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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 19
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Reinmar der Alte (von Hagenau)

um 1194 – 1207

Hei! jetzt seh ich frohe
Zeichen rings umher.
Winter flieht, und drohe
Er auch noch so sehr.
Kaum erwart ich nun die Zeit,
Weil mich floh die Freudigkeit,
Seit rings alles lag verschneit!

Keiner soll mißgönnen
Mir den frohen Mut,
Der nur mag es können,
Der gern Sünde tut.
Keinem tu ich Leides an;
Wenn ich ihre Gunst gewann,
Kümmerts weder Frau noch Mann!

Soll ich meine Liebe
Bergen vor der Welt,
Wär es gleich dem Diebe
Doch mit mir bestellt.
Davor schreckt zurück mein Sinn,
Suche anderwärts Gewinn,
Ob ich hergeh oder hin.

Freut sich mit dem Balle
Kindlich ihr Gemüt,
Daß sie nur nicht falle –
Gott mir dies verhüt!
Mädels, laßt das Drängen sein!
Stoßt mir nicht mein Mägdelein,
Sonst ist halb der Schade mein.

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