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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 285
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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283. Kerner an Lenau

Weinsberg, 13. Jänner 1832.

Niembsch!

Schrecklich geliebter!

Sie kennen mich noch nicht, sonst wäre Ihnen mein Klagegeschrei nicht aufgefallen. Ich liebe innigst und komme sogleich in Verzweiflung, wenn ich mich verstoßen fühle. Derlei Briefe können Schwab und Uhland und Mayer in Menge von mir aufweisen, denn von diesen glaubte ich mich auch schon oft verlassen. Seit diese Weiber genommen, sind sie so ganz erkaltet; so wird es auch mit dem brennenden Alexander gehen; mit Ihnen aber möge es nicht so gehen! Bleiben Sie ledig wie – Suso!! Ich habe auch ein Weib genommen, aber ich blieb dennoch gleich warm und getreu; um desto mehr schmerzte es mich an den andern. Oder wären Sie auch wie ich? – Zu Schubert (dem in München) faßte ich durch seine Schriften eine brennende Liebe, ich lebte in der Phantasie immer mit ihm; er aber wußte freilich nichts von mir; denn ich sah ihn nie, schrieb ihm damals auch noch nicht.

Vor sechs Jahren nun reiste dieser hier am Häuschen vorüber, ich erfuhr es, als er schon zu Straßburg war; da befiel mich eine so schreckliche Liebessehnsucht, daß ich ihm mit Gewalt nachreisen wollte, und von Frau und Kind und den Kranken kaum zu halten war; und weil man nicht ließ, verfiel ich mehrere Wochen in die tiefste Trauer. Jetzt schreiben wir uns schon längst und sind innige Freunde, sehen uns aber nie. Mehrere Monate jedoch blieb in diesem Winter ein Brief von Schubert aus, und schon war ich wochenlang sehr verzweifelnd und wollte mich gerade niedersetzen und an ihn schreiben, so wie ich an Sie schrieb – da kamen im Momente, als ich dazu die Feder ergriff, zwei Briefe von ihm auf einmal! – O Niembsch ich bin innen nicht so dick, wie außen! Dabei habe ich nicht die Kraft wie Sie! Sie sind ein glühendes, edles Metall, an dem die andern doch nur die Finger verbrennen; Sie werden doch nur immer gestählter und edler durch das Feuer; ich aber bin bald zur erbärmlichsten Schlacke verbrannt.

Als der Brief an Sie fort war, den ich im Moment schrieb, als gehört hatte, daß Sie in Heilbronn gewesen, hätte ich ihn gern wieder zurückgenommen: denn es sagte mir bald mein Herz, daß Sie mich nicht vergessen.

Verbergen kann ich auch nicht, daß ein Mißtrauen in mir ist, seit ich von Menschen, die sich jahrelang meine Freunde nannten, und denen ich mit unsäglicher Offenheit und Wärme entgegen kam, in der That verraten und mißhandelt wurde. Das that aber keiner von denen Menschen, die Sie in Württemberg kennen lernten.

Genug hiervon! Sie trösten mich ja aufs beste dadurch, daß Sie mir versprachen, auf vierzehn Tage (o, wären es vierzehn Jahre) zu uns zu kommen. Glauben Sie nur, daß das uns allen die herzlichste Freude machen wird.

Mein Rickele grüßt Sie auch tausendmal und ist nun auch wieder versöhnt! denn Sie sind nun auch in ihrem Herzen. O kommen Sie! Friede und Freude!

Ewig Ihr
J. Kerner.

Sind Sie denn immer dazu bestimmt, Spielern Geld zu geben? Diese Menschen sollen nicht spielen; sie sollen den Pater Suso (!!!) lesen! –

*

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