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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 118
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Der von Gliers

um 1300

Holdselige Frau, so lieb und rein,
Da man von dir das Beste sagt,
Flöß meinem Grame Linderung ein,
Dem niemals Lust und Freude tagt.
Wie Gott dich liebt jahraus-jahrein!
Wer dich im Jahr sieht einmal, wagt
Dann fernerhin nicht schlecht zu sein
Und ist an Treue unverzagt.

Dein Augenpaar voll Sonnenglast,
Dein roter sehnsuchtsvoller Mund,
Und deiner Minne süße Last:
Dies alles macht mein Herz so wund,
Daß Freude mir ein seltner Gast
Und krank ich bin in Herzensgrund
Dem Vogel gleich auf dürrem Ast,
Der einsam ist zu jeder Stund.

O weh! der Sehnsucht stete Not
Hat allen Frohsinn mir verheert;
Graland, gesotten bis zum Tod,
Ihm ward nicht größrer Schmerz beschert,
Wie er mir ohne Sterben droht.
Mir nahm die Glut, die mich verzehrt,
Die Lust an Blümlein weiß und rot
Und andern Frauen lieb und wert.

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