in den vogel verwandelt wurde; ›sinja kukavitza‹ (die graue) Vuk 3, 66; drei frauen in kukavitzen gewandelt, Vuk 1, no. 321. auch in kleinrussischen liedern vogel der trauer und schwermut, und russische volkssagen lassen wiederum ein junges mädchen durch eine zauberin verwandelt werden (Götzes serb. lieder s. 212).

Von den kleinen vögeln wurde der schwalbe schon s. 560 gedacht. an frau nachtigall erinnern die minnesänger oft, aber der mythus, daß sie ihre todtgebornen kinder lebendig singe, scheint nicht deutschen ursprungs. lerche und galander werden in der thiersage öfter aufgetreten sein, als wir jetzt wissen, vom zaunkönig, ags. vrenna, engl. wren, gehn schöne märchen. doch 569 sind noch zwei vöglein anzuführen, die mir vor alters in hoher heiligkeit gestanden zu haben scheinen: rothkelchen und meise.

Dem rothkelchen (engl. little Robin redbreast) soll niemand sein nest stören, sonst schlägt das wetter ins haus; den blitz zieht das nest des rothschwänzchens heran. letzteres heißt in der Schweiz husrötheli, plagt oder nimmt man es aus, so geben die kühe rothe milch (Tobler 281). waren sie dem Donar heilig, dem rothbärtigen? und geht darauf die rothe farbe der kehle und des schweifs? man sagt, das rothkelchen trage blumen und blätter auf das gesicht eines erschlagenen, den es im walde finde. that es das im dienste eines gottes, der nicht litt, daß man ihm schaden zufüge?

Von der kleinen meiseahd. meisâ, ags. mâse, nnl. mêze, franz. mesange, altfranz. mesenge, engl. titmouse (s. titmose)., die er gevatterin nennt, muß sogar Reinhart sich überlisten lassen. in welchem ansehn dieses waldvöglein stand lehren die weisthümer, welche auf seinen fang die höchste buße setzen: item si quis sibilando vel alio modo volucrem illum ceperit, qui vulgo meise nuncupatur, banni reus erit. jura archiep. trever. in Lacombl. arch. 326; si quis auceps hanc silvam intraverit, pro nullo genere volucrum componet, nisi capiat meisam que dicitur banmeisa, et pro illa componat 60 sol. tanquam pro cervo. ibid. 367; wer da sehet ein bermeisen, der sal geben ein koppechte hennen und zwelf hunkeln und sechzig schilling pfenning und einen helbeling. Dreieicher wildbann (weisth. 1, 499); wer eine kolmeise fienge mit limen ader mit slagegarn, der sal unserme herrn geben eine falbe henne mit sieben hünkeln. (Rheingauer w. 1, 535); wer ein sterzmeise fahet, der ist umb leib u. guet und in unsers herrn ungnad. Creuznacher w. (2, 153.) Der grund dieser gesetze entgeht uns, offenbar achtete man den vogel für heilig und unverletzlich. dazu stimmt aber vollkommen, daß noch die heutigen Letten dies von ihnen sihlelitth. z'yle, z'yléle; poln. sikora, böhm. sykora, russ. zinika, slov. seniza, serb. sjenitza. vielleicht ist der lett. name von sinnaht, der litth. von z'ynoti scire zu leiten, und die volle form wäre sinnele, z'ynle, der kluge wissende vogel? auch der heher heißt lett. sihls. den schwedischen Lappen bezeichnet taitne nicht bloß specht, sondern auch abergläubische weissagung, tajetet ist verstellen. erwäge ich das, so scheint unser specht einem verlornen stamme spihan, spah, spâhun angehörig, wovon spëhôn explorare u. spâhi sapiens, prudens. genannte vöglein für weissagend und glückbringend halten, und selbst ein wahrsager ihnen sihlnecks heißtmag. der lett. lit. gesellsch. Mitau 1838. 6, 151.. auch die span. benennung der meise cid (d. i. herr) oder cid paxaro (herr sperling) ist zu erwägen. meise, zaunkönig und specht (bienenwolf) mengen sich im volksglauben, es gilt dem allerkleinsten, zierlichsten vogelNachtrag: Die den Syrern heilige taube heißt skr. kapôta und prîtu. gr. περιστερά. lat. columba, palumba, slav. golub. litth. karwélis, balandis, vgl. s. 690. 691. 950. kl. schr. 5, 445 ff. fremd redende frauen wurden nach Herod. 2. 57 tauben genannt. Die singenden vögel hießen wol: waltsinger. Geo. 5849 und ihrer freude und noth wurde gedacht s. 626. 629. die nachtigall galt für einen boten der Maria. Leoprechting 79. von der lerche heißt es: some say, the lark and loathed toad change eyes. Romeo 3, 5. der zaunkönig, litth. nyksztélis däumling und zaunkönig, welsch dryw, druid und zaunkönig, frz. roitelet, heißt petite poulette au bon dieu. Bosquet 220. 221. das gestörte rothkehlchen bringt das wetter ins haus. Bosquet 221. das rothkehlchen trägt blätter auf das gesicht eines erschlagenen. Hones yearbook 64. über das rotschwänzl Leoprechting 80. Das meislin hat einen besondern engel. Kaisersb. brosäml. 19c. die jagd auf die baummeise wird schwer bestraft. weisth. 1, 465. das finn. tiainen, estn. tihhane ist hilfreich und versteht bierbrau. Schiefner finn. märchen. 614. Kantel. 1, 110. Eine sage vom weißen sperling überliefert Rommels hess. gesch. 4, 710 aus Winkelmanns chron. s. 585. Über den eisvogel s. Gefken beil. 113..

Schlangen scheinen durch die schönheit ihrer form, die gefahr ihres bisses vor andern thieren scheu und ehrfurcht zu gebieten; eine menge sagen erzählt von vertauschung der gestalt zwischen menschen und schlangen: hierin liegt fast untriegliches zeichen 570 des cultus. wesen, die aus menschlicher in thierische bildung übergegangen sind und den umständen nach in jene zurückkehren können, ist das heidenthum heilig zu halten geneigt, es verehrte gütige, wolthätige schlangen, während in der christlichen ansicht der begrif böser und teuflischer schlangen vorwaltet.

Dieselbe vita Barbati, der wir kunde des langobardischen baumcultus verdanken (s. 541), meldet zugleich von einer schlangenverehrung: bis vero diebus quamvis sacra baptismatis unda Langobardi abluerentur, tamen priscum gentilitatis ritum tenentes, sive bestiali mente degebant, bestiae simulachro, quae vulgo vipera nominatur, flectebant colla, quae debite suo debebant flectere creatori . . . . . . . . practerea Romuald ejusque sodales, prisco coecati errore, palam se solum deum colere fatebantur, et in abditis viperae simulachrum ad suam perniciem adorabant. Barbatus in des königs abwesenheit ersucht Theodorada, Romualds gemahlin, ihm das schlangenbild zu verschaffen. illaque respondit: ›si hoc perpetravero, pater, veraciter scio me morituram‹. er läßt aber nicht ab und bewegt sie endlich; sobald das bild in seinen händen ist, schmelzt er es ein und übergibt die masse goldschmieden, um schüssel und kelch daraus zu fertigenwie aus dem gold der schwanringe näpfe geschmiedet werden, und das gold dem schmiede wächst, das er über behält.. Aus diesen goldgefäßen wird dem könig nach seiner heimkehr das christliche sacrament gereicht, und Barbatus gesteht ihm, daß das kirchengeräth aus dem eingeschmolznen bild geschmiedet sei. repente unus ex circumstantibus ait: ›si mea uxor talia pepetrasset, nullo interposito momento abscinderem caput ejus‹. Aus der andern vita gehört noch diese stelle hierher: quin etiam viperam auri metallo formatam summi pro magnitudine dei supplici devotione venerari videbantur. unde usque hodie, sicut pro voto arboris votum, ita et locus ille census, devotionesgedruckt steht: locus ille census devotionis, ubi viperae reddebantur. ubi viperae reddebantur, dignoscitur appellari. Über votum habe ich mich s. 542 erklärt, census drückt das goth. gild, gilstr, ahd. këlt, këlstar aus (oben s. 31 und RA. 358). beide wörter votum und census zeugen nicht wenig für die echtheit und das alter der lebensbeschreibung. Hier haben wir nun ein merkwürdiges beispiel eines aus gold geschmiedeten götzenbilds und wiederum das bestreben des bekehrers, den heiligen stof beizubehalten, aber in christliche form umzugestalten. Welches höhere wesen die Langobarden sich unter der schlange vorstellten? ist kaum sicher zu bestimmen, nicht die alles umschlingende weltschlange, den midgarđsormr, iörmungandr der nordischen mythologie, denn keine spur verräth, daß dieser im Norden selbst, geschweige anderswo, bildlich dargestellt und verehrt wurde. Ofnir und Svâfnir sind altn. schlangeneigennamen und Ođins beinamen (vgl. s. 119), unter dem summus deus der Langobarden wäre also an Wuotan zu denken? doch die 571 eigenthümlichen verhältnisse ihres schlangencultus entgehn uns gänzlich. Wenn der ausdruck vipera, wie ich nicht zweifle, mit bedacht gewählt ist, kann nur eine kleinere schlangenart (coluber berus), ahd. natara, ags. nädre, altn. nađra (aber goth. nadrs, altn. nađr auch masc.) verstanden werden, wiewol das simulacrum, aus dessen gold sich schüssel und kelch schmieden ließen, falls es nicht wuchs, auf bedeutendere größe hinweist.

Die langobardische sage erzählt aber sonst noch von schlangen, und gerade von kleinen. im heldenbuch wird der kampf eines feuerspeienden thierleins am Gartensee (lago di Garda) mit einem löwen und Wolfdieterich, denen beiden es zu schaffen macht, geschildert:

nun hörent durch ein wunder, wie das tierlein ist genant:
es heißt zu welsch ein zunder, zu teusch ein saribant,
in Sittenland nach eren ist es ein vipper genant,

und weiter folgt, daß immer nur zwei solcher vipern leben, indem die jungen bald nach der geburt ihre eltern auffressen. dies stimmt nahe zu den angaben im physiologus (Diut. 3, 29. 30. Hoffm. fundgr. 28). zunder weiß ich aus keiner italienischen mundart zu erklären, saribant ist das mhd. serpant Trist. 8994. Sittenland halte ich für Walliserland, dessen hauptstadt Sitten, hier konnte leicht das romanische vipera im gebrauch bleiben (graubündn. vipra, vivra). Im Jura heißt eine geflügelte unsterbliche schlange mit diamantnem auge vouivre (vipera). mém. des antiq. 6, 217. diese schlange heißt in der Schweiz stollenwurm (Wyß reise ins Berner oberland s. 422), im Salzburgischen birgstutze (Schmeller 1, 196).Nachtrag: Von verwandlung in schlangen erzählen viele märchen. die von der schlange abgestreifte haut heißt senectus serpentium oder serpentis bei Plinius und Marcellus no. 46 (kl. schr. 2, 134. 150). womit übereinstimmt das altn. ellibelgr von elli senectus z. b. at kasta ellibelgnum = vernare. eine schöne sage von der schlange steht bei Klemm 2,162. 163, sie lebt ewig, ebenda 2, 154. Geheimnißvoll ist ihr erscheinen, wie ihr verschwinden, des slangen sluf. Freid. 128, 7. im skr. heißt die schlange die schleichende, windendgehende, auf der brust gehende, uraga. Bopp 52b. vgl. Genes. 3, 14. das indische schlangenopfer dauert jahre lang und nöthigt alle schlangen herbeizukommen und sich ins feuer zu stürzen. Holtzmann 3, 172. 173. 186. 188. eine heilige schlange war im Parthenon zu Athen der göttin, der alle tage ein honigkuchen dargebracht ward. Herod. 8, 41. auch den Römern waren die angues heilig. Klausen s. 1014. einen caduceus mit schlangenbild erwähnt Plin. 29, 54 (Sillig). schlangenbilder finden sich auf den Stuttgarter todtenbäumen. eine schlange auf dem helm hieß ezidemôn. Beneke s. v. ezidemon daz edel kunder. Tit. 3311. Lohengr. s. 12, wo auch von seiner friedelinne die rede ist. der name ist zu erklären aus agathodaemon, der ägyptischen wunderschlange kneph. Gerhard in acad. ber. 1847. s. 203. neben saribant und serpant kommt im Parz. 50, 5. 68, 8. ein sarapandratest, schlangenkopf vor. wie Ofnir und Svâfnir sowol altn. schlangeneigennamen, als auch Ođins beinamen sind, so ist auch Hermes dem agathodämon nah verwandt. Gerhard a. o. 204. auch haben göttliche, von Ođinn stammende helden die schlange im auge s. 324. Schlangen lecken dem schlafenden Melampus die ohren, und beim erwachen versteht er die stimme der vorbeifliegenden vögel, und von nun aller thiere, die dem menschen zukunft verkünden. auch der weissagenden Cassandra und dem Helenus wurden die ohren von schlangen ausgeleckt.

Von hausschlangen und unkenmhd. unk, unkes. MS. 2, 209b. 206a: von kupfer scheidet man daz golt mit eines unken eschen (cinere); darum hieß ein alchymist unkenbrenner (Felix Malleolus de nohilitate et rusticitate cap. 30). Unter unke wird eigentlich die rana portentosa, oft aber auch schlange allgemein verstanden. das volk nennt sie (gleich der wiesel) schmeichelnd mümelein, müemel. Schm. 2, 576. gehen noch jetzt viel überlieferungen. Auf wiesen und weiden, auch in häusern kommen schlangen zu einsamen kindern, saufen mit ihnen milch aus der schüssel, tragen goldkronen, die sie beim milchtrinken vom haupt auf die erde niedersetzen, und manchmal beim weggehn vergessen; sie bewachen die kinder in der wiege und den größeren weisen sie schätze: sie zu tödten bringt unglück. jedes dorf weiß von eignen schlangen. so wird in Schwaben erzählt. hessische sagen sind kinderm. no. 105 gesammelt, eine östreichische steht in Ziskas volksmärchen (Wien 1822 p. 51), fast alle habenbis auf die wiederkehrende formel: ›ding, iß auch brocken!‹; ›friß auch mocken, nicht lauter schlappes!‹ Mones anz. 8, 530; ›friß auch brocken, nicht lauter brühe!‹ daselbst 6, 175. den zug des milchtrinkens und der goldkrone. Überraschen nun die eltern die schlange bei dem kind und tödten sie, so beginnt des kind abzunehmen und bald zu sterben (Temmes pomm. sagen no. 257). Einmal war einer schlafenden schwangern frau die schlange in 572 den ofnen mund gekrochen, als sie kindes genas, lag diesem die schlange fest um den hals und muste durch ein milchbad losgebracht werden; sie wich aber nicht von des kindes seite, lag bei ihm im bett und fraß aus seiner schüssel ohne ihm ein leid zu thun (Mones anz. 8, 530). Noch andere berichte erwähnen einer haus und hof anfüllenden menge von schlangen, deren könig sich durch eine schimmernde krone auf dem haupt auszeichnete. wenn er den hof verließ, begleiteten ihn alle übrigen, im stall, wo er wohnte, hausten sie so zahlreich, daß die fütternden mägde sie oft armvollweis aus der krippe nahmen. sie waren aber dem vieh und den leuten befreundet; als ein neuer hofbauer ihren könig erschoß, wichen sie alle und mit ihnen schwand segen und reichthum von dem gut (daselbst 6, 174)ähnliche sage vom schlangenkönig aus Lübbenau im lausitzischen Spreewald (Büschings wöch. nachr. 3, 342) bei Reusch no. 74.. Hierher gehört auch die schlangenkönigin (deutsche sagen no. 220) und eine merkwürdige erzählung in den gestis Romanorum bei Keller s. 152. zu einem viehmädchen in Immeneich kam jeden morgen und abend zur melkzeit eine große schlange in den stall, auf dem kopf trug sie eine große krone. allemal gab ihr das mädchen warme kuhmilch zu saufen. als es wegen eines verdrusses plötzlich aus dem haus gekommen war, und die neue viehmagd das erstemal melken wollte, fand sie auf dem melkstuhl die goldkrone liegen, in der geschrieben stand: ›aus dankbarkeit‹. Sie brachte die krone der herschaft, welche sie dem abgekommenen mädchen gab, für das sie bestimmt war, und seitdem ist die schlange nicht wieder gesehen worden. Mones anz. 8, 537. das atternkrönlein macht jeden der es trägt unsichtbar (Schm. 2, 388) und dazu steinreich. Man erzählt auch in einigen gegenden, jedes haus habe zwei schlangen, ein männchen und weibchen, die sich aber nicht eher sehen lassen, als bis der hausvater oder die hausmutter stirbt, und dann ein gleiches loos erfahren. Dieser zug und noch andere, wie das hinstellen der milch, nähern die hausschlangen dem begrif guter hilfreicher hausgeister.Nachtrag: Die hausschlange nannten die Griechen οικουρὸς όφις, genius loci. Gerhard acad. ber. 1847, 203. der albanesische vittore ist ein als kleine schlange gedachter hausgeist. Hahns lieder 136. die samog. giuoitos, schwarze schlangen, werden als hausgötter genährt und verehrt. Lasicz 51. 55. 56. Den zug des milchtrinkens haben auch die schlangensagen bei Vonbun s. 24, Bader no. 98. 106. (über die mocken s. 571 anm. 25. Schmeller 2, 549. Stalder 2, 212. Diut. 2, 84). man gab der schlange zu trinken. Athen. 4, 364. einer aus der brust milch saugenden schlange erwähnt Lucian. Alex. 7, wie in der angeführten pommerschen sage die schlange in den ofnen mund einer schwangern frau gekrochen war. als sie kindes genas, lag diesem die schlange fest um den hals. damit vergl. Vopisci Aurelianus c. 4: pueri ejus pelvem serpentem plerumque cinxisse neque unquam occidi potuisse. postremo ipsam matrem, quae hoc viderat, serpentem quasi familiarem occidere noluisse, und Spartiani Severus 1: dormienti in stabulo serpens caput cinxit et sine noxa, expergefactis et acclamantibus familiaribus, abiit. Weitere sagen vom schlangenkrönli erzählen Vonbun 24. 25. Woeste 50, vom schlangenkönig Müllenhoff s. 355. Panzer 1, 183. im skr. ist Vâsukis rex serpentum. Bopps gloss. 158a. Holtzmann 3, 143. 145. 196. 197. 157. 163. wie die ormar einen könig wählen, berichtet eine schwedische sage. Dybeck 1845. s. 100. ein schlangenkönig hat 12 häupter. wer sie abhaut und bei sich trägt, siegt überall. Reusch no. 74 und zusätze. wird ein orm zum kampf gefordert, so findet er sich ein. Dybeck 1845. s. 95. 96. eine natter bringt einen stein im mund getragen. gesta Rom. ed. Keller s. 68. 152. vgl. schlangenstein, unkenstein s. 1020. eine schlange mit einem edelstein auf dem kopf liegt unter der hasel, woran eine mistel gefunden wird s. 1010. die vouivre trägt nur ein auge mitten in der stirne, welches ein karfunkel ist. wenn sie am brunnen trinken will, legt sie es ab und in diesem augenblick kann man den edelstein rauben; die vouivre bleibt dann blind. die vouivre durchfliegt die luft, wie ein glühendes eisen. mém. des antiq. 6, 217. ähnliches steht bei Bosquet s. 204. 206. 209. des montags nach S. Peters tach, so aller wurmichleiche ze wazzer gât. urk. von 1286 in Gemeiners Regensb. chron. 1, 423. auch Fâfnir skreiđ til vatz. Sn. 138. Völs. cap. 18. schlangen liegen gern an quellen. ausland 1857. s. 832b. die esche aber ist der schlange feind. Panzer 1, 251. 351.

Die schlange erscheint als ein heilbringendes, unverletzliches thier, und vollkommen für den heidnischen cultus geeignet. den stab des Asklepios umwand die schlange, und an heilbrunnen lagen schlangen (s. 488). Ihrem Potrimpos unterhielten die alten Preußen eine große schlange und die priester hüteten sie sorgsam, sie lag unter getraideähren und wurde mit milch genährtVoigt gesch. Preußens 1, 584.. Den Letten heißen die schlangen milchmütter (peena mahtes); sie standen unter dem schutz einer höheren göttin Brehkina (die schreiende) genannt, welche den eintretenden zuschrie, man solle ihre peena mahtes ungestört im hause lassenmag. der lett. gesellsch. 6, 144.. es wird ihnen milch in näpfen hingestellt. Auch die Litthauer verehrten schlangen, 573 hegten sie im haus, und brachten ihnen opferSeb. Frankes weltbuch 55b. Mones heidenth. 1, 98. Adam. brem. de situ Daniae cap. 24. von den Litthauern: dracones adorant cum volucribus, quibus etiam vivos litant homines, quos a mercatoribus emunt, diligenter omnino probatos, ne maculam in corpore habeant.. ägyptischen schlangendienst bezeugte Herodot 2, 74. Nullus locus sine genio, qui per anguem plerumque ostenditur. Serv. ad. Aen. 5, 85.

Man brachte schlangen als zauber in schwertern und auf helmen an:

liggr međ eggjo ormr dreyrfâđr,
enn â valbösto verpr nađr hala.   Sæm. 142b.

aus dem haft (helz, hialt) des schwerts, nahm man an, renne der ormr oder yrmlîngr in die spitze und wieder zurück (Kormakssaga s. 82. 84. Vilk. saga s. 101). Vitege hieß ›mit dem slangen‹ von seinem helmzeichen (heldensage p. 48). die helme erhielten dadurch festigkeit, die klingen kraft. Nicht unähnlich scheint, daß fuhrleute in ihre peitsche otterzungen flechten (abergl. 174)Nachtrag: Von der heilkraft der schlange spricht schon Mos. 4. 21, 9: wenn jemanden eine schlange biß, so sah er die eherne schlange und blieb leben. geifer fließt aus dem munde dreier schlangen (colubrae) in das bereitete heilende und stärkende gericht. Saxo ed. Müller s. 123. 193 (in zwei verschiedenen sagen). zwei sind schwarz, eine weiß. der genuß der weißen schlange gibt verständnis der thiersprache. s. 193. DS.2 no. 132. KM.3 3, 27. vgl. s. 820 und anm. 1771. 1774. dagegen heißt es Sæm. 69: vom eitrorm trieft gift. die schlangen werden genöthigt mit ihren ›cleinen munden‹ das gift wieder einzusaugen. pass. 310, 20. eine keltische sage vom anguinum (ovum) aus schlangengeifer berichtet Plinius 29. 3, 12. Über die zauberei mit schlangen vgl. Spalding abh. d. Berl. academie. über die schlange als brücke und den ausdruck brückenschweif, brûarspordr vgl. 817. 610.

Gleich der schlange ist die kröte (gramm. 3, 364) ein giftiges zauberthier. sie trägt einen stein im kopf (s. 1020). sie sitzt auf schwämmen und pilzen. der schwamm heißt deswegen krötenstul, engl. toadstool, nnl. paddestoel, nd. paddenstol, ein pilz wird weißkrötling genannt. östr. namen sind außer krot hepping, braitling, nöting, brotze, auke. Höfer 2, 47. 175. in Baiern heißt das männchen braste, broz, bratz. Schmeller 1, 274, das weibchen höppin, heppin, auch muml. heppin wird auch verächtlich zu weibsleuten gesagt a. o. 2, 221. man spricht von wetterkröte, donnerkröte, blitzkröte.

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Die schlange kriecht oder ringelt sich auf dem boden, stehn ihr flügel zu gebot, so heißt sie drache, was ein undeutsches, aus dem lat. draco, gr. δράκων stammendes, schon früh eingeführtes wort ist, ahd. traccho, ags. draca, altn. dreki. die Sæm. edda hat nur einmal dreki, im jüngern Sôlarl. 127b, sonst steht dafür ormr, ags. vyrm, ahd. wurm, goth. vaúrms, welches allgemeiner auch die schlange mitbegreift. Als geflügelte schlange (serpens alatus) erscheint zumal die von Beovulf bestandne: nihtes fleogeđ 4541, sie fliegt nachts aus und heißt darum uhtsceađa 4536, nocturnus hostis, aggressor. lyftsceađa (aereus hostis) cod. exon. 329, 24. auch der drache, welcher Krimhild auf dem drachenstein gefangen hält, kommt durch die luft gefahren oder geflogen. Doch der andere, den Siegfried vom schmid ausgesandt früher tödtete, lag im wald bei einer linde, unfliegend, dies war der eddische Fâfnir, ein mensch, der wurmgestalt an sich genommen hatte, von ihm braucht die edda skrîda (repere, schreiten) Sæm. 186. Sn. 138; es ist der vyrm oder draca, den nach Beov. 1765. 1779 Siegemund und Fitela schlugen. Nib. 101, 2. 842, 2 heißt er lintrache, lintdrache, im Siegfriedslied 8, 2 lintwurm, welcher ausdruck auch Mar. 148, 28. En. 2947. Troj. 25199 zu lesen, und nicht aus linde (tilia), wie die spätere sage es misverstand, sondern aus dem ahd. lint zu erklären ist. mit diesem lint (goth. linþs, ags. liđ, altn. linn?) sind viele frauennamen gebildet (gramm. 2, 505) z. b. Sigilint, altn. Sigrlinn (oben s. 355), und es könnte den begrif von glanz oder schönheit enthalten, wie es für frauen oder schlangen gerecht ist, die abgeleitete altn. schwache form linni (masc.) bedeutet wiederum coluber, serpens. der häufige ortsname Limburg = Lintburg ist richtiger auf schlange als auf linde zu beziehen.

Von den drachen war nun die herschende vorstellung des alterthums: sie liegen auf dem gold und leuchten davon, das gold 574 selbst hieß dichterisch wurmbett, altn. ormbeđr odcr ormbeđselđr, wurmbettsfeuer, und daran knüpft sich weiter, daß sie schätze bewachen und nachts durch die lüfte tragen. jener wurm, den Sigemund erlegte, heißt hordes hyrde Beov. 1767; den andern, mit welchem Beovulf kämpfte, bezeichnet das epithet: se hord beveotode 4420. Fafnir, ein alter riese, lag als wurm, mit dem Oegishialm über ererbtem gold (Sæm. 188b 189b), es heißt ›î lŷngvi‹ (von lŷng, heide) und der ort wird als Gnîtaheiđi bezeichnet; davon findet sich auch sonst der name lŷngvi, lŷngormr, heidewurm für drache. lŷngormr wird Vols. saga c. 17 von dreki unterschieden, jenes ist ein kleiner, dieses ein großer wurm. gleichviel mit lŷngvi mag also das ahd. heimo, alts. hêma, ags. hâma sein, wovon ich s. 321 redete; Vilk. saga c. 17 s. 31 heißt heima ausdrücklich allra orrna skemstr (omnium vermium minimus), da er aber giftig ist, darf er nicht die unschuldige cicade (ahd. muhheimo) bezeichnen. noch heute setzt der volksglaube glühende schätze auf einsame heiden, wo sie von drachen gehütet werden. hæden gold Beov. kann beides ausdrücken aurum tesquorum oder ethnicorum, denn die drachen galten gleich den riesen für alt und hochbejahrt, vgl. eald uhtsceađa Beov. 4536; vintrum frôd 4548; þreo hund vintra heold on hrusan 4550, zugleich aber sind sie geizig, neidisch, giftig und flammenspeiend: nîđdraca Beov. 4540, âttorsceađa 5673, fŷre befongen 4541; ongan glêdum spîvan 4619; deorcum nihtum rîcsian 4417. von Fâfnir wird Sæm. 186 gesagt: screiđ af gulli blês eitri, hristi sik ok barđi höfđi ok sporđi, schüttelte sich und schlug mit haupt und schwanz; daß die begriffe eit (feuer) und eiter (gift) einander berühren wurde s. 466 bemerkt. Hierzu halte man die schilderungen mhd. dichter, der trache hat seine heimwist in einem tal, wirft rauch, flamme und wind aus dem rachen (Trist. 8944. 8974); er hat fittiche und flügel, speit feuer und eiter (Troj. 9764. 9817)Nachtrag: Δράκων stammt von δέρκω, wie όφις von dem verlornen όπτω. ›scharf als ein lindwurm sehen‹ heißt es im Soester Daniel s. 141. gal. dearc ist lacerta. die drachen sind den schlangen verwandt, daher die multitudo serpentium cum magno dracone. Greg. tur. 10, 1. vgl. die schlangenbeschwörung und den alten drachen in Lucians philops. c. 12. einen drachencultus hatten die Esten. Adam. brem. (Pertz 9, 374). drachen wurden auf bronzekesseln abgebildet. Lisch meklenb. j. 7, 35–38. 14, 326–330, von Giesebrecht gedeutet. balt. stud. 11, 50. 51. der drache heißt altn. ormr inn frâni. Sæm. 173b. 189b, mhd. tievels bote. Wigal. 5080, tievels trût 6443 (vielmehr die riesin 6453). der hvitorm haust unter den wurzeln der eiche. Dybeck 1845. s. 78. am liebsten aber liegen sie auf dem gold, weshalb das gold linnar logi heißt. Sæm. 181a. ein geldzutragender drache erscheint als hausgeist s. 422. das feuerspeien des drachen scheint auf einer verwechselung der verwandten begriffe feuer und gift zu beruhen s. Müllenhoff in Haupts zeitschr. 7, 428. eine welsche drachensage findet man in Peredur. Villemarqué contes 2, 193. wie schlangen und kröten tragen auch die würme steine, aber im bauch und so viele, man möchte einen halben thurm davon bauen. Dietr. u. ges. 300. der drache lebt 90 jahr als wurm in der erde, dann 90 jahr in der linde, dann 90 jahr in der wüste. van den Bergh s. 73. diese entwicklung ist offenbar nach dem wandel der raupe und des schmetterlings gedacht..

Amt der helden war es nun, wie die riesen so die gewissermaßen damit identischen drachendie analogie bewährt sich auch darin, daß gleich dem riesengebein (s. 460) der besiegte drache über das stadtthor befestigt wurde, z. b. Pulci 4, 76. auf der welt auszutilgen, Thôrr selbst bekämpfte den ungeheuren miđgarđsorm, und Siegmund, Siegfried, Beovulf stehen als tapferste drachenüberwinder da; ihnen gesellt sich eine menge anderer, wie sie nach zeit und ort allenthalben aus dem schoße lebensvoller sage erstehen. Frotho, ein andrer Siegfried, überwältigt einen giftigen auf schätzen ruhenden drachen. Saxo gramm. s. 20. Der schönen Thora Borgarhiörtr wurde ein kleiner lŷngormr geschenkt, den sie in ein kästchen, gold unter ihn legte: wie er wuchs, wuchs auch das gold, so daß die kiste zu eng wurde und der wurm sich im kreis um die kiste legte; bald war kein raum mehr in dem zimmer, er legte sich um das zimmer und nahm den schwanz in den mund, niemand ließ er in das gemach als den der ihm futter 575 brachte, und zu jeder mahlzeit bedurfte er einen ochsen. nun wurde bekannt gemacht, wer ihn erlege, solle die jungfrau zur braut und soviel gold, als unter dem drachen lag, zur aussteuer empfangen. Diesen drachen überwand Ragnar Lodbrock (fornald. sög. 1, 237. 238). auffallend gemahnt der steigende wachsthum des wurms an den des fisches s. 479. Außer dem goldeshort aber, den die helden als beute davon tragen, entspringen noch andere vortheile: der genuß des drachenherzens bringt kunde der thiersprache zuwege und das bestreichen mit dem blut härtet die haut gegen alle verletzung. tief greift beides in Siegfrieds sagesie erinnert Albrecht im Titurel 3313–17 an eine ähnliche von Rodolz, vgl. Parz. 518, 18 und Diut. 3, 59. einNachtrag: Verhaßt ist der drache. leiđari enn manni hverjom enn frâni ormr med fîrom. Sæm. 85a. dazu die note: vermes, in Speculo regali, vocantur leiđendi, odia, quasi res detestabiles. daher bekämpft sie der held. Apis kommt nach Argos und tödtet die drachenbrut. Aeschyl. suppl. 262–267. es gibt mittel sich gegen ihn zu schützen und ihn zu tödten. bläsvorm auf Mors ist ein giftspeiender wurm: er kann durch sieben kirchmauern blasen, aber nicht durch gestrickte strümpfe. Molbech dial. lex. 43. för att en orm med säkerhet skall kunna dödas, ritas först kring honom en ring med arsgammal hasselkjäpp, innan han slås. Rääf. in drachenblut gehärtet wird der panzer: gehert in traken bluote. Ecke 24. ganz al umbe den rant schilt gemachet von gold und drachenbluot. Wigam. 2105. swert gehert in drachenbluot. drachenk. 11. auch von Alexander heißt es:

gebeizet was sîn brunie
in eines wurmes bluote,
hurnen was siu veste.   Diemer 209. Massm. 1300 ff.

ein andres in drachenblut gehärtetes schwert. DV. 1, 265. Sigurđr versteht, nachdem er Fafnirs herz gegessen hat, die sprache der vögel. auch Gudrun hatte noch davon gegessen und verstand sie. Sæm. 211. vgl. quin et inesse serpenti remedia multa creduntur – ut possint avium sermones intelligi. Plin. 29, 4. vgl. anm. 1770.

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Fast allem diesem begegnen die ansichten anderer völker. Wie die Römer gigas, so entlehnten sie auch draco von den Griechen, da für den begrif weder serpens noch vermis (wie bei uns slango und wurm) ausreichten. δράκων leitet sich aber ab von δέρκειν blicken, leuchten, sprühen, φάος δέδορκε gilt vom leuchtenden licht, daher möchte ich die versuchte deutung unseres lint und linni bestätigen. Ein grabender fuchs stieß endlich auf die höle eines goldhütenden drachen, ad draconis speluncam ultimam, custodiebat qui thesauros abditos. Phaedr. 4, 19. Die sage von den goldhegenden greifen schließt sich aber an, da sie gleich den drachen geflügelte ungeheuer sind.

Altslav. bezeichnen zmij (masc.) und zmija (fem.) schlange, jenes mehr den drachen, dieses die natter. böhm. ist zmek der feurige, geldhütende drache, zmije die natter; serb. zmaj drache, zmija natter. glimmer, den der zmaj von sich abschüttelt, heißt otresine zmajeve (abschüttelung des lindwurms) Vuk s. 534. alles führt wieder auf glanz, gold und feuer. das litth. smakas scheint den Slaven entliehen, ob das ags. snaca coluber verwandt sei? fragt sich. Nach Jungmann ist zmek außer drache auch ein geist, der sich in gestalt eines nassen vogelszmokly ist benetzt, zmoknuti benetzen; ›mokrý gako zmok‹ triefend wie ein erdgeist., meist eines hünleins darstellt und den leuten geld zuträgt; abergl. 143 heißt es, man dürfe erdhünchen oder hausotter nicht schädigen; Schm. 1, 104 erklärt erdhünlein von einem runden, hellen schein, in dessen mitte etwas dunkles liegt. vgl. geuhuon Helbl. 8, 858.

Das finnische mammelainen beschreibt Renvall: femina maligna, matrix serpentis, divitiarum subterranearum custos. Hier wird der hort einer weiblichen schlange überwiesen, während in unsern deutschen, und auch den slavischen sagen characteristisch der böse, teuflische drache den schatz hütet, die otter oder unke mehr die rolle eines gutmütigen hausgeistes spieltalso auch hier fährt das weibliche wesen besser als das männliche., und wie der drache aus einem menschen gewandelt war, erscheint sie als kronetragende 576 jungfrau mit schlangenschweif (d. sagen no. 13) oder als fee. aber die goldkrone wird ihr so wenig erlassen, als dem drachen der bezug aufs gold, und der böhm. zmek ist zugleich drache und otter. sage vom otterkönig in Bechsteins Franken s. 290Nachtrag: Auch den Serben ist smuk serpentis genus, böhm. smykati serpere. altn. smiuga. syriän. zmej schlange. Gabelentz s. 8. auch die fische verdienen beachtung. Athen. 3, 30. 35. 36 redet von einem ιερός ιχθυ̃ς. fische waren thiere der Artemis und Hecate nach Athen. 3, 194, heringe der Berhta s. 226..

Bei so mannigfachen berührungen muß das von den Langobarden gefeierte wesen zweifelhaft dahin gestellt und nur das darf angenommen werden, daß sie ihm eine heilsame, gütige natur beilegten.

Ich vermag spuren von käfercultus aufzudecken.

Es gibt zwei alte allgemeinere benennungen. ahd. chevor, cheviro, mhd. kever, kevere, nhd. käfer, nnl. kever, ags. ceafor, engl. chafer; man hat ohne fug das lat. caper (= ags. häfer, altn. hafr) verglichen, wurzel scheint das ags. ceaf, caf alacer, weil der käfer ein rühriges, munteres thier, noch jetzt heißt in Schwaben käfermäßig agilis, vivax (gramm. 2, 571. 1013). die Angelsachsen haben ceafortûn, cafertûn für atrium, vestibulum, gleichsam scarabaeorum oppidum, weil da käfer schwirrenHelbling von ungestalter kleidung redend wirft 1, 177 die frage auf, wo rücken und bauch eines in solcher cheverpeunt steckenden bleibe? den weiten mantel nennt er käfergarten, in dessen falten sich käfer fangen. dies keverpiunt stimmt zum ags. ceafortûn.? Der andere ausdruck ahd. wibil, webil, mhd. wibel, nhd. webel, wiebel, ags. vifel, vefel, engl. weevil stimmt zum litth. wabalas, wabalis, lett. wabbols, und ich führe ihn auf weben, im sinn von leben und weben, vigere, moveri zurück, wiebeln wird mit kriebeln verbunden und gilt von dem gewimmel der käferslav. namen sind böhm. chraust, poln. chraszcz; böhm. brauk bruk, wol nach bruchus, βρου̃κος..

Den Aegyptern war der käfer (scarabaeus, κάνθαρος, κάραβος) geheiligt, ein bild des innersten lebens und geheimnisvoller selbsterzeugung. sie glaubten, er gehe aus küglein hervor, die er zusammen balle und im mist vergrabeNachtrag: Der käfer heißt schon aegypt. cheper. ahd. chwâtchever (kothkäfer), scarabaeus. Graff 4, 378. sunchever, brucus. N. 104, 34. westerw. maikleber, ravensb. eckernschäfer. ags. cynges cafertûn, aula regia. Alfr. hom. 122. Keverlingeburg und Sceverlingeburg s. Haupts zeitschr. 7, 559. predium chäverloch (lôh?). MB. 8, 405. 500 (a. 1160). hodie keferloh. 8, 516. ags. ceaforleâh. Kemble no. 570. 1088. vgl. ahd. muggistat. Graff 2, 654. bremgarten, bremstall. Schmeller 1, 258. bregarten ist nach Höfer, 1, 113 küchengarten. pregarten ein ort in Steier. Rauch 2, 191. der andre ausdruck wibel kommt vor in den adj. wibelval, wibelvar bleich. Herb. 6880. 12867. welsch heißt gwibedin musca, gwiblo fliegen, schwärmen. κάνθαρος κόπρου σφαι̃ραν ποιήσας. Aesop. Fur. 223. Aelian. hist. anim. 10, 15. Arist. hist. anim. 5, 19 (vgl. Lucian 8, 428). cod. exon. 426, 11 heißt es: is þäs gores sunu gonge hrädra, þone ve vifel vordum nemnađ. ebenso sollen bienen aus fäulniss s. 579, fliegen aus der faulenden zunge des teufels entstehen. walach. märch. 285. auch chuleih, scarabaeus, roskäfer, kielecke oder schröter (Schmeller 2, 269) scheint aus chuoleih entstanden und sich auf einen aberglauben vom ursprung des käfers (aus kuhmist?) zu beziehen. gramm. 2, 503. vgl. scînleih, monstrum..

Die altn. sprache bietet uns keinen prosaischen, sondern gleich den dichterischen ausdruck iötunox, iötunoxi (riesenochs); wie jenem riesenmädchen pflüger, pflugrind und pflug kriebelnde käfer schienen (s. 447), finn. sontiainen, sondiainen (mistkäfer, von sonda fimus), kann umgedreht der wirkliche käfer die vorstellung eines iötunox erregen. das kleine dem großen thier zu vergleichen war natürlich.

Unsern größten käfer, den stattlichen horntragenden schröter nannten die Römer lucanus (Nigidius bei Plin. 11, 28), ich sollte meinen, damit hänge das bekannte luca bos, lucanus oder lucana bos zusammen, das vom gehörnten thier auf das gezähnte, den elephant, übertragen wurde (Varro 7, 39. 40. O. Müll. p. 135). der käfer aber heißt uns hirsch (franz. cerf volant), wol auch ochs und bock, die sämtlich hörner tragen, poln. ielonek (hirschlein), altslav. elenetz, böhm. rohač (corniger), östreich. hörnler, schwed. horntroll. lat. war taurus zugleich scarabaeus terrester 577 (Plin. 30, 5. 12), was den lucanus bos oder cervus wieder bestätigt. das weibchen führt böhm. auch den namen babka (großmutter).

Einen bedeutsameren lernten wir s. 153 kennen: donnerguegi, donnerpuppe, in unverkennbarem bezug auf Donar, dessen heiligen baum der käfer am liebsten bewohnt, und damit scheint der in Scandinavien verbreitete ausdruck, westergötl. torbagge, schwed. tortyfvel, norweg. tordivel, jütländ. torr, torre, für käfer überhaupt zu stimmen. Zwar ist keine isl. geschweige altn. form, welche Thôrr darböte, aufzuzeigen, doch tor kann sich wie in torsdag (s. 104) und tordön (s. 138) verhalten; bagge bedeutet nach Ihre s. 122 juvenis, puer, des gottes diener, was sich später in dyfvel = diefvul, teufel wandelte. Afzelius (sagohäfder 1, 12. 13) versichert, dem Thor sei der torbagge heilig gewesen, seine larve heiße in Norrland mulloxe (erdochse, jenes schweiz. donnerpuppe? vgl. iötunoxi) und wer einen auf dem rücken (ofvältes) liegenden mistkäfer, der sich selbst nicht zu helfen vermag, wieder auf die füße legt, soll nach norrländischem volksglauben damit sieben sünden sühnen.

Das klingt sehr alterthümlich, und ich verwerfe die vorgetragene deutung von tordyfvel nicht vorschnell, so falsch sie scheint. denn das ags. tordvifel ist offenbar aus tord stercus (engl. turd) und jenem vifel zusammengefügt, auch dem dän. skarnbasse, skarntorre, mistkäfer analog, folglich verlangen tordyfvel, torbasse dieselbe deutung, obgleich allen nord. mundarten das einfache tord und vivel gebricht. die isländische hat tordivel in torfdifill, gleichsam torfteufel (von torf gleba) umgeändert. auch das nnl. tor, torre käfer, drektorre mistkäfer muß erwogen werdenNachtrag: Der lucanus cervus (vgl. Herm. Müllers Griechenth. 446) heißt finn. tammihärkä eichochs, serb. jelen, cervus volans, engl. stagbeetle, stagfly, frz. escarbot, schweiz. gueger cerambix, holzbock, feuerbock. Stald. 1, 445, auf dem Harz feuerkäfer. hier wickeln sie ihn in moos, daß die hörner vorragen und schlagen mit verbundenen augen der reihe nach auf ihn los, wie sonst beim hahnschlagen. wer ihn trift, nimmt ihn mit heim (und hat dann glück oder irgend eine ehre davon?). schon altn. heißt er torđŷfill. Droplaug. saga s. 10. tio synder sägas förlåtas den, som vänder om en på rygg liggande tordyfvel. Runa 1844. s. 8. vgl. die irische sage vom daol. Conan 124 und Schiefner über tarwas s. 4. 5 das finn. turila, turilas bezeichnet ein gefräßiges, die frucht und das gras schädigendes insect, Renvall weiß nicht, ob melolontha oder gryllus migratorius. das wort gilt auch sonst von riesen vgl. unser heimo. jeder, der den wern, die erd- oder maulwurfsgrille sieht, soll vom pferde steigen und sie umbringen, weil sie die wurzeln des getraides abfrißt. wer einen wern umbringt, dem ist der bauer einen laib brot schuldig. das ags. eorđceaforas, tauri i. e. terrestres scarabaei, ist wol nach der angeführten stelle des Plinius gebildet..

Wer hat aber selbst zappelnde käfer rücklings liegen sehn und nicht mitleidig umgestülpt? dem schröter, den es mit donner und feuer in bezug setzt, mag auch das deutsche volk besondre ehre angethan haben.

Gleich andern heiligen frühlingsboten (schwalbe und storch) holte man den ersten maikäfermaikäfer klingt (wie maiblume) zu allgemein, und nicht volksmäßig. auch kein lat. name ist überliefert. μηλολόνθη bezeichnet den maikäfer oder goldkäfer; die knaben banden sie zum spiel an faden (Aristoph. wolken 763), wie bei uns. das ital. scarafaggio ist aus scarafone (scarabaeus) gebildet, das franz. hanneton diminutiv des veralteten hanne pferd, welches vielleicht dem schröter (wetterauisch petzgaul), franz. cerf volant, dän. eeghiort, schwed. ekhjort d. i. eichhirsch gebührte. das meklenb. eksäwer = eichkäfer, wird wie das einfache sever, säver, sebber (Schütze holst. id. 4, 91) auf den maikäfer bezogen, in anderen niedersächs. gegenden hört man maisävel, maisäbel. säver, zäver (brem. wb. 4, 592. 5, 310) mag nichts als käfer sein, mit übergang des k in z, s; Chytraeus nomencl. saxon. hat zever und goldzever = goldkäfer, oder lässt sich das hochd. ziefer (gegen die s. 33 vorgetragene ableitung) vergleichen? auf dem westerwald ist pöwitz, köwitz maikäfer, in Ravensberg povömmel mistkäfer (s. Kuhn westf. sagen 2, 188); hier klingt fast das ehstn. poua käfer, maikäfer an. Wie die namen des hirschkäfers, maikäfers, mistkäfers, goldkäfers, scheinen auch die spuren eines alten käfercultus bald in dem einen, bald dem andern zusammenzufließen. Im pentam. 3, 5 wird ein hilfreicher scarafone (scarabeus) aufgeführtNachtrag: Ungr. cserebogár der maikäfer, wörtlich eichenkäfer, eichenwurm. poln. chrabąszcz, chrząszcz, böhm. magowy chraust. russ. sipl', altsl. sipl. Dobrowsky inst. 271. prov. bertals, bertaus. Mahn s. 59. finn. lehtimato, blattwurm, melolontha, schwed. löfmatk, osnabr. eckettiewe Lyra 23, auch eikschawe. münsterl. eckertiefe, ravensb. eckernschäfer. märk. pomm. zebrehnke. schweiz. bugareje. Stalder 1, 239. wallon. balowe, abalowe, biese a balowe, hanneton von baloier voltiger und bizer ahd. pisôn. pisewurm oestrum. finn. ist urolainen ein großer käfer uros vir, heros, serb. urosch picus und heros. sie haben wie menschen einen spiegel bei sich. so singen in der Wetterau die kinder, wenn sie den maikäfer in der hand halten: mennche, weibche, weis mer emol dein spigelche! (die ausgespannten flügel?). die elben sind käfer, puppen, schmetterlinge, geister und holden vgl. 1027. 1107. 1109. der kobold sitzt als käfer oder hummel in der schachtel. Sommer 33. 34. 171. 172. Panzer 2, 173. Rochholz 2, 238. 239. dän. skrukketrold ist ebenfalls ein insect, jedoch ein flügelloses. von einer fee, die mit einem lieblich summenden käfer (scarafone) spielt, erzählt pentam. 3, 5.. feierlich aus dem walde ein, es 578 wird beglaubigt, daß dies noch im 17 jh. in schleswigschen gegenden von den spinnenden mädchen geschaheine alte beschreibung des maygraven festes von Ulr. Petersen (in Falcks neuem staatsb. mag. bd. 1. Schlesw. 1832 s. 655) drückt sich darüber so aus: ›ein sonderbarer aufzug der vormaligen schleswigschen spinnradsamazonen einen cantharidem oder mit grünen zweigen maykäfer einzuholen, wobei denn hiesiges rathhaus mit grünem busche ausgezieret.‹ das fest war noch zwischen 1630–1640..

Oberdeutsche volkssagen berichten: unerwachsne mädchen begaben sich sonntags in einen wüsten bergthurm, fanden die stiege mit sand bestreut und kamen zu einer früher nie gesehnen schönen stube, worin ein bett mit einem umhang stand. als sie diesen zurückschlugen, wimmelte das bett von goldkäfern und hüpfte von selbst auf und nieder. voll erstaunen sahen die mädchen eine weile zu, plötzlich überfiel sie schrecken, daß sie aus der stube und die stiege hinabflohen, während ihnen geheul und gepolter nachtönte. (Mones anz. 7, 477.) Auf dem schloßberg bei Wolfartsweiler sah ein kleines mädchen einen dreifüßigen kupferhafen stehn, der funkelneu und voll wimmelnder roskäfer war. sie sagte das gleich darauf ihren eltern, die wol merkten daß die käfer ein schatz seien und mit ihr auf den berg eilten, allein weder den hafen noch die käfer mehr fanden (daselbst 8, 305). Hier erscheinen die käfer als heilige, das gold bewachende, selbst goldne thiere.

In Schweden nennen sie den kleinen goldkäfer (skalkräk) jungfrau Mariens schlüsselmagd (jungfru Marie nyckelpiga) Dybeck runa 1844. s. 10; im frühjahr lassen ihn die mädchen auf der hand umkriechen und sagen: ›hon märker mig brudhandskar‹ (er bezeichnet mir die brauthandschuhe), fliegt er weg, so achten sie nach welcher seite hin, denn von da kommt der bräutigam. Der käfer scheint also bote der liebesgöttin; aber auch die zahl der schwarzen puncte auf seinen flügeln kommt in betracht: sind ihrer mehr als sieben, so wird das korn im jahr theuer, sind ihrer weniger, so ist eine reiche ernte zu erwartenAfzelius 3, 112. 113..

Diese kleine coccinella septempunctata wird fast in allen unsern dialecten mythisch benannt: nhd. gotteskühlein, gotteskalb, herrgotteskalb, herrgottsthierchen, herrgotsvöglein, Marienvöglein, Marienkäfer, Marienkälblein; engl. ladycow, ladybird, ladyfly; dän. Marihöne; böhm. krawka, krawicka sommerkälblein. in Oberdeutschland versteht man den kleinen goldkäfer (chrysomela vulg.) unter frauachüeli (Tobler 204b), der liebe froue henje (Alb. Schott Deutsche in Piemont 297), im gegensatz zu herrachüeli, der coccinella (Tobler 265a), doch mag die benennung zwischen beiden käfern schwanken. Nach den übergängen bei andern pflanzen oder sternnamen scheint Maria für Freyja eingetreten, und 579 Marihöne war vor alters Freyjuhœna, was noch wörtlich in Frauenhenne, Frauenkühlein liegt. und nur im franz. (wo die gemeinschaft mit der deutschen ansicht mehr durchdrang) finde ich bête à dieu, vache à dieu; span. und ital. nichts ähnliches. Auf allen fall muß das kinderlied: ›Marienkäferchen flieg aus! dein häuschen brennt, dein mütterchen flennt, dein väterchen sitzt auf der schwelle; flieg im himmel aus der hölle!‹ alt sein, da auch in England gesungen wird: ›ladybird, ladybird, fly away home, your house is on fire, your children will burn!‹ Die kinder setzen auch bei uns Marienkäferchen oder einen sonnenkäfer auf den finger und fragen ihn wie den kukuk: ›sunnekieken (sonnenküchlein, junges) ik frage di, wo lange schall ik leven?‹ ›een jaar, twee jaar‹ u. s. w., bis der käfer entfliegt, dessen heimat in der sonne oder im himmel ist. In der Schweiz halten die kinder den goldkäfer auf der hand und sprechen: ›cheferli, cheferli flüg us, i getter milech ond brocka ond e silberigs löffeli dezue‹. hier wird dem käfer, wie der schlange, milch und brocken geboten. der käfer muß dem alterthum für einen boten und vertrauten des gottes gegolten habenNachtrag: Die coccinella heißt ind. Indragôpa, Indras hirt. Bopp 40a. Schiefner über tarwas s. 5. finn. heißt er lenninkäinen, was sonst auch für den schönen helden Lemminkäinen steht. god'lmightys cow, coccinella septempunctata. Barnes. sünnenkind. Schütze 4, 225. östr. sonnenkalbel. goldwivil cicindela. Diut. 2, 94. böhm. slunéčko (sunnelîn), slunečnice coccinella, auch linka, poln. stonka. serb. babe und mara (Maria). die mädchen setzen ihn auf den finger mit einem spruch. Vuk s. 9b. litt. děwo jautis gottes ochse, herrgottsvöglein. ähnlich heißt der Johanniswurm liebe gotts lammje nach Alb. Schott, die libelle unser lieben frauen rössel und gadespferd, gottespferd. Schütze 2, 6, aber auch teufelspferd (s. 860), teufelsnadel, teufelshaarnadel. Stalder 1, 276. augenschießer d. h. augenstecher 1, 119. finn. tuonen koira mortis canis. böhm. hadj klawa schlangenhaupt. Der schmetterling heißt gal. eunan-dé, gottesvogel, ir. gal. dealan-dé und gal. teine-dé, beides gottesfeuer, ir. anaman-dé, anima dei vgl. schwed. käringsjäl, anima anus. Ihre 2, 529 (vgl. s. 691. 692). arm. balafen, malafen, melven. balafennik doué, petit papillon de dieu. ein schmetterlingslied im hannöv. Wendlande klingt an das lied vom Marienkäferchen an:

bottervågel sött di,
våder unn moder röpt di,
mul unn nese blött di!

oder:

midschonke, midschonke, sött di,
mul unn nese blött di!

in einem lübischen kinderliede heißt der schmetterling ketelböter, kesselflicker. Firmenich 3, 480.

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Endlich die biene, das einzige zähmbare, unter den menschen wohnende insect, dessen verständige lebensart ihnen vorleuchtet, läßt alte mythische bezüge erwarten. die biene soll noch aus dem goldnen zeitalter, aus dem verlornen paradies (cap. XXX) übrig geblieben sein, nirgend wird ihre tugend und reinheit schöner ausgesprochen als in dem serbischen lied vom reichen Gavan, wo gott drei heilige engel zur prüfung der menschen auserwählend sie vom himmel in die welt gehn heißt, ›wie die biene auf die blume‹, kao ptschela po tzvetu (Vuk 1, 128 ed. 2). der lautere, süße honig, den die bienen aus allen blüten saugen, ist hauptbestandtheil des göttertrankes (s. 265), die ηδει̃α εδωδή der götter. hymn. in Merc. 560, heiliger honig die erste speise, die des eingebornen kindes lippe berührt (RA. 457). wie nun mit Ođrœrisdreckr gabe der dichtkunst genau verbunden ist, wird sie dem schlafenden Pindar durch bienen zugetragen: μέλισσαι αυτω̃ καθεύδοντι προσεπέτοντό τε καὶ έπλασσον πρὸς τὰ χείλη του̃ κηρου̃· αρχὴ μὲν Πινδάρω ποιει̃ν άσματα εγένετο τοιαύτη. (Pausan. IX. 23, 2.) darum heißen sie auch musarum volucres (Varro de re rust. 3, 16). ein kindermärchen (no. 62) weiß von der bienenkönigin, die sich auf den mund ihres günstlings setztsedere in ore infantis tum etiam Platonis, suavitatem illam praedulcis eloquii portendentes. Plin. 11, 17.; an wen sie im schlafe fliegt, der gilt für ein glückskind.

Es liegt nahe diese geschäftigen geflügelten wesen dem stillen volk der elbe oder zwerge an die seite zu setzen, das gleich ihnen einer königin gehorcht. aus verwesendem fleisch des urriesen giengen als maden die zwerge hervor; gerade so sollen die bienen aus der fäulnis eines stierleibs entsprungen sein: apes nascuntur ex bubulo corpore putrefacto (Varro 2, 5), amissas reparari 580 ventribus bubulis recentibus cum fimo obrutis (Plin. 11, 20) vgl. Virg. Georg. 4, 284–558 Ov. met. 15, 364. auf solches verhältnis hat man die gleichheit zwischen apis biene und Apis stier bezogen, wiewohl diesem langes a, jenem kurzes gebührt. wichtiger für uns scheint der berühmte fund eines goldnen stierhaupts unter vielen hundert goldnen bienen im grabe des fränkischen königs Childerich zu Doornikabgebildet in Eccards Fr. or. 1, 39. 40..

Die naturgeschichte lehrt, daß wolken von bienen auf den süßen saft der esche fallen, und von dem heiligen Yggdrasil läßt die edda thau triefen, der honigsfall heißt und die bienen nährt. Sn. 20ceram ex floribus, melliginem e lacrimis arborum, quae glutinum pariunt, salicis, ulmi, arundinis succo..

Yngl. saga cap. 14 meldet von könig Fiölnir (in der altschwed. chron. Siolm) Yngvifreys sohn, in ein faß meth gefallen sei er ertrunken, wie bei Saxo könig Hunding in süßen meth fällt und der griech. mythus den Glaukos in einem honigkrug, den leuchtenden im süßen, ertrinken läßt. Nach einer schweizerischen alpensage waren im goldnen zeitalter bäche und seen milcherfüllt, ein hirte schlug mit dem nachen um und ertrank; seinen lange gesuchten leichnam brachte, als man butterte, der schäumende rahm zum vorschein, und er ward in eine höle begraben, welche die bienen mit honigwaben groß wie stadtthore durchwirkt hattenmém. de l'acad. celtique 5, 202.. bienen weben einen tempel aus wachs und federn. Schwenks gr. myth. s. 129. Herm. Müllers Griechenth. 455 und nach unserm kinderm. no. 107. s. 130. 131 ein schloß aus wachs und honig. das gemahnt an das schöne bild im Lohengrin s. 191 von Heinrich des zweiten grabstätte im dom zu Bamberg:

sus lit er dâ in siner stift,
dier het erbouwen, als diu bin ir wift
ûz maneger blüete würket, daz man honcseim nennet.

In den sprachen wird die arbeitende biene weiblich vorgestellt, ahd. pia, lat. apis, gr. μέλισσα, litth. bitte, im gegensatz zu dem männlichen fucus, ahd. treno, litth. tranas; aber auch das oberhaupt der bienen ist ein könig, weiser, mhd. wîsel, ahd. wîso, dux, bei Plinius rex apium, litth. bittinis, mlat. chosdrus (Ducange s. v.) doch ags. beomôdor, bienmutter, böhm. matka. das gr. εσσήν soll ursprünglich bienenkönig bezeichnet haben und gieng hernach in den begrif eines königs oder priesters über, so wie μέλισσα priesterin, zumal der Demeter und Artemis ausdrückte. Ja götter und göttinnen selbst werden durch das heilige thier dargestellt, Zeus (Aristaeus) als biene, Vischnu als blaue biene. eine römische Mellona (Arnob. 4, 131) oder Mellonia (August. de civ. dei 4, 24) war bienengöttin; den Litthauern hieß sie Austheia, neben Bybylus, einem bienengott. männlich gedacht war auch 581 der lett. Uhsinsch, d. i. der gehoste in bezug auf die mit wachs bedeckten bienenschenkelwaxen thighs. midsummernights dream 3, 1.. Von diesen größtentheils ausländischen vorstellungen gelten schlüsse auf das verschollne deutsche alterthum; die sage vom Bienenwolf (s. 306. 561) und das mythische verhältnis des spechts (litth. melleta) zur biene müste uns genauer bekannt seinNachtrag: Die bienen wohnen unter den menschen, darum wird den bienenkörben leid und freude des hauses angesagt. Am. Bosquet 217, zumal des hausvaters tod, wenn nicht nach münsterl. glauben binnen jahresfrist alle stöcke abzehren und versiechen sollen. so auch in Berkshire, Wiltshire und Surrey. sie weissagen den menschen s. 951. eine hummel in der schachtel kündet den frühling an. Panzer 2, 173. apes furtivae gedeihen nicht. Plin. 19. 7, 37. Bosq. 217. ihre wohnung wird sorgsam bereitet: istud vas (zum aufnehmen der bienen) lacte et bona herba linivimus. acta Bened. sec. 2. s. 133. die bienen stammen aus dem goldnen zeitalter. Leo malb. gl. 1, 119. Skr. heißt sie madhupa, mel bibens, madhukara, mel parans, madhulih, mel lambens. Abrah. a. S. Clara nennt sie das mettsiederl. Schmeller 1, 165. (kl. schr. 2, 369). ανθηδών, blumenesserin. aber sie trinkt auch wasser nach einer formel der weisth. vgl. die bin netzen. Fischarts gesch. kl. 87a. schön ist der name pinisûga thymus = heide, erica. finn. mehiläiskanerva clinopodium vulg. eine bienenkönigin setzt sich auf den mund ihres günstlings auch in den sv. folks. 1, 78. Wunderbar ist ihr ursprung. diu pîe ist maget, wird âne hîleichiu dinc geborn. predigten hrsg. v. Kelle. 40. ein buch ›der veldtbau‹. getruckt zu Straßburg. 1556. buch 15 cap. 1 erzählt nach Varro r. r. 2, 5, wie die bienen aus dem faulenden fleische eines todten stieres entstehn. Miklosich bringt b'tschela apis mit byk, taurus unter boukati mugire (die summende biene?). nach den gl. salom. entstehen wespen aus faulem fleisch der esel, drohnen aus dem der maulthiere, hornissen aus dem der pferde, bienen aus dem der kälber. vgl. Diut. 2, 194. ίππος ερριμμένος σφηκω̃ν γένεσίς εστι. Lessing 9, 146 aus Aelian. 1, 28. bienen entstehen aus dem aas des von Simson erschlagnen löwen. b. d. richter 14, 8. eine sage von der zeugung der horniss und biene bei Schröter s. 136. Peterson s. 55. im walach. märchen 284 wird die weiße biene schwarz. Wie der biene im deutschen wift und wabe beigelegt wird, von weben, so im litt. prisuti d. h. annähen, z. b. bittes daug prisúwo, die bienen haben viel angenäht. die bienen bauen. ένθα τιθαιβώσσουσι μελισσαι. Od. 13, 106. sie bauen ein wachsschloß. Stier volksm. 24. in der kirchmauer zu Folsbach war ein hummelnest eingehauen, weil die leute so fleißig steine dazu gefahren, wie die hummel honig zusammenträgt. Panzer beitr. 2, 173. einer warf im Elsass die geraubte hostie auf ein ährenfeld, sie blieb hangen an drei halmen, und bienen kamen geflogen, und bauten ihren waben darum. man errichtete darüber eine capelle, zu den drei ähren genannt. vgl. Haupts zeitschr. 7, 533. predigermärchen 10, 12. Boyes Rodolphi de H. s. 257. auch Caesarius heisterb. 9, 8 erzählt, wie bienen eine capelle über einer hostie wirken.

In Virgils Georg. 4, 68. 75. 106 heißt das oberhaupt der bienen rex, 4, 4. 88 dux, ductor. einen fürsten hânt bîen. MS. 1, 84a. volgheden alse haren coninc doen die bien. Maerl. 3, 343. alsam diu bin zuo den karn mit fröiden vallent, ob ir rehter wîsel (var. wîset) drinne sî. MS. 2, 3a. flandr. koning der bien. Haupts zeitschr. 7, 533. henneberg. der hädherr, der weisel. Brückner. tscherkess. heißt er pscheh fürst. Klemm 4, 18. die Samogiten hatten einen besondern gott der bienen Babilos und eine göttin Austheia. Lasicz 48. dagegen heißt es in der vita s. Galli (Pertz 2, 7): in modum parvissimae matris apis. vgl. mater aviorum s. 1037. bienenmutter. Haltrich 121. Ihr honig ist nicht überall süß: τὸ γὰρ μέλι εν άπασι τοι̃ς Τραπεζου̃ντος χωρίοις πικρὸν γίνεται. Procop 2, 464. μέλι ποντικὸν πικρόν εστι καὶ αηδές. Dio Chrysost. or. 9 (ed. Reiske 1, 289. 290).

Der teufel erscheint als fliege, wie Loki s. 834. Spinnen sind den zwergen verwandt s. 390. wie die biene aus allen kräutern süßes, saugt die spinne aus allem gift. sonst ist aber auch die spinne guter vorbedeutung, so kriecht die hilfreiche zauberin als spinne an die decke und fällt als frau wieder herab. Arnims märchen 1, 52. 57. vgl. die glücksspinne s. 951. spinnwebe an der decke flatternd bedeutet glück und hochzeit. Lisch 5, 88. vgl. das weissagende spinnenhaupt zu s. 314. schließlich erwäge man die sage von Minerva und Arachne.

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