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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 57
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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55. Winkelmann an Muzel-Stosch

Rom, den Tag der Ostern.

Mein liebster Freund!

Kaum habe ich ein angenehmeres und zugleich rührenderes Schreiben von Ihnen erhalten, weil ich auf der einen Seite aus der Nachricht des Engelländers, welchen ich den Catalogum übergab, zu schließen glaube, Sie würden bereits abgereiset seyn, ohne Zeit zu haben, Ihrem Freunde zu schreiben; auf der andern Seite aber fürchte ich, auf ewig von Ihnen getrennet zu bleiben. Die Einbildung, welche bey mir in Vorstellung Ihres Herzens sehr geschäftig gewesen, hat das Feuer der Freundschaft bey mir mehr als jemals aufgebracht, und ich wäre im Stande gewesen, zu Ihnen zu eilen, um Sie auf einen Augenblick zu umarmen. Mein Geist, welcher mit den Ihrigen zu seyn glaubet, ist voll von Ihrem Bilde, und verehret in Ihnen den Freund, und den edlen würdigen Menschen, der in Unglück geprüft und unbeweglich ist. Das Verlangen, Sie, mein liebster Freund, wieder zu sehen, würde der stärkste, wo nicht der einzige Grund seyn, dem Antrag des Herrn Hope Gehör zu geben, und diese von ihm entworfene Reise, wenn es immer möglich seyn kann, zu bewerkstelligen. Ich bin nicht entfernet mit ihm zu gehen.

Den Schluß Ihres Schreibens vergebe ich Ihnen zum letzten Male. Sie erinnern Sich, was ich mehr als einmal geschrieben habe, und ich habe niemals die mindeste Verbindlichkeit gegen mich erkannt; ich bin theuer genug bezahlet. Wenn unsere Freundschaft durch die Gegenwart Nahrung bekommen hätte, würden Sie erfahren haben, daß ich Freund seyn kan, bis zur höchsten Verläugnung.

Sollte die Reise unternommen werden, würde ich eine vorläufige Ankündigung über dieselbe drucken lassen, auf welche ich bereits denke, als ein Denkmal unserer Freundschaft an Sie, mein Freund, gerichtet, mit dem Motto unter ihrem Namen: Qui mores hominum multorum vidit et urbes. Und sollte diese Reise nicht Gelegenheit dazu geben, findet sich eine andere. In Rom muß ich befürchten, alles zu verliehren, wenn ich reise; aber alsdenn muß ich mich an Sachsen halten. Ueberlegen Sie alles, und schreiben mir Ihre wahre Meynung und Rath. Der nächste Brief soll zehenmal so lang seyn;

ich küsse Sie und ersterbe
mein Freund,
Der Deinige und ewige Freund W.

*

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