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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 11
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Heinrich von Veldeke

um 1173 – 1194

Der Winter tat manchem mit Frost viel zuleide,
Doch hat ihn verwunden der Wald und die Heide,
Sie prangen nun wieder im farbigen Kleide,
O Winter, mit dir auch mein Gram von mir scheide.

Wenn Mailuft die frostigen Tage beschließt,
Und Tau rings die Blumen der Wiese begießt,
Wenn ringsum Gesang durch die Waldung erfließt,
Mein Herz dann in Freuden solch Leben genießt.

Mein Schatz mag mich führen zum Platz bei den Linden,
Er soll mir am Herzen ein Plätzchen auch finden,
Soll Blumen auch pflücken, ich will sie dann binden
Und will mir ein Kränzlein, ein neues, draus winden.

Ich weiß, daß sein Sinnen von mir sich nicht lenkt,
Wie immer auch mein Herz nur seiner gedenkt;
Durch ihn ward mein Trauern für immer versenkt,
Wir haben uns Blumen und Herzen geschenkt.

Ich will ihn mit Armen wohl fest an mich drücken,
Und will ihm vom Munde viel Küsse noch pflücken.
Mein Auge soll recht sich an seinem erquicken,
Weil nirgend so Liebes als ihn sie erblicken.

Zur Zeit des Aprilen,
Wenn Blümlein entspringen.
Wenn Laub schmückt die Linden,
Neu grünen die Buchen,
Aufwachen die stillen
Kleinvöglein und singen,
Weil Minne sie finden
Da, wo sie zu suchen,
Beim Liebchen so traut.
Ihr Jubel schallt laut,
Der stets mich erbaut,
Weil lang er doch schwieg durch des Winters Willen.

Doch als sie am Reise
Die Blätter gesehen
Und Knospen entspringen,
Froh wurden sie alle
Auf mancherlei Weise,
Wie stets es geschehen.
Und hell klang ihr Singen
In schmetterndem Schalle
Von überallher,
Und ich auch begehr,
Zu freun mich noch mehr.
Denn recht ists, wenn ich nun mein Glück auch preise.

O könnt ich erwerben
Die Holde in Hulden,
Dürft ich sie erreichen
In Züchten und Ehren!
Schier muß ich verderben
Durch eignes Verschulden,
Sie schenkt mir kein Zeichen,
Und will mir bescheren
Nicht Buße, nicht Tod
Aus Gnade und Not,
Weil Gott nie gebot,
Daß jemals um Liebe ein Mensch soll sterben!

Wer so die Minne nimmt in Hut,
Auf daß er dient der Minne,
O selig, wer voll Minne tut
Sich Leiden um die Minne.
Von Minne kommt uns alles Gut,
Die Minne schenkt uns reinen Mut,
Was sollt ich ohne Minne?

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