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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 15
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Graf Rudolf von Fenis (Neuenburg)

um 1188

Ich vernahm, daß Leute sterben,
Und, welch Wunder ists, verderben,
Weil die Minne sie versehre:
Gott bewahr mir Leib und Ehre!
Wo ich bin, wohin ich kehre,
Werb ich um die Einzighehre.
Will sie eine Frau denn sein?
Wahrlich ja, bei Gott! und mein!

Wer ihr hat gesagt die Märe,
Daß mir Eine lieber wäre,
Ach der möge schmerzlich ringen,
So wie ich, mit argen Dingen!
Soll mir nichts bei ihr gelingen,
Muß das Herzleid mich bezwingen.
Ach, warum doch sprech ich so?
Sie macht traurig, sie macht froh.

Eines wohnt mir tief im Herzen,
Dadurch leid ich Sehnsuchtsschmerzen,
Die von außen und von innen
Mich bedrängen in den Sinnen:
Alles dies bewirkt das Minnen;
Warum muß ichs auch beginnen?
Schilt und schmäh nicht so verstockt:
Iß, was du dir eingebrockt!

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