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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 13
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Ulrich von Gutenburg

um 1180

Ich hörte wohl ein Amselein singen,
So dacht ich, nun zieht der Sommer ein,
Der aller Welt muß Freude bringen,
Nur mir nicht – oder täuscht mich der Schein?
Wie meine Herrin will, so soll mir sein,
Der ich mich will in Treuen weihn;
Ich glaubte, wer von Schuld nicht rein.
Und Gnade sucht, dem müßt es gelingen;
Doch ach! mir glückts nicht, begnadet zu sein.

Wie soll ich meinen Dienst so schaffen.
Den ich in Treuen solange getan?
Verwundet bin ich ohne Waffen,
Ihr schönes Auge hat Schuld daran;
Und nirgend Heilung ich gewann,
Wenn sie nicht will, der ich untertan,
Wie sollt es sonst solch verdorbener Mann?
Ach keine Huld ist von ihr zu erraffen,
Da ich sie nicht erwecken kann.

Treu will ich bleiben meinem Mute,
Der immer nach ihrer Minne rang,
Hätt ich gefunden nur eine so gute,
Ihr sollte werden gern mein Dank.
Der Freuden Anfang durch sie mir gelang,
Als meine Wahl sich zu ihr erschwang;
Ich war ihr fremd, wieviel ich ihr sang,
Ihr schönes Auge ward mir die Rute,
Mit der sie ach! mich zuerst bezwang.

Ich will ihr getreu in Hulden bleiben,
Mag schuldlos sie Sünde an mir begehn;
Sie kann mich anders nie von sich vertreiben,
Solang zu mir solch Glaube will stehn,
Daß höher allorts die Treue muß gehn,
Als Untreu: die muß im Banne stehn.
Wo irgend ein falscher Mann zu sehn,
Soll unwert er guter Frauen bleiben,
So möchte man ihnen den Preis zugestehn.

Nie will ichs durch meinen Kummer vermeiden,
Wie mirs ergeht, das sing ich allein,
Und will stets solche Not gern leiden,
Die mir entstanden aus Minnepein,
Seit ich im Zweifel befangen muß sein,
Daß mir der beste Rat scheint klein
Ohne sie, die mich gefesselt allein;
Muß von den Frohen im Frohsinn scheiden,
Das ist ihr Fehl und Unrecht allein.

Durch meine Augen, ein Wunder zu nennen,
Aus meinem Herzen das Wasser sich drängt,
Daß hierdurch, wenn ich es soll bekennen,
Mein Kummer all und Dienst nicht verfängt,
Den je ein Mann zu gewinnen gedenkt;
Seit meinem Gemüt mir dieses verhängt,
Daß meiner Seele kein Rat geschenkt,
Des muß ich von der Welt mich trennen
Und ihrer Huld, durch die Tat gedrängt!

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