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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 26
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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24. Thomas Abbt an Candidat Basch

Halle, d. 23. Xbr. 1750.

Mein getreuer Freund!

Ich widme ihrem Umgang die ersten ruhigen Stunden, die ich nach vollbrachten Arbeiten erhalten habe. Meine Disputation und Promotion sind glücklich vorbey. Mein Kopf ist leer von allen gelehrten Grillen, und die glückliche Idee von Ihnen wird von den übrigen unnützen nicht mehr verdränget. Wenn nur nicht andre für mich unglückliche Ideen sich zugleich wieder mit einschlichen! Kaum wage ich es, diesen Ort zu berühren. Ihr lieber Brief der sich dabei aufgehalten hat, wird mir allezeit schäzbar seyn! Wollte Gott, daß ich mir ihn eben so nüzlich machen könnte! Die kleine Kenntnis von der Welt die ich habe, sagt mir, wie Sie, daß ich durch diese verderbliche Leidenschaft vielleicht meine Ruhe, und mein künftiges Glück unverbesserlich zerstöre, und mein Herz sagt mir, daß ohne sie meine Ruhe dahin sey. Ich bilde Entschlüsse, nachdem ich mit mir selbst raisonniert habe, und indem ich ihre Hand anfasse: so zerplazen sie wie Blasen. Ihr Rath allen Umgang zu meiden, ist vortrefflich. Ich hatte mir ihn selbst vorgeschrieben. Letzthin brachte mich ein Zufal in ihre Gesellschaft, und Sie mögen nun urtheilen, ob es mir nun nicht wieder schwerer als vorher ist, ihm zu folgen.

Ihre Vermuthung, daß ich geliebt habe, ehe ich es gewußt habe, ist nicht richtig. Ich weiß es auf ein Haar, wenn meine Leidenschaft angefangen. Meine erste Absicht, bey meinen Unternehmungen war die mechanteste von der Welt. Ich wünschte daß Sie den Aumonier heyrathen und ihm ihre Hand, mir aber ihr Herz geben solte. Ich wolte eine platonische Liebe unterhalten und triumphierte bey dem Gedanken, daß ich ihm, da er ihre Person besizen würde, ihr Herz rauben könte. Glauben Sie nicht, daß ich mich entschuldigen werde. Meine Absicht war von allen Seiten betrachtet abscheulich und niederträchtig. Meine verwünschte Eitelkeit, gewisse principes die ich damals hatte, und die Kentnis, die ich mir schmeichelte von dem Frauenzimmer zu haben, verleiteten mich zu diesen unglücklichen projecten. Ungeachtet aller Versicherungen, daß man mich niemals lieben könte oder wolte: merkte ich doch den Fortgang den ich machte, und da ich mit aller möglichen Kunst ihr gewisse Geständnisse entrissen hatte, die mich überzeugten, daß ich daran arbeitete eine Person unglücklich zu machen, und vielleicht nur schon zu weit gekommen wäre: fieng ich an meinen Plan zu ändern, und hielt mich verbunden Ihr aufrichtig mich anzubieten.

Ihre Person, die völlig nach meinem Geschmack ist, ihr Karakter, den ich ziemlich kennen lernte, und ihre melancholie die für mich die gefährlichste Reizung bey einem Frauenzimmer ist, alles trug dazu bey, die Fesseln zu schmieden, die mich zu einem der elendesten Sklaven machen. Mein Schicksal mag sich entwickeln auf welche Art es seyn wird: so werde ich alle Zeit einen nagenden Gedanken behalten, der meine besten Stunden mit Gram vermischen wird.

Vielleicht trägt meine Abreise von Halle, die nicht mehr über 2 Monate anstehen soll, etwas zu meiner Genesung bey. So viel versichre ich Ihnen, daß wenn auch meine Leidenschaft aufhören solte, ich mich par honneur verbunden halten würde, sie zu der meinigen zu machen, im Fall sie ohne engagement, und ich im Stande wäre, sie mit Ehre zu unterhalten.

Mein Plan für die ersten nächsten Jahre meines Lebens, wenn sie mir zugedacht sind, ist gemacht. Ich gehe gegen das Ende des Februar nach Berlin, nach einem 2 oder 3 Monatl. Aufenthalt daselbst, nach Geneve, wo ich mir Rechnung mache ein halbes Jahr wenigstens zu bleiben. Von dar will ich hingehn, wohin mich das Glück führt. Mit einem Wort, nach einigen Subsidien, die ich noch von Hause ziehen werde, will ich suchen mich selbst zu erhalten, und lieber Hunger leiden als Gelder von zu Hause begehren.

Vielleicht gewährt mir der Himmel den Todt, welches das beste wäre. –

Was sind denn Ihre Bekümmernisse, mein Engel? Können Sie sie nennen, und mich in einer völligen Unwissenheit lassen?

Wenn ich Zeit hätte, so wäre ich vielleicht zu Ihnen nach Weimar gekommen.

Lieben Sie mich wie ich Sie liebe: das heißt gewis nicht wenig begehren.

Abbt.

*

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