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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 51
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Heinrich von Sax

um 1235–1258

Ich sah sie, die mir Freude leiht,
Bei andern schönen Frauen gehn:
Sie schien mir ohne Widerstreit
Als Beste, Schönste anzusehn.
Wohl war von Frauen groß die Schar:
Doch nahm ich einer stets nur wahr,
Sie sah mein Auge immerdar.

O Minne, süße Fügerin,
Nun füge, daß mir werde Rat.
Bezwinge Seele ihr und Sinn,
Wie sie mich zwang mit süßer Tat.
Eröffne mir des Glückes Tor,
Schließ zu, und laß mich nicht davor,
So schwebt mein Glück noch hoch empor.

Ihr Auge schoß mit lichtem Blick
Mir Liebe tief ins Herz hinein;
Sie legte mir der Minne Strick:
Nun muß ich ihr Gefangner sein.
Wer heilt mich nun, wo ich so wund?
Das kann ihr rosenfarbner Mund:
Von Küssen würd ich wohl gesund.

O neigte sie sich hold mir dar,
Sie, der ich ganz zu eigen bin;
Wohin ich auch des Landes fahr,
Sie hält zurück mir Herz und Sinn,
Daß beider ganz ich ledig bleib:
Was gilt der Mai? Dies holde Weib
Bezaubert mich an Seel und Leib.

Könnt ichs mit Fug erwerben doch,
Einmal in ihrem Arm zu ruhn,
Sonst muß ich ganz verderben noch:
Ach wollt sie mir den Willen tun!
Um sie erleid ich große Not,
Stets tat ich, was sie mir gebot,
Drum geb sie Trost mir oder Tod!

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