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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 55
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
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53. Lessing an Matthias Claudius

Mein lieber Claudius.

Danken Sie Ihrem ehrlichen Vetter, dem weltberühmten Asmus, von mir tausendmal daß er sich meiner bei Seiner Majestät dem Kaiser von Japan so günstig erinnern wollen. Aber warum hat er mich ihm so schwer zu haben beschrieben? Einen Salvum conductum für meinen Bauch, und ich komme ... Denn genug, daß ein asiatischer Monarch kein europäischer ist und ich wenigstens von den Jammabos an seinem Hofe nichts werde zu besorgen haben. Die Goldbarren stechen mir verzweifelt in die Nase, und wenn mir Albiboghoi nicht auch an den Bauch will, so laß' ich ihm sein zweites Ohr gewiß. Nach dem alten Sprichworte, per quod quis etc. hätte er, der Hofmarschall, mir ohnedem die Zunge und der Chan die Ohren hergeben müssen. Doch der Chan hat ja auch Ihren Vetter angehört, und das sichert sie ihm auf immer.

Da übrigens Herr Asmus meine theologischen Gesinnungen so vortrefflich interpretiert hat, so wäre ich beinahe willens, ihm auch mein F[rei] M[aurer] Bekenntnis zukommen zu lassen. Es ist schon einmal in Hamburg gewesen, bei Herr Boden; aber – Und itzt läuft es hier durch die Hände der andern Observanz. Es soll mich verlangen, ob es am Ende doch auch nur Einer verstehen wird.

Leben Sie recht wohl. Der Zufall, über welchen Sie mir Ihr Beileid bezeugt haben, liegt mir noch in den Gliedern. Bei Gott lieber Claudius, Freund Hain fängt auch unter meinen Freunden an, die Oberstelle zu gewinnen.

Ich wollte Ihnen gern ein Buch für ein Buch, etwa meine Streitschriften mit Goezen, schicken. Aber was machen Sie damit? Ich an Ihrer Stelle würde sie gewiß nicht lesen, und unlesbare Bücher haben, ist nur Last. Wenn ein elektrischer Funke einmal wieder darin schlägt, so werden Sie ihn doch schon in der Kette, in der Sie einmal sind, mitzufühlen bekommen.

Am Besten wär's, Sie besuchten mich diesen Sommer, aber nicht so wie vorigen. Ich laß' es ein Vorzug des lieben Gottes sein, den Willen für die That anzunehmen, im Guten und im Bösen. Denn wenn er es in dem Einen thut, so thut er es auch in dem Andern; und ich, weil ich es in dem Andern nicht thun mag, mag es auch in dem Ersten nicht thun. Ich kann Sie itzt sehr gemächlich beherbergen, und die Stubenthüren sollen Ihnen die Besucher auch nicht einlaufen. Ich bin von der Welt so ziemlich sequestrirt und befinde mich dabei wenigstens nicht übler.

Nochmals leben Sie wohl, und grüßen Sie Ihre gute Frau und Kinder, in welchen ich mir Sie so innig verwebt so gern denke.

Wolfenbüttel,
den 19. April 1778.

Lessing.

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