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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 14
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Kaiser Heinrich der Sechste

um 1184 – 1190

Ich grüße mit Gesang die Süße,
Die ich nicht lassen kann und mag.
Seit ich von Mund zu Mund sie grüße,
Ach leider her ists manchen Tag.
Wer dieses Lied nun singt vor ihr,
Die ich mit Schmerz vermisse hier,
Seis Weib, seis Mann, der grüße sie von mir.

Mein sind die Länder in der Runde,
Wenn ich der Holden nahe bin,
Doch wenn mir schlägt der Trennung Stunde,
Ist all mein Macht und Reichtum hin.
Nur Schmerz und Leid ist dann mein Hab,
In mir steigt Freude auf und ab,
Und diesen Wechsel duld ich bis ans Grab.

Da ich sie nun herzinnig minne
Und sie getreu zu jeder Zeit
Im Herzen trage und im Sinne,
Wenn manchmal auch mit Sehnsuchtsleid:
Was giebt die Liebe mir zum Lohn?
So holder Dank ward mir wohl schon;
Eh ich sie ließ, stieg eher ich vom Thron.

Der sündigt schwer, der mirs nicht glaubte,
Ich sah mit ihr manch frohen Tag
Auch ohne Krone auf dem Haupte;
Nicht anders ja ich leben mag.
Verlör ich sie, was hätt ich dann?
Wär kein Gesell für Weib noch Mann,
Mir läg mein liebster Trost in Acht und Bann.

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