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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 89
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Heinrich von Tetingen

um 1260

Weil die schöne Zeit kommt wieder,
Sieht man ringsumher die Heide
Reichbeblümt und grün den Wald.
Dazu schallen süße Lieder
Kleiner Vögel, die der leide
Winter schreckte rauh und kalt.
Ach, wenn mir doch deren Güte,
Die sich freut der Maienblüte,
Hoffnung gab: in mein Gemüte
Zöge Freude auch alsbald.

Fröhlich wird mir gleich zumute,
Seh ich nur das Antlitz grüßen
Meiner Liebsten wohlgetan.
Und gewiß, mir kommts zugute,
Will sie meine Pein versüßen,
Daß betrübt mich alle sahn
Um des lieben Weibes Minne.
Königin meiner Seel und Sinne,
Mache, daß ich noch gewinne
Lieben Trost und süßen Wahn.

Daß die Frau mir wohl gefalle,
Kommt daher, weil kaum ihr fehle
Eine Tugend, die es giebt.
Nach ihr sind entbrannt mir alle
Sinne, wie auch Herz und Seele;
Doch mein Leid gar schnell zerstiebt,
Wär der Treue sie beflissen!
Allen meinen Kümmernissen
Sah ich mich im Nu entrissen.
Zeigte sie, daß sie mich liebt.

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