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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 68
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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66. Wieland an Johann Heinrich Merck

Weimar, den 26. Jenner 78.

Lieber M., Ihr habt in den Grund meines Wesens geschaut und ich in's Eurige; wir wissen nun, an wen wir glauben und dabey bleibts so Gott will! ewiglich. – Bin den 24ten dies. Abends um 5 U., ohne unterwegs den mindesten schlimmen Zufall gehabt zu haben, gesund und froh bey Weib und Kindern angelangt. – Nun werde ich von männiglich angezapft und ausgesogen, daß ich bereits mehr von Fragen und Antworten fatiguirt bin, als ichs von der ganzen beschwehrlichen Reise war. Unterwegs schwebte Euer und Frau Aja's und Freund Böllings Geist über mir; ich fühlte euch an meinem Herzen; ich reisete meinen Lieben in Weimar entgegen, und war glücklich in allem was ich liebe und in mir selbst. – Dank, herzlichen Dank, Br., für alle Liebe, die Ihr und Eure wackre liebe Frau mir in Eurem Hause erzeigt habt!!! Alles soll in einem seinen guten Herzen bewahrt bleiben. Die kleine Sophie hat mit ihren Schwestern große gaudia über den Inhalt des Schächtelchens von Eurer holden kleinen Adelaide gehabt und bezeugt großes Verlangen, sie von Person kennen zu lernen und ist stark darauf bedacht, etwas zum Gegenandenken für ihr unbekanntes Seelenschwesterchen ausfündig zu machen.

Ich kann nichts schreiben. Mein Herz ist voll gegen Euch; Alles was ich sagen könnte, ist so gar nichts gegen das was ich denke und fühle, und wozu hälfen auch Zeichen, nachdem wir die Sachen selbst haben? Göthe grüßt Euch. Wie ich gestern Mittags vom Herzog zurückkam, fand ich ihn bey meinem Weib und Kindern. Er aß mit uns und wir befanden uns gar wohl zusammen. – Der Merkur soll nun auch wieder ins Geleis kommen. – – Ich habe große Freude über die Menge von Rezensionen, die ich nun von Euch beysammen habe. – – Leb wohl, m. l. Einziger! Gedenket meiner im besten. Tausend herzl. Grüße an Eure liebe Hausfrau, und einen väterlichen Kuß für die kleine Adelaide, meine sechste Tochter – und für meinen braven kleinen Pathen. Gott mit uns! Der Herzog fragte gleich gar freundschaftlich nach Euch. Im Wirrwar des gestrigen Tags vergaß ich das kleine Schächtelchen Göthen zu zeigen. Es soll also nächstens geschehen. Die Geschichte von Mannheim dämmert sich allmählich in meinem Kopf so zu einem feinen Mährchen zusammen. Wenn ich mich nur nicht so ausschwatzen müßte. Habe noch 8 beschwehrliche Tage in diesem Stück vor mir.

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