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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 2
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. II. Gott.

In allen deutschen zungen von jeher ist das höchste wesen einstimmig mit dem allgemeinen namen Gott benannt worden. die formen lauten goth guþ, ags. alts. altfries. god, ahd. cot, altn. gođ, schwed. dän. gud, mhd. got, mnd. god, und hierbei ist noch einiges grammatische anzumerken. nemlich obgleich alle dialecte (auch der nordische) diesen ausdruck männlich gebrauchen (weshalb ahd. der acc. sg. cotan; ein mhd. goten kenne ich nicht), so entbehrt der goth. und altn. nom. sg. des kennzeichens und der goth. gen. sg. wird ohne i gebildet guþs, worin er mit den genitiven mans, fadrs, brôþrs zusammentrift. analog den ahd. genitiven man, fatar, pruodar hätte man den gen. cot zu erwarten, ich bezweifle ihn nicht, bin ihm aber noch nirgend begegnet, nur dem gewöhnlichen cotes, wie auch mannes und fateres erscheinen. wahrscheinlicher ist, daß des namens heiligkeit die alte, unangetastete form sicherte, als daß der häufige gebrauch sie abschlif. ein gleicher grund erhielt selbst die ahd. schreibung cot (gramm. 1, 180) und die mnl. god (1, 486), vielleicht den lat. vocativ deus (1, 1071)Saxo flectiert Thor nicht. Uhland s. 198.. Auch schlagen gott und die namen anderer göttlicher wesen allen artikel aus (4, 383. 394. 404. 424. 432), ihre besonderheit steht zu fest, als daß sie eines solchen hervorhebens bedürfte. das fürwort der vor got MS. 2, 260a. gilt von einem heidnischen.

Ueber die wurzelhafte bedeutung des wortes gott sind wir noch nicht genug aufgeklärtzum slav. bog vergleicht man das sanskr. bhâga felicitas, bhakta devotus und bhadsh colere, auch wol das dunkle bahts im goth. andbahts minister, cultor? vgl. hernach s. 17 die anmerkung über bogat dives. Von θεός deus wird cap. IX noch zu reden sein.; daß das adj. gut, goth. gôds, altn. gôđr, ags. gôd, ahd. cuot, mhd. guot abliegt, lehrt die verschiedenheit des vocals, es müste erst eine vermittlung der ablaute gida, gad und gada, gôd dargethan werden, wie sie in einigen andern fällen statt findet, denn freilich heißt gott der gute und gütigeουδεὶς αγαθὸς ει μὴ ει̃ς ο θεός Marc. 10, 18. Luc. 18, 19, was goth. ausgedrückt wird: ni hvashun þiuþeigs alja ains guþ, aber ags. nis nân man gôd buton god âna. gott ist geber des höchsten gutes und selbst das höchste gut, summum bonum. so nennt ihn auch Plato τὸ αγαθόν.. Noch weniger berührt sich mit gott der volksname der Gothen, die sich selbst Gutans (ahd. Kuzun, altn. Gotar) nannten, und von den altn. Gautar (ags. Geátas, ahd. Kôzâ goth. Gautôs?) unterschieden werden müssen.

12 Zu gott hat man längst das pers. khodâ (Bopp vrgl. gramm. s. 35) gehalten. wenn dieses, wie aufgestellt worden ist, durch eine starke verkürzung aus dem zendischen qvadâta (a se datus, increatus, sanskr. svadâta) vgl. Dêvadatta Θεόδοτος, Mitradatta = ‛Ηλιόδοτος, Srîdatta hervorgieng, so wäre unser deutsches wort ursprünglich zusammensetzung und von treffendem sinn, wie denn auch die Serben gott als samozazdani boshe, selbsterschaffner gott! anreden. Vuk 741.

In ahd. eigennamen nimmt cot vielmal die erste stelle ein: Cotadio, Cotascalh, Cotafrit, Cotahram, Cotakisal, Cotaperaht, Cotalint, ohne daß sich daraus irgend etwas für die bedeutung folgern ließe; sie sind gebildet, wie Irmandio, Hiltiscalh, Sikufrit, und können sich sowol auf den allgemeinen begrif des göttlichen wesens als auf einen mehr besonderen beziehen. Steht cot an zweiter stelle, so kann durch das compositum nur ein gott, nicht mensch ausgedrückt werden, so in Irmincot, Hellicot.

Ulfilas pflegt in der ableitung das TH mit D zu vertauschen, woraus sich die ahd. tenuis erklärt: es heißt gudafaúrhts Luc. 2, 25. gagudei Tit. 1, 1, während der dat. sg. beständig guþa lautet. auf gleiche weise wird, wenn von mehrern göttern, also von abgöttern nach christlicher ansicht, die rede ist, das neutral gebrauchte guda Joh. 10, 34. 35 geschrieben. Die Angelsachsen bilden von god den neutralen pl. godu, sobald abgötter gemeint sind (cod. exon. 250, 2. 254, 9. 278, 16). Nicht anders ist die ahd. und mhd zusammensetzung apcot, aptcot meist neutral und hat den pl. apcotir; ob das mhd. der aptgot Geo. 3254. 3302 richtig sei, steht dahin, nhd. hat man angefangen, abgott überall männlich zu gebrauchen, doch unser heutiger pl. götter, da es nur einen wahren gibt, fordert selbst die ursprüngliche neutralform zur erklärung, und der ahd. pl. cotâ, mhd. gote enthalten insofern einen widerspruch. bei Ulf. ist afguds kein subst., sondern adj. und bedeutet impius Sk. 44, 22; afgudei impietas. Rom. 11, 26; είδωλα verdeutscht er durch galiuga (d. i. figmenta) 1 Cor. 5, 10. 10, 20. 28 oder galiugaguda 1 Cor. 10, 20 und ειδωλει̃ον durch galiugê staþs 1 Gor. 8, 10. Einen andern nhd. ausdruck götze habe ich gramm. 3, 694 besprochen; Luther schreibt 5 Mos. 12, 3 ›die götzen ihrer götter‹ nimmt also götze für idolum. bei Er. Alberus fab. 23 ist der götz ein halbgott.schriftsteller des 16. 17 jh. gebrauchen ölgötze für bildseule (nach Stieler von bildlicher vorstellung der auf dem ölberg schlafenden apostel). Hans Sachs häufig ›den ölgötzen tragen‹ für: im haus schweren dienst thun. I. 5, 418d 528d. III. 3, 24a 49d. IV. 3, 37b 99a. Das ahd. coz, simpuvium Numae (Juvenal. 6 , 343), das Graff 4, 154 mit götze vergleicht, war ein gefäß und gehört zu giozan, fundere.Nachtrag: Gott ist ein eigenthümlich germanischer ausdruck. Guitecl. 1, 31: terre ou lon claime dieu got. über göttin s. anfang des XIII. cap. diu gotheit findet sich schon fundgr. 2, 91. gott wird nicht selten in den venetianischen Alpen der got mit dem artikel genannt. Schmellers cimbr. wb. 125. Kommt das ital. iddio von il dio, wogegen iddia göttin spräche, oder ist es verkürzt aus domeneddio, das wie das altfrz. domnedeu, damledeu, damredeu aus dem lat. voc. domine deus stammt? vgl. Diez altrom. sprachdenkm. s. 62.

Gott hängt mit guot nicht zusammen, obgleich diese beiden wörter auch ahd. schon zusammengestellt sind. jedoch vgl. die vorr. zu Ernst Schulzes goth. glossar s. XVIII. got unde guot plurivoca sint. taz mit kote wirt, taz wirt mit kuote N. Boeth. 172. Fast ebenso dunkel wie die wurzelhafte bedeutung des wortes gott, ist die des slav. bog, wozu man auch skr. b‛agas sonne hält. Höfers zeitschr. 1, 150. in der altpersischen keilschrift 4, 61 kommt bagâha dei vor vom stamme baga Bopp vgl. gramm. 452 und skr. bhagavat heißt adorandus. Hesychius hat βαγαι̃ος Ζεὺς φρύγιος. vgl. Spiegel keilinschr. s. 210. Windischmann s. 19. 20. Bopp vergl. gramm. s. 452. 581. Miklosich s. 3. böhm. bůže, božatko, poln. bozę, bozątko gottchen, kleiner, junger gott, auch genius und schoßkind des glücks. böhm. bůzek, poln. božek götze.

Neben guda Joh. 10, 34. 35 kommt guþa Gal. 4, 9 numina vor. D für Þ in der ableitung bezeugen auch noch die wörter afgudei impietas, gudalaus impius, gudisks divinus. neutral ist daz apgot Mos. 33, 19. abgote sibeniu Ksrchr. 65. appitgot myst. 1, 229. neben dem neutr. abcotir appetgöte: kröte troj. kr. 27273 und abgote Maria 149, 42. männlich ist das wort auch in Kristes büchelîn a. 1278 (cod. giss. no. 876) ›bette an den appitgot‹. abgotgobide Haupt 5, 458 steht für abgotgiuobida. im goth. ausdruck þô galiugaguda 1. Cor. 10, 19. 20 für είδωλα, wo der griechische text keinen artikel hat, kann man einen hinblick auf gothische mythologie verspüren vgl. Löbe gloss. 76b. altnordisch ist gođ nicht immer nur idolum, sondern auch numen z. b. gođ öll omnia numina Sæm. 67b. siti Hâkon međ heiđin gođ: Hakonarm. 21. gauđ, sonst latratus, ist ein verächtlicher ausdruck für ein numen ethnicorum, wozu man das von Freya (anm. 36) ausgesagte geyja bellen halten mag.

Das nhd. götze kommt schon in den fastn. sp. 1181. 1332 vor, wo von den geschnitzten ›goezen‹ des malers zu Würzburg die rede ist. götzenbilder sind aus holz und werden gespalten und verbrannt fornm. sög. 2, 163. v. d. Hagen narrenbuch s. 314. Platers leben s. 37. so verbrennt Diagoras seinen hölzernen Hercules (Melander jocos. s. 329. 330) und kocht damit. vgl. anm. 292. ölgötz wird von Agricola no. 186 als ›ein stock und ein holtz, das geferbt, ölgetrenckt ist‹, gedeutet, ndrd. oligötze; es könnte aber auch irdene lampe oder gefäß mit dem bild eines götzen sein. Pröhle XXXVI. in Thüringen wird ein gebäck ölgötze genannt.

Die altn. sprache unterscheidet das neutr. gođ (idolum) von dem masc. guđ (deus). Snorri 119 sagt von Sif: it hârfagra gođ, ich weiß nicht, ob ein heide es gesagt haben würde.

13 Unser volk, aus scheu den namen gottes zu entweihen, nimmt damit in flüchen und ausrufen eine veränderung vorsolche scheu kann zwiefachen grund haben: der heilige name soll nicht misbraucht, der unheilige, furchtbare z. b. des teufels durch verunstaltung gemildert werden, vgl. cap. XXXIII. wie das volk gefürchtete thiere anders benennt, sagt es statt Donner lieber donnerwetter (dän. tordenveir, donnerstag), donnerwettstein (wetterstein oder wetzstein?), donnerkeil, donnerwäsche, dummer. fornm. sög. 10, 283 steht Oddiner f. Ođinn, vielleicht wurde Wuotansheer absichtlich verändert in Mutesheer; auch Fâlant f. Phol ist zu erwägen.: potz wetter! potz tausend! oder kotz tausend! kotz wunder! statt gottes; ich kann diesen gebrauch nicht auf die alte sprache zurückführen. Aelter scheint die ähnliche wandlung des franz. dieu in bieu, bleu, guieusangbieu (sang de dieu), corbieu (corps de dieu), vertubleu (vertu de dieu), morbleu (mort de dieu), parbleu (par dieu), vertuguieu, vertugoi (vertu de dieu), morguoi (mort de dieu), und andere dergleichen. schon Renart 18177 por la char bieu. auch altengl. cocks bones f. gods bones und ähnliches, vgl. Weber metr. rom. 3, 284..Nachtrag: An die aus gottes namen entstellten flüche reihen sich noch: gots hingender gans! Geo. von Ehingen s. 9. potz verden angstiger schwininer wunden! Manuel fastn. sp. 81. Er. Alberus gebraucht ›bocks angst‹, wie H. Sachs ›boiz angst‹. ist potz, botz aus bocks entstanden? (s. 831). ähnliche französische wandlungen des franz. dieu verzeichnet Raynouard s. v. deus. vgl. culbieu Méon 4, 462 und das ital. sapristi f. sacristi.

Einige auffallende anwendungen des wortes gott in der älteren und in der volksprache können noch mit heidnischen vorstellungen zusammenhängen.

So wird gott gleichsam zur verstärkung des persönlichen pronomens beigefügtNachtrag: Einige auffallende anwendungen des wortes gott können noch mit heidnischen vorstellungen zusammenhängen. die verbindung des pron. poss. mit gott erinnert an die schutzgeister des einzelnen menschen (s. 729). die noch heute gangbaren ausdrücke: ich danke meinem gott, du kannst deinem gott danken, er lobte seinen gott, wir können unserm gotte nicht genug danken, du mein gott! Gotthelf erzähl. 1, 167 werden schon früher gebraucht. hevet ghesworen bi sinen gode. Reinaert 526. ganc dînem gote bevolen. Mor. 3740. er lobte sînen got. Greg. 2652. durch meinen gott. Ecke (Hagen) 48. saget iuwem gote lop. Eilh. 2714. daz in mîn trehtîn lône. Kolocz. 186. gesegen dich got mîn trechtin. Ls. 3, 10. je le feré en mondieu croire. Renart 3553. 28465. Méon 2, 388. son deable. Ren. 278. 390. röm. Junonem meam iratam habeam. Hartung beim genius.

Das dem interrog. bisweilen vorangesetzte gotgeb, gotweiß gramm. 3, 74 stellt gleichsam die bestimmung des ungewissen der höchsten hand anheim, vgl. wëre got, gott behüte gramm. 3, 243. 244. got sich des wol versinnen kann Parz. 369, 3. vgl. scit cura deum. daz sol got niht enwellen Er. 6411. daz enwelle got von himele Nib. 2275, 1. nu ne welle got En. 67, 36. andere wünsche sind: sô sol daz got gebieten Nib. 2136, 4. hilf got! Parz. 121, 2. nu hilf mir, hilferîcher got! Parz. 122, 26. vgl. ita me deus adjuvet? ita me dii ament, amabunt. Terent. heautont. IV. 2, 8. 4, 1. got hüete dîn Parz. 124, 17. 132, 23. 144, 9. got halde iuch 138, 27. 145, 9. got lôn dir 156, 15. nu lôn iu got Nib. 1254, 1. got troeste iuch des vater mîn Parz 11, 2. got grüeze iuch Jw. 5997. vgl. fastn. sp. register s. 1584b. die häufigen formeln: nu gesegen dich gott, nu grüße dich gott, mit denen besonders der wein angeredet wird. mhd. kommt oft vor: got sî z. b. der daz wende Er. 8350. nu sî got der in ner Er. 6900. dcr uns gelücke gebe. Hartm. erstes büchl. 1068. vgl. Ben. wb. z. Jw. s. 166. die treuherzige empfangsformel kann noch vielfach belegt werden: got willekomen unde mir. Ulr. Trist. 865. sît got und mir grôz wilkomen. Frauend. 651. 15. got und mir sît willekomen Dietr. drachenk. 39b. wilekomen gote unde mir Engelh. 4290. sô sint mir willekomen gote Engelh. 725. so sît mirs gote willekomen Engelh. 419. sît gote und uns wilkommen MS. 2, 132a sît gote willekomen unde mir Mai 76, 11. mnl. willecome sô moete wesen bede gode ende mi Karel 1170. wis willekomen mir gote Amur 2165. auch noch: meine herrn sind mir freundlich gott willkomen franz. Simpl. 1, 150. abweicht: sit mir in gote wilkomen! pass. 34, 92in gote er unser bruodev ist. Barl. 197, 8. bruodur in gote. Pant. 1737. in gote wahsen. Barl. 328, 18.. im und den göten willekonren troj. kr. 23105. zuweilen steht das bloße gote: got willekume here von Berne Dietrich. drachenk. 60a. ähnlich heißt es: willekomen mir und ouch der frouwen mîn MS. 1, 57b. bien venuz mîner frouwen unde mir Parz. 76, 12.

Das höchste wesen wird auch in andere formeln hereingezogen: dankent ir und gote Lanz. 4702. des danke ich dir unde gote Flore 5915. des danke ic gode ende u Lanc. 17581. danc hebbe god ende ghi Lanc. 14102. 17498. 21814. got und iu ze minnen Greg. 3819. nû lâz ich alle mîne dinc an godes genâde unde dîn Roth. 2252. ich fergihe got unde iu Grieshaber pred. 2, 71. durch gottes namen wird die versicherung des wissens oder nichtwissens, wollens oder nichtwollens erhöht, wodurch der abschnitt über die verstärkende negation gramm. 3, 726 bereichert werden kann. nein ich und got Ls. 2, 257 gleich dem heidnischen Oden och jag Geyer 1, 39. daz weiz ich wol unde got Turl. Wh. 118a. got und mir ist am besten bekant. Ayrer fastn. 70b. das wissen zwene: gott und ich. Fleming 469. ohne das fürwort heißt es: hvem vet min sorg utan gud! Arvidss. 2, 170. (›nec quispiam praeter se‹ sagt Saxo gramm. 146 in derselben sage). âne got mac niemen wizzen Flore 6050. andere näher oder ferner anklingende formeln sind: daz er sich noch got erkennet Walth. 30, 7. got und ouch die liute Greg. 271. got und reht diu riten dô in ze heile Trist. (Massm.) 176, 26. 177, 2. gott und der welt klagen sagt man noch heute. lieb haben mußte man sie, da half kein gott und kein teufel. Höfer Lovelei 234. weiter ab liegt: ich hân gesungen der vil lieben und der Minne Neifen 13, 37. frou Minne und ir, vil saelic wîp Neifen 20, 33. ich wil dir und deinem gaul zusaufen Garg. 240b.

. in mhd. gedichten liest man die treuherzige empfangsformel: gote unde mir willekomen. Trist. 504. Frîb. Trist. 497. gote sult ir willekomen sîn, iurem lande unde mir. Trist. 5186. got alrêst, dar nâch mir, west willekomen. Parz. 305, 27. wis willekomen mir u. got. Frauend. 128, 13. sît mir gote wilkomen. Eilh. Trist. 248. rehte got wilkomen mir. Dietr. 5200. nu sît ouch mir got wilkomen. Dietr. 5803. sît willekomen got und ouch mir. Dietr. 4619. nu wis mir got wilkomen. Oswalt 208. 406. 1163. 1268. 1393. 2189das wegbleibende und zwischen beiden dativen alterthümlich, vgl. zeitschr. f. d. a. 2, 190.. du solt grôz willekomen sîn dem rîchen got unde mir. Lanz. 1082; wis mir unde auch got wilkomen. Ls. 1, 514. zuweilen steht bloß gote: diu naht sî gote willekomen. Iw. 7400, was in den anm. s. 413 erklärt wird: gott gelobt; es sagt nichts als: für die nacht sei gott. in Oberdeutschland hat sich diese begrüßung gottwilche, gottwillkem, gottikum, skolkuom! heute erhalten (Stald. 1, 467. Schm. 2, 84). ich finde sie nicht in romanischen gedichten, aber schon in dem sächsischlateinischen liede des 10 jh. auf Otto I und seinen bruder Heinrich; sîd wilicomo bêthiu goda ende mi! Das höchste wesen wird allgegenwärtig gedacht, und soll den eintretenden gast, wie der wirt selbst, in schutz nehmen, wie Slovenen dem anlangenden gast sagen: bog te vsprimi, gott empfange dichbuge waz primi, gralva Venus! Frauend. 192, 20 vgl. 177, 14., wir dem weggehenden: gott geleite, behüte, segne dich! das heißt einen gott empfehlen, befehlen, mhd. gote ergeben (Er. 3598). ich vergleiche 14 das dem ankömmling oder abreisenden zugerufne heil (heill ver þu! Sæm. 67a 86bb), wobei auch hilfreiche götter genannt werden: heill þu farir, heill þu âsyniom sêr! Sæm. 31a. heill scaltu Agnarr, allz þic heilan biđr vera tŷr vera! Sæm. 40. Ebenso erhöht der name des allwissenden gottes die versicherung des wissens oder nichtwissens: daz weiz got unde ich. Trist. 4151. den schatz weiz nu nieman wan got unde mîn Nib. 2308, 3hie hœrt uns anders nieman dan got unde diu waltvogellîn. Ecke 96. niemen bevinde daz wan er und ich und ein kleinez vogellîn, das mac wol getriuwe sîn. Walth. 40, 15. vögel belauschen die heimlichkeit der menschen.. dieser beruhigenden verbindung des ich mit gott steht entgegen die scheltende des du mit teufel (cap. XXXIII). auch hier reicht das bloße got hin: ingen vet min sorg utan gud. svenska visor 2, 7. Daß aber diese redensarten mit gutem fug schon auf die heidnische zeit zurückgeführt werden, lehrt folgende merkwürdige stelle aus fornald. sög. 1, 380: ek hugđa engan kunna nema mik ok Ođinn. an geheimnissen, die niemand wissen kann außer Ođinn und wem er sie ins ohr gesagt hat, offenbart sich alsbald seine göttlichkeit (Sæm. 38a b, 95b fornald. sög. 1, 487). Nicht ganz vergleichbar sind redensarten wie: daz geloube gote unde mir. Amis 989; iu unde gote von himele klage ich unser leit. Nib. 1889, 3. ik klage gode unde iu. richtsteig landr. 11. 16. 37; sanc die messe beide got u. in. Parz. 378, 25. Wh. 289, 5. neic si im unde gote Iw. 6013; auch altfranz. jel te pardoins de diu et de mi. Mones unters. 245. Zuweilen wird das böse wesen neben der gottheit genannt: got noch den tiuvel loben. Iw. 1273. in beschirmet der tiuvel noch got. Iw. 4635 d. h. gar niemand.

Die gedichte des mittelalters legen gott menschliche leidenschaften bei; namentlich wird er oft in dem zustand des wohlbehagens und der freudeNachtrag: Gott erscheint menschlich. par les iaus dieu Ren. 505. vgl. Freyr lîtr eigi vinar augum til þin. fornm. s. 2, 74. par les pies quide diu tenir Méon fabl. 1, 351. im half diu gotes hant Nib. 1519, 3. wan dô got hiez werden ander wîp, dô geschuof er iuwern lîp selbe mit sîner hant Flore 2, 259. vgl. got selbe der hât mich ze diesem lantgesinde brâht Trist. 495. und: der hôhste fride (= gott) müez in noch wider an mînen arm geleiten! Wolfr. lied. 8, 8. die Finnen sprechen von gottes bart. gott trägt helm, vielleicht wenn er in wolken gehüllt ist vgl. helothhelm s. 383. Grîmnir pileatus s. 121 und Mercurs hut. den gotes helm verbinden MsH. 3, 354b. dazu die eigennamen Gotahelm Zeuss trad. wizemb. s. 76 wie Siguhelm, Friduhelm. wie nach Plato ein hirt, ist gott bei Wolfr. ein richter Parz. 10, 27. gott wacht, wie Mars vigilat Petron c. 77. vgl. Mars vigila, Hennil vigila (s. 625). er freut sich seiner schöpferkraft: got was in güetlicher zuht. Gerh. 2174. er schafft die menschen unmittelbar: got selbe worht ir süezen lîp Parz. 130, 23. und wird dadurch geehrt: ir schöenen lîbes hât got iemer êre MS. 1, 143a. im glanze der mondnacht bildet er die schönheit: diex qui la fist en plaine lune. Dinaux trouvères artésiens s. 261. gott schaut, wählt, späht gnädig, freudig auf die erde herab: got kunde in selbe weln MsH. 2, 4a daz sî (eos) got iemer schouwe! Jw. 794. ob got von himele wolde sehen von zwein kempfen einen strît, er möhte ir vehten beschouwet hân mit êren troj. kr. 34584. daz ez got selbe möhte sehen, ob er wolde aventiure spehen von sîner creatiure Frib. Trist. 1791. baz danne tûsent frouwen, der schoene mohte schouwen got ûz dem himelriche Dietr. 4280. dar wart ein wuof, daz ez vor got ze himel was genaeme Lohengr. 71. in wurde got noch diu werlt iemer holt. Dietr. drach. 119a. auch altn. heißt es: Yggr var þeim lîđr (lenis, linde) Saem. 251a. vgl. ›unus tibi hic dum propitius sit Juppiter, tu istos minutos deos flocci feceris‹ und die keilschrift 4, 74: Auramazdá thuvám dushta bija! Oromasdes tibi amicus fiat. und 4, 78 umgekehrt (s. anm. 63)., dann aber auch in dem entgegengesetzten des zornes und der rache geschildert. jener begünstigt die erschaffung ausgezeichneter, glücklich gebildeter menschen. got was an einer süezen zuht, do'r Parzivâlen worhte. Parz. 148, 26. got der was vil senftes muotes, dô er geschuof sô reine ein wîp. MS. 1, 17b got der was in fröiden, dô er dich als ebene maz. MS. 1, 22b. got in großen freuden was, do er dich schuof (nämlich den wein) altd. bl. 1, 413. got der was in hôhem werdeder goth. ausdruck für friede, ruhe ist gavairthi., dô er geschuof die reinen fruht, wan ime was gar wol ze muote MS. 1, 24b. got si zer werlde brâhte, dô ze freuden stuont sîn muot. Wigal. 9282. got der was vil wol gemuot, dô er schuof sô reinem wîbe tugent, wünne, schœne an lîbe. MS. 1, 201a. got was gezierde milte, der si beide schuof nâch lobe. Troj. 19922. gott selb in rîchen freuden was, dô er ir lîp als ebene maz. misc. 2, 186. ich weiz daz got in fröiden was, dô er niht, frouwe, an dir vergaz waz man ze lobe sol schouwen. Ls. 1, 35. Auch ein troubadour singt: belha domna, de cor y entendia dieus, quan formet 15 vostre cors amoros. Rayn. 1, 117dem schöpferischen, seines werkes frohen gott legen die mhd. dichter besonders fleiß und eifer bei: an den henden lac der gotes flîz. Parz. 88, 15. jach, er trüege den gottes flîz. Parz. 140, 5. got het sînen flîz gar ze wunsche wol an si geleit. Wigal. 4130. ich wæn got selbe worhte dich mit siner gotlicher hant. Wigal. 9723. zwâre got der hât geleit sîne kunst und sîne kraft, sînen vlîz und sîne meisterschaft an disen loblîchen lîp. Jw. 1685. bei Chrestien: ja la fist dex de sa main nue, por nature fere muser, tout le mont i porroit user, s'ele la voloit contrefere, que ja nen porroit a chief trere; no dex, s'il sen voloit pener, mi porroit, ce cuit, assener, que ja une telle feist, por peine que il i meistNachtrag: Der fleiß gottes wird noch öfter gepriesen. gotes flîz lac an in. Wigam. 4895. ich waene got sînen vlîz an si hâte geleit von schoene und von saelekeit. Er. 338. daz ober (antlütze) ich geprüevet hân . . . dâ lag an gotes vlîz. Helbl. 1, 1105. vgl. Gerh. 1653. 1681. 3735. an si was gotes flîz geleit. Lanz. 4062. got selbe sînen fliz und sîn huote an si leite. Mar. 161, 12. vgl. Jupiter hât sînen vlîz an dich geleit. Parz. 749, 16... Eine gleichheidnische gesinnung ist es, welche gott neigung zuschreibt, menschliche schönheit zu beschauen, oder zu thun, was die menschen thun. got möhte selbe gerne sehen die selben jungfrouwen. fragm. 22a. gott möht in (den spielman) gerne hœren in sînen himelkœren. Trist. 7649. den slac scolte got selbe haben gesehen. Rol. 198, 18; Karl 72a got selbe möht ez gerne sehen. Trist. 6869; ein puneiz, daz in got selber möhte sehen. Frauend. 84, 16. gestrîten dazz d'engel möhten hœren in den niun kœren. Willeh. 230, 27; si möhte nâch betwingen mite eines engels gedanc, daz er vil lihte einen wanc durch si von himele tœte. Iw. 6500 (nachgeahmt von Ottocar 166a). ich weiz daz wol, daz sîn got nicht verdrüzze MS. 2, 127a.; ir hâr gelîch dem golde als ez got wünschen solde MS. 2, 62b; sîn swert dat geinc an sîner hant, dat got selve vrâchde mêre, we der ritter wêre? dey engele muosten lachen, dat hey is sus kunde machen. Haupts zeitschr. 3, 24. diese zufriedenheit der geleitenden schutzengel (cap. XXVIII) oder walküren muß zum lachen der geister (cap. XXXI) gehalten werden. in Hartmanns Erec, als Enitens weiße hände ein pferd besorgten (begiengen), heißt es 355: und wære, daz got hien erde rite, ich wæn, in genuocte da mite, ob er solhen marstaller hœte. Diesen begrif des theilnehmenden frohen, holden gottes drückt zumal das subst. huldi aus, altn. hylli: Ođins hylli. Sæm. 47a. Ullar hylli ok allra gođa. Sæm. 45b.

Von dem gegensatz der uralten sinnlichen vorstellung des zürnenden, rächenden gottesNachtrag: Gott empfindet zorn und rache. sowie Cic. leg. 2, 9 spricht von placare donis iram deorum, sagt Tac. Germ. c. 9 von deutschen göttern: Herculem ac Martem placant. Freyr lîtr eigi vinar augum til þîn. fornm. s. 2, 74 vgl. ôreidom augom lita Saem. 194a. hefir hun fengit gođa reiđi. Völs. cap. 29. haf fyrir guđ drottins reiđi! Thidr. cap. 109. gremi Ođins Saem. 151a. gođa gremi. Egilss. 382. die götter zürnen über die neuen bräuche. Laxdæla s. 168. so auch mhd: der grimme zorn gotis. Ludw. der heilige (Rückert 68). der gotes zorn. Rol. 2, 33. den gotes zorn lîden. Wigal. 5857. über mich gêt der gotes zorn. Tundal. 43, 73. die heiligen stillen gottes zorn (vorr. XXIX). daz iu got ist gram pass. 359, 7. got mir ein teil was ze gram. Flore 2293. dem wirt got und diu werlt gram. Renn. 716. got hât durch râche an mich geleit ein sus gewante siecheit. a. Heinr. 409. diu chetten der gotes râche hât mich starche gebunden. tôdes gehugde 658. unser gote sint sô guot, daz si dînen tumben muot niht râchen mit einer donrestrâle. Barl. 207, 13. godes yrre bär d. h. er war gott verhaßt. Beov. 1427. dulten gotes haz. Haupt zeitschr. 1, 84. der tiufel vuor in gotis haz. Ksrchr. 6093. fuor in gotes haz. Margareta 547. dû bist gevarn in gotes haz. En. 8984. nu var dû in gotis haz. Ksrchr. 13365. als beiname in Othelricus godes haz a. 1075 (Pertz 7, 349). ›got haz den lesten!‹ sprâchen die dâ vluhen hin. Ottoc. 76a. sô in got iemer hazze MsH. 3, 195b. ähnlich: liubera denne truhtinis haz. Hattemer 1, 415a. allir heiligen haz. Kaiserchr. 12895. strîchen der sunnen haz. Maßm. Erad. 951. aber auch: si huoben sich in gotes segen. Livl. reimchr. 6817. andrerseits: daz in got gehoene. Lanz. 3862. nu ist der gotes vluoch volleclîch an uns ergân. Livl. reimchr. 1139. que deus maudie. Ren. 645. 1656. 3032. gott schlägt: er bat daz got sînen slac über in vil schiere slüege. Turl. krone 92 vgl. θεοβλαβής. Herod. 1, 127. schwere krankheit heißt der gotes slac, wie nach N. Boeth. aus der ira dei intemperies und morbi erfolgen. got sol disen vellen. Jw. 4960. got velle si beide! Jw. 6752. daz in got velle! Er. 3774. got müeze iuch vellen! Parz. 3774. ich wil daz mich got velle und mir schende den lîp. Flore 1314. vgl. auf dem hergotts boden. Garg. 158b. fort mit dir zu gottes boden. Weise comödienprobe s. 39. wider gottes boden. böse weiber s. 95. que deus cravent! Trist 2756. diex la puist cradieu, trai t'espée de ton fuerre s'es porfen tox jusventer! Berte 31. got si schende! MsH. 3, 187a. got rechez über sîn kragen! Ottoc. 352a. so muoze mig got wuorgen. Karlm. 368. ques entrailles! Méon 1, 310. nû brennet mich der gotes zan in dem fiur. tôdes gehugde 679. gott kehrt den falschen den rücken zu: diex meisme s'en destorne nes puet voir, le dox lor torne. Méon. 1, 310. sô entwîche mir got! Flore 5277. des muoz dir got entwîchen! ds. 2, 520. got ist an mir verzaget. Parz. 10, 30. ist got an sîner helfe blint, oder ist er dran betoubet. Parz. 10, 20. die göte gar entsliefen. Albr. Tit. 2924. Man halte noch dazu den serb. stari krunik den alten blutvergießer (s. 18). η̃ σε περὶ Ζεὺς ανθρώπων ήχθηρε. Od. 19, 364. Auramazdá tya jhatá bija! Oromasdes ibi infensus fiat! keilschr. 4, 78 (anm. 59). Krischna heißt hominum vexator. Bopp. gloss. 135a. soll im verfolg das wichtigste beispiel bei dem donner (cap. VIII) abgehandelt werdenpiacula irae deûm. Liv. 22, 9. deos iratos habeam! dii immortales hominibus irasci et succensere consueverunt. Cic. pro Rosc. Am. 16, und Tacitus gerade bei Germanen: propitiine an irati dii. Germ. 5. ira dei. hist. 4, 26. infensi Batavis dii. hist 5, 25. Im mittelalter: tu odium dei omniumque sanctorum habeas! vita Meinwerci cap. 13 § 95. crebrescentibus jam jamque cottidie dei justo judicio in populo diversis calamitatibus et flagellis . . . . quid esset in quo deus offensus esset, vel quibus placari posset operibus. Pertz 2, 547.. die idee kehrt in der edda und sonst mehrmals wieder. reiđr er þer Ođinn, reiđr er þer Asabragr. Sæm. 85b Ođinn ofreiđr. Sæm. 228«. reiđ varđ þâ Freyja oc fnasađi. Sæm. 71b sie schnaubte vor wut, wie dem zürnenden wolf der bart stiebt (Reinh. XLII). guđin reiđ ordin. fornm. sög. 2, 29. 231. gođa gremi (deorum ira) wird verkündet. Egilss. 352. at gremia gođ (offendere deos). fornald. 16 sög. 2, 69. was imo god âbolgan. Hel. 157, 19. than wirdid iu waldand gram, mahtig môdag. Hel. 41, 16, wie sonst: diu Sælde, welt, erde wird ihm gram. ein zornec got in daz gebôt, dazs uns hie suohten mit ir her. Parz. 43, 28. hie ist geschehen gotes râche. Reinh. 975. got wil vervüeren sînen zorn. Osw. 717. ich wæne daz got ræche da selbe sînen anden. Gudr. 845, 4; daz riuwe got! Trist. 12131; daz ez got immer riuwe! Trist. 11704. beim verbot der sonntagsarbeit sagt die lex Bajuv. 6, 2: quia talis causa vitanda est, quae deum ad iracundiam provocat, et exinde flagellamur in frugibus et penuriam patimur. wie rohsinnlich drückte man sich noch im 17. jh. aus: ein misbrauch, der got in harnisch bringt, und zu scharfer ungnädiger einsehung verursacht, daß er gewis, zu rettung seiner ehre, mit fäusten darein schmeißen wird; oder: dem zornigen, eifrigen gott in die spieße laufenHartmann vom segensprechen. Nürnb. 1680. s. 158. 180.. Einen bösen menschen schalt man im mittelalter gote leide, gott und den menschen verhaßter! verwünschung war jemanden in gottes haß zu weisen: ûz in gotes haz! Trist. 5449. ûz strîchet balde in gotes haz! Trist. 14579. nu vart den gotes haz alsam ein bœswiht von mir hin! Frauend. 109, 12. mich hât der gotes haz bestanden. kl. 518. iuch hât rehte gotes haz (wie sonst: das unwetter, der teufel) daher gesendet beide. Iw. 6104. sô müeze ich haben gotes haz. Altd. w. 3, 212. varet hen an godes haz! Wiggert 2, 47. nu mueze er gewinnen gotes haz. Roth 611. ebenso mnd. godsat hebbe! Huyd. op St. 2, 350. Reinaert 3196schwere krankheit und noth heißt gewöhnlich: der gotes slac.. Was aber vorzüglich beachtet werden muß, jener formel in gotes haz oder bloß accusativisch gotes h. varn, strîchen völlig parallel steht eine andere, die für gott die sonne setzt; dadurch erhöht sich die heidnische färbung: ir sult farn der sunnen haz! Parz. 247, 26. var der sunnen haz! ungedr. ged. von Rüediger 46. hebe dich der sunnen haz! Er. 93; nu ziuhe in von mir der sunnen haz! Helmbr. 1799. si hiezen in strîchen in der sunnen haz. Eracl. 1100. hiez in der sunnen haz hin varn. Frauend. 375, 26. ein so verfluchter ist unwerth von der sonne gnädig beschienen zu werden. Der Vandale Gizerich besteigt sein schif und überläßt den winden, wohin sie es treiben, auf welches volk, dem gott zürne (εφ' ούς ο θεὸς ώργισται), er fallen solle. Procop de bello vand. 1, 5.

Aus solchem feindlichen verhältniss folgt zuweilen widersetzlichkeit der menschen, die in prometheischen trotz und drohworte ausbricht, oder auch sich thätlich vergreiftNachtrag: Die irrisio deorum, altn. gođgâ (s. vorr. XL und anm. 36) steigert sich zum hohn gegen die götter wie Laxdaelas. s. 180. Kristnisaga cap. 9. ahd. kotscelta blasphemia, mhd. gotes schelter blasphemi bei Berthold. vgl. die schimpfreden der Kamtschadalen gegen ihren obersten gott Kutka. Klemm. 2, 318. nu schilte ich miniu abgot. Klage 481. bliben ungescholden ir gote, daz was ân ir danc. Livl. reimchr. 1143. ze gote huop diu vrowe ir zorn. Jw. 1381. sînen zorn huob er hin ze gote: rîcher got unguoter! Greg. 2436. 2442. sô wil ich iemer wesen gram den goten. En. 7985. die heiligen drohen gott. Keisersb. omeis. 12d. wâfen schrîen über gotes gewalt. Wigal. 11558. got, dâ bistu eine schuldec an! Jw. 1384. Karl droht ihm: Karles tença à dieu, si confust son voisin: jamais en France n'orra messe à matin. Aspr. 35a. he, saint Denis de France! tu somoilles et dorz, quant fauz tes homes liges tiens en est li gran torz. Guitecl. 2, 156. nemt iuwer gote an ein seil und trenket si! Wh. 1, 83a. Tröwet als dann S. Urban auch, wann er nicht schafft gut wein, werd man ihn nach den alten brauch werffen in bach hinein. Garg. vorw. 10. Ksrchr. 14737 droht Karl dem. h. Petrus: und ne mache dû den blinden hiute niht gesunden, dîn hûs ich dir zestôre, dînen widemen ich dir zevuore. abgötter werden unter hunde und schweine geworfen. Karel. 8563. vgl. das Todaustragen s. 640. Man trotzt gott oder hintergeht ihn. biß gott selbst kompt (der strafende), haben wir vogel und nest weggeraumbt. Garg. 202a (vgl. anm. 416).. Herodot 4, 94 von den Thrakern: ου̃τοι οι αυτοὶ Θρήϊκες καὶ πρὸς βροντήν τε καὶ αστραπὴν τοξεύοντες άνω πρὸς τὸν ουρανὸν, απειλευ̃σι τω̃ θεω̃. des gottes bildseule, wenn er die erflehte hilfe verweigerte, wurde vom volk in den fluß gestürzt, ins wasser getaucht oder geschlagen. in den kerlingischen romanen ist verschiedentlich der 17 zug, daß Karl gott droht, wenn er seinen beistand versage, die altäre in ganz Frankreich nieder zu werfen, die kirchen und alle priester eingehen zu lassen, z. B. Ferabr. 1211, 1428. so droht auch frau Breide gott den altar zu entdecken und das heilthum zu brechen. Orendel 2395; ja Marsilies läßt nach dem verlust der schlacht die götzenhäuser niederstürzen. Rol. 246, 30. Urbans bildseule, wenn miswachs des weins eintrat, warf man ins bad oder in den flußwenn das wetter einschlägt sagen die leute: kann gott wegbrennen, können wir wieder bauen! Ettners hebamme s. 16.. Die Arkader geiselten ihren Pan mit σκίλλαις (meerschilfen), wenn sie beutelos von der jagd heimkehrten (Theocrit 7, 106). Nicht allein zorn und haß, auch neid, schadenfreude, νέμεσις legten die Griechen ihren göttern bei.

Epitheta gottes.Nachtrag: Der epitheta gottes gibt es noch viele. in der anrede begegnet kaum lieb, doch heißt es: an sînen lieben abgoten. pass. 306, 20. ir lieben gote. pass. 38, 41. got der guote fundgr. II. 91, 2. MS. 2, 227b. Greg. 748. 757. 2584. Nib. 1043, 3. sô dir got der guote! Herb. 9632. gute frau 1524. der grundgütige gott. Simplic. 146. ach gott und alle güte! Gotthelfs erzähl. 1, 167. nhd. du meine güte! rîcher got der guote. Erec. 3148. 8294. Krist ther guato. O. Sal. 32. 47. der milte got. Ls. 2, 287. Grieshaber pred. 129. der zarte got. Ls. 2, 285. 286. Grieshaber pred. 5. 9. 17 = Christus, 22 = gott. der zarte got von himel. Griesh. 2, 3. 5. 6. 11 und sehr oft der süeze got von himel. Griesh. 2, 58. in svasugođ. Saem 33a. der süeze got. Emst. 348. 1370. 1769. 2275. noch häufiger der süeze Krist. Greg. 613. Haupts zeitschr. 5, 515. Silv. 3783. 3857. 3901. tugenhafter got. Wh. 49, 16. der vil tugenthafte Krist. Trist. 15739. (395, 21). nhd. der treue gott, o du treuer gott. got der gewâre. fundgr. II, 90, 41. hêre wird von heidnischen göttern gesagt, wie sonst von engel, kaiser: ein Venus hêre. MS. 1, 55a. hâlig dryhten Beov. 1366. Wäinämöinen heißt pyha uro, heiliger mann. Kalev. 3. 117. noch oft der rîche: rîkir tîfar. Saem. 72a. 93a. herre got der rîche! Klage 2011. rîcher got der guote s. o. rîcher got unguoter. Greg. 2442. rîc god, comt mi te baten. Uhland volksl. s. 56. Christ der rîche. Diemer 86, 23. fundgr. 1, 166. reicher Crist. liederb. v. 1582 s. 249. regnator omnium deus Tac. Germ. 39. goth. fráuja allvaldands 2. Cor. 6, 18. eddisch ist die benennung nicht, denn Saem. 152a ist alvaldr nicht gott, sondern könig. im Beovulf wird vealdend häufig von gott gebraucht. vgl. alts. irmingod s. 292. Siwa heißt Mahadêva magnus deus. Bopp gloss. 261a. altfranz. heißt er: rei ki tot guvernet. Alexis 99, 4. Jupiter der waldige got. Ksrchron. 5083. nu muoz es got walden. Herb. 9623. zuweilen wird gott der alte genannt: nu helf uns doch der alt gott! ring. 50c, 28 (stuttg. 226). ja lebt noch got der rîche. Wolfd. und Saben 531. man habe oft lange ursache zu glauben, er sei auch zu alt geworden, aber am ende komme er doch. Gotthelfs käserei 436. der liebe gott erscheint als alter mann. Müllenhoff s. 432. 457. der alte heißt er bei Göthe am schluß des prologs zu Faust. finn. waka wanha Wäinämöinen, der treue alte W. lett. wezzais tehws oder bloß wezzais. Bergmann 141. chines. lao tiau der alte himmel. gott heißt der hoehste. MS. 1, 91a. vgl. anm. 59: der hôhste fride. auxtheias vissagistis deus omnipotens et summus. Lasicz 46. Gott sieht, pflegt, segnet, minnt, lohnt, ehrt, erbarmt sich und vergißt. got gesach den man Haupts zeitschr. 1, 281. wê dir daz dich got ie gesach! fragm. 15b. daz euch got beschawe! Keller erzähl. 476, 25. im sehen liegt mitleid. GDS. s. 173 anm. ουδ' ει̃δεν αυτου̃ τὴν άλωνα Δημήτηρ. Babr. 11, 9. daz dîn der himel müeze pflegen! fragm. 20c. got der müeze dîn pflegen! Herb. 6160. got pflege iuwer! Herb. 6169. 6263. got gesegene uns immer mêre! Herb. 7732. daz iuch got gesegen! Helbl. 4, 785. gesegen dich got! Helbl. 1, 1402 (s. n. 13). got segen iuch, got lône dir! Herb. 8092. got minne dich! Eracl. 644. got gebe dir immer guot! Herb. 8094. got müeze mich êren. MsH. 1, 59b. daz mohte got erbarmen. Wigal. 5342. ez mohte got erbarmet hân. Dietr. 9337. andrerseits: daz ire got ergaz. Haupts zeitschr. 8, 148. als im got ergaz. Herb. 15669. sô mîn got ergaz. troj. kr. 14072. ob sîn got in sîm zorne het vergezzen. Orendel 508. sît mîn hât. got vergezzen. Gudr. 1036, 3. des hât got vergezzen, der tivel hât in besezzen. warnung 343. gar vergezzen hât mîn got. Wigam. 886. vgl. fro Saelde wie si mîn vergaz. Walther 43, 5. nhd. gottvergessen, gottverlassen.

Gott tritt als attribut in folgenden formeln auf: diu gotes kraft, Reinh. 1580. 1740. Erec. 8890. vgl. Minnenkraft (s. 745). diu gotes gewalt, gotes hant s. 968. gotes vlîz s. 15. gotes râche. Reinh. 975. Helbl. 4, 95. gotes zorn s. 17. gotes haz s. 16. gotes fluoch, Karl. 6a. gotes slac s. 968. godes volk = pauperes. Diut. 1, 438. vgl. sîne aerme. Maerl. 2, 230. dasselbe bedeutet daz gotes her. gute frau 1492. hierhin gehört der eigenname Godesman trad. corb. 291. 351. 398. Godasmannus pol. Irmin. 93b. Kotesman trad. juvav. 131. dagegen ist gotes als bloße verstärkung neben mehreren adjectiven aufzufassen: diu gotes arme Nib. 1020, 4. Erec. 6031. der gotes arme priester. Nib. 1515, 4. owê mich gotes armen. Nib. 2090, 1. ich vil gotes armiu. Gudr. 1209, 1. von den gotes armen. En. 2979. ein gotes armer. Wigal. 5315. ich gotes arme maget. Dietr. drachenk. 10. die gotes ellenden. Ernst 3176. der gotes tumbe, Helmbr. 85. der gotes reine. Marienleg. 189, 428. vgl. gotts ainzig. Schmeller wb. 2, 83.

in der heutigen sprache: der liebe, liebste, gnädigebei gott ist gnade, ruhe, friede; von einer feierlichen stätte heißt es: hier wohnt der liebe gott! und: einem den lieben gott von der stube treiben (Lessing 1, 243) ist einen einsamen durch profanen besuch stören., große, gute, allmächtige, in der früheren: hêrre got der guote. Reinh. 1296. gute frau 276. hêrro the gôdo. Hel. 78, 3. 90, 6 frô mîn the gôdo 143, 7. gnædeger trehtîn. Reinh. 1309. oft der rîche: thie rîkeo Christ. Hel. 1, 2. rîki god. Hel. 195, 9. rîki drohtin. Hel. 114, 22. der rîche got von himele. Roth. 4971. got der rîche. Nib. 1793, 3. Trist. 2492. durch den rîchen got von himel. Morolt 3526. der rîche got mich ie gesach. v. d. wîbe list 114rîhhi ist ahd. dives, potens, auch beatus, und dives gehört nahe zu divus, wie Dis, Ditis erwächst aus Divit. vom slav. bog leitet sich her bogat (dives) litth. bagotas; vgl. ops, inops (russ. ubogii), opulentus mit Ops, der bona dea. vgl. Diefenb. celt. 1, 196.. cot almahtico, cot heilac. wessobr. gebet; mahtig drohtin Hel. 2, 2. freá älmihtig. Cædm. 1, 9. 10, 1. se älmihtiga vealdend. Thorpes anal. 83. mannô miltisto (largissimus) wessobr. geb. ags. êce dryhten, aeternus. Caedm. 246, 11. Beov. 3382. 3555. 4655. vitig god, sapiens Beov. 1364. 2105. Cædm. 182, 24. vitig dryhten Beov. 3101. 3679. Cædm. 179, 8. vitig vuldorcyning Cædm. 242, 30. vil milter Christ. cod. pal. 350, 56. waltant got. Hild. waldindinger got. Roth. 213. 523. 1009. 2332. 4031 waltant Krist. O. V. 25, 91. Gudr. 2243. ags. vealdend Cædm. 9, 25. vuldres vealdend Beov. 4. heofnes vealdend Cædm. 17, 15. þeoda vealdend. fäder alvealda Beov. 630. alts. waldand Hel. 4, 5. 6, 6. waldand god 3, 17. waldand drohtin 1, 19. alowaldo 4, 8. 5, 20. 8, 2. 69, 23. eddisch aber ist die benennung nicht. dieser begrif von walten (dominari, regere) wird noch in der redensart es walten Parz. 568, 1. En. 7299. 10165. 13225 auf das höchste wesen bezogen, nhd. gottwalts! mnl. godwouds! Huyd. op St. 2, 548. falsch ist der nhd. acc. das walt gott! Agricola 596. Praet. weltb. 2, 50. Zuweilen heißt gott auch der alte: der alte gott lebt noch. ags. eald metod. mhd. hât got sîn alt gemüete. Wh. 66, 20. der alde got. Roth. 4401. 18 unterm volk: der alte vater. in einem serb. lied (Vuk 2, 244. Montenegro 101) wird bog genannt: stari krvnik, der alte blutvergießer, tödter, und bei Frauenlob Ms. 2, 214b der alte friedel. Die dichter des 13. jh. bedienen sich einigemal des lat. beinamens altissimus. Wh. 216, 5. 434, 23. Geo. 90. 401, womit sich das mhd. diu hôhste hant. Parz. 484, 6. 487, 20. 568, 8. Wh. 134, 7. 150, 14. und das ahd. zi waltanteru henti. O. V. 25, 91 zusammenhalten läßt. Der allwaltende gott ist zugleich der allsehende, allwissende; aller dinge sich erinnernde, daher von glücklichen gesagt wird, daß sie gott sah, von unglücklichen, daß ihrer gott vergaß. ahd. kesah tih kot! (o te felicem!) N. Boeth. 145; mhd. gesach in got! (wol ihm) altd. bl. 1, 347; sô mir got ergaz troj. kr. 14072. sô hât got mîn vergezzen! Nib. 2256, 3; wie gar iuwer got vergaz. Iw. 6254; got mîn vergaz. Ecke 209; got hæte sîn vergezzen. Trist. 9243, genædelîcher trehtîn, wie vergæze dû ie mîn sô? Trist. 12483. Andere belege sind gramm. 4, 175 zusammengestellt. Gott schaut und bewahrt: daz si got iemer schouwe! Iw. 794. altengl. god you see! god keep you in his sight!

Unter den substantivischen benennungen sind mehrere, die gott mit den weltlichen herschern gemein hatNachtrag: Gott wird mit titeln weltlicher herrscher versehen: der edel keiser himelbaere. Tit. 3382 und dem könig der vögel verglichen: gott der hohe, edle adler vom himmel. Berthold 331. das mlat. domnus wird nicht von gott, der stets dominus heißt, aber von päbsten, königen u. s. w. gebraucht. Ducange s. v. altfrz. dame dieu (s. 139), dame dê Roquefort s. v. prov. dami dricu, damri deu, domini dicus. Raynouard. 3, 68. über dame vgl. s. 248. walach. dumnedeu für gott, domn für herr. das slav. knez, kniaz bedeutet dominus, princeps, sacerdos, wird aber in Wiggerts psalmen auch von gott gebraucht vgl. die kneze graniza bei Lisch urk. 1, 9. auch άναξ und άνασσα gilt von göttern wie von weltlichen herschern. vorzugsweise die dioskuren heißen άνακες. der vocativ άνα kommt göttern allein zu.. goth. fráuja, alts. frôho, frô, ags. freá, von welchem namen künftig noch weiter zu handeln sein wird. ahd. truhtîn, mhd. trehtîn, alts. drohtin, ags. dryhten, altn. drôttinn, ahd. hêriro, mhd. hêrre, und zwar kann dieses, von gott gebraucht, nie in her verkürzt werden, sowenig als dominus in roman. domnus, don. Vor allen hervorzuheben ist der name vaterNachtrag: Gott heißt fäder in der schönen stelle: þonne forstes bend fäder onlaeteđ. Beov. 3218. Brahma heißt avus paternus Bopps gloss. 217a und Pitamaha großer vater. Holtzmann 3, 141. 153. vgl. Donar als vater s. 139. an die väterliche natur gottes erinnert in den märchen, daß er pathe einzelner kinder wird. KM. no. 126 erscheint gott als bettelmann und schenkt dem pathen einen schimmel, im walach. märchen 14 schenkt er dem pathen eine kuh. ebenso begaben die feen als pathinnen. die großmutter zieht auf der ganzen erde. Klemm 2, 160. über anel, baba (s. 533), zlotobaba goldne mutter. über mutter (s. 210. 211).. in der edda wird alföđr auf Ođinn angewandt Sæm. 46b 88a 154b Sn. 3. 11. 17; herfađir, herja fađir, valfađir, als auf den vater aller götter, menschen und erschafnen dinge. diese zusammensetzung mangelt in den übrigen mundarten, sie mochte heidnisch dünken, doch das ags. fäder alvealda Beov. 630 durfte gesagt werden und die vorstellung gott vater wurde den Christen noch geläufiger als den Heiden. altfatar d. i. großvater, avus O. I. 3, 6. ags. ealdfäder Beov. 743. 1883 finde ich nicht auf gott angewandt. Wie nun die Griechen Ζεὺς πατήρ (besonders im voc. Ζευ̃ πάτερ), die Römer Jupiter, Diespiter, Dispiter, Mars paterJane pater! Cato 134; was aber bedeutet Dissunapiter in der merkwürdigen formel bei Cato 160? und ebenso Δημήτηρ, Δαμάτηρ, Terra mater verknüpften, pflegen die Letten beinahe jeder göttin das epithet mahte, mahmina, mutter, mütterchen (Büttner 244. Bergmann 142) zu verleihen, wovon im verfolg noch mehr zu sagen ist. allem anschein nach ist vater, fadr verwandt mit faþs herr, wie pater, πατήρ mit pótiV, pósiV, litth. pats. Das ags. meotod, metod Cædm. 223, 14. eald metod. Beov. 1883. sôđ metod Beov. 3222. alts. metod Hel. 4, 13. 15, 17. 66, 19, ein ausdruck, der gerade so in der edda vorkommt, miötudr Sæm. 226b 241b scheint creator zu bedeuten, wie er wörtlich den sinn von mensor, moderator, finitor 19 darlegt. den vollen sinn von metod wird uns erst eine genauere auskunft über das verhältnis zwischen goth. mitan und máitan, ahd. mëzan und meizan erschließen; die lat. mētiri und mĕtere, außer daß sie nicht lautverschoben sind, drehen die quantität um. das altn. miötuđr scheint einigemal sector, messor, Sn. 104. 105 heißt das haupt, womit Heimdall erschlagen wurde, miötuđr Heimđallar und das schwert, mans miötuđr', fornald. sög. s. 441. ›manna miötuđr‹Nachtrag: Das sächsische metod, altnordische miötudr läßt sich dem skr. mâtar, messer und creator vergleichen s. Bopp vergl. gramm. 1134, wie mâtâ, mutter, creatrix. vgl. ταμίας Ζεύς.. noch die mhd. dichter brauchen mezzen von dem schönsten ebenmaß des schaffens: dô sîn (des Wunsches) gewalt ir bilde maz. Troj. 19626. got selb in rîchen fröuden was, dô er ir lîp als ebene maz. misc. 2, 186. er sol ze rehte lange mezzen, der an si sô ebene maz, daz er an si zer werlte nie nâch vollem wunsche weder des noch des vergaz. Ms. 1, 154b. got der was in fröiden, dô er dich als ebene maz. Ms. 1, 22b. wer kunde in sô gemezzen. Tit. 130, 1. anders denne got uns maz, dô er ze werke über mich gesaz. Parz. 518, 21. ein bilde mezzen ist also was sonst ein bilde schaffen (Troj. 19805) oder giezen (Walth. 45, 25. MS. 1, 195b 2, 226b) und bei Suchenwirt 24, 154 heißt es: ›got het gegozzen ûf ir vel ir mündel rôt und wîz ir kel‹, wodurch bedeutsames licht auf den goth. stammnamen Gáuts, ags. Geát, ahd. Kôz fälltNachtrag: Gott ist der gießende, fundens auch bei Homer: Zeus schaft, zeugt die menschen. Od. 20, 202. doch Zeus χέει ύδωρ Il. 16, 385. χιόνα Il. 12, 281. Poseidon χέεν αχλύν Il. 20, 321. Athene ηέρα χευ̃ε Od. 7, 15. 13, 189. ύπνον Od. 2, 395. 18, 188. 20, 54. κάλλος Od. 23. 156. χάριν Od. 2, 12. 6, 235. 8, 19. 23, 162. αχλύν Od. 7, 42. vgl. s. 271 und Athene η̃κε κόμας, ließ haare fließen, wallen. Od. 23, 156. gott heißt: der alle bilde giuzet Diut. 2, 241. er hât bilde ûz nihte gegozzen. Diut. 2, 253 (s. 86). got hât ein bilde gegozzen Ms. 1,195b. got der schepfet alle zît niuwe sêl, dier giuset unde gît in menschen. Freid. 16, 25. sêl wirt, wîl got si giuzet. Frauenlob. 181. got selber gôz in si die tugent, die engel zesâmen lâsen. Dietr. und ges. 196. der engel giuzet dem menschen die sêle in. Berth. 209. 239. gottes hand bildet wunder troj. kr. 19824. er würkt bilde: der smit von Oberlande, der elliu bilde wol würken kan. Ms. H. 2, 247ader smit von Oberlande, warf sinen hamer in mîne schôz. MsH. 2, 339b. gîn Oberlande varn. MsH. 3, 354b.. gott fügt vgl. wb. z. Jw. s. 519. Graff 3, 421. 422. daz füege got! Rab. 554. Dietr. 6389. und füege mir got Dietr. ahnen. 1045. vgl. 3545. 4626. 5058. got füege mirz ze guote. frauend. 422, 22. nu füege der süeze Crist dir den tac ze heile. Dietr. ahn. 904, sô füeg in got die saelecheit. Dietr. ahn. 865. got der füege in kraft. Rab. 514. Dietr. ahn. 229. got fuoct im guotes rîche kraft. Dietr. ahn. 2492. dô bat si got vil dicke füegen ir den rât. Nib. 1187, 1 vgl. nhd. eingeben. doch auch: sigehafte hende füege in got der guote. Dietr. 8082. dô fuogt in got einen wint. Rab. 619. Dietr. ahn. 1089. vgl. Gevuoge s. 258. auch die Minne fügt (kl. schr. 2, 319. 320). dir füeget saelde daz beste. Tit. 3375. daz er (Kahûn) dem strîte sig unde saelde füege. Tit. 3097. daz sie in fuogen sigehaft wer. Dietr. 4302. nhd. die fügung gottes. gott verhenget Ms. 1, 74a (dem rosse den zügel), ahd. firhengan concedere, consentire oder auch bloß hengan mit dem dat. im nhd. über einen etwas verhängen. got truoc uns zu dir in das lant (wie sonst: der teufel) Dietr. und ges. 656. mich hât selber gewîset her got von himmel. Keller erzähl. 648, 11. nhd. mit gott gehen d. h. in gottes geleit, glücklich gehen. vgl. σὺν θεω̃ βαίνεις. Babr. 92, 6.. Ags. scippend (creator), ahd. scefo scephio, mhd. schepfære Wh. 1, 3. nhd. schöpfer. Einige dieser namen können gehäuft, oder noch durch composition verstärkt werden, z. b. drohtin god. Hel. 2, 13. waldand frô mîn. Hel. 148, 14. 153, 8. freá dryhten Beov. 62. 186. lîffreá Cædm. 2, 9. 108, 18. 195, 3. 240, 33. Beov. 4. das weltliche cuning wird durch ein praefix auf gott anwendbar: vuldorcyning Cædm. 10, 32. hevancuning Hel. 3, 12, 18. 4, 14. 5, 11. gleichbedeutend damit rodora veard Cædm. 11, 2, oder die epische ausführung: irmingot obana ab hevane. Hild. got von himele Nib. 2090, 4. 2114, 1. 2132, 1. 2136, 1.

Solcher epischen formelnNachtrag: Obgleich Berthold s. 302 die vorstellung, daß gott auf dem himmel sitze und die beine ihm auf die erde herabreichen, als eine jüdische verspottet, so sind doch ähnliche sinnliche anschauungen noch vielfach aus älteren romanischen und deutschen gedichten zu belegen. deo chi maent sus en ciel. Eulalia vgl. ille qui supra nos habitat. Plautus Persa. V. 2, 38. qui loins voit et haut siet. Ogier 5868. vgl. herre got, herabe von himel blicke! Laber 111. qi fist la nue. Ogier 10294. 10306. qi fist solel et nue. Ogier 10329. par cui il pluet et vente. Guitecl. 2, 3. der weinen unde lachen geschuof. Wh. 258, 19. der uns alle werden hiez Ms. 1, 41a. alwaltintir got, der mir zi lebine gibôt. Diemer 122, 24. der mir ze lebene gebôt. Jonckbl. Walew. 2, 292. 293. god die ons allen gebôt. Lanc. 24758. cil diex vos saut, qui sor tos homes puet et vaut! Méon 4, 5. wanti got al mag und al guot wil. Diemer 99, 18. gott ist ewig: qui fu et iest et iert. Ogier 4102. lassen sich aus den gedichten, zumal den romanischen, schöne, einstimmige anführen; die meisten sind von gottes aufenthalt, von seiner schöpferischen kraft, allmacht, allwissenheit und wahrheit hergenommen: dios aquel, que esta en alto. Cid 800. 2352. 2465. qui la amont el seint ciel maint. Ren. 26018. qui maint el firmament. Berte 129. 149. der hôho sizet unde nideriu sihet. N. ps. 112, 5. qui haut siet et de loing mire. Ren. 11687. qui haut siet et loins voit. Berte 44. 181. Guitecl. 2, 139. der über der blauen decke sitzt. Melander jocoseria 1, 439. cot almahtico, dû himil inti erda gaworahtôs. wessobr. geb. cel senhor, qui lo mon a creat. Ferabr. 775. qui tot le mont forma. Berte 143. que fezit nueyt e dia. Ferabr. 3997. per aycel senhor que fetz cel e rozada. Ferabr. 2994. 4412. qui fist ciel et rousee. Berte 28. 66. 111. 139. 171. 188. Aimon 876. qui feis mer salee. Berte 67. qui fist et mer et onde. Méon 3, 460. des hant daz mer gesalzen hât. Parz. 514, 15. qui fait courre la nue. Berte 136. 183 νεφεληγερέτα 20 Ζεύς). par celui qui fait toner. Ron. 16658. 17780. par qui li soleus raie. Berte 13. 81. der himel und erde gebôt und die mergriezen zelt. Mar. 18. der der sterne zal weiz. Wh. 466, 30. der die sterne hât gezalt. Parz. 629, 20. der uns gap des mânen schîn. Wh. 467, 1. qui fait croitre et les vins et les blez. Ferabr. 163a. der mir ze lebene geriet. Nib. 2091, 4. Kl. 484. der mir ze lebene gebôt. Roth. 215. 517. 4552. der uns daz leben gebôt. Mar. 24. mnl. bi den here die mi ghebôt (gramm. 4, 134), die mi ghewrochte. Elegast 345. 451. 996. qui tot a a baillier. Berte 35. qui tot a a garder. Berte 7. que totz nos a jutgier. Ferabr. 308. 694. 1727. the mancunnies forwardôt. Hel. 152, 5. qui sor tos homes puet et vaut. Méon 4, 5. dominus qui omnia potest. urk. a. 1264 bei Wenk 3 no. 151. wider den nieman vermac. a. Heinr. 1355. der aller wunder hât gewalt. Parz. 43, 9. der gît unde nimt. Parz. 7, 9. der weinen und lachen geschuof. Wh. 258, 19. der beidiu krump unde sleht gescuof. Parz. 264, 25. der ane sihet alle getougen. Diut. 3, 52. der durch elliu herzen siht. Frîd. 355. der in diu herze siht. Wh. 30, 29. der ie daz guote geriet. Greg. 2993. ther suntilôso man (Christus) O. III. 21, 4. dem nie voller genâden zeran. Er. 2490. qui onques ne menti. Berte 82. 96. 120. 146. Méon 3, 8. icil dieu qui ne ment, et qui fist tot quanque mer serre. Ren. 19338. er mik skôp ok öllu ræđr. fornm. sög. 1, 3. sâ er öllu ræđr. das. 8, 107. er sôlina hefđi skapat. das. 1, 242. hêt â þann sem sôlina skapađi. Landn. s. 139.

Wenn nun schon in einigen der bisher verhandelten namen, beinamen und umschreibungen gottes merkbare beziehung auf das heidenthum vorwaltet, in andern bloße anklänge daran statt finden mögen; so hängen die folgenden ausdrücke noch unleugbarer mit der heidnischen vorstellung zusammen.

In der nord. mythologie gilt für den begriff deus, divus, wo nicht der obersten, ältesten reihe, doch einer zweiten, später mächtig gewordnen die benennung âs, pl. æsirNachtrag: Zur erklärung der Asen bedarf es einer besprechung von ahuramazdas (s. 822) und dem skr. asura geistig, lebendig. svâ lâti âss þik heilan î haugi! fornald. s. 1, 437. Rîn âskunn. Sæm. 248a. nornir âskungar. Sæm. 188a. eine friđla heißt âsa blôđ fornm. sög. 9, 322 (doch vgl. die var.), schön wie von Asen abstammend ? hafra drôttinn foerdiz allr î âsmegin. Sæm. 56b ôx honum âsmegin. Sn. 51. þâ vex mer âsmegin iafnhâtt up sem himinn. Sn. 114. vgl. Finn Magnusen lex. 992. âsmegir. Sæm. 94b. âsmôđr steht Sn. 109 dem iötunmôđr gegenüber. âsa bragr heißt Thor Sæm. 85b âs scheint auch einen genius zu bezeichnen. in Nialssaga s. 190 (v. 418) macht ein Svinfellsâs oder Snaefellsâs einen bei ihm hausenden mann jede neunte nacht zur frau. dieser mann heißt brûđr Svinfellsâs, amica genii svinfelliani. merkwürdig ist auch hier der bezug von âs auf einen berg (fell = fiall)? die sächsische form der benennung wird auch aus den ortsnamen Osenedred Kemble no. 1010 (5, 51) und Osnabrugga (vgl. s. 610) deutlich. ahd. sind noch zu bemerken Kêrans speergott, Folchans. Haupts zeitschr. 7, 529. sehr zweifelhaft ist, ob die Ansivarii zu erklären sind als a diis oriundi. ›des bomes as‹ in Haupts zeitschr. 5, 409 steht doch für ast, das aber mit âs balken verwandt sein mag, denn es bedeutet auch gibel, gipfel, firmamentum, érma, fulcrum. nach Varro steht das lat. ara für asa, ansa, geweihter göttersitz. s. Forcellini. Pott 1, 244. GDS. s. 114 ff. das griech. αι̃σα vgl. s. 343 scheint ganz abzuliegen. Bopp hält 43d zu îs’vara dominus ein irisches aesfhear aesar deus aus Pictet s. 20. worin aber fear vir liegt.. landâs (Egilss. s. 365. 366) ist patrium numen, und der höchste nord. gott, Thor, wird darunter gemeint, wiewol âs und allmâttki âs Landn. 4, 7 dem Odin zukommt. âsmegin, die göttliche macht: tha vex honum âsmegin halfu. Sn. 26. fœraz î âsmegin. Sn. 65. Dieser name muß auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen sein, und goth. ahd. ans, pl. anseis, ensî, ags. ôs, pl. ês gelautet haben (vgl. gans, hansa, altn. gâs, ags. gôs, pl. gês; hôse = hansa). in mehrern eigennamen dauert das wort noch fort. goth. Ansila, ahd. Anso. das ahd. Anshelm, Anspald, Anshilt, Ansnôt entsprechen dem sinn nach den namen Cotahelm, Cotahilt. ags. Osveald, Oslâf, Osdäg, Osrêd. altn. Asbiörnursus divinus, Asbirna (ursa divina), wofür im Waltharius die mischform Ospirn statt Anspirn, vgl. Reinh. fuchs p. ccxcv. von Asketill, Oscytel am schluß des dritten cap., 21 Asdîs, Asgautr, Aslaug, Asmundr u. s. w. ans m. bedeutet nun bei Ulfilas Luc. 6, 41. 42 einen balken, δοκός, der auch noch altn. ebenso âs heißt, sei es, daß man die mächtigen götter als wagebalken, tragebalken und decken des himmels ansah, oder die vorstellungen eines jochs und der berghöhen damit verknüpfte, das altn. âs gilt namentlich für jugum terrae, bergrücken, dän. biergaas (dettiâs Landn. 3, 17 ist fallbalken, fallbaum). hierbei sind aber noch andere merkwürdige stellen und zeugnisse zu erwägen. in einem ags. gedicht werden êsa gescot und ylfa gescot, geschoß der ansen und der elben (jaculum divorum et geniorum) nebeneinander gestellt, gerade wie in der edda (Sæm. 8b 71a 82a 83b) æsir und âlfar. Jornandes sagt cap. 13: tum Gothi, magna potiti per loca victoria, jam proceres suos quasi qui fortuna vincebant, non puros homines, sed semideos, id est anses (das wäre anzeis) vocavere. was kann deutlicher sein? auch die nord. æsir greifen ein in das heldengeschlecht, und fast in gleichem abstand von einer älteren, durch sie verdrängten göttermacht. hierbei darf nun allerdings an die bekannte aussage Suetons und HesychsSueton. Octavian. cap. 97. futurumque, ut inter deos referretur, quod aesar, id est reliqua pars e Caesaris nomine, etrusca lingua deus vocaretur. Hesychius s. v. αισοί. θεοὶ υπὸ τω̃ν Τυρρηνω̃ν. vgl. Lanzi 2, 483. 484. auch Dio Cass. 56, 29. erinnert werden, daß den Etruskern die götter aesares oder aesi hießen, ohne daß damit schon eine eigentliche verwandtschaft des etruscischen oder tyrrhenischen volksstamms mit dem altdeutschen behauptet würde, so auffallend übrigens τυρρηνός, τυρσηνός an das altn. þurs, ahd. durs gemahnt.

Die bedeutsamkeit dieser analogie steigt aber durch die wahrnehmung, daß der etruscische glaube, ja vielleicht der altrömische und griechische, eine reihe zwölf engverbundner höherer wesen ansetzte, die unter dem namen dii consentes und complices bekannt sindNachtrag: Hos consentes et complices Etrusci ajunt et nominant, quod una oriantur et occidant una: sagt Arnobius adv. gentes lib. 3. meint er gestirne? vgl. Gerhards etr. gottheiten s. 22. 23. bedeutet âttûnga brautir Sæm. 80b soviel als âsa, cognatorum?, gerade wie in der edda die ausdrücke höpt und bönd, die eigentlich vincula besagen, für diese hohen numina gelten (Sæm. 24a. 89b. Sn. 176. 204) und auch im sg. hapt und band auf einen einzelnen gott bezogen werden (Sæm. 93b). Läßt sich freilich haptbandun aus dem Merseburger gedicht nicht sicher dazu nehmen (die zusammensetzung scheint hier bloß leibliche fessel auszudrücken), so gehen vielleicht deus und δι̃ος zurück auf δέω, und zu dem band und haft aller dinge gehört selbst jenes ans und joch, wobei man die zwölfzahl der nord. æsir nicht außer acht lassen darf, vgl. Sæm. 3b æsir or þvi liđi (aus dem haufen, geschlecht).

Daran schließen sich bestätigend noch einige andere benennungen. in der frühsten zeit unsrer sprache bedeutete das neutrum ragin rath, consilium. den pl. davon gebraucht wiederum die edda eigenthümlich für den begrif der götter mehrheitNachtrag: Als rathende ragin erscheinen die götter im skr. ráganas und dem entsprechenden etrusk. rasena. auch der homerische Zeus wird rathgeber μήστωρ, μητίετα genannt. consilio deorum immortalium, consuesse deos immortales sagt Caes. b. gall. 1, 12. 14. den pl. regin hat die edda auch noch Sæm. 32b. 34a nyt regin, Sæm. 36a vîs regin, Hakonarmâl. 18 râđ öll ok regin. Sæm. 248b dôlgrögnir. neben regin kommt auch rögn vor: höpt, bönd, rögn Sn. 176. wer gesaz bî gote an dem râte dâ diu guote mir wart widerteilet? Ms. 2, 180a. ebenso abstract wie der gen. pl. regano im alts. reganogiscapu klingt ein anderer in Haupts zeitschr. 2, 208, wo Maria kuneginne aller magene, omnium virtutum heißt.. regin sind die rathschlagenden, weltordnenden gewalten, und die 22 benennungen blîđ regindie frohen, freudigen götter; wo menschen festlich, prächtig geschmückt einhergiengen, glaubte man götter erscheinen zu sehn: menn hugđu at æsir væri þar komnir. Landn. 3, 10. die Völs. saga c. 26 sagt von Sigurd: ›þat hygg ec at her fari einn af gođunum‹. Parz. 36, 18: ›aldâ wîp und man verjach, sine gesachen nie helt sô wünneclich, ir gote im solten sîn gelîch‹. um so begründeter ist die anmerkung über Siegfried (cap. XV.), von dem es noch Nib. 84, 4 heißt: ›der dort sô hêrlîchen gât‹.Nachtrag: Von den göttererscheinungen ist s. 280 die rede. Saxo ed. Müller spricht 118 von sacra deûm agmina. die götter leben froh: deorum vitam apti sumus. Terent. heautont. IV. 1, 15. deus sum, si hoc ita est. Hecyra V. 4, 3. frohe, schöne menschen werden ihnen darum verglichen. þyckir oss Ođinn vera. Hakonarm. 15. vgl. oben Asablôđ. gê her für als ein götinne. Renn. 12277. ên wîf ghelîc ere godinnen. Maerl. 2, 233. alse ochter god selve comen soude. Lanc. 31321. nhd. schön wie ein gott. vgl. die schönheit der elbe und engel s. 371. die insel Gos scheint götter hervorzubringen, so schön sind da die menschen. Athenaeus 1, 56. die götter sind den menschen gleich worden und zu uns herniedergekommen und nenneten Barnabam Jupiter und Paulum Mcrcurius, dieweil er das wort führete. apost. gesch. 14, 11. 12., holl regin (gute, gnädige götter), uppregin, ginregin (superae potestates) haben ganz diesen technischen sinn. ragnarökr (goth. raginê riqvis?) bezeichnet das weltende, den untergang der leitenden götter. Sæm. 89b wird rögnir ok regin verbunden, rögnir (vgl. 196a) ist der hervorgehobne einzelne ragineis (raguneis?). Diese altn. regin wären goth. ragina, wie die höpt und bönd goth. hafta und banda. Dieselbe heidnische vorstellung bricht durch in dem alts. regangiscapu, reganogiscapu, welches Hel. 79, 13. 103, 3 soviel als fatum, schicksal, den beschluß und rath der götter ausdrückt. es ist synonym mit wurdgiscapu. Hel. 103, 7 von wurd (fatum); metodogiscapu. Hel. 66, 19. 147, 11. wir sahen vorhin, daß metod ebenfalls eine benennung des höchsten wesens war, die der christliche dichter aus der heidnischen poesie beizubehalten sich getraute, die gen. pl. regano, metodo weisen wieder auf die mehrheit der haftenden götter.

Augustins briefsammlung enthält cap. 178 in der altercatio mit Pascentius eine gothische, vielleicht vandalische formel sihora armen, deren sinn kein anderer ist als κύριε ελέησονauch die Tscheremissen beten: juma sirlaga, die Tschuwaschen: tora sirlag, d. i. gott erbarme! G. J. Müllers saml. russ. gesch. 3, 359. die Morduinen, wenn es donnert: paschangui Porguini pas (erbarme dich gott Porguini.) Georgi description 1, 64.. wäre sie gleich untergeschoben und, statt am ende des vierten, erst im fünften oder sechsten jh. aufgezeichnet, immer bleibt merkwürdig, daß in ihr sihora für gott und herr verwendet ist. Ulfilas hätte gesagt: fráuja armái. der inf. armên, wenn es nicht für armê verschrieben, könnte die stelle des imp. vertreten; auch in der finn. und ehstn. sprache bezeichnet armo gratia, misericordia. sihora aber scheint sich bloß aus dem deutschen erklären zu lassen, und ein von seiner siegreichen gewalt hergenommner, schon heidnischer beiname gottesNachtrag: Ueber sihora armen vgl. Maßmann in Haupts zeitschr. 1, 386 und Holtzmann in Germania 2, 448, der varianten gibt. sihora könnte neben frauja gegolten haben. sigorafreá cod. exon. 166, 35. 264, 8 heißt wörtlich triumphorum dominus. ein kriegerischer gottesanruf ist auch klage 1672: himelischer degen!. Odinn heißt sigrgođ, sigtŷr, sigföđur, und noch Hel. 47, 13. 114, 19. 125, 6 wird sigidrohtîn, Cædm. 33, 21. 48, 20 sigidryhten auf gott übertragen, sigmetod Beov. 3544, vîgsigor Beov. 3108den sig hât got in siner hant. Ms. 2, 16a., anderwärts sigoradryhten, sigorafreá, sigoravealdend, sigoragod, sigoracyning. ja aus diesem alten namen sihora könnte sogar die in deutscher und romanischer zunge fortlebende benennung sira, sire, entsprungen seingött anz. 1833. s. 471, 472. doch hat Diez (roman. gramm. 1, 41) zweifel erhoben..

Wie die götter als superi und uppregin, als in der höhe, im himmel, uphimin, auf der berghöhe (âs, ans) oben wohnend 23 dargestellt werden, so pflegen den einzelnen gewisse besondere berge und wohnungen beigelegt zu werden.

Wir haben also schon aus einer betrachtung der allgemeinen namen für gott und götter ergebnisse gewonnen, die zwischen ausdrücken der sprache und begriffen unseres heidenthums zusammenhang anzunehmen nöthigen. das ›mir und gott‹, der holde und zornige gott, der frôho und vater, das sehen, schaffen, messen, gießen, die vorstellungen von ans, haft, band und ragin lenken einzeln und mit desto stärkerem gewicht zusammen in den zu betretenden weg. ich werde alle fäden wieder aufnehmen, will aber zuvor die verhältnisse des cultus erörternNachtrag: Zum schluß dieses capitels von gott müsste noch ausgeführt werden, wie götter oft nur für einzelne länder und örter gelten, andere aber z. b. der Ζεὺς πανελλήνιος allen stämmen gemein waren. andrerseits verdient die unbestimmtheit bemerkt zu werden, die sich in mehreren griechischen und römischen, nicht in germanischen formeln ausspricht: καὶ τις θεὸς ηγεμόνευεν. Od. 9, 142. 10, 141. τίς με θεω̃ν ολοφύρατο. Od. 10, 157. αθανάτων ος ις. Od. 15, 35. τις θεός εσσι. Od. 16, 183. ού τίς τοι θεός είμι. Od. 16, 187. τίς σφιν τόδ' έειπε θεω̃ν. Od. 16, 356. η μάλα τις θεὸς ένδον. Od. 19, 40. καὶ τις θεὸς αυτὸν ενείκον. Od. 21, 196. 24, 182. 373. solemnis formula, qua dii tutelares urbium evocabantur e civitatibus oppugnatione cinctis ambiguo nomine si deus, si dea, ne videlicet alium pro alio nominando aut sexum confundendo falsa religione populum alligarent cf. Macrobius sat. 3, 9. nam consuestis in precibus: sive tu deus es sive dea dicere. Arnob. 3, 8. hac formula utebantur Romani in precibus quando sive terra movisset sive aliud quid accedisset de quo ambigebatur, qua causa cujusque dei vi ac numine effectum sit. cf. Gellius 2, 20. ibique Gronov.. 24

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