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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 56
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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54. Johann Joachim Winkelmann an Friedrich Reinhold von Lenz in Livland

Rom, d. 10. Febr. 1764.

Geliebtester, schönster Freund!

Alle Namen, die ich Ihnen geben könnte, sind nicht süß genug, und reichen nicht an meine Liebe, und alles, was ich Ihnen sagen könnte, ist viel zu schwach, mein Herz und meine Seele reden zu lassen, vom Himmel kam die Freundschaft und nicht aus menschlichen Regungen. Mit einer gewissen Ehrfurcht näherte ich mich Ihnen, daher ich bei Ihrer Abreise des höchsten Glückes beraubt zu sein schien. Was hätte ich nicht schreiben müssen, wenn nur unter Hunderten meiner Leser ein einziger dies hohe Geheimnis begreifen könnte. Mein theuerster Freund, ich liebe Sie mehr als alle Kreatur, und keine Zeit, kein Zufall, kein Alter kann diese Liebe mildern; aber entfernt zu sein, ohne sich mit Briefen erreichen zu können, ist mir fast schmerzhafter als selbst der Abschied. (Ihr letztes Schreiben vom 28. Nov. ist mir heute allererst durch Herrn Walter übermacht worden und vielleicht hat es einige Zeit bei ihm gelegen. – – – Ich gedenke, den 28. c. dieses nach Neapel zu gehen, wo ich mir auf dem Wege mit der geliebten Idee meines Freundes unterhalten werde. Wie glücklich würde ich sein, Sie zur Seite zu haben! Sie stehen mit mir auf, Sie gehen mit mir schlafen! Sie sind der Traum meiner Nacht!

Man sucht mir Vorschläge nach Dresden zu machen; es werden dieselben aber schwerlich annehmlich sein, denn was kann ich gewinnen gegen 400 Scudi jährliches Einkommen (als Oberaufseher der Alterthümer in Rom) und gegen den Himmel und die Menschen, welche ich vertauschen müßte. Machen Sie mich bald durch eine Antwort beglückt. Eine jede Zeile von Ihrer Hand ist mir eine heilige Reliquie, und wenn Sie wiederkommen wollen, ist Ihnen die Zuschrift einer wichtigen Schrift zugedacht.

Ich küsse Ihr Bild und ersterbe
Ihr
ewiger geweihter Freund und gehorsamster Diener
Winkelmann.

*

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