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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 74
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Der von Scharfenberg

1252 – 1258

Zwei junge Mägdlein klagten
Einander ihre Not,
Sie klagten und sie sagten,
Welch Kummer ihnen droht.
Die Eine also sprach:
Groß Leid und Ungemach
Benimmt mir ganz die Sinne,
Daß ich nicht Ruh gewinne
Im Herzen, das der Arge brach!

Dein Reden tut mir wehe,
Begann die andre da;
Was dir auch noch geschehe,
Schon Schlimmres mir geschah!
Er hat vergessen mein,
Der mir gefiel allein
Von allen, die da waren;
Hold war er von Gebaren
Und doch geboren mir zur Pein!

Da nahte eine Dritte,
Die dort sich niederließ;
Doch nicht mit guter Sitte
Man sie heimgehen hieß.
Geh hin zu Spiel und Scherz,
Laß uns allein im Schmerz,
Du darfst der Freuden walten,
Dein Schatz will dich behalten,
Nicht paßt zu uns dein frohes Herz!

Wohl seh ich an euch beiden,
Daß ihr mir nachtragt Haß.
Drum will ich von euch scheiden;
Doch sag ich euch noch das:
Ihr warft mir vor voll Neid,
Was froh mich macht allzeit,
Wer könnte mich bedräuen?
Ich will mich immer freuen,
Mein Schatz ist stets zur Lust bereit!

Ich bin des worden inne
An dem vielwerten Mann,
Nur Gutes von der Minne
Durch ihn mein Herz gewann.
Drum bin ich ihm auch hold,
Und geb ihm Minnesold.
Ich schwörs bei meinem Eide:
Was er mir tät zuleide,
Es wär mir lieber noch als Gold!

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