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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 307
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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305. Mörike an Wilhelm Hartlaub

Owen, [den 23 Juli] 1830 [und vorher).]

Wie glücklich hast Du mich heute gemacht, mein teuerster H.! Du wolltest mir ein Erinnerungszeichen an Dich schicken aus Deinem Garten, und sieh! in einem Garten empfing ich Deinen Brief. Da ist eine schöne Laube mit einem weichen Kanapee, so saß ich da und hatte Schreibzeug und Papier vor mir auf'm Tischchen: geht die Gartentür auf, und der Bote bringt mir drei Briefe, worin einer von Dir, ein anderer von lieber Mädchenhand. Welchen glaubst Du, daß ich zuerst erbrochen? – Und als ich nun aufs neue zu dem Deinigen zurückkehrte und ungeteilt nur bei Dir war, wie selig tobte nicht mein Herz, von Vergangenheit und Zukunft gedrängt! Ich hatte Deine Rosenblätter, von denen das Papier innen und außen duftete, sachte bei Seite getan, ein Windstoß mit einmal nahm sie weg, und siehe! der größte Teil davon hatte sich am Pfosten der Hütte in einem Spinnennetz gefangen, die übrigen las ich glücklich vom Boden aus andern eingebornen heraus, und hier erhältst Du denn von diesen.

O lieber, lieber Freund! Ich möchte Dir um den Hals fallen dafür, daß Du nicht an mir zweifeln gelernt hast. Ich sage Dir, mir war oft bange darum, und je banger mir würde, d. h. je mehr ich meine Schuld mit Schreiben gegen Dich fühlte, je weniger könnt ich zur Antwort auf Deinen großen kostbaren, ja kostbaren Brief vom August 29 bekommen. Sogar ein früherer, den ich in Scheer erhielt, drückte noch auf mein Gewissen. Glaube aber nur! es ist meistens eher die Vielheit und das süße Gedränge desjenigen, was ich einem Freund zu sagen hätte, als Leerheit, daß ich nicht schreibe. Frage nur den Bauer!

Was gäb ich nicht. Dich einmal an Deinem eignen Herd zu sehen! unversehens in Dein Haus und auf Deine Studierstube zu treten, daß ich hinter Deinen Stuhl schliche. Dir die Augen mit meinen Händen zuhielte und fragte: Wer ists? – –

*

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