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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 36
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Christian von Hamle

um 1225

Wonnevoll ist jetzt zu schauen
Maienglanz ob allem Land,
Vöglein singen in den Auen,
Die man sonst so traurig fand.
Wo sonst lag
Tot die Heide,
Sieht man schönste Augenweide;
Nun lacht heller Maientag!

Seh die Frau ich, die ich meine,
Wonnig sich mir nahn – fürwahr!
Gleicht sie ganz dem goldnen Scheine
Goldner Sonne, rein und klar.
Wie ihr Glanz
Durch die Reiche
Strahlt, hat auch die Sonnengleiche
Mir das Herz durchleuchtet ganz.

Heil ihr! die in reiner Ehre
Weiblich-hold in Züchten lebt.
Wie der helle Mond im Heere
Lichter Sterne milde schwebt.
Ihm ist gleich
Wohl die Reine:
Niemand sieht auch sie alleine,
Alle Tugend schmückt sie reich!

Lacht mein Lieb, so möcht ich meinen.
Daß ihr süßer holder Mund
Auch in Nächten könnte scheinen.
Könnt ich lauernd eine Stund
Bei ihr sein
In der Nähe,
Ach wie gern ich leuchtend sähe
Aufgehn seinen roten Schein.

Könnt ich tun der holden Kleinen
Dienst von tausend Mannen gar,
Alles sollte nichts mir scheinen,
Böt sie kleinsten Dank mir dar.
Doch ich kann
Meiner Guten
Weder Gunst noch Lohn zumuten:
Bin doch nur ihr Untertan!

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