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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 59
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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57. Winkelmann an den Baron von Riedesel

Villa Albani, den 17. Jun. 1767.

Mein süßester, liebster Freund!

Ist mir irgend ein Schreiben von Ihrer Hand angenehm, willkommen und erfreulich gewesen, so ist es das heutige, welches ich diesen Augenblick erhalte; und voll von Glückwünschung, Liebe und warmer Freundschaft, aber zugleich nicht ohne große Verwirrung, antworte ich ihnen: denn ich bin getheilt zwischen Ihnen und dem entfernten Freunde, zwischen Griechenland und dem väterlichen Himmel. In diesem großen Streite, wo tausend reizende Bilder schnell in mir vorüber fahren, und Herz und Empfindung unschlüßig lassen, ist die süße Hofnung, Sie bald mit Leib und Geist, in aller Freyheit und mit unumschränkter Ergebenheit zu genießen, mein höchster Trost, nebst der Vorstellung, daß ich frey und ungebunden bin, Ihnen zu folgen. Nun mehro überzeuge ich mich selbst, daß wenn ein Mensch ist, der sein Glück mit Billigkeit abwäget, ich es auch bin; denn ich bin höchst zufrieden, und genieße das hohe Glück, zween Freunde zu besitzen, die Welten und Monarchien nicht ersetzen noch vergüten können, und bey einem von Euch beyden werde ich vermuthlich mein Leben, ferne von Begierden, von Kummer, von Ehrsucht, beschließen. Ich käme unausgesetzt nach Neapel, wenn es nicht der warmen Zeit zu nahe wäre, und ich kann meines kleinen Vertriebs wegen den ganzen Sommer nicht abwesend seyn. Aber den Herbst müssen Sie geschätztester Freund, Rom und mir gönnen. Alsdenn will ich Sie genießen zu aller Stunde, und mit Ihnen die glücklichen Gegenden durchwandern, stolz über den Freund, an dessen Seite ich solches Vergnügen genießen werde. –

Tausend Dank sage ich Ihnen für die Bewirkung in Sicilien; auf diese Art würden kaum in ganz Deutschland so viel unterzubringen seyn.

Die Nachrichten von Ihrer Reise bitte ich so viel möglich ungesäumt zu entwerfen. Ich will dieselben, wenn Sie es für gut befinden, mit einer Vorrede begleiten und eine Zuschrift an Sie machen, aus welcher man schließen könne, der Verfasser sey derjenige, welcher die Zuschrift angenommen.

Nocturnis te ego somniis
Jam pcatum tener
– – Hor.

Ihr ewiger und einzig ergebner
Winckelmann.

*

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