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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 61
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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59. Winkelmann an Muzel-Stosch

Wien, den 14. May 1768.

Mein edler Freund!

Ich bin endlich nach einer höchst beschwerlichen Reise vorgestern Abend in Wien, und zwar nach 5 Wochen unserer Abreise von Rom angekommen, und Ihr geliebtestes Schreiben ist mir von dem Herrn von Wallmoden eingehändigt worden. Diese Reise aber, anstatt daß sie mich hätte belustigen sollen, hat mich außerordentlich schwermüthig gemacht, und da es nicht möglich ist, mit der benöthigten Bequemlichkeit dieselbe zu machen, und fortzusetzen, folglich kein Genuß ist, so ist für mich kein Mittel mein Gemüth zu befriedigen, und die Schwermuth zu verbannen, als nach Rom zurückzugehen. Ich habe mir von Augspurg an, die größte Gewalt augethan, vergnügt zu seyn, aber mein Herz spricht nein, und der Widerwillen gegen diese weite Reise ist nicht zu überwältigen. Der Genuß der Ruhe würde bey Ihnen, mein Freund, nur von kurzer Dauer seyn, und ich müßte auf meiner Rückreise in hundert Städten anhalten, und eben so oft von neuem zu leben anfangen. Haben Sie Geduld mit mir, mein Freund, da mir dieser mein sehnlicher Wunsch vergället worden, so bin ich überzeuget, daß für mich außer Rom, kein wahres Vergnügen zu hoffen ist, da ich es mit tausend Beschwerlichkeiten erkaufen müssen. – – – –

Mein Freund! viel mehr wollte ich schreiben, aber ich bin nicht, wie ich zu seyn wünsche, und suche in wenigen Tagen mit der Landkutsche auf Trieste, und von da zu Wasser nach Ancona abzugehen.

Ich küsse Ihnen mit der innersten Wehmuth die Hände
Ihr
ewiger W.

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