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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 46
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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44. Klopstock an Gieseke

Langensalz, 12. Juni 1749.

Du bist im Schoße Deiner Freunde und vielleicht auch im Schöße der Ruhe. Wenn Du es ohne zu große Traurigkeit schreiben kannst, so will ich auch die übrige Geschichte Deiner Schmerzen wissen. Ich weiß sie allein am Besten zu beurtheilen und Dir nachzuempfinden. Ach, wie glücklich bin ich itzo, mein lieber, kleiner Giseke. Wir haben's zwar einander noch nicht ausdrücklich gesagt, daß wir einander lieben; aber wir lieben wol gewißeinander.

Wie stolz war ich sie zu gewinnen,
Ach dieser Ruhm verewigt sich!
Beneidet sie, ihr Schäferinnen,
Und Könige, beneidet mich!

Aber Du mußt bis zur Ausschweifung geheimnisvoll mit dem seyn, was ich Dir itzo gesagt habe. Es könnte mir die kleinste Bekanntmachung schaden. Wenn du an mich schreibst, so schreibe so, daß Fanny Alles lesen kann. Es versteht sich, daß Du Deine Schmerzen deswegen nicht verschweigen darfst. Fanny ist einmal bald eine ganze Viertelstunde böse mit mir gewesen, daß ich ihr Deine Briefe nicht habe zeigen wollen, und ich habe es auch noch nicht gethan. Man fürchtet bey der Liebe Alles, Du wirst es schon wissen. Ich fürchtete, die Härtigkeit Deines Mädchens könnte mir schaden. Ach, mein lieber kleiner Giseke, also bin ich so glücklich. Und wenn es aufs Verdienen ankommt, so hättest Du es viel eher verdient, als ich. Gestern war ich bey Fanny. Ich traf sie bey'm Lesen einer französischen Übersetzung von den Briefen Abelards und der Heloise an. Ach, was für süße Sachen hat sie mir von diesen Briefen vorgesagt! Doch, ich will mich nur gar nicht in's Beschreiben einlassen. Wann würde ich zu Ende kommen? Ich will's hier noch einmahl wiederholen, laß Du Dich ja ganz und gar in's Geheimnisvolle ein. Ich muß doch noch was schwatzen. Wir haben die Lettres de Babet mit einander gelesen; da sagte sie, sie wollte mir ihre beyden liebsten Briefe zeigen, und in diesen beyden liebsten Briefen sagte es Babet zum ersten Male, daß sie liebt:

Das Glück bezahlt mir nicht das Gold der ganzen Erde,
Wenn Sie mich's merken läßt, daß ich geliebet werde.

Wie viel hätte ich Dir noch zu sagen, mein liebster Kleiner, wenn ich bey Dir wäre. Was macht denn Ebert? Hat er denn meinen Brief bekommen, worin ich ihm alle meine liebsten Oden geschickt habe? Ich habe den Brief auf's Karolinum adressirt. Sage zu ihm, er sollte doch auch ein bischen zärtlich seyn, und mir antworten; er dürfte ja sehr kurz antworten. Und Gärtner? Er soll auch lieben. Er schreibt nicht einmal mehr an mich. Lieber Giseke, zerstreue mir diese Dunkelheit. Du weißt, wie zärtlich ich bin. Bestrafe mich ja nicht für meine Langsamkeit, und schreibe eher an mich, als ich Dir geantwortet habe. Dein

Klopstock.

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