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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 46
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Der Taler

um 1230 – 1250

Ich klag um Blumen nicht noch Klee,
Die bringt der Mai aufs neu wie eh,
Mir tut ein andrer Kummer weh:
Ich klag, daß mich die Herrin ließ
Ein Pelzwams nehmen und sie dies
Auf bloßer Haut mich tragen hieß
Ein Jahr lang, und soll hungrig sein
Allzeit stets einen Tag von zwein,
Und Wasser trinken anstatt Wein!

Was sie geboten, ist geschehn,
Doch läßt sie wieder Spott ergehn.
Gott, laß mich dein Erbarmen sehn!
Daß mich die Schöne quält so viel
Und ausäfft ohne Maß und Ziel,
Das ist mir noch ein Kinderspiel!
Der Reiser lobt sein Liebchen sein,
Preist hoch ihr Scharlachmündeleln,
Und jeder nennt sie Tugendschrein!

Ja, tragen Prachtgewand die Fraun,
So sind sie lieblich anzuschaun;
Mein Holdchen läuft in Fetzen traun!
War erst beendet unser Streit,
So schenkt ich ihr ein seines Kleid,
Wenn sie erzeigt mir Freundlichkeit.
Ihr Mund ist wie gemacht zum Kuß,
Doch weil er mich verderben muß,
Wünsch ich: war schwärzer er als Ruß!

Der Neifer – Gottfried von Niefen – war ein Zeitgenosse des Talers.

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