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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 278
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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276. Kerner an L. Uhland

Hamburg, den 24. Mai 1809.

»Alte Zeiten wurden jung,
Aus der gifterfüllten Quelle
Einen neuen tiefen Trunk.«

Bist Du noch in Tübingen, mein Uhland? Wenn Du noch dort bist, so rate ich Dir, nie wegzugehen. – Nun bin ich in Hamburg. Es ist eine recht schöne Stadt und scheint es mir hier oft mehr ländlich als städtisch zu sein. Meines Bruders Haus hat hinten einen kleinen Garten, worin mehrere große Bäume stehen, die schönen Schatten geben, auch stehen vor dem Hause große Bäume, wie vor mehreren in dieser Stadt. Manche Buden mit Volksliedern und Büchern hat es hier, sah es nur so im Vorübergehen, wo ich auch den Eginhard und Graf Walthern kaufte, wie den Albertus Magnus. Ich erinnere mich auch andere, uns noch unbekannte gesehen zu haben. Eine Sammlung von alten Schweizerliedern soll sich auf hiesiger Bibliothek befinden, ich werde ihnen nachgehen. Varnhagen traf ich nimmer. –

Aber o Uhland! – mein Freund! ich habe Dich nimmer und all unsere Thäler und Berge sind mir verblüht, und steh' ich verlassen in dieser großen Stadt. Und was wär' ich, hätt' ich nicht meine Maultrommel, die einzige Freundin der ich mein Herz ausschütten darf! – O Uhland! ich wollte Dir so vieles schreiben, und nun finde ich keine Worte. Sei indes mit diesen Zeilen zufrieden, bis ich ruhiger sein kann. Ich gehe bald von hier, aber dann weder nach Württemberg noch sonst an einen Ort von Europa, Asia, Afrika, Amerika und Neuholland.

Grüße mir all die Mädchen und Kinder tausendmal und wieder tausendmal!

O, nur eine Minute von einem vergnügten Abend bei euch!

Ewig
Der Deine K.

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