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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 343
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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341. Ludwig II. an Richard Wagner

Theurer Freund!

O ich sehe wohl ein, daß Ihre Leiden tief begründet sind. Sie sagen mir, geliebter Freund, Sie hätten tief in die Herzen der Menschen geblickt, ihre Bosheit und Verdorbenheit darin geschaut; o ich glaube Ihnen, begreife wohl, daß oft Augenblicke des Unmuthes gegen das Menschengeschlecht bei Ihnen eintreten, doch stets wollen wir bedenken, (nicht wahr, Geliebter?), daß es doch viele edle und gute Menschen giebt, für welche zu leben und zu schaffen, es wahre Freude ist. Und doch sagen Sie, Sie taugen nicht für diese Welt! – Verzweifeln Sie nicht, Ihr Treuer beschwört Sie, fassen Sie Mut: »Die Liebe hilft Alles tragen und dulden, sie führt endlich zum Sieg!« – Die Liebe erkennt selbst in den Verdorbensten den Keim des Guten, sie allein überwindet! – Leben Sie, Liebling meiner Seele. Vergessen üben ist ein edles Werk. Ihre Worte rufe ich Ihnen zu! – Bedecken wir mit Nachsicht die Fehler Anderer, für Alle ja litt und starb der Erlöser! – Und nun, wie schade, daß »Tristan« heute nicht konnte aufgeführt werden; etwa morgen? Ist Aussicht vorhanden?

Bis in den Tod Ihr treuer Freund
Ludwig.

Den 15. Mai 1865.

*

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