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Deutsche Minnesänger

Richard Zoozmann: Deutsche Minnesänger - Kapitel 100
Quellenangabe
typepoem
authorRichard Zoozmann
titleDeutsche Minnesänger
publisherGeorg Müller Verlag A.G.
year1927
translatorRichard Zoozmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080409
projectid936cb5b0
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König Wenzel der Zweite von Böhmen

1270–1305

Wo nun der Winter alle Blumen bricht,
Und schweigen macht den Vogelsang
Im Wald und auf den Auen,
Hört an: was bessere Freude uns verspricht,
Und wer mir folgt, der habe Dank!
Der reinen süßen Frauen
Sollt ihr zu aller Stunde
Mehr als der Blumen haben Acht:
Hei, welch lebendige Augenpracht,
Wo Blicke lächelnd ziehen Mund zu Munde!

Wer so im Kuß ein süß Umarmen fand
In mächtiger Liebe innigem Bund,
Und dafür nähme Rosen,
Fürwahr! der wäre wohl nicht bei Verstand.
Nach solcher Lust begehrt mein Mund.
Ach, dürfte so ich kosen
Mit ihr einmal alleine,
Vergaß der Abenteuer ich,
Der ich im Lied vermessen mich:
Das müßte sie vergeben mir, die Reine.

O zartes, holdes, reizgeschmücktes Weib,
Mein Trost, der Hoffnungsglück verspricht,
Beruht in dir, du Gute!
Mich wird dein anmutvoller süßer Leib
In Sehnsucht trauern lassen nicht;
Hilf mir zu frohem Mute!
Wie sollte michs entzücken,
Neigte sich lächelnd mir dein Mund
Und könnt ich ihn aus Herzensgrund
Im Kusse fest an meine Lippen drücken!

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