Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Verschiedene Autoren >

Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 292
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
Schließen

Navigation:

290. Heine an Moses Moser

Göttingen, den 20. Juli 1824.

Ich weiß wirklich nicht derbe Worte genug zu finden, um mich über Dein Stillschweigen zu beklagen. Was ist die Ursache? Unordentlichkeit darf ich bei Dir nicht voraussetzen, denn Du bist der ordentlichste Mensch Deines Zeitalters. Auch nicht Mangel an Freundschaft; denn so leicht ist nicht zu vermuten, daß Dein Marquis-Posa-Mantel von den Motten der Zeit aufgenagt worden sei. Um Gottes willen, es sind ja noch keine drei Monat, daß wir uns zuletzt sahen! Oder hat Gans, der mich durch Reinganum offiziell nicht grüßen ließ, in Deinen schönen Posa-Mantel ein Loch hineingeschwatzt? Oder beschäftigt Dich gar ein neues Philosophem oder ein Ungerscher Lehrsatz so sehr, daß Du nicht an mich denken kannst? –

Wie sehr anders ist es bei mir! Trotz meiner vielen Arbeiten und Schmerzen und Verwicklungen denke ich beständig an Dich. Noch diese Nacht träumte ich von Dir. In altspanischer Tracht und auf einem andalusischen Hengst rittest Du in der Mitte eines großen Schwarms von Juden, die nach Jerusalem zogen. Der kleine Marcus mit seinen großen Landkarten und Reisebeschreibungen, ging voran als Wegweiser. Zunz en escarpins trug die in roten Maroquin eingebundene Zeitschrift; die Doktorin Zunz lief nebenher als Marketenderin, ein Fäßchen jonteftigen Branntwein auf dem Rücken. Es war ein großes jüdisches Heer und Gans lief von einem zum andern, um Ordnung zu schaffen. Lehmann und Wohlwill trugen Fahnen, worauf das Schild Davids und der Bendavidfche Lehrsatz gemalt. Zucker-Cohen führte die Tempeljaner. Ehemalige Vereinsjungen trugen die Gebeine von Saul Ascher. Alle getaufte Juden folgten als Lieferanten, und den Beschluß des Zuges machte eine Menge Karossen; in der einen saßen der Tr...doktor Oppert als Feldarzt und Jost als Geschichtsschreiber der zu begehenden Taten, in einer andern Kutsche saß Friedländer mit Frau von der Recke, und in einer der allerprächtigsten Staatskarossen saß Michael Beer als Geniekorps, und neben ihm saßen Wolf und die Stich, die den »Paria« unverzüglich in Jerusalem aufführen und verdientes Lob einernten sollten.

*

 << Kapitel 291  Kapitel 293 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.