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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 34
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Reinmar von Zweter

1220 – 1245

Maria ist ein süßer Nam;
An Himmelsseligkeit so voll
Und Wonnen ist er wundersam.
Zu ihm sich jeder wenden soll,
Daß ihm des Glückes Hochgewinn werd inne.
Der erste Buchstab, der sie preist,
Ist M: damit bekennen wir.
Daß sie uns Mediatrix heißt
Und also uns für dort und hier
Die Sühne unsrer Sünden all gewinne!
Und sühnet ihre Milde alle Schuld,
Huld über Huld ist ihrer Güte Huld,
Daß ihres Kindes Zorn sich linde;
Sie giebt für Sünde guten Rat,
Sie tilget unsere Missetat:
Drob loben wir die Mutter samt dem Kinde.

A nennt das zweite Zeichen sich.
Weil sie Auliatrix für uns ist.
Ja eine Helferin mildiglich
Für alle Welt zu jeder Frist;
Drum bleib uns ihre Hilfe unverloren.
Mit weiser Vorbedächtigkeit
Ward dieser Name ihr erlost,
Weil sie von jeher hilfsbereit
Für uns mit ihrem süßen Trost,
Seit sie der Christenheit den Sohn geboren!
Kind, Vater, Schöpfer er zugleich ihr war;
O wohl dem Wunder, das so wunderbar
Der Herr verkörpert an der Süßen,
Daß Kind und Vater er für sie!
Des Wunders Hilfe fehlt uns nie:
Du Helferin, woll hilfreich uns begrüßen!

R kommt zur dritten Stelle hin,
Was Reparatrix heißen soll;
Denn sie ist Wiederbringerin
Für manche arme Seele wohl,
Die sonst verloren wäre nach wie ehe.
Ihr Wiederbringen war so stark,
Daß sich der Gottheit ganze Macht
Im klaren keuschen Leib ihr barg,
Damit sie einst uns wiederbracht
Im Menschenbild ein Ende unserm Wehe!
Wer solches Wiederbringens ihr gedenkt
Und ihr s mit heißen Tränen wiederschenkt
Aus reuigem Herzen, der übt Minne.
Sie lohnt es jedem sanft und still,
Der ihm und ihr vertrauen will,
Dem mächtigen König, mächtiger Königinne!

I man als viertes Zeichen kennt;
Illuminatrix spricht es sich,
Daß man Erleuchterin sie nennt,
Die alles hell macht seltsamlich:
Kein reinrer Frauenname ward erlesen.
Du brachtest uns des Lichtes Schein,
Daß uns erlöst dein lieber Sohn
Aus ewiger Finsternisse Pein,
Darin wir ohne Hoffnungslohn
Für alle Ewigkeiten sonst gewesen!
So liebreich ward durchleuchtet dein Gemüt,
Daß deinem Herzen Gottes Geist erblüht;
Mach hell auch unsre trüben Herzen,
Daß jedes fest im Glauben sei!
Durch deiner süßen Namen drei
Behüte uns vor ewiglichen Schmerzen!

A kommt als fünftes und zuletzt,
Was euch Adjutrix heißen soll,
Weil sie zur Schirmerin gesetzt
Der Menschheit, die so sündenvoll,
Und schirmen will vor ewigem Verderben.
Maria, Mutter, reine Magd,
Ein Schirm ist uns durch dich bereit
Vor sündigem Werk, daß unverzagt
Wir deiner Hilfsbereitsamkeit
Vertraun und jammervoll dereinst nicht sterben!
Hilf uns, nimm vor dem Blitze unser wahr,
Mach frei uns vor der Angst, die immerdar
Vor deines Sohns Gericht uns schrecket.
Wer dessen Urteil kann bestehn,
Darf ein zur ewigen Freude gehn:
Gott, gieb, daß diese Zuversicht uns decket!

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