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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Spervogel

um 1150

Gewaltig ist und starker Art,
Der zu Weihnacht geboren ward,
Der Welterlöser Jesus Christ!
Ihn preiset, was auf Erden ist. –
Der Teufel, der grollt nur in Schweigen
Und ist voll Trotz und Übermut,
Drum ward ihm die Hölle zueigen!

Die Hölle strotzt von Not und Qual
Für die Verdammten allzumal.
Nicht dringt hinein der Sonne Licht,
Der Mond erhellt ihr Dunkel nicht,
Noch schimmern dort lieblich die Sterne:
Der Höllenbürger sieht nur Pein
Und wär doch im Himmel so gerne!

Ein hohes Haus im Himmel steht,
Zu dem ein Weg von Golde geht.
Von Marmor ist gebaut dies Haus,
Der Herrgott zierte reich es aus
Mit köstlichem edelm Gesteine.
Doch niemand wird da wohnen je,
Der erst nicht von Sünden sich reine.

Wer gerne Kirchengehen pflegt
Und niemals Neid im Herzen hegt,
Der mag wohl froher Hoffnung sein,
Der geht einst selig droben ein,
Von heilger Gemeinschaft umgeben.
Wohl ihm, daß er geboren ward:
Im Himmel ist seliges Leben!

Ich diente leider allzugern
Dem Mann, der – jeder Gnade fern –
Der Höllenherrschaft Zepter trägt
Und alle meine Sünden wägt:
Sein Lohn ist gar schändlich und böse.
Drum hilf mir, heiliger Geist, daß ich
Aus seiner Umklammrung mich löse!

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