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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 127
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Heinrich von Mogelin (Mügelin)

um 1350

Sprach eine Frau: »Mein Falk ist mir entflogen,
So weit ins fremde Land;
Mir banget: ihn, den ich mir aufgezogen,
Hält eine fremde Hand.
Ich ließ der Treue Fessel
Ihm immer wohl zu lang,
Nun macht mir, gleich dem Stich der Nessel,
Im Herzen Reue bang.

Ich hoffe aber doch, er kommt mir wieder,
Ob er auch schweift soweit! –
Wenn er verliert das Glöcklein, wenn ihn nieder
Zur Erde zwingt die Winterszeit,
Wenn ihm das Jagdgelüste
Vergeht im kahlen Wald,
Und er nicht sonstwo Nahrung wüßte,
Kehrt er gewiß mir bald.

Ach hätt ich einen Bussard statt des Falken,
Ob er auch nicht so risch
Und kühn, er blieb auf heimatlichem Balken.
Was hilft mir denn der Fisch
Tief in des Meeres Wellen,
Von allen Angeln frei?
Mir hilft kein Vogel in der Luft, der hellen.
Wie edel er auch sei!«

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