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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 102
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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Herr Jakob von Warte

um 1272 – 1331

Hören soll man süßes Singen
In den Auen überall,
Löblicher Gesang soll klingen,
Voraus von der Nachtigall.
Schaut des Angers grünen Plan,
Schaut auch an die lichte Heide,
Wie sie schön sich mit dem Kleide
Für den Mai hat angetan.

Mannigfache Blumenwonne
Lächelt in des Maien Tau
Zu dem hellen Schein der Sonne –
Ei, die Zeit lohnt solche Schau.
Aber mir kein Trost behagt,
Weil das Herz mir zuckt vor Wehe:
Die ich gern mir nahe sehe,
Ihre Gunst mir noch versagt!

Du, die voller Minne immer,
Mach mich frei von Sehnsuchtsnot,
Laß aus deiner Hut mich nimmer,
Sonst bin ich an Freuden tot.
Deiner Hilf muß ich begehren;
Machst mein Herz du frei von Pflicht,
Kann mich andres trösten nicht,
Als: du wollst mir Huld bescheren.

Manchen hat Gewalt bezwungen,
Wenn man darf den Weisen traun,
Wo man Gnade nie gedungen,
Soll man sehn an meiner Fraun.
Die ist gar gewaltig mein
Ohne Gnade, die Vielgute,
Läßt mich trauern, im Unmute
Muß ich bis ans Ende sein.

Minne, du sollst allgemein sein,
Sonst bin ich an Freuden tot,
Füge, sie soll mein allein sein,
Deren Mund so lieblich rot.
Da du mich hast in Gewalt
Und ganz leitest meine Sinne,
So hab sie auch, werte Minne,
Die ich liebe, in Gewalt.

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