Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Verschiedene Autoren >

Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 30
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
Schließen

Navigation:

28. Gellert an Rabener

Mein bester Freund!

Pansion! guter Rabener! nein, es wird mir keine ausgezahlet; ich habe auch ohne die geringste Unruhe, meine Quittung, die mir von Meißen zurück geschickt wurde, in mein Pult gelegt; das kränkt mich nicht, ob michs gleich nicht erfreuen kan.

Koente ich meinem Vaterlande den Frieden, und bessere Zeiten durch den Verlust von hundert Rthlr. jaehrlich erkaufen, ich, der ich so bald nicht mehr arbeiten kann, auch nichts mehr habe; o, mit Freuden!

B. hat mir durch C. den Antrag thun lassen, ob ich mich zur Erziehung des Kronprinzen wolte brauchen lassen? Aber mein liebster Freund, so lange ich nicht wegen meiner notdürftigen Erhaltung gedrungen bin mein Vaterland zu verlassen, so will ich glauben, daß ich eine Pflicht habe, auch in einem unglücklichen Vaterlande zu leben; so denken Sie auch, ja denken Sie ewig so, wenn es moeglich ist. Sachsen verliehret, (dies kann und muß ich sagen) zu viel mit Ihnen, ein Mann für Geschaefte, für den Staat, ein Autor! Sie muessen unser bleiben.

Bey mir hat es wenig Gefahr, halb krank, an die Stube gewoehnt, wahrscheinlicher Weise nicht lange mehr zu leben, nur für einige junge Leute gut! O, ich kann bleiben wo ich bin, und mein Wunsch ist die Einsamkeit, das Land und noch ein gutes moralisches Buch nach meinem Tode.

Sie ehren mich, wie ich's verdiene, wenn Sie dem Prinz Heinrich sagen, daß ich Ihr aeltester und bester Freund bin, und ich wuerde Ihm zu meinem Ansehen eben das gesagt haben.

Ja, daß Sie, Gaertner, Schlegel, Cramer, Giesecke meine Freunde gewesen, dieses sehe ich als meine Glueckseligkeit des Lebens an; dieses soll mir bey der Nachwelt so gewiß Ehre, Beweis meines guten Herzens, Sicherheit meines Geschmacks seyn, als es Racinen Ehre ist, daß Boileau und Moliere seine Freunde gewesen. Unsere Periode, die jetzige, wird in der Litteratur der Deutschen nicht weniger merkwuerdig seyn, als es der Zeitpunkt des Boileau im Franzoesischen ist.

Gehen Sie immer zum Koenige. Er soll Sie sehen und bewundern, ich will es haben.

Ich verlange meine Pension nicht, aber er soll Ihnen geben, was Ihnen von rechtswegen gehoeret; Er soll, bessere Gedanken von den Deutschen und unter diesen von den Sachsen, in Ansehung des Witzes bekommen, und Sie sollen ihm statt aller Demonstration seyn, und sollen ihm, wanns moeglich ist, den Geist des Friedens inspirieren und meine Furchtsamkeit.

Aber lassen Sie sich durch nichts fesseln.

Ueber Gleims Unternehmen aergere ich mich. Leben Sie wohl, stets wohl, ich bin Ihr guter
Gellert.

*

 << Kapitel 29  Kapitel 31 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.