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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 114
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Otto zum Turme

um 1280

Dem Falken gleich ist kühn mein Sinn,
Der durch den Adel seiner Art
Sich freut am Glanz der Sonne
Und hohen Fluges schwebt dahin.
Nie gabs ein Bild, so schön und zart,
Als meiner Augen Wonne.
Fest kann in ihren Glanz ich sehen!
Ja, schritt ein Kaiser stolz heran,
Ihm könnt ein Schade leicht geschehen!

Wohl mir! daß sich mein Auge ganz
An ihre Glorie hat gewöhnt,
Des freut sich mein Gemüte;
Ich sah der Minniglichen Glanz,
Um die mein Herz in Sehnsucht frönt,
So reich an Weibesgüte.
Daß ich seit allen meinen Tagen
Kein Weib so makelfrei erfand,
Muß ich bei meinem Eide sagen.

O fänd ich gnadenreichen Mut,
Ich riefe, süßer Hoffnung voll:
Ihr seid mein Wunsch, mein Leben!
Lohnt Minnedienst und Minneglut!
Doch, wenn ich Gnade suchen soll,
Muß ich verstummend beben.
Doch eines hat sie längst erfahren:
In Geist und Herzen will ich sie,
Hold oder unhold, treu bewahren.

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