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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 20
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. XX. Elemente.

Von den göttern, halbgöttern und heroen, der ganzen schar freundlicher oder feindlicher wesen, die dem menschen geistig oder leiblich überlegen zwischen ihm und der gottheit eine mitte ausfüllen, ab richtet sich unser blick auf einfache erscheinungen der natur, welche von jeher in ihrer stillen größe unmittelbare gewalt über das menschliche gemüt ausüben. diese alldurchdringenden, alles in sich aufnehmenden, der schöpfung aller andern dinge vorausgehenden, überall wieder vortretenden urstoffe müssen schon an sich, ohne daß sie in nähere beziehung zu göttlichen wesen gesetzt werden, heilig sein. ein solcher bezug bleibt in keiner mythologie aus, er kann aber nicht hindern, daß den elementen eine gewissermaßen davon unabhängige eigenthümliche verehrung zugewendet werde.

Auf der andern seite erwächst aus dem grund und boden dieses elementardienstes niemals die eigentliche religion eines volkes; der glaube selbst entspringt in einer geheimnisreichen fülle übersinnlicher ideen, die mit jenen stoffen nichts gemein hat, sondern sie sich unterwirft. Allein der glaube duldet heilighaltung der elemente in seinem geleit, er mischt sie mit sich, und sie kann sogar, wenn er untergeht oder vergröbert wird, unter dem volke fortwährend und länger anhalten. Der gemeine haufen läßt seine großen gottheiten fahren und beharrt doch noch eine zeitlang in dem cultus vertraulicher hausgötter; auch ihnen entsagt er, und behält seine scheu vor den elementen. Die geschichte des heidnischen und christlichen glaubens lehrt, wie lange nach untergang jenes und befestigung dieses eine menge abergläubischer gebräuche fortdauerten, ja heute fortdauern, die mit verehrung der elemente zusammenhängen. es ist der letzte, kaum austilgbare heidnische überrest; nach dem zerfall der götter treten die nakten stoffe wieder vor, mit denen sich das wesen jener geheimnisvoll vermählt hatteNachtrag: Vor den neuen göttern bestand ein alter naturdienst (s. 279), auf den wol Caesars Sol Luna Vulcanus zu beziehen sind, wie denn die riesen ältere naturgewalten bedeuten, feuer, luft, wasser, sonne, mond, tag und nacht. vgl. Plato Cratyl. 397. 408. noch weit später wird in der warnung 2243 ff. ein naturcultus ausgesprochen, ein anbeten des vogelsangs, der blumen und des grases. alle mythologien beziehen einzelne götter auf die elemente, nach der indischen ist Indra gott der luft, Varuna der des wassers. den Griechen war Zeus so viel wie der aether, aer. die Perser beteten die elemente an, nicht menschenartige götter. Herod. 1, 131. die Inder nahmen fünf elemente an: feuer, wasser, erde, aether (akasa) und wind (vaja). die Chinesen sahen im metall ein eignes element. Galen verzeichnet vier: warm, kalt, trocken, naß. (könnte man diese eigenschaften beziehen auf feuer, erde, luft, wasser?) wie die vier elemente in einander greifen, wird MS. 1, 87a. geschildert. auch H. Sachs 1, 255 kennt die vier elemente. erde und wazzer nider swebet, viur und luft ze berge strebet. Freid. 109. 24. vgl. Renn. 6115. in allen vier elementen leben tiere: swaz gêt, vliuzet, swebet. MS. 2, 183a. man klagte den elementen, der erde, dem feuer, sein leid. s. 534..

In solchem sinn habe ich mich bereits oben (s. 82–84) über einen naturcultus unserer vorfahren erklärt, den frühe zeugnisse beglaubigen, die man verkehrterweise gegen götter des heidenthums zu gebrauchen pflegt. die götter standen und fielen aus andern ursachen.

Das lautere, rinnende, quellende und versiegende wasser, das leuchtende, erweckte und erlöschende feuer, die nicht dem auge, aber ohr und gefühl vernehmbare luft, die nährende erde, 484 aus welcher alles wächst und in welche alles gewachsene aufgelöst wird, erscheinen dem menschlichen geschlecht von früher zeit an heilig und ehrwürdig; gebräuche, geschäfte und ereignisse des lebens empfangen erst durch sie ihre feierliche weihe. weil sie in unablässig reger thätigkeit und kraft auf die gesamte natur einwirken, widmet ihnen der kindliche mensch verehrung, ohne daß nothwendig ein besonderer gott dazwischen tritt, der aber oft noch damit verknüpft erscheint. auch heute weckt die herrlichkeit und macht dieser urstoffe unsere bewunderung; wie hätte sich das alterthum seines anstaunens und anbetens erwehren können? solch ein cultus ist einfacher, freier und würdiger als das dumpfe niederknien vor bildern und götzen.

Alle elemente sind reinigend, heilend, sühnend, der beweis durch gottesurtheile beruht hauptsächlich auf ihnen; der mensch aber muste sich ihrer in der lautersten gestalt, zur gelegensten zeit versichern.

Wir wollen sie der reihe nach erwägen.

I. Wasser.

goth. vatô, altn. vatn, ahd. wazar, alts. watar, ags. väter, dän. vand, slav. voda, litth. wandů, lett. uhdens, gr. ύδωρ; dem lat. aqua entspricht goth. ahva, ahd. aha, ags. , altn. â, aber die bedeutung ist fluvius. goth. vêgs, ahd. wâc ist fluctus, flut.

stellen, die ergeben, daß Alamannen und Franken flüsse und quellen verehrten, sind s. 82 und im anhang beigebrachtwenn ich mich der burchardischen samlung hier, und bei andrer gelegenheit, für den deutschen aberglauben bediene, überlege ich wol, daß sie in den meisten fällen (nicht überall) aus concilien schöpft, die nicht in Germanien, sondern in Gallien, Italien, Spanien gehalten wurden. Erwägt man inzwischen, daß bis zum 8. 9 jh. deutsche völker sich durch alle diese länder ergossen hatten, daß die ags. und langob. gesetze, der capitularien zu geschweigen, gleich jenen concilienschlüssen gegen wasser, baum und steincultus eifern, daß ihn Agathias und Gregor von Tours ausdrücklich Alamannen und Franken zur last legen; so ergeben sich diese superstitionen als etwas gemeinschaftliches für italische, gallische, germanische völkerschaften, wovon sich weder die eine noch die andere ausschließen läßt. Man hat aus Agathias und Gregor erweisen wollen, unsere vorfahren hätten bloßen naturdienst, keine götter gehabt. für gleich uncritisch würde ich halten, wenn man, gewissermaßen umgekehrt, Agathias und Gregor verdächtigen wollte, ihre behauptungen aus kirchenverboten hergenommen zu haben, die ursprünglich Deutschland gar nichts angiengen. In die weltlichen gesetze scheinen solche verbote erst durch die capitularien gerathen; die ältern volksrechte hatten keine buße für abgötterei, nur die ags. dômas des Vihtræd cap. 13 setzen sie auf deofolgild im allgemeinen.. das volk betete am ufer des flußes, am rand der quelle, zündete lichter an, stellte opfergaben hin. es heißt: fontibus venerationem exhibere, ad fontanas adorare, (vgl. leg. Liutpr. 6, 30), ad fontes votum facere, reddere, exsolvere, orare ad fontes, offerre ad fontes, munus deferre, ad fontes luminaria facere, candelam deferre. dies letzte geschah wol nur, oder hauptsächlich abends und nachts, wo die widerscheinende flamme in der flut den schauer der anbetung 485 erhöhen musteweihnachten schaut man mit lichtern in den brunnen.. Auch die Sachsen waren fonticolae, in den ags. gesetzen werden vyllas und flôtväter als gegenstände der verehrung genannt. außer der stelle beim Cnut heißt es im poenitentiale Ecgberti 2, 22: gif hvilc man his ælmessan gehâte ođđe bringe tô hvilcon vylle; 4, 19 gif hvâ his väccan ät ænigum vylle häbbe (vigilias suas ad aliquem fontem habeat); die canones Edgari § 16 verbieten vilveorđunga (quellverehrung); ob man aus der s. 84 angezognen altn. sage, die der vötn erwähnt, auf wirklichen wassercultus in Scandinavien schließen darf, weiß ich nicht: fast scheint die stelle einer lat. ausländischen nachgeahmt. an sich selbst ist die heilighaltung des wassers unbezweifelbar. ein eddisches lied hat gleich im beginn die merkwürdigen worte: ›hnigo heilög vötn af himinfiöllom‹. Den Sclavenen legt schon Procop. (b. goth. 3, 14) verehrung des wassers bei: σέβουσι ποταμούς und noch Helmold sagt von den Slaven zu Faldera 1, 47 : lucorum et fontium ceterorumque superstitionum multiplex error apud eos habeturNachtrag: Den hainen und quellen brachte man opfer. blôtađi lundin. Landn. 3,17. blôtađi forsin. das. 5, 5 (s. 492). und Sæm. 44a. heißt es: heilög vötn hlôa (tepent, calent). die Hessen opferten ›lignis et fontibus‹. Pertz 3, 343. den Christen wurde von den Samländern und Preußen der zugang zu den hainen und quellen verwehrt, um dieselben vor entweihung zu schützen (Pertz 9, 375. vgl. Helmold 1, 1). gebet, opfer und gericht wurde an der quelle gehalten. RA. 799. porro in medio noctis silentio illas (feminas) ad fontes aquarum in orientem affluentes juxta hortum domus egressas Herwardus percepit. quas statim secutus est, ubi eas eminus colloquentes audivit, nescio a quo custode fontium responsa et interrogantes et expectantes. gesta Herwardi Saxonis aus d. j. 1068 (Wrights essays 1, 244. 2, 91. 108. Michel chroniques anglonormandes 2, 70). in einem englischen lied heißt es: I the wel woke, ich wachte am brunnen. Wrights essays 1, 245. das ist die ceremony of waking the well. in die Bode am Harz opfert man noch jetzt dem flußgott ein schwarzes huhn (?) eh man mit der ersten fuhr getraides vom feld fährt, wirft man drei ähren in ein rinnendes wasser, und hat man keins, so wirft man die drei ähren ins ofenfeuer, bevor die fuhr in den stadel kommt. brennt im ofen kein feuer, so macht man zuvor eins. das ist bairischer brauch. Panzer beitr. 2, 213. nach Hartliebs buch aller verboten kunst (s. 487) brennt man kerzen vor dem aus drei fließenden brunnen vor sonnenaufgang geschöpften wasser und ›legt dem wasser ere an sam gott selber‹. ähnliche ehrfurcht hegten die Römer vor den gewässern. flumini Rheno pro salute s. de Wal. no. 232. genio loci et Rheno pro salute das. no. 233. deus Rheni no. 234. man grüßte das bad beim aus und eingehen mit entblößtem haupt und stellte weihgeschenke an wasser und quellen. Rudorffs zeitschr. 15, 216. auch werden ministri fontis genannt das. 15, 217..

Vorzugsweise verehrte man den ort, wo das wunderbare element aus dem schoß der erde hervorspringt; quelle heißt in der alten sprache ursprinc, aber auch prunnovon prinnan (ardere), wie sôt, ein anderes wort für brunne, von siodan (fervere) und welle (fluctus) von wallan (fervere) kommt, sual (subfrigidus) von suëlan (ardere) vgl. gramm. 2, 29. 34. sprudel gehört zu sprühen; in solchen wörtern vermählen sich wasser und feuer..

Oft schon wird das erste vortreten der quelle göttlicher einwirkung oder einem wunder beigemessen; Wuotan, Balder und Carl der große ließen ihrem durstenden heer den labebrunnen aus der erde fließen (s. 187). andere quellen hat ein schlag mit dem stab oder des rosses huf dem felsen entlocktdie helikonische rosquelle (ιπποκρήνη) schlug Pegasus: novi fontis Dura medusaei quem praepetis ungula rupit. Ov. metam. 5, 257–64. gerade so kommt die goldader im berge durch hufschlag an den tag. Rhea schlug in Arkadien quelle mit dem stab:

αντανύσασα θεὰ μέγαν υψόθι πη̃χυν
πλη̃ξεν όρος σκήπτρω· τὸ δέ οι δίχα πουλὺ διέστη,
εκ δ' έχεεν μέγα χευ̃μα   Callimach. h. Jov. 28.

, der heilige senkt einen ast in den boden und das wasser sprudelt. Noch weiter aber sind die annahmen verbreitet, daß das wasser heiliger bäche und ströme von göttern und höheren wesen aus schalen oder urnen ursprünglich ausgegossen, daß brunne und quell von dabei liegenden schlangen oder drachen gehütet werdeNachtrag: Wie prunno von prinnan (ardere) stammt, sprachen die Römer von torrens aqua d. i. æstuans, rapida von torrere brennen, glühen. subita et ex abdito vasti amnis eruptio aras habet. Seneca ep. 41. vgl. die ganze stelle in Rudorffs zeitschr. 15, 214. vom heiligen Furseus († 650) heißt es: fixit baculum suum in terram et mox bullivit fons magnus. acta Bened. s. 321. der göttliche steuermann im friesischen Asegabuch wirft beim landen ein beil in den rasen, aus welchem ein brunne entspringt. Richthofen 440. der huf des rosses scharrt eine quelle (anm. 1700). dem stierhaupt des Acheloos entströmen bäche. Soph. Trachin. 14. ein brunne entspringt aus dem eselskinnbacken. b. d. richter 15, 19. dô spranc ein brunne sâ ze stete ûz der dürren molten. Servatius 1382, nachdem der dürstende heilige ›ein kreuz gethan‹. auch entspringt eine quelle da, wo eine jungfrau niederfällt. Panzer beitr. 1, 198. wasser wird von der riesin gepisst. Sn. 1848. 1, 286. die finnen kennen drei flüsse, die aus thränen gebildet sind. Kalev. 31, 190. heilquellen entspringen aus des schlafenden riesen schweiß. Kalewipoeg 3, 87. 89. schön geschildert ist Tiberinus bei Claudian. in Prob. et Olybr. 209–265. Rhenus projecta torpuit urna. Claudian. in Rufin. 1, 133. die nimfe hält in der rechten ein marmorgeschirr, woraus der quell des bächleins geronnen kommt. Opitz 2, 262. sie gießt den Zacken. das. 263. Opitz gebraucht den ausdruck ›springkammer der flüsse‹ ebend., wie bei Hebel s. 12. 38 die Wiese als wickelkind im verborgnen stüblein des felsens liegt, wohin kein auge dringt, im kristallzimmer und in silberner wiege. in Stabburags quelle und grotte (kirchsp. Selburg) sieht das volk eine spinnende jungfrau, welche den bräuten schleier webt. Kruses urgesch. s. 51. 169. 171. ahd. bedeutet klingâ, chlinkâ torrens und nympha. vgl. oben nixe, tocke. anm. 1228..

Wasser, zu heiliger zeit, mitternachts vor sonnenaufgang, in feierlicher stille geschöpft, führt noch späterhin den namen heilawâc, heilwâc, heilwæge. die erste form, mit haftendem compositionsvocal nach langer silbe, zeugt für das alter des ausdrucks, dessen bedeutung ihn gegen änderung sicherte. MS. 2. 149b: ›man seit von heilawâge uns vil, wie heil, wie guot ez sî, wie gar vollekomen 486 der êren spil, wie gar sîn kraft verheilet swaz wundes an dem man versêret ist‹. Martina 116: ›got, du fröude flüzzic heilawâc‹, und in ähnlichem sinn 248. 283. mit anwendung auf Christus und das kreuz Mar. 224: ›der boum ist gemeizzen, dâ daz heilwæge von bechumet, daz aller werlte gefrumet‹. allgemeinere anführungen ›ein heilwâge‹ Diut. 1, 352 und noch in Anshelms Berner chronik 1, 308 ›heilwag‹ unter andern segen und zaubermitteln. zuletzt bei Phil. v. Sittewald (Strarsb. 1677) 1, 483: ›das fließend brunnwasser, so man in der heil. weihnacht, so lang die glock zwölfe schlägt, samlet, und heilwag genannt wird, ist gut wider nabelwehe‹ (abergl. 804). In diesem heilawâc zeigt sich uralte mischung heidnischer bräuche mit christlichen. das volk glaubt, bis auf unsere tage, zu weihnachten oder ostern nachts um XII, oder zwischen XI und XII, wandle sich brunnenwasser in wein (abergl. 54. 792zelm ehen eines weibes. Leipz. 1735 s. 235.), Wieselgren s. 412, diese annahme leitet sich auf die vorstellung zurück, daß die erste manifestation der gottheit des heilandes bei der hochzeit zu Cana, wo er wasser in wein verwandelte, geschehen sei; weihnachten aber begieng man epiphanie oder theophanie (s. 233), geburt und taufe, und verband damit die erinnerung an jenes wunder: dafür galt der besondere ausdruck bethphaniaChristi erste erscheinung war seine geburt, die zweite seine taufe (lichtmesse), die dritte jene canische hochzeit: ›tertia apparitio fuit postea similiter eodem die anno revoluto cum esset 30 annorum et 13 dierum, sive quando manifestavit se esse deum per mutationem aquae in vinum, quod fuit primum miraculum apertum, quod dominus fecit in Cana Galilaeae, vel simpliciter primum quod fecit. et haec apparitio dicitur bethphania a βήτω, quod est domus, et φάνειν, quod est apparitio, quia ista apparitio facta fuit in domo in nuptiis. de his tribus apparitionibus fit solemnitas in hac die‹. Durantis ration. div. offic. 6, 16. Die kirche vereinigte drei erscheinungen in eines festes feier.. Schon Chrysostomus predigte im jahr 387 auf epiphaniastag zu Antiochien, daß man an diesem fest mitternachts wasser schöpfe und jahrelang als ein immer frisches, unverderbliches (ohne zweifel zu wunderthätigem gebrauch) aufhebetom.2 (ed. Montfauc. Par. 1718) p. 369: διά τοι του̃το καὶ μεσονυκτίω κατὰ τὴν εορτὴν ταύτην άπαντες υδρευσάμενοι οίκαδε τὰ νάματα αποτίθενται, καὶ εις ενιαυτὸν ολόκληρον φυλάττουσιν, άτε δὴ σήμερον αγιασθέντων τω̃ν υδάτων· καὶ τὸ σημει̃ον γίνεται εναργὲς ου διαφθειρομένης τη̃ς τω̃ν υδάτων εκείνων φύσεως τω̃ μήκει του̃ χρόνου, αλλ' εις ενιαυτὸν ολόκληρον καὶ δύο καὶ τρία πολλάκις έτη του̃ σήμερον αντληθέντος ακεραίου καὶ νεαρου̃ μένοντος, καὶ μετὰ τοσου̃τον χρόνον τοι̃ς άρτι τω̃ν πηγω̃ν εξαρπασθει̃σιν ύδασιν αμιλλωμένου.. abergläubische Christen nahmen also zweierlei an, heiligung des wassers in der mitternacht des tauftages und verwandlung in wein zur zeit der bethphanie; solches wasser nannten die Deutschen heilawâcauch heilawîn? Frauenlob MS. 2, 213b von dem ›heilwîn tragenden garten‹. altd. bl. 2, 294., und legten ihm hohe kräfte zu, es sollte krankheiten, wunden heilen und nicht verderbenNachtrag: Bei der wiederherstellung des Capitols heißt es von den Vestalinnen: aqua vivis e fontibus amnibusque hausta perluere. Tac. hist. 4, 53. brunnen, die der heilige dem boden entlockt, wie Servatius durch sein gebet, haben heilkraft.

die mit deheinen sêren
wâren gebunden,
genâde die funden
ze demselben urspringe.   Serv. 1390.

man suchte solchen heilquell mit binsen, aus welchen ein funke schlug. ir. märch. 2, 76. 77. der aberglaube, wasser wandle sich in heiliger zeit in wein, kommt auch im norden vor. Wieselgren 412. quellen, aus denen heilige schöpfen, geben wein statt wassers. Müllenhoff s. 102. 103. wein wird auch bei Bader no. 338 aus einem brunnen geschöpft. der quell verliert seine heilkraft, nachdem ein gottloser sein krankes pferd darin gebadet hatte. Müllenhoff no. 126. ebenso, nachdem eine edelfrau ihr blindes hündchen darin gewaschen. n. preuß. prov. bl. 2, 44. dagegen werden quellen dadurch heilig, daß sich göttinnen in ihnen badeten. so die quellen, worin Sîtâ gebadet. Meghadûta im eingang. Wer aus der quelle Reveillon in der Normandie getrunken hat, muß in diese heimat zurückkehren. Bosquet 202.

.

487 Vielleicht wurde schon in Syrien ein altheidnisches wasserschöpfen durch jene deutungen verschleiert. In Deutschland weisen andere umstände unversteckt auf heidnische heiligkeit des wassers, das aber nicht zur mitternachtsstunde, sondern frühmorgens vor sonnenaufgang geschöpft werden muste, stromabwärts und stillschweigends (abergl. 89. 775), gewöhnlich am ersten ostertage (775. 776), auf den jene auslegungen weniger gerecht sind: dieses wasser verdirbt nicht, verjüngt, heilt ausschläge, kräftigt das junge viehJul. Schmidt Reichenfels p. 121. auch in Cassel hörte ich baden im druselwasser als heilsam rühmen, es müsse aber mit dem lauf, nicht gegen den lauf geschöpft werden. wahrscheinlich ist die rechte zeit dazu Walburgis oder Johannis.. Zauberwasser, zu unchristlicher weissagung diensam, soll sonntags, vor sonnenaufgang, an drei fließenden brunnen, in ein glas gesammelt werden; und vor dem glas wird, wie vor einem göttlichen wesen, eine kerze angezündet (anh. abergl. H. c. 55–57)der gebrauch könnte, wie anderes von Hartlieb angeführte, dem classischen alterthum gehören. auch bei der γαστρομαντεία, der wahrsagung aus einem wasserangefüllten, bauchigen gefäß (γάστρη) kommt die fackel und der unbefleckte knabe vor. Potters archaeol. 1, 764. Fabricii hibliogr. antiq. ed. 3. p. 600.. Hierher nehme ich auch eine s. 47. 48 berührte hessische volkssitte: am zweiten ostertag wandeln jünglinge und jungfrauen zum holen stein des gebirges, schöpfen wasser in der kühlen quelle, das sie in krügen heimtragen, und werfen blumen zum opfer hin. Wahrscheinlich war dieser wassercultus zugleich celtisch: im wasser des felsenbrunnens Karnant wird ein zerbrochnes schwert wieder ganz, aber

›du muost des urspringes hân
underm velse, ê in beschin der tac‹.   Parz. 254, 6. Tit. 5456. 5732das härten und ergänzen der schwerter im wasser (sverđ herđa Sæm. 136b) war sicher auch deutscher glaube. Vilkinasaga cap. 40 s. 100 meldet: als zwerg Alberich den Nagelring geschmiedet hatte, suchte er in neun königreichen, ehe er das wasser fand, worin das schwert gehärtet werden könne; endlich gelangte er zum wasser Treya, und da ward es gehärtet. hierzu stimmt Eckenlied str. 81. nur ist es noch genauer: ›dannoch was ez niht vollebrâht, dô fuortenz zwei wildiu getwere wol durch niun künecrîche, biz daz si kâmen zuo der Drâl, diu dâ ze Troige rinnet, daz swert daz was sô liehtgemâl: si hartenz in der Drâle, des wart ez alsô fîn‹. Wer aber zweifelt noch an wirklichen deutschen liedern, die der Vilk. saga unter liegen?.

merkwürdige gebräuche schildern, auf welche weise sich am ersten maimorgen junge mädchen (der pyrenäengegend) in dem quellwasser weissagen.

An die eigenthümlichkeit der gesundbrunnen braucht hier nicht nothwendig gedacht zu werden; es ist die allgemeine kraft des erfrischenden, stärkenden, neubelebenden elementsein mensch von der otter gebissen stirbt nicht, wenn er eher als die otter, über das nächste wasser springt. Lenz schlangenkunde p. 208.. viele örter in Deutschland heißen Heilbrunn, Heilborn, Heiligenbrunn, von der verjüngenden wirkung ihrer quellen oder den wunderbaren heilungen, die sich dabei zugetragen. Heilbronn am Neckar 488 wird in den ältesten urkunden Heilacprunno genanntBöhmers reg. Karolor. nr. 740 (a. 841); Ecc. Fr. orient. 2, 893. der Necker vliuzet für Heilicbrunnen. MS. 2. 68b.. aber einzelne quellen und brunnen können vorzugsweise in ansehn gestanden haben. berühmt sind der altn. Mîmisbrunnr und Urđrbrunnr (s. 337) der Sn. 17 brunnr miöc heilagr genannt wird. ein dän. volkslied (1, 318) gedenkt der Maribokilde, durch deren lauteres wasser stücke eines zerhauenen leibs wieder zusammengefügt werden. schwed. lieder nennen Ingemos källa (vis. 1, 244. 245). des altfries. brunnens, aus welchem stillschweigends geschöpft werden muste, ist s. 190. 191 erwähntNachtrag: Heiliges wasser darf nur in gefäßen geschöpft werden, die nicht stehn, sondern hängen oder getragen werden und nicht die erde berühren, vielmehr beim stellen umfallen und alles verschütten. (so darf die ausgezogne pflanze, der ausgefallene zahn des knaben die erde nicht berühren s. 548.) solches gefäß, futile, ward im Ceres- und Vestadienst gebraucht. Servius ad Aen. 11, 339. schol. Cruquii ad Horat. a. poet. 231. Forcellini s. v. solcher gefäße bedienten sich auch die Schotten bei the well of Airth, an dem zeugenverhöre stattfanden. Hones daybook 2, 686. 867. auch sind wendische erzgefäße, die nicht stehen können, an verschiedenen orten gefunden. balt. stud. 11, 31. 33. 37. 12, 37. beim opfer durften die Letten die schale nicht mit der hand, nur mit den zähnen berühren. Haupts zeitschr. 1. 145. die warmen quellen zu Thermopylae nannte man χύτρους (ollas). Herod. 7, 176 vgl. olla Vulcani.

Helicbrunno MB. 28a, 93. heilicprunno das. 11, 109. heiligbrunno das. 29a, 96. Helicbruno chart. sithiense s. 113. Helicbrunno ein bach in d. Niederlanden. Waitz sal. ges. 55. über Heilbronn Rudorfß zeitschr. 15, 226 (vgl. die nobiles fontes das. 15, 218). Helgi at Helgavatni. Landn. 2, 2. Helgavatn. Urđarvatn das. 3, 2. 3. andere wahrscheinlich heilige brunnen sind der Pholesbrunno s. 187, der Gôzesbrunno (anm. 913). ein schwed. lied nennt die Helge Thors källa in Småland, aus der man in der heiligen donnerstagsnacht wasser schöpft, welches blindheit heilt. andere heilige quellen zählt Müllenhoff s. 595 auf. Maria wird genannt ›alles heils ein lûter bach‹, oder ›heiles bach‹. Altswert 98, 23. 73. hatte der engel das wasser des teiches Bethesda bewegt, so ward der erste, der darnach hineinstieg, gesund. ev. Joh. 5, 4. Flüsse wurden über gräber und schätze geleitet (anm. 636).

. An solchen quellen wurden opfer gebracht; des heilsamen einflusses der warmbrunnen und sauerbrunnen auf die gesundheit wird man von undenklicher zeit her gewahr gewesen sein, wie die aquae mattiacae schon unter den Römern oder jene aquae calidae bei Luxueil (s. 67) lehren. wenn die Wetterauer einen krug sauerbrunnen anbrechen, gießen sie jedesmal den ersten tropfen auf den boden, man sagt um den staub abzuschütten, weil die krüge offen stehn, es kann aber auch als libation angesehn werden, die dem geist des brunnens galtlegten Heiden die wunderkraft einer quelle ihren wald oder wassergeistern zu, so übertrugen Christen das nachher auf ihre heiligen. ein beispiel nehme ich aus den miraculis s. Agili, die im 12 jh. niedergeschrieben wurden: an dem bach des heiligen Agilus geschahen wunderbare heilungen. sed interim quorundam vesaniae occurrere libet, qui in digito dei nequaquam haec fieri aestimantes, daemoniacae, pro nefas, attribuunt potestati. cumque miracula diffiteri nequeunt, id solum in causam calumniae adsumunt, quod in agresti fiunt loco, ubi nullus dei cultus, ubi nullae sanctorum memoriae. o prudentiam! verentur homines sublimi ingenio, ne ad ludibrium mortalium a faunis, nymphis vel satyris, ceterisve ruris numinibus res geratur ejusmodi. nam ut de fabulis taceam, apud quos historiagraphorum veterum seu modernorum legitur daemones visum coecis, mentem amentibus, manus debilibus, gressum claudicantibus restaurasse? (acta Bened. sec. 2. p. 333.) Das schwedische volk schreibt die kraft einiger heilquellen weißen schlangen zu. 1809 strömten tausende aus Halland und Vestergötland zu dem wunderthätigen Helsjö (einem kleinen see unweit Rampegärde); man erzählte sich, kinder am strande das vieh hütend hätten dieses jahr über oft eine schöne jungfrau am ufer sitzen sehen, sie hielt in ihrer hand eine schlange und wies sie ihnen. nur alle hundert jahre erscheint diese wasserjungfrau mit der schlange. Bexells Halland 2, 320. 3, 303. Zu einer quelle, genannt s. Olafskiälla, kam viel volks aus Norwegen und Halland, warf opferpfennige hinein und trieb andern aberglauben. Ödmans Bahuslän p. 169. In der christlichen zeit läßt man heilquellen nahe bei gräbern heiliger männer entspringen. Bexell a. a. o. 3, 69: heilquellen unter des heiligen leichnam. Flodoard. remens. 2, 3. Mit den warmen bädern zu Achen scheint mir jene wasserjungfrau, in deren mythus Carl der große gezogen wurde (s. 361), verbunden werden zu müssen.. Gleich den gesundbrunnen achtete man die salzquellen für heilig, worüber in einem späteren capitel die nachrichten des alterthums zusammengestellt werden sollen. Das mittelalter unterhielt die vorstellung von einem jungbrunnengleichbedeutig das ahd. quecprunno, mhd. quecprunne Parz. 613, 9 fragm. 18, 267.: wer darin badet, heilt von krankheiten und wird davor bewahrt; Rauchels 489 legt darin ihre haut ab und wandelt sich in die schöne Sigeminne (s. 361); ein solcher brunne hat zuweilen auch die kraft, das geschlecht der badenden zu verändernvgl. die im mus. f. altd. lit. 1. 260–63 aus Montevilla, dem Titurel und H. Sachs angeführten stellen.Nachtrag: Aus einem verjüngenden brunnen wird im mai vor sonnenaufgang getrunken. Tit. 6053. andere jungbrunnen im gedicht von Abor. Haupts zeitschr. 5, 6. 7 und Wigamur 1611 bis 1615 an einer linde. mnl. joochtborre jugendborn. horae belg. 6, 223. der adler verjüngt sich in einem brunnen ›chöckprunnen‹. Karajan 32, 12. 98, 5. vgl. Griesh. pred. 1, 29..

In einer quelle bei Nogent badeten abends vor Johannis männer und frauen (anh. abergl. L, 33.); Holbergs lustspiel ›kildereisen‹ gründet sich auf die sitte des Kopenhagner volks, ›s. Hans aften‹ nach einer benachbarten quelle zu wallfahrten, und sich in ihrem wasser zu heilen und zu stärken. die Östergötländer reisten nach altem brauch mittsommernachts abend zu Lagmans bergekälla bei Skeninge und tranken den brunnen (Broocman 1, 187. 2, 676). in manchen gegenden Deutschlands wird zu pfingsten irgend ein lauterer brunnen besucht und sein wasser aus eigenthümlich geformten krüglein getrunken. Wichtiger ist die einstimmende beschreibung Petrarchas von einem noch zu seiner zeit hergebrachten bade cölnischer frauen in dem Rhein: sie verdient ausführlich eingeschaltet zu werdenFranc. Petrarchae de reb. familiar. epistolae lib. I ep. 4: Aquis digressum, sed prius, unde ortum oppidi nomen putant, aquis bajano more tepentibus ablutum excepit Agrippina Colonia, quae ad sinistrum Rheni latus sita est. lacus et situ et flumine clarus et populo. mirum in terra barbarica quanta civilitas. quae urbis species, quae virorum gravitas, quae munditiae matronarum. Forte Johannis baptistae vigilia erat duro illuc applicui, et jam ad occidentem sol vergebat: confestim amicorum monitu (nam et ibi amicos prius mihi fama pepererat quam meritum) ab hospitio traducor ad fluvium insigne spectaculum visurus. nec fallebar. omnis enim ripa praeclaro et ingenti mulierum agmine tegebatur. obstupui, dii boni, quae forma, quae facies, quis habitus! amare potuisset quisquis eo non praeoccupatum animum attulisset. In loco paullum altiore constiteram, unde in ea, quae gerebantur, intenderem. incredibilis sine offensione concursus erat, vicissimque alacres, pars herbis odoriferis incinctae, reductisque post cubitum manicis, candidas in gurgite manus ac brachia lavabant, nescio quid blandum peregrino murmure colloquentes. Vix nunquam clarius intellexi, quod Ciceroni placet, et veteri proverbio dici solet: inter linguas incognitas omnes propemodum surdos ac mutos esse. unum mihi solatium gravissimorum interpretum non deerat. nam et hoc inter cuncta mirabere, coelum illud spiritus pierios alere. Itaque dum miratur Juvenalis quod

                    Gallia causidicos docuit facunda Britannos
miretur itidem: doctos quod argutos aluit Germania vates.

at, ne me auctore fallaris, scito ibi nullum Maronem esse, Nasones plurimos, ut dicas verum fuisse praesagium, quod in fine libri metamorphoseos multum vel posteritatis gratiae vel ingenio suo fidens ponit. siquidem qua romana potentia, seu verius qua romanum nomen domito orbe se porrigit, plausibiliter nunc faventis populi ore perlegitur. His ego comitibus, ubi quid audiendum seu respondendum incidit, pro lingua et pro auribus usus sum. Unum igitur ex eo numero admirans et ignarus rerum percunctatus vergiliano illo versiculo

        quid vult concursus ad amnem,
quidve petunt animae?

responsum accepi: pervetustum gentis ritum esse, vulgo persuasum, praesertim femineo, omnem totius anni calamitatem imminentem fluviali illius diei ablutione purgari et deinceps laetiora succedere, itaque lustrationem esse annuam, inexhaustoque semper studio cultam colendamque. Ad haec ego subridens ›o nimium felices‹ inquam ›Rheni accolae, quoniam ille miserias purgat, nostras quidem nec Padus unquam valuit purgare nec Tiberis. vos vestra mala Britannis Rheno vectore transmittitis; nos nostra libenter Afris atque Illyriis mitteremus, sed nobis (ut intelligi datur) pigriora sunt flumina‹. commoto risu sero tandem inde discessimus. Die spiritus pierii, welche damals den gast zum Rhein führten, sind verschollen. erst 1388 kam die Cölner universität auf; lange vorher lebten in dieser stadt gelehrtere geistliche. Unter Maro und Naso versteht er wol handschriften Virgils und Ovids? Petrarchs brief ist von 1330 und an den cardinal Colonna. schon Kaisersberg (omeiß 35c) führt ihn an.

, weil sie deutlich lehrt, daß dieser 490 cultus nicht bloß in einzelnen quellen, sondern in Deutschlands größtem flusse statt fand. Aus des Italieners unbekanntschaft mit dem hergang sollte man folgern, daß er in dem lande, von welchem alle kirchlichen gebräuche ausgiengen, fremd, also überhaupt unchristlich und heidnisch gewesen sei. vielleicht aber hatte Petrarch keine genaue kunde aller sitten seines vaterlands; aus späterer zeit wenigstens läßt sich die lustration am Johannistag auch dort nachweisen. des Benedict de Falco descrizione de luoghi antiqui die Napoli (Nap. 1580) enthält die angabe: ›in una parte populosa della citta giace la chiesa consegrata a S. Giovan battista, chiamata S. Giovan a mare. era un antica usanza, hoggi non al tutto lasciata, chel la vigilia di S. Giovane, verso la sera e'l securo del di, tutti huomini e donne andare al mare, e nudi lavarsi: persuasi purgarsi de loro peccati, alla focchia degli antichi, che peccando andavano al Tevere lavarsi‹. Und lange vor Petrarch, zu Augustins zeit herschte der gebrauch in Libyen, dieser kirchenvater eifert dagegen und nennt ihn heidnisch: ›natali Johannis de solemnitate superstitiosa pagana Christiani ad mare veniebant, et se baptizabant‹ (opp. Paris 1683 tom. 5 p. 903); und anderwärts: ›ne ullus in festivitate s. Johannis in fontibus aut paludibus aut in fluminibus, nocturnis aut matutinis horis se lavare praesumat, quia haec infelix consuetudo adhuc de Paganorum observatione remansit‹. (append. zu tom. 5. p. 462.) Allgemein gebilligt von der kirche war sie sicher nicht, aber geduldet konnte sie doch hin und wieder sein, als nicht unpassende erinnerung an den täufer im Jordan, und wenn sie früher heidnisch gewesen, auf ihn gedeutet. Weite ausbreitung mochte sie leicht gewinnen, nicht nur als christliche feier, sondern auch als heidnische: Johannistag bezeichnete unsern vorfahren die festliche jahresmitte, wo sich die sonne wendet, und vielfache bräuche konnten damit verbunden sein. ich gestehe, wenn Petrarch das flußbaden an einem kleinen deutschen ort wahrgenommen hätte, würde ich eher auf echt germanischen brauch schließen; in Cöln, der heiligen, ihrer heilthümer wegen berühmten stadt vermute ich eine erst durch christliche überlieferung eingeführte gewohnheitin Polen und Schlesien, vielleicht auch in einem theile Rußlands werden am zweiten ostertage mädchen, welche die frühmette verschlafen, von den burschen gewaltsam mit wasser begossen und mit birkenruthen geschlagen; oft reißt man sie bei nacht aus den betten, schleppt sie in einen fluß oder röhrtrog, in eine wassergefüllte krippe, und läßt sie das bad aushalten. Die Schlesier nennen das schmagostern (selbst Estors oberhess. idiot. kennt schmakustern: auf ostern die rute geben)Nachtrag: Stieler s. 1402 erwähnt folgenden osterbrauch. habent Borussi verbum schmakostern quod significat obviam quarto post tres dies paschales oriente die venientes virgis caedere, sicut juventus nostra facit quarto post ferias natalitias die et kindelen vocant in memoriam innocentium puerorum. schmack Borussis ferulam notat. und in der that ist es richtiger den namen von smagać peitschen herzuleiten s. Weinhold bei Aufrecht und Kuhn 1, 255, als von smigust abspülung. schmackostern heißen die zu ostern mit bunten bändern geschmückten ruthen. jahrb. d. berl. ges. f. d. spr. 10, 228. 229. in Mähren heißt es schmeckostern. Kulda (d'Elv.) 114. Weinhold schles. wb. 85 unterscheidet schmagoster und dyngus.; der poln. name ist smić (abschwemmen) böhm. smyti, smeywati; smigust bedeutet also abspülung; die Polen gebrauchen auch dyngować und von dem wasserguß dyngus, man besprengt sich gegenseitig mit wasser, vgl. Hanusch s. 197, und die jahrszeit scheint nicht bloß ostern sondern auch Johannis. In der russischen landschaft Archangelsk baden am 23 juni die leute im fluß und streuen kupalnitza (ranunculus acris) Karamsin 1, 73. 74. Überall der glaube an die heiligkeit des osterbades, wie des Johannisbades.Nachtrag: Von den quellwallfahrten im norden berichtet weiteres Wieselgren 389. 411. nach einem spanischen liede brach man auf Johannismorgen blumen am Guadalquivir. Hones daybook 1, 851. zu Warschau werfen am 24. juni die mädchen rosenkränze in die Weichsel und sehen bald mit wehmuth, bald mit freude, wie sie von den wogen hingerissen mit dem strome schwimmen, was nach bestimmten anzeichen gedeutet wird. dies erinnert an den von Petrarca geschilderten Johannisbrauch der Cölnerinnen, den auch Braun im 23. heft der rhein. jahrb. aus dem christenthum herleitet. Petrarca soll erst 1356 nach Deutschland gekommen sein s. schweiz. arch. 4, 87, doch ist sein jene schilderung enthaltender brief von 1330. 1327 sah er Laura bei Avignon und unternahm nachher, noch als jüngling die reise. wen aber versteht er unter den spiritus pierii der rheinischen stadt? Albertus magnus lebte und lehrte zu Cöln, er starb 1280. auch sein schüler Thomas von Aquino lehrte hier eine zeitlang. Duns Scotus kam 1308 nach Cöln und starb da. meister Eckhart († vor 1329) war zu Cöln und Tauler, sein schüler..

491 Es gibt seen und brunnen, deren wasser zu bestimmter zeit versiegt oder emporsteigt: aus beiden erscheinungen wird unheil geweissagt, sterbfall, krieg und annahende theuerung. Wenn des landesfürsten tod bevorsteht, soll der fluß in seinem lauf einhalten und gleichsam trauer zu erkennen geben (deutsche sag. no. 110); versiegt der brunne, so stirbt bald darauf der herr des geschlechts (das. no. 103). Eine auslaufende oder trocknende quelle, welche theuerung ansagt, pflegt zu heißen hungerquelle, hungerbrunnen (Stald. 2, 63). zu Wössingen bei Durlach ist ein hungerbrunnen, der reichlich fließen soll, wenn unfruchtbares jahr erfolgt, alsdann auch kleine fische hervorbringtMones anz. 3, 221. 340, wo eine abführende auslegung des namens erzwungen wird. anderwärts heißen diese quellen schändlebach (schadenbringend), ein solcher wurde mir auf der flur bei Cassel angezeigt; Simpliciss. 5, 14 gedenkt des schändlibach bei Oberneheim, der bloß lauft, wenn ein unglück übers land kommt. auch wenn der Lutterborn unweit Herbershausen (Helperhusen) bei Göttingen lauft, so gibt es theure zeiten; baut aber in die helperhüsche müle die spinne, und ins rad die schwalbe, so sind gute zeiten.. solch eine hungerquelle fand sich bei Halle an der Saale; wenn die bauern zur stadt giengen schauten sie danach, und lief sie aus, so sagten sie: ›heuer wird es theuer‹. ähnliches erzählt man von brunnen bei Rosia im Sienesischen, und bei Chateaudun im Orleanischen. da man den Hunger personificierte, lassen sich ihm leicht einwirkungen auf die quellen beilegen. eines ähnlichen Nornborn wurde s. 335 gedacht. Von dem see Glomazi in dem slavischen Elbland füge ich Dietmars von Merseburg bericht ein (1, 3): Glomazial. Glomuzi, Zlumici; es ist die heutige Lommatscher pflege. est fons non plus ab Albi quam duo miliaria positus, qui unam de se paludem generans, mira, ut incolae pro vero asserunt oculisque approbatum est a multis, saepe operatur. cum bona pax indigenis profutura suumque haec terra non mentitur fructum, tritico et avena ac glandine refertus, laetos vicinorum ad se crebro confluentium efficit animos. quando autem saeva belli tempestas ingruerit, sanguine et cinere certum futuri exitus indicium praemonstrat. hunc omnis incola plus quam ecclesias, spe quamvis dubia, veneratur et timetcapit. a. 794 (Pertz 3, 74): experimento didicimus, in anno, quo illa valida famis irrepsit, ebullire vacuas annonas (leere getreidehülsen), a daemonibus devoratas.. Aber ohne rücksicht auf bestimmte brunnen wird aus dem bloßen wassermessen theure oder wolfeile zeit, abnahme oder zunahme der güter erforscht, je nachdem das 492 in ein gefäß gegoßne wasser steigt oder fällt (abergl. F, 43 und no. 953 aus Praetors saturnalien p. 407). das scheint mir ein gebrauch des hohen alterthums. Saxo gramm. p. 320 meldet, des rügischen gottes Svantovit bildseule habe in der rechten hand ein horn gehalten: quod sacerdos sacrorum ejus peritus annuatim mero perfundere consueverat, ex ipso liquoris habitu sequentis anni copias prospecturus . . . . . postero die populo prae foribus excubante detractum simulacro poculum curiosius speculatus, si quid ex inditi liquoris mensura substractum fuisset, ad sequentis anni inopiam pertinere putabat. si nihil ex consuetae foecunditatis habitu diminutum vidisset, ventura agrorum ubertatis tempora praedicabat. der wein wurde ausgeschüttet und dem horn wasser eingegossenNachtrag: Quellen versiegen bei bevorstehendem unglück in normandischen sagen. Bosquet 201. heilquelle und salzquelle versiegt, seit man geld dafür fordert. Athen. 1, 288. ein landmann starb nach kaltem trunk aus einer quelle an der auszehrung. alsbald hörte das brünnlein zu fließen auf. Haupts zeitschr. 3, 361. hervorbrechende brunnen werden als vorzeichen der theurung betrachtet. das. 3, 361. aus dem steigen und fallen des wassers im Tilsgraben weissagen die einwohner gute oder schlechte ernten. Harrys no. 2. vgl. Müllenhoff s. 104. wenn die flur von Wartha im Werragrund sechs jahre hindurch unüberschwemmt bleibt, so, sagt man, kann der bauer im siebenten jahr auf silber speisen. (wenn der biber seine burg hoch aufbaut, läuft auch das wasser in dem jahr hoch auf. Döbels pract. 1, 36b). die hungerbrunnen heißen in Steier auch hungerlaken. Wolfs zeitschr. 2, 43. ihr anderer name schändlebach kommt weisth. 1, 760 als schantbach vor. vgl. der schanden bechelîn. Frauenlob s. 186. in den verschiedenen jahrhunderten mußte der Nil eine verschiedene höhe von 22, 16, 14, 12 ellen erreichen, um ein gutes jahr zu geben. Herod. 2, 13. Strabo s. 788. Plin. 5, 10. Parthey Plut. über Isis und Os. s. 243..

Ohne zweifel standen strudel und wasserfälle in vorzüglicher heilighaltung, man glaubte, daß sie ein höheres wesen, ein flußgeist errege. noch jetzt gehn vom Donaustrudel und andern besondere sagen. Plutarch im Caesar cap. 19 und Clemens alex. (stromat. 1, 305) versichern, daß die weissagerinnen der Deutschen die wirbel der flüsse beobachteten und an ihrem drehen und rauschen die zukunft forschten. die nord. benennung eines solchen vortex lautet fors, dän. fos und Isl. sög. 1, 226 erwähnen ausdrücklich: ›blôtađi forsin‹. der sage von dem flußgeist fossegrim ist s. .408 gedacht: in solch einem fors hauste der zwerg Andvari (Sæm. 180. fornald. sög. 1, 152). zumal aber scheinen dem strudel (δι̃νος) thieropfer zu gebühren, wie dem fossegrim der schwarze bock, und die s. 38. 82 aus Agathias angeführten stellen von pferden, welche die Alamannen den strömen und schluchten darbrachten, gehören zusammen. Il. 21, 131 vom Skamander:

ω̃ δὴ δηθὰ πολει̃ς ιερεύετε ταύρους,
ζωοὺς δ' εν δίνησι καθίετε μώνυχας ίππους.

und Pausan. VIII. 7, 2: τὸ δὲ αρχαι̃ον καθίεσαν ες τὴν Δεινὴν (ein gewässer in Argolis, verwandt mit δι̃νος) τω̃ Ποσειδω̃νι ίππους οι ’Αργει̃οι κεκοσμημένους χαλινοι̃ς. Horat. carm. 3, 13: o fons Bandusiae, non sine floribus cras donaberis haedoNachtrag: Strudel heißt ahd. suarb, suirbil vortex. Graff 6. 897. sualm vorago in aqua. Graff 6, 873. huerbo Graff 4, 1237. gr. χάρυβδις. Pott bei Kuhn 5, 255. serb. kolovrat vortex (eigentlich drehrad) und buk, ort, wo der wasserfall brüllt (bukati mugire). aitwinde vel storm gurges. eedewinde vortex. vocab. ms. vratisl. aitveinda gurges. Diefenbach 271b. finn. korvalle tulinen kosken pyhän wirran pyörtehelle, er gieng zum feurigen wasserfall (schwed. eldfors), zu der heiligen flut wirbel. Kalev. 1, 177. vgl. 6, 92. 7, 785. 794. 798. 17, 101. 314. 22, 10. 26, 198. der wasserfall heißt ahd. wazarchlinga nympha. Graff 4, 504. wazardiezo nympha das. 5, 237. wazzerdurh? uenster? cataracta. Trier. ps. 41, 11. Windb. ps. 41, 11. laufen. Stald. 1, 444. neben δι̃νος besteht δίνη. die angeführte stelle aus Plutarchs Caesar hat: ποταμω̃ν δίναις καὶ ρευμάτων ελιγμοι̃ς καὶ ψόφοις. Il. 21, 130: ποταμὸς αργυροδίνης. dem Homer erscheinen die gießbäche wie rennende rosse. Il. 16, 392: χαράδραι ρέουσαι εξ ορέων επὶ κάρ. den strudel erregt unten ein wesen. Leoprechting 106. auch Loki haust in Franângrsfors. Sæm. 68. Sn. 69. am Donaustrudel verkündet ein gespenst den tod. ann. altahens. a. 1045. vgl. die weiber in den Nibelungen..

Es ist hinlänglich bekannt, daß schon vor dem christenthum und vor einführung der taufe, eine heiligung des neugebornen kindes durch wasser unter den nordischen Heiden galt; man nannte das vatni ausa, mit wasser begießen. vermutlich fand auch dieser ritus unter den übrigen Germanen statt, und vielleicht legte man dem dazu gebrauchten wasser, wie unter den Christen dem taufwasser, eine besondere kraft bei (schwed. abergl. 116). auffallend ist die ehstnische gewohnheit, das taufwasser an den wänden in die höhe zu schütten (abergl. M, 47), um dem täufling ehre und würden zu wege zu bringen.

Weit verbreitet war eine seltsame, abergläubische verwendung des aufgefangnen mülradwassers, das von den schaufeln abspringt. schon Hartlieb erwähnt dieses gebrauchs (abergl. H, c. 60.) und der 493 volksglaube bestätigt ihn (no. 471. 766). den Serben heißt solches wasser omaja, d. i. abprall, von omanuti, omahnuti (abprallen). Vuk, unter dem wort, bemerkt, daß es frauen in der frühe des Georgitages (23 apr.), um sich darin zu baden, zumal von der kleinen bachmühle (kaschitschara), auffangen. einige tragen es den abend zuvor nach haus und streuen allerhand abgebrochne grüne kräuter hinein: sie glauben alles böse und schädliche werde von ihrem leib abprallen, wie das wasser vom mülrad (Vuk. s. v. Djurdjev dan). Nicht unähnlich, obwohl gerade umgekehrt, ist die warnung nach frühem waschen das wasser nicht abzuschleudern, weil damit das glück verschleudert werde (abergl. no. 21).

Gleich den bächen und flüssen (s. 551) ließ der kindliche glaube des alterthums auch den regen aus schalen der himlischen götter entsendet werden und noch den reitenden hexen schreibt man krüge zu, aus denen sie sturm und hagel über die fluren schütten, statt des regens und thaus, der ehemals daraus niedertrofdie Peruaner glauben an eine regengöttin, die mit einem wasserkrug in den wolken sitzt, um ihn zu rechter zeit auszugießen; säumt sie, so schlägt ihr bruder mit donner und blitz den krug entzwei. Garcilaso de la Vega historiae Incarum peruanorum 11, 27. vgl. Talvj characteristik der volkslieder s. 126..

War der himmel verschlossen, das feld in dürre schmachtend, so hieng zwar die verleihung des regens zunächst von der gottheit ab, von Donar, oder Maria und Elias, die darum angefleht wurden (s. 143–146)ich trage hier noch aus Antons vers. über die Slaven 1, 73 den inhalt eines walachischen liedes nach, das die kinder singen, wenn dem getreide bei der dürre gefahr droht: Papaluga (vater . . .) steig in den himmel, öfne seine thüren und sende von oben regen herab, daß der roggen gut wachse!. Man bediente sich aber noch eines eignen zaubers, der unausbleiblich regenwasser schafte, die götter gewissermaßen nöthigte es zu gewähren. ein junges mädchen wurde ganz entkleidet, nachdem bilsenkraut (ahd. pilisa, hyoscyamus) mit dem kleinen finger der rechten hand ausgerissen an die kleine zehe seines rechten fußes gebunden war, von den andern jungfrauen feierlich zum nächsten fluß geführt und mit der flut besprengt. Dieser uns durch Burchard von Worms (abergl. C, p. 201b) berichtete, also vielleicht noch im 11 jh. am Rhein oder in Hessen geltende brauch erscheint bedeutsamer, da er, mit characteristischer verschiedenheit, die alle unmittelbare entlehnung ausschließt, noch heute unter Serben und Neugriechen lebt. Die serbische sitte beschreibt Vuk u. d. w. dodole. dodola heißt das mädchen, welches nakt ausgezogen, aber mit gras, kräutern und blumen dergestalt umwunden wird, daß von der haut und selbst dem gesichte gar nichts zu sehen istsoll durch das verhüllen bloß die sittsamkeit des entkleideten mädchens geschont werden? oder hat es noch einen andern grund? wir werden sehen, daß die darstellungen des frühlings und sommers genau dasselbe laubumhüllen beobachteten.. im geleite andrer jungfrauen zieht nun 494 dodola von haus zu hause, vor jedem bilden sie einen reigen, dodola steht in der mitte und tanzt allein. nun tritt die hausfrau vor und schüttet eine mulde wasser über das immer fort tanzende und sich umdrehende mädchen aus, die begleiterinnen singen lieder und schalten jeder zeile den ausruf ›oj dodo, oj dodo le!‹ ein. das zweite dieser regenlieder (pjesme dodolske) in Vuks saml. no. 86–88 (184–188 der zweiten ausg.) lautet:

zu gott flehet unsre doda,     oj dodo oj dodo le!
daß thauregen sich ergieße,     oj dodo oj dodo le!
daß naß werden alle ackrer,     oj dodo oj dodo le!
alle ackrer, alle graber,     oj dodo oj dodo le!
selbst im hause alle knechte,     oj dodo oj dodo le!

man ist sicher, daß unmittelbar regen erfolge. In Griechenland, wenn es vierzehn bis zwanzig tage lang nicht geregnet hat, beobachten die einwohner in dörfern und kleinen städten folgendes. die kinder wählen unter sich eines von acht bis zehn jahren, gewöhnlich ein armes waisenkind, das sie nakt ausziehen und mit kräutern und blumen des feldes von kopf bis zu den füßen anputzen und verhüllen. dies kind heißt πυρπηρου̃να. dann ziehen die andern kinder damit im dorfe herum, singen ein lied, die hausfrau muß einen eimer wasser über das haupt der πυρπηρου̃να ausgießen und den kindern einen para (½ pfenning) reichen. das neugriech. lied findet sich in Theod. Kinds τραγω̃δια τη̃ς νέας ‛Ελλάδος Leipz. 1833 p. 13. Passow. no. 311–313. s. 627. Warum das regenmädchen dodola (in der schmeichelform doda) und πυρπηρου̃ναgenannt wird, weiß weder die slavische noch die griechische sprache zu deutenKind führt s. 86. 87 abweichende formen an, alle erklärungen scheinen mir gezwungen. beide namen, der griech. und serbische haben volksmäßige reduplication.; wahrscheinlich hätte uns auch Burchard eine verdunkelte deutsche benennung melden können. Aber der sinn der handlung ist klar. wie aus dem eimer das wasser auf die dodola, soll regen vom himmel auf die erde niederströmen: es ist die geheimnisvolle, echtsymbolische beziehung des mittels auf den zweck; gerade so sollte der absprang vom mülrad das übel absprengen, oder die lustration im fluß alle künftigen krankheiten abwaschen. Ohne dabei eines mädchens oder kindes zu erwähnen, läßt die celtische überlieferung den in großer dürre ersehnten regen durch wasserausgießen hervorrufen. die jäger gehen zum brunnen von Barenton im wald Breziliande, schöpfen daraus wasser mit ihren hörnern und gießen es auf die brunnensteine, alsbald steigt regen empor und erquickt das landroman de Rou v. 11514 (die stelle ausgehoben in den anm. zu Iwein s. 262. 263).. Der gebrauch, unter hinzutritt kirchlicher feierlichkeiten dauert noch heute fort. angeführt von geistlichen unter gesang und glockenläuten ziehen die einwohner in procession zu der quelle, fünf große fahnen werden vorausgetragen und der vorsteher der gemeinde 495 taucht seinen fuß kreuzweis in das wasser des brunnens von Barenton, nun ist man des regens sicher, ehe der zug wieder heim gelangtrevue de Paris tome 41 p. 47–58. Villemarqué fügt hinzu, daß die kinder stecknadeln in den brunnen zu werfen pflegen und dabei ausrufen: ris donc, fontaine de Berendon, et je te donnerai une épingle! durch das geschenk soll die brunnenfee freundlich gemacht werden. man vgl. das ›libamina lacui exhibere‹ s. 496.. statt des kindes wird bloß der fuß des maire benetzt, oder nur ein wenig wasser ausgegossen, das dann in massen vom himmel fallen soll. durch das geringe opfer wird die große gabe herbeigeführt. In Spanien leitete man bei anhaltender hitze ein in trauer gehülltes bild der heil. jungfrau (imagen cubierta de luto) feierlich durch die dörfer, regen zu erflehenDon Quixote 1, 52 (Ideler 2, 435). auch an andern orten war es üblich, in zeit des wassermangels, die leichname der heiligen umzutragen. Flodoard. rem. 4, 41., wie bei der Lütticher procession (s. 145), wozu schon die von Petron geschilderte stimmt (s. 146); es ist dabei nur das symbolische ausgießen des wassers vergessen. Unter den kräutern aber, womit jenes kind umwunden wurde, fanden sich vermutlich zauberkräftige; die verwendung der bilse ist mir sonst unbekannt. Der dodola und pyrperuna identisch scheint endlich der bairische wasservogel. den knecht, der pfingstmontags am spätesten ausgetrieben hatwie das verschlafene mädchen ostern gebadet wird (vorhin s. 490)., führen die übrigen bursche in den nächsten wald und binden ihn um und um mit laub, zweigen oder schilf ein, dann durchreiten sie im triumf das dorf, und alles was junge beine hat, folgt dem zug zum teich oder bach, wo der wasservogel vom pferd herab feierlich ins wasser geworfen wird (Schm. 1, 320). Ebenso wählen in Östreich die dorfjungen einen pfingstkönig, kleiden ihn mit grünen zweigen, schwärzen ihm das angesicht und werfen ihn in den bach. (Denis lesefr. 1, 130.) Das votis vocare imbrem ist hierbei ganz weggefallen und durch eine bloße pfingstlustbarkeit mit dem faulsten knechtabergl. 342, die faule magd wird beim heimtragen des ersten grases mit wasser begossen. ersetzt; ich zweifle aber nicht, daß jener zweck im hintergrund der sitte liegtNachtrag: Die griechischen regengöttinnen sind die Horen, die das wolkentor des Olympos hüten, öfnen und schließen und durch regen oder heitre die früchte gedeihen machen. die Hora hat einen becher, den sie am brunnen wäscht. Theocr. 1, 150. auch opferte man dem Zeus und der Here, wenn regen mangelt. Pausan. II. 25, 8. auf einem bilde wird Ge dargestellt, wie sie den Zeus um regen anfleht. Paus. 1, 24. litth. ist diewaitis der donnergott, dewaite szwenta die heilige göttin, regengöttin. der reif heißt estn. die nebelmutter. Böcler 147. der thau wird noch im 13. jh. in Deutschland wie ein gütiges wesen geehrt. Parz. 748, 28: geêrt sî luft unde tou daz hiute morgen uf mich reis. der thau trieft von den mähnen der luftrosse, des Hrîmfaxi Sæm. 32b, vom valkyrienros Sæm. 145b. (vgl. s. 533). den von Burchard von Worms berichteten brauch führt auch Mone gesch. des heident. 2, 417 aus Martin rélig. des Gaules an. die serbische und nach Schott auch walachische sitte des umwindens gleicht dem einwinden der hyperboräischen weihgeschenke in waizenähren, die zwei jungfrauen trugen. Herod. 4, 33. Creuzer 2, 117. wurden die mädchen selbst umwunden? ob mit den dabei erwähnten περφερέες der name des neugriechischen regenmädchens πορπηρου̃να zusammenhängt? vgl. GDS. 865. in der neuen ausgabe von Vuks wb. heißt der tanz und das regenlied prporysche und der choragus dabei prpatz. wenn der priester mit einem eichenzweig die quelle berührt, steigt aus ihr die regenwolke. Pausan. VIII. 38, 3, wie der gemeindevorsteher seinen fuß in den brunnen von Barenton taucht. gleich dem bairischen wasservogel werden in Algier, um wasser zu bekommen, bei anhaltender dürre einige Marabouts in den fluß geworfen. GDS. 54. kl. schr. 2, 445 ff..

Unter den göttinnen wird die badende Nerthus und Holda zunächst auf wassercultus zu beziehen sein, Holda wohnt in brunnen (s. 222. 403); dann gehören hierher schwanjungfrauen, meerminnen (s. 360), wasserholden, brunnenholden (s. 222), wassermuhmen und nixen. Ihnen allen können einzelne flüsse, bäche, weiher, quellen geweiht und zum aufenthalt angewiesen sein; im meer walteten Oegir (s. 196) und Rân (s. 258. 411), die wellen heißen ihre töchter; dadurch empfängt die verehrung des elements einen besondern character. Von dieser an sich natürlichen aber nicht wesentlichen vereinigung des einfachen, rohen wassercultus mit dem glauben an höhere wesen will ich noch einiges anführen.

496 Wie man beim überschiffen des stroms, beim überschreiten der brücke die gewalt des da hausenden dämons scheut (s. 411); so ist es nach schwed. volksglauben (no. 40) rathsam, daß man im finstern über ein wasser gehend dreimal speie, und damit aller bösen einwirkung zuvorkommeausspeien ist den geistern zuwider (oben s. 425).. Auch beim brunnenschöpfen wird vorsicht beobachtet. Neugriechen zu Mykono, bevor sie schöpfen, grüßen dreimal, um den Teloni (brunnengeist) zu ehrenVilloison in Maltebrun annales de voy. 2, 180. Artemidor oneirocrit. 2, 27 (Reiff 1, 189) nimmt brunnennymphen an: νύμφαι τε γάρ εισιν εν τω̃ φρέατι. Fauriel 2, 80: τὸ στοχειὸν του̃ ποταμου̃.. vom gestolnen ins wasser werfen (abergl. 836) heißt dem wassergeist opfern. Die vita S. Sulpicii bituricensis († 644) erzählt (acta Bened. sec. 2. p. 172): ›gurges quidam erat in Virisionensium situs agello (Vierzon, in Biturigibus), aquarum mole copiosus, utpote daemonibus consecratus: et si aliquis causa qualibet ingrederetur eundem, repente funibus daemoniacis circumplexus amittebat crudeliter vitam‹. Merkwürdiger für den wassercultus selbst zeugt des Greg. tur. erzählung vom see bei dem berg Helanus (de gloria confess. cap. 2): ›mons erat in gabalitano territorio (Gevaudan) cognomento Helanus, lacum habens magnum. ad quem certo tempore multitudo rusticorum, quasi libamina lacui illi exhibens, linteamina projiciebat ac pannos qui ad usum vestimenti virilis praebentur: nonnulli ianae vellera, plurimi etiam formas caseiformages, woraus fromages. ac cerae vel panis, diversasque species unusquisque juxta vires suas quae dinumerare perlongum puto. veniebant autem cum plaustris potum cibumque deferentes, mactantes animalia et per triduum epulantes. quarta autem die cum discedere deberent, anticipabat eos tempestas cum tonitruo et coruscatione valida; et in tantum imber ingens cum lapidum violentia descendebat, ut vix se quisquam eorum putaret evadere. sic fiebat per singulos annos, et involvebatur insipiens populus in errore‹. Hier tritt kein gott und kein geist auf, die jährlichen opfer werden dem see unmittelbar gebracht; am schlusse des fests erfolgt sturm und gewitter. Gervasius tilberiensis (bei Leibnitz 1, 982) erzählt von einem see auf dem berge Cavagum in Catalonien; ›in cujus summitate lacus est aquam continens subnigram et in fundo imperscrutabilem. illic mansio fertur esse daemonum ad modum palatii dilatata et janua clausa; facies tamen ipsius mansionis sicut ipsorum daemonum vulgaribus est incognita ac invisibilis. in lacum si quis aliquam lapideam aut aliam solidam projecerit materiam, statim tanquam offensis daemonibus, tempestas erumpitdiese aufregung des sturms durch steinwurf in den see oder brunnen ist deutscher, celtischer und finnischer volksglaube, wie die angeführten beispiele lehren. der wassergeist rächt die entweihung der heiligen flut. Hierher gehört die sage vom Mummelsee (deutsche sag. no. 59. Simplic. 5, 9), vom Pilatussee (Lothars volkss. 232. Dobenek 2, 118. Gutslaff p. 288. Mone anz. 4, 423), vom see Camarina in Sicilien (Camarinam movere) und besonders von den brunnen zu Berenton im wald Breziliande, Iwein 553–672, wo aber brunnenwasser auf den brunnenstein gegossen den sturm erregt: vgl. vorhin s. 494 und die von Beneke p. 269 aus Pontus angeführte stelle. auch der lapis manalis zauberte regen. O. Müller Etr. 2, 97.‹. Darauf 497 die geschichte eines mädchens, das von den wassergeistern entführt und sieben jahr im see gehalten wird.

Ihre tiefe zu ermessen leiden die seen nicht. nachdem die messer bereits neun zwirnnetz garn mit einem senkel in den Mummelsee herabgelassen, ohne boden zu finden, begann das floß, worin sie saßen, plötzlich zu sinken und in schneller flucht ans land musten sie ihr heil suchen. Simplic. 5, 10. Einer fuhr mit einem kahn auf die mitte des Titisees und warf an fast endloser schnur das senkblei aus. da rief es aus der flut in fürchterlichem tone: ›missest du mich, so fresse ich dich‹! nun voll schrecken ließ der mann von seinem unternehmen ab, seitdem hat niemand gewagt die tiefe des sees zu ergründen (Mones anz. 8, 536). Ähnliches erzählt Thiele 3, 73 von Huntsöe, als man die tiefe ermessen wollte und ein pflugeisen am seil hinab ließ, erscholl eine stimme der geister von unten herauf: ›i maale vore vägge, vi skal maale jeres lägge!‹ erschrocken zog man wieder herauf, fand aber statt des eisens einen alten pferdeschädel am seil.

Nach ehstnischer sitte wirft die neue ehefrau in den brunnen des hauses ein geschenk; diesem volksstamm scheint der wassercultus vorzüglich eigen. es gibt eine umständliche nachricht von der heiligen Wöhhanda, einem bache in Liefland. sie entspringt bei Ihnegerve, einem dorfe des bezirks Odenpä, in Ehstland und ergießt sich, nach ihrer vereinigung mit der Medda, in den Peipus. sie liegt in einem heiligen hain, in dessen umkreis niemand einen baum zu hauen oder eine ruthe zu brechen wagt: wer es thut, stirbt also fort in dem jahr. bach und quellbrunn werden rein gehalten und jährlich gesäubert; wird etwas in den quell oder den kleinen see, welchen er durchfließt, geworfen, so entsteht unwetterNachtrag: Den alcyonischen see wollte Nero mit seilen ermessen. Pausan. II. 37, 5. die von Thiele 3, 73 berichtete sage von der messung der tiefe ist auch schwedisch. Runa 1844, 33. der Wettern ruft: ›mät min längd!‹ Wieselgren 459. über den ehstn. wassercultus vgl. Kreutzwalds vorr. zu Kalewipoeg XII und Kreutzwald und Neus myth. lieder 113, wo 114 auch das heraufziehen eines bockschädels vorkommt..

Als im jahr 1641 Hans Ohm auf Sommerpahl, ein ausländischer, durch die Schweden ins land gekommener gutsbesitzer in dem bach eine müle baute und einige jahre unfruchtbare witterung anhielt, maßen es alle Ehsten der entweihung des heiligen baches bei, der keine hemmung in sich leide, sie überfielen die müle, brannten sie nieder und zerstörten alle grundpfäle im wasser. Ohm erhub klage und erlangte der bauern verurtheilung, um sich aber neuer und schwerer verfolgung zu entziehen, veranlaßte er den pastor Gutslaff, gleichfalls einen Deutschen, in einer besondern schriftkurzer bericht und unterricht von der falsch heilig genandten bäche in Liefland Wöhhanda. daraus die unchristliche abbrennunge der sommerpahlschen mühlen geschehen ist. aus christlichem eifer wegen des unchristlichen und heidnischen aberglaubens gegeben von Joh. Gutslaff, pomer. pastorn zu Urbs in Liefland. Dorpt 1644. 407 ss. in 8. (ohne zueign. und vorr.). auszug bei Kellgren in Suomi 9, 79–92. diesen aberglauben zu bekämpfen. man erfährt dadurch 498 gewis nur die gehässigen züge des heidnischen cultus. Auf die frage, wie von brunnen, bächen und seen gutes und böses wetter abhängen könnte? versetzten die Ehsten: ›es ist unser alter glaube, die alten haben uns also gelehret (s. 25. 258), schon mehr mülen seien an diesem bache abgebrannt (s. 278), er vertrage keine stauung‹. ehstnisch heiße er ›pöha jögge‹, lettisch ›schwäti ubbe‹, d. i. heiliger bach. man vermöge durch ihn das wetter zu stellen und habe, bedürfe man regens, nur etwas hineingeworfen (s. 25). als einmal drei ochsen im see ertranken, sei schnee und frost entstanden (s. 26). zuweilen steige ›ein kerl mit blauem und gelbem strumpfe‹ aus dem bach hervor, also der geist des baches.

Eine andere ehstnische sage gedenkt des sees Eim, der sein bett veränderte. wilde böse menschen wohnten an seinem ufer, sie mähten die wiesen nicht, die er wässerte, besäten die äcker nicht, die er fruchtbar machte, sondern raubten und mordeten, daß die klare flut durch das blut der erschlagenen getrübt wurde. Da trauerte der see; eines abends berief er seine fische alle und hob sich mit ihnen in die lüfte. Als die räuber das tosen vernahmen, riefen sie: ›der Eim ist aufgestiegen, laßt uns seine fische und schätze sammeln‹. aber die fische waren mit gezogen und nichts fand sich in dem grund als schlangen, molche und kröten, die stiegen heraus und wohnten bei dem räubergeschlecht. Aber der Eim stieg immer höher und eilte einer weißen wolke gleich, durch die luft; die jäger in den wäldern sprachen: ›welch ein dunkles wetter zieht über uns?‹, die hirten: ›welcher weiße schwan fliegt in der höhe?‹ die ganze nacht schwebte er unter den sternen, am morgen erblickten ihn die schnitter, wie er sich senkte, und aus dem weißen schwan ein weißes schif, und aus dem schiffe ein dunkler wolkenzug ward. und es sprach aus den gewässern: ›hebe dich von dannen mit der ernte, ich will wohnen bei dir‹. Da hießen sie ihn willkommen, wenn er ihre äcker und wiesen bethauen wolle, er senkte sich nieder und breitete im neuen lager sich aus nach allen enden. Sie ordneten sein bett, zogen dämme, pflanzten junge bäume ans ufer, seine wellen zu kühlen. Da machte er die ganze gegend fruchtbar, das gefilde grünte und sie tanzten um ihn, daß der alte jugendlich froh wardFr. Thiersch im taschenbuch für liebe und freundschaft 1809 p. 179. Sollte Eim nicht der Embach (mutterbach, von emma mutter, vgl. öim schwiegermutter) bei Dorpat sein, dessen entstehung in folgender sage berichtet wird? Als gott erde und himmel erschaffen hatte, wollte er den thieren einen könig verleihen, der sie in ordnung halte, und befahl ihnen zu dessen empfang einen tiefen, breiten bach zu graben, an dessen ufern er sich ergehen könne; die ausgegrabene erde sollte einen berg, wo der könig wohne, bilden. alle thiere stellten sich zur arbeit, der hase maß ab und der schwanz des ihm nachspringenden fuchses bezeichnete den lauf des Embachs; nach völliger ausgrabung des flußbettes goß gott aus seiner goldenen schale wasser hinein (verhandl. der esthn. gesellschaft. Dorpat 1840. 1, 40–42). beide sagen erzählen das ordnen des bettes auf verschiedene weise..

499 Römer und Griechen personificierten ihre flüsse in männliche wesen; ein bärtiger greis gießt aus seiner urne die strömende quelle (s. 485. 493). herlich stellt Homer den elementarischen streit zwischen wasser und feuer in dem kampfe des Skamander und Hephäst dar, und der fluß, ein gott, heißt άναξ. Od. 5, 445. 451. auch der indische Ganges ist eine hehre gottheit. kleineren bächen oder brunnen standen nymphen vordie Römer scheinen den cultus ihrer flüsse und bäche sehr ausgebildet zu haben, wie die menge der den flußgöttern errichteten denkmale beweist. ich verweise hier noch auf Tacitus ann. 1, 79 wo: ›sacra et lucos et aras patriis amnibus dicare‹.. in unserer sprache sind die meisten flußnamen weiblich (gramm. 3, 384–86), es werden also auch weibliche flußgeister gewaltet haben. zwölf oder achtzehn ströme der unterwelt verzeichnet mit namen Sæm. 43b. Sn. 4. ich hebe Leiptr hervor, bei deren klarem wasser, wie bei Styx und Acheron, geschworen wurde. Sæm 165a: ›at eno liosa Leiptrar vatni‹. Niemals ist in einheimischer überlieferung von einem dämon des Rheins die rede, doch eddisch heißt die Rîn (fem.) svinn, âskunna (prudens, a diis oriunda. Sæm. 248a). in des Rheines schoß liegen schätze und gold. Die Gothen bestatteten Alarich, ihren geliebten könig, unter dem bette eines flusses bei Consentia (Cosenza), den sie abgegraben und dann wieder über den leichnam geleitet hatten (Jornandes cap. 30); die Franken beim überschreiten eines flusses brachten ihm opfer (s. 37).

Wo aber grünes land von dem heiligen wasser der flüsse umschlungen wird, da bilden sich auen, und diese sind, wie wir vielfach gesehn haben, vorzugsweise zur wohnung der götter geeignet, vgl. Wunsches ouwe (s. 116), Pholes ouwa (s. 186)Gallus Ohems chronik von Reichenau (aus dem schluß des 15 jh., in Schönhuths Reichenau. Freiburg 1836 p, V.): ›man hält die insel bis auf den heutigen tag ehrlich und heilig, darin wird kein ungetauftes kind, sondern daraus getragen und bei einem bildhäuslein (genannt das chindlibild) begraben‹.. gleich ehrwürdig waren die von der reinen meerflut umspülten inseln, Fosetesland (s. 190) und der Nerthus eiland (s. 208).

In dem meer selbst hausten Oegir (s. 196) und Rân (s. 258), die wellen heißen ihre töchter; die edda nennt neun wellen und zählt ihre namen auf (Sn. 124. vgl. die räthsel der Hervararsaga s. 478. 479). mich gemahnt das an die nona unda im Waltharius 1343 und an den fluctus decumanus. es muß noch einen andern gott des meers gegeben haben, Geban (s. 198 vgl. s. 258). nach der edda liegt in dem tiefen meer ein ungeheurer wurm, miđgarđsormr, der sich in den schwanz beißt und die ganze erde umspannt. auf die unermeßlichkeit des oceans (goth. marisáiv) gehen die ahd. namen endilmeri und wendilmeri (Graff 2, 829), vgl. enteo und wenleo (s. 467), entil und wentil (s. 311). einen ags. 500 ausdruck gârsecg habe ich (zeitsch. f. d. a. 1, 578) zu erklären gesucht. wie die flut keinen missethäter in sich duldet, ist ›daz mer so reine, daz ez keine bôsheit mac gelîden‹. Wiener merfart 392Nachtrag: Dem fluß wird geopfert (s. 36 und 409), ein renntier. Castréns reise 342. beim waten durch lauteres wasser wird ein gebet gesprochen. Hesiod. έργα 735. beim flußübergang wird das auspicium angestellt. Rudorff 25, 218, wasserproben im Rhein, RA. 935. vgl. die Fontinalia. Rudorff 15, 221. der fluß oder see wird oft persönlich gedacht. so leiht man in irischen märchen 1, 86. 87–89. 2, 144–152 den see aus und trägt ihn in einem zipfeltuch weg. der fluß hat dreimal laut gelachet. Fleming 373. es gibt einen mythus von dem berg oder waldgeist, der die flüße versteubt. Praetor. Katzenveit s. 102–106. vgl. die stiebende brugge. Habsb. urbar 94, 4 = teufelsbrücke. beim nahenden frühling heißt es in Dänemark von einem gott oder genius: kaster en varm steen i vandet. Finn Magnusen lex. 958. ist darunter Thor verstanden?

Seltsam wird MB. 13, 18. 42 ein Adalbero filius Danubii genannt, 13, 96 Alberus filius Danubii, 13, 95 Gozwinus de Danubio, Albertus et Engelbertus de Danubio. persönlich erscheinen auch Neckar, Lahn, Leine (anm. 1238). vgl. auch Hebels personification des flußes Wiese.

Mit dem begrif ouwe vergleiche man das ags. holm, mare profundum, während das altn. hôlmr insula, alts. sogar holm collis bedeutet. auch die Celten kannten heilige inseln. Mone heidenth. 2, 377–380.

Das meer, goth. marei fem., alts. marî fem., ahd. meri m. u. n., hat etwas göttliches. εις άλα δι̃αν begegnet Od. 11, 2 und oft. lett. bedeutet deewa uppe gottes fluß das weltmeer. Bergmann 66. ihm brachte man opfer: nostri quidem duces mare ingredientes immolare hostiam fluctibus consueverunt. Cic. de Nat. D. 3, 20. Homer legt dem meer einen rücken (νώτος) bei. das braucht nicht auf tiergestalt zu gehen, denn schon ahd. sind die ausdrücke: mers buosen, meres barm. Graff 3, 154. es ist den menschen gram: daz wilde mer ist mir gram. En.7659. das wasser gram, das böse mer. Diocl. 7336. de sture sê. Partonop. 95, 27. es ist wild, tobt und wütet: saevum mare. Tac. hist. 4, 52. über den wilden sê. MS. 1, 72b. daz wilde mer. troj. kr. 6922. Livl. reimchr. 3827. 3926. Griesh. 2, 31. des wilden mers fluot troj. kr. 6839. des wilden wâges fluot. Gerh. 3966. (des wâges fluot. Gerh. 5267. 5899. des wâges trân. 6453. des wilden meres grunt. Livl. reimchr. 3648. daz tobende mer. troj. kr. 5907. daz wilde tobende mer. troj. kr. 6856. der tobende wilde sê. das. 24996. daz wüetunde mer. Servat. 3260. Wigands wetzl. beitr. 2, 224. mer betéc. Ogier 2816. prov. mar betada. Rayn. s. v. bis an das wütende meer. weisth. 2, 191. de ruskende see. Uhl. volksl. 200. 201. θάλασσα πολύφλοισβος bei Homer. nhd. die tosende, brausende see. das wallende mer. H. Sachs 1, 455d. das grundgewelle. Schwabs Bodensee s. 300. das wibende wabende wasser. Garg. 111a. im Kulmer recht steht: die gewaltige see, Cädm. 7, 2 sid väter. das. meer heißt fries. auch salt, skr. lavanâmbhas mare salsum, welsch hallfor salt sea, ir. muir salmhar, ags. sealt väter Cädm. 13, 6. warum das meer salzig ist, erzählt Sn. 147. das meer ist rein, es leidet kein blut. Anno 227. 228, wie das schif keinen todten leichnam leidet. pass. f. 379b. es stillt sich, sobald Jonas hineingeworfen. Grieshaber 2, 33. Wirkliche eigennamen des meers sind Oegir (s. 196), womit man das ags. väteregesa und Tit. 2567 ›diu freise der wilden unde‹ zusammenhalte, dann Gŷmir (vgl. gymis leođ qveđa. Yngl. s. cap. 36), Brîmir, das mit brim zusammenhängt, und Geofen (s. 198). eigentümliche bezeichnungen des meeres sind: wendilmeri, endilmeri, lebermeri. Graff 2, 820. ags. vendelsae ist bei Alfred das schwarze meer, nur ein teil des mittelländischen. daz tiefe wentelmere. Diut. 3, 48. wendelsê. Tundal. 42a, 4 und oft im Morolt. wendelzee. Bergh nl. volksr. s. 146. lebermer Wh. 141, 20. Tit. 5448. 6005. Amûr 1730. fundgr. 2, 4. Haupts zeitschr. 7, 276. 294. Wigalois s. v. in dem rôten lebermer. Barl. 262, 16. labermer. Ernst 3210. leversê Walew. 5955. leverzee v. d. Bergh 103. 127. zu diesem ausdruck vergleiche die meerlunge πλεύμων θαλάττιος bei Pytheas. Finn Magnusen leitet diese lunge aus dem zerschnittenen Ymir. gârsecg vgl. myth. 1. aufl. vorr. XXVII. Haupts zeitschr. 1. 578. Dahlmann forsch. 1, 414 deutet gars-ecg erdrand, ecke, Kemble gl. s. v. secg meint: homo jaculo armatus! statt gârsecg im periplus schreibt Rask garsege und erklärt nichts. vgl. Cädm. 8, 1. 195, 24. 199, 27. 205, 3. Beov. 97. 1024. altn. lagastafr ist zugleich meer, wie saat. Sæm. 50b. 51b. Gudr. 1126. 1128 hat daz vinstermer. endlich Dumbshaf, Dauđahaf. fornald. s. 2, 4. Das meer dringt an und weicht zurück, hat ebbe und flut. über ebbe vgl. gramm. 3, 384 und kl. schr. 3, 158. über die angeblich gleichbedeutigen friesisch-sächsischen bezeichnungen malina und liduna vgl. gramm. 3, 384 anm. altn. bedeuten kôlga und ôlga aestus maris. er saman qvômo kôlgo systir (fluctus undantes) ok kilir lângir. Sæm. 153a. ebbe und flut heißen gr. άμπωτις und ραχία. Pausan. 1, 3. ir. contraiht und robart. Zeuss 833. des meeres wellen werden oft als belebte wesen aufgefaßt:

nâmen ez die unden,
diu eine ez der andern gap
unde truogenz verre sô hinab.   pass. 313, 73.

drei sturzwellen sind drei hexen und werden verwundet. Müllenhoff s. 225. auch die wasserhose ist eine hexe. Müllenhoff das. zu den neun wellen vgl. Passow s. v. τρικυμία, πεντακυμία. εν τρικυμίαις φερομένω. Procop 1, 318. erst bei der neunten welle im sturm sinkt das schif. Wright 1, 290 nach Leo Allatius. die neunte welle kommt auch in den ir. sagen und märchen 1, 86. vor. altn. heißt skafl unda decumana, wol nur maxima von skefla acervare.

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II. Feuer.

gleich dem wasser gilt das feuerbenennungen gr. 3. 352; eddische Sæm. 50b Sn. 187. 188. für ein lebendiges wesen, und jener benennung quecprunno (s. 488) entspricht quecfiur, daz quecke fiwer. Parz. 71, 13; serb. vatra shiva (Vuk 1, xlvi) ogan shivi (Vuk 3, 8. 20). τὸ πυ̃ρ θηρίου έμψυχον bei Aegyptern, Herod. 3, 16; ignis animal. Cic. de N. D. 3, 14, also ein fressendes, hungriges, nimmersattes thier, vorax flamma, frekr (avidus) Sæm. 50b, bitar fiur. Hel. 78, 22. bitar logna. 79, 20. grâdag logna. 130, 23. grin endi grâdag. 133, 11. eld unfuodi (insatiabilis) 78, 23; es leckt mit der zunge, frißt um sich, weidet, νέμεται Il. 23, 177; das land wird von ihm abgeweidet πυρὶ ξθὼν νέμεται Il. 2, 780; altn. lêztu eld eta iöfra bygdir. Sæm. 142a; es ist rastlos, ακάματον πυ̃ρ Il. 23, 52. Anrede bezeichnet lebendige dinge: ›heitr ertu hripuđr!‹ (heiß bist du feuer) Sæm. 40a. Schon den Persern war es ein gott, und das ind. Agni = ignis wird für einen gott angesehn. Nach der edda ist das feuer bruder des winds und des meers, darum selbst belebt und göttlich. Sn. 126. Das volk vergleicht dieses element einem von haus zu haus fliegenden hahn: ›ich will dir einen rothen hahn aufs dach setzen‹ ist drohung des mordbrenners. ›ein roten han aufs stadel setzen‹. H. Sachs IV. 3, 86d. rôter schîn Gudr. 786, 2.

Einer uralten, heidnischen benennung des weltfeuers, altn. muspell, ahd. alts. muspilli, mudspelli, mutspelli, wurde schon s. 463 gedacht. die hier einschlagenden mythischen bezüge können erst im verfolg entfaltet werden, des namens sinn scheint so viel als ligni perditor, wie auch das feuer sonst bani viđar, grand viđar (Sn. 126), her alls viđar (Sæm. 228b) heißt. ein andrer schwieriger ausdruck eikin fur findet sich Sæm. 83b. von vafrlogi (waberlohe), wobei man sich des mhd. ausdrucks ›daz bibende fiwer‹ (Tund. 54, 58) entsinnt, zu handeln, verspare ich gleichfalls. vgl. cap. XXXI. irwischNachtrag: Das feuer ist ein lebendiges wesen. mit dem quecfiur vergleiche man queckiu lieht. Ernst 2389. man tödtet es: trucidare ignem. Lucret. 6, 146. man weckt es: äled veccan. Cädm. 175, 26. baelfŷra maest veccan. Beov. 6281. es ist wild vgl. wildes feuer (s.501. 149) Logi villieldr. Sn. 60. das wildfeuer. Uhl. volksl. s. 813. Hans Wildsfewer. MB. 25, 375. ein wildez viur sluoc in daz dach. troj. kr. 11317. daz wilde fiur spranc ûz den vlinsen herte. das. 12555. daz grimme wilde fiuwer. Rab. 659. daz starke wilde fiuwer. Rab. 698. daz wilde fiuwer ûz den swerten spranc. Rab. 412. daz grimme fiur als ein loup ûz den huofîsen stoup. Dietr. 9325. daz fiuwer vlouc freislich ûz helmen und ûz ringen. das. 8787. das feuer ist ein fressendes, verzehrendes thier. strudende (verheerendes) fŷr. Cädm. 154, 15. die flamme macht schlafen. Simplic. 2, 293. 294. brond (glêđ) sceal fretan. Beov. 6024. 6223. in pabulum ignis, in fuatar des fiures. Diut. 1, 496a. dem viure geben ze mazze (zur speise). fundgr. 2, 131. das feuer ist gleich der hölle und dem geize unersättlich. Freid. 69, 5. das feuer spricht nie: ›es ist genug!‹ prov. Salom. 30, 16. eld von alan bedeutet ignis pastus, die genährte, ruhige flamme. vgl. εκ δὲ θυμάτων ‛Ήφαιστος ουκ έλαμπε. Soph. Antig. 1007. das feuer leckt: litth. ugnis laizdo pro stoga, das feuer leckt am dach. vgl. zunge, zungal s. 583. sieben entzündungen oder sieben zungen des feuers. Colebrook essays 1, 190. es greift und stiehlt: fŷres feng. Beov. 3525. se fŷr beođ peof. Ine 43, wie Loki und der teufel. das feuer spielt: leikr hâr hiti. Sæm. 9b. leiki yfir logi! Sæm. 68b. leikr yfir lindarvâđi. das. 192a. lâcende lig. El. 579. 1111. lar (das feuer) super turrim saliit. Abbo de b. par. 1, 548. es fliegt auf wie ein rother hahn (s. 558). den rothen hahn zum giebel ausjagen. Schottel 1116b. der rothe hahn kräht aus dem dach. Firmenich 1, 292b. der gelbe hahn. das. 1, 208a. vgl. blâcan fŷres ignis pallidi. Cädm. 231, 13. feuer glänzt goldsamig. Holtzmann ind. sag. 3, 194. faces aureas quatiunt comas. Catull. 59, 92. es wandert: feuer, nigram viam habens. Bopp gl. 83a. Holtzmann ind. sag. 3, 194. in der edda ist das feuer bruder des winds und des meers, so heißt skr. pâvaka ignis d. i. reiniger von pû (anm. 1603). Bopp vocal. 205. vergl. gramm. 126 n. ausg. 213. 216 und pavana wind von derselben wurzel. Bopp vergl. gramm. 124. und das feuer wird geradezu vajusakhi, genosse des winds genannt. das feuer fließt: daz viur vlôz. Livl. reimchr. 5956. holst. bedeutet warmer regen eine feuersbrunst. Schütze 4, 340. altn. hripuđr feuer. Sæm. 40a scheint von hripa perfluere zu stammen.

Es gab eine zeit, wo man noch nichts vom feuer weiß, wie denn die riesen kein feuer haben (anm. 1346). fiure was in tiure. Gudr. 104, 1. jener zeit gedenkt noch Kalevala 16, 247. 248 (Castrén 1, 195) und unser kindermärchen. das feuer gehörte den göttern und wurde von Prometheus gestohlen und den menschen gegeben. nach dem finnischen liede wird es geschaffen, ein adler schlägt den Wäinämöinen das feuer an. Petersb. auszug 3. nach andern überlieferungen hat es ein kleiner vogel (rebló, troglodyte) vom himmel geholt. Pluquet s. 44. Bosquet 220. der feuerlosen zeit steht im dän. arildtid gegenüber, von arild feuerstätte, ild feuer vgl. schwed. äril focus, westg. arell, helsing. areld.

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Ein eigentlicher feuerdienst scheint von beschränkterem umfang, als die verehrung des wassers; nur in der stelle des ags. verbots (s. 84) finde ich des feuers, nicht in den übrigen gedacht. auch mag ein theil des ihm gewidmeten cultus in dem der leuchtenden und wärmenden sonne begriffen sein, wie schon Jul. Caesar (oben s. 85) sol und Vulcanus, und die edda, beide als das höchste preisend, feuer und sonne, nebeneinander nennt; ›eldr er beztr med ŷta sonum ok sôlar sŷn‹. Sæm. 18b; feuer ist das beste für die menschen (nach Pindar wasser das beste). Die observatio pagana in foco (abergl. B, 17) beziehe ich auf die flamme des heerds 501 oder ofens; wo heerdfeuer brennt, schlägt kein gewitter ein (abergl. 126), wo es prasselt, da entsteht streit (no. 322. 534). man halte die norwegische deutung (s. 201) dazu; so lange ein kind ungetauft ist, soll man das feuer nicht löschen (schwed. abergl. 22.) vgl. kasta eld, taga i elden (das. 24. 25. 54. 68. 107).

Die Ehsten werfen in das feuer, wie ins wasser, geschenke (abergl. 11); sie opfern der flamme ein huhn (no. 82), sie zu beschwichtigen.

Man scheint woltätiges und feindseliges feuer unterschieden zu haben, zu jenem rechneten die Griechen das schwefelfeuer, da sie den schwefel θει̃ον (göttlichen rauch) nennen (Il. 8, 135. Od. 22, 481. 493); in altfranz. gedichten finde ich oft die verwünschungsformel: mal feu arde! Tristr. 3791. maus feus et male flambe m'arde! Méon 3, 227. 297. Ren. 19998. dies böse feuer stellt der nord. Loki dar, und wie Loki oder der teufel los wird, sagt man auch von dem entstehenden feuer, daß es los werde, ausbreche, auskomme (gleichsam aus haft und fessel): ›worde vür los‹ urk. in Sartorius hanse s. 27, der gewöhnliche feuerruf in Niederdeutschland war ›für los‹!; altn. ›einn neisti (funke) vard laus‹.

Beschwörungsformeln behandeln das feuer als ein höheres, feindliches wesen, dem man mit aller gewalt entgegentreten muß. Tacitus ann. 13, 57 berichtet, wie die Ubier aus der erde geschlagnes feuer dämpften: residentibus flammis propius suggressi ictu fustium aliisque verberibus ut feras (vorhin s. 500.) absterrebant, postremo tegmina corpore direpta injiciunt, quanto magis profana et usu polluta, tanto magis oppressura ignes. So pflegt man schätze, auf welchen feuer glüht, mit einem schon auf bloßem leibe getragnen kleidungsstücke zu bewerfen, oder auch erde, aber schon mit dem fuß betretene auf die flammen zu werfen. Rupertus tuitiennis de incendio oppidi tuitii (a. 1128) meldet, daß man ein altartuch (corporale) mitten in die flamme, um sie zu ersticken, gestoßen, diese das tuch zurückgeschleudert habe. das weiße tuch blieb unversehrt, war aber von rothem streif durchzogen. ähnlich war das werfen der kleider in den see (s. 496). Ausbrechenden erdfeuers (iarđeldr) gedenken die isl. sagen verschiedentlich: abends sah man einen großen, feindseligen mann auf eisernem kahn ans land rudern und unter der stallthür graben: nachts kam da erdfeuer aus und verzehrte alle wohnungen. Landn. 2, 5; ›iarđeldr rann ofan‹. daselbst 4, 12Nachtrag: Das feuer ist heilig. ignis sacer bedeutet den blitz. Amm. Marc. 23, 5. vgl. igne felici. Grotefend umbr. 7, 5. das feuer heißt ein opferesser. Holtzmann ind. sag. 1, 24. 26, viermal bei Bopp gl. 401b. eldr sâ er aldri sloknađi, man nannte es vigđan eld. Landn. ed. nov. s. 336. Da das feuer oft als feindselige macht auftrat, ward es zur verwünschung gebraucht, oder beschworen. weitere französische verwünschungsformeln sind: male flambe t'arde! Ren. 20762. feu arde son musel! Berte 116. vgl. Holland zu Yvain s. 222. der feuerruf in Ostgotland war: kumbär eldär lös. Östg. lag 229. Feuersegen theilt Mone anz. 7, 422. 427 mit. der brand wird besprochen mit den worten: brand stand als dem dode sein rechte hand! Wolfs zeitschr. 1, 337. wer das feuer besprechen kann, hinter dem springt es her, während er es bespricht, und er muß hurtig davon laufen (Meiningen). Haupts zeitschr. 3, 363. Remigius jägt das feuer in die flucht und schließt es ein. Flodoardus 1, 12. weiße engel löschen das feuer. (anm. 9 und s. 303.) das feuer wird durch schon getragne kleidungsstücke unterdrückt, dagegen fällt in einer Lütticher sage das erdfeuer leute an, die neue, ungewaschne kittel tragen, und wird mit stricken, ruthen, stöcken gegeißelt. Wolf ndrl. s. no. 407. ausbrechendem helleviur, das nicht vertreten werden kann, muß ein geschmückter ritter geopfert werden. Ksrchr. 1138. 1141. 1160–1172. 1229. er will auf seinem pferde das feuer versprechen und stürzet den hals. der Gausenmacher, schauspiel. Leipz. 1701. s. 152. 156 und die vorrede dazu. von einer feuerlöschung mit dem pferd ist auch die rede. Thür. zeitschr. 2, 505. um ein feuer zu löschen, wird eine sechswöchnerin, deren füße die erde nicht berühren dürfen, zum feuer getragen und muß unter kauderwelschen sprüchen ein neugebacknes brot in die flammen werfen (Östreich). über feuerlöschen und viehaustreiben s. Tettau und Temme preuß. sag. 263. es gab leute, die ein feuer vorbrennen sehen, dann muß der von ihnen bezeichnete balken herausgenommen oder das feuer mit einem pfropfen in eine eiche gebannt werden. Müllenhoff s. 570. bei Ossian heißt es: eichen ausziehen, dasz das feuer daraus springt. Feuer springen aus der erde wie wasser. Pausan. II. 34, 2. ein michel vûwer sich truoc ûf (? ûz) der erden munde. pass. 359, 58. als viurîn urspringe dâ waeren ensprungen. Lanz. 2590. feuerbrennende berge sieht man wol auf siegeln des 14. jh. MsH. 4, 280a vgl. Pyrmont, Brennenberg. Auf dem helm geschlagnes feuer kann man mit einem ›schoube‹ fangen. Er. 9206. eier löschen feuer: holt lescid van eia, wâdi ne brennid. ovorum autem tantam vim esse dicunt, ut lignum eis perfusum non ardeat, ac ne vestis quidem contacta aduratur. gl. argentor. Diut. 2, 194a. feuer wird mit milch, kamelmilch gelöscht. Ferabr. 3348..

Für undiensam zu heiligem geschäft galt feuer, das eine zeitlang unter menschen gebracht worden war, sich von brand zu brand fortgepflanzt hatte; wie heilwasser frisch an der quelle geschöpft werden muste, kam es darauf an statt der profanen, gleichsam abgenutzten flamme eine neue zu verwenden. diese hieß das wilde feuer, gegenüber dem zahmen, wie ein hausthier eingewohnten; so im kampf der helden ›des fiurs ûz den ringen hiuwen si genuoc‹. Nib. 2215, 1; ›ûz ir helmen daz wilde fiwer von den slegen vuor entwer‹. altd. bl. 1, 339; ›daz fiur wilde 502 wadelende drûze vlouc‹. Lanz. 5306; ›si sluogen ûf einander, daz wilde fiur erschein‹. Etzels hofh. 168Nachtrag: Bei den Indern gab es dreierlei feuer: gewöhnliches, himmlisches und geriebenes. Holtzmann ind. sag. 3, 112. bei Oegir war ›lŷsigull fyrir eldsliôs‹. Sæm. 59. aus helmen und schwertern kommt feuer und licht. ob in des fiures zerinnet, daz kunnen sie wol suochen in helmspange. Tit. 3222. bei den Asen leuchtet das schwert. Sn. 79. das schwert leuchtet im dunkel. Landn. 1, 5.

sîn swert hiez si in bar
nenren sunder sîn gewant . . .
daz erz mit im naeme
sô'r in die helle quaeme
in die vinsternisse,
daz er im gewisse
damite liuhten solde.   En. 2858.

bei Virgil zieht Aeneas auch das schwert (6, 260. 291), aber nicht um zu leuchten, sondern um zu schlagen.

zuch hervor dîn swert,
dû tragez in dîner hand bar
unde liuhte dir dâ mite. En. 3172,

wozu nichts ähnliches bei Virgil.

flinteld wird über das vieh geschlagen. Dybeck runa 1844, 7. die beim behauen des balkens fliegenden funken künden brand des hauses an, in das der balken kommt. Müllenhoff s. 570.

. Zwar das aus dem stein geschlagne oder geschürfte feuer hätte allen anspruch darauf ein neues und frisches zu heißen, doch diese weise schien entweder zu gewöhnlich (flammam concussis ex more lapidibus elicere, vita Severini cap. 14), oder die erzeugung aus holz wurde für althergebrachter und geheiligter angesehen. entsprang zufällig unter der hand des zimmermanns beim einschlagen des nagels in die zusammengefügten balken des neuen hauses solch ein wildes feuer, so ist das vorbedeutsam und gefährlich (abergl. 411. 500. 707). Hauptsächlich aber gab es eine feierliche weckung der flamme aus holzreibung, wofür von alters her der name notfeuer bekannt ist, dessen gebräuche sich fast unzweifelhaft auf heidnische opfer zurückleiten lassen.

Schon der indiculus superstit. 15 redet ›de igne fricato de ligno id est nodfyr‹; das capitulare Carlomanni von 742 § 5 (Pertz 3, 17) verbietet ›illos sacrilegos ignes quos niedfyr vocant‹unkundige schreiber machten daraus metfratres, die capitularia spuria Benedicti 1, 2 (Pertz IV. 2, 46) haben nedfratres..

Die zubereitung des notfeuers wird verschiedentlich beschrieben: ich halte es der mühe werth, alle solche erzählungen hier zu sammeln. Lindenbrog im glossar zu den capitularien sagt: rusticani homines in multis Germaniae locis, et festo quidem .s. Johannis baptistae die palum sepi extrahunt, extracto funem circumligant, illumque huc illuc ducunt, donec ignem concipiat: quem stipula lignisque aridioribus aggestis curate fovent, ac cineres collectos supra olera spargunt, hoc medio erucas abigi posse inani superstitione credentes. eum ergo ignem nodfeur et nodfyr, quasi necessarium ignem vocant. Joh. Reiskiusrector der schule zu Wolfenbüttel, vgl. Gericken Schottelius illustratus. Lp. 1718 p. 66. Eccard Fr. or. 1, 425. untersuchung des notfeuers. Frankf. u. Leipz. 1696. 8. p. 51: ›wenn nun sich etwan unter dem großen und kleinen vieh eine böse seuche hat herfürgethan und die heerde dadurch bereit großen schaden erlitten, werden die bauren schlüssig, ein nothfür oder nothfeuer anzumachen. auf bestimmten tag muß in keinem hause noch auf dem heerde sich einzige flamme finden. aus jedem hause muß etwas von stroh und wasser und buschholz herzugebracht werden, darauf wird ein starker eichenpfahl in die erde feste geschlagen und ein loch durch diesen geboret, in dasselbe wird eine hölzerne winde eingestecket, mit wagenpech und theer wolgeschmieret, auch solange umgedrehet, bis es nach heftiger hitze und nothzwang feuer geben kann. solches wird sofort mit materialien aufgefasset, durch stroh, heide und buschholz gemehret, bis es zu einem vollen nothfeuer ausschläget, dieses aber muß in die länge zwischen wänden oder zäunen sich etwas ausbreiten, und das viehe nebenst denen pferden mit stecken und peitschen drei oder zweimal 503 hindurch gejaget werden. Andere schlagen anderswo zwei durchborete pfäle, stecken in die löcher eine walle oder winde nebst alten, fettbeschmierten lumpen. andere gebrauchen einen härnen oder gemeinen dichten strick, suchen neunerlei holz zusammen, und halten so lange mit gewaltsamer bewegung an, bis feuer herabfalle. vielleicht mögen noch mehr arten bei dieses feuers generation oder anzündung sich finden, alle dennoch werden bloß auf die cur des viehes eingerichtet. Nach drei oder zweimaligem durchgang wird das viehe zu stalle oder ins feld getrieben, und der zusammengebrachte holzhaufen wieder zerstöret, jedoch solchergestalt an etlichen orten, daß jedweder hausvater einen brand mit sich tragen, in der wäsch oder spültonne ablöschen und solchen in die krippe, worin das vieh gefüttert wird, auf einige zeit beilegen lasse. die zum nothzwang des feuers eingeschlagnen pfäle und das zur winde gebrauchte holz wird bisweilen zu feuermaterialien mitgezogen, bisweilen verwahrlich beigelegt, wenn zuvor mit dem viehe die dreimalige jagd durch die flamme ist vollführt worden‹. Marburger untersuchungsacten vom j. 1605 enthalten, man solle ein neues wagenrad mit noch ungebrauchter achse nehmen und solange umtreiben, bis es feuer gebe, dann davon eins zwischen den pforten machen und alles rindvieh hindurch treiben; ehe aber das feuer entzündet wird, muß jeder burger sein feuer rein auslöschen und sich hernach wieder brand von jenem holenzeitschr. des hss. vereins 2, 281.. Kuhns märkische sagen s. 369 melden, in vielen gegenden der Mark hersche bei gewissen gelegenheiten die sitte ein nothfeuer anzumachen, namentlich geschehe es, wenn man kranke schweine habe. zwei pfähle von trocknem holz werden vor sonnenaufgang unter feierlichem schweigen in die erde gegraben, und hanfene stricke um sie herum so lange hin und her gezogen, bis sich das holz entzündet; darauf wird das feuer mit laub und reisern genährt und man jagt die kranken thiere hindurch. an einigen orten bringt man das feuer durch reibung eines alten wagenrades hervor. Folgende schilderung ist die neuste und aus Hohenhameln, im hildesheimschen amt Baldenberg mitgetheilt: in vielen orten Niedersachsens, zumal des gebirges, herscht die gewonheit, um viehseuchen vorzubeugen, das sogenannte wilde feuer zu bereiten, durch welches dann zuerst die schweine, dann die kühe, zuletzt die gänse getrieben werdenvon schafen ist keine rede; wenn vielleicht auch hahn und hüner durch die kohlen musten, so erklärte sich ein noch unerklärtes sprichwort (Reinh. xciv).. das dabei hergebrachte verfahren ist dieses. bauermeister und gemeinde versammeln sich, jedem einwohner wird angesagt, alles feuer in seinem hause so völlig zu löschen, daß auch nicht ein funke im ganzen dorfe brennen bleibt. dann wandert jung und alt an einen holweg, gewöhnlich gegen abend, die weiber linnen, die männer holz und werg tragend. zwei eichne pfäle werden anderthalb fuß von einander in die erde getrieben, jeder pfal hat 504 eine gegeneinander über stehende vertiefung, in welche ein armdicker querstock passt. die vertiefungen sind mit linnen gefüllt und der querstock wird nun so fest als möglich eingedrängt, stricke halten die pfäle oben zusammen. den runden, glatten querstock umwindet ein seil, dessen lange zu beiden seiten bleibende enden von mehrern leuten gefaßt werden. diese ziehen nun den querstock auf das schnellste hin und her, so daß durch die reibung das linnen in den vertiefungen sich entzündet. die funken des linnens werden alsbald in weg oder heede gefangen und so lange im kreise herumgeschleudert, bis die helle lohe daraus schlägt, an sie wird stroh gebracht, und mit der strohflamme das im holweg schichtenweise geordnete reisholz angezündet. Ist dies holz in vollen brand gerathen und hat es beinahe ausgebrannt, so eilt das volk zu den hinten wartenden heerden und treibt sie mit gewalt, eine nach der andern durch die glut. Sobald alles vieh hindurch ist, fallen die jungen leute mutwillig über asche und kohlen her, einander bestreuend und schwärzend; die am meisten bestreut und geschwärzt erscheinen, ziehen als sieger hinter dem vieh ins dorf ein, und waschen sich lange nicht abwird nicht auch ein brand oder licht zur feueraustheilung im dorfe mit nach haus genommen?. Falls nach langer reibung das linnen nicht fangen will, vermutet man, daß noch irgendwo feuer im dorfe sei, und das element abhalte, sich in reibung zu offenbaren: dann erfolgt strenge hausdurchsuchung, das angetroffene feuer wird gelöscht und der hauseigenthümer gestraft oder gescholten. Das wilde feuer muß aber unerläßlich durch reibung hervorgebracht, darf nicht mit stahl und stein geschlagen werden. Einige ortschaften bereiten es nicht jährlich, um der viehseuche vorzubeugen, sondern erst bei deren wirklichem ausbruch.

Diesen genauen angaben entgeht dennoch mancher kleine umstand, auf dessen beachtung wenigstens in andern gegenden gesehen wird. So müssen im Halberstädtischen die stricke der holzwalze von zwei keuschen knaben gezogen werdenBüschings wöchentliche nachr. 4, 64, wie auch ein keuscher jüngling gegen den rothlauf feuer schlagen soll (abergl. 710).. Im nördlichen Deutschland ist das notfeuer länger und häufiger in gebrauch gebliebenvgl. Conring epist. ad Baluz. xiii. Gericken Schottelius p. 70. Dähnert s. v. noodfür., doch auch dem südlichen nicht unbekannt. Schmeller und Stalder geschweigen seiner, im Appenzeller land besteht noch das kinderspiel, daß sie ein seil auf einem stücke holz so lange reiben, bis es feuer fängt, das nennen sie ›de tüfel häle‹, den teufel entmannen, ihm seine kraft raubenZellweger gesch. von Appenzell. Trogen 1830. 1, 63, welcher bemerkt, daß man mit der asche des solchergestalt erzeugten feuers die felder bestreue, um sie vor ungeziefer zu schützen.. nach Tobler 252b heißt aber bei knaben ›de tüfel häla‹, ein spitzes holz von einer schnur umschlungen in einem holzgrübchen schnell drehen, daß es feuer fängt. die 505 benennung könnte wieder auf Loki, den teufel und feuergott, anspielen (s. 200. 201). Nicol. Gryse (in einer nachher beigebrachten stelle) redet von einem sägen des feuers aus dem holze, wie anderwärts eines symbolischen entzweisägens der alten frau meldung geschieht. in der practica des Berthol. Carrichter, leibarztes Maximilian des II wird (wie ich entnehme aus Wolfg. Hildebrand von der zauberei, Lp. 1631 p. 226) ein zauberbad beschrieben, das nicht an gemeinem (stahlgeschlagnem) feuer gekocht werden darf; es heißt: geh zu einem apfelbaum, da der donner eingeschlagen hat, aus dessen holz lass dir eine säge machen, mit dieser sägen soltu auf einer hölzen schwelle, darüber viel volks geht, so lange sägen, bis es sich anzündet. dann mach holz aus birkenschwämmen und zünd es bei diesem feuer an, mit dem du das bad zurichtest, und laß es bei leibe nicht ausgehnNachtrag: Miedes hasenmelker s. 43 enthält eine schilderung des wilden feuers. das notfeuer müssen zwei brüder, oder wenigstens zwei mit demselben taufnamen reiben. (Fischers) buch vom aberglauben. Lpz. 1791. s. 177. mehreres neue über das notfeuer ist gesammelt von Colshorn 231. 232 und 350. 351. der meklenburgische brauch wird von Lisch 6b, 127, der brauch der mährischen hirten von Kulda (d'Elv.) 123. 124 geschildert. der riese reibt feuer aus steinen. Rother 1041 (nach zwei lesarten). das im rechenbuch der stadt Frankfurt a. 1374 zweimal erwähnte, in der Johannisnacht vorgenommene notten führt auf die angegebene wurzel hniudan zurück..

Nôtfiur läßt sich aus nôt (necessitas) herleiten, sei es, weil das feuer gleichsam genöthigt wird zu erscheinen oder das vieh die glut zu betreten, oder seine bereitung in zeiten der noth, der seuche erfolgt. nichts desto weniger will ich eine andere erklärung versuchen, notfiur, nodfiur dürfte stehen für ein älteres hnotfiur, hnodfiur, von der wurzel hniudan, ahd. hniotan, altn. hniođa, quassare, terere, tundereahd. pihniutit (excutit) gl. ker. 251. hnotôt (quassat) das. 229. hnutten (vibrare) das. 282; N. hat fnotôn (quassare) ps. 109, 6. Bth. 230; vgl. nieten (stoßen). altn. lebt hniođa in hnođ (tudes, malleus) hnođa (depsere) hnuđla (subigere). man dürfte hnôtfiur und hnotfiur (hnutfiur) schreiben, je nachdem der ablaut des sg. oder pl. dabei waltete. vielleicht wäre nicht einmal auf dem H zu bestehen, sondern das ahd. niuwan, altn. nûa (terere, fricare) zu erwägen, aus dem sich durch ableitung ein subst. nôt entwickelt hätte. ja man könnte weiter zu der annahme fortgehn, daß nôt, náuþs, nauđr (necessitas) ursprünglich den begrif von drang und druck enthalte? (vgl. Graff 2, 1032. 4, 1125.); es wäre ein durch gewaltsames stoßen, reiben, schütteln gelocktes.

Gerade so heißt es in Schweden vrideld oder gnideld von vrida (torquere, circumagere) ags. vrîđan, ahd. rîdan, mhd. rîden, und von gnida (fricare) ahd. knîtan, ags. gnîdan (conterere, fricare, depsere).

Bereitet wurde es in Schweden wie bei uns, durch heftiges aneinanderreiben zweier hölzer, in einzelnen gegenden noch gegen den schluß des vorigen jh.; bisweilen nahm man äste von neunerlei holz dazuIhre de superstit. p. 98 und im glossar s. v. wredeld. Finn. Magn. tidskr. for nord. oldk. 2, 294 nach Westerdahl. vgl. bjäraan, ein zaubergeräth cap. XXXIV.. der von gnideld aufsteigende rauch galt für heilbringend, obstbäume und netze damit geräuchert wurden fruchtbar und fiengen viele fische. von diesem räuchern mit vriden eld, vom austreiben des viehs über solchen rauch vgl. schwed. abergl. no. 89. 108. Man sieht, des notfeuers anwendung muß unter den Heiden weit manigfaltiger gewesen sein: in Deutschland zeigt sich nur ein rest davon im gebrauch für das erkrankte vieh. doch die abergläubische gewohnheit der mädchen, feuer von neunerlei holz 506 zu entzünden (no. 955), bestätigt uns einen ausgedehnteren begrif des alten notfeuersNachtrag: Die schwedischen berichte über das reibfeuer, gnideld lauten so: genom gnideld tagen i en ekestike från ett snöre, som så länge dragits fram och ater i en husdörr till dess det blifvit antändt och derefter 3 gånger ansyls förd omkring personen, samt med ett serdeles formulär signad, berökas och botas sjuka kreatur. dann: för samma ändamal borras hål uti en ek, hvaruti genom en pinne eld gnides, dermed antändes 9 slags träđ, öfver hvilken kreaturen böra gå. vgl. anm. 2721..

In Nordengland glaubt das volk, ein engel fälle einen baum (strikes a tree) und davon werde das notfeuer erlangt; rieb man es nur aus windfälligem holz? oder hat hier strike (streichen) andern sinn als den von fällen?

Bedeutsamer sind die schottischen und irischen hergänge, die ich gern in den worten der mittheilungen selbst gebe. Folgenden danke ich der güte von miss Austin, er stammt aus der insel Mull an der westküste Schottlands, und aus dem j. 1767. In consequence of a disease among the black cattle the people agreed to perform an incantation, though they esteemed it a wicked thing. they carried to the top of Carnmoor a wheel and nine spindles of oakwood. they extinguished every fire in every house within sight of the hill; the wheel was then turned from east to west over the nine spindles long enough to produce fire by friction. if the fire were not produced before noon, the incantation lost its effect. they failed for several days running. they attributed this failure to the obstinacy of one householder, who would not let his fires be put out for what he considered so wrong a purpose. however by bribing his servants they contrived to have them extinguished and on that morning raised their fire. they then sacrificed a heifer, cutting in pieces and burning, while yet alive, the diseased part. they then lighted their own hearths from the pile and ended by feasting on the remains. words of incantation were repeated by an old man from Morven, who came over as master of the ceremonies, and who continued speaking all the time the fire was being raised. this man was living a beggar at Bellochroy. asked to repeat the spell, he said, the sin of repeating it once had brought him to beggary, and that he dared not say those words again. the whole country believed him accursedNachtrag: Kühe oder kälber werden auch sonst geopfert, um die heerde gegen seuche zu schützen. när kalfvorne mycket bordö, skall man våldsamt fatta en vid hufvudet framsläppa honom ifrån kjötten och honom verkeligen halshugga öfver fähusträskeln (Rääf). eine lebendige kuh wird gegen die seuche in die erde gegraben. Wieselgren 409, ein stück der heerde unter die stallthür (s. 956). vgl. Wolfs märch. s. 327, wo der kopf einer kuh abgeschnitten und auf den söller gelegt wird (s. 994). mit der erzählung aus Northamptonshire (s. 507) vergleiche die ähnliche sage aus Cornwall in Hones daybook 1, 853..

In dem schottischen hochland (namentlich in Caithness) bedient man sich heute des notfeuers meist als eines mittels wider übernatürliche durch zauber hervorgebrachte viehkrankheitenich entlehne die bereitung aus James Logan: the scottish Gaël or celtic manners as preserved among the Highlanders. Lond. 1831. 2, 64, der aber hier fast wörtlich Jamiesons supplement to the scotish dict. s. v. neidfyre ausschreibt.. To defeat the sorceries, certain persons who have the power to do so are sent for to raise the needfire. upon any small river, lake, or island, a circular booth of stone or turf is erected, on which a couple, or rafter of a birchtree, is placed, and the roof covered over. In the centre is set a perpendicular post, fixed by a wooden pin to the couple, the lower end being placed in an oblong groove on the floor; and another pole is placed horizontally, between the upright post and the leg of the couple, into both which, the ends, being tapered, are inserted. this horizontal timber is called the auger (bohrer), being provided with four short 507 arms, or spokes, by which it can be turned round. as many men as can be collected are then set to work, having first divested themselves of all kinds of metal, and two at a time continue to turn the pole by means of the levers, while others keep driving wedges under the upright post so as to press it against the auger, which by the friction soon becomes ignited. from this the need-fire is instantly procured, and all other fires being immediately quenched, those that are rekindled both in dwellinghouse and offices are accounted sacred, and the cattle are successively mad to smell them. Noch mag Martins eigenthümliche beschreibungdescr. of the western islands. p. 113. raum finden: the inhabitants here did also make use of a fire called tinegin, i. e. a forced fire, or fire of necessityvon tin, irisch teine (feuer) und egin: ir. eigin, eigean (vis, violentia); dies scheint für die alte erklärung von nothfeuer zu sprechen, wenn es nicht gerade aus dem engl. needfire übersetzt ist., which they used as an antidote against the plague or murrain in cattle; and it was performd thus: all the fires in the parish were extinguishd, and then eightyone (9 × 9) married men being thought the necessary number for effecting this design, took two great planks of wood, and nine of 'em were employd by turns, who by their repeated efforts rubbd one of the planks against the other until the heat thereof producd fire; and from this forcd fire each family is supplyd with new fire, which is no sooner kindled than a pol full of water is quickly set on it, and afterwards sprinkled upon the people infected with the plague or upon the cattle that have the murrain. and this they all say they find successfull by experience: it was practisd on the mainland, opposite to the south of Skie, within these thirty years. Wie hier auf dem reibfeuer wasser gekocht, und dieses mit gleicher wirkung gesprengt wird, so erzählt Eccard (Fr. or. 1, 425), er habe eines pfingstmorgens pferdehirten feuer aus holz reiben und dabei ihren kohl kochen sehen, in der meinung, daß sie durch dessen genuß das jahr über frei vom fieber bleiben würden. Eine merkwürdige erzählung aus Northamptonshire, schon aus dem gegenwärtigen jh., bestätigt jenes opfer der jungen kuh auf Mull und zeigt, daß selbst in England abergläubische tödtungen eines kalbs vorgenommen wurden, um dadurch die ganze heerde gegen die seuche zu schützen: miss C— and her cousin walking saw a fire in a field and a croud round it. they said ›what is the matter?‹ ›killing a calf.‹ ›what for?‹ ›to stop the murrain‹. they went away as quickly as possible. on speaking to the clergyman he made enquiries. the people did not like to talk of the affair, but it appeared that when there is a disease among the cows or the calves are born sickly, they sacrifice (i. e. kill and burn) one ›for good luck‹.

Ohne zweifel war das notfeuer andern völkern außer den germanischen und celtischen, heilig. Die Krihks in Nordamerika 508 begehen ein jährliches erntefest, das mit dreitägiger strenger faste anhebt, während welcher in allen häusern die feuer gelöscht werden. am vierten morgen zündet der oberpriester durch zusammenreiben zweier trockner holzstücke neues, reines feuer an, das in alle wohnungen vertheilt wird, nun erst tragen die weiber das frische getraide und die neuen früchte vom erntefeld heimFr. Majer mythol. taschenb. 1811 p. 110.. die Araber haben zum feuerreiben zwei hölzer March und Aphar, jenes ist männlich, dieses weiblich. Chinesen sagen, kaiser Sui habe zuerst holz mit holz gerieben. die unbequeme reibung wird als heilige beibehalten. Inder und Perser drehen ein rohr in dürrem holze. Kannes urk. 454. 455Nachtrag: Das notfeuer oder wilde feuer heißt skr. reibfeuer, wobei ein männliches und ein weibliches holz an einander gerieben werden. Böhtling 1, 522. vgl. 1, 404. nach Kuhns rec. d. Rigv. s. 98 wird es aus der arani (premna spinosa) gerieben. Holtzmann ind. sag. 3, 122. ist das die aihvatundi? nach Webers ind. stud. 2, 4 entsteht das reibfeuer aus Pranava dem bogen, dem pfeil des selbst (der lotusblume). arab. heißen die alterthümlichen feuerreibhölzer zend das männliche, obere und zendet das weibliche, untergelegte, gehölte. das schlagen von stahl an stein gilt für barbarisch. Rückerts Hariri 1, 648. 649. finn. helavalkja ist ignis non ex silice, sed ex lignis duobus vi confricatis elicitus. auch kitkanvalkja, reibfeuer. Renvall 1, 64..

Noch anziehender ist es aber, die einstimmung altrömischer und griechischer sitte zu vergleichen. excerpte aus Festus (O. Müll. 106, 2) sagen: ›ignis Vestae si quando interstinctus esset, virgines verberibus afficiebantur a pontifice, quibus mos erat, tabulam felicis materiae tam diu terebrare, quousque exceptum ignem cribro aeneo virgo in aedem ferret‹. Das zufällig erloschene, heilige feuer der göttin durfte nicht anders angefacht werden, als durch frische erzeugung des reinen elements. ein brett, von auserlesnem holze heiliger bäume, wurde solange gebohrt, d. h. eine walze in ihm umgedreht, bis funken entsprangen. das tragen des feuers im sieb gemahnt an ein ähnliches tragen des wassers im sieb, wovon später bescheid gegeben werden soll. Nach Plutarch im Numa 9 gewann man neues feuer nicht durch reiben, sondern auffangen der sonnenstrahlen in bestimmten thönernen gefäßen. Die Griechen verehrten Hestia als reine heerdflamme selbstnec tu aliud Vestam quam vivam intellige flammam. Ovid. fast. 6, 295.. Aber Lemnos das eiland, auf welches Zeus den himmlischen feuergott Hephästos herabgeworfen hattenach der finnischen mythe fällt das von den göttern erzeugte feuer in knäueln herab zur see, wird von einem lachs verschlungen und hernach von den menschen im gefangnen fisch gefunden. runen p. 6–22., hegte eigenthümlichen feuercultus. neun tage im jahr wurde alles feuer gelöscht, bis aus Delos her ein schif neues vom heiligen heerde Apollos brachte: einige tage treibt es auf dem meer, ohne landen zu können, sobald es eingelaufen ist, wird jedem feuer zum häuslichen gebrauch mitgetheilt, und dann ein neues leben begonnen. Das alte feuer war nicht mehr heilig genug; indem seiner die menschen eine weile ganz entbehrten, sollten sie die wolthat des elements recht erkennen lernenPhilostrat. heroic. p. 740, Welckers trilogie p. 247. 248.Nachtrag: Ein ewiges feuer wurde bei Israeliten unterhalten III Mos. 6, 12. 13 und noch heute bei Persern und Guebern, wie bei den alten Parsen. ein ewiges feuer brannte auf dem altar der Minerva Polias in Athen. Pausan. I. 26, 7 und im tempel des Pan in Arcadien. Pausan. VIII. 37, 8. berühmte orakel bewahrten immer brennende feuer, wie das zu Delphi, dessen priester zur kriegszeit das heilige feuer nach Platää trugen. Plutarch Numa cap. 9 vgl. Valckenaer zu Herodot 6, 108. ebenso wurden die feuer von Delos nach Lemnos gebracht. Welcker Aeschyl. trilog. s. 247 ff. bekannt ist das ewige feuer der Hestia, Vesta. die colonien brachten ihr heiliges feuer mit aus der mutterstadt; erlosch es zufällig, so durfte es nur dort wieder angezündet werden. Larcher zu Herodot 1, no. 360. Wachsmuth hell. alterth. I. 1, 102. II. 2, 118. Münter rel. d. Carthager s. 49. ewiges feuer unterhielten auch die Samogiten. Lasicz 56. über die ewige lampe im Mariencultus s. Langes abh. von der ewigen lampe. verm. schriften Lpz. 1832. s. 191–204.. Auch der heiligen Brigida in Irland († 518 oder 521) wurde, gleich der Vesta, bei Kildare ewiges feuer unterhalten, ein geflochtner zaun umgab es, welchem männer nicht nahen durften; es anzublasen war nur mit bälgen gestattet, nicht mit dem mundeacta sanctor. calend. febr. p. 112b.. seine erzeugung ist nicht angegeben.

509 Alle diese bedeutenden einstimmungen, und die gebräuche des notfeuers selbst weisen auf hohes alterthum zurück. das rad scheint bild der sonne, von welcher licht und feuer ausgehn, ich vermute daß ihm neun speichen beigelegt wurden, die fries. gesetze kennen noch ›thet niugenspetze fial‹, jene neun eichenen spindeln, durch deren drehung in der nabe das feuer gerieben wurde, bedeuten die aus der nabe hervorgehenden neun speichen, und die heilige neunzahl wird auch in dem neunerlei holz, in den neun und einundachtzig drehenden männern angetroffen. man darf nicht zweifeln, das in feuer gesetzte rad bildete den kern und mittelpunct der heiligen, reinigenden opferflamme. Unsere weisthümer (2, 615. 616. 693. 697) geben noch kunde von einer merkwürdigen sitte: an dem großen jahrgerichtstag wird ein wagenrad, das sechs wochen und drei tage in wasser (oder mistpfuhl) gesteckt hatte, in ein vor den gerichtsmännern entzündetes feuer gelegt, und das gastmal währt bis die nabe, die man weder drehen noch stochern darf, ganz zu asche verzehrt ist. ich halte das für den überrest eines heidnischen opfermals und beziehe das rad auf die erzeugung des feuers, von welcher freilich nichts mehr gemeldet wird. jedenfalls ergibt sich daraus die verwendung des wagenrads bei feierlichen flammen.

Wenn die meisten der angeführten berichte das notfeuer auf den ausbruch einer viehseuche einschränken, so enthalten doch einige darunter ausdrücklich, daß es zu wiederkehrenden jahrstagen, namentlich auf Johannis hervorgebracht, und das vieh durch die flammen getrieben wurde, um es im voraus gegen künftige krankheiten zu sichern. Nicolaus Gryse (Rostock 1593 LIIIa) meldet geradezu als einen brauch des Johannistags: ›jegen den avend warmede men sik bi s. Johannis lod und nodfüre, dat men ut dem holte sagede, solkes für stickede men nicht an in gades, sondern in s. Johannis namen, löp und rönde durch dat für, dref dat vehe dardorch, und is tusent frouden vul gewesen, wen man de nacht mit groten sünden, schanden unde schaden heft to gebracht.‹

Solch jährliche wiederkehr bestätigt uns aber der lemnische cultus, vorzüglich der celtischeHyde merkt auch von den Guebern an, daß sie alljährlich ein feuer entzündeten.. in den großen volksversammlungen der jahresfeste wurde das notfeuer entzündet. den celtischen völkern fallen diese in den eingang mais und novembers; der hehrste tag ist der maitag, ich finde meist den ersten mai, aber auch den zweiten und dritten dafür bestimmt. dieser tag heißt irisch und galisch la bealtine oder beiltine, andere schreiben beltein, entstellt belton, beltim, beltam. lá ist tag, teine, tine feuer und beal, beil wird für den namen eines gottes genommen, der nicht unmittelbar mit dem asiatischen BelusBel, Bal. Isid. etym. 8, 23. zusammenfällt, sondern ein den Celten eigenthümliches höheres lichtwesen bezeichnet. 510 den irischen Beul, Beil, galischen Beal nennt der welsche dialect Beli, seinen altceltischen namen Belenus, Belinus überliefern Ausonius, Tertullian und mehrfache inschriften (Forcellini s. v.). Den heutigen brauch selbst schildert uns Armstrong s. v. bealtainn folgendermaßen: in some parts of the Highlands the young folks of a hamlet meet in the moors on the first of may. they cut a table in the green sod, of a round figure, by cutting a trench in the ground of such circumference as to hold the whole company. they then kindle a fire and dress a repast of eggs and milk in the consistence of a custard. they knead a cake of oatmeal, which is toasted at the embers against a stone. After the custard is eaten up, they divide the cake in so many portions, as similar as possible to one another in size and shape, as there are persons in the company. they daub one of these portions with charcoal until it is perfectly black. they then put all the bits of the cake into a bonnet, and every one, blind fold, draws out a portion. the bonnetholder is entitled to the last bit. whoever draws the black bit is the devoted person, who is to be sacrificed to Baal, whose favour they mean to implore in rendering the year productive. the devoted person is compelled to leap three times over the flames. Hier läßt sich die gottesdienstliche beziehung gar nicht verkennen, man sieht an dem dreimaligen laufen durch die flamme, daß es hauptsächlich auf einen menschen abgesehn war, der den gott versöhnen und gnädig machen sollte, daß aber später viehopfer an dessen stelle traten und endlich von der leiblichen darbringung nur ein springen über das feuer für menschen und vieh übrig blieb. der heiligen reibung wird hier nicht gedacht, doch wie sie zu jenem die seuche abwehrenden notfeuer gefordert war, muß sie ursprünglich bei dem großen jahrsfest noch viel mehr im schwang gewesen sein.

Frühste erwähnung des beiltine hat man bei dem irischen erzbischof von Cashel Cormac († 908) gefunden. es wurden zwei feuer nebeneinander gemacht, zwischen welchen unverletzt hindurchzugehn menschen und vieh heilsam ist. daher sagt man eine große gefahr zu bezeichnen: ›itir dha theinne beil‹ (zwischen zwei feuern)O'Flaherty in den transact. of irish acad. tome 14 p. 100. 122. 123.. daß priester dem opfer streng vorstanden versichert Usher (trias thaumat. p. 125) ausdrücklich, indem er sich auf Evinus bezieht: lege etiam severissima cavebatur, ut omnes ignes per universas regiones ista nocte exstinguerentur, et nulli liceat ignem reaccendere nisi prius Temoriae (Tighmora, aus Ossian bekannt) a magis rogus sacrificiorum exstrueretur, et quicunque hanc legem in aliquo transgrederetur non alia mulcta quam capitis supplicio commissi delicti poenam luebatvgl. die nachrichten in Mones gesch. des heidenth. 2, 485..

Leo (malb. gl. 1, 35) hat sinnreich einen unterschied zwischen Beal, Bael dem gott des krieges, und Sighe oder Sithich, dem gott 511 des friedens, vorgeschlagen, ja Bellovesus und Sigovesus bei Livius 5, 34 aus diesem gegensatz als diener (vesus = galisch uis, uais, minister) des Beal und Sighe dargestellt, und Sighe zu dem stillen, friedlichen volk der elbe gehalten, welche sighe heißen (oben s. 367): dem Beal sei maifeuer (bealtine) gebracht worden, dem Sighe novemberfeuer, samhtheine (friedensfeuer). Auch in Wales zündete man feuer an beiden tagen, den 1 mai und 1 nov., beide hießen coelcerthNachtrag: Tolands history of the druids (ausg. in Hones yearbook 876 ff.) nimmt drei bealtines im jahr an, am 1. mai, mittsommerabend und 1. november. beltan wurde vom ersten mai und november gebraucht nach Villemarqué bardes bretons s. 386. 387. GDS. 108. über Bel vgl. Dieffenbach celt. 1, 185. Stokes 349. Jamieson (daybook 2, 659). der große, der kleine Bel. Meier schwäb. sag. 297. über Beltaine, Belton eve s. Stewart pop. superstit. 258 ff. Brands pop. antiq. 1, 337. Stokes 349. Michelet 1, 452 ff. ir. sagen und märch. 1, 275. 276. 2, 479. das maifeuer heißt auch koelkerz, coelcerth nach Villemarqué bardes bretons 232. 385–387, doch wird das wort von ihm nicht gedeutet. sonst ist coel omen, fides und certh signum. ein armorikanisches volkslied redet von acht feuern und dem vaterfeuer (hauptfeuer), das im mai entzündet wurde. Villemarqué barzas breiz 1, 8. nach Hones daybook 2, 659. 866 fällt das hauptfeuer auf Johannis. sambhuinn bedeutet den ersten november (Obrien: samhainn allerheiligen zeit). das druid. novemberfeuer hieß auch tlachdgha, tine tlachdgha. Obrien s. v. Oconnor proleg. 1, 24 hat folgende schilderung der heiligen feuer. duos ignes splendentes faciebant druidae cum incantationibus magnis supra eis, et ducebant greges, quos cogebant transire per eos ignes. vgl. Obrien s. v. bealtine. wie in Deutschland (anm. 1575) wurden auch in Irland pferdeköpfe ins maifeuer geworfen. Hones daybook 2, 595..

Noch zaudere ich in alle folgerungen einzugehn, gewis aber muß Beal für ein göttliches wesen gehalten werden, dessen verehrung wahrscheinlich über die celtischen völker hinaus sich erstreckte. s. 188 habe ich ihm den deutschen Phol verglichen, und es gewinnt für unsere untersuchung vorzüglichen werth, daß in rheinischen gegenden ein Pfultag, Pulletag genannt ist, der gerade auf den zweiten mai fälltweisth. 2, 8. 3, 748.. bekanntlich war auch unsern vorfahren der beginn des maimonats hohe festzeit, die vielfach begangen wurde, auf die man noch heute die versamlung der hexen, d. h. vor alters der weisen frauen und feen ansetzt. An diesem tag loderten, wer möchte es leugnen? heidnische opfer, Pholtag berührt sich mit Bealteinein England richtet man allgemein am ersten mai einen sogenannten maypole auf, wobei zwar an pole, pfal, palus ags. pol gedacht werden kann; doch dürften Pol, Phol anschlagen. und Baldag ist dazu die sächsische form für Paltar (s. 189).

Wurden seit der bekehrung die deutschen maifeuer auf ostern und Johannis verlegt, um sie christlichem cultus näher zubringen? oder ist, da auch sonnenwende tief im heidenthum wurzelte, bloß osternzeit stellvertreterin für das alte maifeuer? denn julzeit oder weihnachten könnte schon den deutschen Heiden für den celtischen november gegolten haben.

Wie man diese zeit auch ermittele, die nachfolgenden untersuchungen sollen darthun, daß sowol dem notfeuer als dem celtischen bealtine andere feuer fast in ganz Europa zur seite stehn.

Nicht unwichtig ist es wahrzunehmen, daß sie im nördlichen Deutschland auf ostern, im südlichen auf Johannis stattfinden. dort bezeichnen sie des frühjahrs eintritt, hier die mitte des sommers (sonnenwende); es lauft wieder auf den alten unterschied zwischen sächsischem und fränkischem volk hinaus. Ganz Niedersachsen, Westphalen und Niederhessen, Geldern, Holland, Friesland, Jütland, Seeland kennt osterfeuer; am Rhein, in Franken, Thüringen, Schwaben, Baiern, Östreich, Schlesien gelten Johannisfeuer. doch mögen einige gegenden beiden huldigen, z. b. Dänemark und Kärnten.

Osterfeuer. in allen städten, flecken und dörfern des landes wird gegen abend des ersten (zuweilen dritten) ostertags auf bergen und hügeln ein großes feuer aus stroh, wasen und holz unter 512 zulauf und frohlocken des volks, nicht allein der jugend, sondern auch vieler erwachsenen jährlich angezündet. an der Weser, zumal im Schaumburgischen pflegt man ein theerfaß auf einer strohumwundnen tanne zu befestigen, und es in der nacht zu entzünden. knechte, mägde und wer dazu kommt tanzen jubelnd und singend um die flamme, hüte werden geschwenkt, tücher in das feuer geworfen. alle gebirge im umkreis leuchten, und es ist ein erhebender, kaum mit etwas anderm zu vergleichender anblick, von einem der höheren puncte viele meilen ringsum das land zu überschauen und nach allen seiten hin auf einmal eine große menge solcher feuerbrände, stärker oder schwächer, gen himmel lodern zu sehn. an einigen orten zog man mit weißen stäben feierlich auf den berg, stimmte wechselsweise sich an den händen fassend christliche osterlieder an, und schlug beim halleluja die stäbe zusammen. von den bränden trug man gern mit nach hausJoh. Timeus vom osterfeuer. Hamb. 1590, wieder abgedr. hinter Reiske vom nothfeuer; Letzners historia S. Bonifacii. Hildesh. 1602. 4. cap. 12; Leukfeld antiq. gandersh. p. 4. 5; Eberh. Baring beschr. der (Lauensteiner) Saala 1744. 2, 96; hamb. mag. 26, 302 (1762); hannöv. mag. 1766 p. 216; Rathlefs Diepholz. Bremen 1767 3, 36–42. (Pratjes) Bremen und Verden 1, 165. Bragur VI, 1, 35. geldersche volksalmanak voor 1835 s. 19. In Dänemark heißt das osterfeuer paaskeblus, paaskeblust; ob es in Schweden gebräuchlich ist, weiß ich nicht, Olaus Magnus 15, 5 behauptet scandinavische Johannisfeuer. auffallender, daß selbst in England keine spur von Osterfeuer; aber aus Kärnten berichtet sie Sartoris reise 2, 350..

Sicher entgehen uns noch manche genauere umstände über die art und weise der osterfeuer in verschiedenen gegenden. merkwürdig ist, daß zu Bräunrode am Harz, eh in der abenddämmerung des ersten ostertags die feuer angezündet werden, alt und jung aus diesem dorf und aus Greifenhagen in die zunächst gelegnen waldungen zieht und daselbst die eichhörnchen aufsucht. diese pflegen sie durch werfen mit steinen und knütteln so lange zu verfolgen, bis die thiere endlich ermattet, lebendig oder todt in ihre hände fallen. das soll schon althergebracht seinRosenkranz neue zeitschrift f. gesch. der germ. völk. I. 2, 7..

Für diese ignes paschales kenne ich kein zeugnis über das 16 jh. hinauf: sie müssen aber weit älter sein, schon des gegensatzes zu den Johannisfeuern halber, welche in den norden Deutschlands nicht eindringen konnten, weil man hier an den osterfeuern festhielt. da nun die Johannisfeuer, wie sich hernach zeigen wird, mit der christlichen kirche eher zusammenhängen als die osterfeuer, ist es nicht ungereimt, diese noch auf den cultus der heidnischen Ostara (s. 241) zu beziehen, welche mehr sächsische und anglische, als eine im übrigen Deutschland verehrte gottheit gewesen zu sein scheint. ihren namen und ihre feuer, die vielleicht in maianfang fielen, verlegte man, nach bekehrung der Sachsen, auf das christliche festLetzner a. a. o. sagt, nachdem Bonifacius zwischen Brunstein und Wibbrechtshausen den heidnischen götzen Reto (er könnte an Bedas Rheda erinnern) gestürzt, habe das volk auf diesem Retberg ›am ostertage, mit der sonnen untergang, noch bei menschen gedenken, das osterfeuer gehalten, welches die alten bocksthorn geheißen‹. am rande ist wieder sein gewährsmann der verlorne Conradus Fontanus (oben s. 158). Wie das osterfeuer selbst zu der benennung bocksdorn kommen soll, ist schwer einzusehen: so heißt sonst eine staude oder pflanze, die τραγάκανθα, unser heutiges tragant. wurde bocksdorn in die osterflamme geworfen? wie in das Johannisfeuer bestimmte kräuter.. Aus der osterkerze, die an demselben 513 tag in der kirche entzündet wurde, lassen sich die gebirgsfeuer des volks schwerlich ableiten: zwar Bonifacius ep. 87 (Würdtw.) nennt sie ignis paschalismerkwürdig, daß einige behaupteten, die osterkerze sei durch brennspiegel oder chrystalle angesteckt worden (Serrarius ad epist. Bonif. p. 343)., und solcher osterlichter geschieht noch im 16 jh. meldungFranz Wessels beschreibung des päbstlichen gottesdienstes. Stralsund, herausg. von Zober 1837 p. 10.. Im Hildesheimischen wird noch jetzt gründonnerstags die lampe und auf ostertag an dem mit einem stahl geschlagnen osterfeuer entzündet. zu diesem feuer bringen die leute eichene kreuze oder hölzer mit querstöcken getragen, brennen sie an und heben sie durchs ganze jahr auf. dieses feuer unterscheidet aber das volk von dem wilden feuer, das durch holzreiben entzündet wird. Einer feuer und scheiterweihe auf osterabend gedenkt Jäger (Ulm s. 521).

Fast überall hat in dem letzten jahrhundert mattheit der regierungen dem volk die osterfeuer genommen›untersuchungssache wegen des am 9. apr. 1833 auf dem Kogelnberge bei Volkmarsen verbotwidrig gebrannten osterfeuer‹. niederhess. wochenbl. 1834 s. 2229a. die älteren verbote wandten das unchristliche, die jüngeren den holzverderb vor. auch die siegesfeuer blieben bald untersagt.Nachtrag: Über die osterfeuer vgl. Woeste s. 288. dat osterfür anboiten. Joh. v. Scheppau osterpredigten s. 8. das ostermaenluchten in der Wilstermarsch s. Müllenhoff s. 168. aber auch um Abensberg in Niederbaiern war es sonst brauch am osterfest den ostermann zu verbrennen. ein bursch zündete nach dem gottesdienst in der kirche ein licht an, lief damit aufs feld hinaus und steckte den ströhernen ostermann in brand. ein paderb. edict. von 1781 stellt das osterfeuer ab. Wigands Pad. und Gorv. 3, 281. 1, 317. statt des namens bocksthorn (s. anm. 1563) heißt es in Grotens gesch. v. Northeim. 1723. s. 7 ›auf diesem berge ist noch bey menschen andenken das bockshorn gehalten‹. die verfolgung der eichhörnchen zu ostern im Harze (s. 512) gemahnt an das Igorlied (Hanka s. 68), wo ein eichhorn als steuer von jedem hof erhoben wird. Mit den osterfeuern verwandt sind die Walburgsfeuer. Müllenhoff s. 168. in Rügen fand am 1. maiabend das ›molkentoverschen bernen‹ (s. 897) mit feuerblasen statt. vgl. Osnabr. verein 3, 229. auf dem Hundsrück dürfen die jungen knechte und knaben auf Walburgisabend holz im wald hauen. weisth. 2, 168..

Johannisfeuerbeste abh. ist: Franc. Const. de Khautz de ritu ignis in natali s. Joannis bapt. accensi. Vindob. 1759. 8.. in unsrer alten sprache wird die festlichste jahrszeit, wo die sonne ihren gipfel erlangt hat und nun wieder herabsinken muß, sunewende = sunnewende (solstitium) genannt, gewöhnlich in der pluralform, weil dieser hohe stand der sonne mehrere tage anhält: ›ze einen sunewenden‹ Nib. 32, 4; ›zen næhsten sunewenden‹ Nib. 1424, 4. Wigal. 1717; ›vor disen sunewenden‹ Nib. 678, 3. 694, 3; ›ze sunewenden‹. Trist. 5987 (die rechte lesart erhellt aus Grootes varianten); ›an sunewenden âbent‹ Nib. 1754, 1; ›nâch sunewenden‹ Iw. 2941alle guten hss. geben nicht sunnewende sondern sunewende, was sich freilich nur aus sunwende (wie suntac) erklärt. es heißt auch ›zu sungihten‹. Scheffers Haltaus p. 109. 110. giht entspricht hier dem goth. gahts (gressus) und läßt ein ahd. sunnagaht vermuten.. Da hiermit Johannistag (24 juni) ›sant Johans sunewenden tac‹ Ls. 2, 708 zusammentrift, heißen jene feuer in oberdeutschen urk. des 14. 15 jh. sunwentfeuer, sunbentfewrHahn monum. 2, 693. Sutners berichtigungen. München 1797 p. 107. (a. 1401)., und noch jetzt unter dem östreich. und bair. volk sunäwetsfoir, sunwentsfeuer. H. Sachs 1, 423d: ›auch schürn 514 die bubn sunwentfeuer‹. In dieser zeit hielt das alterthum große volksversamlungen: ›die nativitatis s. Johannis baptistae in conventu populi maximo‹ (a. 860) Pertz 2, 386; im j. 801 feierte Carl der große das fest zu Eporedia (Ivrea) Pertz 1, 190. 223; Ludwig der fromme hielt 824 und 831 reichsversamlungen auf diesen tag. Die beschreibungen der Johannis stimmen zu denen der osterfeuer; einiges abweichende wird sich ergeben. zu Gernsheim (im Mainzischen) wird das entzündete feuer von dem pfarrer gesegnet, und solange es brennt, gesungen und gebetet; erlischt aber die flamme, so springen die kinder über die glimmenden kohlen: ehmals thaten es auch die erwachsnen. wie aus neunerlei blumen ein kranz gewunden wurde beschreibt abergl. 848. Reiske a. a. o. p. 77sagt: ›das feuer wird unter freiem himmel angemacht, vom jungen und gemeinen volke darüber gesprungen, allerhand kraut darein geworfen: gleich ihm möge alles ihr unglück in feuer und rauch aufgehn. An etlichen orten steckt man nachts aus den kammern laternen an und bekleidet sie mit klaprosen oder klatschen, damit ein heller glanz entstehe‹. Zu Nürnberg betteln die buben holzscheiter zusammen, fahren sie an den bleicherweiher beim spittelthor, zünden sie an, und wenn das holz brennt, springen sie darüber. man erhält dadurch gesundheit aufs ganze jahr (vgl. abergl. 918). sie laden auch vorübergehende zum sprunge ein, die einige kreuzer für die erlaubnis geben. Auch im Fuldischen betteln die knaben holz und geschenke, das holz verbrennen sie abends. beim einsammeln wird gesungen: ›da kommen wir her gegangen mit spießen und mit stangen und wollen die eier langen. feuerrothe blümelein, an der erde springt der wein, gebt ihr uns der eier ein zum Johannisfeuer, der haber ist gar theuer. haberje, haberju! fri fre frid! gebt uns doch ein schiet! (scheit)‹. j. v. u. f. Deutschl. 1790. 1, 313. ähnliche reime theilt Schm. 3, 262 aus Franken und Baiern mit. Im östreich. Donauländchen zündet man Johannisabend feuer auf der anhöhe, bursche und dirnen springen über die flammen unter jubel und gesang der zuschauenden (Reil s. 41). Am Johannisabende wurde allenthalben lustig über die sonnenwendefeuer gesprungen, und dabei muste meth sein, erinnert sich Denis aus seiner jugend (lesefr. 1, 130). Zu Ebingen in Schwaben kochte man erbsen am entzündeten feuer, welche aufbewahrt und bei quetschungen und wunden heilsam erachtet wurden (Schmid schwäb. id. 167); vgl. das kochen beim notfeuer (s. 507). Greg. Strigenitius (geb. 1548 † 1603) in einer auf Johannis gehaltnen predigt, die Ecc. fr. or. I, 425 anführt, bemerkt, das volk (in Meißen oder Thüringen) tanze und singe um die Johannisfeuer: einer habe ein pferdehaupt in die flamme geworfen, und dadurch die hexen zwingen wollen, von dem feuer für sich zu holen. Seb. Frank im weltbuch 51«: ›an s. Johanstag machen sie ein simet[?]feuer, tragen auch diesen tag sundere krenz auf, weiß nicht aus was aberglauben, von beifuß und eisenkraut gemacht, und hat schier ein jeder ein blau kraut, rittersporn genant, in der hand: 515 welches dadurch in das feuer sihet, dem thut dis ganz jahr kein aug weh; wer vom feur heim zu haus weg wil gehn, der wirft dis sein kraut in das feur, sprechende, ›es geh hinweg und werd verbrennt mit disem kraut al mein unglück‹‹am 20 jun. 1653 erließ der rath zu Nürnberg folgendes mandat: Demnach bißhero die erfahrung bezeugt, daß alter heidnischer böser gewohnheit nach jährlichen an dem Johannestag auf dem land, sowol in städten als dörfern von jungen leuten geld und holz gesamlet und darauf das sogenant sonnenwendt oder zimmetsfeuer angezündet, dabei gezecht und getrunken, um solch feuer gedanzet, darüber gesprungen, mit anzündung gewisser kräuter und blumen, und steckung der brand aus solchem feuer in die felder, und sonsten in vielerleiweg allerhand abergläubische werk getrieben worden – als hat ein E. E. rath der stadt Nürnberg nicht unterlassen sollen noch können, solche und andere ungeschicklichkeiten, abergläubische und heidnische werk und gefährliche feur bei bevorstehenden Joh. tag abzustellen (neuer lit. anz. 1807. p. 318).. gerade so sollten an demselben Johannistag die fluten des wassers alles unheil mit sich fort schwemmen (s. 489). In frühern zeiten nahm aber auch die feine welt an diesen freudenfeuern theil, fürsten und könige. des Petr. Herp ann. francof. erzählen ad a. 1489 (Senkenb. sel. 2, 22:) ›in vigilia s. Joh. bapt. rogus ingens fuit factus ante domum consulum in foro (francofurtensi), fueruntque multa vexilla depicta posita in struem lignorum et vexillum regis in supremo positum, et circa ligna rami virentes positi, fuitque magna chorea dominorum, rege inspiciente‹. Zu Augsburg zündete 1497, in kaiser Maximilians gegenwart, die schöne Susanna Neithard das Johannisfeuer mit einer fackel, und machte dann zuerst den reigen um die flamme an Philipps handGasseri ann. august. ad a. 1497, Schm. 3, 261, vgl. Rankes roman. u. germ. völk. 1, 102.. In einer Münchner urk. von 1401 wird berechnet: ›umb gras und knechten, die dy pänk ab dem haws auf den margt trugen an der sunbentnacht, da herzog Stephan und sein gemachel und das frawel auf dem margt tanzten mit den purgerinen bei dem sunbentfwrSutners berichtigungen p. 107.. im j. 1578 ließ der herzog von Liegnitz Johannisabends ein freudenfeuer auf dem Gredisberg halten, wie herr Gotsch auf dem Kynast, wobei jener selbst mit seinem hof zugegen war (Schweinichen 2, 347).

Ausführlicher ist die beschreibung des Johannisfeuers im jahr 1823 zu Konz, einem lothringischen, aber deutschen dorf an der Mosel, unweit Sierk und Thionville. jedwedes haus liefert ein gebund stroh auf den gipfel des Strombergs, wo sich gegen abend männer und bursche versammeln: frauen und mädchen sind beim Burbacher brunnen aufgestellt. nun wird ein mächtiges rad dergestalt mit stroh bewunden, daß gar kein holz mehr zu sehen ist, und durch die mitte eine starke, zu beiden seiten drei fuß vorstehende stange gesteckt, welche die lenker des rads erfassen; aus dem übrigen stroh bindet man eine menge kleiner fackeln. auf ein vom maire zu Sierk (der nach altem brauch dafür einen korb 516 kirschen empfängt) gegebnes zeichen erfolgt mit einer fackel die anzündung des rads, das nun schnell in bewegung gesetzt wird. jubelgeschrei erhebt sich, alle schwingen fackeln in die luft, ein theil der männer bleibt oben, ein theil folgt dem rollenden bergab zur Mosel geleiteten feuerrad. oft erlischt es vorher; gelangt es brennend in die flut, so weissagt man daraus gesegnete weinernte, und die Konzer haben das recht von den umliegenden weinbergen ein fuder weißen weins zu erheben. während das rad vor den frauen und mädchen vorüber lauft, brechen sie in freudengeschrei aus, die männer auf dem berg antworten; auch die einwohner benachbarter dörfer haben sich am ufer des flusses eingefunden, und mischen ihre stimmen in den allgemeinen jubelmém. des antiquaires de Fr. 5, 383–386..

Ebenso sollen jährlich zu Trier die metzger ein feuerrad vom gipfel des Paulsbergs in die Mosel hinabgelassen habenzur erinnerung an den einsiedler Paulus, welcher um die mitte des 7 jh. von dem Gebennaberg bei Trier den götzen Apollo in die Mosel gestürzt habe, meint der verf. des aufsatzes über Konz p. 387. 388. Wenn hierfür Trithem de viris illustr. ord. s. Bened. 4, 201 gewähr leisten soll, so finde ich wenigstens p. 142 der opp. pia et spirit. Mogunt. 1605 nur, daß Paulus Trier gegenüber auf dem Cebenna wohnte, dieser nach ihm mons Pauli benannt wurde; von Apoll und dem feuerrad kein wort. ob die Cölner ausg. des buchs de vir. illustr. Ben. von 1576 mehr enthält, bezweifle ich, denn auch das compendium annal. de orig. Francor. unter Clodoveus (Dagoberts sohn) sagt nichts mehr und nichts weniger, desgl. die acta sanctor. unterm 8 febr. p. 170, die acta Bened. sec. 2. p. 268–275 und Browers annal. trev. lib. 7. p. 416 (Colon. 1626).Nachtrag: Das solstitium hieß bei den Griechen τροπὴ ηελίοιο. Od. 15, 404. αμφὶ θερινὰς τροπάς. Procop. b. goth. 2, 13. αμφὶ τροπὰς χειμερινάς. das. 3, 27. die bairischen urkunden haben sunwenden, sunbenden, die alemannischen sungihten. ze sungihten. weisth. 1, 293. 304. 316. 317. 318. ze singeht. 1, 325. nach sungehten. 1, 669. ze sungiden. 1, 322. 323. zu sungihte 1, 708. zu singihten 1, 745. singihttag 1, 727. sungehttag 1, 669. singehtag namenbüchl. s. 114. sungiht solstitium ist auch ags. und kommt im menologium zum 24. juni vor. Schilter zu Königsh. s. 458 hat die ganze stelle. drî tage vor sunegihten. Lanz. 7051. vgl. bettegâht N. Cap. 46. kirchgiht kirchgang (Oberlin). Vor der sunnewenden. Bamb. reht. ed. Zöpfl 154.

hiute ist der ahte tac nâch sunewenden,
dâ sol daz jârzît enden.   Iw. 2940.

aus sunwent wird summit, simmet. Leoprechting 182. in dieser zeit hielt man versamlungen und feste. ze einen sunewenden dâ Sîfrit ritters namen gewan. Nib. 32, 4. vor disen sunewenden besuchen Siegfried und Kriemhilt Worms. Nib. 670, 3. 694, 3. Siegfried wird bei der hochzeit zu Johannis erschlagen, denn auf diese zeit darf man schließen, auch wenn sie nicht ausgedrückt ist. die hochzeit im Heunenlande soll stattfinden ›zen naehsten sunewenden‹. Nib. 1424, 4 und die helden kommen zur hochzeit bei Etzel ›an sunewenden âbent‹. Nib. 1754, 1. auf Johannis machen die Züricher ihre schiffahrt mit dem warmen brei nach Straßburg und begrüßen den tag. glückh. schiff v. 194 ff. über sunwendfeuer Panzer beitr. 1, 210 ff., summit, simmetfeuer. Leoprechting 182. simentfeuer. H. Sachs 1, 423d. sommerfeuer. Albertini narrenhatz 100. S. Johannisfürle. Germ. 1, 442. ein guter spruch beim sonwendfeuer steht bei Firmenich 2, 703. feuiahupfa z Johanne. Schuegraf der wäldler s. 31. bursch und mädchen springen immer zusammen, paarweise, über das feuer. Leoprechting 183. man stößt andere mutwillig hinein und breitet den rock auf die kolen. gesch. v. Gaustall (Bamberger ver. 8, 112). wie in Meißen und Thüringen ins Johannisfeuer, werden in Irland ins maifeuer pferdeköpfe geworfen. Hones daybook 2, 595. gemeine frauen, freie töchter, tanzten zu Wien am sonnwendfeuer. Schlagers Wiener skizzen 1, 270. 5, 352. zu Johannis werden in Tirol und Ungarn feuerscheiben geschlagen. Wolfs zeitschr. 1, 286. 287. 270. 271. in Österreich Duller s. 46. 47, vgl. die freudenfeuer der schweizer hirten in den posternächten. Stalder 1, 209. 210. verbote der sunwendfeuer verzeichnet Kallenbück pantaid. 98b. 104a. auch im j. 1850 wurden sie in Österreich untersagt, trotz Göthe 31, 179:

Johannisfeuer sei unverwehrt,
die freude nie verloren!

.

Die sitte der Johannisfeuer und räder in Frankreich bezeugen schon schriftsteller des 12 und 13 jh., Joh. Beleth, ein Pariser theolog, der um 1162 eine summa de divinis officiis schrieb, und Wilh. Durantis, geb. unweit Beziers in Languedoc um 1237, gest. 1296, der bekannte verf. des rationale divinor. offic.geschrieben 1286; vgl. lib. 8 pars 2 cap. 3 de epacta.. in jener summa (gedr. zu Dillingen 1572) cap. 137. fol. 256 und daraus entlehnt im rationale lib. 7 cap. 14 heißt es: ›feruntur quoque (in festo Johannis bapt.) brandae seu faces ardentes, et fiunt ignes, qui significant sanctum Johannem, qui fuit lumen et lucerna ardens praecedens et praecursor verae lucis . . .; rota in quibusdam locis volvitur, ad significandum, quod sicut sol ad altiora sui circuli pervenit, nec altius potest progredi, sed tunc sol descendit in circulo, sic et fama Johannis, qui putabatur Christus, descendit, secundum quod ipse testimonium perhibet dicens: me oportet minui, illum autem crescere‹. Weit älter ist das freilich unbestimmte zeugnis des Eligius: ›nullus in festivitate s. Johannis vel quibuslibet sanctorum solemnitatibus solstitia (?) aut vallationes vel saltationes aut casaulas aut cantica diabolica exerceat‹die kaiserchronik (cod. pal. 361, 1b) von der feier des sonntags:

swenne in kom der sunnintac
sô vlîzete sich Rôme al diu stat,
wie si den got mohten geêren,
die allirwisisten hêrren
vuorten einiz al umbe die stat
daz was geschaffen same ein rat
mit brinnenden liehten
.
ô wie grôze sie den got zierten!

.

517 In großen städten, Paris, Metz und vielen andern, wurde der scheiterhaufen noch im 15. 16. 17 jh. auf öffentlichem platz vor dem rathhaus errichtet, mit laub, blumen geschmückt, und von dem maire selbst angezündetmém. de l'acad. celt. 2, 77. 78. 3, 447.. Viele südliche gegenden haben die gewohnheit heute beibehalten. Zu Aix, zu Marseille, werden auf Johannistag alle straßen und plätze gereinigt, das landvolk trägt frühmorgens blumen in die stadt, jedermann kauft sich davon, alle häuser sind mit kräutern geschmückt, denen heilsame kraft, wenn sie vor sonnenaufgang gebrochen wurden, beigelegt wird: ›aco soun dherbas de san Jean‹. einige dieser kräuter wirft man in die flamme, und die jungen leute springen darüber, vorbeigehende werden mit zundern und versteckten schlangenfeuern geneckt, oder mit wasser aus den fenstern besprützt und beschüttet. in den dörfern reitet man auf eseln und mäulern, angebrannte tannenzweige in der hand tragendMillin voy. dans le mich. 3, 28. 341–345..

An vielen orten schleppt man von den ausgeglühten bränden und kohlen mit nach haus: es sollen heilsame, ja zauberhafte wirkungen davon abhängen (franz. abergl. 27. 30. 34).

In Poitou springen sie dreimal um das feuer, einen nußzweig in der hand (mém. des antiq. 8, 451). hausväter streifen mit einem büschel wollkraut (bouillon blanc) und einem nußbaumlaubast durch die flamme, beide werden nachher über die thüre des viehstalls befestigt; während die jugend tanzt und singt, legen sich greise von der kohle in ihre holzschuhe als schutzmittel gegen unzählige übel (das. 4, 110).

Im département des hautes pyrénées wird am 1 mai von jeder gemeinde der höchste und schlankste baum ausgesucht, auf bergen eine fichte oder tanne, in ebenen eine pappel; nachdem alle äste abgehauen sind, schlägt man eine anzahl fußlanger keile hinein und bewahrt ihn bis zum 23 juni auf. unterdessen spaltet er sich rautenförmig wo die keile eingeschlagen sind, und wird nun auf einen berg oder hügel gewälzt und getragen. alsdann ertheilt ihm der priester den segen, man rammelt ihn in die erde und setzt ihn in flammen (das. 5, 387).

Der Johannisfeuer in England gedenkt Struttthe sports and pastimes of the people of England by Joseph Strutt. new edit. by William Hone. Lond. 1830. p. 359.: sie währten bis zu mitternacht (nach midsummer eve), oft bis zu hankrat, die jugend tanzte um die flamme bekränzt mit motherwort (mutterkraut) und vervaine (verbena), veilchen in den händen. In Dänemark sagt man sanct Hans aftens blus, aber auch gadeild (gassenfeuer), 518 weil sie auf öffentlicher straße, plätzen und hügeln entzündet werden. man wähnte, daß in dieser nacht alle giftkräuter aus der erde hervorkämen, und mied den aufenthalt im gras; doch heilsame kräuter (chamemaelum und bardanum) wurden in den häusern aufgestellt. einige versetzen diese straßenfeuer auf WalburgisabendMolbech dialect. lex. 150. Lyngbye nord. tidskr. for oldk. 2, 352–59. Finn. Magn. lex. myth. 1091–94. Arndts reise durch Schweden 3, 72. 73.. Auch Norwegen kennt den brauch: s. Hans aften brändes der baal ved alle griner (angehegten landwegen), hvilket skal fordrive ondt fra kreaturerne. Sommerfelds Saltdalen p. 121. merkwürdig aber sind die von Hallager s. 13 angeführten benennungen brandskat (für das auf den feldern verbrannte holz) und brising (für das gezündete feuer); letzteres erinnert an das leuchtende halsband der Freyja (s. 254. 255) und könnte von der flamme auf den schmuck, wie von dem schmuck auf die flamme übertragen sein.

Italien kannte ohne zweifel in mehrern gegenden Johannisfeuer; zu Orvieto nahm man sie von dem verbot andrer feuer ausstatuta urbevetana a. 1491. 3, 51: quicunque sine licentia officialis fecerit ignem in aliqua festivitate de nocte in civitate, in xl sol. denarior. puniatur, excepta festivitate s. Johannis bapt. de mense junii, et qui in illa nocte furatus fuerit vel abstulerit ligna vel tabulas alterius in lib. lx. den. puniatur.. die italienischen schiffer entzünden auf den schiffen im meer Johannisfeuer. Fel. Fabri evagat. 1, 170. Für Spanien mag eine stelle aus dem romance de Guarinos (silva p. 113) vielleicht zeugen:

vanse dias, vienen dias, venido era el de sant Juan,
donde Christianos y Moros hazen gran solenidad:
los Christianos echan juncia, y los Moros arrayhan,
los Judios echan eneas, por la fiesta mas honrar.

hier ist des feuers geschwiegenbestimmter redet davon um das j. 1510 Martinus de Arles, canonicus von Pampeluna, in seiner abhandl. de superstitionibus (tract. tractatuum ed. lugd. 1544. 9, 133): cum in die s. Johannis propter jucunditatem multa pie aguntur a fidelibus, puta pulsatio campanarum et ignes jucunditatis, similiter summo mane exeunt ad colligendas herbas odoriferas et optimas et medicinales ex sua natura et ex plenitudine virtutum propter tempus . . . . . quidam ignes accendunt in compitis viarum, in agris, ne inde sortilegae et maleficae illa nocte transitum faciant, ut ego propriis oculis vidi. alii herbas collectas in die s. Joannis incendentes contra fulgura, tonitrua et tempestates credunt suis fumigationibus arcere daemones et tempestates., aber gesagt, daß die Christen binsen, die Mohren myrten, die Juden schilf streuen; und das werfen von blumen und kraut in die flamme scheint der feierlichkeit wesentlich, vgl. beifuß, eisenkraut, rittersporn (s. 514), wollkraut und nußlaub (s. 517). daher die samlung solcher Johanniskräuter in Deutschland (abergl. 157. 189. 190) und der s. Hans urter in Dänemark (abergl. 126) wie in Frankreich (abergl. 4). Nach Casp. Zeumer de igne in festo s. Johannis accendi solito, Jenae 1699, wurde an diesem tag das kraut άλιδμα (?) sorgsam gesucht und über den thüren aufgehängt.

519 In Griechenland entzünden abends vor Johannis die weiber ein feuer und rufen darüber springend aus: ich lasse meine sünden. In Serbien hält man dafür, das fest sei so hehr, daß die sonne dreimal vor ehrfurcht still stehewie sie auf ostern dreimal springen soll (s. 241).. den vorabend binden die hirten birkenrinde zu fackeln und umschreiten mit den brennenden zuerst schafhürden und ochsenzäune, dann steigen sie auf die berge und lassen sie verbrennen (Vuk s. v. Ivan dan.). Auch andere slavische länder kennen ähnliches. in Sartoris reise durch Kärnten 3, 349. 350 findet sich das rollen des Johannisfeuerrads genau beschrieben. Johannistag oder sonnenwende selbst heißt den Slovenen kres, den Croaten kresz, d. i. feuerschlag, von kresati (ignem elicere) poln. krzesać, und wie der irische mai minabealtine (feuermonat) der sloven. juni kresnik. bei dem kres geschahen nächtliche freudensprünge, einer anzündung durch reiben finde ich nicht gedacht. Polen und Böhmen nennen das Johannisfeuer sobotka, d. i. kleiner sonnabend im gegensatz zu dem großen sobota (ostersonnabend); in Böhmen führte man die kühe darüber um sie gegen hexerei zu schützen; die Russen kupalo, was man von einem erntegott Kupalo erklärt: jünglinge und mädchen blumenbekränzt und mit heiligem kraut umgürtet versammelten sich am 24 juni, zündeten feuer an, sprangen und führten die heerde darüber, wobei sie lieder zu des gottes preise sangen. sie glaubten dadurch ihr vieh vor den leschien (waldgeistern) zu schützen. zuweilen soll unter tanz und gesang ein weißer hahn im feuer verbrannt worden sein. noch jetzt hat die heilige, deren fest der griech. ritus an diesem tage begeht, den beinamen kupalnitza, und selbst brennende holzhaufen werden so genannt, nach Karamsin die auf Johannistag ausgestreute blumeKaramsin 1, 73. 81. 284. Götze russ. volksl. s. 230–232. Dobrowsky stellt Kupalo den gott in abrede und leitet das fest von kupa (heuhaufen), Hanusch s. 201 von kupel, kaupel, kupadlo (bad, schwemme), weil die sonne nach slav. vorstellung aus dem bade steige, oder bei dem fest wasserbegießungen üblich gewesen seien.. Auch zu den Litthauern wird der brand gedrungen sein, ich treffe bei ihnen kupóles als benennung des Johanniskrauts. Tettau und Temme berichten p. 277, daß in Preußen und Litthauen am Johannisabend auf allen höhen, soweit das auge reicht, feuer flammen. am folgenden morgen treibt man das vieh über die brandstellen auf die weide, das hilft gegen viehsterben, zauberei und milchbenehmung, aber auch gegen hagelschlag und gewitter. die bursche, welche es angezündet haben, gehen von haus zu haus und sammeln milch ein. auch steckt man an jenem abende große kletten und beifuß (d. i. kupóles) über das thor oder die hecke, wodurch das vieh zu gehen pflegt.

Wir übersehen jetzt, daß diese feuer seit undenklicher zeit durch fast ganz Europa reichen. bei ihnen könnte es noch viel zweifelhafter scheinen, als bei der wasserlustration (s. 486. 490), 520 ob sie heidnischen oder christlichen ursprungs waren. die kirche hatte sie schon sehr frühe sich angeeignet, und, wie Beleth und Durantis darthun, auf Johannes gedeutet; einigen theil nahm die geistlichkeit an der feier, obschon diese nie ganz in ihre hände übergieng, sondern wesentlich von der weltlichen obrigkeit und dem volke selbst geleitet wurdeNachtrag: Über die englischen bonefires. Hones dayb. 1, 827. 846. 851. 852. Brand 1, 299 ff. wie die in Frankreich vom Johannisfeuer heimgebrachten kohlen schützt in England die burning, live coal überhaupt gegen zauber. Hones yearb. 1553. der norweg. ausdruck brising für Johannisfeuer könnte erklärt werden durch bris flamma, brisa flammare (Aasen) vgl. brasa knistern, brasseln, prasseln. auch in Schweden loderten mittsommerfeuer, von neunerlei holz gezündet, dazu wurden sträuße von neunerlei blumen gepflückt. Runa 1844 s. 22. Wieselgren 411. in Spanien sammelte man bei anbruch des Johannistages verbenen und zündete feuer an, über die man sprang. handbook of Spain. Lond. 1845. 1, 270b. ein Johannisfeuer in Portugal wird geschildert im jb. d. Berl. sprachges. 8, 373. die Letten nennen Johannisleute solche, die Johanniskraut (hypericum und raggana kauli, hexenknochen) bringen und lieder singen. Stender gramm. s. 50. wb. 85a. am Johannismorgen wird ein blumenkranz oder weißdorn über die thüren gehängt. Fr. Michel races maudites 2, 147. auch in Estland wird Johannisfeuer angezündet und ein bündel wolriechender kräuter gesammelt. die jungen mädchen legen sie unter das kopfkissen und dann wird der traum bedeutsam. Possarts Estl. s. 172. (in Finnland heißt das frühlingsfest hela und das feuer helavalkja (anm. 1547). auf dem Zobtenberg in Schlesien von Sobota (sabbat) feierten die Slaven ihre sobotky (Schafarik 2, 407 der übersetzung). er heißt auch mons Slesie, mons czobothus vgl. Dietmar bei Pertz 5, 855. in Mähren gibt es auch Johannisfeuer. Kulda (bei d'Elv) 111. 112. von einem feste nach der sommersonnenwende redet Plato de legibus 12, 945..

Paciaudide cultu s. Johannis baptistae. Romae 1755. dissert 8 cap. 1. 2. müht sich zu zeigen, daß die Johannisfeuer nichts mit weit älteren heidnischen feuern zu schaffen haben und aus dem geist des christlichen gottesdienstes hervor gegangen seien.

V Mos. 18, 10 und II paralip. 28. 4 wird des heidnischen gebrauchs erwähnt, söhne und töchter durch ein feuer gehn zu lassen. Theodoret, bischof zu Cyrus († 458) bemerkt, in beziehung darauf, zu IV Reg. 16, 3: ει̃δον γὰρ έν τισι πόλεσιν άπαξ του̃ έτους εν ται̃ς πλατείαις απτομένας πυρὰς kaì ταύτας τινὰς υπεραλλομένους καὶ πηδω̃ντας ου μόνον παι̃δας αλλὰ καὶ άνδρας. τὰ δέ γεs βρέφη παρὰ τω̃ν μητέρων παραφερόμενα διὰ τη̃ς φλογός. εδόκει δὲ του̃το αποτροπιασμὸς ει̃ναι καὶ κάθαρσιςopp. ed. Sirmond, Par. 1642. 1, 352.. er sagt nur ›alljährlich‹, ohne angabe des tags, der uns zeigen würde, ob die sitte von Rom aus nach Syrien verpflanzt war. am 21 april, dem tage seiner stiftung, feierte Rom die palilien, ein uraltes hirtenfest, zu ehren der Pales, einer mütterlichen gottheit, die an Ceres und Vesta erinnertda Pales auch männlich vorkommt, so erinnert er an den slav. hirtengott, russ. Volos, böhm. Weles.. diese zeit fällt nicht mit der sonnenwende, wol aber mit der des osterfeuers zusammen; der ritus selbst, das springen über die flamme, das treiben des viehs durch die glut ist ganz wie bei dem Johannisfeuer und notfeuer. aus Ovids schilderung im vierten buch der fasti führe ich nur einige zeilen an:

727.    certe ego transilui positas ter in ordine flammas.
781. moxque per ardentes stipulae crepitantis acervos
    trajicias celeri strenua membra pede.
795. pars quoque, quum saxis pastores saxa feribant,
    scintillam subito prosiluisse ferunt;
prima quidem periit; stipulis excepta secunda est,
    hoc argumentum flamma palilis habet.
805. per flammas saluisse pecus, saluisse colonos;
    quod fit natali nunc quoque, Roma, tuoNachtrag: Zu der schilderung der palilien bei Ovid halte man Tibull. II. 5, 87:

at madidus Bacclro sua festa Palilia pastor
concinet: a stabulis tunc procul este lupi.
ille levis stipulae solemnis potus acervos
accendet, flammas transilietque sacras
.

.

die flamme war von den hirten aus stein geschlagen, und in strohhalmen aufgefangen worden; indem sie durch dieses feuer sprangen, glaubten sie sich zu sühnen, zu reinigen, und ihre heerde vor allem übel zu bewahren. Daß kinder von den müttern in die glut gelegt worden seien, wird hier nicht erzählt; man weiß, daß Ceres den säugling Demophoon oder Triptolem, um ihm unsterblichkeit anzueignen, wie Thetis den Achilles, ins feuer legtevgl. das abergläubische ›filium in fornacem ponere, pro sanitate febrium‹ und ›ponere infantem juxta ignem‹ (abergl. B 10, 14 u. p. 200a).. Dieser 521 feuercultus scheint in Canaan, Syrien, Griechenland und Rom eigenthümlich verbreitet, ohne daß man befugt wäre, ihn irgendwo für entlehnt und übertragen zu halten. Es ist daher schwer zu bestimmen, aus welcher quelle später die Christen schöpften, um ihn auf ihr oster und Johannisfest anzuwenden, oder bei noch andern veranlassungen. schon der canon 65 des concils vom j. 680 enthält ein verbot dieser abergläubischen feuer zur zeit der neumonde: τὰς εν ται̃ς νουμηνίαις υπὸ τινω̃ν πρὸ τω̃ν οικείων εργαστηρίων ὴ οίκων αναπτομένας πυρκαιὰς, ὰς καὶ υπεράλλεσθαί τινες, κατὰ τὸ έθος αρχαι̃ον, επιχειρου̃σιν, απὸ παρόντος καταργηθη̃ναι προστάττομεν. damals wurde untersagt was man hernach wenigstens am Johannistag duldete, und auf gewisse weise mit kirchlichen einrichtungen verband.

Wäre nun auch das beinahe allgemein in Europa verbreitete Johannisfeuer, gleich dem Johannisbad, zunächst von der kirche ausgegangen, und hätte sie es in Italien unmittelbar von den römischen palilien her überkommen; so folgt noch nicht, daß unsere osterfeuer im nördlichen Deutschland eine bloße modification der Johannisfeuer sind. diese dürfen geradezu aus feuern des einheimischen heidenthums hergeleitet werden, dafür spricht die verschiedenheit des festtags, vielleicht auch ihre rohere form, bei ihnen herschte noch bis in die jüngste zeit größerer ernst und allgemeinere theilnahme, die Johannisfeuer waren zierlicher, anmutiger, endlich aber bloß auf kinder und gemeines volk eingeschränkt, während früher fürsten und adel sie besuchten. dem osterfeuer ist berg und hügel wesentlich, das sonnwendfeuer wurde häufig auf märkten und in straßen angezündet. des springens durch das feuer, der blumen und kränze, finde ich bei jenem kaum gedacht; der feuerreibung nur einigemal beim Johannisbrand, niemals bei dem österlichen, und doch ist gerade dies kennzeichen echtheidnisch und, wie für das notfeuer in Norddeutschland, für das dortige osterfeuer sicher anzunehmen. es mangeln uns nur von dem letzten alle nachrichten. die celtischen belfeuer, und falls die geäußerte mutmaßung stich hält, die pholtage stehen fast in der mitte zwischen ostern und Johannis, doch wenn jene spät eintreten ihnen näher. auch ist allen dreien, und wol allen öffentlichen feuern des alterthums das rad gemein, wie allen alten osterfeuern das anreiben.

Ich darf nicht unerwähnt lassen, daß verschiedentlich zu der dem sommer entgegen stehenden winterzeit, auf weihnachten und in den fasten, wie auf ostern und Johannis, feuer angezündet wurden. dem julfeier entspricht das galische samhtheine (s. 511) des ersten novembers. In Frankreich ist noch heute die souche de noel (d. i. dies natalis, provenz. natal) oder das trefué üblich (franz. abergl. 1. 28) vgl. das trefoir Brands pop. antiq. 1, 468. in Marseille zündete man den calendeau oder caligneau, einen großen eichenen klotz, mit wein und öl sprengend; dem hausvater gebührte die flamme anzustecken (Millin 3, 336). in Dauphine hieß er chalendal, 522 der weihnachtsabend entzündet und mit wein begossen wurde, er galt für heilig und man muste ihn ruhig ausbrennen lassen (Champollion-Figeac p. 124). weihnachtszeit hieß chalendes, provenz. calendas (Raynouard 1, 292), weil neujahr auf den 25 dec. begann. Für Deutschland weise ich gleiche sitte bereits aus dem 12 jh. nach. in einer urk. von 1184 (Kindl. münst. beitr. II urk. 34) heißt es von dem pfarrer zu Ahlen im Münsterland: et arborem in nativitate domini ad festivum ignem suum adducendam esse dicebat. des gehauenen weihnachtsblockes gedenken die weisthümer (2, 264. 302). vom engl. yuleclog s. abergl. 1109, der scandinavische julblok ist bekannt; die Letten nennen weihnachtsabend blukku wakkars, klotzabend, vom umhertragen und verbrennen des klotzes (blukkis). Seb. Frank (weltbuch 51a) gibt folgende fastnachtsgebräuche aus Frankenland an: ›an andern orten ziehen sie ein feurinen pflug, mit einem meisterlichen darauf gemachten feuer angezündet, biß er zu trümmern felt (vgl. oben s. 218). item, sie flechten ein wagenrad voller strow, tragen es auf einen hohen, gehen berg, haben darauf, so sie vor kelte mögen bleiben, den ganzen tag ein guten mut, mit vilerlei kurzweil, singen, springen, danzen, geradigkeit, und anderer abenteur. Umb die vesperzeit zinden sie das rad an und lassen es mit vollem lauf in das thal laufen, das gleich an zu sehen ist, als ob die sunn von dem himmel lief.‹ dieses scheibentreiben auf fasten erwähnt Schm. 1, 544; der tag heißt funkentag, im Rheingau hallfeuer, in Frankreich: la fête des brandonsfranz. abergl. 16. mém. des antiquaires 1, 236. 4, 371.. Vermutlich kommen auch bei der weinlese hin und wieder solche freudenfeuer vor. Im Voigtland sieht man Walpurgisabends (was also ganz zum bealteine stimmt) auf den meisten bergen feuer, und kinder mit brennenden besen (Jul. Schmidt Reichenf. 118). Endlich entzünden die Serben ein scheit frisches eichenholzes, badnjak, zu weihnachten und begießen es mit wein. der an solchem feuer gebackne und ausgetheilte kuchen (Vuks Montenegro 105) gemahnt an den galischen brauch (s.510). den Slaven hieß die wintersonnenwende koleda, poln. kolęda, russ. koljada, was dem lat. calendae und jenem franz. chalendes entsprichtman versucht auch andere herleitungen (Hanusch 192. 193)., spiele und tänze wurden gehalten, gebrannter feuer geschieht keine meldung. auch in Niederdeutschland hatte sich kaland als ein ausdruck für fest und schmaus verbreitet, kalandgilden, kalandbrüder werden genannt, doch ohne einschränkung auf die weihnachtszeit, und keine feuer kommen dabei in betrachtNachtrag: Zu den weihnachtfseuern bemerke man die sitte, den angebrannten weihnachtsklotz aufzubewahren. Gefken cat. 56. dem lett. blukku wakkars, klotzabend d. i. weihnachtsabend. Bergm. 150, entspricht das litth. kalledos weihnachten von kalada block, klotz. andere feuer sind das fastnachtsfeuer Stalder 1, 356 und das in Oberschwaben am ersten fastensonntag vorgenommene scheibenschlagen, das nordfriesische biikenbrennen am 22. febr. s. Müllenhoff s. 167..

Wäre im mittelalter eine vermischung der beiden Johannes, des täufers und des evangelisten, vorgegangen, so möchte ich die eigentlich nur letzteren betreffende sitte der Johannesminne (oben s. 49) mit dem Johannisfeuer in berührung setzen. Es ist dabei allerdings von keinem feuer die rede, aber dem altnord. minnetrinken 523 waren feuer wesentlich; die Sueven bei ihrer bierkufe (s. 45) brannten auch wol feuer? in der saga Hâkonar gôđa cap. 16 wird gesagt: ›eldar scyldo vera â midjo gôlfi î hofino, oc þar katlar yfir, oc scyldi full of eld bera‹, und sollte man die becher rings um das feuer tragen. Sehr merkwürdig scheint mir das in einem theile Schwedens und Norwegens fortübliche ›dricka eldborgs skål‹ (schwed. abergl. 122. 123). zwei große lichter werden zur lichtmesse aufgestellt, jedes glied des hauses sitzt der reihe nach zwischen ihnen nieder und thut aus hölzernem becher einen trunk. nach dem trinken wird die schale rückwärts über das haupt geworfen, stellt sie sich niederfallend um, so stirbt der werfende; steht sie recht auf, so bleibt er am lebenbei anderm anlaß ähnliches rückwärtswerfen des ausgeleerten glases (abergl. 514. 707).. Frühmorgens hat schon die frau feuer in den backofen gemacht und versammelt nun in einem halbkreis vor dem ofenloch ihr gesinde; alle biegen die knie, essen einen bissen kuchen und trinken eldborgsskål, was von kuchen und getränke übrig ist wird in die flamme geworfen. Unverkennbare spur heidnischer feuerverehrung, auf das christliche fest der kerzenweihe, welches die meiste ähnlichkeit damit gewährte, verlegt.

Das nhd. ofen, mhd. oven, ahd. ovan, altn. ôn entspricht dem goth. aúhns, altschwed. omn, ofn, ogn, neuschwed. ugn, dän. on; alle bedeuten fornax, d. h. das im behälter eingeschloßne feuer (vgl. focus, fuoco, feu), ursprünglich aber war es des feuers name selbst, slav. ogan, ogen, böhm. ohen, litth. ugnis, lett. ugguns, lat. ignis, sanskr. agni, der gott des feuers. Wie nun das schwed. volk vor dem ugnshol niederkniet, so ist in deutschen märchen und sagen der zug, vor dem ofen zu knien, und ihn anzubeten, erhalten; unglückliche, verfolgte wenden sich zum ofen und klagen ihr leid, enthüllen ihm ein geheimnis, das sie der welt nicht anvertrauenhaus und kinderm. 2, 20. 3, 221. deutsche sagen no. 513. im kinderspiel der reim: ›lieber ofen ich bete dich an, hast du eine frau, hätt ich einen mann!‹ In dem lustspiel ›der ehrlichen frau Schlampampe leben und tod‹ Leipz. 1696 und 1750 heißt es act. 3. sc. 8: ›komm, wir wollen hingehen und vor den ofen knien. vielleicht erhören die götter unser gebet‹. Ein im j. 1558 beraubter, der stillschweigen gelobt hatte, erzählte im wirthshaus seine geschichte dem kachelofen. Rommels hess. gesch. 4. anm. p. 420. Joh. Müller Schweizergesch. 2, 92 (a. 1333). ›Nota est in elegiis Tibulli Januae personificatio, cui amantes dolores suos narrant, quam orant, quam increpant; erat enim daemoniaca quaedam vis januarum ex opinione veterum‹. Dissens Tib. 1, clxxviiii. vgl. Hartungs rel. der Röm. 2, 218 ff.. was sonst abgeschmackt scheinen würde, erklärt sich: es ist die vom uralten feuercultus übrig gebliebne, unverstandne form und formel. Auf ähnliche weise wird der mütterlichen erde oder einem stein, einer pflanze, einer eiche oder dem rohr (Morolt 1438) geklagt und gebeichtet. diese personification des ofens hängt zusammen mit vorstellungen des mittelalters von dem orcus und der hölle, als orten des feuers. vgl. Erebi 524 fornax (Walthar. 867) und was oben s. 212 über Fornax gesagt wurde.

Das leuchtende element gestattete ein fest in die nacht zu verlängern, feuer waren von jeher ausdruck von freudenbezeugung. wenn der cultus in freudenfeuer übergieng, ignes jocunditatis, feux de joie, engl. bonfires; konnten diese auch, ohne bezug auf göttliche verehrung, bei andern frohen anlässen, namentlich dem einzug des königs oder siegers vorkommen. so ließ man dem könig einen fackelwagen folgen, hernach den wagen anzünden, wie beim Johannesfest pflug und räder (RA. 265). ›faculis et faustis acclamationibus, ut prioribus regibus assueverant, obviam ei (non) procedebant.‹ Lamb. schafn. ad a. 1077. Von dem, was wir jetzt illumination, d. h. erleuchtung der straßen und baumgänge, nennen, gibt es wahrscheinlich ältere beispiele, als die ich anführen kann. ›von kleinen kerzen manec schoup geleit ûf ölboume loup‹ Parz. 82, 25. Detmar (ed. Grautoff 1, 301) beim einzug kaiser Carls (IV) in Lübeck: ›des nachtes weren die luchten bernde ut allen husen unde was so licht in der nacht als in dem dage‹. Auch die kirche geleitete mit fackelzügen: ›cui (abbati) intranti per noctis tenebras adhibent faces et lampadas‹. Chapeaville 2, 5 32 (12 jh.) ›Hirimannus dux susceptus est ab archiepiscopo manuque deducitur ad ecclesiam accensis luminaribus, cunctisque sonantibus campanis‹. Dietm. merseb. 2, 18. ›taceo coronas tam luminoso fulgore a luminaribus pendentes‹. vita Joann. gorziens. (vor 984) b. Mabillon act. Ben. sec. 5. p. 395Nachtrag: Ältere beispiele von illuminationen sind folgende: Johann. Chrys. orat. in reditum Flaviani cap. 4: όπερ ουν εποιήσατε στεφανώσαντες τὴν αγορὰν καὶ λύχνους άψαντες. Gregorius Naz. Athanasii narrans reditum Alexandriam orat. 21 s. 391: εω̃ λέγειν . . . πα̃σαν φωτὶ καταστραπτομένην πόλιν. Choricii Gazaei orationes ed. Boissonade Par. 1846 s. 101: σκεύεσι δὲ φωτὸς ειργασμένοις ευφημου̃μεν τούς ευεργέτας. splendida fuit illuminatio. mos is fuit veterum diebus laetis ac festis. ann. worm. 1251 (Böhm. font. 2, 168): regem incensis candelis et campanis pulsatis singulis diebus festivis denunciare. lichterbäume wurden bei processionen getragen. Lünzel stiftsfehde 135. 136. 279. vil liehtes gap dâ manec rone. Türl. Wh. 99b. vgl. Sæm. 22b. med brennandom liosom oc bornom viđi. die ksrchr. 91 erwähnt brinnende olvaz. nur von glockenläuten redet Walth. 28, 14: ir werdent hôh enpfangen, ir sît wol wert daz wir die gloggen gen iu liuten..

III. Luft.

die begriffe luft, wind, wetter berühren sich; auch oft in den ausdrückenluft nehme ich unter die wurzel liuban no. 530. deren urbedeutung noch dunkel ist, vgl. kliuban, kluft; skiuban, skuft.. alle sind wiederum als ein bewegtes, lebendiges wesen gedacht, wir haben gesehn, wie die wörter animus, spiritus, geist (s. 363. 382) auf genien gedeutet werden: auch das slav. duch ist hauch, athem, geist. Wuotan selbst war uns der alles durchdringende (s. 109), er ist gleich Vischnu der feine, das weltall füllende äther. aber auch geringere geister gehören diesem element an. Gustr, Zephyr, Blaser (s. 382), Bläster, Wind und Wetter (s. 454) eigennamen von zwergen, elben, riesen. in der litth. sage stehn die beiden riesen Wandů (wasser) und Wejas (wind) nebeneinander (s. 480). dem ahd. wetar, alts. wedar, ags. veder (tempestas) entspricht das slav. veter, vjetar (aer, ventus); dem goth. vinds, ahd. wint das lat. ventus. die in Alvismâl (Sæm. 50a) dem winde beigelegten namen erklären sich leicht aus der eigenschaft des wehens und stürmens: œpir, ejulans der heulende, vgl. alts. wôp, ahd. wuof ejulatus; gneggiođr (strepens, gleichsam hinniens); dynfari (cum sonitu iens).

Die personification bricht also schon in appellativen durch, in den mythischen vorstellungen selbst ist sie auf das mannigfaltigste ausgesprochen.

525 Holzschnitte und bilder (des Sachsenspiegels) pflegen, halbsymbolisch, die winde als blasende gesichter und häupter aufzufassen, wahrscheinlich von sehr früher zeit an, man wird dadurch des wehenden Johannishauptes erinnert, das die Herodias in den leeren räumen des himmels herumtreibt (s. 236). Die winde der vier hauptseiten treten als vier zwerge auf: ›undir hvert horn settu þeir dverg‹ Sn. 9. (s. 382)darum sind auch ôstrôni, westrôni, sundrôni, nordrôni männliche substantiva: die goth. formen würden lauten áustrôneis u. s. w.; nach griech. darstellung als riesen und brüder: Zephyrus, Hesperus Boreas, Notus (Hes. theog. 371), auch des Boreas söhne Zetes und Calais sind geflügelte winde (Apollonius Argon. 1, 219). Aeolus (αιόλος schnell, wandelbar, schimmernd, bunt), ursprünglich held und könig, wurde zum göttlichen beherscher und lenker der winde (ταμίης ανέμων s. 76) erhoben. Nach russischer volksüberlieferung sind die vier winde söhne einer mutterruss. volksmärchen. Leipz. 1831 p. 119., das altruss. Igorlied redet den wind mit ›herr‹ an, und die winde heißen Stribogs enkel›vjetrje vjetrilo gospodine‹. Hankas ausg. p. 12. 36., dessen göttliche natur sein name (bog) kund gibt. Ebenso wird in märchen, und von morgenländischen dichtern der wind redend und handelnd eingeführt: ›der wind, das himmlische kind!z. b. Nalus p. 180 (Bopps 2 ausg.) KM. no. 15. 88.

Die altn. stammsage macht Forniotr, den göttlichen urriesen (s. 199) zum vater des Kâri (stridens), ›der über die winde herscht‹ Kâri zeugt Iökul (glacies), Iökul Snœr (nix) den könig, dessen kinder, ein sohn Thorri, und drei töchter Fönn, Drîfa, Miöll heißen, lauter personificierte benennungen einzelner erscheinungen von schnee und eis (Sn. 358. fornald. sög. 2, 3. 17). Kâri ist aber bruder des Hlêr (s. 200) und Logi (s. 199), des wassers und feuers, wodurch die nahe verwandtschaft der luft mit den beiden andern elementen ausgedrückt wird. wie im alten Norden blâs kâri! wird vom schwed. schiffervolk gerufen: blås kajsa! statt des gottes eine göttin Afzelius 1, 30. wind und feuer wehen und sprühen, ja das feuer heißt der rothe wind: ›von ir zweier swerte gie der fiurrôte wint‹. Nib. 2212, 4. in diesem sinn steht einer höheren gottheit, dem Niörđr, die herschaft zugleich über wasser, wind und feuer zu (s. 180) und Loptr (aereus) ist auch name des Loki (s. 204). bemerkenswerth scheint Cædm. 181, 13: ›lyfthelme beþeaht‹ galea aerea tectusNachtrag: Der wind heißt skr. anila = άνεμος, auch pavana reiniger, wie das feuer pâvaka von pû (anm. 1527). ähnlich ist finn. tuuli ventus, tuli ignis. vgl. des fiuwers wint. Gudr. 499, 2. viwerrôter wint. Nib. 1999, 2. ahd. kommt suëp aer vor. Graff 6, 856, altn. svif motus repentinus, vibratio. wie Wuotan der alles durchdringende äther, bedeutet Zeus soviel wie aër. αὴρ ὸν άν τις ονομάσειε καὶ Δία. fragm. Philemonis bei Meineke 4, 32 (bei Euripides steht aether für Zeus.) auch lateinisch gilt Jupiter für aër. Valcken. ad Herod. 2, 13. vgl. plurimus Jupiter michil luft. gi. sletst. 6, 467. nach Servius zu Aen. 1, 51 nahm man Juno für die luft. die Griechen opfern dem Boreas. Xenoph. anabas. (Koch 92). die Scythen ehren den άνεμος göttlich, als ursache des lebens, wie das schwert als die des todes. Lucian. Toxaris 38. GDS. 222. 459. den Finnen heißt die μαλακία weg des Wäinämöinen, Väinämöisen tie oder kulku, der gott ist daher gegangen, nun ist es hehr und still. er heißt auch Suvantolainen, von suvanto, locus ubi aqua quiescit. im nordischen ist Andvari ein zwerg, aber auch ventus lenis, contrarius. vgl. Bifliđi, Ôskabyr s. 123. 529, Wüetelgôz s. 304, þoden (anm. 336). im Ma. ›habent Paulus und Johannes dâ ze himele weteres gewalt‹. Ksrchr. 10948. sie heißen die wetterherren, und ihr tag (26. juni) die hagelfeier. Scheffers Haltaus 111. Waltwint wird durch auster gegeben. Mones anz. 8, 409, weil er vom walde herkommt, die winde haben einen wohnort: Vindheim vîđan byggja. Sæm. 10ar. Wint, Wintpôz, Wintesbal? sind eigennamen. Graff 1, 624. wind ist der windhund. Kuhn in Haupts zeitschr. 6, 131, wie Donner, Sturm hundenamen sind. der wind wird geehrt. Tit. 2, 2: des solt der luft sîn gêret von spers krache. Helmbr. 461: er neie gegen dem winde, der da wâte von Gotlinde. MS. 1, 6b: stâ bî, lâ mich den wint anwaejen, der kumt von mînes herzen küneginnen. viele ausdrücke bezeugen die persönliche auffassung des windes. wir sagen noch: der wind geht, steht still. spiritus ubi vult spirat, der wint waeje als er welle. Barl. 257, 11. vlôch waer die wint ghebôt. Maerl. b. Kästner 18b. winde reiten. Ahlw. zu Oisian 2, 278. der wind führt heran: quel vent vos guie? Ren. 2127. 3728. quel vent vos maine? 2675. quel vent vos mene et quel oré. 2654. d. h. woher kommt ihr? vgl. welcher teufel, kukuk führt euch her? s. 846. die winde sind wild. Trist. 2415. Greg. 646. 754. Renn. 22962. erzürnet sind die lüfte. Dietr. und ges. 393. die lüfte solden zürnen (über den hohen bau der türme). Servat. 84. die luft dröhnt, murmelt, grunzt: grunzet fone ungewitere. N. Cap. 58. grôt wint ende gesoech. Lanc. 3899. die winde begunden swegelen (pfeifen). Servat. 3233. vgl. up dem windes horne. weisth. 3, 231. Über Fönn, Drîfa, Miöll s. GDS. 685..

Wenn noch in unserer heutigen sprache eine art des sturmwinds (ahd. wîwint Graff 1, 624) genannt wird windsbraut (venti conjux) und schon in der älteren so hieß ahd. wintes brût O. V. 19, 27. windis prût gl. Hrab. 975b Jun. 230. Diut. 2, 182. gl. florent. 982a 983b 984b; mhd. windes brût (gramm. 2, 606) Tit. 3733; ›swinder danne windes brût‹ Ms. 2, 131a; ›lief spilnde als ein windes brût durch daz gras‹. fragm. 19a; ›alsam in rôre diu windes brût‹ Reinfried 159b; ›varn mit hurt als ein windes prût‹ 526 frauend. 92, 13; so scheinen nur die eigennamen verlorenOrithyia von Boreas entführt (Ovid. met. 6, 710) konnte Albrecht mit gutem fug windesbrût nennen.. die verderbten formen wintsprout, wintspraut (Suchenw. 41, 804) windbrauß (bei späteren, z. b. Matthesius) windsprauch (Schm. 4, 110) sind aus dem bestreben hervorgegangen, dem unverständlichen mythischen begrif eine andere deutung unterzulegen. Man nennt sie eine frau, welche das tuch von der bleiche in die höhe reißt und dann mit ihm herabfällt. Mone anz. 8, 278. so heißt in den Niederlanden der wirbelwind barende frauw. Wolf no. 518–520.Nachtrag: Von der windsbraut heißt es: mit einer windes briute wurden si getwungen. Servat. 2302. in nam ein windes brût. Servat. 2844. flugen vaster dan ein windes brût. Engelh. 4771. daz diu windes brût gelît. Haupts zeitschr. 7, 381. gelîch der windesbriute. Troj. kr. 33571. es erhub sich eine windsbraut, die man nennet nordost. Apostelgesch. 27, 14 (vulg. ventus typhonicus). ein windsbraut hat mich weggeweht. Hoffm. gesellsch. 107. alte glossen haben nimphus, nimpha, sturmwind (Graff 1, 625), man scheint nimbus damit zu mengen, oder ist es verwandt? in Frankreich spricht man vom winseln der Melusine (s. 361), die in Böhmen nach Popowitsch für eine göttin des windes gilt, der man mehl aufs fenster stellt für ihre kinder (anm. 1621). vgl. das winseln der Vile und das weinen der est. tuuleema windesmutter. Böcler 146. 147. kommt der schweiz. harein Stalder 2, 21 vom ahd. harên clamare Graff 4, 578 oder von charôn queri Graff 5, 465? andere ausdrücke für windsbraut sind windgelle venti pellex (snêgelle). Haupts zeitschr. 6, 290. Rocholz 2, 408. bair. windgäsperl, schwäb. windgäspele. Leoprechting 101. 120, in Baiern mitunter windschbrach, brausz. Panzer beitr. 2, 209. saukegel. Rocholz 2, 187. alt sind noch: wanda f. turbo. Graff 1, 761. altn. roka turbo. weitere ahd. bezeichnungen sind: ungistuomi strepitus, ungestüm vehementia aëris (abergl. H. cap. 77). ungewitiri tempestas, procella. Graff 1, 630. arapeit tempestas, procella. Graff 1, 407. heifti tempestas. windb. 308. 313. unst procella tempestas, ags. ûst. treip agebat (nubila ventus). Graff 5, 482. vgl. altn. drîfa tempestas nivium, drîfa örva nimbus sagittarum. als winters vorboten galten: twer und sûrin bîse. MS. 2, 193«. ungünstiger wind hieß mhd. twer oder twere (gramm. 3, 390) und altn. Andþvari, Andvari soll dasselbe bedeuten und ist zugleich zwergname. vgl. von luftes geduere. himelrîche 292 (Haupts zeitschr. 8, 153). die winde sluogen in entwer. Haupts zeitschr. 7, 378. 379. der sturmwind heißt im pass. und Jeroschin flâge. windes vlâgen. Marienleg. 84, 21. 87, 8. die wint ene vlaghe brachte. Rose 13151. Maerl. 3, 189. nnl. vlaag. gothländ. flagä, vindflagä. Almqvist 422b. rotten und sturmwinde. Luthers briefe 5, 155. slav. heißt es vichr, poln. wicher, böhm. wichr; litth. ummaras und wĕsulas windwirbel, eilung. (zum mundartl. eilung, mnl. ylinge. Wessels bibel s. 7. vgl. altn. êl, jel nimbus.) die Griechen hatten άελλα, θύελλα, λαι̃λαψ, die Italiener nennen den sturm fortuna di mare..

Diese windsbraut ist ein wirbelwind, bei dem unsere mythologie die höchsten götter ins spiel bringt. selbst Wuotans wütendes heer was ist es anderes als eine deutung des durch die luft heulenden sturmwindes? das ahd. ziu, turbines, wurde s. 168. 236 auf Zio zurückgeführt, die sturmwolke hieß maganwetar (s. 276). aber der wirbelwind scheint auch mit Phol in bezug gesetzt (s. 189. 236) und mit einer höhnenden benennung des teufels (schweinezagel, säuzagel, sûstert), dem man das aufregen des wirbels beimaß (abergl. 522)zwei poln. sagen bei Woycicki 1, 81 und 89: kreist der wirbelwind (wicher) und fegt den flugsand, so tanzt der böse geist; man werfe ein neues scharfes messer mitten hinein, das wundet ihn. Ein zaubrer steckte ein neues scharfes messer in die schwelle und verwünschte seinen diener, dem er zürnte, sieben jahre auf dem schnellen sturmwind durch die welt zu jagen. da hob der wirbel den burschen, der heu auf einer wiese häufelte und riß ihn fort in die lüfte. Das messerwerfen kennt auch der deutsche aberglaube durchgängig (no. 554)., ebenwol den hexen (abergl. 554). es war darum ganz natürlich, daß man auch höhere weibliche wesen des alterthums als urheberinnen des wirbelwinds ansah, die kreisende, tanzende Herodias und frau Hilde, frau Holde (s. 237). er ist ein fahrendes weib (Kilian 693), die celtische sage läßt ihn von feen aufgeregt werden, irisch heißt er sigh gaoite (OBrien), sighgaoithe (Croker III, xxi); im wirbelwind stehlen elbische geister (Stewart s. 122). Auch nach dem schwed. volksglauben kündigt sich die skogsrå (waldfrau) durch einen scharfen, die bäume bis zum brechen schüttelnden wirbelwind an. den Slaven ist polednice (oben s. 396) ein weiblicher dämon, der im staub des wirbelwinds auffliegt (Jungmanns s. v.). Nach einer märkischen sage bei Kuhn no. 167 war die windsbraut ein edelfräulein, welches die jagd über alles liebte und die saaten des landmanns verheerte, dafür ist sie nun verwünscht mit dem sturm in alle ewigkeit dahinzufahren; das gemahnt wieder an Diana und die jagende HoldaNachtrag: Zio ist gleich Mars und Indras, dem gott der winde und seelen, der mit den Maruts, den sturmgeistern, die riesen der finsterniss bekämpft. Haupts zeitschr. 5, 488. 489. 6, 131. Wuotan, der gott der wilden jagd, zieht gleich dem sturm durch die ofnen thüren s. 767. 772. 776. Hodeke heult (anm. 1285). die windsbraut und der teufel heißen sûstert s. 832 oder hammer s. 835. vgl. saukegel. Rocholz 2, 187. windsau in Baiern. Zingerle Oswalt 83 (αιγίς sturmwind). auch frau Fiuk oder Frick kommt als windgöttin vor. Haupts zeitschr. 5, 376. 6, 131. vgl. die fahrende mutter. Wolfs nl. sagen no. 518. in einem dorfe bei Passau sagt man für wirbelwind mueml, ›mueml ist drin‹ (mueml sonst auch krölc), auch schratl. Schmeller 3, 519. 522. der sturmwind hat händenu bin ich sturmwinden alrêrst in die hant gevarn. Trist: . 8848..

Außer solchen weit verbreiteten vorstellungen scheint auch noch eine besondere über des winds ursprung fast durch ganz Europa zu reichen. zufolge der edda heißt Hræsvelgr ein riese, der in adlergestaltden arnar ham nehmen die riesen öfter an sich: Thiazi (Sn. 80. 82) Suttûngr (Sn. 86). an des himmels ende sitzt: von seinen flügeln 527 kommt aller wind über die menschen (Sæm. 35b). Snorri bestimmt es noch genauer: er sitzt an der nordseite des himmels, und wenn er die flügel schwingt (beinir flug), erheben sich unter ihnen die winde (Sn. 22). und in der formel des trygdamâl (Grâgâs 2, 170) heißt es: ›svâ vîđa sem valr flŷgr vârlângan dag, oc standi byrr undir bâda vœngi‹, so weit der habicht einen sommerlangen tag fliegt, wenn ihm günstiger wind unter beiden schwingen steht. Leichte sturmdrohende wolken nennt man auf Island klôsîgi (Biörn schreibt klôsegi) d. i. klauensenkung, nach Gunnar Pauli, weil der adler durch niedersenkung der einen klaue sturm verursache (Finn Magn. p. 452)auch den tag dachte man sich als einen vogel, der seine klauen in die wolken schlägt.. auch nach indischem glauben kommt sturmwind von Garudas flügeln Somadeva 2, 102. des flugs bewegung regt den wind.

Nun soll man auch auf den shetländischen inseln den sturmwind in der gestalt eines großen adlers beschwörenWalter Scotts pirate. Edinb. 1822.. Es wird ferner berichtet, Carl der große habe zu Achen im gipfel des palastes einen ehernen adler aufgestellt, zwischen welchem und dem wind irgend ein bezug eintrat; Richerus erzählt 3, 71 (Pertz 5, 622) den einfall der Welschen im j. 978: ›aeneam aquilam, quae in vertice palatii a Karolo magno acsi volans fixa erathierbei übersehe man nicht, daß auch in Ođins saal an der westlichen thür ein wolf und darüber ein adler hieng (drûpir örn yfir) Sæm. 41b und daß die Sachsen nach erfochtnem sieg über das thor einen adler setzten (oben s. 91)., in vulturnum converterunt. nam Germani eam in favonium (oberdeutsch föhn) converterant, subtiliter significantes Gallos suo equitatu quandoque posse devinci‹. der sinn scheint, die Franzosen drehten den kopf des adlers nach südost, die Deutschen nach westen, damit anzuzeigen, dass sie gleich dem sturm in das land ziehen (reiten, das will equitatus sagen) könnten, wohin des vogels kopf gerichtet sei. Dietmar von Merseburg 3, 6 (Pertz 5, 761) drückt sich so aus: post haec autem imperator ordinavit expeditionem suam adversus Lotharium regem Karelingorum, qui in Aquisgrani palatium et sedem regiam nostrum semper respicientem dominium valido exercitu praesumpsit invadere sibique versa aquila designare. haec stat in orientali parte domus, morisque fuit omnium hunc locum possidentium ad sua eam vertere regna. diese angabe scheint ungenauer als bei Richerus, denn nicht in das eigne reich, sondern das fremde, abhängige richtete man des adlers haupt. vgl. Jahrb. d. Rheinlande. V. VI. 73. Aber noch im 12. jh. kannte man in Deutschland den zusammenhang des windes mit dem adler, Veldek singt MS. 1, 21a: ›jârlanc ist reht, daz der ar winke dem vil süezen winde‹. heuer soll uns der adler milden wind zuführen. Wie viele gangbare vorstellungen des mittelalters sind uns verloren, da unter allen dichtern, die unzähligemal von luft, wind und 528 sturm reden, nur ein einziger auf diesen mythus anspielt. Aber nicht bloß aquila und aquiloFestus: ›aquilo ventus a vehementissimo volatu ad instar aquilae appellatur‹, vgl. bei Hesychius ακιρὸς ο βορρα̃ς., vultur und vulturnus weisen auf einander, auch άνεμος und αετός, von der wurzel άω, άημιWackernagel über ablaut p. 30. Eustathius zur Il. 87, 15 Rom.. nach Horapollo 2, 15 stellt ein sperber mit ausgebreiteten schwingen den wind vor. adler, habicht, geier, sperber sind hier identische raubvögel. der indische vogel garuda ist zugleich der wind. auch das A. T. denkt sich die winde gefitticht, ohne den vogel anzugeben, II. Sam. 22, 11 schwebte auf den flügeln der winde; ps. 18, 11. 104, 3 volavit super pennas ventorum. N. verdeutscht: übertloug die vettacha dero windo, und Martina 7c heißt es mit bezug auf den biblischen redegebrauch: ›der ûf der winde vedern saz‹. der von Herbort 17091 gebrauchte ausdruck ›der wint liez ouch dare gân‹ ergibt, daß ihn der dichter sich entweder fliegend oder reitend dachteNachtrag: Hieß ein wind vorwitz?

do kam ein wint geflogen dar,
der ist virwitz genant,
in hânt die meide wol erkant
unde ouch die vrouwen über alle lant.   Renn. 84.
sân kumt her virwitz gerant
und loeset den meiden ûf diu bant.   Renn. 268Vgl. gr. λυσίζωνος, ζώνην λύειν. Catull 59, 53 tibi (Hymenaee) vhgines zonula solvunt sinus. 65, 28 zonam solvere virgineam..

vgl. Simpl. 1, 568: der fürwitz, so jungfern theuer machet. Beov. 464. 3966. 5565: hine fyrvit bräc. Turl. Wh. 128a: vurwitz segens (anm. 699). Hebel 157: 's stichts der wunderwitz. Uhland volksl. 636: fürwitz, der krämer. ahd. heißt firiwizi auch portentum, mirificum. Graff 1, 1099. man saget mir von kinde, daz keme uns von dem winde. erlösung 2440. Wie im norden der sturmriese Hræsvelgr bekannt war, heißt in Kl. Grooths Quickborn der sturm de grote und de lütge windkerl. vgl. gott füget den wind. Rabenschl. 619. der gotes geist daz (? saz) ûf des luftes vederen. aneg. Hahn. 4, 72. Αίολος φίλος αθανάτοισι θεοι̃σι. Od. 10, 2. κει̃νον γὰρ ταμίην ανέμων ποίησε Κρωνίων. 10, 21. bei Virgil sitzt er in einer felsenhöle und wird von Juno um wind gebeten. Aen. 1, 52. 64. vgl. KM. no. 89: weh, weh, windchen!

Adler wurden auf dachgiebeln oder zeltspitzen häufiger angebracht.

le grant tref Karlemaine font contremont lever,
par desor le pomel font l'aigle d'or poser,
par devers Montauban en fist le chief torner.   Renaus 151, 2–4.

ein goldadler oben auf der burg. Auberi 73. auf dem zelt oben ein guldin ar. En. 9160. über den einfall der Welschen im jahre 978 vgl. Giesebrechts Otto 2 s. 48. Kalevala tom. 2, 12 (gesang 17, 341. ed. 1):

du min örn min sköna fogel
vänd åt annat håll ditt hufvud,
tillslut dina skarpa ögon.

goldnen adler auf dem dach erwähnt auch Athenäus 2, 259, wobei zu bemerken ist, daß gr. αετός zugleich adler und giebel heißt. Auch bask. egoa südwind ist verwandt mit egoa, egaa, egala, ala. Pott 2, 190. Göthe singt: die winde schwangen leise flügel. Wettergewölk wird auch mit einer ausgebreiteten baumwurzel verglichen und windwurzel genannt, die sturmwind ankündet. Schmidt von Werneuchen. 131.

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Den Finnen ist kokko (kotka) der adler, aber ein lied, das den nordsturm schildert, beginnt: ›kam der adler her aus Turja, senkt von Lappmark sich ein vogel‹ und schließt: ›unterm flügel hundert männer, tausende auf schweifes spitze, zehn in jeder spule stehn‹finnische runen. Ups. 1819 p. 58–60.. Und in einem neugriech. volkslied ruft der sperber (wie bei Horapollo) die winde an, sich zu beschwichtigen: ›απὸ τὰ τρίκορφα βουνὰ ιεράκι έσυρε λαλιά· πάψετ', αέρες, πάψετε απόψε κ'άλλην μιὰν βραδιάFauriel 2, 236. Wh. Müller 2, 100.‹. die winde stehn unter des vogels befehl und gehorchen ihm. in einem andern liede bestellt die mutter ihrem schlafenden sohn drei hüter, die sonne in den bergen, den adler (αετός) auf der ebene, den frischen herrn Boreas auf dem meer: die sonne geht unter, der adler schläft ein und Boreas geht zu seiner (eignen) mutterFauriel 2, 432. Wh. Müller 2, 120.; nach der ganzen zusammenstellung muß hier unter dem adler der süße, sanfte wind, unter Boreas der frische nordwind verstanden werden.

Hræsvelgr (ahd. Hrêosuelah?) bedeutet leichenverschlinger, fleischesser, skr. kravijâda, was auf raubvögel, die vom aas zehren, geht, aber auch auf die luftreinigenden winde und stürme bezogen werden darf. sie tilgen die ausdünstung der unbegraben liegenden leichen.

Ist darin der wahn begründet, wenn sich einer aufhänge, daß dann sturmwind entstehe, windestosen einen menschen verkünde, der sich aufgehängt hat?abergl. 343. 1013. Kirchhofers schweiz. spr. 327. Cl. Brentano Libussa p. 432. Sartoris reise in Kärnten 2, 164. Leoprechting 102. der raubgierige vogel nahet hastig, um sich des todten zu bemächtigen, der ihm verfallen unbeerdigt am baum schwebt? Oder tobt die luft, weil sie den selbstmörder nicht in sich duldet? Neujahrsturm soll pest ankündigen (abergl. 330. 910), im voraus leichengeruch verbreitend.

529 Den sturmwind (gleich dem feuer) stellt sich das volk vor als ein gefräßiges, hungriges wesen (folglich als riesen, nach dem begrif von iötunn s. 430) und sucht ihn durch in die luft geschüttetes mehl zu beschwichtigenabergl. 282. Praetorius weltbeschr. 1, 429: zu Bamberg, als starker wind wütete, faßte ein altes weib ihren mehlsack, schüttete ihn aus dem fenster in die luft, und sprach dazu die worte: ›lege dich, lieber wind, bring das deinem kind‹! Sie wollte damit den hunger des winds, als eines fräßigen löwen oder grimmigen wolfs stillen.. ich halte dies für uralten aberglauben, und ihn setzt jetzt das norweg. märchen bei Asbjörnsen no. 7 ins licht von dem nordwind, der dreimal einem kerl das mehl wegnimmt, ihn aber hernach dafür durch kostbare geschenke begütigt. der nordwind erscheint hier ganz als ein grober gutmütiger rieseNachtrag: Den wind füttert man mit lumpen, werch, die man ihm entgegen wirft. Leoprechting 102. auch in Österreich opfert man (nach Popowitsch s. v. wind) dem sturm aus dem dachfenster in einer brotschaufel mehl und sagt dabei:

nimm hin, mein lieber wind,
trag heim deinem weib und kind
und komm nimmer!

statt dem winde zu essen zu geben, sagt eine frau: ›ich wollte den hund lieber erstechen‹ und wirft das messer in den hof (s. 526). vgl. Matth. Koch reise in Tirol. s. 87. 88. die winde wurden als mehlfressende hunde gedacht. Haupts zeitschr. 5, 373. 376. 6, 131. vgl. Hodekens heulen (anm. 1607). beim seesturm erscheint eine taube, fliegt dreimal ums schif, einer streckt seine hand aus: de cauda ejus tres tulit pennas, quas mari intinguens tempestatem compescuit. Venant. Fortun. vita Radegundis. acta Bened. sec. 1. p. 332. auch die θύελλα Od. 20, 63. 66 entführt, wie der norw. nordwind. den schädlichen winden ran. 845. Virg. Aen. 3, 117. für günstigen wind wird ein bock opferte man schwarze lämmer, den günstigen weiße. Aristoph. an den mast gehängt. Hones yearb. 1553. über irischen windcultus vgl. Conan 111–115.

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Die erregung des wirbelwindes, wie wir sahen (s. 526), wurde göttlichen, halbgöttlichen und teuflischen wesen zugeschrieben. in Norwegen heißt es, wenn unwetter und wirbel toben, ›der riese rührt die kessel‹. Faye p. 7.

In den beiden wettersegen (anh. beschwör. V.) werden Mermeut und Fasolt als böse geister und urheber der stürme angerufen. Fasolt ist der aus unserer heldensage bekannte riese, Eckes bruder, welcher selbst gott der fluten und wellen war (s. 198). beide brüder haben verwandte bestimmung, sie gebieten dem grausenhaften meer und dem wetter. Die auskunft jener beschwörungsformel über Fasolt scheint mir von wichtigkeit und wieder ein schlagender beweis für die identität des Ecke und Oegir: denn wie Hlêr und Kâri, sind auch Ecke und Fasolt brüder und riesen; wie Hlêr dem meer, Kâri den winden, so gebietet Ecke dem gewässer, Fasolt dem sturm. der wind heißt den nord. dichtern Forniots sonr, Oegis brôđirForniots sefar = meer und wind. Sæm. 90b.. Da nun Hlêr bei einem andern volk Oegir, d. i. Uogi, Ecke hieß, kann auch Kâri Fasolt geheißen haben. Fasolt muß schon darum ein altes wort sein, weil es sich schwer erklärt; gehört es zum ahd. fasa, fasôn? (Graff 3, 705.) altn. ist fas superbia, arrogantia, der name scheint riesenhaften übermut auszudrücken. Mermeut, was sonst nirgends vorkommt, könnte aussagen: im meer tosend, murrend? Schm. 2, 552. 653 hat maudern, mutern, murmurare.

Diese halbgötter und riesen verhalten sich zu Donar, dem höchsten lenker der wolken und wetter, wie Äolus oder Boreas zu Zeus.

Von Zeus gieng der günstige, erwünschte wind aus. Διὸς ου̃ρος Od. 5, 176. Wuotan (der alldurchdringende s. 524) schaft den wunschwind, ôskabyrr (s. 123. 124). auf welcher vorstellung beruht, daß Wolfram im Parz. 753, 7 die Juno ›segels luft‹ geben läßt? auch Parz. 750, 7. 766, 4: Juno fuocte daz weter, segelweter. den im korn säuselnden fruchtbaren wind schreibt man Frô und seinem eber zu (s. 176. 177). ein altn. name Ođins war Viđrir 530 (der wetterer) ›at þeir sögđu han veđrum râđa‹ (fornm. sög. 10, 171). den Slaven galt Pogoda für einen solchen gott, noch heute bezeichnet das poln. pogoda, böhm. pohoda gutes, dem getraide zuträgliches wetter. Typhon, nach ägyptischer sage bezeichnete den südwind, Hes. theog. 301. 862.

Die Letten nahmen einen gott der winde und stürme Okkupeernis an, und glaubten, daß diese von seiner stirne den himmel herab zur erde kommenokka, sonst auka, sturm; peere stirne. Stenders gramm. 266..

In einer altn. saga (fornald. sög. 3, 122) tritt riese Grîmnir auf, dessen vater und bruder Grîmôlfr und Grîmarr heißen, eine art Polyphem, welcher sturm und guten wind erregen kann; es ist dabei wieder an Ođinn (s. 124) zu denken. Halbgöttliche, in eignen tempeln und durch blutige opfer verehrte wesen waren die riesentöchter Thorgerđr und Irpa (oben s. 80). skâldskaparmâl 154 heißt Thorgerđr Hölgabrûđr, d. i. tochter des königs Hölgi, anderwärts hörgabrûđr oder hörgatröll (fornald. sög. 2, 131), sponsa divum, immanissima gigas, was an jenes windsbraut erinnert. beide schwestern sandten, wenn sie darum angefleht wurden, unwetter, sturm und hagel. fornm. sög. 11, 134–137. Außer ihnen werden in altn. sage noch andere frauen genannt, die unwetter und nebel schaffen, z. b. Heiđi und Hamglöm (fornald. sög. 2, 72) Ingibiörg (das. 3, 442vgl. s. 276. 383 hulizhialmr.Nachtrag: Göttliche, halbgöttliche und teuflische wesen erregen den wind (anm. 356). gott füeget den wint. Rabenschl. 619. auch in den serbischen liedern wird gott um wind angerufen. Vuk II. 561, 1089. I. 369. no. 511, 370. no. 513, 322. no. 455. Christus wird um wind angerufen. sv. vis. 2, 167. die im sturm angerufenen heiligen heißen wazzerheilige. Marienleg. s. 85. Paulus und Johannes, zwei martyrer, hânt da ze himele weteres gewalt. Ksrchr. Diem. 335, 1. name eines wetterriesen scheint Scrâwunc. Haupts zeitschr. 6, 290. Fasolt jagt im gebirge ein weib. Ecke 167 wie auch Wuotan. vgl. mein sohn Windheim. Wolfs zeitschr. 1, 311. wenn es Roth. 4226 heißt: der wint von Aspriâne dôz, ist das noch bedeutsam? die lute sprochen, es wer kein naturlich wind, sie meinten, es were kein tufel in der helle blebn, sie weren alle huszegewest und wolden uns vortobe. Stolle 170. vgl. anm. 1603: quel vent vos guie? ochsen wühlen mit ihren hörnern den sturmwind im sandhügel auf. Thiele 2, 257. Müllenhoff s. 128. Zu Wuotan ôskabyrr vgl. anm. 371. altn. byr, dän. bör ist günstiger wind. niederdeutsche schifferausdrücke sind , ein rasch aufsteigender und vorübergehender windstoß, böiges wetter, donner, regen, hagelbö. slav. bourja procella. Miklos s. 6. serb. bura, russ. buran sturmwind vgl. βορέας. Boreas hilft den Griechen. Herod. 7, 189. Darf man zum altn. namen Ođins Viđrir das ags. hviđa hveođa aura lenis, hveođrian murmurare stellen? das slav. pogoda heißt litth. pagada, günstiger wind und günstiges wetter. Der nebel heißt altn. kerlîngar vella nebula humi repens..

Was man ursprünglich göttern, halbgöttern und riesen beilegte, die hervorbringung von wind, sturm und hagel (vis daemonum concitans procellas. Beda hist. eccl. 1, 17) wurde späterhin menschlichen zauberern zugeschrieben.

Schon die lex Visigoth. VI. 2, 3 verordnet gegen die ›malefici et immissores tempestatum, qui quibusdam incantationibus grandinem in vineas messesque mittere perhibentur‹. Carl der große im capit. von 789 cap. 64 (Pertz 3, 64) ›ut nec cauculatores et incantatores, nec tempestarii vel obligatores non fiant, et ubicunque sunt emendentur vel damnentur‹. bald nach des königs tod, zu anfang der regierung Ludwig des frommen, schrieb bischof Agobard († 840) contra insulsam vulgi opinionem de grandine et tonitruis. aus dieser schrift ziehe ich, nach Baluzes ausg. der werke Agobards, einige stellen.

1, 145. in his regionibus pene omnes homines, nobiles et ignobiles, urbani et rustici, senes et juvenes, putant grandines et tonitrua hominum libitu posse fieri. dicunt enim, mox ut audierint tonitrua et viderint fulgura: ›aura levatitia est‹. interrogati vero, quid sit aura levatitia? alii cum verecundia, parum remordente conscientia, alii autem confidenter, ut imperitorum moris esse solet, confirmant incantationibus hominum, qui dicuntur tempestarii, esse levatam, et ideo dici levatitiam auram. 531

1, 146. plerosque autem vidimus et audivimus tanta dementia obrutos, tanta stultitia alienatos, ut credant et dicant, quandam esse regionem, quae dicatur Magonia, ex qua naves veniant in nubibus, in quibus fruges quae grandinibus decidunt et tempestatibus pereunt, vehantur in eandem regionem, ipsis videlicet nautis aëreis dantibus pretia tempestariis, et accipientibus frumenta vel ceteras fruges. Ex his item tam profunda stultitia excoecatis, ut hoc posse fieri credant, vidimus plures in quodam conventu hominum exhibere vinctos quatuor homines, tres viros et unam feminam, quasi qui de ipsis navibus ceciderint: quos scilicet per aliquot dies in vinculis detentos tandem collecto conventu hominum exhibuerunt, ut dixi, in nostra praesentia, tanquam lapidandos. sed tamen vincente veritate post multam ratiocinationem ipsi qui eos exhibuerant secundum propheticum illud confusi sunt, sicut confunditur fur quando deprehenditur.

1, 153. nam et hoc quidam dicunt, nosse se tales tempestarios, qui dispersam grandinem et late per regionem decidentem faciant unum in locum fluminis aut silvae infructuosae, aut super unam, ut ajunt, cupam, sub qua ipse lateat, defluere. frequenter certe audivimus a multis dici quod talia nossent certis in locis facta, sed necdum audivimus, ut aliquis se haec vidisse testaretur.

1, 158. qui mox ut audiunt tonitrua vel cum levi flatu venti dicunt ›levatitia aura est‹, et maledicunt dicentes: ›maledicta lingua illa et arefiat et jam praecisa esse debebat, quae hoc facit!‹

1, 159. nostris quoque temporibus videmus aliquando collectis messibus et vindemiis propter siccitatem agricolas seminare non posse. quare non obtinetis apud tempestarios vestros, ut mittant auras levatitias, quibus terra inrigetur, et postea seminare possitis?

1, 161. isti autem, contra quos sermo est, ostendunt nobis homunculos, a sanctitate, justitia et sapientia alienos, a fide et veritate nudos, odibiles etiam proximis, a quibus dicunt vehementissimos imbres, sonantia aquae tonitrua et levatitias auras posse fieri.

1, 162. in tantum malum istud jam adolevit, ut in plerisque locis sint homines misserrimi, qui dicant, se non equidem nosse immittere tempestates, sed nosse tamen defendere a tempestate habitatores loci. his habent statutum, quantum de frugibus suis donent, et appellant hoc canonicum. Viele sind säumig in zehnten und almosen, canonicum autem, quem dicunt, suis defensoribus (a quibus se defendi credunt a tempestate) nullo praedicante, nullo admonente vel exhortante sponte persolvunt, diabolo inliciente. denique in talibus ex parte magnam spem habent vitae suae, quasi per illos vivantNachtrag: Mit den angeführten verordnungen der lex Visigoth. vergleiche den indic. superstit. bei Pertz 3, 20 de tempestatibus et cornibus et cocleis und Seneca's stelle über hagelhüter (χαλαζοφύλακες) in Wolfs nl. sagen s. 693. εν Γέταις χαλαζα̃ν heißt es von Zeus bei Lucian 7, 51..

Es lag nah, ziehende hagelwolken einem über den himmel fahrenden schif zu vergleichen; unsere götter sind ja mit wagen und schiffen ausgestattet, und s. 276 sahen wir daß schon die edda der wolke den namen vindflot beilegt. Wenn aber die wettermacher durch ihre beschwörung das luftschif herbeiriefen oder 532 heranzogen, sind sie mehr diener und gehilfen, als urheber des sturms. der eigentliche herr des wetters nimmt das niedergehagelte getraide zu sich ins schif und lohnt den zauberern, die man seine priester nennen könnte. das christliche volk sagte: die zauberer verhandeln das getraide dem luftschiffer, der es wegführt. Welches mythische land steckt aber in Magonia? man weiß nicht, ob Agobard in Deutschland oder Gallien geboren war, sein fränkisches oder burgundisches geschlecht zeigt schon der name; eben so wenig ist bekannt, ob er die abhandlung zu Lion oder früher an einem andern orte niederschrieb. aber die benennung Magonia selbst scheint auf eine gegend zu führen, wo lat. sprache herschte, wenn man dabei an magus, und an ein zauberland denken darf.

Späterhin finde ich dieses nebelschiffes nicht gedacht außer bei H. Sachs, der II. 4, 89c in dem schwank von den Lappenhäusern erzählt, sie hätten aus federn und stroh ein schif gebaut und es auf den berg getragen, um, wenn der nebel falle, darin abzufahren. Fischart redet Garg. 96a ganz abgebrochen von des Philoxenos (des gastfreundes oder Zeus?) nebelschifs segel, in einer stelle, der nichts bei Rabelais entspricht.

Im späteren mittelalter gieng eine sage von windverkaufenden einwohnern Vinlands um, die ich aus des Glanvil oder Bartholomaeus anglicus gegen 1360 abgefaßtem werk de proprietatibus rerum 15, 172 mittheile: gens (Vinlandiae) est barbara, agrestis et saeva, magicis artibus occupata. unde et navigantibus per eorum litora vel apud eos propter venti defectum moram contrahentibus ventum venalem offerunt atque vendunt. globum enim de tilo faciunt et diversos nodos in eo connectentes usque ad tres nodos vel plures de globo extrahi praecipiunt, secundum quod voluerint ventum habere fortioremdieser globus gleicht dem lat. turbo: kreisel, knäuel, wirbel, zu zauber dienend: ›citum retro solve turbinem‹. Horat. epod. 17, 7.. quibus propter eorum incrudelitatem illudentes daemones aërem concitant et ventum majorem vel minorem excitant, secundum quod plures nodos de filo extrahunt vel pauciores, et quandoque in tantum commovent ventum, quod miseri talibus fidem adhibentes justo judicio submerguntur. Dieses wind verkaufens in Wilandia (wie er es nennt) erwähnt auch Seb. Frank im weltbuch 60a, ohne art und weise anzugeben. Unter Vinland ist ein theil der von Norwegern und Isländern frühe schon besuchten grönländischen küste zu verstehn, welche in altn. sagen bald Vinland, bald Vindland heißtfornm. sög. 2, 246. Isl. sög. 1, 9. 100. 151. vgl. Torfaeus hist. Vinlandiae antiquae. Hafn. 1705.; mit der letztern form mag die fabelhafte windbereitung selbst zusammenhängen, deren sowol altn. denkmäler, als Adam von Bremende situ Daniae p. 159 (ed. helmst. 1670). geschweigen. Wol aber erzählen andere das nemliche von den Finnen (Ol. Magnus 3, 15); 533 es scheint mir eine allgemein im Norden verbreitete überlieferungdie Ehsten glauben, der wind könne hervorgebracht und verändert werden. nach der gegend, woher man ihn wünscht, hänge man eine schlange oder richte man ein beil auf und suche ihn durch pfeifen heranzulocken. Von ungefähr sah ein prediger bauern bei drei steinen großes gepränge halten, sie aßen, tranken und tanzten nach dem schalle ländlicher instrumente. als man sich nach der absicht des festes erkundigte, wurde geantwortet, mittelst dieser steine könne trocknes oder feuchtes wetter hervorgebracht werden; trocknes wenn man sie aufrecht stelle, feuchtes, wenn man sie der länge nach lege (über die Ehsten p. 48). s. 493. 496.Nachtrag: Die stelle des Bartholomaeus anglicus kommt auch in Haupts zeitschr. 4, 494. 495 vor, wo Wackernagel Winlandia als Finlandia auffaßt, und allerdings machen Finnen auch nach fornm. sög. 4, 44 fiölkŷngveđr. in einem lappischen epos hat eine jungfrau dreierlei zauberhafte knoten; als sie den ersten löst, bläst der wind in die segel und treibt das schif, dann den zweiten und den dritten, und es entsteht starker sturm und schifbruch. vgl. Klemm 3, 100. ganz ähnliche windknoten weiß ein weib an der Schlei und eine hexe auf Föhr zu machen. Müllenhoff s. 222. 225. vgl. den schifferaberglauben vom wind in Temmes pomm. sagen 347. 348 und die Hollen bei Gefken catal. s. 55. Gervas. tilb. s. 972. ed. Leibn. (Liebrecht s. 21) erzählt de vento chirothecae archiepiscopi arelatensis incluso et valli ventis imperviae illato..

Die nordischen sagen nennen zauberisch hervorgebrachtes wetter görnîngaveđr. Ogautan hatte (gleich Aeolus) einen wetterbalg (veđrbelgr), wenn er ihn schüttelte, brach sturm und wind aus (fornald. sög. 2, 412); ebenso Möndull (das. 3, 338). Eirîkr, ein schwed. könig, Ragnar Lodbroks sohn, führte den beinamen veđrhattr (ventosi pilei): wohin er seinen hut kehrte, daher wehte erwünschter wind (Saxo gramm. 175. Ol. Magnus 3, 13. Gejer häfder 582). noch unser kindermärchen (no. 71) weiß von einem, der durch schiefes oder gerades setzen seines huts das wetter lenken kann. In der edda steht der ausdruck vindhiâlmr (Sæm. 168b), was mich an den ahd. eigennamen Windhelm (trad. fuld. 2, 167) erinnertNachtrag: Den ασκός des Aeolus Od. 10, 19 kennt auch Ovid. met. 14, 224: Aeolon Hippotaden, cohibentem carcere ventos, bovis inclusos tergo und 14, 230: dempsisse ligamina ventis. in einer mütze sitzen acht wirbelwinde. Schiefner finn. m. s. 611. vgl. das verkehren und rechtssetzen der mütze bei Sommer s. 30. 31. und Hütchen, Hodeke..

Schön ist die eddische vorstellung, daß sieben und zwanzig valkyrien durch die luft reiten, und wenn sich ihre rosse schütteln, aus den mähnen thau in die tiefen thäler, hagel auf die hohen bäume niedertrieft: ein zeichen fruchtbaren jahres (Sæm. 145). so fällt jeden tag morgenthau auf die erde aus dem schäumenden gebiß des rosses Hrîmfaxi (thaumähne) Sn. 11. altn. meldropi, ags. meledeáv, ahd. militou gl. Jun. 224. mhd. miltou Ms. 2, 124a führen sich auf mel (lupatum equi) zurück, vgl. anm. zu Elene s. 164, wo mel aus midl, mittul geleitet ist, und oben s. 350. Das alterthum bezog alle naturerscheinungen auf höhere wesen. eine dunkle regenwolke nennt das volk in Baiern ›anel (die großmutter) mit der laugen‹ (Schm. 1, 63), in Böhmen leichte wolken babky (großmütter). von aufsteigendem bergnebel sagen die Ehsten: ›der alte (gott) löscht das feuer‹; unser volk mißt ihn wenigstens thieren bei: ›der hase kocht, der fuchs badet, braut‹ (Reinh. ccxcvi). wenn am meerufer in den dünsten gebilde aufsteigen, nennen es die Italiener fata morgana (s. 342)Nachtrag: Der hagel heißt ind. marutphala frucht der Maruts. Haupts zeitschr. 5. 489. altn. wird er steinôđi in saxa saeviens. Egilssaga 600, ahd. wie es scheint scrâwunc genannt. Haupts zeitschr. 6, 290. über den mehlthau vgl. Schmeller 2, 567. nach Jungmann 1, 56b sind baby wolken, die sich gleich bergen thürmen. unser volk mißt aufsteigenden bergnebel nicht nur thieren bei, sondern am Kifhäuser sagt man: hoho, kaiser Friedrich brauet, es wird schlackicht wetter werden! Praetor. alectr. s. 69. 70..

Schneegestöber erklärten sich die Scythen aus fliegenden federn, (Herod. 4, 31), unser volk sieht in den flocken bettfedern der göttin (s. 222). jene schneefrauen Fönn, Drîfa, Miöll (s. 525) mögen auch eine seite der Holda berühren. lettische räthsel ›putns skreen, spahrni pîll‹, ›putns skreen, spalwas putt‹vogel fliegt, flügel triefen; vogel fliegt, federn stieben. Stenders gramm. 260. deuten regenwolke und schneewolke. Lawinen nimmt der schweiz. volksglaube für reißende thiere, denen man (wie dem feuer) einhalt thun könneNachtrag: Bei den Griechen gießt Zeus den schnee. Il. 12, 280. 281. ένιφεν ο Ζεὺς. Babr. 45, 1. die tôren sprechent (im winter) snîa snî! Walth. 76, 1.. 534

IV. Erde

von der göttin, und ihren benennungen, ist bereits geredet: Nerthus (s. 208), Erda (s. 207), Faírguni (143. 212). Erce (210), Hludana (s. 212), und andere, in welchen sich die begriffe der alten von Terra, Gäa, Ops, Rhea, Cybele, Ceres wiederholen. s. 253 wurde die indische Prithivî der Freyja verglichen, und zwischen Freyr und Niörđr, (Nerthus) besteht das engste band. Aber auch das bloße element für sich, die molte (pulvis) s. 207, wurde heilig gehalten: sie ist die χθὼν πολυβότειρα, aus der nährenden schoß steigen früchte und bäume hervor, in ihn werden die leichen begraben, in staub und asche kehren die verwesten, verbrannten zurückirstantent fon themo fûlen legare, ûz fon theru asgu, fon theru falawisgu, fon themo irdisgen herde. O. V. 20, 25–28.. sterben hieß ›zur erde fallen‹, ›til iarđar, til moldar hnîga‹, ›die erde küssen‹, noch schöner altn. î môđurætt falla (Nialss. cap. 45) in maternum genus cadere, in den schoß der mutter, der terra mater, zurückfallenan einigen orten hat man alte gräber entdeckt, in welchen die leichen weder der länge nach noch sitzend, sondern mit händen, haupt und beinen zusammengedrückt, fast in viereckigen behältern lagen. herr Friedr. Troyon aus der franz. Schweiz, welcher viele gräber der vorzeit sorgsam untersucht und beobachtet hat, theilte mir seine ansicht mit, daß diese auffallende behandlung der todten leiber vielleicht den menschen wieder in dieselbe lage versetzen solle, die er vor der geburt im schoß der mutter eingenommen habe. so wäre die rückkehr in die mütterliche erde zugleich anzeichen der künftigen neuen geburt und auferstehung des embryons.. man sagte auch iarđar megin kiosa (vim telluris eligere, i. e. invocare) Sæm. 27b, und wie nach griech. ansicht, die fallenden riesen, sobald sie den grund berührten, neue kraft empfiengen, heißt es in der edda aukinn iarđar megni (auctus vi telluris) 118b. 119adie Serben schwören und betheuern: tako mit zemlje! ita mihi terrae auxilium sit, ita terra me adjuvet! ein galischer spruch (angeführt von Armstrong s. v. coibhi) besagt: ›ged is fagus clach do'n làr, is faigse na sin cobhair choibhi‹. so nah der stein dem grund ist, ist näher noch des coibhi (priesters, oben s. 75) hilfe. das scheint zugleich den bereiten beistand der erde wie des priesters auszudrücken.. die erde küste auch wer lange aus der heimat gewesen war beim wiederbetreten derselben, in altfranz. gedichten ist baiser la terre ein zeichen der demut. Berte p. 35. 43. 58. Renart 14835. gleich der reinen flut, die den missethäter ausstößt, trägt ihn auch die erde nicht: ›uns solt diu erde nicht tragen‹. Troj. 491. der erde (wie dem feuer und ofen s. 523) sagte, vertraute man ein geheimnisNachtrag: Skr. dharâ, gr. χώρα. Bopp vergl. gramm. s. 304, ir. tir, lat. terra, das nach Pott 1, 270 zu torrere gehört und die trockne bedeutet. ein anderer skr. ausdruck ist kscham. Bopp gloss. 92a. altn. hauđr n. terra. Sæm. 120a. 126b. 127b. goth. grundus gehört zu grindan wie malm zu malan. scholle grund. Phil. v. Sittew. 601. Auf das äußere der erde beziehen sich ausdrücke wie daz preita wasal Musp. 63, sîd folde Cædm. 154, 5, on rûmre foldan. exon. 468, 25. breite erde, ευρει̃α χθών. Wh. 60, 28. altd. bl. 1, 388. Eracl. 2153. ûf der scibligen (runden) erde. Diemer 214, 23. ûf dei moltigen erde. Mar. 157, 39. diu vinster erde. Tit. 5120. in der rôten erde. Karaj. 93, 10. um ein wenig rothe erde. Simpl. 1, 575. eorde ealgrêne. Cædm. 13, 3. guds gröna jord. sv. folks. 1, 126. heißt terra viva bei Marcellus no. 24 grasbewachsene? (vgl. viva flamma s. 508). aber die erde heißt auch die liebe erde. Schweinichen 1, 104. diu süeze erde. Wernher v. Ndrrh. 35, 9. hin forna fold. Sæm. 55b. sicht wie die heilig erd (schwarz) H. Sachs V, 368b. vgl. απὸ γα̃ς αγίας. Athen. 3, 494. guds gröna jord s. oben. die erde heißt gottes boden. volksb. v. Hürn. Siegfried, pol. maulaffe. s. 231, Weisens com. probe 39. nhd. schäme dich in gottes erdboden hinein. sterben heißt auch zegrunde gân vgl. daz ich bezîte werde dir gelîch. Wh. 60, 28. sich aus dem staube machen. Zwar nimmt die erde das flüssige auf: fold scal viđ flôđi taka. Sæm. 27b, aber ›bluot benimet der erde den magetuom‹. Mos. 10, 28. dannoch was diu erde ein maget. Parz. 464, 13. die erde trägt ruchlose verbrecher nicht: jâ solte mich diu erde umbe dis mort niht entragen. Ecke 143. mich wundert daz mich diu erde geruochet tragen. Greg. 2511. den diu erde niht solde tragen. Wackern. lb. 588, 3. Strickers klage 38. vgl. daz iuch diu erde niht verslant. warn. 3203. terre, car ouvrez, si recois moi chaitis! Garin 2, 263. heald þu nu hrûse! Beov. 4489. die hexe soll nicht die bloße erde berühren (s. 899), heiliges wasser darf nicht den grund berühren (s. 487). dem heiligen dagegen beut die erde sich zum sitze dar: diu erde niht endolte, daz er büge sîn gebeine, si bôt sich her engeine, daz er als ûf einem stuole saz. Servatius 1592. vom erdbeben ist s. 681 die rede. der erde vertraute man ein geheimnis. Lother und Maller 36. 37, si klagten sô senlîche, daz in daz ertrîche möhte gantwürtet hân. Mai 44, 21, oder man klagte dem steine. Lisch meklenb. jahrb. 5, 100. Müllenhoff s. 37, oder erzählte der todten mauer. Arnims märchen 1, 70.

Hier war von gold, silber, eisen zu reden. den Finnen ist das eisen (rauta, lapp. route) bruder des wassers und feuers. Kalev. 4, 29 und wird aus milch der jungfrauen geboren. flüssiges gold und milch finden sich in amrita (s.264). es heißt Frôđa miöl. Egilss. s. 450, ôgnarliomi Sæm. 152a oceani lumen, munnfylli, munntal iötna. Sn. 83 vgl. morgenstund hat gold im mund, doch leitet F. Magnusen jene ausdrücke von mund = hand ab. gold unter die zunge einer stummen gelegt verschaft ihr die sprache. fornm. sög. 3, 117–119. gold wird im thau gehärtet. Tit. 3698 (Tigrisgold. Tit. 4348). über drachen, greifengold s. 817. 819.

.

Zumal hat die mit gras bewachsene erde, der rasen heilige kraft, solches gras hieß im sanskrit khusa, besonders aber durva, und das ags. turf, altn. torf, ahd. zurba entspricht: heilige erde und durvahalme. Sakuntala (Hirzel p. 51. 127). ich habe auch das berühmte chrene crud der lex salica durch reines kraut erklärt und chrenechruda (dat.) jactare aus dem röm. puram herbam tollere gedeutet, wie Hel. 73, 7 hrêncurni, in einer ahd. glosse 535 reincurnes frumenti, mhd. daz reine gras Iw. 6446 gesagt ist, und Wh. 24, 28 gras und der melm verbunden werden; der inhalt des gesetzes gibt, daß erde, staub aus den vier winkeln aufgenommen und über den nächsten verwandten mit der hand geworfen werden muste. es war ein heidnischer feierlicher rechtsbrauch, den die christlichen capitularien vertilgten. gegen jene wortauslegung hat jedoch nunmehr Leo eine celtische (cruinneach collectus, criadh terra) geltend gemachtzeitschr. f. d. alterth 2, 163 ff. malb. gl. 2, 149. 150., und das gewicht seiner gründe darf ich nicht verkennen, obgleich für einen im text selbst aufgenommenen ausdruck die deutsche etymologie offenbar größeren anspruch hat, als bei den glossen. die mythische verwendung dieser erde besteht, wie man auch die worte fasse.

In der altn. rechtssprache bietet sich uns eine andere nicht minder wichtige benennung dar, das rasenstück heißt iarđmen, iarđar men; men aber ist eigentlich monile, ahd. mani, meni, ags. mene, wie wir es oben bei Brîsînga men, dem halsband der Freyja kennen lernten. iarđar men muß aber früher Iarđar men gewesen sein, halsband der Erda, und der grüne rasen wird sehr dichterisch für den schmuck der göttin angesehen. das feierliche ›gânga undir Iarđar men‹ (RA. 118. 119) empfängt hierdurch seinen wahren sinn. Eidesablage erfolgte auch bei andern völkern, z. b. Ungern (RA. 120) und Slaven (Böhmes beitr. 5, 141), indem sich der schwörende erde oder rasen aufs haupt legteNachtrag: Für das skr. khusa schreibt Bopp gloss. 78a. 86b kuša. reincurni ist auch verzeichnet in Haupts zeitschr. 5, 364. reinegras alga. Sumerl. 54. sich erde oder rasen aufs haupt legen, sichert gegen zauber. Panzer beitr. 1, 240. 241. Kuhn nord. s. s. 378..

Die sitte, daß besiegte, zum zeichen ihrer unterwerfung, erde und wasser darreichten, erstreckt sich in hohes alterthum: wenn die Perser krieg ansagten, so ließen sie durch einen herold beide elemente von den völkern, deren land sie überziehen wollten, fordernBrissonius de regno Pers. 3, 66–71. Herod. 4, 127. 5, 18. Curtius III. 10, 108. Aristot. rhet. II. 22, 37. auch Judith 2, 7 ετοιμάζειν γη̃ν καὶ ύδωρ (cod. alex. ed. Augusti)., was wieder an die römische pura gemahnt. Noch unsere landsknechte des 16 jh. warfen, in die schlacht gehend, eine erdscholle, gleich dem chrenechruda werfenden, zum zeichen aller lossagung von dem lebenBartholds Frundsberg p. 58. 59. im mittelalter bei einweihung einer nonne, zum zeichen daß sie allem irdischen besitz entsage, warfen die anverwandten erde über den arm der jungfrau, vgl. svenska visor 1, 176:

det voro så många grefvar båld,
som hade deraf stor harm,
der de nu kastade den svarta mull
allt öfver skön Valborgs arm.

. Auch den Griechen war ergreifung der scholle zeichen von landbesitznahme und zumal bei auswanderungen. Euphamos sitzt auf der Argo vordertheil, Triton in menschlicher gestalt erscheinend reicht ihm eine erdscholle dar als gastgeschenk. Euphamos nimmt die zeichenhafte erde (βώλακα δαιμονίαν), und gibt sie seinen leuten aufzuheben, diese aber lassen 536 sie ins meer fallen, wo sie aufgelöst wird. wäre sie bewahrt und im Tainaros niedergelegt worden, so würden des Euphamos nachkommen das ihm bestimmte land (Cyrene) im vierten grad erworben haben. jetzt erwarben sie es erst im siebzehntenPindar Pyth. 4, 21–44. O. Müllers Orchom. 352. proleg. 142 ff. Dorier 1, 85. 2, 535.Nachtrag: Die auswandernden nahmen erde wie feuer mit (anm. 1551) vgl. das erde streuen in der altsächsischen sage. þôrhaddr var hofgođi i þrândheimi, hann fŷstist til Islands ok tôk âđr ofan hofit ok hafđi međ ser hofsmoldina ok sûlurnar. Landn. 4, 6..

In einer mitgetheilten ags. formel werden vier stücke rasen ausgeschnitten, mit öl, honig, hefe, der milch von allem vieh beträuft und von jeglichem baum, der auf dem land gewachsen ist, harte bäume ausgenommenbloß von weichholz, nicht hartholz. RA. 506., von jedem kraut, das darauf gewachsen ist, klette ausgenommen, dazu gethan, und dann erst wird der segen darüber gesprochen. Unter samen mengt man erde von drei erbäckern (abergl. 477); auf den eingesenkten sarg werden drei erdschollen geworfen (das. 699); mit dem ausgeschnittnen rasen, auf welchen fußstapfen stehen, kann zauber geübt werden (524. 556)Nachtrag: Demeter liegt bei Jasion auf der dreibrache, dem fruchtbarsten saatland: μίγη φιλότητι καὶ ευνη̃ νειω̃ ένι τριπόλω. Od. 5, 127 vgl. Hes. theog. 971. νειὸς τρίπολος auch Il. 18, 541. ahd. driska. GDS. 53. 61. 62..

Heilige berge und hügel gab es in menge; doch scheint dabei kein elementarischer cultus zu walten: man verehrte sie wegen der gottheit, die darauf ihren sitz hatte, vgl. Wuotans und Donners berge. Wenn bei Agathias, ohne solchen bezug, λόφοι und φάραγγες (hügel und schluchten) als gegenstände des cultus genannt werden (s. 82); so kann die beobachtung unvollständig, und ein wasser oder feuercultus an den berg geknüpft gewesen sein. Unter den Gothen, welchen faírguni berg bedeutet (s. 143), dürfte man am ersten reine bergverehrung suchen, wenn der vorgetragene zusammenhang dieses ausdrucks mit dem götternamen seine richtigkeit hat. Dietmar von Merseburg (Pertz 5, 855) gibt ein beispiel von slavischem bergcultus: posita autem est haec (civitas, nemlich Nemzi, Nimptsch) in pago silensi, vocabulo hoc a quodam monte, nimis excelso et grandi, olim sibi indito: et hic ob qualitatem suam et quantitatem, cum execranda gentilitas ibi veneraretur, ab incolis omnibus nimis honorabatur. es soll nach den auslegern der schlesische Zobtenberg seinNachtrag: Ein mons sanctus bei Jugenheim wird in einer urk. von 1264 genannt vgl. sveta gora mons Athos. ein όρος ιερόν der Geten hieß Κωγαίωνον. Strabo 7, 298. ein heiliger berg lag in Pontus. Xen. anab. IV. 7, 11. die großvater benannten berge sind in Haupts zeitschr. 1, 26 besprochen. die Wenden nennen zwei sich nah liegende berge der Lausitz čorny boh und bjeły boh. wend. volksl. 2, 285. die Osseten beten die höchsten gebirge (brakabseli, schönen berge) an. Kohl Südrußl. 1, 296..

Hin und wieder standen einzelne steine und felsen, oder mehrere nebeneinander, zuweilen kreisförmig geordnete in verehrung (anh. ›vota ad lapides‹, besonders aber ›lapides in ruinosis et silvestribus locis venerari‹, ags. stânveorđung, bringan tô stâne. Thorpe p. 380. 396). Dieser steindienst zeichnet eigenthümlich den celtischen glauben ausvgl. Armstrong s. v. carn und clachbrath; Obrien s. v. carn; H. Schreibers feen s. 17. über die menhir und pierres fites, s. 21 über die pierres branlantes. der spindelsteine wurde s. 345 erwähnt., weniger den deutschen, doch begegnet auch bei uns das abergläubische schlüpfen durch hole steine, wie durch hole bäume (cap. XXXVI). hölungen, die nicht von menschenhand künstlich gemacht waren, galten für heilig. solche holystones und holedstones hängt man in England im stall den pferden zu häupten, ein schutz gegen krankheit, auch an betthimmel oder 537 an das hausthor wider behexung. einige sollen durch den stich einer natter gehölt sein (adderstones). in Deutschland waren heilige steine entweder mahlsteine der gerichte oder opfersteine: eide wurden abgelegt ›at ursvölum unnar steini‹, ›at enom hvîta helga steini‹. Sæm. 165a. 237b. heilög fiöll Sæm. 189b: Helgafell Landn. 2, 12. vgl. besonders Eyrbygg. saga cap. 4. vier heilige steine werden zur reinigung der entweihten flut hinabgesenkt (oben s. 71). eine menge von steinen, die der riese oder teufel geworfen hat, denen der eindruck seiner hand, seines fußstapfens geblieben ist, werden in der volkssage ausgezeichnet, doch ohne daß ihnen eine heilige bedeutung dadurch verliehen wäreNachtrag: Die merkwürdige stelle über den felscultus in Landnama 2, 12 lautet: hann (Thorôlfr) hafđi svâ mikinn âtrûnađ â fialli þvî, er stôđ î nesinu, er hann kalladi Helgafell, at þângat skyldi engi mađr ôþveginn lîta, ok svâ var þar mikil friđhelgi, at þar skyldi engu granda î fiallinu, hvarki fê ne mönnum, nema sialft gengi brott. þat var trûa þeirra þorôlfs fraenda, at þeir dœi allir î fiallit (al. codex: þâ þeir dœi, mundi þeir î fiallit hverfa allir) und 2, 16 höfđu mikinn âtrûnâđ â hôlana – trûđu þeir þvî, at þeir dœi î hôlana (hôll tumulus, colliculus). vgl. das sterben, verschwinden in den berg. der Isländer Kodran im Vatnsdal hatte zu Gilja einen stein, dem er, wie seine vorfahren opferte. sie wähnten, es wohne darin der ârmađr, von dem fruchtbare jahre kämen. Kristnisaga cap. 2. steine weissagen. norske ev. no. 30. steine, die man wascht, salbt und ehrt, erwähnt F. Magn. lex. s. 961. bei widrigem wind waschen die seeleute einen blauen stein und erhalten günstigen. auch schwören sie eide darauf. Hones yearb. 1553. man kniet nackt vor dem heiligen stein. Hones daybook 1, 825. 2, 1035. wie man durch hole steine kroch (s. 975), gieng man auch in hole steine zum opfer (s. 47). vgl. die Gibichensteine, die näpfchensteine, mit gruben und löchern. Giesebrecht balt. stud. 12, 114. 128. de his quae faciunt super petras heißt das 7. cap. indic. superst. über celtischen steindienst s. Michelet 2, 16. 17. In den schwed. sagen und formeln heißt der stein immer jordfast sten d. h. in der erde fest stehender. Runa 1844, 22. â iarđföstom steini stôđ ec innan dyra. Sæm. 99a. till en jordfasten sten. sv. folks. 1, 217. sv. äfventyr 1, 282. 284. 288. 305. ags. eardfäst. aber es ist auch vom wahsenden bühel. Lanz. 5132 die rede und auf das slov. räthsel: kaj raste bres korenja? was wächst ohne wurzel? lautet die lösung: kamén, und unterschieden wird der walgende und der vaste ligende stein. Leyser 129, 35. usque ad wagoden stein. Mon. Zoll. no. 1, wagonden stein no. 12. gnappstein Stalder 2, 519, dän. rokkestene, wackelsteine, engl. rockingstone. Schreiber feen 21. solche steine sollen durch ihr bewegen donner und regen herbeiführen. antiqv. ann. 3, 27. vgl. den etrusk. lapis manalis. O. Müller 2, 340. steine sind oft grenzzeichen: zu dem grawen stein. weisth. 1, 242. an dem blauen stein. 2, 661..

Wie riesen und menschen versteinert werden (s. 457) und dann gleichsam ein nachgefühl ihres vorigen zustandes behaupten, wird felsen und steinen noch mitleid und theilnahme an menschlichen zuständen beigelegt. Snorri 68 bemerkt, man sehe die steine ausschlagen, wenn sie aus frost in wärme kommen, so erkläre sich, wie felsen und steine um Baldr geweint hätten. noch heute sagen wir allgemein von herbem leid: ›das sollte einen stein am weg erbarmen, ein steinern herz rühren‹diese ausdrucksweise ist ohne zweifel sehr alt, hier mhd. belege: ez erbarmet einem steine. Hartm. erst. büchl. 1752: waer sîn herze steinen, swer si weinen sæhe, ze weinen im geschæhe. Herb. 68d; ir klage mohte erbarmen einen stein. Herb. 89b; erbarmen ein steinhertez herze. Flore 1498; ir jâmer daz moht einen vels erbarmen. Lohengr. s. 16; ez moht ein stein beweinet hân dise barmunge. Dietr. 48a. man merke wol, die steine weinten nicht von selbst, sondern erst zu mitgefühl erregt durch weinen und klage der unglücklichen menschen, die gleichsam in ihre ohren drangen. auch bei Holberg heißt es (ellefte juni 4, 2): hörte jeg en sukken og hylen, som en steen maatte gräde ved. auch Ovid. sagt (met. 9, 303): moturaque duras verba queror silices. Lucas 19, 40: οι λίθοι κεκράξονται.. bemerkt sei die mhd. redensart: ›einen stein mit riemen twingcn, daz man im an der âder lâze bluot‹ MsH. 2, 235b, wol hergenommen von den adern, die durch einige steine laufenNachtrag: Riesen und menschen werden in stein verwandelt (s. 457), steine haben menschliche sinne und gefühle. zwar gelten die steine für taub und todt vgl. die ausdrücke steintaub, steintodt, O. IV. 7, 4 nennt sie unthrâtê (pigri) und es heißt: stille sam die steine Karl 92b. 94a, aber Luc. 19, 40: lapides clamant und der stein hält fest. Müllenhoff s. 142. 143. die pierres de minuit bewegen sich um mitternacht vgl. die drehsteine im ir. märch. 2, 37–44. der stein dreht sich in der Christnacht um. Harrys 1 no. 34. vgl. Heusinger s. 20, oder beim läuten. Dybeck 4, 43. man klagt den steinen wie der erde (s. 534) und dem feuer (s. 523), gleichsam den elementargöttern. der stein, dem geklagt wird, wandelt seine farbe, der weiße wird roth, der rothe wird blau. Wächter statistik s. 13. 156. si klagten daz sich die mûrsteine mohten klieben herdan. Klage 977. vgl. si ruoften daz diu erde unter in sich mehte haben ûf getân. 1073. stahel, vlins und stein sih muosen von dem jâmer klieben. Türl. Wh. 3b. klage diu flinse het gespalten. Tit. 3765. von ir schoene müeste ein vels erkrachen. MsH. 3, 173a. daz klagen einen harten stein sich erbarmen taete, ob erz vernomen haete. Ges. Abent. 3, 580. ez meht erbarmen einen stein. MS. 2, 143b. einen kieselstein erbarmen, der 20 klafter unter der erde läge. Weise sittenl. 109. daß es einen stein in der erde hätte erbarmen mögen. Lisch jahrb. 17, 213. 215. unw. doct. 627. hiute ist der stein naz, dâ Karl uffe saz, vil heize weinunde. Ksrchr. 14937. steine erweichen sich in der sage von Hoyer. Wigal. s. 57–59. 452. balt. stud. XI. 2, 191. keinen falschen läßt der stein auf sich sitzen: ûf der Eren (? êren) steine sitzen. Lanz. 5178 ff..

Am schluß dieses cap. stelle ich die höheren götter zusammen, die zunächst in den vier elementen walten. wasser, brunnen, regen, meer stehn unter Wuotan (Nichus), Donar, Uogi, Holda; feuer blitz unter Donar, Loki; luft, wind unter Wuotan, Frô; erde unter Nerthus und vielen andern, s. 534 genannten.

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