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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 19
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. XIX. Schöpfung.

Jetzt erst nach abhandlung der götter, helden, elbe und riesen wird es auf die cosmogonische ansicht des alterthums einzugehn gestattet sein. ich darf aber die nordischen vorstellungen zum grunde legen, da uns mehr als eine spur verräth, daß sie auch unter den übrigen stämmen galten.

Vor erschaffung des himmels und der erde war eine ungeheure kluft, gap (hiatus, gaffen), mit verstärktem ausdruck gap ginnûnga (kluft der klüfte) genannt zum begrif des griech. χάος stimmendχάος von χαίνω = ahd. gînan, altn. gina = lat. hiare, vgl. ahd. ginunga hiatus. man braucht aber nicht gap ginûnga zu lesen, da auch altn. ginna, dem jetzt nur der sinn von allicere zusteht, früher den von findere, secare gehabt haben wird, wie er noch im ahd. inginnan, mhd. enginnen vorliegt (vgl. oben s. 334): Otfried III. 7, 27 sagt vom gerstenkorn: thoh findu ih melo thâr inne, inthiu ih es biginne (es spalte, öfne). inkinnan aperire (Graff 4, 209) ingunnen sectus N. Ar. 95; mhd. sîn herze wart ime engunnen (fissum) fundgr. 2, 268; enginnen (secare) En. 2792. 5722; engunnen (secuerunt) En. 1178. nahverwandt ist ingeinan (fissiculare) N. Cap. 136. aus dem sinnlichen spalten muß das abgezogne anheben, anfangen im goth. duginnan, ahd. inkinnan und pikinnan folgen. übrigens gemahnt gîna hiare, gin hiatus an gin (amplus) und ginregin (s. 266). seltsam, daß Festus bei inchoare auf chaos geräth, wie beginnen zu gînan führt. cohus, wovon andere incohare = inchoare leiten, ist nichts anders als chaos. Festus s. v. cohumNachtrag: Neben dem ahd. gînan kommt auch ahd. chînan hiscere Graff 4, 450, goth. keinan vor. ags. cîne rima. kînent werden. (s. 623), zekein sagt Wernher v. Niederrh. 11, 18. Schelling nimmt chaos für den römischen Janus = hianus, nach Festus s. v. chaos. die sinnliche bedeutung der wurzel steckt auch noch im ausdruck: ingunnen werden, secari. N. Arist. 95. sîti ingunnen, gespalten. Diemer 97, 26. mnl. ontginnen, secare. Fergût 3461. 3565. vgl. Haupts zeitschr. 8, 18–20. das ags. hat noch ein besonderes wort, dvolma, für hiatus, chaos... denn wie χάος zugleich abgrund und finsternis scheint auch ginnûngagap die nebelwelt zu bezeichnen, aus deren schoß alle dinge sich erhoben. daß man die bergende, deckende hel gerade als niflhel mit gaffendem, gähnendem rachen dachte ist s. 259. 261 gewiesen.

Doch in der öde dieses raums stehn die beiden ende sich entgegen, muspell (feuer) das südliche, nifl (nebel) das nördliche: von Muspellsheim geht licht und wärme, von Niflheim dunkel und grimme kälte aus. in der mitte lag ein brunnen Hvergelmir, welchem zwölf ströme, elivâgar genannt, entflossen. als sie so weit ab von ihrer quelle kamen, daß der in ihnen enthaltne feuertropfe härtete, gleich dem aus der flamme sprühenden sinter, wurden sie zu starrendem eis. angerührt von der milden luft (des südens) begann es zu schmelzen und zu triefen: durch die kraft dessen, der die hitze sandte, belebten sich die tropfen und ein mann wuchs daraus, Ymir, bei den Hrimpursen Örgelmir genannt, ein riese und bösartig.

Ymir entschlief und fiel in schweiß, da wuchs unter seiner linken hand mann und frau, und sein fuß zeugte mit dem andern 464 einen sechshäuptigen sohn; daher sind die geschlechter der riesen entsprungen.

Das eis trof aber fort, und eine kuh entstand Auđumbla, aus deren euter vier dem Ymir nahrung gewährende milchströme flossen. diese kuh nun leckte die salzigen eissteine, und am abend des ersten tags kam eines mannes hervor, am zweiten tage des mannes haupt, am dritten der ganze mann; er war schön, groß, stark und hieß Buri, sein sohn Börr (s. 289).nach der zendischen lehre gieng aus des urstiers Kajomer hüfte der erste mensch hervor. Börr nahm Bestla, des riesen Bölþorn tochter, und zeugte mit ihr drei söhne, Ođinn, Vili, Ve (s. 135), von denen der riese Ymir erschlagen wurde. Als er zu boden sank, lief eine solche menge blut aus seinen wunden, daß alle riesen darin ertranken, nur ein einziger, BergelmirYmir = Orgelmir zeugte Thrûđgelmir, dieser Bergelmir. mit seiner frau entkam in einem lûdr (Sæm. 35b Sn. 8), und von ihnen stammt das (jüngere) riesengeschlechtwas lûdr bedeute ist nicht ausgemacht, es steht sonst für culeus, tuba, hier soll es ein mühlkasten sein. ahd. bezeichnet lûdara (fem.) eine wiege (Graff 2, 201) neben pannus, involucrum (windel) und das würde treflich passen, weil auch in andern sinflutsagen das gerettete kind in der wiege liegt. freilich Snorri redet nicht von einem riesenkind, sondern von einem erwachsnen riesen, der mit seiner frau im lûdr sitzt; das kann spätere abänderung sein.Nachtrag: Für den begrif schöpfung, prima creatio, hat die ags. sprache das wort frumsceaft. gott heißt frumsceafta freá. Cädm. 195, 9. κτίσις wird durch goth. gaskafts wiedergegeben. über schöpfen, bilden, bilde giezen vgl. s. 19. wære ich nie gebildet (erschaffen). Tit. 3283. das geschöpf heißt biblisch ahd. hanttåt. N. ps. 18, 2. mhd. hantgetât. Nach Haug ist Ymir pers. Gajômars. gött. anz. 1853 s. 1960. an die fußgeburt erinnert ein altfranz. gedicht. Fanuel, den seine mutter aus blumenduft erzeugt hatte, berührt mit dem messer, das eben einen apfel geschnitten hatte, seine hüfte, die nun schwanger wird und die heil. Anne gebiert. vgl. Brahmas schöpfung s. 473. Ukko jumala reibt die hände, drückt sie ans linke knie und schaft drei mädchen. Kalevala 9, 39–44. Die riesen gehn den asen voraus (s. 439. 440). die vala singt: ek man iötna âr of borna. Sæm. 1a. Saxo s. 35 unterscheidet dreierlei mathematici 1. gigantes 2. magi = asen und 3. homines (vgl. 860). Auch im ind. ist die kuh die mutter der welt, und man darf sie nicht erschlagen, Holtzmann ind. sagen 1, 65. von den schaffenden söhnen Börs heißt es Sæm. 1b: biođum ypto orbes extulerunt, sie erhoben die himmelskugeln (unten s. 584)..

Börs söhne schleiften Ymirs leichnam mitten in ginnûngagap und schufen aus seinem blute die see und das wasser, aus dem fleisch die erde, aus den knochen die berge, aus den zähnen und zerbrochnen knochen die felsen und klippen. dann nahmen sie seinen schädel und machten daraus den himmel, und die aus Muspellheim los umher fahrenden funken festigten sie an den himmel, daß davon alles erleuchtet würde. die erde war rund und von tiefem meer umgebendie erde dachte sich wenigstens Snorri rund, er sagt s. 9: ›hon er krînglôtt utan, ok þar utan um liggr hinn diupi siâr‹; so auch im Lucidarius: ›dise welt ist sinwel und umbeflozzen mit dem wendelmer, darin swebt die erde als daz tutter in dem wizen des eiies ist‹, vgl. Berthold s. 287 und Wackern. Basler hss. s. 20. Diese schöpfung des himmels und der erde aus den theilen des eies wird Kalewala rune 1 dichterisch geschildertNachtrag: Auch die indische sage nimmt eine schöpfung aus dem ei an, himmel und erde sind eischalen. Somadeva 1, 10. man vergl. die geburt der Dioscuren und Helenas aus dem ei.., dessen strand die riesen bewohnen sollten; um aber die inwendige erde gegen sie zu schützen, wurde Miđgarđ eine burg aus Ymirs brauen gebaut. des riesen hirn in die luft geworfen bildete die wolken. Sn. 8. 9.

Etwas abweichend heißt es Sæm. 45b (vgl. 33b);

or Ymis holdi var iörđ um scöput,
enn or sveita sær,
biörg or beinom, bađmr or hâri,
enn or hausi himinn,
enn or hans brâm gerđo blîđ regin
miđgarđ manna sonom,
enn or hans heila voro þau in harđmôđgo
skŷ öll um scöput. 465

hier werden die zähne nicht verwendet, dafür aber ist die erschaffung des baumwuchses aus des riesen haar angegeben.

Nachdem dies vollbracht war, giengen Börs söhne zum meerstrand, und fanden zwei bäume, aus welchen sie zwei menschen erschufen, Askr und Embla. Ođinn gab ihnen seele und leben, Vili witz und gefühl, Ve antlitz, sprache, gehör und gesicht. Sn. 10. genauer lautet es Sæm. 3b:

unz þrîr komo or þvî liđi
öflgir ok âstgir æsir at sûsi.
fundo â landi litt megandi
Ask ok Emblo örlöglausa:
önd þau ne âtto, öd þau ne höfđo,
lâ ne læti, ne lito gôđa.
önd gaf Ođinn, ôđ gaf Hœnir,
lâ gaf Lođr ok litu gôđa.

in dieser darstellung heißen die drei asen Ođinn, Hœnir, Lodr (s. 200) statt Ođinn, Vili, Ve (s. 135); sie kommen zum sause (ad aestum, παρὰ θι̃να πολυφλοίσβοιο θαλάσσης) und finden Askr und Embla unmächtig und thatenlos. da verlieh ihnen Ođinn den geist, Hœnir vernunft, Lođr blut und farbeNachtrag: Askr und Embla sind unter den namen Es und Imlja bei den jeniseischen Ostjaken bekannt. Castrén reise in Sibirien. die unterscheidung von önd, ôđr und lâ ok litr findet sich ähnlich bei Plutarch 4, 1154: geist, seele, leib..

Von erschaffung der zwerge reden zwei nicht völlig übereinstimmende stellen. Sn. 15 erzählt, als die götter auf ihren stülen saßen und richteten, gedachten sie daran, daß zwerge im staub und in der erde lebendig geworden seien gleich maden im fleischNachtrag: In den augen der riesen erscheinen die menschen wie zwerge. daher schelten sie die menschen erdwurm und die riesentochter hält den bauer für einen wurm oder käfer (s. 447). wie in der Edda die zwerge aus maden, so werden in Ovid. metam. 7, 642 menschen aus ameisen erschaffen. vgl. die belebung der bienen (s. 579). wie feuer durch reiben des holzes, werden thiere durch reiben der stoffe hervorgebracht (anm. 2744). Hiisi schaft ein elg aus verschiedenen stoffen. Kalev. 7, 32 ff.. die zwerge wurden erschaffen und empfiengen leben zuerst in Ymirs fleische. nach dem beschluß der götter erhielten diese maden jetzt verstand und gestalt der menschen, blieben aber in der erde und in den steinen wohnen. Sæm. 2 hingegen heißt es, die heiligen götter rathschlagten auf ihren stülen, wer das volk der zwerge aus Brîmirs fleisch und den schwarzen beinen schaffen sollte. da entsprang Môtsognir, der vornehmste aller zwerge, und nach ihm Durinn, diese beiden bildeten eine menge menschähnlicher zwerge aus der erde.

Fassen wir alle diese nachrichten zusammen, so fällt vorerst in die augen, daß eigentlich nur menschen und zwerge als erschaffen, riesen und götter hingegen gleichsam als von selbst aus dem chaos gegangen dargestellt werden. zu zeugung der menschen und zwerge wirkte schon die bildende thätigkeit der götter; riesen und götter traten aber ohne das mittel einer solchen bildung unter bloßem einfluß der natürlichen wärme und des leckens einer kuh hervor. riesen und götter entspringen aus einigung des feuers mit dem wasser, so jedoch, daß erst das in eis verwandelte element durch wiederbelebung seiner flüssigkeit zu zeugen taugend wird. der riese und die kuh triefen aus dem frost, Buri enthebt sich langsam in drei tagen aus der thauenden eismasse. Diese tropfende entstehung erinnert an andere züge des alterthums, Ođinn hatte einen goldring Draupnir (der triefende) genannt, aus dem alle neun nächte acht gleichschwere ringe troffen (Sæm. 84a 466 Sn. 66). Sæm. 195b wird von einem hausi Heiđdraupnis (cranio stillantis) undeutlich gesprochen; die steirische volkssage gedenkt einer riesenrippe, von der alljährlich ein tropfen abfällt (D. S. no. 140)ohne zweifel gründet sich der bekannte eigenname Ribbentrop auf eine ähnliche überlieferung.. auch Eva trieft gleichsam aus Adams rippe. mit dem ursprung der riesen aus eis und reif darf auch die sage vom schneekind (im modus Liebinc) und der in unsern märchen verbreitete bezug des schnees und bluts auf die geburt eines ersehnten kindes zusammengehalten werden. alles scheint mit heidnischen vorstellungen von der schöpfung verwandt. vgl. cap. XXX. Auch den ausdruck eitrdropi Sæm. 35a, eitrqvikja Sn. 5, qvikudropi Sn. 6 muß ich auszeichnen; es ist der belebende, befeuerte tropfen, wie das feuer den beinamen des lebendigen hat, eitr, ahd. eitar, ags. âtor gehört zum ahd. eit, ags. âd ignis, und die abgeleitete bedeutung venenum (gift, φάρμακον) scheint für jene composita unangemessen.

Es entspricht der s. 263 vorgetragnen ansicht von einem anfang und ende der götter, daß ihnen in diesem system der schöpfung kein urbeginn beigemessen wird; der gott erscheint in ginnûngagap nachdem ihm bereits ein riese vorausgegangen ist. Zwar bedient sich Snorri 6 eines bemerkenswerthen ausdruckes: ›svâ at qviknađi međ krapti þess er til sendi hitann‹, die belebung wird zurück geführt auf die kraft dessen, der die hitze zusandte, gleichsam auf einen älteren, ewigen gott, der schon in dem chaos waltete. dieser ausspruch wäre bedeutsamer, wenn er sich in Völuspâ oder einem der eddalieder selbst darböte, so scheint er mir nichts als ein behelf des Snorri, mit dem von der ursache jener einwirkenden wärme rechenschaft gegeben werden sollte, und den oben s. 19. 20 angeführten formeln vergleichbarman könnte annehmen, daß bevor die asen erschienen regin und ginregin walteten und von ihnen diese kraft der wärme ausgegangen sei. das müste aber die edda entschieden aussprechen.. Buri, der aus dem eis aufgethaut hervorgeht, um die unbeholfne, böse natur des schon früher da gewesenen riesen wieder einzuschränken, zeigt sich ganz als ahn und vorbild der helden, die bestimmt sind das geschlecht der riesen zu vernichten. von ihm stammen alle asen und Ođinn erst als enkel ab.

Nicht zu verkennen ist auch die verschiedne art und weise, in welcher riesen, götter und menschen ihr geschlecht fortpflanzen. nur ein einziger riese war aus dem eis entsprungen, er muß aus sich selbst kinder zeugen, so daß seine hände und füße untereinander dies geschäft vollbringen, wie auch sonst hände und füße als sich verwandt und verbunden angesehn werdenvgl. Haupts zeitschr. 3, 156. 157. auch Brahma schaft aus seinem arm einen menschen (Polier 1, 168).. daß Ymir dabei in schlaf fällt gleicht dem schlafe Adams während Eva aus seiner rippe geschaffen wurde; Eva ist also in Adam selbst entsprossen, und nun setzen beide ihr geschlecht zusammen fort. Wie 467 Buri den Börr zeugte wird uns nicht berichtet, Börr aber verband sich einer riesentochter, die ihm drei söhne gebar, aus denen nun alle übrigen asen erwuchsen. Anders verhielt es sich mit den menschen, die nicht einzeln wie riese und gott, sondern gleich zu zweien, mann und frau erschaffen wurden und sich dann unter einander fortpflanzten.

Während die ungeheure masse des riesenleibs den göttern stof darbot, um aus seinen verschiednen theilen die gesamte welt zu schaffen, und die zwerge im fleisch des riesen als würmer wimmelten, stammen die menschen aus zwei bäumen am meeresufer, welchen die götter hauch und völliges leben verliehen. sie haben also keinen unmittelbaren zusammenhang mit den riesen.

In den asen erscheint eine edle, gelungne zweite hervorbringung gegenüber der ersten halbmisrathnen riesischen. an den riesen war ein übermaß des plumpen leibes aufgewandt; bei den asen gelangten leib und seele zu vollem gleichgewicht, und neben unendlicher stärke und schönheit entfaltete sich durchdringender, schöpferischer geist. den menschen steht ein schwächeres, doch gefüges maß beider eigenschaften zu, die zwerge als beschluß der schöpfung machen den gegensatz zu den riesen, bei ihnen überwiegt der geist den schmächtigen leib. im gegensatz dazu läßt das heldenbuch zuerst die zwerge, dann die riesen, zuletzt die menschen werden.

Da die riesen im eis der ströme entsprungen sind, die sich aus dem brunnen Hvergelmir ergossen; so darf für die namen Örgelmir, Thruđgelmir, Bergelmir eine berührung mit jenem angenommen werden. gelmir leite ich von gialla (stridere) ab und vergleiche das ahd. galm (stridor, sonitus). Hvergelmir bedeutet also einen rauschenden kessel; dieser begrif des tosens, tobens scheint auch in den riesennamen enthalten und die erklärung von Ymir aus ymja (s. 440) dadurch bestätigt zu werden. die lesart Örgemlir würde zwar zu dem für die riesennatur entwickelten begrif des hohen alters (s. 434) stimmen, aber jenen bezug zwischen den riesen und dem kessel des chaos verwischen.

So weit die nordische vorstellung; wir wollen nun ihren allgemeineren bestand rechtfertigen.

Obschon dem namen ginnûngagap kein ahd. oder ags. ausdruck zur seite steht, so könnte es nichts destoweniger in folgenden versen des Wessobrunner gebets beschrieben sein:

dat gafregin ih mit firahim firiwizzo meista,
dat ero ni was noh ûfhimil,
noh paum nohheinig noh pereg ni was,
noh sunnâ ni scein [noh sterno ni cleiz],
noh mâno ni liuhta noh der mareosêo.
dô dâr niwiht ni was enteo ni wenteo,
enti dô was der eino almahtîco cot.

zwar die letzte zeile klingt vollkommen christlich, und auch in den vorausgehenden ist nichts dem christlichen glauben unmittelbar 468 widerstrebendes; doch die nebeneinanderstellung von erde und himmel, baum und berg, sonne (und stern), mond und meer, wobei auch die alterthümlichen formen ero (terra), ûfhimil (coelum), mareosêo (mare, goth. marisáivs) anzuschlagen sind, klingen eddisch:

vara sandr ne sær, ne svalar unnir,
iörđ fanz æva ne upphiminn,
gap var ginnûnga, enn gras hvergi.
sôl þat ne vissi hvar hon sali âtti,
stiörnor þat ne visso hvar þær stađi âtto,
mâni þat ne vissi hvat hann megins âtti.

die worte niwiht ni was enteo ni wenteo umschreiben ganz den begrif von ginnûngagapzu vergleichen ist auch Otfr. II 1, 3: ›êr ioh himil wurti, ioh erda ouh sô herti‹ und die schilderung des chaos bei Cædmon 7. 8 und besonders der ausdruck heolstersceado 7, 11; doch widerstrebt wenig oder nichts der biblischen lehre. vgl. Aristoph. aves 693. 694..

Diese heidnischen bezüge verstärken sich, seitdem aus ahd. und alts. liedern der technische ausdruck muspilli = altn. muspell nachgewiesen worden ist; an genauem zusammenhang zwischen nifl, Niflheim und den in unser epos verwachsnen Nibelungen (s. 308) läßt sich ohnehin nicht zweifeln. waren aber diese beiden pole des alten chaos in der vorstellung aller deutschen stämme begründet, so wird auch die von der schöpfung überhaupt weit verbreitet gewesen sein. Es ist dargethan worden, daß die altdeutsche ansicht von riesen, göttern, menschen und zwergen genau zu der nordischen stimmt; ich kann jetzt auch jene seltsame eddische beziehung des riesenleibs auf die weltschöpfung, wiewol in umgedrehtem verhältnis, weiter nachweisen.

Vier der zeit und dem ort nach einander fern liegende denkmale (denen sich künftig vielleicht noch andere zugesellen werden) überliefern uns merkwürdige kunde von erschaffung des ersten menschen. wie nun die edda den zerstückten ausgeweideten leib des riesen auf erde und himmel anwendet, wird hier umgekehrt die ganze welt gebraucht, um den leib des menschen zu schaffen.

Die älteste fassung findet sich in dem rituale ecclesiae dunelmensis (London 1839), dem ein schreiber des 10 jh. folgende stelle p. 192 eingeschaltet hat: octo pondera de quibus factus est Adam. pondus limi, inde factus (sic) est caro; pondus ignis, inde rubens est sanguis et calidus; pondus salis, inde sunt salsae lacrimae; pondus roris, unde factus est sudor; pondus floris, inde est varietas oculorum; pondus nubis, inde est instabilitas mentium; pondus venti, inde est anhela frigida; pondus gratiae, inde est sensus hominis. auch die ags. interlinearversion ist der mittheilung werth: ähte pundo, of þæm âvorden is Adam. pund lâmes, of þon âvorden is flaesc; pund fîres, of þon reád is blôd and hât; pund saltes, of þon sindon salto tehero; pund þeáves, of þon âvorden is svât; pund blôstmes, of þon is fâgung êgena; pund volcnes, of 469 þon is onstydfullnisse þohta; pund vindes, of þon is orođ cald; pund gefe, of þon is þoht monnes.

Gleichfalls ist einer hs. des Emsigerrechts (Richthofen s. 211) hinzugefügt: god scôp thene êresta meneska, thet was Adam, fon achta wendem: thet bênete fon tha stêne, thet flâsk fon there erthe, thet blôd fon tha wetere, tha herta fon tha winde, thene thochta fon tha wolken, thene suêt fon tha dawe, tha lokkar fon tha gerse, tha âgene fon there sunna, and tha blêrem on thene helga ôm, and tha scôp he Eva fon sîne ribbe, Adames liana. der schrift nach fällt diese aufzeichnung erst in das 15 jh., angenommen aber, daß sie schon aus einer älteren hs. des Emsigerrechts übertragen wurde, so gehört dieses selbst dem 14 jh.

Die dritte stelle ist in einem gedicht des 12 jh. über die vier evangelien (Diemer 320, 6–20. vgl. anm. zu 95, 18. 27 und 320. 6) enthalten:

got mit sîner gewalt
der wrchet zeichen vil manecvalt,
der worhte den mennischen einen
ûzzen von aht teilen,
von dem leime gab er ime daz fleisch,
der tow becêchenit den sweihc,
von dem steine gab er im daz pein,
des nist zwîvil nehein
von den wrcen gab er ime di âdren
von dem grase gab er ime daz hâr,
von dem mere gab er ime daz plůt,
von den wolchen daz můt,
dů habet er ime begunnen
der ougen von der sunnen.
er verlêh ime sînen âtem,
daz wir ime den behilten
unte sînen gesîn,
daz wir ime imer wuocherente sîn.

Zuletzt führe ich eine stelle aus des Gotfried von Viterbo pantheon an, das 1187 vollendet wurde (Pistorii scriptor. 2, 53): cum legimus Adam de limo terrae formatum, intelligendum est ex quatuor elementis. mundus enim iste major ex quatuor elementis constat, igne, aere, aqua et terra. humanum quoque corpus dicitur microcosmos, id est minor mundus. habet namque ex terra carnem, ex aqua humores, ex aere flatum, ex igne calorem. caput autem ejus est rotundum sicut coelum, in quo duo sunt oculi, tanquam duo luminaria in coelo micant. venter ejus tanquam mare continent omnes liquores. pectus et pulmo emittit voces et quasi coelestes resonat harmonias. pedes tanquam terra sustinent corpus universum. ex igni coelesti habet visum, e superiore aere habet auditum, ex inferiori habet olfactum, ex aqua gustum, ex terra habet lactum. in duritie participat cum lapidibus, in ossibus vigorem habet cum arboribus, in capillis et unguibus decorem 470 habet cum graminibus et floribus. sensus habet cum brutis animalibus. ecce talis est hominis substantia corporea. Gotfried, zu Bamberg erzogen und deutscher könige capellan, mochte die lehre von den acht theilen in Deutschland vernommen haben; er trägt nur einiges daraus vor, was er mit seinem übrigen system von den vier elementen vereinbaren konnte; er vergleicht mehr einzelne leibestheile mit natürlichen gegenständen, als daß er jene aus diesen erschaffen behauptete.

Keine der vier aufzeichnungen hängt unmittelbar mit der andern zusammen, wie die besonderheiten jeder darthun; alle aber beruhen auf gemeinschaftlichem grund, was schon aus den octo ponderibus, achta wendem und aht teilen hervorgeht, nach welchen diese verhältnisse angegeben sind. Im einzelnen zeigen sich bedeutende abweichungen, und überall wird anders geordnet. Nur drei stücke gehn durch die drei ersten berichte, daß zum fleisch leim (oder erde), zum schweiß thau, zum mut wolken genommen wurden. dann aber stimmen der mhd. und fries. text mehr zusammen, beide lassen bein aus stein, haar (locken) aus gras, auge aus sonne, meer (wasser) aus blut entspringen, wovon im ags. nichts vorkommt. eigenthümlich dem mhd. gedicht ist die ableitung der adern aus kräutern (würzen), dem ags. aufzeichner die des bluts aus feuer, der thränen aus salz, der buntheit des auges aus blumenbunte augen sind oculi varii, prov. vairs huelhs (Rayn. s. v. var), altfranz. vairs iex (Roquef. s. v.). man sagt ahd. bluomfêh (blumenbunt), Graff 3, 426: gevêhet nâh tien bluomon., des kalten athems aus wind, des sinnes aus gnade, was nach der beigefügten übersetzung zwar unzweifelhaft, aber doch ein fehler scheint, weil aus lauter sinnlichen gegenständen erschaffen wurde; oder soll die meinung sein, daß der menschliche sinn erst durch gottes gnade seine bestimmung empfange? passend sind die thränen dem salz (salsae lacrimae), sonderbar die bunten augen den blumen gleichgestellt, obschon es auch sonst gewöhnlich ist bei der geöfneten blume an das auge zu denken. die schöpfung der herzen aus dem wind findet sich bloß in der fries. angabe, welche auch allein hinzufügt, daß gott dieser mischung der acht stoffe zuletzt den heiligen athem eingeblasen und aus Adams rippe seine genossin Eva erschaffen habehier ist nun auch die fünfte aufzeichnung aus einer Pariser hs. des 15 jh. wie sie Paulin Paris mss. français de la bibl. du roi 4, 207 zieht: Adam fu formé ou champ damacien, et fu fait si comme nous trouvons de huit parties de choses, du limon de la terre, de la mer, du soleil, des nues, du vent, des pierres, du saint esprit et de la clarté du monde. de la terre fu la char, de la mer fu le sang, du soleil furent les yeulx, des nues furent les pensées, du vent furent les allaines, des pierres furent les oz, du saint esprit fu la vie, la clarté du monde signifie Crist et sa créance. saichez que se il y a en l'omme plus de limon de la terre, il sera paresceux en toutes manières, et se il y a plus de la mer, il sera sage, et se il y a plus de soleil, il sera beau, et se il y a plus de nues, il sera pensis, et se il y a plus du vent, il sera ireux, et se il y a plus de pierre, il sera dur, avar et larron, et se il y a plus de saint esprit, il sera gracieux, et se il y a plus de la clarté du monde, il sera beaux et amez. Diese acht stücke weichen wieder von den übrigen angaben ab. doch stimmen erde, meer, wolke, wind, stein, sonne; der heil. geist und die weltklarheit treten eigenthümlich zu. adern, haar, thränen, augenbuntheit mangeln. das champ damacien ist der ager plasmationis Adae, qui dicitur ager damascenus, vgl. Fel. Fabri evagator. 2, 341.Nachtrag: Die erschaffung des ersten menschen wird auch im Saturn und Salomon (Thorpes anal. s. 95. ed. Kemble s. 180) im ausdruck verschieden, in der sache einstimmend geschildert, wo es heißt: ›foldan pund‹ wird ›fläsc, fyres pund: blôd, vindes pund: aeđung, volcnes pund: môdes unstađelfästnes, gyfe pund: fat and geþang, blôstnena pund: eágena missenlîcnist, deaves pund: svât, sealtes pund: tearas‹. hier wird das blut aus dem feuer, dagegen im Emsigerrecht vom wasser gemacht, wie umgekehrt in der Edda wasser aus dem blut. die acht theile waren auch den Indern bekannt (anm. 1445). das fries. hêli, altn. heili cerebrum gleicht dem lat. coelum, gr. κοίλη κοιλία. GDS. 681. Gotfrieds von Viterbo vergleich des hauptes mit dem himmel und der augen mit den himmelslichtern kehrt bei Walther 54, 27 wieder:

ir houbet ist sô wünnenrîch
als ez mîn himel welle sîn,
dâ liuhtent zwêne sternen abe.

auch MS. 2, 189b werden die augen sterne genannt. vgl. himmel und gaume. Haupts zeitschr. 5, 541. die thräne heißt mhd. mers trân, wâges trân. gramm. 1, 170. die edda deutet im Grôttasaungr den geschmack des meers aus dem salzmalen. die thräne beißt wie das salz; δάκρυ lacrima stammt von dak beißen. etym. magn. 564, 45 heißt es: Ευφορίων δὲ βύνην τὴν θάλασσαν λέγει. οι̃ον, – πολύτροφα δάκρυα βύνης – τοὺς άλας βουλόμενος ειπει̃ν. Βύνη = ’Ινώ. GDS. 300.

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471 Hält man alle ansätze zu den vorhin aus der edda gezognen, so ist ihre ähnlichkeit oder gleichheit gar nicht zu verkennen; blut, meer oder wasser, fleisch und erde, bein und stein, haar und baum oder gras verhalten sich hier ebenso. zumal wichtig scheint mir das zusammentreffen des gehirns und der wolken mit den gedanken und wolken. denn das hirn bildet den sitz des denkens und wie wolken über den himmel, lassen wir sie noch heute durch die gedanken ziehen, umwölkte stirn heißt uns eine nachdenkliche, schwermütige, tiefsinnende, Grimnismâl 45b wird den wolken das epithet der hartmütigen ertheilt. echt eddisch bleibt die beziehung des schädels auf den himmel, der augbrauen auf eine burg, wie aber hätten burg und himmel stof zu erschaffung des leibs hergegeben? Desto mehr fällt auf, daß die edda des treffenden verhältnisses der sonne zum auge entbehrt, da sonne, mond und sterne (abergl. 614) ganz gewöhnlich für augen gelten, das alterthum scheint in ihnen auch zungen gesehn zu haben, wie beides im XXII cap. zu erörtern ist; sind also die einzelnen aufzählungen unvollständig, so mag es überhaupt solcher bezüge noch manche andre gegeben haben. warf Thôrr eine zehe als gestirn an den himmel, so können auch zungen sterne dargestellt haben.

Hauptunterschied zwischen der nordischen vorstellung und allen übrigen liegt, wie schon erwähnt, darin, daß jene den microcosmus auf den macrocosmus anwendet, diese aber umgekehrt das weltgebäude einfluß auf die bildung des menschen äußern lassen. dort ist die ganze natur der auseinandergefallne urmensch, hier wird der mensch aus natürlichen elementen zusammengesetzt. Jene betrachtungsweise scheint für das kindliche alterthum natürlicher, es ist angemessen die sonne aus dem auge eines riesen, die berge aus seinem gebein, das gesträuch aus seinem haar zu erklären; eine menge fortlebender volkssagen erläutern uns die entstehung örtlicher seen und sümpfe aus dem strömenden blut, seltsamer felsen aus den knochen und beinen eines riesen, und in ähnlichem sinn wurde das wallende getraide dem haar der Sif oder Ceres verglichen. Gezwungner ist es schon, daß sonne, gebirge, bäume beitragen sollen das menschliche auge, gebein und haar hervorzubringen. Gleichwol heißt auch unser auge sonnenhaft und unser leib dem staub verwandt, schon die Heiden konnten sich zu einer umdrehung jener cosmogonischen ansicht bewogen finden, um so mehr aber sagte sie den Christen zu, da die bibel den ersterschafnen menschen geradezu aus leim›die leimînen‹ sind Geo. 3409 die menschen, wie man sagt e luto, ex meliori luto ficti. oder erde entstehen läßt, ohne weiteres über die bildung der einzelnen 472 bestandtheile des leibs zu sagen. Kein kirchenvater scheint die annahme von den acht theilen des ersten menschen zu kennen, ich wage nicht zu entscheiden, ob sie schon im heidenthum geläufig war und neben der eddischen vorstellung haftete, oder erst aus dem zusammenstoß dieser mit der christlichen lehre entsprang und als weitere ausbildung des dogma von Adam zu betrachten ist. wurde Adam aus dem leim gedeutet, so lag es nah, bestimmter hinzuzufügen, daß bloß das fleisch der erde, die knochen den steinen, das haar dem gras entnommen worden sei. Fast unbiblisch, lenkt auch der dichter der mhd. genesis (fundgr. 2, 15) ein in ähnliche ausführungen: ›duo got zeinitzen stucchen den man ze samene wolte rucchen, duo nam er, sôsich wâne, einen leim zâhe, dâ er wolte, daz daz lit zesamene solte, streich des unterzuisken, daz si zesamene mohten haften. denselben letten tet er ze âdaren, uber ieglich lit er zôch den selben leim zâch, daz si vasto chlebeten, zesamene sich habeten. ûz hertem leime tet er daz gebeine, ûz prôder erde hiez er das fleisk werden, ûz letten deme zâhen machet er die âdare. duo er in allen zesamene gevuocte, duo bestreich er in mit einer slôte, diu selbe slôte wart ze dere hûte. duo er daz pilede êrlich gelegete fure sich, duo stuont er ime werde obe derselben erde. sînen geist er in in blies, michelen sin er ime firliez, die âdere alle wurden pluotes folle, ze fleiske wart diu erde, ze peine der leim herte, die âdere pugen sich swâ zesamene gie daz lit‹. Dieser unterschied zwischen leim, lette, erde und slôte (schlamm) hat heidnischen beischmack; der dichter wagte nicht sich ganz von der schöpfung, wie sie die kirche darstellte, zu entfernen, aber jene zusammensetzung des menschen aus verschiednen stoffen scheint ihm noch bekannt. spuren davon sind auch sonst in der volkspoesiedie riesen bilden einen menschen aus leim (leir) Sn. 109. Ilmarinen der finnische gott schmiedet sich eine gattin aus gold. rune 20. Pintosmauto wird aus zucker, gewürz und wolriechendem wasser gebacken, gesponnen gold bildet sein haar, perlen seine zähne, saphire seine augen, rubin seine lippen (pentam 5, 3). ein serbisches lied (Vuk no. 110) läßt zwei schwestern sich einen bruder aus weißer und rother seide drehen, ihm den leib aus buchsbaum, augen aus edelsteinen, brauen aus meeregeln, zähne aus perlen fertigen; zuletzt stecken sie ihm honig und zucker in den mund: ›iß das und sprich nun!‹ (to nam jedi, pa nam probesjedi!) Auch der mythus von Pygmalion gründet sich auf belebung eines bildwerksNachtrag: Ein estn. lied bei Herder p. m. 112 singt von dem, der sich ein weib aus holz bildete, ihr das gesicht vergoldete, die schultern versilberte. Die ägyptische vorstellung von der entstehung des urmenschen nähert sich sehr der biblischen: Ptah oder Neph werden bildlich dargestellt ›turning the clay for the human creation‹. Wilkinson the Egyptians. s. 85...

Bedeutsam schließen sich griechische und vorzüglich asiatische mythen von der schöpfung an die nordische und wie ich glaube früher allgemein deutsche ansicht von dem hervorgehn der welt aus bestandtheilen des menschlichen leibs: sie muß darum uralt sein. Noch heute besteht in Indien die sage, daß Brahmâ von den andern göttern erschlagen und dann der himmel aus seinem schädel gebildet wurde; gewisse analogie damit hat auch die griech. vorstellung von Atlas, dessen haupt den gewölbten himmel trägt. Nach dem gedicht eines orphikers werden Zeus leib als die erde, seine knochen als das gebirge, seine augen als sonne und 473 mondόμματα δ' ήλιος τε καὶ αντιόωσα σελήνη. Eusebius proparsask. euagg. 3, 9. Lobeck de microc. et macroc. s. 4. aufgefaßt. Cochinchinesische überlieferungen melden, Buddha habe die welt aus dem leib des riesen Banio geschaffen, aus dem schädel den himmel, aus den augen sonne und mond, aus dem fleisch die erde, aus den knochen felsen und berge, aus den haaren pflanzen und gewächse. ähnliche macrocosmen begegnen auf Japan und Ceylon, kalmukische gedichte schildern, wie aus verwandlung einer bergriesin die erde, aus ihrem blut das meer hervorgetreten seiFinn Magn. lex. 877. 878.Nachtrag: Eine andere indische schöpfungssage in Somadeva 1, 10 ist zu anm. 1426 mitgetheilt. nach der persischen lehre werden erst himmel und feuer, dann gebirge, dann pflanzen, dann thiere geschaffen. aus des urstiers hörnern entstehen die früchte, aus seinem blut die trauben u. s. w. Görres 1, 232. 233. weit mehr als die gewöhnliche griechische vorstellung von Atlas stimmt die schilderung Ovids metam. 4, 657 mit der deutschen schöpfungsmythe überein. darnach wird Atlas in ein gebirge verwandelt, aus seinen haaren entsteht der wald, aus schultern und armen berge, aus dem haupt der gipfel, aus den knochen steine..

Nun dreht aber auch schon die indische lehre diesen macrocosmus um, und läßt die sonne in das auge, die pflanzen in das haar, die steine in die knochen, das wasser in das blut des erschafnen menschen eingehn, in ihm also die ganze welt sich widerspiegeln. Nach einer chaldäischen cosmogonie befahl Belus, als er die finsternis durchschnitten, himmel und erde gesondert hatte, sein eignes haupt abzuschlagen, und das blut in die erde rinnen zu lassen; hieraus entsprang der vernünftige mensch. Hesiods vorstellung ist, daß Pandora von Hephäst aus erde mit wasser gemengt gebildet wurde und ihr dann Hermes die sprache verlieh (έργα 61–79). Die menge der bildenden stoffe wird zuerst auf blut und erde, endlich im alten testament auf bloße erde zurückgeführt.

Allein noch andre einstimmungen fordern aufmerksamkeit. Wie Ymir aus seiner hand mann und frau, aus seinem fuß einen riesensohn erzeugte, wird von dem indischen Manus gemeldet, Brahma habe die vier stämme der menschen, und zwar aus seinem munde den ersten brahman (priester), aus dem arm den ersten kschatrija (krieger), aus der hüfte den ersten vish (kaufmann und ackerer)e femoribus natus = ûravja, ûrudscha Bopp gloss. 54a., aus dem fuß den ersten sûdra (knecht und handwerker) hervorgebracht (Humboldt Kawispr. 1, 80). Sicher würde auch die eddische überlieferung, wenn sie ausführlicher bewahrt wäre, einen rangunterschied zwischen den aus Ymirs hand oder fuß erzeugten kindern geltend machen; die fußgeburt zeigt eine geringere an. Selbst ein caraibischer mythus läßt Luguo, den himmel, auf die erde steigen und die stammeltern der menschen aus seinem nabel und schenkel, in welchen er einen schnitt gemacht hatte, hervorgehnMajers mythol. taschenbuch 2, 4.. Wer entsinnt sich nicht bei diesen wunderbaren geburten der aus Zeus stirne gebornen Athene (τριτογένεια), des aus seiner hüfte gebornen Dionysus (μηρορραφής)? wie dieser διμήτωρ hieß, scheint die unerklärte sage der neun mütter Heimdalls (s. 193) auf gleichen anlässen zu beruhenNachtrag: Nach der älteren indischen sage zog der große geist, mahân âtmâ den ersten menschen aus dem wasser hervor. auch Prometheus bildet menschen aus erde und wasser. Luciani Prom. 13, nach Horat. od. 1, 16 fügt er dem ›limus‹ alle möglichen bestandtheile hinzu vgl. Babr. 66. den Grönländern wurde der erste mann aus erde geschaffen, aus seinem daumen aber die erste frau. Klemm 2, 313, wie Eva aus Adams rippe. so ward Dakschus aus Brahmas zehe gezogen (anm. 1425). die acht theile (s. 470) kommen auch im Rigveda vor. Kuhn bei Höfer 1, 288..

Von solchen älteren, vorausgegangnen götter und riesenschöpfungen sondert die edda, und wie der verfolg ausweisen 474 wird, auch der indische glaube, die erschaffung des ersten menschenpaars ab. Wie bei Adam und Eva in der heiligen schrift wird in der edda ein stof angenommen, den gott belebte, aber ein einfacher, kein zusammengesetzter. trê bedeutet holz oder baum, askr die esche (fraxinus), bezüge von Askr zum Isco der heldensage wurden schon s. 290 verhandelt. stände neben Askr dem mann Eskja die frau, so wäre die gleichung völliger, und beide verhielten sich wie Meschia und Meschiane des persischen mythus, mann und frau, die gerade so aus pflanzen erwuchsen. in der edda heißen sie aber Askr und Embla, embla, emla bezeichnet ein geschäftiges weib, ahd. emila, vgl. fiuremila focaria, aschenputtel (Graff 1, 252), von amr, ambr, aml, ambl (labor assiduus), woher auch der heldenname Amala (s. 308) zu leiten ist. Askr anlangend scheint es doch bemerkenswerth, daß die sage den ersten könig der Sachsen Aschanes (Askanius) aus den Harzfelsen mitten im wald bei einem springbrunnen hervorwachsen läßt. da die Sachsen selbst nach dem sahs d. i. stein, saxum heißen, ein göttlicher held den namen Sahsnôt führt (s. 169), andere überlieferungen das wort Germani aus germinare leiten, weil die Deutschen auf den bäumen gewachsen sein sollenD. S. no. 408. Aventin 18b, man vgl. den wahrscheinlich alten volksscherz von dem ursprung der Schwaben, Franken und Baiern bei Schm. 3, 524.; so ist hier möglichkeit eines vielseitig eindringenden zusammenhangs. der geogr. Ravennas meldet, die Sachsen seien aus ihrem alten wohnsitz nach Britannien cum principe suo, nomine Anchis gezogen. das kann Hengist sein oder noch lieber Oesc, dessen sohn, den ich mit Askr verglichen habein der gemein und gelehrtjüdischen sprache bezeichnet Aschkenas Deutschland und den Deutschen. der name steht Gen. 10, 3 u. Jer. 51, 27; wie früh dessen unrichtige anwendung aufkam, weiß auch J. D. Michaelis spicil. geogr. Hebr. 1, 59 nicht; es muß aber schon geschehn sein im 15 jh. wo nicht früher, und die rabbiner mögen doch dabei rücksicht genommen haben auf eine ihnen zu ohr gekommne ableitung der Deutschen von einem stammherrn Askanius, oder dem trojanischen..

Unverkennbar bestanden uralte sagen, welche die ersten menschen, die ahnherrn einzelner stämme des deutschen volks aus bäumen oder felsen erwachsen ließen, d. h. die abkunft belebter wesen aus dem halbwachen reich der pflanzen und steine zu fassen trachteten. selbst unser leut (populus) ahd. hut hat zur wurzel liotan (crescere, pullulare), alts. liud, liodandoch pŏpulus steht ab von pōpulus (pappel)., und die heiligkeit der wälder und gebirge unsrer vorzeit erhöht sich durch dieses verhältnis. Hieran schließt aber die einstimmende gr. vorstellungsweise. einem der sein geschlecht aufzählen kann, wird es mit der wendung abgefragt, Od. 19, 163:

ου γὰρ απὸ δρυός εσσι παλαιφάτου, ουδ' απὸ πέτρης,

du stammst weder von der altbesprochnen eiche noch von dem 475 felsen hereinen solchen e quercu aut saxo natum, der seinen vater nicht zu nennen weiß, bezeichnet unsere volkssprache durch die redensart: ›sein vater ist auf dem apfelbaum oder nußbaum ertrunken‹. ›aus keinem eichenstock entsprossen sein‹. Etners unw. doct. 585. ›min gof ist au nüd abbem nossbom aba choh‹ Tobler 337b der es irrig auf den weihnachtsbaum bezieht., und darüber muste es märchen geben, die sich kinder traulich erzählten (οαριζέμεναι απὸ δρυὸς, απὸ πέτρης, Il. 22, 126. αλλὰ τίη μοι ταυ̃τα περὶ δρυ̃ν ὴ περὶ πέτρην; Hes. theog. 35). bedeutsam stimmt zu dem mythus von Askr die hesiodische meldung, das dritte eherne geschlecht sei von Zeus aus eschen (εκ μελια̃ν) erschaffen worden (op. 147), und wenn dabei an die starken eschenschäfte der helden gedacht ist, darf sie auch Isco oder Ask geschwungen haben. man erinnert sich der waldfrauen und feen, welche wie die gr. meliaden und dryaden ihre lebenskraft an bestimmte eschen oder eichen gebunden wusten und ungleich dem baumerschafnen menschen von dem stof ihres ursprungs noch nicht völlig frei geworden waren. Die erschaffung aus steinen ist aber in der sage von Deukalion überliefert, den nach der sinflut Hermes steine rückwärts werfen hieß: alle die er warf wandelten sich in männer, alle die Pyrrha sein weib warf wurden zu weibern. wie in der edda folgt auf die große flut eine neue schöpfung, nur daß sie hier durch die geretteten selbst ausgeführt erscheintwie Deucalion und Pyrrha das geschlecht der menschen, schaffen Adam und Eva nach einem mythus der Reinhartssage, dessen quelle ich noch nicht ausfündig machen kann, das der thiere durch ruthenschlag in das meer. Adam aber schaft die guten, Eva die bösen thiere: nach der Parsensage schaffen Ormuzd und Ahriman sich gegenüber.. auch unter den Juden muß eine mythische erschaffung aus steinen bekannt gewesen sein, weil es Matth. 3, 9 heißt ότι δύναται ο θεὸς εκ τω̃ν λίθων τούτων εγει̃ραι τέκνα τω̃ ’ΑβραάμNachtrag: Analogien zwischen mensch und baum in der sprache führt Potts zählmeth. s. 234–236 auf. Askr wie andere männliche baumnamen drückt mann aus, weibliche hinwiederum frau. Sn. 158. 157. Askr und Embla lauten an wie Adam und Eva, ostj. Es und Imlja (anm. 1428).

Ganz dem pflanzenreich entnommen ist der ausdruck liutstam, volk. Otfr. III. 12, 7. pflanzen und steine gelten nicht für todt, sie reden: δρυὸς καὶ πέτρας ακούειν. Plat. Phaedr. 275. aus bäumen und steinen oder schlamm entstehen die menschen. o saxis nimirum et robore nati. Stat. Theb. 4, 339. qui rupto robore nati compositive luto nullos habuere parentes. Juven. 6, 12 (vgl. die leiminen anm. 1437). aus fichten werden menschen bei Nonnus (Reinhold Köhler. Halle 1853 s. 24). jâ werdent solich leut von bômen nit geborn. Wolkenst. 61. sîner spiezgenôze sweimet einer von dem obersten birboume. Ben. 419. weist du, wo die leut komen her? ja freilich, sol ich das nicht wissen, sie werden jung von baumen gerissen. Ayrer fastn. 160d aus keiner haselstaude entsprungen. Schelmufsky 1, 51. sein vater ist aufm nußbaum ersoffen und seine mutter hat in der schürze (im sieb) das wasser hinaufgetragen. Brückner Henneberg 17. ein kind wird auf eine esche ausgesetzt, wo es gefunden wird. Marie de Fr. 1, 150–154. im finn. märchen heißt ein findling puuhaara d. i. baumast. vgl. das märchen von Fundevogel oben auf dem baume. KM. no. 51. Nach der griechischen sage waren erst bloß götter, die erde starrend von wäldern, Prometheus schaft menschen. Lucians Prometh. 12. vgl. die Prometheussagen in Schützes erstem excurs zu Aeschylus Prometheus. doch läßt daneben auch Zeus dem Aeacus auf seiner einsamen insel menschen aus der erde hervorgehn. Pausan. II. 29, 2. das werfen der steine, die sich in menschen wandelten, schildert Ovid. met. 1, 411, die steine werden ossa parentis genannt das. 1, 383. 393, wie bei Aeschylus und Sophocles die steine knochen der erde heißen. dies steinwerfen oder säen gemahnt an manasêþs für λαός und κόσμος (s. 662). die nach dem sahs benannten Sachsen heißen in der sage des Eisenacher rechtbuchs bei Ortloff s. 700. 701 Kieselinge, petrioli. vgl. kisila irquiken zi manne. O. I. 23, 47. riesen entspringen aus stein und springen wieder in stein (s. 441. 457). eine, die slug ich aus eime steine. fundgr. 2, 315. nun sihet man wol, dasz er nicht aus einem stein entsprungen ist. Galmy 230. dasz ich aus keinem stein gesprungen. Schade pasq. 76, 87. mancher bildet ihme ein, er sei aus einem diamant, der bauer aber aus einem kieselstein entsprungen. Ettners hebamme 15. gemacht aus kislingplut (eselripp). fastn. 680, 26. 32. über andere sagen vom ursprung der völker s. GDS. 780.

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Undeutlich wird in der edda die schöpfung der zwerge beschrieben, einer nachricht zufolge sollen sie in des urriesen fleisch als gewürm entsprungen und dann von den göttern mit verstand und menschlicher gestalt begabt worden sein; doch die ältere meldung läßt sie aus eines andern riesen Brîmir fleisch und knochen erschaffen werden. alles dies gilt nur von den schwarzen elben, und ist nicht auf die lichten auszudehnen, über deren ursprung also nichts erhellt. auch andere mythologien lassen ohne auskunft.

Wichtig und anziehend ist es, die abstufung oder folge der einzelnen schöpfungen ins auge zu fassen. Daß in der edda anfangs die riesen, dann die götter vortreten, nun aber nach dazwischen liegender sinflut erst die menschen und zwerge geschaffen werden, scheint überraschend einer theologischen durch das mittelalter tief verbreiteten ansicht zu begegnen, die, während das alte testament mit dem werk der sechs tage beginnt, dasein folglich schöpfung der engel und abfall der teufel vorausgehn und 476 darauf himmel, erde, menschen und alle übrigen geschöpfe hervorgebracht werden läßtvgl. die dichterischen fassungen bei Cædmon und fundgr. 2, 11. 12; es versteht sich, daß ihnen kirchlich gebilligte oder gelittene annahmen unterliegen. die heilige schrift sieht beim vortrag der schöpfung nur auf das menschengeschlecht, und läßt engel und riesen, die im fortgang der erzählungen auftreten, ganz dahin gestellt.. später tritt zwar auch eine vertilgende flut ein, auf welche aber keine neue schöpfung zu folgen braucht, da ein frommer rest des menschengeschlechts geborgen ist, der die erde von neuem bevölkert. der muhamedanische eblis (durch aphäresis aus dieblis, diabolus) ist zwar abtrünniger geist, aber erst nach Adam erschaffen und aus dem paradies gestoßen. Unsere deutschen riesen gleichen sowol den widerspenstigen teufeln als den sündhaften menschen, die das wasser hinnimmt; hier war die rettung einem patriarch, dort einem riesen zugedacht, der nun neben den menschen seine art fortpflanzt. Cosmogonische bruchstücke gewährt uns eine im anhang unseres heldenbuchs gehaftete nachricht: es werden drei schöpfungen hintereinander angesetzt, so daß die der zwerge vorangeht, dann erst riesen und zuletzt menschen entstehn, die klugen zwerge habe gott zum bau des wüsten lands und gebirgs werden lassen, die riesen zu bekämpfung der wilden thiere, die helden um den zwergen gegen die untreuen riesen beizustehn; diese beziehung und abhängigkeit der geschlechter von einander ist beachtenswerth, über die art und weise der erschaffungen verlautet nichts. Als späteren schöpferischen act, scheint es mir, läßt sich endlich das dreifache ordnen der stände auffassen, welche Heimđallr gründetdas mittelalter leitet aus Sem den ursprung der freien, aus Japhet und Cham den der ritter und eigenleute her. Wackernagels bas. hss. 2. 20. dessen vielleicht noch eine spur bis in jüngere überlieferungen hinab reicht (s. 194)seitdem bin ich in Wolfg. Menzels mythol. forschungen 1, 40 auf eine muhamedanische sage gestoßen: Eva gebar viel kinder und ihrer großen zahl sich schämend. als sie einmal von gott überrascht wurde, versteckte sie einige davon. nun rief gott die kinder zu sich und theilte alle würden und güter der erde unter sie aus. die aber versteckt waren bekamen nichts, und von ihnen stammen die bettler und fakirs ab. Leider wird keine quelle angegeben, doch die einstimmung mit dem deutschen schauspiel des 16 jh. ist ganz unleugbar und macht mir das angenommene verhältnis zu der altnord. fabel zweifelhaft. daß die versteckten kinder nicht herbeigerufen werden weicht von allen deutschen berichten..

Auch das hebe ich hervor, daß in der edda mann und frau (Askr und Emla) gleichzeitig entstehn, in der bibel aber zwei momente geschieden werden, da Adams erschaffung vorangeht, Evas erst nachher auf andere weise vorgenommen wirdder rabbinische mythus nimmt Lilith als erste frau an, die gleich Adam aus der erde geschaffen war.. Wiederum läßt Hesiods darstellung die den göttern selbst abstammenden männer schon vorhanden sein, als Pandora das erste weib, allbegabt, schön und trügerisch, aus erde und flut (s. 472) geschaffen wurde. Es ist schwer in die ansicht der hesiodischen 477 dichtungen genau einzudringen. der theogonie zufolge entsteigen dem chaos erst Gäa die riesin, dann Erebus (dem Niflheim vergleichbar) und die Nacht; aber Gäa zeugte aus sich selbst den Uranus, meer und gebirge, mit Uranus andere kinder, zujüngst Kronus, der Zeus vater und aller götter ahn war. wie in der edda Buri und Börr vor Ođinn, treten auch hier Uranus und Kronus vor Zeus ein; mit Zeus und Ođinn hebt das eigentliche göttergeschlecht an, und die brudertrilogie wird durch Poseidon und Hades wie durch Vili und Ve erfüllt. Die feindschaft der götter und titanen ist sodann die der asen und riesen; doch daß die titanen vom himmel gedrängt werden (theog. 813) gleicht ebensosehr dem sturz der widerspenstigen engel in die tiefe des abgrunds. außer dem riesischen element kann also den titanen noch ein dämonisches zugegeben werden. Wenn die έργα bekanntlich fünf geschlechter nach einander annehmen, so muß die schöpfung nothwendig einigemal wiederholt worden sein, worüber uns weder das gedicht noch Plato (Cratyl. 397. 398 Steph.) genügende auskunft gewähren. das erste goldne geschlecht ist das der seligen dämone, das zweite silberne der schwächeren göttlichen, das dritte eherne der eschentsprossenen krieger, das vierte der heroen, das fünfte eiserne der jetztlebenden menschen. schon weil dem vierten geschlecht die metallbezeichnung der übrigen mangelt, scheint die angabe unvollkommen. am dunkelsten bleibt das zweite, auch von Plato übergangne, der nur von dämonen, heroen und menschen handelt; rechtfertigt der schmächtige wuchs dieser kurzlebenden höheren wesen eine analogie zu den wichten und elben unsrer mythologie? unter dem dritten geschlecht scheinen riesen oder doch riesenmäßige streiter geschildert, die den gerechten helden des vierten geschlechts gegenüberstehn. man möchte diese nach mosaischem sprachgebrauch söhne der elohim, jene söhne der menschen nennen; ihr ursprung aus der esche gestattet sie aber auch neben den ersterschaffnen menschen der edda zu stellen. treffender würde die einstimmung sein, dürfte man dem dritten geschlecht den namen des steinernen zueignen, den des ehernen und die schöpfung aus der esche auf das vierte anwenden; den riesen war die steinwaffe gemäß. Doch Apollodor theilt uns (I. 7, 3) die nachricht mit, in der großen flut, aus welcher Deukalion und Pyrrha gerettet wurden, habe Zeus das eherne geschlecht tilgen wollen, was sich zu dem nordischen untergang der riesen fügt. der erschaffung von Askr und Emla stehn die steinwürfe des griech. mythus parallel, und auch das heldengeschlecht könnte steinerschaffen heißenNachtrag: Nach Plato conviv. 190 B. gab es anfangs drei geschlechter: άρρεν, θη̃λυ, ανδρόγυνον, die von sonne, erde und mond stammen. wichtig ist Gen. 6, 2, wonach die kinder gottes (die menschen) sich mit den töchtern der menschen (riesentöchtern) mischen. sehr merkwürdig leitet die volkssage die zwerge und unterirdischen aus gefallnen engeln her. ir. elfenm. XIII, die guten leute sind ungeboren, aus dem himmel geworfen. ir. märch. 2, 73. ebenso die norwegischen huldren. Asb. 1, 29. Thiele 2, 175. Finn. Joh. hist. eccl. Isl. 2, 368 sagt von den alfen: quidam enim a deo immediate et sine parentum interventu ut spiritus quosdam creatos esse volunt, quidam vero ab Adamo, sed antequam Eva condita fuit prognatos perhibent. nach einer nordfriesischen sage wandelt Christus einmal auf erden und segnet die fünf schönen kinder einer frau, verwünscht die von der mutter versteckten fünf häßlichen. aus letzteren stammen die unterirdischen. Müllenhoff s. 279. diese sage ist auch isländisch. s. Finn Magnusen lex. 842b. eddalären 3, 329. 330. Faye vorr. XXV. der riese heißt auch vâlandes barn. Trist. 401, 7. auch der teufel will schaffen (anm. 2571). im indischen soll Visvakarma gleich Hefäst auf Brahmas geheiß ein weib bilden. Somadeva 1, 173. Über die zeitalter und die verschiedenen geschlechter vgl. Babrius prolog und die bildseule anm. 2043. Ovid. met. 1, 89–127 nimmt vier zeitalter an, ein goldenes, silbernes, ehernes und eisernes. GDS. 1–5. im saturnischen alter giengen die erdgebornen menschen nackend und unbesorgt, lebten von baumfrucht und redeten mit den thieren. Plato Politicus 272..

Es wird sich gebühren hier noch auf die sinflutsage einen blick zu werfen, ihre verbreitung unter den verschiedensten völkern der erde gewährt über die natur dieser mythen den wichtigsten aufschlußUlf. verdeutscht κατακλυσμός durch midjasveipáins und sveipan wird wol was κλύζειν bedeutet haben, schwemmen, spülen, vgl. ags. svâpan verrere. ahd. heißt diluvium unmezfluot oder sinfluot (wie sinwâki, gurges, mhd. sinwæge), schlechter ist das ahd. mhd. sintvluot, falsch das nhd. sündflut..

478 Aus vermischung der söhne gottes mit den töchtern der menschen entsprangen räuber und gewaltthätige; da reuete es Jehova die menschen gemacht zu haben und er beschloß alles auf erden auszutilgen. nur Noah fand gnade vor seinen augen und er hieß ihn einen großen kasten bauen und mit seinem haushalt hineingehn. darauf begann es zu regnen, bis das gewässer funfzehn ellen über die höchsten berge gestiegen, und alles was fleisch und athem hatte untergegangen war, aber der kasten fuhr auf den fluten. Da wehrte Jehova dem regen, die ströme verliefen sich und der Noahs kasten kam hernieder auf dem gebirge Ararat. Noah aber ließ zuerst einen raben, dann eine taube ausfliegen und da sie nicht fand wo ihr fuß ruhen konnte, kehrte sie um in den kasten, und nach sieben tagen ließ er noch eine taube fliegen, die kam zurück und trug ein ölblatt im munde, und wieder nach sieben tagen ließ er eine taube fliegen, die gar nicht zurückkehrteschiffer lassen vögel ausfliegen. Plinius 6, 22. drei raben fliegen als wegweiser. Landnâma 1, 2.. da gieng Noah heraus auf die trockne erde und brachte dem herrn ein reines opfer, und Jehova schloß einen bund mit den menschen und setzte seinen bogen in die wolken zum zeichen des bundes.

Dieser schönen geschloßnen darstellung des A. T. gegenüber erscheint der eddische bericht roh und unausgebildet. nicht vom himmel strömt die sinflut nieder, sie erwächst aus dem blut des erschlagnen riesen, dessen leib stof zu erschaffung aller dinge und des menschengeschlechts selbst gibt. übermut und frevel der vernichteten riesen gleichen dem der elohimsöhne, die sich mit menschensöhnen vermengt hatten; Noahs arche (kibwtóV) gleicht dem Bergelmis lûđr. doch die epischen züge wie des landens auf dem berg, der ausfliegenden tauben, des opfers und regenbogens, würden sicher nicht mangeln, wenn hier entlehnung stattgefunden hätte.

In der assyrischen überlieferungButtmann über den mythos der sündflut p. 21. kündigt die regengüsse Kronos dem Sisuthros an, der nun ein schif baut und mit leuten und thieren besteigt. drei tage nach dem aufhörenden regen werden vögel entsandt, zweimal kamen sie zurückgeflogen, das zweitemal mit schlamm an ihren füßen, zum drittenmal blieben sie aus. zuerst stieg Sisuthros aus mit weib, tochter und steuermann, sie beteten, opferten und verschwanden plötzlich; als die übrigen ans land giengen, erscholl eine stimme aus der luft, daß der fromme Sisuthros zu den göttern aufgenommen sei; sie aber setzten das menschliche geschlecht fort. das fahrzeug bis in späte zeiten lag auf Armeniens gebirgevgl. Annolied 308 ff., wo die Baiern aus Armenien abgeleitet werden.. Münzen der stadt Apamea in Phrygien stellen einen auf der flut schwimmenden kasten dar, worin ein 479 mann und eine frau zu sehen sind; auf dem kasten sitzt ein vogel, ein andrer fliegt heran, einen zweig in den füßen haltend. dicht dabei steht dasselbe menschenpaar mit aufgehobner rechte auf dem festen lande. neben dem kasten erscheinen die buchstaben ΝΩ (Noah) und dies Apamea unterscheidet sich durch den beinamen κιβωτόςalles dies bei Buttmann s. 24–27..

Nach griechischer sage hatte Zeus beschlossen das menschliche geschlecht zu tilgen; auf Prometheus angabe zimmerte Deukalion einen kasten, der ihn und Pyrrha sein weib aufnahm. Zeus sandte so mächtigen regen, daß Hellas überschwemmt wurde und die menschen umkamen. Neun tage und nächte schwebte Deukalion auf den fluten, dann landete er am Parnaß und brachte Zeus opfer; wie darauf er und seine frau durch steinwurf ein neues geschlecht schufen wurde vorhin erzählt. Plutarch fügt hinzu, mit einer aus dem kasten entlaßnen taube habe Deukalion sturm, wenn sie zurückflog, heitere, wenn sie wegblieb, ausgekundschaftet. Lucian (de dea syria cap. 12. 13) nennt ihn Δευκαλίωνα τὸν Σκύθεα; hat sich das ergeben aus ΣισύθεαCKYΘEA aus CICYΘEA nach Buttmanns scharfsinniger mutmaßung, der nun weiter geht und den Sisythes, Sisuthros für Sesothris, Sothis und Seth hält, den Noah für Dionysos und symbol des wassers., so kann es schon lange in der sage selbst geändert gewesen sein. Einige griechische stämme hatten eine eigenthümliche sage von einer alten überschwemmung, deren helden sie Ogyges oder Ogygos nanntenButtmann s. 45 ff., er vergleicht Okeanos und Ogenos.. Allen diesen berichten gebricht aber epische ausführlichkeitmerkwürdig ist, daß in einem schönen gleichnis, also ohne namen und örter Homer eine art sinflut schildert, Il. 16, 384.

ως δ' υπὸ λαίλαπι πα̃σα κελαινὴ βέβριθε χθών
ήματ' οπωρινω̃, ότε λαβρότατον χέει ύδωρ
Ζεύς, ότε δή ρ' άνδρεσσι κοτεσσάμενος χαλεπήνη,
οὶ βίη ειν αγορη̃ σκολιὰς κρίνωσι θέμιστας,
εκ δὲ δίκην ελάσωσι, θεω̃ν όπιν ουκ αλέγοντες.

.

Desto reichere entfaltet die erzählung des indischen MahâbhârataBopp die sündflut. Berlin 1829.. könig Manus stand büßend am ufer eines flusses, als er die stimme eines fischleins vernahm, das um rettung flehte. er grif es mit der hand und legte es in ein gefäß, aber der fisch begann zu wachsen und verlangte an andere stelle. Manus warf ihn in einen großen see, doch der fisch wuchs immer größer und wollte zur Gangâ, des meeres gattin gebracht sein. bald konnte er sich auch da nicht länger regen und Manus muste ihn zum meer tragen, aber ins meer geworfen verkündete der fisch das herannahen einer schrecklichen flut, Manus solle ein schif bauen, mit den sieben weisen hineinsteigen und den samen aller dinge verwahren, gehörnt wolle er ihm alsdann erscheinen. Manus that wie ihm geheißen war und fuhr in dem schif, der ungeheure fisch erschien und ließ das schif an sein horn seilen, dann zog er es 480 lange jahre durch die meeresfluten, bis sie zum gipfel des Himāwân gelangten, da befahl der fisch das schif zu festigen und die stelle, wo es angebunden wurde heißt noch heute Naubandhanam (schifsbindung). darauf redete der fisch: ich bin Brahmâ, der geschöpfe herr, höheres als ich gibt es nicht, in fischgestalt habe ich euch befreit: Manus aber soll nun alle geschöpfe, götter, asuren und menschen schaffen und alle welten, bewegliches und unbewegtes. dies alles geschah auf solche weise.

Im wird statt des Manus Satjavratas (oben s. 206), statt des Brahmâ Vischnus genannt, und der hergang philosophisch ausgeschmückt.

Gleich dem deutschen läßt also der indische mythus die sinflut der eigentlichen schöpfung vorausgehn, während bei Moses Adam lange vor Noah lebt und auf die flut keine neue erschaffung folgt. die sieben rischis im schiffe, wie Bopp bemerkt, sind mehr göttlicher als menschlicher natur, söhne Brahmâs von älterer herkunft, als die von Manus erschafnen niederen götter und als deren feinde die asuren (sonst auch daitjas und dânavas = titanen oder riesen). Von hohem gewicht für uns aber ist, daß Manus (nach dem manuschjas homo genannt wird) als schöpfer auftritt, und wir in Mannus (wonach manna und manniskja homo) gerade den Bör und dessen schaffende söhne anerkennen (s. 289). Askr und Emla sind nichts als reproduction der selben schöpfungsidee, die sich mit Deukalion und Pyrrha oder Adam und Eva vergleicht.

Ich darf nicht verschweigen, daß der eingang des indischen gedichts, wie Brahmâ sich von Manus als fisch fangen läßt und ihm nun das zukünftige offenbart, noch in unserm heutigen kindermärchen haftet von dem kleinen, allmächtigen butt oder hecht, der einen fischer aus dem geringsten stand allmälig zu der höchsten würde erhebt und erst dann wieder in die erste armut zurück versetzt, als er, von den rathschlägen seiner ehrgeizigen frau angereizt, endlich gott selbst gleich zu werden begehrt. das verleihen der auf einander folgenden würden ist gewissermaßen ein erschaffen der verschiednen ständevgl. den gefangnen weissagenden marmennil (s. 360)..

Noch eine sinflutsage vom ursprung der Litthauer verdient angeführt zu werdendzieje starožytne narodu litewskiego, przez Th. Narbutta. Wilno 1835. 1, 2.. Als Pramžimas der höchste gott aus einem fenster seines himlischen hauses (wie Wuotan s. 112. 113) über die welt schaute und lauter krieg und unrecht unter den menschen gewahrte, sandte er zwei riesen Wandů und Wejas (wasser und wind) auf die sündige erde, die zwanzig nächte und tage hindurch alles verwüsteten. von neuem niederschauend, während er gerade himlische nüsse aß, warf Pramžimas eine schale hinunter, die auf den gipfel des höchsten berges niederfiel, zu dem sich thiere und einige menschenpaare geflüchtet hatten. alle stiegen 481 in die nußschale, die nun auf der alles bedeckenden flut umherschwamm. gott aber richtete sein antlitz zum drittenmal auf die erde und ließ den sturm sich legen und die gewässer wieder abfließen. da theilten sich die geretteten menschen aus, und nur ein paar blieb in jener gegend, von dem die Litthauer abstammen. sie waren aber schon alt und härmten sich, da sandte ihnen gott zum tröster (linxmine) den regenbogen, welcher ihnen den rath gab, über die gebeine der erde zu springen: neunmal sprangen sie, und neun paare entsprangen, der neun litthauischen stämme ahnen. Diese darstellung gemahnt an den ursprung der menschen aus Deukalions und Pyrrhas steinwürfen, der regenbogen an die heil. schrift, nur daß er hier persönlich eingeführt wird, und die menschen wie Hermes (der götterbote) den Deukalion anweist, was sie zu thun haben. allzukühn wäre es vielleicht die nußschale auf jenen nußbaum (s. 475) zu beziehen, mit dem man undeutlich eine unbekannte abkunft ausdrückt.

Nicht alle angeführten sagen schildern allgemeine die ganze erde verwüstende überschwemmungen; die aus welcher Deukalion gerettet wurde hatte bloß Griechenland betroffen, und solcher berichte von kleineren fluten gibt es eine menge. Philemon und Baucis in Phrygien, wo die Noahsage haftete (s. 478), die den wandernden göttern herberge gewährt hatten, flohen gewarnt aufs gebirge und sahen sich als die flut über das land stieg geborgen (Ovid. met. 8, 620); sie wurden in bäume verwandelt, wie Askr und Emla bäume waren. Nach einer welschen volkssage war da, wo jetzt in Brecknockshire ein großer see liegt, vor zeiten eine große stadt. der könig sandte seine boten zu den sündhaften leuten, sie zu erforschen, sie achteten seiner nicht, und versagten ihm herberge. da trat er in eine elende hütte, worin bloß ein weinendes kind in der wiegevgl. oben s. 464 lûdara. lag, übernachtete, und beim weggehn fiel ihm sein einer handschuh in die wiege. Nicht lange hatte er die stadt hinter sich liegen, so vernahm er geräusch und wehklagen; er beschloß umzukehren und den verlornen handschuh zu suchen, aber die stadt war verschwunden und gewässer deckte die ganze ebne, mitten auf den wogen schwamm ihm aber eine wiege entgegen, in der kind und handschuh lagen. dies kind nahm er mit zum könig, der es als den einzigen aus der versunknen stadt übrig gebliebnen menschen auferziehen hießEdw. Davies british mythology 146. 147.. vgl. am schlusse des cap. XXXII die sage von Dold. Eine andere ältere erzählung schließt sich näher den vorher mitgetheilten an und wird schon in den britischen triaden gefunden: als der see von Llion ausbrach und ganz Britannien überschwemmte, ertranken alle menschen ausgenommen Dwyvan und Dwyvach, die in einem nakten (segellosen) schif entkamen und hernach das land wieder bevölkerten. dieses schif heißt auch das von Nevydd nâv neivion 482 und es hatte ein männchen und weibchen aller geschöpfe in sich aufgenommen; wiederum wird berichtet, die ochsen des Hu Gadarn hätten aus dem Llionsee den avanc (bieber) ans land gezogen und seitdem sei er nicht mehr geborstenDavies a. a. o. 95. 129. Villemarqué contes bretons 2, 294. Mabinogion 2, 341. 381..

Noch engeres umfangs sind unsere deutschen sagen von dem am Thunersee zu Ralligen einkehrenden zwerg (no. 45), fast nahe kommend dem mythus von Philemon; Arendsee (no. 111), wo auch nur mann und frau gerettet werden; Seeburg (no. 131); Frauensee (no. 239). eine dänische volksüberlieferung hat Thiele 1, 227. Frischer anmutiger züge voll ist das serbische lied von den drei engeln, die gott auf die sündhafte welt sendet, und dem ursprung des Plattensee (balatino jezero). Vuk 4, 8–13 (zweiter ausg. 1. no. 207)einziges beispiel einer flutsage bei Slaven, unter denen sich überhaupt gar keine cosmogonische vorstellungen fortgepflanzt zu haben scheinen..

Deutschen heidnischen anstrich haben aber vornemlich die seen und lachen, welche aus dem strömenden blut der riesen (deutsche sag. no. 325) hervorgegangen sind, wie die vertilgende sinflut aus dem blute Ymirs.

Es scheint mir unmöglich, die vielheit aller dichtungen von der großen flut und von erschaffung des menschengeschlechts auf die mosaische urkunde zurückzuführen, aus der sie nur verwildert und entstellt sein sollten; das verbieten schon die eigenthümlichen vorzüge, mängel und abweichungen fast einer jeden. ich habe diesen sagenkreis lange nicht erschöpftNachtrag: Palaioì lógoi von sinfluten (κατακλυσμοι̃ς) werden erwähnt von Plato de leg. 3, 677. die form sinvluot kommt noch im Mauritius 692 vor, neben sinfluot anegenge 22, 17. 24, 13 auch schon sintvluot 25, 18. sintwaege 23, 54. sintgewaege 25, 7. Luther hat noch sindflut für sündflut. durch die flut wird das riesengeschlecht vertilgt. Beov. 3377–84. als sie verläuft, werden drei raben ausgelassen s. 954, womit man auch die verse der Völuspâ beim fallen der wasser vergleichen kann:

falla forsar, flŷgr örn yfir,
sâ er â fialli fiska veiđir.   Sæm. 9b.

auch bei der americanischen sinflutsage kommt die rettung in ein schif und die aussendung von tieren, des bibers und der ratte vor. Klemm 2, 156. Deukalions sinflut schildert Athen. 1, 409 und Ovid im ersten buch der metamorphosen. vgl. Selig Cassels Deukalion s. 223. 246. Lucians sage erwähnt auch, daß alle wilden tiere in Deukalions arche aufgenommen werden und friedlich zusammenwohnen. Lucian. de saltatione cap. 39. die indische sinflutserzählung leitet Félix Nève de l'origine de la tradition indienne du déluge. Paris 1849. aus der heiligen schrift. dem wachsenden fisch dieser indischen sage gleicht Jörmungandr, der in die see geworfen so ungeheuer wächst. Sn. 32 und die wachsende schlange, die ins meer getragen sein will. Klemm 2, 162. Manus selbst bedeutet mann, mensch. Kuhns rec. d. Rigveda s. 107. über den anderen indischen bericht von Satjavratas s. Polier mythologie des Indous 1, 244–247. Deutsche sagen von einer großen flut überliefert Vonbun s. 14–16 (vgl. s. 820. 821). noch heute besteht der volksglaube, daß zerstörendes wasser aus bergen brechen werde. Panzer beitr. 1, 276. 277. wie aus der riesenzehe der deutschen sage, strömt aus Wäinämöinens zehe die flut. rune 3. die zwergsage aus der Rheingegend bei Firmenich 2, 49 scheint nach der sage vom Thunersee (DS. no. 45) umgearbeitet. der zwerg erinnert an den engel, der die hand mit dem tuch über die stadt erhebt. Greg. tur. 10, 24.

, auch auf den inseln des östlichen archipels, in Tonga und Neuseeland, unter den Caraiben und Mexicanern thun sich überraschend ähnliche und doch verschiedne nachrichten von der erschaffung, dem ersten menschenpaar, von flut und rettung und dem brudermord hervorWh. von Humboldt Kawisprache 1, 240. 3, 449. Majers myth. taschenb. 2, 5. 131.. 483

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