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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 74
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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72. Lavater an Herder

(Zürich) den 22. April (17)74.

Bruder Freudemacher! – Nun schickst Du mir Dein Buch auch noch, das mir auf mein Treiben und Nachfragen Breitkopf, wie Du nun schon wissen wirst, schon geschickt hat. Nun zwei sind mir nicht zu viel. Ich wuchere damit, stoß' es rechts und links Fremden und Heimschen in die Hände. Wers nicht kaufen will, solls aus dem Exemplar schätzen lernen – welches Deine Hand nicht berührt hat, das ich nun sogleich an Breitkopfen bezahlen oder Dir vergüten will. Verzeihe. – Meinen Brief vom April – wirst Du nun beantwortet haben. O Du lieber, fleißiger – Gottesarbeiter! wie erquickst Du mein Herz durch süße – große Hoffnungen! – Johannes, Deinen Bruder, willst Du – aus den Händen der – Hunde – retten? Danke Dir Gott! und das angebellte Evangelium – auch dessen Dich annehmen? Ich drücke Dich an mein Herz. –

Was Du von Zimmermann sagst – von dem Mißkannten, Du Mißkannter – aus purer, barer Eitelkeit setz' ich bei – einem Mißkannten – war mir so erquickend, wie was mir Zimmermann von Dir sagte. Kein Zürcher glaubt an Zimmermann als Pfenninger und ich. Wie ganz anders ist Zimmermann der Schweiger und Sprecher als Zimmermann der Schreiber. Dies rechn' ich Dir hoch an, daß Du diesen Mann so bis auf die Ferse hinunter durchschaut hast – und das Mannliche an ihm saisirt. –

Warum ich Dir itzt eigentlich schreibe – wo ist die Qelle der Gesundheit, wo Du Zimmermann zu sehen hoffst? Ach, daß Ihr gegen die Schweiz zulenktet! Hundert Stunden, 50 Meilen das Höchste wollt' ich Euch entgegenkommen. Ich denke auch, wo möglich, eine Reise zu machen und 6 Wochen höchstens von Hause wegzubleiben. – Ach! ach! ach! Herder! höre mich, daß Dich Gott auch höre! – Gott in Dir, wie im Wassertropfen die Sonne, möcht' ich sehn. Kanns sein – kanns nicht sein – des Vaters Wille geschehe! Aber Dir nur zehn Meilen näher sein und nichts davon haben, ist – schwer! Hierauf – verzeihe dem Antwortabdringer – hierauf, weil ich meine Einrichtung machen muß, bäldest Antwort. Man baut an der Waisenhauskirche; dies macht mir möglich, 5 bis 6 Wochen wegzufliegen – und wiedergeboren umzukehren in den Schloß derer, die Tage zählen, bis ich wieder bei ihnen bin und mir dennoch die größte aller Freuden gönnen mögen. – –

L.

(Nachschrift von Pfenninger.)

Im Dunkeln, im Gedräng weniger Minuten soll ich noch zwei Zeilen an Sie schreiben!

O Herder! o Engel Gottes! Ihre Güte gegen mich, wie macht sie mein Herz so stolz! Ach wann werd' ich Sie sehen, Ihnen die Hand zu küssen, voll Dank, voll Ehrfurcht, voll Liebe und – Anbetung! Schönste Wohlthat meines Lebens, daß ich bin in der Zeit, da Herder ist und da mein Lavater ist. Ach! ich darf doch mein Herz leichtern gegen Sie in einem eignen Briefchen nächster Gelegenheit? Ich wohne und ruhe in diesem Gedanken, bis er ins Werk gesetzt ist.

Pfenninger.

*

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