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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 32
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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30. Johann Kaspar Hirzel und Ewald von Kleist an Gotthold Samuel Lange

Potsdam, den 2. Nov. 1746.

Sie machen mich recht stolz mit Ihrer Freundschaft, wovon Sie mir mit Ihrem letztern aufs Neue die sueßeste Versicherung geben. Zu der Zeit, da Ihre fuertrefflichen Gedichte die Hochachtung gegen Sie auf den hoechsten Grad trieben, fing ich an, mich hochzuachten. Denn wie koennte ich, ohne einige Verdienste, die Liebe eines von mir so Hochgeschaetzten erhalten, und Sie Schmeicheleien zu beschuldigen, kam mir abscheulich vor, da ich am meisten Sie wegen Ihrer Aufrichtigkeit und Redlichkeit ehre. Sehen Sie, in was vor Verwirrung Sie mich setzen! Ihre Klugheit wird hierbei das Meiste zu thun haben, mich vor allzu großer Eigenliebe zu verwahren, ohne dadurch mich des unschuldigen Vergnuegens zu berauben, womit mich Ihre Liebe ueberschuettet. Verringern Sie ja diese nicht, sonst berauben Sie mich des kraeftigsten Antriebs zur Tugend, da ich dieses Vergnuegen vor eine Belohnung der Tugend ansehe. Die Welt kommt mir noch einmal so reizend und der Schoepfer noch einmal so liebensund anbetungswuerdig vor, da ich ueberzeugt werde, daß die Tugend aus jener nicht gänzlich verstoßen sei, und durch die süßesten Empfindungen gewiß werde, daß der Schöpfer die Tugend noch in diesem Leben belohne. Warum zweifeln Sie, ob mir was an der Doris Gedanken, die sie von mir heget, gelegen sei? Meinen Sie, daß ich dieselbe weniger hoch achte als Sie selbst? Meinen Sie, daß ich gegen dieselbe nicht ebenso viel Freundschaft hege als gegen Sie selbst? Wie können Sie mir eine solche Kurzsichtigkeit zutrauen, daß ich nicht aus ihrem Umgange ihr tugendhaftes und edles Gemüthe kennen sollte, da mich ihre Schriften von den Kräften ihres Geistes auf das Lebhafteste überzeugen? So lange Doris und ihr Dämon mich hoch achten und lieben, so lange werde ich vergnügt und mit mir selber zufrieden sein, und sollte mich auch die ganze übrige Welt verachten. Ja, gönnte mir der Himmel in ihrem Umgange nur harte Kost, mein Leben durchzubringen, so würde ich Friedrichs Schätze gegen dieses Glück verachten. Aber warum zaudert Doris so lange, mir auch durch ein paar Zeilen Versicherung ihrer Hochachtung zu geben? Sie entschuldigen Ihre Doris mit ihren Geschäften. Allein braucht es so viel Zeit dazu, zu schreiben: Ich liebe Dich immer als einen wahren Freund; sei versichert, Daphnis, daß Du niemals aus meinem Gedächtnisse kommst! Ich beschwöre Sie bei dem heiligen Bande, womit uns die Freundschaft verbindet, mich einmal hier heimzusuchen.

(Kl.) Er hat Recht, Sie müssen ihn besuchen, doch nicht ihn allein, sondern mich mit. Er stirbt fast für Liebe gegen Sie. Und ich empfinde fast aus der bloßen Vorstellung Ihres Umganges ebenso viel wie er, und ich glaube, daß ich Sie noch mehr lieben werde, wo anders dieses möglich ist.

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