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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 84
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Der alte (und der junge) Meißner

um 1260 – 1280

Daß der Gesang das Höchste im Himmel und auf Erden,
Uns lehrts das Lied der Engel zu Gottes Preis und Hort,
Mit Worten mag zum Brote der Leichnam Gottes werden,
Drum ist Gesang das Höchste, das sagt uns Gottes Wort.
Gesang lehrt Tugend pflegen und fliehen falschen Rat,
Gesang erfreut und führet uns fort vom Unglückspfad.
Gesang ist göttlich gar, trägt in sich reichen Lohn,
Gesang, der ohne Wort, ist nur ein leerer Ton.

Frau Minne, du bist so gewaltig,
Und deine Netze sind zu mannigfaltig,
Daß sich nicht drin verfinge
Sogar ein weiser Mann.
Und doch hängt Jung und Alt
Dir stets, Frau Minne, an,
Und niemand kennt all deine Wunderdinge,
Die du verführst alsbald
An Mann und Weib, ob Edle ob Geringe.
Wem du dich neigst
Und freundlich zeigst,
Wähnt im Besitze sich von Allgewalt.
O Minne, süß und minnig
Dein Name klingt und innig;
Auch sinnig
Bist du, das weiß ich gut:
Doch wilder als des Adlers ist dein Mut!

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