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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 8
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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6. Albrecht Dürer an Willibald Pirkheimer in Nürnberg

Venedig, 7. Februar 1506.

Dem ehrsamen und weisen Herr Wilbolt Pirkamer zu Nörnberg, meinem lieben (günstigen) Herren.

Mein willigen Dienst zuvor, lieber Herr. Wenn es Euch wol geht, das gunn ich Euch von ganzem Herzen, wie mir selbs. Ich hab Euch neulich geschrieben; versich mich, der Brief sei Euch worden. In mittler Zeit hat mir mein Mutter geschrieben und mich gescholten, daß ich Euch nit schreib, und mir zu verstehn geben, wie Ihr ein Unwillen auf mich hant, daß ich Euch nit schreib, ich soll mich fast gegen Euch verantworten. Und ist sehr bekümmert, als ihr Sitt ist. So weiß ich mich mit nichten zu verantworten, denn daß ich faul bin zu schreiben, und daß Ihr nit doheim seid gewest. Aber alsbald ich verstanden hab, daß Ihr doheim seid gewest oder heim hand wollen kummen, do hab ich Euch von Stund geschrieben, hab auch dem Kastell dornach insunderheit befohlen, er soll Euch mein Dienst sagen. Darum bitt ich Euch unterthänlich, Ihr wollt mirs verzeihen. Wann ich hab kein anderen Freund auf Erden denn Euch. Ich gib ihm auch kein Glauben, daß Ihr auf mich zurnt. Wann ich halt Euch nit änderst denn für ein Vater. Ich wollt, daß Ihr hie zu Venedich wärt, es sind so viel artiger Geselln unter den Walchen, die sich je länger je mehr zu mir gesellen, daß es eim am Herzen sanft sollt thun, vernünftig Gelehrt, gut Lautenschlaher, Pfeifer, Verständig im Gemäl und viel edler Gemüt, recht Tugend von Leuten, und thund mir viel Ehr und Freundschaft. Dorgen sinder auch die untreuesten verlogen diebisch Böswicht, do ich glaub, daß sie auf Erdrich nit lebten. Und wenns einer nit west, so gedächt er, es wären die ärtigsten Leut, die auf Erdrich wären. Ich muß ihr je selber lachen, wenn sie mit mir reden. Sie wissen, daß man solich Bosheit von ihn weiß, aber sie fragen nix dornach. Ich hab viel guter Freund unter den Walchen, die mich warnen, daß ich mit ihren Molern nit eß und trink. Auch sind mir ihr viel Feind und machen mein Ding in Kirchen ab und wo sie es mügen bekummen. Noch schelten sie es und sagen, es sei nit antikisch Art, dorum sei es nit gut. Aber Sambelling der hätt mich vor viel Tzentillomen fast sehr globt. Er wollt geren etwas von mir haben und ist selber zu mir kommen und hat mich gebeten, ich soll ihm etwas machen, er wolls wol zahlen. Und sagen mir die Leut alle, wie es so ein frummer Mann sei, daß ich ihm gleich günstig bin. Er ist sehr alt und ist noch der best im Gemäl. Und das Ding, das mir vor eilf Jahren so wol hat gefallen, das gefällt mir itz nüt mehr. Und wenn ichs nit selbst säch, so hätt ichs keim Anderen gelaubt. Auch laß ich Euch wissen, daß viel besser Moler hie sind weder daussen Meister Jacob ist. Aber Anthoni Kolb schwer ein Eid, es lebte kein bessrer Moler auf Erden denn Jacob. Die andern spotten sein, sprechen: wär so gut, so belieb er hie. Und heut hab ich erst mein Tafel angefangen zu entwerfen. Wann mein Händ sind so grindig gewest, daß ich nit arbeiten hab kunnen. Aber ich hobs vertreiben lossen. Hiemit sind gütig mit mir und zürnt nit so bald. Seid sänftmutig als ich. Ihr wöllt nüt von mir lehren, ich weiß nit, wie es zugeht. Lieber, ich wollt geren wissen, ob Euch kein Buhlschaft gestorben wär etwas schier beim Wasser oder etwas solichs (Zeichnung einer Rose) oder (Zeichnung eines Staubbesens) oder (Zeichnung eines Hundes; alles Anspielungen auf Pirkheimers Liebschaften) Madle, auf daß Ihr ein andre an derselben Statt brächtt. Ggeben zu Venedig neun Ohr in die Nacht, am Samstag nach Lichtmeß im 1506 Johr. Sagent mein Dienst Steffen Pawmgartner, Herr Hans Horstorfer und Folkamer.

Albrecht Dürer.

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