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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 99
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
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97. Christian und Friedr. Leop. Stolberg an Bürger

Kopenhagen, den 11. Dec. 1773.

Mein Liebster Bürger.

Im Geiste drücke ich Ihnen die Hand, und gebeut Ihnen fein wohl, und guter Dinge zu seyn. Wie solten Sie das auch nicht seyn, Sie deßen Ruhm mit Condor-Schwingen sich zum Olimp erhebt, und deßen Kinder ihrem Vater so viele Ehre bringen. O hörten Sie, mein Liebster Bürger wie die Welt von Ihnen spricht, warlich Sie würden sich recht blähen; und alle Ihre Zeit würden Sie auf die Sachen wenden, von denen Sie die Ewigkeit mit so vielem Recht erwarten können. Die jungen Weiber werden zwar bey der Lenore bleich werden, desto willkommener wird ihnen hingegen die Nachtfeyer der Venus seyn – die neuen Strophen mit denen Sie die Lenore bereichert haben gefallen mir sehr, sie machen das Gedicht localer. Und was haben Sie jetzt auf dem Weberstuhl ausgespannt, Sie errathen wohl warum ich bey dieser Frage sehr interessirt bin. Homer was macht der? Bedenken Sie, wie sehr Sie sich an diesem heiligen Dichter, und an unsern ungezeugten Kindern versündigen würden wenn, wenn dieses Werk anstatt ein Partus zu werden ein Foetus bliebe.

Ach mein Liebster Bürger wie empfinde ich es jeden Tag stärcker, daß ich hier in ein dürres Land verpflanzt bin, und wie sehnlich regrettire ich Sie, die vortrefliche Frau Listen, und unsre Göttingsche Freunde; o wie verging mir mit Euch, meine Geliebten die Zeit, wie ein klarer Bach dahin fleußt, und wie intereßant ward mit euch jedes Gespräch! Nie werde ich die Tage vergeßen die ich in Gellinghausen so vergnüngt zugebracht habe; da die Freundschaft, die Musen, und die schöne Natur wetteiferten wer am meisten uns entzünden könne. Dagegen wie öde ist hier alles. Die Freundschaft ist bey Hofe conerbande, die Musen reden nicht die Sprache dieses Landes, sie sind hier Fremdlinge, und die schöne Natur ist so in dicken Nebel gehült, daß man eher Lust kriegen könte sich aufzuhengen als spazieren zu gehen. –

Sagen Sie sehr viel zärtliches von mir der besten Frau Listen. Nächstens werde ich ihr einen Brief schreiben. Sie, mein Liebster Bürger umarme ich zärtlich. Erinnern Sie sich meiner fein oft, und seyn Sie meines beständigen Andenckens und meiner wahren Freundschaft gewiß.

C. Stolberg.

Ich schlage mit den Fittigen und umarme Sie sehr zärtlich. Kreh! Kreh!

F. L. St.

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