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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 322
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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320. Robert Schumann an Gisbert Rosen

Leipzig am 14ten August 28.

Es muß eine ganze verdammt-komische Freude sein, mein Sanskrit zu lesen ...

... Ich fliege manchmal, sei es nun im Jean Paul oder am Klavier, das wollen die hiesigen Deutschthümler und Jahnianer nicht dulden. Flugmenschen oder Luftschiffer verhalten sich überhaupt zu den Sitzfleisch-Menschen u. Mistgablern wie Bienen zu den Menschen; wenn sie fliegen, so thun sie keinem Menschen etwas, sobald man sie jedoch auf den Blumen antasten will, so stechen sie. Stach ich nun auch nicht, so schlug ich doch lieber mit Händen und Füßen aus ...

In Familien hab' ich mich nicht eingenistet u. fliehe überhaupt, ich weiß nicht warum, die erbärmlichsten Menschen, komme nur wenig aus und bin manchmal so recht zerknirscht u. zerzerrt über die Winzigkeiten u. Erbärmlichkeiten dieser egoistischen Welt. Ach! – eine Welt ohne Menschen, was wär' sie? – ein unendlicher Friedhof – ein Todtenschlaf ohne Träume – eine Natur ohne Blumen u. ohne Frühling – ein todter Guckkasten ohne Figuren – und doch –! Diese Welt mit Menschen, was ist sie? Dasselbe – ein ungeheurer Gottesacker eingesunkener Träume – ein Todtenschlaf mit Blutträumen – ein Garten von Cypressen und Thränenweiden – ein stummer Guckkasten mit weinenden Figuren. O Gott – das ist sie – ja!

... Lebe denn wohl, geliebter Freund; Dein Leben möge nicht mehr Gewölke haben, als zu einem schönen Abendhimmel nöthig ist, u. nicht mehr Regen, als zu einem Mondregenbogen, wenn Du Abends auf den Bergruinen sitzest u. entzückt in das Blüthenthal u. in den Sternenhimmel schaust. Vergiß aber auch dann nicht den fernen Freund, der recht zermalmt und unglücklich ist, und wünsche mir alles, was ich Dir aus der Ferne wünsche. Dein milder menschlicher Genius flattre leicht über den Koth des Lebens u. Du selbst, bleibe, was Du bist, u. was Du warst – menschlich, menschlich–-

Lebewohl!
Dein
Schumann.

*

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